Thüringer Sagenbuch. Zweiter Band/Der Nixenstein

Der Sack voll Wildpret Thüringer Sagenbuch. Zweiter Band
von Ludwig Bechstein
Klosterstätte Querfurth
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222.
Der Nixenstein.

In dem Dorfe Wolfsgeferth am Elsterfluß steht ein bedeutender Felsen, welcher der Nixenstein genannt wird. An demselben ist in der Elster eine Tiefe, wo sich Nixen aufhielten und daselbst ihr Wesen auf verschiedene Art trieben. Wenn in dem zunächst der Elster gegenüber liegenden Dorfe Meilitz Tanz gehalten wurde, kamen die Nixen unter die Tanzenden und tanzten mit den jungen Burschen. Von alten Leuten kann man dort noch heute hören, daß ein alter aus dem Dorfe Großdrachsdorf gebürtig gewesener Einwohner, mit Namen Friedrich, vor Zeiten als Bauernknecht in dem Dorfe Untiz unfern Meilitz diente, und vielmal erzählt hat, selbst mit einer solchen [93] Nixe in Meilitz getanzt zu haben. Ein alter Hofknecht zu Meilitz warnte den Burschen und sagte ihm: Tanze nicht mit diesem Mädchen, sie ist eine Nixe und hat ein grünes Hemde an. Das hörte die Nixenjungfrau in ihre Ohren hinein und nahm es sehr übel. Binnen drei Tagen schon war der Hofknecht tod. Er hatte aus der sogenannten über Wolfsgeferth oben gelegenen kleinen Mühle Mehl geholt, und fuhr bei dem Nixensteine unweit der Tiefe durch die Elster, da kam es herauf aus dem Wasser und zog ihn hinab in die Nixentiefe, daß er ertrank.

Auf dem Nixenstein sollen die Nixen auch oft ihre Wäsche trocknen.

Zwischen Meilitz und Großdraxdorf liegt Wünschendorf, ob der Name nach Winden, dem Volksstamme, oder nach dem Wode, dem „Wunsch“ deutet, ist die Frage. In Wünschendorf war es üblich, daß fast jeder Nachbar eine „Hausotter“ hielt, und dieselbe mit Milch fütterte, die in kleinen Näpfchen hingestellt wurde.