Sylvicultura oeconomica

Textdaten
Autor: Hans Carl von Carlowitz
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Titel: Sylvicultura oeconomica
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Erscheinungsdatum: 1713
Verlag: Johann Friedrich Braun
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Erscheinungsort: Leipzig
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Anweisung zur

Wilden

Baum-Zucht.


Leipzig verlegts
Joh. Fried. Braun
1713.

Mit GOtt!
SYLVICVLTVRA OECONOMICA,
Oder
Haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige
Anweisung
Zur
Wilden Baum-Zucht,
Nebst
Gründlicher Darstellung/
Wie zu förderst durch Göttliches Benedeyen dem allenthaltben und insgemein einreissenden
Grossen Holtz-Mangel/
Vermittelst Säe- Pflantz- und Versetzung vielerhand Bäume zu prospiciren/
auch also durch Anflug und Wiederwachs des so wohl guten und schleunig anwachsend - als andern gewüchsige und nützlichen Holtzes, gantz öde und abgetriebene Holtz-Ländereyen, Plätze und Orte widerum Holtzreich, nütz und brauchbar zu machen; Bevorab von Saam-Bäumen und wieder wilde Baum-Saamen zu sammlen, der Grund und Boden zum Säen zuzurichten, solche Saat zu bewerckstelligen, auch der junge Anflug und Wiederwachs zu beobachten. Daneben das sogenannte lebendige, der Schlag-an Ober- und Unter-Holtz auffzubringen und zu vermehren, welchen beygefügt die Arten des Tangel- und Laub-Holtzes, thels deren Eigenschafften und was besagtes Holtz für Saamen trage, auch wie man mit frembden Baum-Gewächsen sich zu verhalten, ferner wie das Hols zu fällen, zu verkohlen, zu äschern und sonst zu nutzen.
Alles zu nothdürfftiger Versorgung des Hauß-Bau-Brau-Berg- und Schmeltz-Wesens/
und wie eine immerwährende Holtz-Nutzung, Land und Leuten / auch jedem Hauß-Wirthe zu unschätzbaren großen Auffnehmen / pfleglich und füglich zu erziehlen und einzuführen.
Worbey zugleich eine gründliche Nachricht von den in Churfl. Sächß. Landen
Gefundenen Turff
Dessen Natürliche Beschaffenheit / grossen Nutzen / Gebrauch und nützlichen Verkohlung.
Aus Liebe zu Beförderung des algemeinen Bestens beschrieben
Von
Hannß Carl von Carlowitz /
Königl. Pohl. und Churfl. Sächß. Cammer-Rath / und Ober-Berg-Hauptmann.
 
 
Mit Königl. Pohl. und Chufürst. Sächß. allergnädigsten PRIVILEGIO.
LEIPZIG /
verlegts Johann Friedrich Braun 1713.
Dem AllerDurchlauchtigsten / Großmächtigsten Fürsten und Herrn /
HERRN
Friedrich Augusto /

Könige in Polen / Groß-Hertzogen in Litthauen / Reussen / Preußen / Mazovien / Samogitien / Kiovien / Podlachien / Lieffland / Schmolenscien / Severien und Zschernicovien / Hertzogen zu Sachsen / Jülich / Cleve und Berg / auch Engern und Westphalen / des Heil. Röm. Reichs Ertz-Marschallen und Churfürsten / Landgrafen in Thüringen / Marggrafen zu Meißen / auch Ober- und Nieder-Lausitz / Burg-Grafen zu Magdeburg / Gefürsteten Grafen zu Henneberg / Grafen zu der Marck / RavensBerg und Barby / Herrn zu Ravenstein etc.

Meinem allergnädigsten Könige / Churfürsten und Herrn.
Sylvicultura oeconomica b 006.jpg

Aller Durchlauchtigster / Großmächtigster König /

Allergnädigster Herr!

GLeichwie Ew. Königl. Majestät hohe und glorwürdigste Actiones in Dero Reichs-Geschäfften / und die unendliche Inclinationes, so Sie zu Auffnehmung Dero mannigfaltigen Landen und Leuten allergnädigst gerichtet / wohl in der gantzen Welt zu Ew. Königl. Maj. höchsten und unsterblichen Nachruhm / und zu jedermanns großen Verwunderung erschallen / dahero niemand unverborgen / und folglich nimmermehr gnugsam zu preisen / und zu veneriren sind; Also leuchtet sonderbahr unter andern herfür / und tröstet die armen Unterthanen Ew. Königl. Maj. unvergleichliche Sorgfalt / den Handel und Wandel zuerheben / und dadurch sattsame Nahrung und Unterhalt für sie zu conserviren / worunter der Berg-Bau bey Ew. Königl. Maj. Weltberuffenen Sächsischen Ertz-Gebürge / als ein großes Momentum, zum Besten des gemeinen Wesens / bevorab zu rechnen / dadurch viele herrliche Städte / Flecken und Dörffer eingebauet / viel tausend Menschen ernehret / große Summen Geldes in Deroselben und Dero benachbarten Landen zum rouliren bracht /und vermittelst derer Metallen und Mineralien auch daraus gefertigten Manufacturen / das Commercium bey der Kauffmanschafft ins Land gezogen / je mehr und mehr verstärcket / darinnen erhalten / und folglich Ew. Königl. Maj. hohes Interesse immer möglichst befördert wird.

In dieser Betrachtung nun / und sonderlich wie die Bergwercke / als das edle Kleinod und unschätzbare heilige Nahrungs-Mittel bey Ew. Königl. Maj. Churfl. Sächß. Landen / wegen anscheinenden Holtz-Mangel künfftig nicht in Abfall kommen / und dadurch die florierende Commercia gehemmet werden möchten / so habe als Ew. Königl. Maj. treuer Vasall und Berg-Hauptmann oder Beobachter Dero hohen Berg-Regalis, ich meiner Pflichtschuldigkeit nach mich unterwunden / hierüber meine wenige Gedancken in Schrifften nicht allein zuentwerffen / sondern auch auf treuer Patrioten Gutbefinden / solche zum Druck zubefördern / und darinnen mit wenigen anzumercken / wie das Holtzwesen in Ew. Königl. Maj. Churfürstl. Sächsischen Landen etzlicher maßen zu unterhalten / und der befürchtende Holtz-Mangel durch den Anflug und Wiederwachs des jungen Holtzes / bey und auf denen großen Blösen / und Stock-Räumen derer in viel tausend Ackern bestehend abgetriebener und abgehöltzter Wälder / denen Nachkommen zum Besten / nach und nach wieder zuersetzen / und dadurch den lieben Bergwerck / (welches in Ew. Königl. Majest. Landen / durch GOttes Seegen unerschöpfflich / aber ohne sattsames Holtz / nicht geführet werden mag) so wohl voritzo / als künfftighin zu Vermehr- und Erweiterung zustatten zu kommen / zumahl weil doch Grund und Boden gnugsam hierzu vorhanden / und bey dessen pfleglicher Holtz-Cultur solches hinfüro nicht ermangeln kan. Ob nun wohl / Allergnädigster König / ich Bedencken tragen möchte / Ew. Kön. Majest. ein dergleichen geringfügig Werck allerunterthänigst zu überreichen; So habe dennoch in Erwegung obangeführter Ew. Königl. Maj. allergnädigsten Lands-Väterlichen Intention, die Sie mit unsterblichen Ruhm führen / Dero Unterthanen in Erheb- und Beförderung ihrer Nahrung und Conservation derer Commercien / und sonderlich bey dem lieben Berg-Bau alle gnügliche Hülffe und Gnade zuthun / ich mir also aus treuinnerster devotion die Resolution hierzu unumgänglich fassen sollen / sintemahl gnugsam am Tage / daß bey dem Berg-Bau das Land um soviel als an edlen Metallen aus der Erde jährlich bracht / allezeit am Gelde reicher wird / und die schöne Müntze / nebst dem Vertrieb derer vielen Metallen und Mineralien / und daraus gefertigten Wahren und Manufakturen / erhöhet dem Handel und Wandel continuirlich. Dahero zu Euer Königl. Maj. Füßen diese wenige Schrifft hiermit in tieffster Submission niederlege / mit allerunterthänigster Bitte / Ew. Königl. Maj. wollen allergnädigst geruhen / auf solche einen gnädigen Blick fallen / und Dero Königl. Schutz unterworffen seyn zu lassen. Verhoffe anbey zu GOtt / der wird das Werck also seegnen / daß so wohl dem Berg-Bau / als auch dem Holtz-Wesen in Ew. Königl. Maj. Reichen und Landen vorjetzo als künfftig nöthiger Beytrag erwachsen / und folglich denen armen Unterthanen und der lieben Posterität zur Erhaltung ihrer Nahrung prospiciret werden möge / welche Frucht-Niessung hertzlich von GOtt bittet / und zu allen Göttlichen reichen Seegens-Begnadigung überlässet / auch mit diesen hertzinnigsten Beywundsch in allertreuester Devotion Lebenslang unabläßig verharret

Ew. Königl. Majestät

Freyberg
den 12. October 1712.

allerunterthänigst treugehor- 
samster Diener.
 
Hannß Carl von Carlowitz. 
B. C. D.
Vorbericht /
An den geneigten Leser.

ES bewähret die allgemeine Notorietaet und der Augenschein / daß vom nächsten Seculo her / das belobte Teutschland bey der Oeconomie in Acker-Bau / und sonderlich in der horticultura oder Garten-Bau gegen vorige Zeiten / sich um ein grosses erweitert / und verbessert / auff welche / durch die Natur und Kunst immer mehr und mehr excolirte und höher gestiegene Garten-Bau-Lust / hohe Potentaten / Standes- und andere Land-gesessene Personen / große Sorge / Mühe und Spesen / vermittelst Anschaff- und Pflanzung allerhand aus- und inländischer Bäume / Blumen und anderer raren Garten-Gewächse angewendet / denen hernach in Gemein die fleißige / embsige und curiose Oeconomi und Liebhabere / nach Zeit und Unterscheid / gefolget und gewiß darinnen bis hieher es soweit gebracht / daß nunmehro Unser Vaterland mit solcher Gärtnerey / beyde nach deren Belustigung / als Nutzbarkeit / andern vormahls darinnen besonders berühmt gewesenen Ländern Europä wenig nachgiebt / ja auch noch wohl manchen praevaliren dürffte / indem hin und wieder so viel kostbare / mit schönen Gebäuden gezierte, lustige und plaisirliche Gärten / von denen delicatesten Baum- und andern Früchten / durch die Natur / Fleiß und Kunst erbauet und angefüllet anzutreffen / daß man solche wohl mit Recht Irrdische Paradieße zu nennen hat / welches dann auch so wohl gantzen Provinzien als particular-Güthern zu großer Würderung und Aufnehmen gediehen / und worvon inn- und außer Landes / von curiösen Leuten allerhand Bücher in ziemlicher Anzahl geschrieben / und dadurch so vielmehr der gute effect gewonnen und befördert worden / so / daß fast gantz Europa vorietzo beschäfftiget / die Gärtnerey nochmehr zu excoliren / und zu erweitern.

Wiewohl nun solches alles verwunderns- und rühmens-würdig / so ist doch hingegen nicht unbillig zubedauern / daß ob gleich der große und unentbehrliche Nutzen / so aus denen wilden Gehöltzen zuziehen / demjenigen / so die Gärten geben / unvergleichlich weit übertrifft / jedennoch bey dem so hoch hinangebrachten Garten-Bau / unter dessen der oeconomie in Unterhalt-Vermehr- und Erweiterung derer wilden Bäume und Gehöltze / an vielen Orten große Versäumnüs zugewachsen / und wenig / ja fast nichts ausführliches von Säe- und Pflantzung / item von guter Pflegung und Wirthschafft treiben / bey dem wilden Gehöltze / wie auch von Beförderung deren Anflug und Wiederwachses beschrieben / dahero wohl zu wüntschen / daß die Sylvicultura, oder der wilde Holtz-Anbau / auch so hoch / als die Gartnerey erhoben werden möchte / dadurch würden ohne Zweiffel diejenigen Länder / so großen Holtz-Vertrieb haben / auch zum Holtzwachs genaturet / und mit weitläufftigen Revieren darzu von Göttlicher Allmacht versehen / in großes Aufnehmen gesetzet werden; Allermaßen des Holtzes bey keiner Wirthschafft / ja auch in dem allergeringsten Bauer-Hüttlein / auf keinerley weise / und so wenig / als fast das tägliche Brodt / entrathen werden / ja auch niemand dieses / ohne das Holtz / erbauen / mahlen / noch backen und also mit Grund der Wahrheit wiedersprechen kan / daß das Holtz zu Hinbringung des menschlichen Lebens / und Unterhaltung des allgemeinen Besten / vor ein requisitum primum, als eines auf der Welt mit zuhalten sey / welches um so vielmehr sich an den Tag leget / daß man ohne dasselbe / nebenst dem lieben Brodt / weder zu Saltze noch Schmaltze zugelangen / noch zu kochen / zu brauen / ja nicht in Trocknen zu wohnen / noch weniger den Leib den harten Winter durch / vor Frost und Kälte gesund und bey Kräfften lebendig zu erhalten / vermag / zugeschweigen daß ohne dessen Bey-Hülffe auch bey dem Edlen Bergbau zu denen untersten Schätzen der Erden in keinerley Wege zukommen / und also weder Silber noch Gold / oder andere Metalle und Mineralien / worinnen doch der nervus rerum gerendarum bey dem gemeinen Wesen bestehet / fündig zu machen / zu schmeltzen / zu münzen / noch sonsten zu Nutze zu bringen / und solchem nach / dieses nochmahlige Conclusum zubefestigen / daß ohne das Holtz und dessen nöthig- und nützlichen Gebrauch / das menschliche Leben und Bonum publicum nicht wohl bestehen / noch unterhalten werden könne.

Zwar ists nicht ohne / daß die Weißheit des Allmächtigen Schöpffers dem Erd-Boden vom Anfang her / unter andern auch von sich selbsten den Herfürwachs allerhand Bäume / und darunter zugleich die vielerhand Arten des Wald-Holtzes eingenaturet / welcher auch noch bis hieher solche Seegens-Krafft behalten und seine Selbst-Besaam- und Fort-Stammung durch alle Zeiten hindurch / Gottlob! bewiesen hat / und noch beweiset.

Man hat sich aber hierunter allzusehr auf die Natur in diesen letzten Zeiten verlassen, in fester Meynung / als ob diese immerzu einen Uberfluß des Holtzes von sich selbsten / und ohne Zuthuung des Menschen industrie und Arbeit fourniren und darreichen würde / maßen Teutschland vor alters meist ein in die Länge und Breite sich erstreckender ungeheuerer Wald gewesen; aber es gibt nunmehro die Erfahrung gnugsam am Tag / daß man in solchen Gedancken sich allzuweit vergangen / indeme der einreissende Holtz-Mangel / da soviel 1000. AckerWald-Revier zum Acker-Teich-Feld-Wiesen- und Garten-Bau gezogen / auch der Mensch selbst in vielen Stücken den Holtz-Anwachs mehr verhindert / als befördert / uns mit Schaden gar einanders lehret; dahero / gleichwie notorisch / daß keine Wirthschafft / kein Feld-Acker-Berg-Garten-Bau / Viehe-Zucht und so ferner / ohne sonderbahre Zuthuung derer Menschen Hände / Sorge / Mühe und Fleiß / völlig aufkommen / noch immer fort solche bestehen mögen; Also lässet sich auch ein dergleiches von denen wilden Bäumen und Wäldereyen mit allen Fug und Rechte bestärcken / zumahl in denen Ländern und Provinzien / welche an Städten und Dörffern wohl angebauet und bewohnet / und zugleich zu dem Edlen Bergwerck an Metallen und Mineralien radicaliter geartet sind / und also in einer mehrern Nothdurfft und Consumtion des Holtzes als der von denen angebaueten und zubereiteten Feldern / Wiesen und Gärten / übergebliebene Wald-Raum / zu zeugen und zu tragen vermag / versiren / oder auch wenn weit und breite Gegenden und Stock-Räume abgetrieben worden und auf denenselben Blössen in langen Jahren kein junger Anflug und Wiederwachs sich finden will und empor kömmt / da endlich die andern noch bestandenen Wälder je mehr und mehr angegriffen / die Gehöltze je länger je dinner werden und so wohl die Communen / als die Berg-Schmeltz- und Siede-Wercke / den Mangel auf einmahl mit dem grösten Schaden empfinden müssen / wie eben um des Holtz-Abganges und hohen Preisses willen / viel Bergwercke in Europa / und in andern Theilen der Welt ungebauet liegen bleiben / und nicht auf die Kosten zu bringen / sonderlich das unschätzbare reiche Bergwerck in Peru aufn Berge Potosi, da vor alters / bewährter Beschreibung nach / eine Anzahl von 6000. Wind-Schmeltz-Oefen gangbar / und das ganze Gebürge des Nachts als in Feuer stehende anzusehen gewesen seyn soll / guten theils das Schmeltzen eingestellet / und auf den Mercurium, als das sehr kostbahre Gut-machen der Ertze / eingerichtet. Auch ist bekant / daß hiesiger Landen die Eißlebischen edlen Silber- und Kupffer-Bergwercke aus Mangel des Holtzes ziemlich eingezogen werden müssen; dahero in Zeiten und nicht weniger bey dem hiesigen Churfürstlichen Sächsischen Ertzgebürge / so äusserlich mit vielen starcken Communen angebauet und besetzt / innerlich aber mit dem edlen Bergwerck von allerhand Metallen und Mineralien gesegnet / dieserwegen zu vigiliren / die Nothdurfft erheischen dürffte.

Welchem Holtz-Abgang fürzukommen / und die abgetriebenen Revieren / Stock-Räume und Blössen vornehmlich durch neue Besaamung / davon das Holtz anzufliegen pfleget / wiederum aufzuhelffen / wohl nicht undienlich seyn möchte.

Wo nun in solchen weit- und breiten Blössen keine Saam-Bäume übrig geblieben / oder von Sturm und Ungewitter niedergeworffen und umgebrochen / noch außer denenselben keine in der Nähe bestandene Wälder / worvon der Saame hin und wiederausflieget / der die Blößen oder Stock-Räume besaamen und daraus der Anflug sich gnugsam generiren kan / verhanden sind; So muß nothwendig menschliche provision adhibiret / (Nam pius est patriae gereve facta labor,) der Saame auf andern Wald-Revieren / und von einzeln Bäumen hin und wieder gesamlet / auf die öden Räume und Blößen ausgestreuet / und also dieselben zum neuen Anflug und Wiederwachs gebracht werden / sollen sie nicht in perpetuum, oder auf viele Zeiten hinaus öde und wüste bleiben, welches so wohl von dem großen Tangel-Holtz / an Tannen / Fichten und Kiefern als von Laub-Holtz / an Buchen / Eichen etc. worzu das hiesige Ertz-Gebürge am allermeisten genaturet / zu verstehen / und dabey zu consideriren / daß jenes das große hohe Tangel- und Laub-Holtz / nach Gelegenheit des Bodens / unter 30. 40. 50. 60. bis 100. Jahren notorie nicht recht schlagbar / oder zum Bauen an Bret-Schindel-Holtz und dergleichen / tüchtig wird und also mit dem Säen zwar der Posterität wohl zu prospiciren / dem aber schon gegenwärtigen Holtz-Mangel hierdurch so bald / wie es wohl die Nothdurfft erfordert, keine völlige Abhülffe zuthun; so wird aber doch bey Menagirung des annoch verhandenen Holtzes / noch eine gute Zeit auszukommen / und Haußzuhalten seyn / bis der hoffende Wiederwachs wieder herankommet / und nach advenant brauchbar wird.

Dahero will nebenst Colligir- und Ausstreuung des Wald-Baum-Saamens / in dessen noch auf ein Neben-expediens, wie man zeitiger und ehe die besäeten Revieren bestanden und brauchbar werden / Holtze wieder gelangen können / zu dencken seyn / worzu das nähest- und thulichste Mittel seyn dürffte / daß man theils des gesäeten Laub-Holtzes / sogenannten Schlag-Holtze / von allerhand bald wieder / und aufn Stock ausschlagenden und herfür wachsenden wilden Stämmen und Bäumen / insonderheit Ahorn / Aschen / Bircken / Eicheln / Roth- und Weiß-Buchen / Haselstauden / Espen / Ilmen / Rüstern / Erln etc. zuerziehen / Mühe und Fleiß wird anwenden müssen / denn solch Schlag-Holtz eben auch auf denen Revieren und Stock-Räumen / wo vorhin das Tangel-Büchen- und andere Holtz gestanden / sein gutes Fortkommen hat / und wenn dieselben einmahl damit angebracht / theils alle 5. sonderlich das Erlene / da es auf guten und gewüchsichen Boden stehet / und theils in 10. 15. bis 20. Jahr nützlich abzutreiben / auch zum Schmeltzen tüchtiges Kohl daraus zu zubereiten / das Reißig aber zum Ertz-Rösten / wie auch in gemeinen Haußwesen wohl zu gebrauchen ist.

Und dieser modus den Saamen zusamlen / und zu säen und das junge Holtz zu Schlag-Holtz zu ziehen / und zu pflantzen / ist nicht alleine in andern Ländern eingeführet / sondern auch theils von Churfürst Augusto zu Sachsen etc. höchstseeligsten Andenckens / in Dero Anno 1560. aufgerichteten Holtz-Ordnung darauf besonders reflectiret worden / ja es hat dieser Glorwürdigste Churfürst darzu selber eine solche inclination gehabt / daß er viel wilde Bäume sonderlich Eichen (von eben denen noch heute zu Tage hierzu Lande viel noch verhanden und zu zeigen sind /) selber gestecket und gepflanzet / und zu dem Ende / wenn Er zu Pferde aufn Lande gewesen / je zu weiln eine Tasche voll Saam-Eicheln am Sattel hengen gehabt / sich auch einen langen hohlen küpffern Rohrstab nachführen lassen / womit er an thuligten Orten zu Pferde sitzend / ein seuchtes Loch in die Erde gestochen / eine Eichel aus der Tasche gelanget / sie durch das Rohr in das Loch fallen und hernach dasselbe zuebnen lassen, welchen und dergleichen höchstrühmlichen Exempeln dann um so viel weniger privati und gemeine Leute / mit ihrer Sorgfalt und Fleiß beym Baum-Saamen säen / nachzuahmen, etwas zu spahren haben / weil es ein gut practicables und Land und Leuten höchst nöthig und nützliches Werck ist / dadurch man / nechst Göttlicher Hülffe und Benedeyung die verödeten Holtz-Revieren wieder anbauen und dem Bono publico, so wohl bey der allgemeinen oeconomie, als bey dem edlen Berg- und Schmeltz-Wesen / keine größere Vorträglichkeit machen kan /

Cum Divitiae Patriae perennus sint arbores & Sylvae
Et opprobrium esset, negligere arborum culturam. Dahero zu wünschen / daß die liebe antiquitaet auf dergleichen Holtz-Anbau /

zugleich bey der übermäßig excolirten Lust-Gärtnerey / und Erzeugung derer Obst-Bäume / auch ihre industrie mehr / als wenig man davon beschrieben und ausgearbeitet findet / angewendet hätten / so würde sonder allen Zweiffel der Holtz-Mangel fast aller Orten so tieff nicht eingerissen / sondern ein Wald-District neben den andern besaamet / bepflantzet / und eine immerwährende Holtz-Nutzung unterhalten worden seyn / worvon vorjetzo diesen geringen Tractat / so viel ich etwa in auswertigen Ländern / als auch bey meinen Diensten / und sonsten aus meiner Vor- und Eltern / so vor etzlichen Seculis her / die Jägermeister-Stellen hiesiger Lande vertreten / gehaltenen Actis erkundigen können / zusammen zutragen und den modum, wie mit sothaner wilden Baum-Zucht und Holtz-Anbau zu verschreiten / unter den Titul einer wilden Baum-Zucht anzuzeigen / die Liebe zum Vater-Lande und die Anleitung guter Freunde / auch meine zur Auffnahme und Beförderung des edlen Berg-Baues aufhabende Pflicht und Bestallung mich veranlasset. Wornechst ich mich auch zu entschuldigen habe / daß ich hierbey aller Weitläuffigkeit und Subtilitäten / die sonsten bey dergleichen Materia, Theoretice concurriren / und dahero allhier eines und das andere wohl anzubringen seyn möchte / mich mit Fleiß entschlagen und dargegen nur dahin getrachtet / wie männiglichen eine deutliche und Naturmäßige Anweisung zu sothaner Holtz-Cultur vor die Hand gegeben / und ein jeder Haußwirth / oder curiosus, solcher ferner nach zu sinnen / dienliche Mittel hierzu / mehr und mehr zu erfinden / und der vegetation der Erden hierunter zu Hülffe zukommen / und sie nach der zugleich mit vorgestelten Natur und Eigenschafft einer jeglichen Art des Holtzes / wie auch des darzu geschickten Grund und Bodens glücklich zuappliciren / und diese Wissenschafft ins Werck zu setzen / und in bessere Vollkommenheit zu bringen / auch aufgemuntert und bewogen werden möchte; welches an sich selbst sehr wichtig nöthig und nützliche Werck der Allerhöchste in Gnaden benedeyen / und vornehmlich zu seinen Preiß /so dann auch zum Aufnehmen und Beförderung der allgemeinen Landes-Wohlfarth / als dem von mir hierunter einzig abgeziehlten Zweck / gereichen und ausschlagen lassen wolle!

Summarischer Inhalt
des
Ersten Theils.
Das Erste Capitel.
Von denen vorigen großen / auch noch jetzo befindlichen Wäldern in Teutschland.       pag. 3.
Das Andere Capitel.
Von sonderbahrer Hochachtung der Wälder und Bäume. p. 7.
Das Dritte Capitel.
Naturmäßige Betrachtung der Höltzer. p. 19
Das Vierdte Capitel.
Vom Holtz-Mangel / und dessen Ursachen. p. 40.
Das Fünffte Capitel.
Von schädlichen Zufällen, Verderb und Beschädigung der Gehöltze, wie auch von Krankheiten derer Bäume. p. 53.
Das Sechste Capitel.
Von Spahr- und Schonung des Holtzes. p. 78.
Das Siebende Capitel.
Von Nothwendigkeit und gewissen Nutzen des Holtz-Anbaues / auch wie solcher aufs schleunigste befördert werden könne. p. 90.
Das Achte Capitel.
Von der Alten / auch anderer Nationen Bemühung beym Holtz-Säen / und der hierzu erforderten Wissenschafft. p. 111.
Das Neundte Capitel.
Von wilden Baum-Saamen insgemein. p. 126.
Das Zehende Capitel.
Von wilden Saamen-Bäumen, Reifung, wie auch Einsammlung und Erhaltung des wilden Baum-Saamens. p. 135.
Das Eilffte Capitel.
Von Grund und Boden zum Holtz-Bau / auch wie derselbe verbessert werden könne. p. 148.
Das Zwölffte Capitel.
Von Zurichtung des Bodens zum Holtz-Bau / und von der Aussaat selbsten / wie und wenn solche geschehen und verrichtet werden solle. p. 162.
Das Dreyzehende Capitel.
Von Anflug und Wiederwachs des wilden Holtzes / auch wie solcher nützlich anzulegen /it. von Schnitt und Schößlingen. p. 188.
Das Vierzehende Capitel.
Von Ober- und Unter- oder sogenanten Schlag- und lebendigen Holtze. p. 201.
Das Funffzehende Capitel.
Von der wilden Baum-Schule.       p. 212.
Das Sechzehende Capitel.
Von Aushebung und Versetzung der wilden Bäume. p. 218.
Das Siebenzehende Capitel.
Von Fortpflanzung frembder und ausländischer Gewächse und Bäume in hiesigen Landen / auch von unterschiedenen Arten frembder Bäume. p. 233.
Das Achtzehende Capitel.
Von Wart- und Pflegung der Gehöltze und der Bäume. p. 254.

Summarischer Inhalt
des
Andern Theils.
Das Erste Capitel.
Von Unterscheid / allerhand Arten und Geschlechtern der wilden Bäume / wie auch insonderheit von Tangel-Holtze.       p. 267.
Das Andere Capitel.
Von Laub-Holtz insgemein und insonderheit von denen Eicheln / Eckern / Nüssen / und dergleichen tragenden Holtz. p. 283.
Das Dritte Capitel.
Von wilden Obst. p. 307
Das Vierdte Capitel.
Von Laub-Holtz / so keine Früchte trägt. p. 315.
Das Fünffte Capitel.
Von Laub-Holtz / so keinen kennlichen Saamen trägt. p. 339.
Das Sechste Capitel.
Von Stauden und Gebüschen. p. 348.
Das Siebende Capitel.
Von fürtrefflichen und unentbehrlichen Nutzen der Wälder und des Holtzes. p. 355.
Das Achte Capitel.
Von Fäll- u. Schlagung des Feuer- Bau- u. Kohl-Holtzes. p. 373.
Das Neundte Capitel.
Von Holtz-Verkohlen und dessen Beschaffenheit / ingleichen / eigentliche Nachricht des Kohl-Brenn-Wercks. p. 382.
Das Zehende Capitel.
Von Aeschern und Kühn-Ruß. p. 395.
Das Eilffte Capitel.
Von wunderwürdigen Seltsamkeiten der Bäume. p. 396.
Das Zwölffte Capitel.
Von dem in Chur-Säsischen Landen gefundenen Turff / dessen Zurichtung / Verkohlung / Nutzen und gehaltener Probe in Schmeltzung der Metallen. p. 424.

Von denen
Wäldern
insgemein /
Dem bißherigen und noch weiter einreißenden
Grossen Holtz-Mangel,
Dessen Ursachen, auch wie selbem durch eine gute
Menage ingleichen durch Säen und Pflantzen
So wohl
Des in- als ausländischen wilden Holtzes
vorgebeuget / und die Holtzung conserviret
werden könne.
Erster Theil.
Sylvicultura oeconomica b 019.jpg

Das Erste Capitel /

Von denen vorigen grossen / auch noch ietzo befindlichen

Wäldern in Teutschland.

§. 1. Teutschlands Beschaffenheit zu Taciti Zeiten. Vom Hartz-Wald / oder Sylva Hercynia, dessen Benennung und Größe.

§. 2. Griechische und Lateinische Scriptores von der Teutschen Wäldern. Der Römer Studium Geographicum.

§. 3. Ursachen warum die Teutschen grosse Wälder geliebet. Land-Wehren was die gewesen. Vom Knickicht und dessen Benennung.

§. 4. Heutiger Zustand und grosser Nutzen derer Wälder in Teutschland.

§. 5. Von ietzigen Hartz-Wald.

§. 6. Wälder ausserhalb Teutschland.

§. 7. Pyrbäumer-Wald in Crayn.

§. 8. Wälder in Bayer-Land und Meissen.

§. 9. Wälder in Teutschland sind ietzo sehr entblöset.

§. 10. Ob in den warmen Ländern mehr Nutzung aus den Bäumen zu ziehen / als in den kalten.

1. §.

WIe duster das alte Teutschland vor Zeiten wegen der ungeheuren grossen Wälder muß ausgesehen haben / kan man aus dem Corn. Tacito im 5ten Capitel seines Buchs / so er sonderlich von Teutschland geschrieben / abnehmen. Terra, saget er /in universum sylvis horrida aut paludibus foeda: Das Land ist überall furchterlich / entweder wegen der Wälder / oder sumpfig / wegen der Moräste. Ja es scheinet, daß durch gantz Teutschland und an deren Gräntzen ein meist in- und aneinander hangender continuirlicher, Wald gewesen / so von denen Römern Sylva Hercynia, von denen Teutschen aber / der Hartz- oder Schwartz-Wald genennet worden / entweder wegen des vielen Hartzes / oder / daß er / wegen der vielen dicken und hohen Bäume / gantz schwartz und duster von aussen und in Durchreisen / anzusehen gewesen / weil die Sonne ihre Strahlen und Licht nicht durchwerffen können. Denn es schreibet noch vor dem Tacito, JULIUS CAESAR de Bello Gallico lib. 6. hievon dieses Inhalts: Des Hartz-Waldes Breite erstrecket sich auf 9. Tagereisen / so ein guter Fußgänger verrichten kan / und berühret seiner Grösse halber / mancherley Nationen und Völcker Gräntzen. Auch sey keiner unter denen Teutschen / welcher sagen möge / daß er zu den Anfang dieses Waldes kommen / wenn er auch gleich 60. Tage-Reisen zurück geleget / oder / daß er gehöret habe / an welchen Orten er anfahe, / wobey dasjenige, was PHIL. CLUVERIUS Germ. Antiqua lib. 3. c. 47. p. 703. angemercket / nachgeschlagen werden kan.

§. 2. Solcher grausamen Wälder in Teutschland haben sowohl die Alten Griechischen / als Römischen Scriptores mehr gedacht / und selbige sehr groß beschrieben / als ARISTOTELES, STRABO, PTOLOMEUS, PLINIUS, VELLEJUS, PATERCULUS, J. SOLINUS und andere. Massen denn die alten Römer eine gute Zeit vor Christi Geburth unterschiedene Geographos ausgeschicket haben / als ZENODORUM nach dem Orient, THEODOTUM nach Mitternacht / und POLICHETUM gegen den Mittag / die Länder / Wälder und Gegenden zu erkundigen / womit sie auch 21. Jahr und 8. Monat zugebracht; allem dero Schrifften sind meistentheils verlohren gangen / oder nicht völlig an Tag kommen.

§. 3. Von denen Ursachen aber warum unsere Vorfahren so grosses Belieben an dergleichen ungeheuern Wäldern getragen / davon soll zum Theil in folgenden Kapitel §. 14. Meldung geschehen. Eine derer vornehmsten war / daß die gantze Nation mehr dem Krieg als Acker-Bau ergeben / und also sich wegen besorgenden Uberfalls derer benachbarten / mit denen sie immer in Haaren lagen / hierdurch in gute Verfassung stelleten. Denn wenn alles verlohren gieng / retirirten sie sich in diese Wälder und Moräste / allwo es unmöglich war / ihnen beyzukommen / ja sie wusten hierbey ihren Feind dergestalt zu fatigiren / daß er mit grossen Niederlagen wieder herabziehen muste. Davon in der Römischen und andern Historien viel Exempel vorhanden / weswegen Aventini Annales Bojorum nachzulesen. Hierüber hatte man an denen Haupt-Gräntzen etzlicher Wälder weite und tieffe Gräben aufgeworffen / und auf denen Tämmen / dicke und starcke Häger oder Büsche gezeuget / so man biß dato Land-Wehren nennet / dergleichen annoch gegen das Eißfeld und in Thüringen verhanden / so etzliche Meilwegs lang ist / der Knickicht genannt. Denn das Holtz / so darauf stehet / ist von Alters / und nach damahliger Gewohnheit her / weil es noch jung / von oben herein geknickt worden / damit es nicht in die Höhe / sondern dichte ineinander wachse / dahero es auch so dicke und dichte durcheinander sich geflochten / und verwimmert / daß fast weder Menschen noch Vieh ohne Gewalt / durch diese uhralte Land-Wehren haben kommen können. Eine gleichmäßige Art das Land in Defension zu setzen / ist bey den Pohlen und Moscowitern üblich / welche nach Aussage des BERTII um dieser Ursachen willen die Wälder nicht umhauen wollen / warum er also saget: Poloni, & Moschi, muniri patriam suam sylvis & saltibus credunt, coque minus diligentes sunt in iis extirpandis. Bertius lib. I. C. 2.

§. 4. Wie sehr übel und grausam nun auch von denen alten Scribenten / sowohl denen Römern / worunter auch HORATIUS und OVIDIUS, die alten Poeten zu zehlen / als von andern Nationen die Wälder in Teutschland ausgeschriehen worden / auch von etlichen nähern Seculis her; nichts minder von denen Teutschen selber / die Wälder / Gebürge und Höltzer in Teutschland sehr verächtlich beschrieben; um so viel angenehmer und nutzbarer finden wir dielsebe anitzo / und fast mehr / als das flache und ebene Feld / indem wir nunmehr zugleich mit dem Acker-Bau die kostbaren Bergwercke / schöne Wiesen / Gräsereyen / und Weyden, Fischereyen und Wildbahnen / neben den luftigen Wäldern und Gehöltzen dabey haben / und mit grossen Nutzen besitzen.

§. 5. Sintemahl der vormals so grosse und ungeheure Hertzynische Wald an denen meisten Orten gantz ausgerottet / und nur an wenig Gegenden / wo nehmlich hohe steinigte und kalte Gebürge befindlich / etliche Reliquiae geblieben / unter welchen die berühmteste die Saltzburger- und Tyroler-Wälder; der Schwartz-Wald zwischen dem Ursprung der Donau, dem Rhein und Boden-See: dabey sonderlich zu zehlen, Sylva Martiana bei Freyburg; der Anspacher oder vielmehr Nürnberger-Wald zwischen Nürnberg und dem Ursprung des Tauber-Flusses; der Steiger-Wald / innerhalb Würtzburg und Bamberg; der Oden-Wald / Sylva Ottonis, zwischen dem Necker und dem Mayn / oder zwischen Heydelberg und Franckfurth; der Speß-Art binnen dem Mayn und der Kützing; der Wester-Wald innerhalb der Loha und Siegen; der Hartz-Wald in Braunschweiger Land / bey welchem der Bructerus oder Brockelsberg ist; der Thüringer-Wald; Gabreta, der Fichtelberg in Voigtlande an Böhmen; der Böhm- und Meißnische Ober-Gebürgische Wald und das Riesen-Gebürge in Schlesien / und so fort biß an die Ungarischen / Siebenbürgischen/Kärndtnischen und Steyermärckischen Gräntzen.

§. 6. So findet man auch noch andere Wälder hin und wieder / in Unter-Teutschland / so alle anzuführen / viel zu weitläufftig fallen solte. Wolte man von denen ausländischen und in andern Theilen der Welt gelegenen Gebürgen und Wäldern reden / als nehmlich von denen Alpischen / Pyrenaeischen / Carpatischen / und Riphaeischen; ingleichen die montes Lunae, und die Atlantischen in Africa; die Andes in America, und so ferner; den Taurum, die Armenischen und Niphaetischen Gebürge in Asia, welche sich auf viel hundert / ja tausend Meilweges erstrecken / nur in etwas betrachten / so würde es ein unendlich Werck erfordern. Unterdessen verdienen sie durchgehends ihr Lob / indem sie die angräntzenden Länder mit Holtz / Flüssen / Strömen / Metallen / Mineralien / Früchten / Wildpreth / Vogeln / und vieler anderer Nothdurfft versehen.

§.7. Nur noch einen / so auch ziemlich denen Alten bekant gewesen / zu gedencken. In Crayn / einer Inner-Oesterreichischen Landschafft / ist unter andern vielen / der große Pyrbäumer-Wald / so vom Griechischen Πῦρ, oder vom Feuer / seinen Nahmen führet / von welchem der Baron VALVASOR in Gloria Carniolae To. I. lib. 2. c. 63. fol. 269. also schreibet. Es erstreckt sich dieser Haupt-Wald durch gantz Crayn / und auch weit zur Türckey hinein / wie wohl er nicht überall einerley Nahmen behält / sondern nach und nach andere annimmt: Ihn haben bewachsen hohe Dannen / Fichten / Buchen / und sonst allerley Bäume / und er gibt viel tausend Menschen Nahrung.

§. 8. Sonsten saget und rühmet man von dem Lande von Bayern / daß darinnen 360. Wälder / so der Churfürstl. Herrschafft alleine zuständig / befindlich / und wird dagegen versichert / daß dergleichen noch mehr in Churfürstl. Sächs. Landen anzutreffen. Sintemahl in Meißen / und auf dem sogenanten Ertz-Gebürge unter andern bekant seynd / der Tharandische und Brillenburgische Wald / der Lautersteiner / Chemnitzer / oder Abtwald / der Oederische / Rochlitzer / Königshayner / der Augustusburger / der Schellenberger Zeller und Rederwald / die Wälder um Schneeberg / Schwartzenberg / Wolckenstein / der Beierische Wald / der Meintzen-Lengefelder und Hirschberger / Werdauische / die Dreßdenische Heyde etc. Die Dübische / die Annaburgische, die Lochauer Heyde die Wernsdorffer / Torgauische / Biebritzer / Dippoldiswalder / Höckendorffer / sogenannten Heyden / die Kutten-Heyde / auf den Voigtländischen Gräntzen / Schönecker und Auerbacher Wälder und andere mehr, welche obangeführte Wälder und Heyden nur generaliter also genennet / aber hernach in viel particular Gehöltze eingetheilet werden.

§. 9. Es sind aber diese / als auch vorgemeldte Wälder und Gehöltze nicht mehr vollständig / sondern / wo sie nicht sonderlich gehäget / oder ihnen wegen der Lage und Beschaffenheit des Orts nicht wohl beyzukommen / ziemlich mit Blössen angefüllet / welches um so vielmehr zu bewundern / indem Teutschland / so zuvor mit Holtze überladen gewesen / anietzo über dessen anscheinenden Mangel Klage führen muß. Dahero die Teutsche Nation nicht Ursache hat ihre / oder diejenigen Provintzien / wo zuvor viel Wälder und Höltzer anzutreffen gewesen / gleich denen Persianern / TABARESTAAN, das ist so viel in ihrer Sprache gesaget / als ein Ort der Keile und Klötzer zu nennen / weil man keine Keile zu Spaltung des Holtzes von nöthen / oder auch wenig grosse Klötzer-Bäume in theils Teutschen Ländern mehr gefunden werden.

§. 10. Bey dem Beschluß dieses Capitels könte man wohl diese Frage thun: Ob GOtt der Herr / was die Bäume und deren Früchte anlanget / denen warmen Ländern mehr Antheil und Nutzen als den kalten / (unter diese der meiste Theil Teutschlandes zu rechnen /) zugeleget? Allein / wenn man der Sachen etwas nachsinnet / so scheinet / als wenn die Göttliche Allmacht eine ziemliche Gleichheit hierinne getroffen / nach Davids Worten: Daß des grossen GOTTes Güte reiche so weit der Himmel ist. Denn haben gleich die in warmen Ländern etwas mehr delicatere Früchte / und brauchen keine warme Kleider / und Stuben zuheitzen. So haben die in kalten desto mehr Holtz zum Bauen und Brennen / und ist Grund und Boden / solches herfür zu bringen / sonderbar darzu genaturet / auch sind die Früchte und Weine dauerhaffter / und halten sich länger / in kalten Ländern / ja wenn man Fleiß darauf[WS 1] legen wolte / so könten allerhand fremde Früchte herfür bracht werden / wie man in Teutschland / sowohl der Weine / als Früchte halber / gnugsam sehen mag.


Das Andere Capitel /

Von sonderbarer Hochachtung der Wälder

und Bäume.

§. 1. Warum die Alten vor denen Wäldern und Bäumen eine tieffe Veneration getragen.

§. 2. Warum sie ihren Gottesdienst daselbst verrichtet.

§. 3. Von geheimen Oertern oder Tempeln in denen Wäldern.

§. 4. Vom geheiligten Wald oder Häyn zu Marseille und Daphne bey Antiochia. Epidaphne. Hayne der Alten sind Asyla.

§. 5. Wälder und Bäume sind nach Meynung der Alten gewisser Götter Aufenthalt und Leben.

§. 6. Oracula in Wäldern.

§. 7. Vögel und Thiere in Wäldern werden vor heilig gehalten.

§. 8. Gewisse Arten von Bäumen / so denen Göttern geeignet.

§. 9. Das Volck GOttes im alten Testament ist mit dieser abergläubischen Wald- und Baum-Verehrung beschmitzet.

§. 10. Wie auch noch lange Zeit die Christen im neuen Testament.

§. 11. Gebührende Hochachtung derer Bäume und Wälder der alten Philosophorum, Platonis, Epicuri und derer Stoicorum Stoae.

§. 12. Die erste Wohnung des Menschen ist unter Bäumen gewesen. Ob im Paradieß auch wilde Bäume gestanden.

§. 13. Exempel aus der Schrifft derer / so unter Bäumen gewohnet.

§. 14. Warum die Alten Teutschen in Wäldern gewohnet und daselbst / ihre Nahrung gesuchet.

§. 15. Grosse Potentaten sind mit Bäumen und Wäldern beschäfftiget gewesen. Von Salamone und dessen Büchern / wo die hingekommen.

§. 16. Cyrus und Diocletianus grosse Liebhaber des Baum-Pflantzens.

§. 17. Von der Stadt Rom / denen Weiden und monte Viminali daselbst

§. 18. Iulii Caesaris Anstalten wegen derer Waldungen in Italien und die darunter verborgene Staats-Raison.

§. 19. Die Schrifft giebt denen Bäumen hohe Nahmen.

§. 20. Städte und vornehme Geschlechter / so ihre Nahmen von Bäumen / Wäldern und Haynen führen.

§. 21. Von gantzen Völckern die sich von dergleichen nennen. Tribochi warum sie so heissen. Exempel derer Geschlechter so dergleichen Derivation haben.

§. 22. Wapen so Bäume / Blätter und dergleichen in sich halten. Christi Benennung. Vergleichung der Tugenden mit den Bäumen.

§. 23. Alte Autores, so von Erzielung der Höltzer und Bäume geschrieben.

§. 1.

ES bezeugen sowohl alte als neue Scribenten / daß die Wälder / ja auch besondere schöne und grosse Bäume / bey verschiedenen Völckern / sonderlich bey unsern alten Teutschen und ihren Nachbarn / in grossen Ehren sind gehalten worden.

Welches denn nicht so sehr zu bewundern / wenn sie die Menge / Anmuth und Grösse so vieler beysammen stehender Bäume gesehen / und dabey eine tiefe / stets-währende Stille und düstern Schatten vermercket / daß sie gleichsam ein sacer horror oder ein heiliger Schauer befallen / und sie solchen Orten etwas Göttliches zugeeignet haben. Hiervon schreibet SENECA Epist. 41. Si tibi occurrit vetustis arboribus & solitam altitudinem egressis frequens lucus, & conspectum coeli densitate ramorum aliorum alios protegentium submovens, illa proceritas sylvae & secretum loci, & admiratio umbrae, in aperto tam densae atque continuae, fidem tibi Numinis facit. Das ist: Wenn du an einen mit uhralten und übermäßigen hohen Bäumen starck besetzten Wald kömst / woselbst ein dichter Ast über den andern sich befindet / durch den du weder Licht noch Himmel sehen kanst / so bist du wegen der Höhe / Stille und Dusterheit dergleichen Waldes / der in einem offenem Felde so starcken und wunderwürdigen Schatten giebet / versichert / daß eine Gottheit da wohnen müsse.

§. 2. Gleichwie sie nun hierinnen wohl berichtet zu seyn vermeynten / daß nehmlich es der Göttlichen Majestät verkleinerlich wäre / diese in enge Mauren eines Tempels einzuschließen; so erachteten sie / es wäre deroselben viel anständiger / wenn grosse Wälder dazu geweyhet würden als worinnen der Gottesdienst gehalten / und die Opffer nebst andern Ceremonien verrichtet würden. Denn also schreibet oben ermelter TACITUS de Moribus Germ. Nec cohibere parietibus Deos, neque in ullam humani oris speciem assimilare ex magnitudine coelestium arbitrantur. Lucos ac nemora consecrant, Deorumque nominibus appellant secretum illud, quod sola reverentia vident. D. i. Die Teutschen halten darvor / man könne die Götter ihrer Majestät und Grösse halber weder in Mauern einschliessen, noch unter einer menschlichen Gestalt vorstellig machen; Dannenhero pflegen sie Häyne und Wälder vor ihren Gottesdienst zu wiedmen und ein gewiß Geheimniß / so sie doch nur mit den Augen[WS 2] ihres Verstands sehen / mit den Nahmen ihrer Götter zu belegen. Von denen alten Sachsen schreibet M. ADAMUS BREMENSIS: Frondosis Arboribus, fontibusque venerationem adhibebant: Daß sie nemlich grünen Bäumen und Brunnen ihre Andacht wiedmeten. Solche Wälder wurden dermaßen geheget / daß niemand einen Zweig / viel weniger einen Baum abhauen durffte / aus Furcht / die darinnen wohnende Gottheit zu beleidigen / dahero diese Wälder sehr finster und düster worden / daß einem / zu solchen sich nahenden / nicht unbillich ein Grausen ankommen.

§. 3. Ob nun wohl also der gantze Wald einer gewissen Gottheit gewiedmet war / so wurde doch gemeinlich in der Mitte desselben / ein besonderer geheimer Ort / als ein Tempel / so rings herum verzäunet / hierzu bestimmet in welchem vor andern große starcke und alte Eichen waren / wie solches aus HELMOLDI Chron. Slaviae. lib. I. c 84. auch aus dem CHRISTOPH. Hartknock in seinen Dissertationibus De Rebus Prussicis, Diss. 6. n. 2. p. m. seqq. vornemlich aber / aus CLUVERI German. Antiqua lib. I. c. 34. weiter ausgeführet werden könte / wann es vonnöthen wäre.

§. 4. Von einem dergleichen geheiligten Walde bey Massilia oder Marseille in Franckreich / schreibet Lucanus Pharsal. I. 3. p. 9.

Lucus erat longo nunquam violatus ab aevo
Obscurum cingens connexis aëra ramis,
Et gelidas alte summotis solibus umbras.

Von einem andern noch berühmtern geheiligten Tempel-Wald / so über die maßen lustig gewesen / und bey der wohlbekandten Stadt Antiochia in Syrien / so Daphne genennet worden / gelegen / wird auch in Corpore Juris Tit. ult. Cod. lib. XI. de Cupressis ex luco Daphnensi non excidendis vel vendendis, gedacht und der hochberedte CHRYSOSTOMUS, als er zu Antiochia gelehret / desselben öffters Meldung thut / als To. I. Opp. col. 539. col. 670. etc.

Diesen beschreibet auch SAUR in Theat. Urbium mit folgenden Worten: Viertzig Stadien / das ist / fünff Viertel einer teutschen Meile von der Stadt Antiochia, ist ein grosser Wald gewesen / so breit und groß / daß er schier eine teutsche Meile in Umbzirck gehabt / gar ein lustiger Wald / mit viel Spring-Brünnlein sehr lustig zugerichtet / darinnen auch die Vögelein auf den grünen Aesten süße gesungen / und sich erfreuet haben. Mitten in diesem Walde hat ein Tempel gestanden / darinnen der Abgott APOLLO angebetet ward. Es hat auch die Göttin DIANA in diesem Walde einen Tempel gehabt. Und weil dieser Wald DAPHNE geheissen / hat die Stadt Antiochia den Zunahmen davon bekommen / daß sie EPIDAPHNE genennet worden / wie man in anderm Buch der Maccabeer c. 4. V. 33 seqq. lieset / daß der fromme Hohepriester Onias in diesen Wald Daphne seine Zuflucht genommen / und vermeynet an demselben befreyeten Orte sicher zu seyn. Er wurde aber mit listigen Worten aus der Freyheit gelocket / und verrätherlich ermordet. Woraus denn zu ersehen / daß solche Luci oder geheiligte Wälder zu Asylis und Freystädten gedienet / wie solches mit mehrern ausgeführet werden könte / wenn es unsers Vorhabens wäre.

§. 5. Man hielte auch vor Alters davor / daß sonderliche Götter oder Göttinnen solche Wälder und Förste bewohnet / und ihren Auffenthalt darinnen genommen / als der Pan, Diana, die Fauni, Satyri, Nymphae, Dryades, Hamadryades, Oreades, etc. Wie denn bey denen Poëten Sylvanus, Jugatinus, Collatinus, Vallona, und andere / so von den Orten ihren Nahmen bekommen / bekant sind. Ja es war so weit mit ihren Aberglauben kommen / daß sie sich beredet / als wenn in diesen Bäumen die Dryades und Hamadryades gelebet / und mit denenselben untergangen / wie es OVIDIUS in folgenden vorstellet / Metamorph. lib. 8. fab. 13.

Stabat in his ingens annoso robore quercus,
Cujus ut in trunco fecit manus impia vulnus,
Haud aliter fluxit discusso cortice sangvis.

Quam solet ante aras, ingens ubi victima taurus,
Concidit abrupta cruor è cervice refundi.

Es hätte nehmlich an dem Orte eine uhralte Eiche gestanden; Als nun eine Gottsvergessene Faust in den Stamm gehauen / und die Rinde abgezogen / so wär das Blut so häuffig daraus geflossen / als wenn man einem zum Opffer gewiedmeten grossen Ochsen den Halß abgehauen.

§. 6. So haben auch diese alte Heyden in solchen geweyheten Wäldern / bevorab bey denen Eichen ihre oracula gehabt / und daselbst in wichtigen Dingen die Götter um Rath gefraget / wie unter andern ERASMUS STELLA schreibet: Praecellentes Arbores, vt robore Quercus, &c. Deos inhabitare dixerunt, ex quibus, sciscitantibus Responsa reddi, audiebantur, ob id, nec ejusmodi Arbores caedebant, sed religiose, ut Numinum domos, colebant. D. i. Die Heyden gaben vor / daß in denen vornehmsten Bäumen / als in der Eiche / etc. die Götter wohneten / aus welchen sie Red und Antwort ertheilten / dannenhero sie auch dergleichen Bäume nicht fälleten / sondern verehrten selbige als eine Behausung der Götter sehr andächtig.

§. 7. Ja die Vogel und Thiere / so in dergleichen denen Göttern gewiedmeten Wäldern sich aufgehalten / hat man für heilig geachtet / dahero solche niemand beschädigen oder fällen durffte.

§. 8. Man hat auch denen vermeynten Göttern gewisse Bäume zugeeignet / und von deren Laub / an solcher Götter Fest-Tagen / Kräntze zu tragen pflegen; wie denn die Venus an den Myrten-Baum / Phoebus an Lorbeer / Cybele an[WS 3] der Fichte / Hercules an der Aespe oder Pappel-Weyde Belieben tragen sollte / davon diese Verse zeugen:

Et Myrtus Veneri placuit, Phoebo laurea,
Pinus Cybellae populus celsa Herculi.

§. 9. Solcher Aberglaube nun / ist nicht allein bey den Heyden in Schwange gegangen / sondern es ist auch so gar das Volck GOttes / so doch den rechten wahren Gottesdienst gehabt / damit angestecket worden / daß sie allenthalben / wo sie geopffert / auch gar nebst den heiligen Tempel zu Jerusalem Hayne gepflantzet. Ja / wie sie GOtt selbst beschuldiget / Ezech. 20, 28. Hos. 4, 13. Wo sie einen dicken Baum gesehen / haben sie ihr Opffer geopffert / und ihre Gaben gebracht / daselbst ihren süßen Geruch geräuchert / und ihre Tranck-Opffer allda ausgegossen. Wie aber die Abgötterey mit Bäumen und Wäldern in denen Hertzen / sowohl derer Heyden / als Jüden tiefe Wurtzel gesetzet; also kostete es hernachmals Mühe / bey Pflantzung des Christenthums dergleichen Häyne und Bäume zu tilgen / und den Aberglauben auszurotten. Was dem Gideon, nach Abhauung des Baalischen Hayns zu Ophra vor Gefahr zugewachsen / und wie er ohne Zweifel von dem rasenden Pöbel wär umgebracht worden / wo ihm sein Vater nicht durch eine kluge Rede das Leben gerettet / lieset man in Büchlein der Richter cap. 6. v. 27. seqq. Wie es auch dem heiligen Martino Turonensi ergangen / als er einen dergleichen / bey den Ungläubigen vor heilig gehaltenen Fichtenbaum abhauen lassen / da er in gewissester Lebens-Gefahr gestanden / wo er von Gott nicht wunderlich wäre erhalten worden / beschreibet SULPITIUS SEVERUS, lib. de vita Martini cap. 12.

§. 10. Solche abergläubische Wälder- / und Baum-Verehrung hat unter dem gemeinen Volck bey den schon ausgebreiteten Christenthum noch lange Zeit gedauret / massen vor wenig Jahren noch hin und wieder Wald-Refieren zu finden gewesen / da man kein Vieh hintreiben dürffen / und zwar aus uhralter von Heyden herrührender Gewohnheit / daß nehmlich solche Oerter von dem unreinen Vieh nicht etwan möchten entheiliget werden / welches also die Ursache dieses Gebrauchs und alten Gerechtigkeit / die noch lange Zeit bey den Christen mit fortgeschleppet worden.

§. 11. Wiewohl aber nun in diesen oberwehnten Stücken zu weit gegangen / und der Sachen zu viel gethan worden; So haben doch die Wälder und Bäume ihre gebührende Hochachtung / so sie von Anfang der Welt her gehabt / biß auf diese Zeit unbehindert bey allen Verständigen behalten / mit Recht besessen und behauptet. Mens tamen ad sylvas, & sua lustra redit heissets sonsten. Zumahln auch der Menschen Natur sich nach den Bäumen sehnet / und dabey seine Lust suchet. Welches die alten Philosophi in Griechenlandt / und sonderlich zu Athen / (allwo die Welt-Weißheit für andern Orten fleißig excoliret worden) gar wohl verstanden / indem sie schöne Lust-Wäldlein / und mit Bäumen gezierte Spatzier-Gänge erwehlet / um den Schatten zu geniessen / und darunter gute und sinnreiche meditationes zu concipiren / dahero sie solche Oerter Academias genennet. Bevorab hat der weisse Heyde Plato, dafür gehalten / daß dergleichen Oerter / die Sinnen sonderbar schärfften / hats dahero am bequemlichsten und am thulichsten geachtet / seine Studenten oder Zuhörer / in diesen Wäldgen der Welt-Weißheit zu unterrichten / und daselbst darüber zu disputiren. Desgleichen hat der Epicurus, auf eben solche Art / seine Lehre in schattenreichen Gegenden mit seinen Schülern tractiret / und die Stoici nichts minder / ihre Schulen in Gehöltzen angestellet / und sie Stoas genennet.

§ 12. Die erste Wohnung / in welche GOtt / die von ihm erschaffene Menschen eingesetzet hat / war ja der glückseligste und lustigste Paradieß-Garten / in welchen der allmächtige Schöpffer hat lassen aus der Erden aufwachsen / wie die Schrifft selber redet / Gen. II. 9. allerley Bäume / lustig anzusehen / und gut zu essen; da denn ohne Zweifel die wilden Bäume ihren Antheil hiebey haben / weil sie lustig anzusehen / theils / wegen ihres verwunderlichen hohen Stammes / theils wegen ihres grünen und dicken Laubes / theils über Sommers und Winters stets grünenden Tangels / wie auch daher rührenden anmuthigen und kühlen Schattens.

§. 13. Es wurden zwar wohl der leidigen Sünde halber / die Menschen von diesen so schönen Orte ausgetrieben; jedoch die Lust / bey und / unter den Bäumen zu wohnen / wurde von Zeiten zu Zeiten fortgepflantzet / so gar / daß auch berühmte und heilige Leute ihren Aufenthalt bey denenselben zu nehmen / kein Bedencken trugen. Abraham der Ertz-Vater / so ein Fürst Gottes genennet wird / wohnete in den Hayn oder Walde Mamre, allwo er GOtt selbst / so ihm in angenommener Menschen-Gestalt erschiene / bewirthete. Gen. XVIII. Debora die Prophetin und Richterin Israels / wohnete unter den Palmbaum zwischen Rama und Bethel auf dem Gebürge Ephraim, wie zu lesen Jud. IV, 5. anderer mehr / vor dißmahl zu geschweigen.

§. 14. Unsere Vorfahren die uhralten Teutschen / welche es ihrer angebohrnen / und sehr hochgeschätzten Freyheit verkleinerlich hielten / in verschlossenen Städten und Plätzen zu wohnen / erkiesten mehrentheils zu ihren Aufenthalt solche Oerter / welche wegen ihrer schönen und schattenreichen Bäume / klaren Brunnen und Quellen / oder fetten Weide und Wiesewachs / sich vor andern annehmlich machten / maßen solches TACITVS bezeuget mit diesen Worten: Nullas Germanorum Populis urbes habitari satis notum est, ne pati quidem inter se iunctas sedes. Colunt discreti & diversi, ut fons, ut campus, ut nemus placuit. de Mor. Germ. c. XVIII. oder: Es ist bekant / daß die Teutschen sich nicht in Städten aufhalten, ja sie leiden nicht einmahl / daß man neben und an einander Wohnungen habe. Ein iedweder ist vor sich a part, nachdem ihn seine Beliebung träget / sich an einen Brunn / an einen flachen Felde oder Walde nieder zu lassen. Ihre meiste Ubung und Nahrung / wenn sie nicht mit Kriegen beschäfftiget waren / suchten sie in den Wäldern mit Jagen / Hetzen und Vogelfang / mit Sammlung Eicheln / Buchäckern zur Mästung des Viehes / und was dergleichen mehr; und ist kein Zweiffel / daß nebenst dem / wie oben gedacht / die Wälder vor etwas Göttliches von ihnen gehalten worden / und die dicken und finstern Oerter / da man seinen Gedancken hat recht Audienz geben / und von allerhand speculiren können / ihnen sonderlich gefallen. Es hat sie auch vor andern vergnüget / der Schall und Wiederhall der Menschlichen Stimme / allerhand Jagd-Hörner / und derer Hunde Anschlagen / so man in Wäldern / Thälern und Gründen offt unvermuthet antrifft; der schöne Vogel-Gesang / so auch eine Göttliche Music zu seyn scheinet; die Einsamkeit / da man von allen Menschen entfernet; der Schatten wider die Sonnenhitze; der Aufenthalt wider starcke Regen / Schloßen und Gewitter; die sausende Winde / und das angenehme Geräusche der Quellen und Bäche.

§. 15. Man muß auch weiter denen Wäldern und Bäumen den Ruhm lassen / daß große Potentaten / Könige / Fürsten und Herren / auch andere vornehme Standes Personen keinesweges ihrer Würde vor unanständig erachtet / mit selbigen umzugehen / und sich darinnen aufzuhalten / entweder mit deren Pflantzung Vermehrung / oder mit Erforschung der Natur und Eigenschafft dererselben. Der hochweise König Salomo schreibet von sich selber / daß er ihme Gärten und Lust-Gärten gemacht / und allerley fruchtbare Bäume darein gepflantzet; item: Er habe ihme Teiche gemacht / daraus zu wässern den Wald der grünenden Bäume. So rühmet auch der H. Geist von ihm / Reg. IV. 33. daß Salomon eine solche fürtreffliche Erkäntniß der Erdgewächse gehabt / daß er von den fürnehmsten und grösten an / von den Cedris Libani, biß auf das allergeringste und unansehnlichste Kräutlein den Isop / so aus der Wand wächset / sehr weißlich discuriret / und selbe schön und köstlich beschrieben.

JOSEPHVS Antiqq. Jud. lib. 8. c. 2. meldet folgends hievon: Composuit antem & libros de canticis & modulationibus quinque & mille, & parabolarum & similitudinum fecit librorum tria millia, per unum quodque enim Arboris genus parabolam dixit, ab hyssopo usque ad cedrum, Nullam enim naturam ignoravit, inexaminatamque praeteriit, sed de omnibus est philosophatus & disciplinam proprietatum eorum eminenter exposuit. d. i. Er hat von der Poësie und Music 1005, und von Sprüchen und Gleichnissen 3000. Bücher geschrieben / gestalt er von ieden Baum / von Isop biß an die Cedern ein Gleichniß gegeben. Denn ihm sind alle Eigenschafften derselben bekant gewesen / daher er auch keinen eintzigen übergangen / sondern aufs genaueste untersuchet / darvon raisoniret / und von allen ausführlich und ex professo geschrieben. Es mögen nun solche Bücher / wie etliche wollen / aus einem sonderbaren Eyfer von dem Hiskia verbrand seyn worden / weil das gemeine Volck aus Aberglauben vermeinet / alle Krafft zu heilen stecke in besagten Büchern / und dahero fast gar nichts mehr auf die Göttliche Hülffe und Providenz gehalten / oder mögen durch Brand / Krieg und Raub verlohren gangen seyn; so wäre doch zu wünschen / daß solche annoch vorhanden. Dann was vor unsäglichen Vortheil würden wir und unsere Vorfahren von Salomons Zeiten her / daraus zu hoffen gehabt / und uns eine mehrere und bessere Wissenschafft zu Anbauung des Erdbodens / und solchen mit Früchten und allerhand Holtze vermehrt / hinterlassen haben?

§. 16. Vom Cyro der Perser König erzehlet Cicero in Catone, daß als der Lacedaemonier Lysander zu Ihm gekommen / habe er Ihm viel Gnade erwiesen / und alle Königliche Schätze gezeiget; unter andern aber an ein umbzäuntes Stück Holtz geführet / mit welchem er sich sehr groß gewust / und Ihm daselbst gewiesen / wie nicht nur alle Bäume in guter Ordnung die Reyhen übers Creutz und in Triangel angeleget / sondern auch diejenigen / so er mit eigener Hand gepflantzet bereits von einer ziemlichen Höhe wären. Seine Worte hiervon sind folgende: quod cum Lysander Lacedaemonius venisset ad eum, praeter caetera comitatis & humanitatis officia, ipsi delata, ac reliqua Regiae gazae ornamenta ostentata, non minimo duxerit honori, quod ei conseptum quendam agrum diligenter consitum, proceritatem Arborum sua manu satarum, & directos in quincuncem ordines potuerit ostendere. Also hat auch Diocletianus Imperator nach abgelegter Bürde des weitschweiffigen Römischen Käyserthums seine Ruhe und Lust zu Salona in Dalmatien seinem Vaterlande gesuchet / und daselbst allerhand Gewächse und Bäume erzielet.

§. 17. Es ist hiernechst bekant / daß der Umbfang der Stadt Rom / vor alten Zeiten / in 12. Berge abgetheilet gewesen / alleine man zehlet vorietzo dererselbigen nur noch 7. an der Zahl / unter welchen der sechste Monte viminale biß uf den heutigen Tag genennet wird / oder uf teutsch der Weidenberg / und haben die alten Römischen Consules, diese weltberühmte Stadt / zur grossen Zierde und Nutzen / mit Weiden aufn Gassen / zwischen denen Palästen und Häusern besetzen lassen / welches denn sehr anmuthig anzusehen gewesen / und diesen Weidenberg sehr berühmt gemachet. Nichts minder haben auch vorher die Römischen Bürgermeister und Raths-Herren / die Wälder und Bäume ihrer Hochachtung gewürdiget / und gerne in und bey denenselben sich / aufgehalten / und gute Vorsorge zu derer Conservation getragen / wie der Poët singet:

Sic animus sylvas, sylvae sunt Consule dignae.
In agris sunt Senatores. Cicero.

§. 18. Gleichwie nun die alten Römischen Consules, die Land-Oeconomie, in Feldern und Wäldern sich angelegen seyn lassen; Also hat bevoraus Julius Caesar selbsten wegen derer Höltzer in Italien gute Anstalten gemachet / und unter andern seine erste Sorgen bey Einrichtung des Röm. Reichs seyn lassen / gewisse Personen und Räthe darüber zu setzen. Die Ursache hievon giebt ein gewisser Autor, wenn er also davon schreibet: ut materies non deesset, qua videlicet navigia publica possent â praefecturis fabrum confici, oder / damit man bey den Arsenalen jederzeit materialien zur Hand haben möchte / vor das Interesse der Republique considerable Flotten auszurüsten. Und sollten wir demnach bey unsern Vaterland wohl eine gleichmäßige Sorge führen / daß weil zu Erhaltung derer Bergwercken / und des Schmeltz-Wesens man des Holtzes nicht entbehren kan / das gemeine Beste / und des Landes Wohlfarth dadurch beobachtet werden möchte / gleich denen Ländern / wo grosse Schiffarthen sind / die alles nur mügliche anwenden / Holtz zum Schiff-Bau von fremden Orten anzuschaffen / als auch dergleichen in ihren eignen Wäldern zu erziehen.

§. 19. Und wie sollten grosse Herren ihrer Würde verkleinerlich schätzen / von Wirthschafften / und von Bäumen / wie Salomon / zu reden oder zu schreiben / da doch die Schrifft selber die hohen und starcken Cedern mit dem höchsten Nahmen geadelt / daß sie Cedern GOttes genennet werden / Ps. XXC, 11.

§. 20. Es vermehret auch die aestim derer Bäume / daß viele Orte / Städte / Flecken und Dörffer / auch vornehme Geschlechter davon ihren Nahmen führen. Zum Exempel nur etzlicher wenig / so in hiesigen Landen sind / zu gedencken / so soll Coldiz in Wendischer Sprache einen finstern Wald bedeuten / weil diese Gegend rings herum vor Alters ein dicker Wald und Gebüsche gewesen. BuchHolz / oder S. Catharinenberg / ein Berg-Städtlein in Ertzgebürgischen Creyß / hat den Nahmen von einem Buch-Wald / so dabey soll gelegen haben / der aber nunmehr abgetrieben ist. Duba / soll in Wendischer Sprache so viel als ein Eich-Wald bedeuten / daher DRESSERUS auch den Nahmen der Stadt Düben leiten will / indem bekant / daß einer von denen grösten / und zumahl in Laub-Holtz bestehender Wald umb dieser Gegend anzutreffen / so denen benachbarten Orten / sonderlich Halle und Leipzig / einen grossen Vorschub an Holtze thut / auch viel Geräthe an Schauffeln / Mulden / Bretern und Wagner-Arbeit daraus verfertiget wird. Viel Orte haben auch ihren Nahmen von denen für Alters in der Nähe gelegenen Wäldern / als Dippoldiswalda / Geringswalde / Königswalde / Finsterwalde / Fürstenwalde / Lichtewalde / Peterswalde; Item von Häynen / als: Großenhäyn[!] / Geithäyn / Grünhäyn / u. s. f.

§. 21. Also haben auch gantze Völcker und Länder / wie auch hohe und vornehme Geschlechter von denen Bäumen ihren Nahmen bekommen. Laußnitz oder Lausitz soll / wie von dem etymo critisiret wird / in Wendischer Sprache so viel heissen / als etwa Wäldisch / oder am Wald gelegen / wie denn einige dahero / daß die Lusati selbst / als Waldsitzer zu nennen seyn / erachten / weil vor Alters lauter Wald daselbst gewesen / so auch gar leichtlich zu schliessen / indem es noch zur Zeit viel Waldungen in der Laußitz hat / und wenn eine zeitlang die Felder und Ländereyen wüste liegen / solche mit Holtz daselbst geschwinde und leicht / eher als an andern Orten / anfliegen als wozu der Boden sehr geneigt ist. Gleichfalls wird Siebenbürgen noch heutiges Tages von den Ungern Erdetus genennet / welches so viel als ein Waldichter Ort heisset; (Tröster in alten und neuen Dacia p. 73.) die Lateiner nennen solches Transsylvaniam von den vielen und grossen Wäldern / wodurch man biß jenseits in gedachtes Land reisen müssen. Vermuthlich ist / daß die vorhin an den Rhein gesessene wohlbekandte TRIBOCHI, von dreyen grossen Buchen ihre Benennung bekommen. Unter denen hohen und vornehmen Geschlechtern sind die Truchsessen von Waldburg / die Grossen von Althäyn / so auch eine Tanne in Wappen führen. vid. SPENERUM Historia Insign. Illustr. lib. 2. c. 1. die Buschen / die Holtzmänner / die von Holtzhausen / die Höltzer / die Waldner. Item die Buchwalde / Buchhäyne / Eichler / Fichtner / Erler / Birckheimer / Birckner / Birckholtze / Holtzendorffe / Tanner / Weidner / Weidmänner / und viel andere. Solte man die Wappen anführen / nur derer Teutschen Adelichen Geschlechter / welche entweder Bäume oder Zweige / oder Blätter / Blüthen / Früchte der Bäume / und dergleichen in sich halten / würde es viel Zeit und Raum hinnehmen / welches wir aber / weil es zu unsern Vorhaben so sehr nicht nöthig / vorbey gehen. Jedoch ist unterm Stillschweigen nicht zu vergessen / daß CHristus der HErr selber von der Stadt Nazareth das ist auf Teutsch / von einem grünen Zweig / sich genennet; ingleichen / daß die Tugenden mit denen Bäumen von der Antiquität verglichen worden / als: mit denen Citronen / die Barmhertzigkeit etc.

§. 22. Zum Beschluß wollen wir noch etliche alte Autores anführen / welche ihren Verstand und Fleiß unter andern auch auf die Erzielung derer Höltzer und Bäume / worunter auch die Beschreibung der Wälder begriffen / geleget / und solche Nachrichtungen auch auf die Nachkommen zu pflantzen getrachtet / als HESIODUS, VIRGILIUS in Georgicis, welcher viel Worte im Eingange des andern Buchs davon machet / und einen kleinen Catalogum der wilden Bäume zusammen träget / wenn er singet:

Principio arboribus varia est natura creandis.
Namque aliae nullis hominum cogentibus ipsae
Sponte sua veniunt, camposque & flumina late.
Curva tenent; ut molle siler, lenteque geniste,
Populus, & glauca canentia fronde salicta.
Pars autem posito surgunt de semine, ut: altae
Castaneae, nemorumque Jovi quae maxime frondet,
AEsculus, atque habitae Grajis oracula quercus.
Pullulat ab radice aliis densissima sylva;
Ut cerasis, ulmisque: etiam Parnassia laurus
Parva sub ingenti matris se subjicit umbra.
Hos natura modos primum dedit, his genus omne
Sylvarum, fruticumque viret nemorumque sacrorum.

d. i. Bey Erziehlung derer Bäume ist ein grosser Unterschied: denn etliche wachsen von sich selbst ohne sonderbahres Zuthun des menschlichen Fleißes / und kommen so wohl an Wasser als an andern Orten fort / als da ist die Bachweide / der Genest / die Pappelweide / und andere Weide; andere hingegen müssen gesäet werden / als: die Castanien Bäume / die Eiche. Etliche sprossen aus andern Wurtzeln hervor / als der Kirsch- der Ulm- und der Lorber-Baum.

Welche Verse man darum etwas weitläufftiger hier einführen wollen / weil sie gleichsam einen kurtzen Begriff / sonderlich aber das Baumsamen-säen uns vorstellen / und versichern / daß für uhralten Zeiten daßelbe ebenfalls bräuchlich gewesen.

Weiter sind hierinnen beschäfftiget / M. CATO, M. VARRO PALLADIUS, MODERATUS, COLUMELLA, welcher über die XII. Bücher / so er de Re Rustica oder FeldBau verfasset / auch absonderlich ein Buch De Arboribus geschrieben. Ingleichen PLINIUS, CONSTANTINUS, PETRUS DE CRESCENTIIS und andere. Wiewohl zwar die alten Griechen und Römer / das wenigste von Tannen / Fichten und Kiefern schreiben / als welche in Griechenland und in Italien nicht sonderlich anzutreffen / sondern nur in denen von den Römern hernach eroberten Nordischen Provincien in grosser Menge zufinden waren.

Plinius soll zwar in Teutschland gewesen seyn / und Tacitus nennet ihn Bellorum Germanicorum Scriptorem.

Es sind aber dessen Schrifften mit ziemlichen Nachtheil des teutschen Vaterlandes verlohren gangen / oder wohl aus Miß-Gunst von den Römern zurück gehalten worden / und also in Vergessenheit gerathen.

Deren vorhergedachten Autorum Fußstapffen / und Hochachtung derer Wilden Bäume nun mit wenigen zufolgen / und nachzuahmen / und von denen in unserm Vaterlande bekandten Wilden Bäumen etwas mehrers aufzusetzen / man also umb so viel weniger Bedencken getragen / und zugleich / weil die obgedachten lieben Alten von Säen und Pflantzen nichts ausführliches angemercket / von diesen etwas mehrers ferner anführen sollen.

Das Dritte Capitel.
Naturmäßige Betrachtung der Höltzer.

§. 1. Die Natur der Bäume zu erforschen ist schwer. Was darbey zubeobachten.

§. 2. Das principium positivum der nutrition und vegetatio ist nicht zu ergründen / sondern nur zu bewundern / und warum?

§. 3. Betrachtung hiervon in einigen miraculeusen Exempeln. Vom Lebens-Geist und elementarischen Feuer in der Erden.

§. 4. Kein Geschlecht der vegetabilium, insonderheit der Bäume und Stauden / kan untergehen.

§. 5. Anderweitige Reflexion hierüber / ingleichen ob in der Sündfluth die sämtlichen Geschlechter der Bäume ruiniret worden.

§. 6. Beschreibung eines Baums und Pflantze insgemein.

§. 7. Theile und species eines Baums.

§. 8. Von der causa materiali, Ursprung und generation, wie auch

§. 9. Von der causa formali und differenz, desgleichen

§. 10. Von der Endursache der Bäume.

§. 11. Eintheilung der Bäume in zahme oder wilde.

§. 12. Was vor wilde Bäume in hiesigen Landen wachsen.

§. 13. Eintheilung der wilden Bäumg in schnell und langsam wachsende. Benennung der ersten Art. Von dem darzu gehörigen Boden / auch einigen Ursachen des Schnellwachsens.

§. 14. Der wilden Bäume vorzug vor den zahmen. Klage über die menschliche Nachläßigkeit hierbey.

§. 15. Andere Abtheilung der wilden Bäume in fruchtbare und unfruchbare.

§. 16. Dritte Abtheilung in immer- und zu gewisser Zeit grünende. Ursachen dieses Unterscheids.

§. 17. Exempel immergrünenden Laubholtzes.

§. 18. Warum die immergrünenden Bäume dauerhaffter als die andern.

§. 19. Vierte Eintheilung der Bäume in Männlein und Weiblein / und ob selbe einen Grund habe?

§. 20. Fünffte Eintheilung in Einheimische und Frembde. Ob sich alle Bäume zur Verpflantzung schicken.

§. 21. Von generation der Bäume. Reflexion über die Kleinigkeit eines Saamenkörnleins. Art und Weise / wie die generation eines Baumes aus den Saamen geschiehet.

§. 22. Warum aus denen besten Obstkern wilde Bäume wachsen / und das gute Obst durch Reiser muß fortgepflantzet werden.

§. 23. Woher die Wurtzel eines Baumes ihr aliment habe; Warum die todte Erde einem Baum schade. Worzu die Haut an der Wurtzel diene.

§. 24. Von Abhauung theils Wurtzeln beym Baum-Versetzen / etlicher Naturalisten Meynung. Wie es zugehet / daß theils Bäume durch wenig Wurtzeln so viel Nahrung bekommen.

§. 25. Betrachtung über das Ausschlagen der Wurtzeln.

§. 26. Ingleichen wie ein zartes Stämlein mit seinen Tangeln und Blättergen durch die schwere und feste Erde könne über sich käumen.

§. 27. Wie der Baum seinen Safft empfange.

§. 28. Von krummen und knörrichter Holtze.

§. 29. Vom Safft der Bäume / deßen Würckungen / und diversen qualitäten.

§. 30. Unterscheid des Safftes und Saltz der Bäume wird aus dem Rauch erwiesen.

§. 31. Reflexion über den Effect des Baum-Saffts in den Blüthen und Früchten.

§. 32. Ob selbiger im Winter operire?

§. 33. Wo er seinen meisten Sitz habe.

§. 34. Daß die Bäume gewisse ductus und Adern haben / durch welche der Safft auff und nieder steigen könne / wird erwiesen. Von denen poris des Holtzes und worzu sie ihm dienen.

§. 35. Von der Baumrinde.

§. 36. Von dem Laub der Bäume und dessen grossen Unterscheid.

§. 37. Zu welcher Zeit das Laub eigentlich abfalle. Warum das junge eichene Laub im Herbst die Fröste beßer verträgt als im Frühling.

§. 38. Grüne Farbe der Blätter ist zum Augen gut.

§. 39. Auswürffe der Bäume / oder partes excrementitiae.

§. 40. Vierfaches Alter der Bäume.

§. 41. Welche Bäume am ersten veralten.

§. 42. Wie lange ein Baum wachsen und stehen könne. Anmerckung von der Härte des uhralten Holtzes.

§. 43. Ob das Alter der Tannen / Fichten und Kiefern aus den Jahrwachsen zu erkennen?

§. 44. Anmerckung von den Jahren an der Mitternacht-Seite. Compass in Bäumen.

§. 45. Was die Knospen bedeuten / so sich im Herbst an den Bäumen hervor thun. Ursachen warum die Bäume welche viel Früchte und Saamen getragen / das andere Jahr nicht so viel geben können.

§. 46. Wurtzeln sind der Bäume Befestigung und Conservation.

§. 47. Von der Gestalt der Bäume aus ihrer Asche und Saltz experimentum chymicum.

§. 48. Ob die rationes Physicae bey dergleichen Anmerckungen zu finden / und ob es nützlich selbigen nachzuforschen.

§. 49. Eigenschafften der Natur zu untersuchen / ist der Republique sehr vorträglich.

§. 1.

WIe bey allen Creaturen des allmächtigen Schöpfers und Werck-Meisters wundernswürdige Weißheit sich ereignet; Also findet sich dieselbe nicht weniger auch bey denen vegetabilibus, und sonderlich an denen Bäumen / die wir zwar theils für gering ansehen / nichts desto weniger aber derselben Eigenschafften auszugründen / oder zuerforschen / nimmermehr vermögen werden. Maxima enim pars eorum quae scimus, mimima est eorum, quae ignoramus.

d. i. Unsere gantze Wissenschafft und Kunst ist das wenigste von dem so wir nicht wissen.

Man solte zwar billig mit allen möglichen Fleiß / und nachdrücklicher Uberlegung in den grossen Welt-Buche der Natur dieserwegen studiren / und nicht allein der Bäume äußerliche Gestalt / innerliche Form, Signatur, Constellation des Himmels / darunter sie grünen / sondern auch die matricem oder Ort / und dessen natürliche Wirckung / in welchen der Baum stehet / erkundigen / weil solches alles nach der Differenz eines jeden Baumes Eigenschafft / und derer in denen visceribus terrae vermischten mineralien / sehr variiret.

Denn wann diese letztern sich in die Wurtzeln vermittelst der Feuchte und Wärme eindringen / so werden sie darinnen exaltiret / und stehen in einer solchen coction, daß sie dem Baum Kräffte zum Wachßthum und zum Herfürbringen derer Früchte geben / sonderlich wenn die Mineralia mit einander wohl conveniren / und von der Eigenschafft des Baumes nicht abstimmen.

Diese und dergleichen observationes aber / ob sie zwar unendlich sind / so scheinet doch bey Eingang dieses Wercks nöthig zu seyn / einige wenige Betrachtungen und Nachdencken von der Eigenschafft derer Bäume und Stauden zupflegen / und dem geneigten Leser zu mehrern Uberlegung und Nachsinnen Gelegenheit an die Hand zugeben.

§. 2. Bey ieder Art Holtzes hat die Natur ihre von Göttlicher Allmacht determinirte und distinguirte Würckung zu vollbringen / und kan ohne dieselbe aus der Erden keine nutrition oder vegetation verbracht werden / wovon zwar / wie es sich zuträget / man nichts positives anmercken und sagen / noch viel weniger derselben principia völlig und distinct ausfinden kan / indem dergleichen physicalische Dinge meist in Experimenten / und in Folgerungen bestehen, so theils von der Natur selbsten zu erholen und zu erlernen / und dennoch die allerwenigsten zu ergründen sind / sondern man hat sich nur darüber zu verwundern / und zu ergetzen.

§. 3. Wir bedürffen hiervon keinen grossen Beweiß / die Erfahrung giebts / daß an dem Feigen-Baum die Rinde / das Holtz / der Safft / die Wurtzel / und alles bitter sey; gleichwohl träget derselbe eine von denen süssesten Baum-Früchten / welches man wohl nicht anders / als ein sonderbahres Natur-Wunder betrachten kan. Ein Gewächse ziehet eine Säure / ein anders eine Süßigkeit; wiederum ein anders eine Bitterkeit; ein anders eine Artzney; und dagegen ein anders einen starcken Gifft / binnen einen wenigen Bezirck / aus einerley Erdreich an sich / und theilet es dem Stamm / denen Früchten und Saamen mit. Ich geschweige allhier der vielerley Farben / und Geruchs / so die Gewächse aus einerley Grund und Boden annehmen, welches dann unbegreiffliche Dinge sind / die sich bey den vegetabilibus in grosser Menge an Tag legen / wie denn sonderlich miraculös zu seyn scheinet / daß in den blossen und unansehnlichen Erdreich / so ein wundernswürdiger ernehrender Lebens-Geist und Archaeus häuffig zu finden / so die meiste Geschöpff erhält.

Gewiß die darinnen enthaltene Nahrungs-Krafft ist so unendlich / als unbegreifflich / bevorab die Wärme / oder das elementarische Feuer.

Dann alles Feuer / so wir sehen / nennen wir zwar ein Element, aber es ist nur ein Elementum materiale, welches mit Flamme / Hitze und Rauch / gleich mit einem Kleid / oder Mantel umgeben: das Wesen des elementarischen Feuers aber stecket verborgen innwendig drinnen / welches Wärme durch das Licht und Glantz / und durch die eingenaturte und angebohrne Hitze sich zeiget / und dahero so wohl in allen irdischen / als himmlischen Cörpern zu finden ist.

Daß aber das Holtz / und andere hellbrennende Feuer kein Element sey / ist daraus zu schliessen / und abzusehen / weil daßelbe alle Cörper verbrennet / und destruiret / da hingegen das elementarische Feuer / alle Geschöpffe ernehret / und selbigen Wachßthum giebet / auch von Göttlicher Almacht / zu dessen Erhaltung / und nicht zum Untergang / oder dererselben Verderben erschaffen.

§. 4. Es ist überdieß nicht eins von denen wenigsten / daß die Natur und das Erdreich sich dergestalt verbunden / daß kein Geschlecht der vegetabilien / und sonderlich etzlicher Bäume und Stauden untergehen / sich gar verliehren / oder auf einigerley Weise ausgerottet werden kan.

Denn wann man sie verbrennet / so kommen sie aus der Asche wieder herfür / revivisciren auch wieder aus ihrer eigenen putrefaction; und wenn sie vom Vieh, an Laub / Sprossen / und Aestlein gefressen werden / so wachsen sie wieder aus dem Mist.

Es wird aber hier nur von Laub-Holtz geredet / dann was das Hartz- oder Tangel-Holtz anbelanget / so entstehet solches bloß von seinem Saamen.

§. 5. Hiernechst so ist des Menschen Verstand zu hoch und unbegreifflich / wie die Natur in dergleichen Dingen agiret / unserer Curiosität alhier die Gräntzen setzet / ja alles Nachdencken, und Einbildungen dergestalt verwirret / daß wir leicht begreiffen können / wie unser kleines Licht dahin nicht reichet / sondern GOtt uns zeigen will / daß es für uns gnug sey / solche unbegreiffliche Dinge anzuschauen / und seine Allmacht dabey zu admiriren. Diesen ist billig anzufügen / wie und warum die sämtlichen Geschlechter derer Bäume in der Sündfluth / da das Wasser 150. Tage über der Erden gestanden / nicht alle oder meist verschwemmet / ersäuffet / ersticket / und ruiniret worden / oder ob die durchs Wasser verderbte von denen Menschen / oder von GOtt selbsten / wieder angesäet / oder angepflantzet seyn? Wir wollen also nur etwas weniges in materialibus nachdencken / darbey nicht undienlich seyn wird / einen Theil oder Stück nach dem andern vorzunehmen / und was an demselben merckwürdig ist / kürtzlich zu betrachten.

§. 6. Alles Baum- und Holtz-Gewächs / kan unter dem Wort Planta ein Pflantzen- oder Erd-Gewächse begriffen werden / welches also beschrieben wird: Planta est corpus animatum, vegetans.

So wir in Teutschen nachfolgender Gestalt ausdrucken können; daß nehmlich ein Pflantzen- oder Erdgewächse ein belebter Cörper sey / welcher aus der Erden auffwächset / von selbiger seine Nahrung an sich zeucht / sich vergrössert und vermehret.

Solchem nach ist ein Baum und Staude gleich denen Kräutern ebenfalls ein vegetabile, welches von Saamen oder Pflantzen in der Erden aufwächset / vermittelst der Wurtzel und der Zäserlein den Safft aus derselben an sich zeucht / und ferner einen Stamm giebet / und in die Höhe treibet / daß solcher von Zeiten zu Zeiten höher und dicker wird / auch theils Früchte und Saamen träget.

Die Rinde, Schalen und Laub / dienen ihm an statt der Kleidung / oder Haut / so sie vor Kälte / Hitze und[WS 4] Näße bewahren; Dahero ist alles Holtz ein corpus vegetabile zu nennen / hat von der Wurtzel seine Nahrung / träget seine Blätter und Frucht / vergrössert / und vermehret sich.

§. 7. Die Theile des Baumes und Stauden sind die Wurtzel, der Stamm / die Aeste / die Blätter / die Knospen / die Sprossen / Blüthen und Saamen / die Früchte / die Kernen / die äusserliche und innerliche Rinde / das Marck / der Safft / das Hartz / Schaale / oder Hülsen der Früchte / wie auch partes excrementiae, oder Auswürffe als Schwämme / Hartz / Moos und dergleichen.

Unter dem Nahmen des Baums / wird auch mit gemeinet Frutex, eine Staude / welche so hoch als ein Baum nicht wächset / und dergestalt denen Kräutern ähnlich ist; und suffrutex oder eine halb-Staude / die noch niedriger als eine andere Staude ist / einen höltzernen Stengel und Aeste aus der Wurtzel treibet / auch nicht wie die Kräuter alle Jahr verdirbet / sondern gleich andern Bäumen und Stauden den Winter über dauert.

Dergleichen die Roßmarin / Ißop und andere sind.

Causa materialis oder der Ursprung und Generation der Bäume / woraus selbige entstehen / ist zweyerley / (1.) Hyperphysica, oder übernatürlich / so in der Erschaffung der Welt vorgegangen / durch die allmächtige Krafft GOttes / sine semine, & sine concursu causarum secundarum, ohne einigen Saamen und Mit-Würckung anderer Neben-Ursachen / so auch die Schöpffung genennet wird.

(2.) Physica, oder natürlich / wenn die Bäume aus der Erden vi secundarum & naturalium causarum, durch Krafft der neben- und natürlichen Ursachen entspringen / welches denn eigentlich generatio ist.

Dieser natürliche modus ist wider zweyerley: (a) Mere & pure naturalis, und (b) artificalis.

Jener / welchen der Natur-Lauff allein vollbringet / ohne Menschliche Hülffe und Zuthun / wird auch von Physicis in univocum & aequivocum abgetheilet.

Der Univocus ist / wovon ein Baum oder simplex aus seiner Art oder Geschlechts-Saamen allein herfür bracht wird.

AEquivocus aber / wenn er ohne Saamen aus einer sonderlichen materia, quae semini analoga, d. i. die sich einem Saamen vergleichet / und eine sonderbahre Feuchtigkeit / mit der lebendig machenden Krafft der Sonnen / (welche ARISTOTELES de generatione animalicum c. 2 vor der simpliciorum Vater hält) und mit anderen heimlichen influentien in sich fovirt / seinen Uhrsprung hat.

Der modus artificialis ist / wenn die Kunst und Wissenschafft die Natur befördert / und derselben zu Hülffe kömmt / daß sie ihre unerschöpffliche Reichthümer / dem Menschen desto reichlicher und milder zum gratial darreiche / und darbiete / nehmlich per culturam Terrae, durch Anbauung des Erdreichs so zum Saamen und Erzeugung derer Gewächse / sationem & plantarum generationem disponiret wird / ferner per sationem ipsam, oder durch die Aussäung selber / indem man den Baum-Saamen ausstreuet / item per propagationem durch Zweige / oder Würtzlein entweder per plantationem, oder per insitionem vel inoculationem durch Pfropffen oder Oculiren.

§. 9. Causa formalis bestehet in differentiis oder in mercklichen mannigfaltigen vielen grossen Unterschiede und substanz des Holtzes / der Wurtzeln / Blüte / Aeste / Rinde / Schalen / Stämme / Blätter / Saamen / Früchte.

Ingleichen was anbelangt die Grösse / Höhe / Breite / Länge / Item: die Farbe / Geruch / Geschmack / in primis & secundis qualitatibus tactilibus, äusserliche figur, Krafft und Würckung / Stelle und Ort / da sie wachsen / It. Zeit / zu welcher sie herfür kommen / und dergleichen.

§. 10. Finalis Causa oder die End-Ursache ist / daß sie die Erde bekleiden / theils sowohl Winters-Zeit / wenn das Land sonst überall traurig stehet / als im Sommer / wenn es sein Ehren-Kleid angezogen / darneben auch mit Ihren Früchten / Laub / Rinden und Holtz den Menschen dienen.

Arbores enim non solum foliis se vestiunt, floribus exornant, sed & plurimae illarum fructibus se onerant & hoc modo jucundum sui spectaculum intuentibus exhibent.

D. i. Die Bäume kleiden und putzen sich nicht nur mit Laub und Blumen / sondern ein grosser Theil derselben bepacket sich mit allerhand Früchten und giebt also seinen Anschauern eine sehr angenehme Augenweide.

§. 11. Es hat die Natur oder vielmehr GOtt der Allmächtige und allerweisseste Schöpffer / die Bäume auf vielerley Art und Weise unterschieden / also / daß eine jede Gattung derselben ihre besondere Art / Farben / Wachsthum / Saamen und Gestalt hat / wodurch die grosse Menge derselben distinguiret werden kan / und einer für den andern kenntlich / indem sie einander in gewissen Merckmahlen unähnlich sind.

Vornehmlich und hauptsächlich können sie abgetheilet werden / in zahme und wilde Bäume. Diese / so auch Sylvestres genannt / wachsen von sich selbst auf / ohne menschliche Hülffe und Arbeit; Jene Sativae oder zahme / werden durch Mühe und Fleiß der Menschen erziehlet / und erzogen.

Allein / wenn bey Erzielung der wilden Bäume des Menschen Sorge / Mühe und Fleiß dazu kommt und employrt wird / um so viel giebt solche Verbesserung der Natur / mehrern Nutzen und Würckung.

§. 12. Die Arten und Gattungen des Holtzes / so in hiesigen Wäldern / Gehöltzen / Püschen / Wiesen / Feldern und Gärten meistentheils von sich selbst wächset / oder so man in deren Wäldern und Püschen zu säen und zu pflantzen pfleget / und dannenhero wilde oder Wald-Bäume genennet werden / sind Eichen / Buchen / Castanien / Rüstern / oder Rust-Baum / Ahorn / Lein-Baum / Linden / Ilmen / Bircken Pappel- und andere Weiden / Aspen / Aschen / Erlen / Tannen / Fichten / Kiefern / wilde Kirschen / Mispeln / grosse Schlehen / oder runde Pfläumlein / wilde Aepffel / Birn / Wacholder / Schieß-Beer etc. Wie denn die Wälder in Teutschland mehr Sorten als andere Provincien Europae herfürbringen / wohin auch der Lerchenbaum / Taxbaum / Spindelbaum / Zirn-Nuß-Baum Nuß-baum und andere zu ziehen / ohne was unterschiedene Sorten derer Haselstauden und andern geringen Puschwercks sind.

§. 13. Unter diesen wilden Laub-Bäumen wachsen die Aschen / die Linden / die Ilmen / der Castanien-Baum / der Ahorn / der wilde Kirschbaum / die Aspe ziemlich schnell und eher auf / als die andern Geschlechter / tragen auch viel Holtz / und Aeste / daß in 20. Jahren ein ziemlicher Stamm daraus wird / bevorab aber die Pappel- und alle andere grosse Sorten der Weiden-Bäume: Ingleichen die Erle / Bircke und Haßel-Stauden wachsen sehr geschwind auf / daß sie zu allerhand Gebrauch und Feuer-Holtz in wenig Jahren dienen.

Die Erle und Weide aber / wollen an feuchten / morastigen Orten / oder an Flüssen und Bächen gepflantzet seyn / da sie ihr bestes Fortkommen haben; hingegen wo sie treuge stehen / da ist vor sie ein schlechter Wachsthum.

Denn gleichwie Kräuter und andere Gewächse in einer Landes-Art besser als in der andern bekleiben; Also wachsen auch die wilden Bäume in einer Gegend schneller / stärcker, dauerhafftiger und höher als in der andern.

An vielen Orten in West-Indien soll das Holtz so schnell wachsen / daß ein von Saamen erzeugter Baum in ½. Jahr den Menschen bedecken / und genugsamen Schatten geben kan.

Insgemein wächset das weiche Holtz geschwinder / denn das harte / und welches unter diesen einen grossen Kern oder Marck in Mittel der Wurtzel / des Stamms und Aeste hat / noch schneller als das andere / dann das viele Marck / kan auch viel Feuchtigkeit und Nahrung an sich ziehen / und dem Stammm mittheilen.

§. 14. Von solchen wilden Bäumen in specie wird / geliebt es GOtt unten in den andern oder sonderbaren Theil gehandelt / und diese materie etwas weitläufftiger und ausführlicher wiederhohlet werden. Nur dieses wollen wir bey den wilden Bäumen annoch allhier gedencken / daß die Natur ihnen was sonderliches oder eine praerogativ vor denen zahmen gegönnet / denn sie insgemein viel höher / dicker / stärcker und beständiger wachsen / und so ansehnlich daher stehen / dergleichen man bey den zahmen oder Obst-Bäumen nicht leichte sehen wird.

So ist auch nicht zuübergehen / daß das meiste wilde Holtz von sich selber / durch die Krafft der Erde / so ihr die Göttliche Allmacht diesfalls eingepflantzet / herfür wächset / zumahl an Orten / wo es von Menschen und Vieh an seinem Wachsthum nicht gestöhret wird; wenig aber ist dessen / welches durch nichts anders / als durch grossen Fleiß der Menschen vorjetzo fortgebracht wird; alleine um unserer Sünde und negligenz willen / werden wir dem Ansehen und Muthmassungen nach / künfftig eben so viel / ja / wo nöthig / mehr Sorge / Mühe und Fleiß anwenden müssen / den Holtz-Anbau / als den Acker-Bau zubefördern.

§. 15. Ferner werden die Bäume auch abgetheilet / in unfruchtbare / welche nehmlich / ob sie wohl sonsten ihren vortrefflichen Nutzen haben / dennoch mit keiner eßbaren Frucht / sondern nur mit blossen Saamen begabet sind / als die Bircke / Erle / Asche / Pappel-Weide / Ahorn / Weiß-Buchen / Ilmen / Rüstern / Linden / Maß-Erlen / oder Wasser-Almen / und dergleichen / oder An-Erlen / Fliegen-Baum / jedoch fressen unterschiedene Vogel auch von diesen Saamen: andere aber sind fruchtbar / so mit ihren mancherley Früchten / als Aepffel / Birn / Mispel / Pflaumen / Schlehen / Mehlfäßlein von Weißdorn / Beeren, Nüssen / grossen und kleinen Castanien / Buch-Eckern / Eicheln etc. denen Menschen und Viehe dienen.

§. 16. Weiter ist auch ein mercklicher Unterscheid unter denen Bäumen / indem etliche ihre Blätter abwerffen / und nur Sommers-Zeit grünen; andere aber / als das Tangel-Holtz bleiben unverändert über Sommers und Winter grün. Jene lassen die Blätter jährlich zur Herst-Zeit fallen / in Frühling aber wenn der Safft mit aufsteigender Sonne wieder in den Baum kömmt / treibet selbiger Laub und Blüthe von sich / daß also der Baum so denn wiederum in seiner grünen Zierrath zu sehen ist.

Hergegen weil dieser wässerichte Safft in Ausgang des Sommers / oder Zurücklauff der Sonnen / mit Annahung der Kälte entweichet / so muß hernach das Laub / wegen Mangel der Wärme und Saffts / abfallen; die immergrünenden aber haben ein Hartz / Olität / und Fettigkeit in sich / so stetswährend ist / und also den Baum das gantze Jahr grünend erhält / und aller Kälte widerstehet.

In aliquibus enim Arboribus mediocri sale & spiritu abundat sulphur, ut sunt Abies, Pinus, Picea, Cedrus, Cupressus, Juniperus, & plantae quaevis resinosae, quae ut plurimum suaveolent, & perpetuo virescunt propter succum, quo nutriuntur, viscosum, aromaticum, balsamicum, & minus dissipatum: Arbores vero, in quibus sal abundat cum mediocri sulphure & exigua spirituum quantitate, sunt ut plurimum longaevae & grandiusculae, & licet folia decedant, succum tamen nutritivum sub cortice asservant, cujusmodi sunt Quercus, Fraxinus, Ulmus &c.

D. i. In theils Bäumen befindet sich der Schwefel in grösserer Menge als das Saltz und andere Spiritus, als da sind die Tanne / Kiefer / Fichte / Ceder / Cypresse / Wacholder und alle andere Hartzige Gewächse / welche mehrentheils einen guten Geruch von sich geben / und deswegen immergrünend seyn / weil ihr Nahrungs-Safft leimicht / aromatisch / balsamisch und nicht zerstreuet ist: Die Bäume hingegen / bey welchem das Saltz praedominirt und der Schwefel nebst denen andern Spiritibus in geringer quantität ist / gedeihen zu einem ansehnlichen Alter und Grösse.

Und wenn ihnen gleich das Laub entgehet / so behalten sie doch ihren Nahrungs-Safft unter der Schale oder Rinde; dergleichen ist / die Eiche / der Eschen-Baum / die Ilme / u. a. m.

§. 17. Welches aber die immergrünenden Bäume sind / wird von vielen berühmten Naturkündigern weitläufftiger beschrieben / unter denen sind die Cypressen / Lorber-Eibenbaum / Lerchen- Cedern- und Palm-Baum / etc. deren Blätter an Stamm gleich denen Tangeln an Fichten / Kieffern und Tannen / weder verwelcken / noch zugleich auf einmahl / sondern nur eintzeln nach und nach abfallen / und jedennoch wieder heran wachsen.

Wir wollen uns aber mit selbigem nicht auffhalten sondern allhier nur anmercken / daß in denen Ländern / so zwischen den Tropicis und der Linie liegen / auch die meisten Laub-Bäume / Winters- und Sommers-Zeit grünen / und ist der Gelehrten Meynung dießfalls / weil solche Orte keiner übermäßigen Kälte und Veränderung unterworffen sind / sondern immer und stetig in einem temperament verbleiben.

§. 18. Was die hartzige und immergrünende Bäume betrifft / so kan die Lufft / Witterung und die Nässe, wegen der Oel- und Fettigkeit / so sie bey sich haben / in selbige nicht eindringen / derowegen sind sie auch dauerhafft / und faulen nicht leichtlich / und wo ein hartziger Baum einen Schaden oder Wunde bekömt / so schliesset er solche wieder mit Hartze zu / und füllet es aus.

§. 19. Es machen auch etliche zwischen denen Bäumen noch einen Unterscheid ratione sexus, in Ansehen des Geschlechts / welchen wir aber hier nicht ausführen / sondern denen Botanicis überlassen wollen.

Denn man will dafür halten / daß unter etlichen Geschlechten der Bäume Männlein und Weiblein seyn sollen / und daß man observiret / daß dem Weiblein die Fruchtbarkeit von dem Männlein entweder durch die Lufft / oder aus denen Wurtzeln / Blüthen / oder exhalationibus (Ausdampffung) zugebracht wird.

Etliche statuiren / diejenigen Bäume / so keine Früchte tragen / wären Weiblein / und unfruchtbahr; die aber Früchte tragen / wären Männlein.

Andere aber haben es umgekehrt / und eine widrige Meynung geführet.

Alleine / es scheinet / daß solcher Wahn ohne Fundament / auch von keinen Nutzen sey. Denn obige differenz entstehet meistentheils von dem Grund und Boden / darinnen der Baum wächset / weil einer mehr als der andere[WS 5] den Stamm / das Laub / die Blüthe und Frucht treibet / oder verändert / fruchtbar / oder unfruchtbar machet.

Auch kann bey etzlichen der Einfluß / so bey der Verpflantz- oder der Säung derer Bäume erfolget / viel zur Fruchtbar- oder Unfruchtbarkeit contribuiren / insgemein aber nimmt man wahr / daß alle Bäume zum Frucht- und Saamen-tragen genaturet sind.

§. 20. Endlich können die Bäume auch unterschieden werden / daß etliche sind indigenae, die in einem Lande sua sponte, oder von selbsten wachsen; andere aber seyn exoticae, oder Frembde / welche aus andern Orten hergebracht / und also auch in einem andern Lande besser fortgepflantzet werden können / davon unten im 17. Capitel dieses Theils gehandelt wird.

Denn etliche Bäume wachsen an einem Orte / gar leicht und ohne sonderbahre Mühe wunderschön daher / zumahl wenn das Erdreich wohl darzu aptirt ist; hingegen wollen sie an einen andern Orte wohl gepfleget und gepflantzet seyn / und gerathen doch wohl nicht.

Es seind auch viel Bäume / so die Verpflantzung nicht wohl leiden / sondern vermittelst des Saamens von sich selbsten am besten anwachsen / sonderlich die jenigen / so hartzig seyn / oder da man solche gleich andern warten / beschneiden / behacken oder tüngen will / so gerathen sie nicht / und gehen wohl gar ein.

§. 21. Aber auf die Bäume und derer Anwachs selber zu kommen / indem man deren Ursprung und Anfang betrachtet / so muß man wohl mit grosser Verwunderung ansehen / wie ein unansehnlich-kleines Körnlein / sonderlich bey dem Tangel-Holtz einen solchen grossen Baum geben kan / dergleichen bey keinen andern vegetabilibus ist / daß nach proportion eines so kleinen Saam-Körnleins / ein dergleichen Corpus daraus erwachse.

Wenn wir nun auf die Generation der Bäume achtung geben wollen / so wird sich befinden / daß der Baum-Saamen / wenn er in die Erde kömmt / Feuchtigkeit an sich ziehe / durch solche / wie auch vermittelst der Wärme und der Lufft sich aufblehe / und endlich aufbreche / und wo er am spitzigsten ist / Wurtzeln von sich werffe / und niederwerts damit in die Erde gehe.

Hernach zeiget sich auch das Stämmlein an der andern Seiten / und wenn es von der Wurtzel Nahrung haben kann / so erhebet er sich von Zeiten zu Zeiten empor.

§. 22. Warum aus denen besten Obst-Kernen oder Saamen alle Bäume wild werden / ist auch eine sonderliche Vorsehung Gottes.

Denn aus denen Kernen der vortrefflichsten Früchte / wird ein wilder Apffel- Birn- oder Kirsch-Baum und so fort / träget auch wilde ungeschmacke und saure Früchte: hingegen von den Aestlein und Sprossen derer guten Obst- oder zahmen Bäume / werden eben dergleichen gute und zahme Früchte auch auf denen allerwildesten Stämmen erzeuget.

Woraus dann außer Zweiffel gnugsam erhellet / wie es Gottes sonderbahrer Wille sey / daß auch die Natur selbst den Menschen anstrengen soll / ihr behülfflich zu seyn / wovon unten bey den Capitel von Saamen ein mehrers angemercket werden wird.

§. 23. Die Wurtzel nun / welche obbesagter massen aus dem Saamen herfür sticht / ziehet nicht allein das Regen-Wasser an sich / sondern auch andere Wasser und Feuchtigkeiten / Ausdämpffungen / Fettigkeit und Dünste der Erden / und sauget solche in sich / gleich wie ein junges Thier oder Mensch aus seiner Mutter-Brust sich nehret / daher / wenn man todte oder andere unartige Erde an einen Baum schüttet / so muß der Baum verderben / weil er die unartige Feuchtigkeit / so er daraus an sich ziehet / nicht vertragen kan / als welche ihm zuwieder ist.

Jedoch hat der wundergütige GOtt die Wurtzeln mit einer Haut umgeben / daran sich die Wasser läutern / und also nicht trübe in die Stämme sich ziehen mögen. Aber wenn die Erde gifftig / oder wie gedacht todt ist / so bleibt die malignität in Wasser / es sey solches trübe oder klar.

§. 24. Es wollen etliche Naturalisten statuiren / je wenigere und kürtzere / jedoch gute Wurtzeln einem Baume im Versetzen gelassen werden / je eher und besser Fortkommens er habe / gegen dem / wenn man ihm lange und viele Wurtzeln lasse; Und zwar wollen sie solches aus einer langen und sichern Experienz haben.

Die ratio unter andern soll seyn / daß die vielen Wurtzeln anfänglich nicht selbst gnugsame Nahrung aus der Erden erlangen und haben / vielweniger dem Stämmlein geben können.

Allein weil ein Baum mehr Wurtzeln wirfft als der andere / und gleichwohl der jenige / welcher eben nicht so grosse und tiefe Wurtzeln hat / jedoch so viel Nahrung gebraucht als derjenige / welcher mit vielen und grossen Wurtzeln versehen / so ist an Gewißheit dieser Meynung nicht wenig zu zweiffeln.

Unterdessen scheinet sehr probable, daß die Wurtzeln von unterschiedener Art Bäume grössere poros haben / als andere / und dahero auch mehr Safft aus der Erden an sich ziehen können / als die so kleine poros führen / und weil die Wurtzeln os arboris, oder der Mund des Baums seyn / so stehet dahin ob und wie viel man bey sothanen Umbständen von denenselben abhauen könne.

Was sonsten die poros derer Wurtzeln betrifft / kan man dergleichen auch sagen von theils Saamen.

Denn wenn solche viele poros hat / und selbige durch üble Wartung und Pflegung verschlossen werden / geschichts / daß solcher lange in der Erde lieget / oder in der gewöhnlichen Zeit über nicht aufgehet / weil er nicht gnugsame Feuchtigkeit an sich ziehen kan.

§. 25. Warum auch die Wurtzel zu Zeiten selber wieder ausschläget / neue Stämme herfür treibet / und so wohl den alten / als neuen Stamm ernehret / ist gewiß eine sonderliche curiosität / welcher nachzudencken / der Mühe wohl werth wäre: dann es giebts zum öfftern der Augenschein / daß selbige ob sie gleich mit wenig Erde bedecket / oder gar bloß ist / Knospen gewinnet / und einen Stamm von sich treibet / auch also fort dieser Gegend mehr Wurtzeln wirfft / um den neuen Stamm gnugsahme Nahrung zuverschaffen.

Siehet man also / wie die Vorsichtigkeit der Natur in Vermehr- und Herfürbringung des Holtzes stets beschäfftiget / und nimmermehr zuergründen ist / welche uns dahero anweiset / und anfrischet / auch unsers Orts mit Vermehrung des Holtzes nicht säumig zuseyn / sondern zugleich mit ihr zu agiren.

§. 26. In Herfürbrechung des Stämmleins aus den Saam-Körnlein ist nicht weniger auch zu admiriren / daß weil es mit denen daran hangenden Blättlein oder Tangeln sehr zart ist / jedennoch die schwere Erde / ob es gleich etwas tief in derselbigen lieget / durch die fermentation, so bey dem Aufkeumen geschicht / in die Höhe heben / und durchdringen kann / da es doch für menschlichen Augen schier unmöglich scheinet / daß ein so zartes und schwaches Gewächse eine solche Schwere der Erden über sich heben / und also seinen Durchgang suchen / auch endlich ein solcher Zuwachs erfolgen solte / daß ein Baum nach und nach von dergleichen Größe / Höhe / Dicke und Stärcke daraus erwachse. §. 27. Der Stamm des Baums / wenn er starck ist / so braucht er auch desto mehr Saffts / und hilfft sich auch selber folgender Gestalt solchen zu empfangen / indem der dicke Stamm von innen Kühle bey sich hat / und so bald von außen eine Wärme darzu kömmt / so streiten folglich die Wärme und Kälte / so wohl in Stamm als unter der Rinde / und verursachen dadurch eine Feuchtigkeit (gleich bey denen meteoris) so alsdenn dem Baum zu grossen Nutzen dienet und dessen Wachsthum befördert.

Wie denn das gröste Wunder / so bey der vegetation, durch die von Wasser / oder von der Feuchte aufgelöste salia sich ereignet / gantz unendlich ist.

§. 28. Gleichwie aber unter den Menschen und andern Creaturen nicht alle einerley statur, Geradigkeit / und Ansehen haben; Also gehet es auch bey dem Holtze. Dann ob es wohl unter den wilden Holtze die schönsten / geradesten / wohl gestalte und wohl gewachsene Bäume giebet / so zum Bauen / Brettern / Schindeln und dergleichen sehr dienlich und nützlich sind / so lassen sich doch ebenfalls auch ungestalte / übel proportionirte / krumme / höckerigte / und verwimmerte darunter finden / welche weder zum Bauen noch zu andern Nutzen / sondern nur bloß zum Feuer-Holtz und zum Verkohlen dienen / denn viele solche Gestalten und formen praesentiren / indeme sie heßliche Knörren / Krummen / Buckel / Höcker und Spalten an sich haben / daß sie unangenehm anzusehen / bevorab in solchen Wäldern, wo die Holtz-Axt gar selten hinkömmt / denn solchs sonsten abgehauen und weggeschafft werden solten / damit den schönen und geraden Stämmen zum Wachsthum Raum gemacht werde.

Aber man siehet doch wohl an manchen Orte das contrarium, daß man die schönen abgehauen / und die Bucklichten und Krüplichten stehen läßet.

§. 29. Durch den Stamm nun des Baumes steiget von der Wurtzel der Safft biß in den Gipffel / ja er treibet vor allen Dingen den letztern in die Höhe / und erlängert den Baum am allermeisten daselbst; den Stamm aber treibet er in die Dicke / und dehnet die Rinde nach und nach aus.

Am allerwunderlichsten aber ist es / daß der Safft eines jeden Baumes eine sonderliche Qualität hat.

Denn einer ist wohl- der andere aber übel-riechend; einer riechet süsse / der andere sauer; der eine ist dünne / der andere fett; der dritte hartzig und öhlicht; einer gesund / der andere ungesund; der eine führt hart Holtz / der andere weiches; der eine sprödes / der andere zähes / und ist so fortan fast von unendlichen Qualitäten; Und welches noch mehr verwundernswürdiges Nachdencken gibt / so hat dieser von der Wurtzel selbst praeparirte Safft so vielerley effect und Würckungen / indem er die Blüthen / die Blätter / die Sprossen des Baumes generiret / und dem Stamm / denen Aesten / der Schale und dem Marck seine Nahrung reichlich darreichet.

Der empfangene Safft / und inhaerirendes Saltz aber dringet so wohl durch die poros, so in den Stamm / und in dessen Jahren sind / als auch durch die Rinde / in welcher die pori etwas grösser und weiter seyn / und also derselbe desto ehe darinnen fort und in die Höhe steigen kan.

§. 30. Hiernechst ist auch sehr merckwürdig / daß ein Holtz mehr und schärffern Safft / Saltz / und andere intrinseca bey sich führet / als das andere / welches aus dem Rauch desselben ziemlich genau zuschliessen.

Denn ein Rauch mehr als der andere in die Augen beißet / allermassen der Rauch von frischen Erlen / und Eichen-Holtz / die Augen weit empfindlicher angreifft / als der Rauch von Aspen und Weiden.

§. 31. Vor vielen andern aber kan man fast nichts wunderbarlichers an dem Baum betrachten / als wenn wir ansehen / daß durch den Stiel oder dünnen Stengel / daran die Frucht oder Saame eines Baumes hänget / so viel Safft und Nahrung kommen / daß es die Blüthe herfür bringen / hernach die Früchte / so bey etzlichen Arten von ziemlicher Grösse sind / an sich selber vergrössern und reiff nachen kan / auch ihnen allerhand Farben / Schalen / Fleisch / Mehl / Safft und Kern giebt.

§. 32. Sothane Würckungen nun vom Baum-Safft geschehen zur Sommers-Zeit; aber im Winter ist derselbe ohne Bewegung wegen der Kälte / und folglich wächset / oder nimmet der Baum zu der Zeit wenig zu / ob er wohl sonsten die Kälte ausstehen und vertragen kan / jedoch wollen viele dafür halten / ist auch wahrscheinlich / daß bey sehr guter und warmer Witterung sonderlich das Tangel-Holtz über Winters etwas zunimmmt; so bald aber die Frühlings-Wärme entstehet / und der Frost ausgedauet ist / fänget der Safft an völlig zu treiben / sich zu bewegen / zu würcken / und den Baum lebendig zu machen / daß seine Schale voll Safft wird / und Laub / Sprossen / Aeste und Blüthen von sich stösset.

§. 33. Der Safft hat seinen meisten Sitz zwischen der Schalen und dem Holtz / und breitet sich hernach überall aus / biß in die äussersten extremitäten.

Das meiste Geschlecht derer Bäume giebt dahero Frühlings-Zeit eines Monats lang viel Wasser / wenn man drein bohret / oder hauet / von sich; aber Herbst-Zeit giebt er keinen Safft / ausser / daß der Maulbeer-Baum auch Winters-Zeit / wenn man solchen verwundet / dergleichen von sich lässet. §. 34. Wie aber nun der Safft aus der Wurtzel biß in den obersten Gipffel steigen könne / möchte man sich wohl wundern. Daß es durch gewisse Adern und ductus geschehen müsse / ist bereits oben erwehnet.

Denn ob man gleich dieselbigen nicht ausdrücklich / und gantz augenscheinlich sehen kan / so ist es doch wohl aus denen abwechselnden Farben / Härte und Gelindigkeit des Holtzes abzunehnen / und zuschliessen / daß in Holtz oder in Rinden dergleichen verhanden / indem / wann drein gehauen oder / geschnitten wird / der Safft / Feüchte und Liquor sich bald zeiget. Durch die Microscopia sind dergleichen Entdeckungen der Natur auch gnugsam am Tage / daß viel Adern oder pori an den Stamm bald unter / und über sich gehen / wodurch der Safft von der Wurtzel herauf und niederwerts / den Jahrszeiten nach / sich begiebet.

So hat er auch viel poros die Quere in dem Holtz / durch welche die Feuchtigkeit / so die Rinde aus der Lufft / und von denen meteoris an sich ziehet / dem Stamm mit getheilet wird.

§. 35. So viel die Rinde anbelanget / so sagen die Physici: Cortex est tegumentum Arborum, quo quasi corio & cute earum periphoria tegitur, si sit crassior, proprie cortex, si vero tenuior, cutis est.

D. i. Die Rinde ist nichts anders als eine Decke derer Bäume / mit welcher selbige nicht anders als mit einem Leder oder Haut in ihrem Umbfang umgeben werden. Ist nun sothanes Leder oder Decke starck / so nennet man es eine Rinde; wenn es aber dünne / eine Haut oder dünne Schale.

§. 36. Siehet man ferner das Laub / oder die Blätter der Bäume an / so weiß man ebenfalls über deren sehr vielfältigen Unterscheid nicht gnug nachzusinnen.

Sintemahl die Tangeln an den stets grünenden Bäumen nicht einerley / sondern theils kurtz / theils lang / theils breit / spitzigt / eckigt / auch an der grünen Farbe von einander unterschieden sind.

An dem Laub-Holtze findet sich gleichfalls eine grosse differenz der Blätter / etliche sind sehr groß / etliche klein / etliche mittelmäßig; etliche lang und schmahl / etliche aber breit und rund; etliche an denen Enden breit / etliche zerkerbet; etliche wollicht und rauch / etliche glatt; etliche weißlich / gelblicht / oder röthlicht / andre aber dunckel- oder schwartz-grün / alle aber mit vielen Strichlein / Fäserlein oder Aederlein durchzogen / und in gewisse Theile gesondert.

An etlichen Bäumen hat ein jedes Blatt seinen eigenen Stiel / an andern aber hangen an einem Stiel viel Blätter / als an der Asche und Holunder; ingleichen an einem Stiehl viel Saamen- oder Körner Trauben-weise / als an der Häyn-Buche / Ahorn / Linde / und dergleichen.

Ja man will observiret haben / daß im Junio, wenn die Sonne sich wendet / der Weiden / Aspen / Pappeln und anderer Bäume Blätter sich gleichfalls wenden sollen / Mizaldus Cent. 7. aphor. 36.

§. 37. Der differente Boden / der grosse Unterscheid der Arten der Bäume und die veränderliche Witterung verursachen / daß das Laub zur Herbst-Zeit / und gegen den Winter an einer Gegend oder Ort / von einem Baum eher abfällt / als an den andern / und also nicht zugleich / sondern sehr unterschiedlich.

Dann dem Gesetz der Natur nach verändern sich zwar alle Bäume / jedoch hat immer eine Art oder Geschlecht mehr innerliche oder angeschaffene Kräffte zur Dauerhafftigkeit als der andere / und bleibet länger unwandelbar / und unveränderlich.

Und ob gleich das Eichen-Laub / wenn es noch jung ist / gar leicht in Frühling erfrieret / so hält es sich hergegen in Herbst bey dem Reiffen und Frösten vor andern Laub am aller längsten auf / ehe es abfället / weil es alsdenn mehr derber Fett bey sich hat / und sehr öhlicht ist / daß der Frost so leicht nicht durchdringen kan.

§. 38. Wie angenehm die grüne Farbe von denen Blättern derer Bäume sey / ist nicht zu sagen.

Die Sinnligkeiten werden dadurch recht zärtlich gerühret / wunderlich gestärcket und erfrischet / die Augen in die gröste Anmuth gesetzet / gestalt man denn diese Farbe fast bey allen Bäumen findet.

§. 39. Vorher ist von denen partibus excrementitiis, oder denen so genannten Auswürffen derer Bäume Meldung geschehen / dergleichen man fast bey denen meisten / wo nicht bey allen zu finden pfleget / und sind hieher zu rechnen / die Schwämme an denselben / ingleichen / die kleinen Schwämme / die Galläpffel / Hartz und sonderlich der Mooß und andere dergleichen mehr.

§. 40. Was das Alter der Bäume anlanget / kan man wohl sagen / daß alle plantae, Bäume und Stauden quatuor aetates oder vier Alter haben / das erste ist das Käumen des Saamens / da der Stamm und Wurtzel aus dem Saamen-Korn herfür bricht / und wird mit der Kindheit oder Geburt des Menschen verglichen. Das andere Alter ist / wenn der Stamm / Aeste / und das Laub auswirfft / Knospen gewinnet / und in die[WS 6] Höhe wächset / das ist der Jugend gleich; Das dritte ist / so bald der Baum Blüthe und darauf folgende Früchte erlanget / und in besten flor ist / welches dem männlichen Alter zu paragoniren seyn wird.

Das vierdte und letzte Alter ist / wann der Baum an Safft / Kräfften / Blüthe und Früchten abnimmt / und sich zum Untergang neiget / so das hohe Alter kan genennet[WS 7] werden.

Andere sagen / das Alter derer Bäume sey (1.) das anfangende / oder die Kindheit / (2.) das wachsende / oder die Jugend / (3.) das stillstehende / oder das männliche / (4.) das abnehmende Alter.

§. 41. Insgemein ist bey dem Alter der Bäume dieses zubehalten / daß die jenigen Bäume / so geschwinde aufwachsen / auch für andern Zeitlich wieder wandelbar werden und veralten / als die Weiden / Pappeln / Kirschen / Aepffel und Pflaum-Bäume. Jedoch ist es nicht eine allzu gemeine und unfehlbare[WS 8] Regel. Denn die Linden / Illmen etc. wachsen geschwinde / aber sie werden doch alt / und dauern lange / ehe sie sich verwandeln / aber die Eiche etc. wächset langsam / und dauret lange.

§. 42. Eigentlich das Alter / und wie lange Zeit / eine jedere Art des Holtzes wachse und zunehme / wie lange es hernach in seinen Esse also subsistire, und wenn es wieder abnehme / ist wohl unmöglich genau zu penetriren / ohne was der äußerliche Augenschein würcklich geben kan.

Gewiß ist es aber / wenn eines von diesen aufhöret / muß das andere anfangen.

Wer weiß aber auch diesen periodum? Das Alter theils der Bäume / sonderlich die in grossen Wildnissen sind / muß sich wohl auf weit mehr als auf etzl. 100. Jahr erstrecken / und es mögen viel wohl etzliche Secula gestanden seyn / so daher zu muthmassen / weil bey den grossen Wildnissen kein Volck in der Nähe gewohnet / das solche hatte abhauen oder verbrauchen können.

Ja es liegen viel Gehöltze zwischen grossen und tiefen Morasten / auch auf hohen fast unersteiglichen Felsen und Höhen / daß man mit keinem Wagen / oder Schlitten dahin kommen / und das Holtz wegführen kan / dahero leicht zuschliessen / daß solche Höltzer lange Zeit gestanden / und von vielen Jahren her aufgewachsen seyn müssen / wie dann viel Stämme nur von Fichten und Tannen in hiesigen Wäldern gefunden werden / so gewiß viel Secula auf sich gehabt / indeme sie an die 18. 20. biß 24. Clafftern Holtz gegeben / geschweige vorjetzo derer grossen Eichen und Linden / woraus noch mehr an Claffter Holtz geschlagen werden können / und wenn der Stamm uhralt ist / so ist das Holtz feste / springet in Abhauen wie Glaß / und ist fast nicht zugewinnen / sonderlich an Tannen / und müssen die Holtzhauer ein Gerüste an Stamm hinauf von 4. bis 6. Ellen in die Höhe machen / darauf in Abhauen zustehen / weil das Holtz unten am Stamm am allerfestesten / und je höher am Stamm / je weicher / und also eher abzuhauen ist.

Bey diesen bleibet der feste / oder harte Stock von 4. 6. und mehr Ellen hoch stehen / und verfaulet nach und nach. Es ist aber hieraus nicht zuschliessen / daß in dergleichen Wäldern alle Stämme alt / ausgewachsen und überständig seyn müssen / ob gleich die Axt nicht dahin gekommen / sondern man findet daselbst alte / mittelmäßige und junge durcheinander / welche von Jahren zu Jahren / zwischen denen grossen und alten Bäumen eintzeln mit aufgewachsen.

Nachdem aber das Holtz vorietzo hier sehr rar wird / so lässet man dergleichen Stöcke nicht mehr stehen / sondern suchet die Bäume abzusägen.

§. 43. Die viele oder wenige Jahr-wachse / oder der Circkel in Stamm einer Tannen / Fichte und Kiefer sollen zwar das Alter eines Stammes angeben / und jeder Circkel eines Jahres Wuchs anzeigen / alleine es machet mancher Circkel / oder Jahr-wachs zum öfftern zwey biß drey und mehrere Jahr aus / nachdem er sich ausgedehnet / und viel weises in sich hat / gedachter Circkel aber gegen das andere Holtz etwas röthlicht aussiehet / und härter oder fester ist.

Man wills observiret haben / daß man Stämme gefunden / so wohl 100. 150. und mehr Circkel und Jahr-wächs inwendig gehabt / und zumahl unten in Stamme / daran das grosse Alter und jährliche Wachsthum solcher Bäume ziemlich zuschliessen / ob es gleich nicht so genau biß auf etliche wenige Jahre eintrifft / zumahl da es scheinet / daß zum öfftern auf 2. biß 3. Jahr Wachsthum sich in einen grossen Circkel / als sie sonsten ins gemein zuseyn pflegen / einschliesset? Denn es wollen viel von dem Alter der Bäume / sonderlich der Fichten und Tannen raisonniren / und ihm zwey / drey / biß 500. Jahr und mehr zulegen: aber wer kan hievon eigentliche Nachricht geben.

Jedoch ists gewiß / wenn die Bäume bald aus ihren rechten Wachsthum seyn / so setzen sie wenig / oder gar keine Circkel mehr / sondern es dehnen sich nur die Circkel in der Weite / wie mans ins gemein hiesiger Lande dafür hält / daß nach dem / obangeregten stillstehenden / und hernach folgenden abnehmenden Alter in keinen Baum / die so genandten Jahre / oder mehrere Circkel wachsen.

Ohne zweiffel ist es wahr / daß ein gesunder und unbeschädigter Baum viel Secula ausdauren kan.

§. 44. Sonst sagt man auch / daß die Circkel oder so genanden Jahre im Holtze / oder in einem Baum gegen der Mitternachts Seite enger und dichter zusammen oder bey einander seyn / als gegen Mittag / da sie grösser und weiter von einander stehen / aus Ursachen / weil die Sonne und Wärme mehr Würckung alhier hat / als gegen der Mitternachts Seite / da die Kälte und Nord-Winde das Wachsthum / oder Ergrösserung der Jahren verhindern / jedoch findet man an denen / so etwas tief in Wäldern stehen hierunter gar keinen Unterscheid.

§. 45. Sonsten aber hat man durchgehends eine schöne Erinnerung der Göttlichen Providenz und der stetig geschäfftigen Natur an den Bäumen / auch in folgenden zufinden; Denn nachdem ihre Früchte und Saamen abgefallen / oder abgenommen sind / siehet; man sie auch in kurtzen ohne Laub aber doch ist der Verlust daher geringe / weil GOtt allbereits zuvor dieselben schon mit neuen Aeugelein und Knospen in Herbst versehen / darauf sie nehmlich im Frühling ausschlagen / die Knospen aufbrechen / und von der Natur mit Laub-Blüthe und Früchten nach und nach wieder gezieret werden / so kan man also an ihnen schon zugleich die Künfftigen mit sehen / und sind die Laub- Blüthe- oder Trage-Knospen / damit sie sich das künfftige Jahr beliebt / nützlich und annehmlich machen wollen / schon verhanden / welche auch im Herbst / wenn die andern Blätter abfallen / als eine Hoffnung des folgenden Sommers bleiben / und von Leuten / so hievon Wissenschafft haben / gar wohl können[WS 9] erkant und unterschieden werden / nehmlich welche Knospen / Laub / und welche Blüthe / Saamen oder Früchte herfür bringen dürfften.

Daraus klährlich abzunehmen ist / daß wenn die Bäume / so in Nordlichen Ländern befindlich / nicht durch den Winter und strenge Kälte abgehalten und gehindert würden / sie also fort wieder ausschlagen / und des Jahrs 2.mahl tragen könten.

Es ist aber dabey zubeobachten / daß wenn der Baum ein Jahr viel Früchte und Saamen getragen / er das folgende darauff nicht so viel geben kan / aus Ursachen / weil eben an denen Orten / Enden / oder Aestlein / wo die Früchte gestanden / keine Blüth-Knospen sich wieder erheben / und in späten Herbst herfür bringen können / sondern leer bleiben.

§. 46. Ob die Bäume wohl von Winden und grausamen Stürmen also beweget / wie auch von der grossen Hitze und Kälte dermaßen gedrücket / angegriffen und gezwungen werden / daß für Menschlichen Augen es fast unmöglich scheinet / daß sie sich dagegen solten unumgebrochen und unbeschädigt erhalten können / sondern vielmehr verderben müsten / so hat sie doch GOtt mit innerlicher Krafft und Wurtzeln dergestallt versehen welche / in der Erde befestiget / und so steiff eingetrieben sind / dadurch sie in ihren völligen flor, nach vielen ausgestandenen Gefährligkeiten conserviret werden.

§. 47. Letzlichen so ist auch notorisch / daß von vielen curiösen allerhand Demonstrationes gemacht und gewiesen worden / wie aus der Asche und Saltz / Item aus dem Liquore unterschiedener Bäume und Holtzes in Gläsern und andern Gefässen / eine jede Art Bäume angeflogen / oder angeschossen zusehen gewesen / daß man also schliessen kan / wie die Natur spielet / und wie jeder Baum seines gleichen in der Aschen wieder herfür bringen will / damit kein Holtz-Geschlecht auf der Welt untergehen möge.

§. 48. Diese und dergleichen Dinge geben wohl schöne Meditationes, aber die rationes physicae sind desto schwerer zu ergründen; Dahero es auch scheinet / als ob man vergeblich darinnen scrupulire. Nichts desto weniger giebt es doch darbey zum öfftern eine gute Anweisung / wie man sich in einem und andern bey Säen und Pflantzen / und in Pfleg- und Wartung derer Bäume künfftig vorsichtiger aufführen / und zugleich trösten könne / daß man hieran gethan / was man gekunt: Wie den wohl wahr / daß von dergleichen Nachgrüblen in natürlichen Dingen zu Zeiten wenig Nutz gespühret / und gefunden wird; Unterdessen aber so werden diejenigen verhoffentlich nicht zu tadeln seyn / die sich hierunter bemühen und denen Sachen / und der sonderbahren Wunder-Wercke der Natur nachdencken / dabeneben ihre nachahmende oeconomische Wissenschafft und Kunst anwenden / da es denn ohne Nutz nicht abgehet, auch andern mehr Anlaß giebet / dem Werck weiter nachzuhengen und nachzusinnen / auch künfftigen Schaden dabey zuverhüten.

Es ist doch ausser Zweiffel eine Lobenswürdige Begierde / Erfindungen auszuforschen / und zusuchen / die Land und Leuten / oder der Nach-Welt eintzigen Nutzen schaffen können.

Dann die Natur hält den Menschen noch viel Dinge verborgen / zumahl wenn dieser zum öfftern auch wieder die Natur hierunter handelt / und selbiger nicht folgen will / ob sie gleich ihme viele und gnugsame Gelegenheit diesfalls an die Hand giebt. Gewiß der Natur Lauff in solchen Dingen / sonderlich wie sie wunderlich bey der Bäume Zustand so wohl Sommers / als Winters-Zeit agiret / muß uns alles Miracul deuchten / indeme unser Verstand keinesweges hin langet / daß wir solten die eigentliche Ursache und rationes hierunter penetriren / man sey auch so curieux, als man immer wolle / oder könne.

Und ob man gleich alle nur ersinnliche Mittel anwenden möchte; So bleibt es doch dießfalls ein unvollkommenes Werck.

§. 49. Alleine es ist eben nicht daraus zuschliessen / daß man desperiren solte / eine / oder die andere Vollkommenheit zuerfinden / zumahl da bey embsiger Erkundigung der Augenschein die Sache zum öfftern entdecket / sondern es wird nur hier erinnert / was die Erforschung und Erfahrenheit der innerlich verborgenen Eigenschafften betrifft. Denn was sonsten die Hervorbringung und Anwachs des Holtzes anlanget / da kan durch menschlichen Fleiß / Mühe / Sorge / Arbeit / Witz und Nachdencken / auch offtmahligen Versuch viel ausgewürcket werden.

Denn Dies diem docet: Ein Tag sagts dem andern / oder wir werden mit der Zeit klüger.

Also kan immer eine Sache nach und nach / und von Zeiten zu Zeiten besser excoliret / und ein mehrers dabey inventiret werden.

Wie man denn gnugsam Exempel hat / daß die meisten Wissenschafften / Künste und Handwercke / dergestalt in wenig Jahren her verbessert / und in vielen geändert worden / sonderlich in Physicis, und in der Medicin, daß derer alten Welt-Lichter / des Aristotelis, Aesculapii, des Galeni, und vieler andern Meynungen mehr / wenig ober gar nicht fernerhin angenommen werden dürfften.

Die Unwissenheit in physicalischen Dingen soll angegriffen / und genau nachgeforschet werden / um solche zur Verbesserung zu bringen / die Wissenschafft aber / so man allbereits hat / ist zu vermehren / und mehr ausfündig zumachen / jedoch muß man dabey / des Socratis Exempel nach / sich einbilden / und fürstellen / als wenn man wenig oder gar nichts von der Sache wüste / um dadurch desto eher und embsiger die Gelegenheit zu suchen / von jederman etwas mehr diesfalls zubegreiffen / und zulernen.

Nichts destoweniger aber wird allhier der jenige / so eine genauere Nachricht oder Wissenschafft in dergleichen / dem gemeinen Wesen zum besten / darthun kan / bedencken / was der Poet aufrichtig hievon saget:

Diversum sentire duos de rebus iisdem
Incolumi licuit semper amicitia.

D. i. Es können ihrer zwey von einer Sache widrige Meynung hegen und deßwegen dennoch gute Freunde bleiben.


Das Vierte Capitel.
Vom Holtzmangel / und dessen Ursachen.

§. 1. Was Teutschland heutiges Tages in Ansehen der vormahligen Gehöltze habe.

§. 2. Ungeheure Wälder in America.

§. 3. Ursache dererselben. Große Wälder in Moscovien und denen entlegenen Nord-Ländern. §. 4. Was in Teutschen und angräntzenden Landen den Holtzmangel verursachet / und wie schädlich derselbe sey.

§. 5. 6. Der wieder den Holtzmangel gemachte Einwurff wird abgelehnet.

§. 7. Der Holtzmangel ist bey hiesigen Landen und Berg-Wercken viel empfindlicher als an Orten / da man Schiffe bauet.

§. 8. Erwegung und Ursachen des Holtzmangels / darunter

§. 9. (1) Die grossen und vielen benöthigten Gebäude.

§. 10. (2) Die hier zu Lande eingeführte Vieh-Zucht.

§.[WS 10] 11. (3) Die grossen und übelverwahrten Stuben. Hamburgische Invention von Kachelöfen.

§. 12. Die (4)te Ursache das überflüßige Küchen-Holtz. Eine Invention hierbey zur menage desselben.

§. 13. 5te Ursache Camine. Vorzug der Oefen vor den Caminen.

§. 14. (6)te und vornehmste Ursache / die verschwenderische Holtz-Art in Abtreiben gantzer Höltzer und Hindansetzung krummer Bäume / item hohe Oefen.

§. 15. (7)de Ursach / Hindansetzung des Säens und Pflantzens. Die hierunter versirende Göttliche Gerichte.

§. 16. Künffig zu besorgendes Unheil.

§. 17. Anderweitiger Erweiß des Holtz-Mangels. Reflexion über daß Pechsieden.

§. 18. 19. Fernerer Beweiß und daraus entstehendes Elend sonderlich in Gebürge.

§. 20. Reflexion warum in allen 4. Theilen der Welt so vielerhand Thiere / Bäume und Kräuter, und doch nur einerley Metalle. Prophezeyung von Meissen und dargegen zu brauchende praecaution.

§. 1.

OB wohl Teutschland / wie oben mit mehrern angeführet worden / vor dessen mit Wäldern meistentheils überzogen gewesen / so ist es doch dabey in folgenden Zeiten nicht verblieben / sondern es sind nun diese grausame Wälder und Einöden / in die schönsten Felder / Wiesen / Gärten / Weinberge / Hutweiden und Teiche / ja in viel tausend derer vollkommensten Städte / Schlösser / und Dörffer verwandelt / so gar / daß daher / und der grossen Consumtion halber / sich nunmehr fast durchgehends der Holtzmangel ereignen will.

§. 2. Dergleichen grosse Wälder sollen sich auch vorietzo in America an vielen Orten befinden / zu deren Ausrottung unterschiedliche Europaeische Nationes grossen Fleiß anwenden / weil wegen derselben ungeheuern Grösse / oder dick aneinander stehenden Bäume / man zu Lande fast nicht / oder gar beschwehrlich / jedoch nur zu Fuße reisen kan / wie solches viele Reise-Beschreibungen bewähren / und überflüßig bekräfftigen.

Ja wenn die Europaeer / sonderlich in denen Provinzien / so die Engelländer und Frantzosen besitzen / Gärten / Wiesen / oder Feld daselbst anlegen / oder anbauen wollen / so müssen Sie mit grosser Arbeit und Unkosten den Platz zuvor abholtzen / und abräumen / und die grossen Stöcke ausrotten.

Ein denckwürdig Exempel lieset man hiervon / so sich bey der Insul Terra nova zugetragen / als nehmlich die fremden Ankömmlinge nebst denen Einwohnern / um die Insul fruchtbahr zumachen / und Ackerbau und andere Wirthschafften anzurichten / die grossen Wälder angezündet / und das Holtz in unsäglicher Menge verbrandt / so ist viel von dem Safft / Asche / Hartz und Pech derer Bäume durch die Regen- und fliessende Wasser / biß in die See getrieben worden / welche Salia, Schärffe / und Pech / das Wasser dergestalt verderbet / und inficiret / daß der bekandte köstliche Fischfang gantzer 7. Jahr / von theils der nahen Gegend dieser Insul / verbannet / und hat der Fisch den Geschmack nicht vertragen können / sondern ist weg gewichen / woraus zu schliessen / in was Menge das Holtz daselbst muß verhanden gewesen / und verbrannt worden seyn.


§. 3. Zwar es ist kein Wunder / daß solche starcke Wälder der Orten anzutreffen / denn es hat nicht allein / denen zuvor darinnen wohnenden Indianern an Waffen und Aexten solche abzuhauen gemangelt / sondern es hat auch selbige Nation schlechte Wirthschafft gehalten / aus Faulheit und Unwissenheit den Ackerbau und Viehe-Zucht negligiret / und dahero keine kostbare Gebäude geführet / und also des vielen und grossen Holtzes nicht nöthig gehabt; Ebenmäßige grosse ungeheuer Wälder finden sich auch noch in Siberien / in Samoytien / an denen Gräntzen der grossen Tarterey / in Laplandt / Norwegen / alwo wegen grosser Kälte / wenige Wohnungen sind / und folglich solche unbewohnte Länder das Holtz nicht consumiren / sondern sich mit wenigen Brennholtz behelffen können.


§. 4. Hergegen hat es in diesen hiesigen völlig angebauten und bewohnten Nord-Ländern / eine weit andere Beschaffenheit / indem schon vor langer Zeit / die Wälder / und bevorab sieder denen schweren Kriegs-Zeiten her / verwüstet / und die mit vielen Holtz überzogene Felder und Wiesen / wo es nur möglich / ausgereutet / ausgebrennet / und der Boden zum Feld-Bau und andern Nutzungen hinwieder gebracht / auch von dem Holtze viel 1000. Schlösser / Paläste / Häuser / Scheunen / Ställe / Brücken und dergleichen bey mancher grossen und kleinen Stadt / bey Flecken / Dörffern / Höfen, u. s. f. erbauet worden / woraus die Consumtion des Brenn- und Nutz-Holtzes / bey einer solchen grossen Menge der Einwohner / auch leicht zuschliessen / daß so gar und gleichsam unvermerckt / nach und nach / an Holtz sich Mangel herfür thun wollen / wie man denn in alten Holtz-Ordnungen / schon von etlichen Seculis her / darüber Klagen geführt / vielmehr aber ietzo dessen Abgang weit härter verspühret / und durch diesen nicht geringer Schade verursachet wird / Auch ist künfftighin noch weit mehr zu besorgen / dann kein Mensch / ja keine Wirthschafft / sie sey auch so gering / als sie wolle / kan den Gebrauch des Feuers und Holtzes entrathen / derowegen ausser Zweiffel jederman / ja Hohe und Niedere / besorget seyn mögen / wie hierbey Hülffe zuschaffen; sonsten muß das Armuth seufftzen / Noth / Kummer / und Verlust der Nahrung / der Gesundheit / und endlich des Lebens leiden.

§. 5. Es dürffte zwar wohl mancher auf die Meynung gerathen / weil er hin und wieder noch auf denen Gebürgen / unterschiedene Höltzer und Wälder siehet / auch wo ein weiter und offener prospect ist / wohl auf der Ebene und Hügel ein Höltzlein und Wäldlein oder Gebüsche erblicket / es habe deswegen noch lange keine Noth.

Man pfleget auch wohl zusagen und sich mit dem Sprichwort zu trösten: Holtz und Unglück wachse über Nacht; Aber ob es gleich von ferne / oder auch wohl in der Nähe das Ansehen hat / als ob dieser oder jener Wald mit Holtz gnüglich bestanden und bewachsen / oder angeflogen sey / so giebt doch der nähere Augenschein / daß die Bäume gantz eintzeln / und dünne stehen / und wo jetzo 2. 3. Stämme verhanden / derer wohl 10. biß 20. daselbst Platz haben / und diese der Boden gar wohl ertragen und ernehren könte / wordurch denn der Schade / so einem Lande hierdurch geschicht / leicht zuermessen ist / und wenn es müglich wäre auszurechnen / wie hoch die Summa derer Bäume stiege / so man solcher gestalt entbehren muß / so würde es sich auf eine unendliche Zahl belauffen; hingegen wo die behörige cultivirung derer Wälder / wie in theils Ländern geschicht / erfolgete / so würde der Nutzen und Uberfluß an Holtze auch nicht wohl zu beschreiben seyn. Denn der Mensch findet sich nicht mehr in dem Garten Eden / da er die schönsten Bäume und Früchte umsonst gesehen und genossen / zuvor aber keine Arbeit / Mühe / Fleiß und Sorge zu deren Anwachs beytragen dürffen.

Wenn man aber die hiebevor in lauter starcken Gehöltze / und grossen Wäldern bestanden gewesenen Revieren Teutschlandes genauer betrachtet / wird man dagegen vorietzo so viel blössen / abgeholtzte Gebürge / und grosse Stock-Räume auf viel Meilweges lang / finden / daß man sich wundern möchte / wo so eine gewaltige Menge Holtzes / in so weniger Zeit und bey Menschen Gedencken hinkommen seyn müste / und wie bey dem Rest man künfftig in Secula hinein auskommen wolte / zumahl da der wenigste Anflug und Wiederwachs verhanden / und heisset es heutiges Tages nicht mehr / als wie für diesen / da man ob lignorum copiam, & emptorum inopiam, wegen Uberfluß Holtzes und mangel der Käuffer besorget seyn müsten.

§. 6. Ja es lehret solches schon einem jeden / der Holtz benöthiget / und selbiges kauffen muß / der Marckt selber / in dem es jetzo fast noch einst so theuer / als vor wenig Jahren beschehen / bezahlet werden muß / der Wald-Zinß oder das pretium auch jemehr und mehr aufsteiget / und sich erhöhet; Dannenhero zubesorgen / daß mit der Zeit / wo nicht Erleichterung gemachet wird / daßelbe noch theurer / und von dem Armuth nicht mehr bezahlet werden kan / ja wohl an manchen Orten gäntzlich mangeln / und gar nicht umbs Geld zubekommen seyn / und dahero auch der Preiß fast aller anderer Dinge ungemein gesteigert werden dürffte.

§. 7. Die Klage zwar über den Holtz-Mangel wird nicht nur in Teutschland geführet / sondern fast in gantzen Europa gehöret / aber es ist auch wahr / daß ein Land des Holtzes mehr bedürfftig ist / als das andere / und unter denen so dessen zu ihrer sustentation und conservation derer Bergwercke nicht entbehren können / ist zuförderst der so genandte Meißnische Ertzgebürgische Creyß zurechnen.

Ein dergleichen wahres Exempel wird aus America von Potosi, alwo die reichen Bergwercke sind / geschrieben / daß nehmlich alda von allen Dingen / so der Mensch nöthig habe / ein grosser Uberfluß sey / und über nichts / als über den Holtzmangel / Klage geführet werde.

Auch hören wir in denen Novellen / da geschrieben wird / wie die curieuse Englische Nation Schiffbau-Holtz aus America in Engelland herführen laßen / und ob es gleich kostbahr und theuer ist / so ist es doch zubekommen / und kan und muß von denen jenigen / so Schiffe bauen wollen / schon bezahlet werden / der Preiß sey auch so hoch als er wolle.

Alleine das will bey Bergwercken nicht also folgen / sonsten würde das Holtz mehr kosten / als die Suppe / die man damit kochet / werth ist / das ist die / Kohlen dürfften mehr gelten als das Metall, so man damit schmeltzet.

Derohalben es wohl nicht undienlich seyn könte denen Ursachen nachzudencken / wo der Mangel des Holtzes herkommen / und noch heutiges Tages herrühren möchte.

§. 8. Diejenigen / so nur wenige notice von Zustand und Beschaffenheit der Gehöltze haben / müssen bekennen / wie es denn auch der Augenschein bey denen vielen Stöcken giebet / daß binnen wenig Jahren in Europa mehr Holtz abgetrieben worden / als in etzlichen Seculis erwachsen / dahero der Schluß leicht zu machen / was es für ein Ende gewinnen möchte.

Daß auch in Südlichen Ländern man besorget ist, dem Holtzmangel müglichster massen vorzukommen / ist aus unterschiedenen Umständen abzunehmen. Dann weil es theuer und rar ist / so bauen sie von Steinen / und hauen ihre Wohnungen und Ställe in die Felsen / gleich wie der Stall zu Bethlehem / in welchem unser Heyland gebohren / in lauter Felsen gehauen seyn soll / und dergleichen Wohnung in Felsen viel gefunden werden.

Es ist aber dargegen erstlich leicht zuermessen / daß in hiesigen Nordlichen Ländern / wenn nicht / so wohl in Holtz-Spahrung / als Beförderung des Wiederwachses und Anflugs / und wo nöthig mit Holtz-Säen oder Pflantzen künfftig gute Sorgfalt angewendet wird / mit der Zeit noch ein grösserer Mangel vorfallen muß.

§. 9. Dann eines theils muß man mehr Gebäude haben / als andere gegen Süden oder Mittag wohnende Nationen. Diese brauchen nicht so viel / oder kein Winter-Futter vor Pferde / Rinder / Schafe / Ziegen und dergleichen / und erspahren also zugleich die Gebäude / an Scheunen / Schuppen / Ställen / und Boden / in denen die Fütterung aufbehalten / und verwahret wird.

Allermassen die meiste Winters-Zeit über alle ihr Vieh sich bloß von der Weyde und Graß erhält / welches denn einen großen Vortheil und Erspahrung an Holtze bringet / auch da die viele Arbeit / so von uns hierzu um das Holtz anzuschaffen / angewendet werden muß / von jenen erübriget / und hingegen andere Dinge und Manufacturen zu ihrem bessern Auskommen / und an Fremde zu verhandeln / verfertiget werden können.

Die alte Gewohnheit / daß unsern Rind-Vieh die Siede / oder das Futter / so sie in Ställen bekommen / Winter und Sommers Zeit gebrühet wird / erfordert auch viel Holtz / Arbeit und Unkosten / das Wasser hierzu warm und heiß zumachen / welches andere Nationen nicht nöthig haben / und dahero vieler Mühe und Beschwehrligkeiten gegen uns zurechnen / überhaben seyn / und viel Holtz dießfalls erspahren / ihr Vieh aber nichts destoweniger auch wohl besser bey Leibe ist / und nicht geringern Nutzen giebet; jedoch ist / und persuadirt man sich für gewiß / daß von solchen mit heissen Wasser eingebranten Futter / oder Siede / das Rind-Vieh besser Milch / und folglich geschmackere Butter giebet / als in denen Landen wo das Vieh lauter kaltes und kein warmes Futter / und Geträncke bekömmt.

§. 11. Die grossen Stuben und Zimmer / so wohl bey[WS 11] Reichen als armen / fressen auch viel Brenn-Holtz weg / sonderlich / wenn solche bey den Armen Bauers-Leuten / nicht wohl verwahret / daß keine Wärme drinnen bleibet / sondern der Windt bey denen übelvermachten Decken / Thüren / Fenstern / und Rissen der Wände / aller Orten durchdringet ein und ausgehet / den man einiger massen abhelffen kan / wenn Winters-Zeit solche mit Stroh / Rohr / Reißig und Moos / wohl verwahrt und versetzet / auch gute Estriche auf den Decken / so wohl gute Fuß-Böden in den Stuben verfertiget werden. Beyläuffig mit zu erinnern / so hat sonst vor wenig Jahren ein ungenannter Autor unterschiedene Vorschläge gethan / wie dem vielfältigen Holtz-Aufgang / so sich bey denen gebräuchlichen Oefen ereignet / vorzubeugen und eine ersprießliche Menage des Holtzes zu erhalten.

Der Titel dieses Büchleins lautet also: Nutzbarer und gründlicher Unterricht von dem jetzo gewöhnlichen Brauch und Arth der unrathsahmen Kachel-Oefen; Darinnen angewiesen wird / die grossen Fehler / warum dieselbe keine gnugsame Wärme von sich geben / und wie solchen zu helffen stehe / samt dienlicher Vorstellung einer neuen Invention und Form sehr vortheilhaffter Kachel-Oefen / welche mit wenigen Holtze mehr Wärme geben / als die bißhero gebrauchliche / so wohl Wind- als andere Oefen / und die doch auswendig und von innen können eingeheitzet und gebrauchet werden. Denen sämmtlichen Einwohnern der löblichen Stadt Hamburg / sonderlich dem Gemeinen Wesen zu grosser Erleichterung des ohne dem sehr theuren Holtzes und Turffes / wohlmeynend mit Mühe und Kosten vorgestellet von einem Liebhaber des gemeinen Besten G. R. Hamburg 1695. 4. mit Kupfferstichen.

Wie weit sich nun die Probe halten möchte / wollen wir nicht untersuchen; doch dürffte man vielleicht den Effect in dasigen Orten nunmehr befunden haben.

§. 12. Nicht weniger contribuiret zu diesem Holtzmangel auch das viele an manchen Orten auf dem Heerde unnöthiger weise brennende Küchen-Holtz / da offtmahls dasselbe mehr kostet als die dabey bereitete Speise werth ist. Hingegen ist die menagirung des Holtzes / in andern Landen wohl bekannt und in Ubung / da man bey einem Feuer viel Speisen zubereiten / und zuzurichten weiß / und mancher vornehmer Herr daselbst / nicht so viel Holtz bey seiner Haußhaltung verbrennet / als hiesiger Lande ein armer Bauer. Einen ziemlichen Vortheil giebet hierbey nachfolgende Invention. Man machet das Feuer zum Kochen / Sieden und Braten / auf eine eiserne Platte worauf die Töpffe stehen.

Wenn nun dieselbe erhitzet / so erwärmet es die darauf stehende Töpffe; Auf denen Seiten werden Feuer-Böcke gesetzet / darauff das Holtz lieget; an denen sind Hacken und ein eisern Gehäuse / darinnen die Bratspiese gehen / auch Kessel und Pfannen darauf gesetzet und gehenget werden können. In der Wand darneben lässet man lange starcke eiserne Stangen mit Angeln einmachen / welche man über das Feuer / und wieder davon ziehen / und daran allerhand Kessel und Pfannen hengen mag.

Also ist das Feuer über und über bedeckt / und kan keine Hitze umsonst weg gehen / wodurch bey einem kleinen Feuer viel Speisen zuzurichten sind.

§. 13. So fressen auch weiter die Camine eine große Menge Holtzes hin / dadoch die Hitze bald zum Schorstein hinaus gehet; hingegen aber durch die wohlverwahrte Oefen ein ziemliches an Holtze erspahret werden kan.

Deshalben haben auch unterschiedliche Nationen die Oefen an statt der Camine eingeführet / und dabey / sonderlich wenn selbige hinten an der Mauer nicht anstehen / und die Wärme sich nicht darum ziehen kan / eine ziemliche Erspahrung des Holtzes befunden.

Denn so bald ein Bund Reyßig oder Scheitholtz ausgebrannt / so ist auch die Hitze in Caminen oben hinaus; dargegen bleibet die Wärme in Ofen etliche Stunden / wenn etwas weniges von Reißig oder Holtz darinnen angezündet worden.

Sonst ist von vielen Curieusen zur Genüge beschrieben worden / was vor Vortheil bey denen Oefen gegen den Caminen zurechnen / sich hervor thun / ingleichen ob und wieviel in gewissen Stücken diese denen erstern vorzuziehen / und welche der Gesundheit am vortrechlichsten seyn möchten / sonderlich da solche Camine wenn das darinnen angezündete Holtz völlig zu Kohlen gebrannt / oben zugeschoben werden / und also die Wärme nicht zur Oesse hinaus gehen / sondern in Gemächern bleiben kan; welches wir eines jedern judicio überlassen / und bey dieser Gelegenheit bemercken / es dürffte ohne Zweiffel künfftig hin / bey denen jenigen / so allzu hohe und grosse Stuben und Zimmer in ihren Häusern führen / und deßwegen / weil selbige Winters-Zeit nicht zuerheitzen seyn / auf die Gedancken bringen / daß nicht unrathsam seyn möchte / kleinere Zimmer und Gemächer zu Winter-Stuben einzurichten / und jene die grössern zu Sommer-Stuben zu gebrauchen.

§. 14. Uber diese und andere Ursachen des Holtzmangels / so in folgenden mit angeführet werden / ist die Vornehmste die bisher in Ubung gewesene unpflegliche und verschwenderische Abtreibung und Niederschlagung des Holtzes.

Denn indeme man nicht vermeinet / daß die grosse Menge desselben / so nach dem allgemeinen Frieden de an. 1648. hin- und wieder anzutreffen gewesen / ein Ende nehmen könte / hat man ziemlich darinnen geurschet / dahero sich nunmehr billig zuhüten / daß man denen jenigen in andern Ländern nicht hierunter nachahme / die das Holtz durchgehends niederschlagen / und als ihren ärgsten Feind verfolget / solches gefällte Holtz mit grossen Hauffen verbrennet / oder auf der Stelle verfaulen / in die hohlen Wege in die Moräste und Löcher geschmissen / und verderben lassen.

Wie denn auch in vielen Gegenden nur das beste Holtz darvon genommen / und das geringe gar nicht gebraucht / oder aufgemacht / und gäntzlich der Faulnüß relinquiret worden / dafür und dergleichen sich jederman billig / so lieb ihnen die Wohlfahrt ihres Vater-Landes ist / hätte hüten sollen.

Aber wenn der Abtrieb gegen den Wieder-Zuwachs / derer Höltzer / mit Säen und Pflantzen jährlich eingerichtet wird / nehmlich daß diese jenes wieder reichlich ersetzen kan / und die Gehöltze als pfleglich gehalten werden / so wid leichtlich kein Holtzmangel erfolgen.

Hierbey läufft die Frage mit ein: Ob nach Beschaffenheit eines Walds man mit Recht hin und wieder einen Baum eintzeln / oder aber ein gantzes Holtz oder wenigstens ein Stück darvon niederschlagen könne?

Verhoffendlich wird die Meynung nach proportion der Wälder / die Stock-Räume darinnen zumachen / aber auch den Wieder-wachs darauf zu befördern / dieserwegen am besten zu behaupten seyn.

Die Holtz-Hauer sind auch nach dem Sprich-Worte Copia fastidium parit, daß man bey Uberfluß einer Sachen derselben überdrüßig wird / so delicat worden / daß wenn ein gefällter Stamm etwas unbeschaffen / knötig / und nicht gar wohl zuspalten gedienet / haben sie ihn liegen lassen / und andere abgehauen. Zugeschweigen / daß bey so wohlfeilen / und so leicht zu bekommenden Holtz / da man die Abkäuffer noch zum Kauff bitten müssen / die Wercke / hohe- und Kalck-Oefen sich immer gemehret / hingegen aber die Wälder sehr geringert worden / dahero an denen jenigen Orten und Ländern / wo dergleichen Holtz fressende Wercke verhanden / sehr nöthig seyn wird / einzulencken / oder folglich ein solcher Mangel entstehen dürffte / daß da ein Werck / 1. 2 bis 3000. Schragen Holtz jährlich verthan / sie künfftig deren nicht so viel hundert und doch theuer genug erlangen mögen / welches denn vielen Landen ein unsäglicher Schade und sehr fatal seyn würde / daß diese einträgliche Wercke nicht vollkommen getrieben / und mit Holtz fourniret werden können / allermassen dadurch viel tausend Menschen an Berg-Leuten / Schmeltzern Hammer- und Pechschmieden / Handwercken / Köhlern / Holtzhauern / Flößern / Fuhrleuten / und andern Arbeitern die Nahrung entzogen / daß sie an Bettelstabe gerathen / und das Land gar räumen müssen Dann bey solcher Bewandniß sind die grossen Wald Refieren in wenig Jahren liecht zumachen / niederzulegen und abzutreiben / daß es fast nicht glaublich zuseyn scheinet.

Gewißlich wenn man sich derer grossen Holtz-Refieren / so für einem halben Seculo hin und wieder annoch vorhanden gewesen / zurück erinnern solte / so würde sichs ausweisen / daß eine unbeschreibliche und unglaubliche Summa an Höltzern abgetrieben / und hat niemand dieses sich wollen überreden noch einbilden lassen / sonsten man ohne Zweiffel solche so starck nicht angegriffen haben würde / wenn man geglaubet / daß so ein grosser Vorrath von Holtze so bald verthan werden könte.

§. 15. Eine derer vornehmsten Ursachen des Holtzmangels ist auch / daß man bey so grossen Abgang desselben wie bereits berühret worden / nicht bey Zeiten Sorge getragen / wie diejenigen Höltzer / so annoch vorhanden / durch das Pflantzen und Säen erhalten / also der Abgang ersetzet / und der Schade so viel möglich repariret werden möchte / zumahl an solchen Orten / da ein grosser Theil der zeitlichen Wohlfarth Flor und Glorie eines Landes an Holtz-Sachen hänget.

Aber nichts destoweniger consumiret man das Holtz in grosser Menge / und ob es gleich jedermann spüren und sehen muß / daß solches gantz und gar nicht zu entrathen / und sich doch gewisse und gute Mittel offeriren / wie am sichersten / und am baldigsten diesen Unheil vorzukommen / und der unleidliche Holtz-Mangel zuersetzen / so wird doch am allerwenigsten daran gedacht wie man es wieder zum Anflug bringen / oder ansäen möge / sich und die Nachkommen damit zuversorgen.

Und wie wohl bekannt / daß von unsern Vorfahren von langen Zeiten her / solches prognosticiret / auch wohl möglichste Anstalt gemachet worden / so / daß ehe und bevor die überständigen Höltzer abgetrieben / der Wiederwachs wieder hervor kommen wäre; so hat doch die allzustarcke consumtion die Sorgfalt unserer Vorfahren in Spahrung auch in Säen und Pflantzung des Holtzes unterbrochen / welches aber / so es beschehen / und das Säen und Pflantzen fortgestellet worden / hiesiger Landen vorjetzo viel Tonnen Goldes importiren würde. Weil es denn nun leider ein allgemeines Unglück ist / daß die meisten Gehöltze abgetrieben / und auf vielen Blösen kein Anflug zusehen ist / so müssen wir solches gewiß für eine sonderbare Straffe GOttes halten / indeme man diesem Ubel durch Säen und Pflantzen der wilden Bäume gebührend nicht für kommen / und den Wiederwachs befördert / und ist freylich zubejammern / daß die Sachen in solchen Abfall gerathen / daß der arme Mensch des wilden Holtzes nicht mehr gnug hat / sondern er soll auch die Erde zu Fortbringung dessen nun selber bauen / dadurch ihm noch mehr Arbeit auf gebürdet wird.

Allein es scheinet / als wenn der Mensch den Wieder-Wachs / so die Natur reichlich dargebothen / mehr verhindert als befördert / und von unvernünfftigen Thieren wieder vernichten lassen / also sich den Holtzmangel und Gebruch selbst auf den Halß gezogen / und solchergestalt will die Natur nicht mehr die Bäume umsonst geben / die doch zuvor in so grosser Abundantz / Zierlichkeit und Schönheit von sich selbst gewachsen / sondern man muß sie sehr liebkosen / und flattiren / darneben viel Lieb und Gedult spühren lassen / wenn man auch durch grosse Arbeit etwas von ihr haben will. Wir wollen hierbey noch eines gewissen Autoris Meynung anführen / der also saget:

Lignorum certe, non ubique superfluitas, sed potius omnium illorum magna necessitas, adeoque carentia seu defectus, irae divinae / signum est.

Et fere impletum videtur Philippi Melanchtonis vaticinium, quo sub finem mundi magnum defectum lignorum praedixisse fertur.

Regio lignis abundauit, hodie vero magna deprehenditur lignorum penuria, ea tamen videtur ex neglectu plantationis & sationis potissimum descendere.

Turpis sine gramine campus
Et sine crine caput, & sine fronte nemus. OVID.

D. i. Es ist an dem / daß nicht aller Orten ein Uberfluß / sondern ein grosser Mangel an Holtze ist / welches man gewiß vor ein rechtes Zorn-Gerichte des grossen GOttes anzusehen hat.

Es scheinet auch nunmehr PHILIPPI MELANCHTHONIS Propheceyung ihre Erfüllung zu haben / daß nehmlich am Ende der Welt man an Holtze grosse Noth leiden werde.

Unser Land hatte ehedessen hieran einen starcken Uberfluß / aber nunmehr ziemlichen Mangel / der doch durch Hindansetzung des Säens und Pflantzens veruhrsachet worden / daß man an theils Orten künfftig mit dem Ovidio sagen könte: Das Land hat ein übel Aussehen.

Denn es ist da zwar wohl ein Feld / aber kein Graß; Ein Wald / aber kein Laub noch Zweig in denselben.

Welches man gewiß mit Recht auf unsere grossen Stock-Räume appliciren kan.

§. 17. Von grossen Tannen / Fichten / alten Eichen und Buchen können wir noch wohl sagen / daß noch dergleichen an theils Orten anzutreffen / die kaum 2. oder 3. Männer umklafftern / und die 4. 5. 6. biß 7. Schragen / oder 12. 15. 18. biß 20. Clafftern Holtz geben möchten; Aber es werden in kurtzer Zeit unsere Nachkommen schwerlich glauben können / daß dergleichen schöne und viele Höltzer / und grosse Stämme jemahls verhanden gewesen / weil diese Wälder nunmehr fast unter der Axt seyn / und dergleichen Bäume künfftig in etlichen Seculis nicht so groß / hoch und starck anwachsen dörfften / geschweige / daß sie so lange zuwachsen geschonet werden solten / und wird in weniger Zeit schier eine Kunst oder ein Glück seyn / so grosse Stämme anzutreffen / die einen tüchtigen Well-Baum geben / der doch bey Mühlen und Bergwercken nicht zu entrathen / vielweniger / wird man einen solchen Baum an Fichten und Tannen / aus welchen man 8. oder 10. und mehr Clafftern Holtz machen könte / auf viel Meilweges lang künfftig finden / es wäre denn daß solche Zeiten einfielen / daß das Holtz von der Axt Friede hätte / welches aber GOtt der allerhöste gnädiglich von unserm Vaterlande abwenden / und hingegen gute Consilia, und höchstnöthige Anstalten zu Schonung und zum Wiederwachs der Höltzer geben wolle.

Man lieset von denen armseeligen und Holtzmangelnden Eyländern / denen Hitten / daß bey ihnen und denen Einwohnern derer nachgelegenen Inseln / ein allgemeines Sprichwort sey / daß derjenige seines Kopffs verlustig wäre / der sein Wasser an einem Baume daselbst abschlüge.

Aber es soll so viel heissen / daß in solchen Landen kein Baum anzutreffen / indeme wegen der grimmigen Nordwinde keiner alda uf zu bringen sey.

§. 17. Von dem Holtz-Mangel zeiget auch gnugsam der grosse Abfall des Pechsiedens. Man hat sattsam Nachricht / daß in hiesigen Lande unterschiedliche Wald-Refieren in vorigen und in Anfang jetzigen Seculi gewesen / auf welchen jährlich zu 2. 3. bis 400. und mehr Centner Pech verfertiget worden / da man jetzt nicht 20. 30. bis 40. Centner machen kan.

Woraus gnugsam abzunehmen / wie lichte / und wie sehr solche Höltzer abgetrieben seyn müssen / wäre auch sonsten wohlzuwüntschen / das man nebst denen Böttgern dahin trachtete / wie sparsamer mit dem Peche bey dem Bier-Gefäß-Pichen umzugehen / daß man entweder solches rathsamer und weniger brauchte / oder ein ander Mittel erdächte/ mithin das höchstschädliche Reissen und Hartzen des jungen Holtzes / dadurch eingestellet werden könte / welches nunmehro höchstnöthig ist / denn künfftig das Land unmüglich auf solche Weise mit gnugsamen Pech versehen werden kan / indem die Höltzer jährlich mehr und mehr abgetrieben werden müssen.

Weil aber das Bier brauen eine ziemlich einträgliche Nahrung hiesiger Lande ist / so kan man auch leicht schliessen / wie nachtheilig der Mangel des Pechs sey / und künfftig hin werden dürffte.

§. 18. Man hat vor alters gesagt / in Gebürgischen Ländern kan man den Back-Ofen zu heitzen und Brodt zubacken eher Holtz anschaffen / als Geträyde erlangen / Mehl daraus zu mahlen. Alleine heutiges Tages scheinet es sich umzukehren / denn die Höltzer sind an vielen Orten ausgerottet / und Felder daraus gemachet worden / so allerhand Getreyde zu mahlen geben; hingegen nimmt der Holtzmangel zum Heitzen / Kochen / Brauen und Backen mehr und mehr überhand.

§. 19. Aus dem angeführten ist nun leicht zuschliessen / daß in Gebürgischen Ländern / wo sonsten meistens viele Wälder befindlich seyn / der Holtzmangel so sehr anwächset / daß künfftig die meisten Einwohner kein Holtz mehr ums Geld / zum Einheitzen / Backen / und Brauen erlangen dürfften / sondern nur alte Stöcke werden ausrotten / und zum Brennen gebrauchen / sich der Kälte zu erwehren / und da diese mit der Zeit auch consumiret seyn solten / so wird ohne Zweiffel noch grössere Noth / Jammer / und Elend dieserwegen bey dem Armuth entstehen / geschweige vorietzo des unendlichen Schadens und Verlust / so wegen Mangel des Bauholtzes / an Bretern / Schindeln und dergleichen unumgänglich die Gebürgische und andere Lande daneben überfallen möchte. Dann wann die Gebäude / und sonderlich die Tachung / nicht in baulichen Wesen erhalten werden können / so gehet alle Wirthschafft verlohren.

Von Berg-Wercken will man voritzo auch nicht weiter reden / was Gefahr und Schaden solchen dadurch angedrohet wird.

§. 20. Schließlich ist gewiß nachdencklich / warum der Schöpffer der gantzen Welt / in allen Theilen der Welt / einerley Metallen geschaffen / welches doch in und bey andern Dingen / und Creaturen nicht geschehen / allermassen in Africa, Asia, und America, viel tausenderley differente Sorten / von Thieren / Vögeln / Fischen / Früchten / Bäumen / und Kräutern gefunden werden / so man in Europa nicht hat.

Dahero ist nicht zu zweiffeln / daß der Allerhöchste GOtt / allen Nationen dadurch zu erkennen geben wollen / daß ihnen obliege zu forschen zu üben / und sich zu erkundigen / wie die Metalla am füglichsten zu erlangen / und diese Wissenschafften eine Nation von der andern zu erlernen / und zu begreiffen habe / und also einen habitum zu Nutzen der gantzen Welt / hierunter durchgehends zu überkommen.

Nun hat unser Vaterland ein ziemliches hierzu contribuiret / und würde auch fürohin dadurch weiter gute Nahrung für seine Einwohner selbst haben können / alleine der bevorstehende Holtzmangel / dürffte nicht wenige / sondern grosse Verhinderungen dabey verursachen / wie dann kluge Leute lang zuvor gesehen / und von sich geschrieben / daß es dem Meißner-Lande eher an Holtz und Kohlen / als an Ertze / und an Berg-Wercken / ermangeln werde / welche Prophezeyung uns immer näher tritt / und in kurtzen die Gewißheit davon mit unsern grösten Schaden vor Augen legen dürffte / und könte man auf unsern Ertz-Gebürge bey nahe appliciren was der Poët saget:

Vacant arboribus, & fortunata nemora cessant; Carent arboribus colles.

D. i. Die Bäume sind ausgerottet; Die Wälder / die doch sonsten ein Land recht glücklich machen / hinweg; Die Gebürge und Hügel / von Holtz entblößet. Derowegen ja nicht verantwortlich seyn würde / wenn der Erbarmungs-würdige Zustand wegen des Holtzmangels / so nachtheiliger Weise auf die Nachkommen bracht werden solte / da man doch vorietzo mit Rath / Vorsicht / und geringen Kosten / selbigen fürkommen können / worzu / GOtt-Lob / unter andern mit Brennung der Turff- oder Moth-Kohlen / und des Turffes selbsten allbereits gute Vorschläge hiesiger Lande verhanden / sonderlich aber daß das Säen derer wilden Bäume / nebst Göttlicher Hülffe / unsere Nachkommen von allen Holtzmangel befreyen wird.


Das Fünffte Capitel.
Von schädlichen Zufällen / Verderb- und Beschädigung
der Gehöltze / wie auch von Kranckheiten derer
Bäume.

§. 1. Connexion mit vorigen Capitel.

§. 2. Auff wie vielerley Weise die Verderbung der Gehöltze überhaupt geschiehet.

§. 3. Von Winden. Warum die schlechten Winde zu Winters-Zeit denen Bäumen grössern Schaden thun / als im Sommer die Sturm-Winde.

§. 4. Vom Schnee.

§. 5. Von Wirbel und ungeheuren Winden. Exempel dergleichen.

§. 6. Zu welcher Zeit sie den grösten Schaden thun.

§. 7. Anmerckung von Brüchen und Windrissen in überständigen Höltzern.

§. 8. Fernere Anmerckung von Saamen so in dergleichen Brüche gefallen. Ob unsere Nachkommen dergleichen Brüche werden zu sehen kriegen.

§. 9. Von dürren Jahren wie darinnen das Holtz verdirbt.

§. 10. Wie die Bäume in Winter erfrieren; was darbey zu thun. Von späten Frösten im Frühlinge.

§. 11. Wetterleuchten / Schlossen und andere Meteora den Bäumen schädlich; was bey ereigenden Mehl-Thau / Nebel / u. d. g. mit denen Obst-Bäumen zu thun sey.

§. 12. Schaden bey Bäumen von Grund und Boden / wie auch von nassen Jahren.

§. 13. Wie das Ungeziefer die Bäume verderbe. Von Molckendieben oder Schmetterlingen. Anmerckung hierbey von Tangelholtze. Von Käfern und Heuschrecken.

§. 14. Was hierwieder zu thun aus einem ergangenen Rescript.

§. 15. Von Raupen und derer Vermehrung.

§. 16. Schaden so von Wild an der Holtzung geschiehet.

§. 17. Einer hohen Lands-Obrigkeit dießfalls ergangene Verordnung.

§. 18. Exempel was das Wild bey den jungen Bäumen schade. Was vor Art des Wilds und bey welcher Art Bäumen es Schaden bringe. Von Schaden / so das zahme Vieh verursachet. Der Ziegenbiß ist den Bäumen sehr nachtheilig.

§. 19. Zu welcher Zeit und warum das Rind-Vieh ohne Gefahr in das Holtz und Geheue kan getrieben werden.

§. 20. Mittel wieder den Schaden vor wild und zahm Vieh.

§. 21. Von Kranckheiten derer Bäume und derer Anzeichen. Erzehlung dieser Kranckheiten.

§. 22. Was der Brand sey? dessen Ursachen.

§. 23. Was der Krebs /

§. 24. Der Wurm /

§. 25. Raude /

§. 26. Und Gelbe Sucht der Bäume sey.

§. 27. Von der Fäulung des Kerns / in jungen Holtze / Worbey selbe zuerkennen / und was sie verursache.

§. 28. Von der Gelieferung des Safft in Bäumen / Würmern an der Wurtzel / austrockenden Winden und morastiger Feuchtigkeit.

§. 29. Von einer Wald-Seuche die Darre genannt derer Schaden / und woher sie entstehe.

§. 30. Allerhand rationes physicae bey der Bäume Absterben werden referirt.

§. 31. Allerhand Mittel wieder die Pest der Bäume / und observation dabey.

§. 32. Ob die Natur der Welt abgenommen. Allerhand Mittel wieder obige Kranckheiten der Bäume.

§. 33. Von Wintergrün und Moos wie solches die Bäume verderbet / und den abzuhelffen. Ob das Moos überall von Bäumen zuschaben. Compass an Bäumen. Wie denen vom Winde umgeworffenen Laub-Bäumen zu helffen.

§. 34. Von Verderbung der Gehöltze durch Menschen-Hand. Durch ein eintziges Messer kan ein ganz Stück-Holtz verderbet werden. Holtz-Aexte so zum Holtz abhauen sehr gut.

§. 35. Von Bast und Rindenscheelen / auch andern[WS 12] schädlichen Dingen.

§. 36. Von Korbmachern / Böttigern / Schwamm-Samlern-Hopffstangen / Vogelstellern / Schäfern / Wild-Zäumen und dergleichen Holtz-Verderbern.

§. 37. Von Abtreiben des Wieder-Wachses / Schlagen und Klopffen an die Bäume.

§. 38. Ob das Moos und Streu Rechen den Wäldern dienlich? Fuhrleute wie sie das Holtz verderben.

§. 39. Wie solches durch Hartzreisen geschehe. Experiment hiervon. Gewisses Holtz ist zum Verkohlen / Brennen und Bauen untüchtig. Vorschlag wie das Holtz kan gerissen werden.

§. 40. Von Entzündung derer Wälder durch Menschen Hand und den daraus entstehenden grossen Schaden.

§. 41. Mittel so darwieder gebraucht werden / ob selbe zulänglich. Exempel von dergleichen entzündung.

§. 42. Von Ausrottung des Holtzes zu Feld und Wiesen.

§. 43. Ob dergleichen in der Haußwirthschafft nützlich.

§. 44. Von übler Anweisung der Stämme. Wieviel ein Baum in der Höhe und Dicke jährlich wachse. Von unzeitigen Abtreiben des Wiederwachses und nöthiger Veranstaltung dargegen / auch daraus vor Augen

schwebendes Unglück.
§. 1.

UNter andern Ursachen welche den täglich anwachsenden Holtzmangel vermehren / ist eine derer Vornehmsten die Verletzung und Verderbung derer Gehöltze / von welcher weil selbige auf unterschiedene Art und Weise geschiehet / allhier absonderlich zu handeln nicht undienlich seyn wird.

§. 2. Es entstehet aber solche Beschädigung der Gehöltze entweder a vi majori von oben her / von der unterschiedlichen schädlichen Witterung / Ungeziefer / von wilden und zahmen Thieren / auch theils aus einen innerlichen vitio und mancherley Baum Kranckheiten / oder aber von dem Menschen selber / und zwar auf unterschiedene Art und weise / wie nach und nach folgen und zuersehen seyn wird.

§. 3. Und sind die Gehöltze gleichfalls als alle andere dere Dinge / vielen Unglücks Fällen unterworffen / welche anzumercken / wir den Anfang von denen Winden / als der ersten vi majori machen wollen / so auf vielerley und unterschiedliche weise denen Bäumen höchst schädlich sind.

Wenn Winters-Zeit der Schnee nässet / und sich also häuffig an die Bäume hänget / auch das Erdreich noch nicht gefroren / sondern lucker ist / so kan ein schlechter Wind grossen Schaden thun / die Bäume leichtlich umbrechen / mit Erdreich und Wurtzeln ausheben / und umwerffen. Denn er fänget sich in den Aesten / die Last des Schnees überwieget und ziehet an denselben / das Erdreich ist weich / giebt nach und hebet sich mit sambt der Wurtzel in die Höhe / welches also grosse Brüche verursachet / mehr als bey denen grossen Sturm Winden immermehr geschehen mag / sonderlich wo die Höltzer hin und wieder aufgehauen / oder die äuserste Bäume an Rand des Waldes / welche durchgehends wohl und besser als die innerhalb des Waldes eingewurtzelt / und also dem Wind fast wiederstehen können / zuvor gefället sind / und so zu sagen der Weg dadurch dem Winde offen stehet.

§. 4. Das andere so dem Wachsthum der Höltzer sehr schädlich / ist gleichfalls hiesiger Landen der Schnee / der in einer solchen Menge fället / und auf das junge Holtz / sonderlich in sogenannten dickigten sich dergestalt leget und sammlet / daß er solches gantz unterdrücket / knicket / und biß zur Erden niederbeuget / davon dasselbe gantz knorrigt / krum und gebogen wächset / daß es zum Bauen hernach undienlich wird / am meisten aber gar verdirbet / oder doch keinen Wachsthum hat / und weil es niedergebogen / bevorab das Laub-Holtz / so nimmt es viel Raum ein / und verdemmet das darneben stehende.

Fast den allermeisten Schaden aber thun die Schnee in jungen und mitteln Holtz / die zum öfftern bey dem starcken Tau-Wetter fallen / solche hängen sich / weil sie naß / an die Gipffel und Aeste der Bäume / in grosser quantität an. Wird nun die Last allzugroß / oder es kömmt ein Wind darzu / so den angehengten Schnee mit den Wippeln beweget / so überwieget der Schnee / und bricht den Stamm gar entzwey / oder nur die Gipffel ab / zu 2. 3. 4. 6. und mehr Ellen hoch / zumahl wenn der Stamm annoch gefroren / so springet das Holtz wie Glaß / und sehr leichtlich entzwey / welches dann offtermahls geschicht / so gar daß manches Stück jung Holtz dadurch gäntzlich ruiniret wird / bevorab bey dem Tangel-Holtz / indem / weil die Gipffel abgebrochen / das Holtz seinen Wachs verlieret / ein Strumpff / oder Strommel bleibet / und endlich gar verdorret / und umfället.

Arboribus magnam dat nix inopina ruinam.

VIRG. d. i ein unverhoffter starcker Schnee thut denen Bäumen grossen Schaden und wirfft sie übern hauffen.

Und schreibet HORATIUS hievon artig Lib. I. od. 9.

Vides ut alta stet nive candidum, nec jam sustineant onus
Sylvae laborantes.

Du siehest ja wie die Gehöltze Noth leiden / weil sie die Last vom Schnee nicht ertragen können.

§. 5. Nicht weniger thun auch zu andern Zeiten die Wirbel und ungeheuren Sturm-Winde sehr grossen Schaden / daß sie die Bäume von Wurtzeln loß rütteln / und sie daher verdorren / und verderben müssen. Ja sie brechen auch wohl grosse Refieren gar um / daß ein Baum sich an dem andern lehnet / und also einer den andern in grosser Menge niederschläget und Creutzweise über einander wirfft.

Wo aber die Bäume eintzeln in grossen Wäldern gebrochen sind / seind solche nicht wohl zugebrauchen und abzuführen / weil man keine Wege dazu hat; Jedoch könte es hernach bey der Schlitten-Bahne geschehen / da man überall durch kan / und keine besondere Wege nöthig hat.

A. Ch. 1612. soll so ein grosser und grausamer Sturm-Wind in Meißnischen Ober-Gebürge gewesen seyn / daß er gantze Wälder / nieder geleget / und die grösten auch mehr als kläffterige Bäume mitten entzwey gebrochen.

Und ob gleich etliche stehen blieben / so sind doch die Wurtzeln abgerüttelt gewesen / daß sie hernach verdorret.

Es soll dieser Sturm-Wind einer von den erschrecklichsten und grausamsten gewesen seyn / so in Ober-Gebürgischen Höltzern in einem Seculo her den meisten Schaden gethan.

Von denen Winden sagt sonst Ovidius:

Frigidus & sylvis aquilo decussit honorem.

D. i. Der Wind hat denen Wäldern alle ihre Zierde abgerissen.

§. 6. Es thun zwar die ungeheuren tobenden Winde / die man billig Sylvifragos ventos oder Waldbrecher nennet / zu allen Zeiten grossen Schaden im Holtze / allein bey langwierigen Regen und anhaltender Nässe mehr / als bey dürren / denn wenn die Erde trucken und dürre / hält sie die Wurtzeln desto fester beysammen / und lässet sich der Erd-Boden nicht so leichte in die Höhe heben / als wenn er naß und lucker ist.

Denn da hebet der Baum / der durch den Wind so hefftig beweget wird / die Wurtzel / diese hebet und sprenget die nasse und luckere Erde empor / und giebt nach / daß der Baum endlich gar umfallen muß / und andere darneben stehende Bäume zugleich mit nieder schmeisset.

Ist der Wind aber bey truckenen Wetter / oder bey grossen Frost / da es tieff in die Erde gefroren / allzustarck / und kan die Wurtzel und Erde zugleich nicht heben / so zerbricht er zum öfftern die Stämme / zersplittert und zerspaltet solche / und wirfft sie nieder.

§. 7. In den überständigen Höltzern siehet man zu Zeiten Brüche / so theils vom Alter und Gebrechen der Bäume / theils vom Winde beschehen / daß sie wie Häuser hoch übereinander liegen / und also fast unmöglich ist / zu Fusse / geschweige zu Pferde durchzukommen / welches anzuschauen ziemlich curiös ist / indeme man um dieselben zu passiren bald unten / bald in der mitten durchkriechen / oder oben darüber klettern muß.

Die Wind-Brüche sind zugleich mit der Wurtzel / neben der daran hangenden Erde in die Höhe gezogen und ausgerissen / welches man Windrisse nennet / wenn aber der Stamm abgehauen oder abgeseget wird / so tritt / prellet oder fället die Wurtzel mit der daran hangenden Erde und Stock wieder zurück / daß man sich wohl zuhüten / daß im Zurückfallen und Schnellen man nicht ertappet oder beschädiget werde.

§. 8. Das meiste von solchen Holtze so in grossen Wildnissen gelegen / ist bißhero verfaulet / aber der Baum-Saame / so auf die faule Stämme fällt / schlägt öffters aus / und wächset in die Höhe / gleich als in der Erden / wirfft auch endlich seine Wurtzel durch das faule Holtz bis ins Erdreich / welches sich artig praesentiret.

Unsere Nachfahren werden dergleichen grosse Stämme und Brüche nicht viel zu sehen bekommen / weil selbige sich künfftig nicht ereignen dürfften / indeme die alten gar überständigen Höltzer / sie sind so ferne / oder in Morasten oder auf Höhen gelegen / als sie wollen / meist angegriffen worden / oder schon abgetrieben sind.

§. 9. Ferner so verdirbt auch in dürren Jahren / sonderlich auf denen Höhen / viel Holtz / so gar / daß es nach und nach verdorret / sonderlich Fichten und Tannen / und fänget das Ubel von oben herein / oder von Gipfel an / läßet die Tangeln fallen / und endlich giebt sich die Rinde auch ab.

Die Ursach ist ausser Zweiffel / daß wegen der Sonnen-Hitze und Mangel des Regens die Feuchtigkeit den Wurtzeln / welche ohne dem nicht tief liegen / entzogen wird / daher die Göttliche Vorsichtigkeit / insgemein zwar die Wurtzel mit Moos bedecket / daß sich die Feuchtigkeit darunter besser halten / und von dem Winde und Sonnen Hitze nicht ausgetrocknet werden kan; alleine / wenn die Dürre allzu groß / und der Stämme und Wurtzeln zu viel sind / so kan die in- und unter den Moos enthaltene Feuchtigkeit doch nicht sufficient seyn / und verdorret endlich das Holtz Platz- und eintzeln- oder Stammweise / und hat dabey eine solche Art / daß es hernach das nah stehende Holtz gleich einer Seuche anstecket / da denn am besten gerathen / daß man als bald das anbrüchige niederfälle und verbrauche / und also dem künfftigen Anflug und Wiederwachs Raum mache.

Sind also die dürre Jahre dem Holtze sehr schädlich / und verwindet es solches so bald nicht / verdirbet auch viel erst folgende Jahre hernach / indem es sich nicht erholen kan.

Ja es geschicht auch wohl / wie es die Historien gnugsam bezeugen / daß bey anhaltender grossen Hitze die Wälder sich entzünden / und auf etliche Meilweges abbrennen.

§. 10. Nicht weniger geschicht auch durch den Frost Schaden an den Bäumen.

Denn ob gleich etliche die grosse Winter-Kälte wohl vertragen können / so vermögen es doch andere nicht / oder ist doch zweiffelhafft / sonderlich allerley wild Obst / die erfrieren zu Zeiten / wenn der starcke Frost allzu lange anhält / und wenn die Wurtzel sehr feuchte stehet / oder das Glat-Eyß starck an denen Stämmen und Aesten lieget / so erkältet es den Baum biß auf das Marck / und der Baum erfrieret gar / und verdirbet.

Dergleichen erfrorne Stämme soll man aber bey Zeiten be- oder gar abhauen / so schlagen sie wieder aus / wo aber solches nicht geschicht / so sind sie gar verlohren. Der kalte Frost / so spat in Frühling sich ereignet / ist fast allen Bäumen schädlich.

Denn der Safft in denselben ist durch vorhergegangenen Sonnen-Schein und warme Lufft in die Zweige und extraemitäten gelocket / und daher kan der Frost in solche Feuchtigkeit desto mehr eintringen / dem Baum Schaden thun / und an Wachsthum verhinderlich seyn.

Wenn in Ausgang des Aprilis oder in Monath Majo späte Fröste kommen / so erfrieren gemeiniglich die jungen Saamen-Zapffen / so wohl an Fichten und Kiefern als an den Tannen / und bey den Laub-Holtz gehen die Knospen / Blüthen und zarten Sprößlinge auch verlohren.

§. 11. Wie nun also hefftige Winde / große Hitze und anhaltende Kälte und später Frost den Holtze sehr verderblich; Also bringet / auch starckes Wetterleuchten / Schlossen / Hagel / Mehlthau / (ros corrosivus,) und Meteora denen Baum-Gewächsen nicht weniger Schaden / wie es die Erfahrung bezeuget.

Wenn böse Nebel Mehlthaue und späte Nachfröste fallen / soll man bey denen Obst-Bäumen gegen den Wind einen Rauch oder Feuer machen / und die Bäume wehrenden Ubel beräuchern / so schadet es der Blüthe so sehr nicht.

§. 12. Es kan auch von dem Grund und Boden selbsten dem Gehöltze Schade zu wachsen / wenn derselbe alzu sulphurisch / arsenicalisch / oder sonsten allzu gutes und fettes Erdreich hat. Denn es greifet die Wurtzeln der Bäume an / und werden die Blätter und Tangeln gelbe / gleich wie der Mensch von der Gelbensucht / oder wenn der Boden allzu feucht ist / oder sehr nasse Jahre einfallen / bringet es mancher Art Bäume auch wenig Nutzen / als welche an Wachsthum zurück gehalten werden / oder wohl gar verderben.

§. 13. Nicht allein leidet von obgedachten Ubeln das Gehöltze Nachtheil / sondern es hat auch seine Feinde an mancherley Ungeziefer.

Denn die so genanden Molcken-Diebe schmeisen an die Bäume ihre Eyer / aus welchen hernach künfftiges Jahr die Raupen in grosser Menge wachsen / auch schmäuchen die Raupen selbst / daß die Bäume / sonderlich die Eichen gleich wie mit Spinn Weben überzogen sind.

Um Freyberg und andern Orten hat man gleichergestalt angemercket / daß ein Raupen- und Wurm Geschmeiß und Gespünste sich an die Gipffel des Tangel-Holtzes / und sonderlich an die grösten Tannen angeleget / sich eingefressen / die Bäume vergifftet / und durch die daraus entstandene Faulung allerhand Gewürme generirt worden / daß die Bäume gäntzlich verdorret / da man sonsten nicht gemeynet / daß die Raupen auch das Tangel-Holtz angreiffen solten / weil es sehr bitter und hartzig ist.

Neben diesen sind auch die Käfer / so den Bäumen grossen Schaden thun / sonderlich dem Laub-Holtz / denn sie verhindern dessen Wachsthum / weil sie das Laub / auch zugleich die junge Sprößlein abfrezen / beschmeissen und vergifften / daß solche in langer Zeit kahl / und ohn einziges Laub stehen / auch nicht fortwachsen können / biß der Regen den vergiffteten Geiffer abwäscht / und abspület / und es sich nach und nach wieder erholet / oder es verdorret wohl gar davon.

Die Käfer fressen fast von allen Laub / außer Bircken und Erlen / weil solches zu bitter / aber jene / die Raupen / greiffen nur das subtile und zarte Laub an / als Eichen und allerhand wild und zahm Obst.

Die Heuschrecken / so aus fernen Landen kommen / zapffen das Laub wohl auch an / aber es geschiehet doch Gottlob gar selten / daß GOtt ein und ander Land damit straffet / welche denn in so grosser Menge kommen / daß sie wie Wolcken die Sonne verfinstern.

Jenseits der Elbe Norden-Theils haben sich für etzlichen Jahren eine Art grüne Raupen in grosser Menge gefunden / welche die Wipffel von jungen Kieffern-Wiederwachs abgefressen / wodurch unsäglicher Schade geschehen / und viel tausend Stämmgen deswegen verdorret / und eingegangen sind.

§. 14. Hierbey wird nicht undienlich in Consideration zuziehen seyn / nachfolgendes Rescript, so Anno 1680. an einem hohen Hofe ausgefertiget worden.

Es ist bekant / daß vom Jahre das Raupen-Ungezieffer / an denen Obst-[WS 13] und andern Bäumen / vor sehr grossen Schaden gethan.

Nachdem man dann wahr genommen / und in Erfahrung bracht / daß dergleichen Bäume wiederum gantz voll solcher Raupen-Nester seynd / welche bey herannahender Frühlings-Zeit aufzugehen und die Bäume dergestallt einzunehmen / oder zuüberziehen pflegen / daß von solchen Ungeziefer weder Laub noch Blüte oder Knospen gelassen, sondern dieselbe gantz verderbet / und abgefressen worden / und aber sothanen Schaden und Unheil sehr gesteuert / und begegnet werden kan / wenn nehmlich die Raupen-Nester von denen Bäumen etwa durch Sengen und Räuchern mit Tannen Gipffeln / oder durch Schnitzheppen / oder andere Gärtners Instrumenten an langen Stangen / oder mit Anschlagung der Leitern die Aestlein mit solchen Raupen-Nestern abgeschnitten / oder sonst auf füglichste Art und Weise / als immer geschehen kan / für der Ausbrut / und zwar nicht etwa durch Werffung ins Wasser / als woraus sie wieder kriechen / und lebendig bleiben können / sondern durch würckliches Verbrennen getilget werden.

So begehren und befehlen wir hiermit / daß ihr in dem euch anvertraueten gantzen Ambte / so bald mit Nachdruck verordnet / und bey nahmhaffter Strafe befehlet / daß jedermänniglich / und zwar nur jeder das Seinige ungesäumt saubern lasse / damit solch Ungezieffer nicht überhand nehmen und grossen Schaden thun möge / wie ihr dann folgends die Nachläßige / und Ungehorsahme mit gehöriger Straffe anzusehen wissen werdet.

§. 15. Der übergrosse Schaden / so die Raupen / wenn sie uberhand nehmen / veruhrsachen / ist mehr als zusehr bekant / dahero auch höchstnothwendig / solchen Ubel / so viel nur müglich fürzukommen / und fürzuwehren / zumahl anfänglich da der Nester noch wenig seyn / hernach wenn sie sich von Jahren zu Jahren mehren / oder ein gifftiger Mehlthau / daraus sie sich häuffig generiren / dazu kommt / da ist es fast in besten Gärten nicht zuerwehren / geschweige in grossen Wäldern / da sie denn alles abfressen und ablauben / auch die zarten Aestlein / Sprossen / Blüthen und Früchte verderben / und hernach viel 1000. Eyer-Nester hinter sich lassen / daß also das Raupen-Geschmeisse zum öfftern etzliche Jahre nach einander dauret / daß kein Frost / Nässe / Hitze / oder Kälte solche tilgen kan.

Alleine die Göttliche Allmacht hat solchem Ungezieffer schon Zeit / Ziel und Maaß gesetzet / daß bey solcher Menge sie sich dennoch verliehren müssen / ob man gleich die Ursach nicht so eigentlich weiß. Man hat aber wahr genommen / daß so bald es starck glateyset / daß nehmlich die Nester / oder das Gewebe durch und durch naß werden / und hernach jähling drauf frieret / so greifft es die junge Raupen-Bruth und Eyer recht scharff an / erkältet / und durchdringet solche dergestalt / daß sie verderben muß / welches sonsten ein truckner Frost / er sey so hart er wolle / nicht effectuiren kan.

§. 16. Es thun auch denen Wäldern sonderlich was den jungen Wiederwachs anbetrifft / grossen Abbruch / dero eigene Einwohner / nehmlich das Wild / so die Sommerlatten und Jahrwachs an Gipffeln und Aesten abbeisset / und also sehr mercklichen Schaden veruhrsachet.

Und ob sich gleich / jedoch gar selten / der Anflug von Laub und Tannen-Holtz in etwas erhält / und die Pflantze nicht gäntzlich abgebissen ist / so hält es doch das Wildpret continue also unter der Scheere und verbeisset es / als ob es ein verständiger Gärtner dergestallt verschnitten / und geputzet / daß es nicht höher wachsen solte.

Wie viel 100. Stämmlein werden von denen Hirschen jährlich mit den Geweyhen zerschlagen / indeme sie / so hoch sie solche erreichen können / die Schale abstreiffen / auch selbige wohl gar entzwey schlagen / daß sie unumgänglich verderben müssen / und solches geschicht an denen schönsten / glattesten und geradesten Stämmlein / sonderlich in Schlag-Holtz gehauen / wo dergleichen und die besten Stämmgen / zu Vorständern / und Laßreißer gelassen / und zu Ober- und Stamm-Holtz gezogen werden sollen / und solches zerschlagen und Verderben des schönsten und besten Holtzes / thun die Hirsche den gantzen Frühling und Sommer über / so lange ihre Geweyhe rauch sind / auch in der Brunst-Zeit / und also ist der Schade desto mehr zu beklagen / dahero der arme Land-Mann gantz verzaget / und alle Lust und Liebe verliehret / den Wiederwachs zu befördern.

§. 17. Es haben unterschiedene hohe Potentaten viele nachdenckliche Verordnungen dieserwegen ergehen laßen / bevorab wird nachfolgende hievon etwas Licht geben: Als wollen wir daß unsere Forst-Bediente / dergleichen schädliche Gehäge in denen Feld- und Vorsträuchern gäntzlich abschaffen / das Wildpreth in die hohe Gehöltze / und rechte Wildbahne bringen / und denen armen Leuten die Feld-Sträuche / in welche sie es herbracht haben / zutreiben / und zu hüten / nicht verbieten / sondern ohne Forderung und Annehmung eines Geschencks gestatten / auch zu lassen / da Wildpreth auf dem Saamen in Gärten / oder uf Ackern befunden wird / daß sie es mit Köttern aus dem Feld scheuchen / und abtreiben mögen / damit unsere liebe Unterthanen der Arme mit dem Reichen ihr tägliches Brod um so viel besser erbauen / auch desto mehr Vieh geweidet etc. werden könne.

§. 18. Es ist von gewissen Leuten referiret worden / daß sie auf einen grossen Stock-raum einen schönen Anflug von viel 1000. jungen Tännling befunden / und sich höchlich darüber erfreuet / und einer gegen den andern GOttes reichen Seegen hierunter gepriesen: Allein als sie nach weniger Zeit wieder dahin kommen / haben sie nicht eine eintzige Pflantze davon mehr allda ins[WS 14] Gesichte bekommen können / sondern durch die dabey befindliche Wildprets Fährte und Spuhren war genommen / daß das rothe Wildpreth solche alle abgefressen.

Jedoch geschicht auch wohl dergleichen und mehr Schaden durch Verwahrlosung und Versäumung / auch wohl mit Willen und Vorsatz derer Hirten von dem zahmen Vieh.

Gleichwie nun dieses ein theures Futter; Also wäre zu wüntschen / es dahin einzurichten / daß solchem Ubel gesteuert / und sowohl das zahme Vieh / als das Wildpreth von solchen Ort / ubi major necessitas lignorum, quam ferarum existit, wo man mehr des Holtzes als des Wildes benöthiget ist / abgehalten würde / biß der Anflug sich vollkömmlich erholet / in die Höhe gewachsen / und also dieser kostbaren Näscherey selber entgegen stehen möchte.

Es verursachet aber solchen Schaden das rothe Wildpreth / nicht allein dadurch daß es alle Baum-Pflantzen abbeisset / sondern scharret und bricht auch den Laub-Holtz-Saamen das gantze Jahr über aus der Erden / und unter den Schnee herfür / bevorab ist das schwartz Wildpreth sehr begierig darauf.

Denn sie brechen auch allerhand Baum-Saamen / so schon unter dem Laub / oder in der Erden lieget / und allbereit in Käumen und Aufgehen bestehet / so wohl Winters-Zeit unter dem Schnee / als auch Frühlings- und Herbst-Zeit wieder aus / und fressen solche in grosser Menge hinweg / wie man die Brüche in Wäldern / Höltzern und Büschen gnugsam siehet.

So schelen auch offt die Hasen / wenn es tiefen Schnee hat / die jungen Bäume / und thun also dem Holtz und seinem Wachsthum grossen Schaden. Hierzu kommt wie gedacht sonderlich das zahme Vieh / wenn es aus Unbedachtsamkeit / oder Leichtfertigkeit der Hirten zu nahe oder gar in den Wiederwachs und jungen Gehau getrieben wird / in welchem es grossen Schaden veursachet / sintemahl es auch die Gipffel / die junge Sprossen und Sommer-Latten abtritt / und abfrist.

In denen jenseits der Elbe auf Dreßdnischer Seiten und in andern Heyden / finden sich in Früh-Jahrs-Zeiten viel kleine Eichlein / Büchelgen / Ahorn / und andere von Baum-Saamen aufgegangene Pflantzen; aber in Herbst oder in folgenden Früh-Jahre / wird man keine wieder zusehen bekommen / sondern sie sind alle abgefrätzet / und abgebissen / wie denn auch wo grosse Heerden gehen / das Erdreich so derb und feste getreten oder der Saame so tief hinein gedrucket wird / daß er nicht aufgehen kan.

Quantum illi nocuere greges, durique venenum dentis, & admorso signata in stirpe cicatrix. sagt der Hauß-Wirth VIRGILIUS. Georg. 2. D. i. Ey was haben die Heerden mit ihren gifftigen Zähnen und Biß an den Stämmen vor Schaden gethan! Wie dann auch das Laubstreiffen für das Ziegen und[WS 15] andere Vieh / dem Holtz keinen Nutzen bringet / indem zugleich die Sommer-Latten und Aestlein mit abgeschnitten werden.

Weil aber in Gehauen insgemein viel Hinbeer-Sträucher und andere Kräuter mit ausschlagen / so ist es sehr gut / daß solche mit abgeschnitten / und fürs Vieh verbrauchet werden / dadurch denn Raum gemacht wird / daß der Baum-Saamen desto eher / auf die blosse Erde kommen / Lufft haben / und aufgehen kan / wobey aber scharffe Aufsicht zutragen / daß der Anflug / Wiederwachs und Sommer-Latten nicht beschädiget werden.

Sonderlich thut das Ziegen-Vieh grossen Schaden in jungen Holtze / denn es überwindet selten ein Baum den Ziegen-Biß / oder er siechet doch stets daran / und kan sich nicht recht wieder erholen.

§. 19. Mit dem Rind-Vieh ist es nicht so gefährlich / sintemahl es vielfältig angemercket wird / daß solches das junge Tangel-Holtz Frühlings- und Sommers-Zeit nicht leicht verbeisset. Denn wenn die Zeit / so meist in Meyen geschicht / vorbey / da das Holtz an Aesten zugleich mit den heurigen Sprossen einen gelben Staub oder Mehl von sich stösset / und daran hänget / so hernach vom Winde abgeschüttelt / und hin und wieder geführet wird / daß man solchen auf dem Graß / Moos und Wegen gantz gelbe liegen siehet / so sind die Sprossen als denn bitter / daß kein Rind-Vieh so leicht von denen Aesten und Tangeln etwas verbeißet / und sonderlich bey den Fichten und Kiefern / und also kan man / nachdem das junge Tangel-Holtz oder Wiederwachs dergleichen gelbes Mehl oder Staub bekömmt / das Rind-Vieh / Kälber oder Füllen gar wohl an solchen Orten / oder in jungen Gehauen weiden lassen / weil es als denn das junge Tangel-Holtz nicht so leicht beschädiget / und nicht gerne davon frißet.

§. 20. Jedoch ist es am sichersten / die Gehäue nicht eher zu betreiben biß daß der Wiederwachs eine solche Höhe erlanget / daß das Vieh keinen Schaden daran thun kan.

Dahero man in andern / wo sichere Haußwirtschafft mit dem Holtz-Anwachs getrieben / und gepfleget wird / alle Gehaue entweder mit starcken Zäumen / Gräben / oder lebendigen Hecken / für zahme oder wilde Thiere verwahret / dann außer diesen gewiß ist / daß kein Wiederwachs vollkömmlich aufzubringen. Man findet auch Ordnungen daß kein Vieh in gewissen Wäldern gelitten werden darff / denn der Biß von Wild und zahmen Vieh vor einen rechten Gifft an den Wiederwachs zu achten / deßhalben auch die Gehaue wenn anders der Anflug aufkommen soll / einige Jahre mit Hecken und Zäumen wohl verwahret werden könten.

Wie denn in Franckreich die Wälder auf gewisse Zeit geschlossen werden / damit der Wiederwachs sein Fortkommen haben möge.

Welches auch VIRGILIVS gerathen wenn er saget: Texendae sepes etiam, & pecus omne tenendum est; Praecipue, dum frons tenera, Georg. 2. D. i. Man muß Zäume machen und das Vieh zurücke halten / sonderlich wenn die Zweige noch jung sind.

§. 21. Daß über dieses die wilden Bäume auch noch vielen Anstoß oder Kranckheiten / so wohl als andere vegetabilia, Mensch und Viehe selbst unterworffen seyn / auch wohl gar davon verderben / ist nicht zu zweiffeln / und geben solche auch Anzeigungen genug ihrer Schwachheit; dagegen man aber auch allerley Mittel so viel möglich gebrauchen soll.

Die gelben Blätter / so an theils Aesten in Frühling und Sommer ausser der Zeit sich sehen lassen / ingleichen / wenn die äusersten Spitzen an denen neuen Schößlingen und Sprossen anlauffen / schwartz / und die Blätter welck werden / oder gar abfallen / wie auch wenn die Frucht oder Saame nicht vollkommen werden will / verwelcket / klein bleibet / oder wohl gar abfället; Wenn der Baum die Schale fallen lässet / die Gipffel dürre werden / und dergleichen mehr sich ereignet / so ist es Anzeigens genug / daß der Baum mangelhafft sey / und verderben will.

Solche Kranckheiten der Bäume sind meistentheils / der Brand / der Krebs / der Wurm / Raude / die Gelbesucht / die Unfruchtbarkeit / Moos oder das Alter etc.

§. 22. Der Brand ist / wenn von innen gegen das Marck der Stamm schwartz und anbrüchig / it. wenn der Baum / sonderlich das Tangel-Holtz / und in specie die Fichte / oben in Gipffel etwas welck wird / die Rinde sich ablöset / oder ein wenig aufspringet / darunter sich schwartze Düpfgen spüren lassen / worauff hernach gantz kleine weise Würmer folgen / welche immer grösser werden / und sich theils durch die Rinde durch- und heraus fressen / theils den Stamm benagen / und darinnen todt bleiben / biß endlich die Rinde sich ablößet / der Stamm völlig verdorret / und das Holtz schwartz wird.

Dergleichen Brand enstehet / aus vielen Uhrsachen: die vornehmste ereignet sich meistens bey dem Gepflantzten / wenn der Baum anders gesetzet wird / als er zuvor gewesen.

Denn / wenn die Seite / so zuvor Mitternacht-werts gestanden / gegen Mittag gestellet wird / kan diese die Sonne / jene die Kälte nicht vertragen / deswegen sich die Rinde loß ziehet / und der Brand entstehet / wie denn daher selbiger sich am meisten an der Mittags Seite ereignet.

§. 23. Der Krebs ist gleichfalls in der Schale / sonderlich in Zwiesel / daß solche aufschwillet / sich aufkerbet / und der Ast anfängt zuverderben.

§. 24. Der Wurm ist / wenn zwischen der Rinde und dem Baum das Holtz anbrüchig wird / und der Wurm sich darinnen generirt.

§. 25. Die Raude ist auch an der Rinde / wenn solche gantz rauch wird / hin und wieder aufspringet / und sich von Stamm abtrennet.

§. 26. Die Gelbesucht ist / wenn der Baum von oben herein verwelcket / und die Blätter gelb werden.

§. 27. Es geschicht auch offt, daß das Tannen und Fichten-Holtz innewendig in Kerrn durch den Stamm und Wurtzeln von sich selbst faul wird / ob gleich solches nicht überständig / sondern es träget sich solches zu / wenn es noch in besten Wachsthum ist / daß auf gantzen und ziemlichen Gegenden es also von innen roth und wandelbar / und endlich faul wird / und man von aussen nichts dran siehet noch spühret.

Bevorab geschicht es an den jenigen Holtze / so auf den alten Feldern / so vor diesen besaamet gewesen / angeflogen / und gewachsen ist / und wenn man mit einer Axt dran schläget / solches erst gewahr wird / weil es gar hohl klinget.

Es wiederstehet zwar der zähe / fette und öhligte Safft / denen Faulungen / und verzehrenden Dingen; allein / wenn die Feuchtigkeit denen Wurtzeln ermangelt / hitzige Ausdämpfungen aus der Erden und die ausdorrende Sommer-Hitze und Lufft dazu kommt / so wird der hartzige Safft in Bäumen also erhitzet / daß er in sich verbrennet / und verdirbet / auch alsobald die Schale und Gipffel / so an sich selbst zart sind / angreiffet.

§. 28. Ferner die Verstockung des Saffts / daß er geliefert und dicke wird / wie ein Pech oder Hartz / sonderlich unten in Baum / oder bey der Wurtzel / daß der Safft nicht in die Höhe steigen und den Baum keine Nahrung geben kan / ist auch sehr schädlich / und den Bäumen tödlich / aber nicht leicht abzumercken / oder das Ubel fürzusehen.

It. Würmer / so unten an der Wurtzel oder Stamm nagen; Die Dürre und austrockende Winde oder Lufft / so die extremitäten an den Aestlein ausdorren / thun auch nicht wenig schaden / wie dann auch eine unartige / schädliche und faule Feuchtigkeit sonsten von unartigen / niedrigen / morastigen / und pfüligten Grund und Boden entstehet.

§. 29. Warum etliche Jahr her so viel 1000. Stämme Holtz / und zwar nur Fleckweise in jungen und wohlbestandenen / auch ausgewachsenen Höltzern auf dem Stamm dürre worden / wäre höchstnöthig zu untersuchen / ob einige Mittel dagegen seyn möchten.

Es ist dieses eine höchstschädliche Seuche / die man sonsten die Darre nennet / welche die Bäume abscheulich verstellet / die Schale abtrennet / wobey der Baum Wurmstichig und dürre wird / leichtlich faulet / (weil das Holtz schwammigt wird / und also desto eher Wasser an sich ziehet) verdirbet und die Gipffel einbrechen.

Alleine es hat sich ansehen lassen / als ob dieses eine rechte Wald-Seuche sey / und sich von anderweitigen Orten her fortgeflochten habe.

Ob es nun von bösen Nebeln / Thauen / grosser Dürre oder influenz des Gestirns und übler sideration, oder von Raupen-Geschmeiß / oder allzu grossen Frösten und Glateisen herrühre / ist nicht wohl zuergründen. Das meiste ist wohl die grosse Hitze und Dürre / wenn denen Bäumen die nöthige Feuchtigkeit entgehet / und der Gipfel von gifftigen Würmern inficiret wird / bevorab / weil es das Hartz-Holtz mehr als das Laub-Holtz betrifft.

Denn weil jenes hartzig / öhlig / fett / und also warmer Natur ist / könte man muthmassen / daß das dürre Wetter leicht schade / und sonderlich das hartzige Oel die poros in der Wurtzel zuschliesse / daß der Baum keine Nahrung dadurch zu- oder an sich ziehen kan.

§. 30. Sonsten seynd bey dem Absterben so vieler schönen wilden Bäume überhaupt die rationes physicae wohl meist diese / nehmlich die grossen und schädlichen Winde / die siderationes, so den Safft des Baums angreiffen / tödten / und also den Baum dürre machen.

Denn die starcken Sturm-Winde rütteln an den Bäumen die Wurtzeln loß / und wird ihnen also die nöthige Feuchtigkeit benommen; folget nun etwas trucknes Wetter drauf / so verdorret der Stamm.

Etliche halten dafür / ist auch wahrscheinlich / daß der Donner / Blitz und Strahlen dergleichen thun / und viele Bäume vergifften / gleichwie an theils Baum-Blüthen durch den Blitz grosser Schade geschiehet / das humidum radicale alsobald ausgetrocknet / inficiret / und gleichsam ersticket wird.

Hiesiger Landen / wo viel / so wohl hitzige / als kalte mineralische Dünste von den Ertzen aus der Erden aufsteigen / will man dafür halten / daß solche die Wurtzeln angreiffen / und also der Baum verdorren muß / welches aber eine Anzeigung gebe / daß gute Ertz-Gänge daselbst verhanden seyn müssen.

§. 31. In Thüringen und andern Gegenden / ist an unterschiedenen Orten die Darre / die Sterbe / oder die Pest / auch ins Laub-Holtz kommen / so gar das gantze Flecke und Holtz-Refieren davon verdorben / und verdorret sind.

Solchem Übel nun vorzukommen / damit es die nah- und angelegne Höltzer auch nicht inficiren möchte, hat man tieffe Gräben darzwischen aufgeworffen / auch die Wurtzel von inficirten Bäumen in Gräben abgehauen / und heraus gerissen / auf daß sie die Wurtzeln / der annoch gesunden Bäume / nicht berühren und gleichfalls mit der Seuche nicht anstecken möchten / wodurch dann diese Holtz-Pest durch GOttes Gnade gesteuret worden.

Jedoch hat man dabey observiret / daß ein Geschlecht des Holtzes das andere nicht anstecke / als e. g. die inficirte Aspe stecket die nahe dabey stehende Eiche nicht an / die Fichte nicht die Tanne / und so ferner.

§. 32. Also ist es gewiß / daß ins gemein gewisse und unterschiedene Ursachen verhanden / warum die Bäume abstehen und verderben / als 1. das Alter und die Zeit, 2. obberühte accidentien / 3. die Witterung / oder 4. der Ort / darauf sie selbst stehen.

Hieraus ist aber nicht zuschliessen / daß die Welt oder die Natur abgenommen.

Denn dieses scheinet alles falsch / und die Constantia naturae dargegen mehr als zu gewiß zu seyn.

Dahero auch / daß theils solcher obberührter Gebrechen zu curiren / theils aber gar unheilsam seyn / nicht zu leugnen / wie wohl es auch nicht möglich in grossen Wäldern bey so starcker Menge der Bäume / alles zu remediren.

Unterdessen soll ein Hauß-Vater / oder der jenige / so darüber bestellet / so viel hierunter thun / als nur möglich / und die beschädigten anbrüchigen Bäume / so bald man eine ansteckende Seuche vermuthet / entweder aus dem Wege räumen / aus dem Walde schaffen, und verkauffen / welches fast das einzige und sicherste Wittel / dadurch den Nebenstehenden machen / und wieder die ferner Ansteckung verwahren / oder also denenselben Hülffe thun / daß sie sich erholen / und erhalten mögen / sonderlich bey jungen Holtz.

Sonsten kan man auch Rath schaffen / zum Exempel / wenn der Brand bey dem Laub-Holtz Wipffel kommt / so ziehet sich solcher in Baum herab / und verderbet ihn.

Hierwieder nun ist dienlich / daß bey jungen Holtze man den Gipffel abtrage mit einem Messer wohl und glatt beschneide / und mit guten Leim verschmiere. Wider den Brandt und Krebs dienet / das Beschädigte genau weg und aus zuschneiden / mit Kühmist beschmieren / und mit Moos und Bast zuverbinden.

Wo der Wurm ist / das Loch mit Schwein-Mist und Urin genetzt / verstopfft und damit verbunden / ist nützlich.

§. 33. Das Kraut Wintergrün / so sich an die Bäume anschlinget / verderbet auch viele / welches aber durch Abhauung der Wurtzel leicht zutilgen.

Das viele Moos / die dicke grindigte rauhe Schale ist den Bäumen zu Zeiten auch schädlich / aber bey nassen Wetter kan es am besten abgekratzt werden / und gehet desto leichter loß.

Ob es gut sey / das man alles Moos von Bäumen an der Nordseite abschabe und weg thue / wird nicht von allen dienlich befunden.

Es stehet auch dahin / ob dieses nicht auff gewisse masse schädlich sey / indeme der Baum auf dieser Seiten seine Bedeckung verlohren / und also der Frost / Glateiß / und kalte Winde / so meist von Norden her entstehen / denselben alsdenn schadhafft machen / oder gar verderben können / dahero haben es die alten Wald-Leute dafür angesehen / daß GOtt und die Natur die Bäume nicht umsonst gegen die kalte Mitternacht Seite mit Moos verwahret / sondern halten dafür / daß es zu ihren bessern Wachsthum gereiche.

Auch haben sie das Moos für ein gewiß Merckmahl gebrauchet / daß der Ort an den Baum / wo das meiste darvon sich befindet / die Nordseite insgemein anzeige / dahero wenn sie sich bey Nacht oder Tag in denen Wäldern verirret / haben sie dieselbige an statt des Compasses, leichtlich an den Mooß der Bäume finden und fühlen / und als denn nach dem Ort / wo sie hingewolt / sich wenden können.

Die Laub-Bäume / so der Wind geworffen / soll man so fort ausästen / und so denn / wenn man ihnen mit Stützen / aufrichten / und aufheben / Hülffe thut / wurtzeln etliche wiederum an.

§. 34. Ob nun wohl durch angeführte Zufälle dem Holtze grosser Schade zugefüget wird; so ist es doch unzweifflich / daß durch Menschen-Hand der gröste Abbruch den Wäldern und Höltzern wiederfähret.

Denn die grosse und fast ungläubliche Menge desselben / so zu nothwendigen / und unumgänglichen Gebrauch zum Bauen / zu Feuer-Holtz / zum Brauen / Backen / Kochen jährlich geschlagen wird etc. Ingleichen was in Bergwercken und die Metalle gut zumachen oder sonst bey andern Handthierungen auffgehet / das träget eine fast unbeschreibliche Zahl aus.

Jedoch ist auch wahr / das durch anterweitigen unnützen[WS 16] Brauch / unvorsichtiges und unbedachtsames Niederhauen und Ausrotten / ja offt aus Nachläßigkeit oder Boßheit / wohl eben so viel / wo nicht mehrers umgebracht / versäumt / und verderbet wird / davon gleichfalls etwas anzuführen nicht undienlich seyn dürffte / wiewohl eines mehr als das andere Schaden bringet.

Wie man denn Nachricht hat / daß böse Leute in der Schlesien aus Feindseligkeit ein schön Stück Holtz verderbet / indeme sie zu gewisser Zeit ein Messer schmieden lassen / und mit solchen nur ein kleines Aestlein oder Stück / von jedem Baum geschnitten / dahero selbige durchgehends in kurtzer Zeit verdorben / und das gantze Stück Holtz verlohren gegangen.

Hingegen hegen auch viel Holtz verständige die Meynung / das die Aexte / so in guten Zeichen geschmiedet / zum Abhauen des Holtzes sehr gut seyn / und die Sommerlatten wohl und reichlich darnach ausschlagen; desgleichen ist auch eines Menschen Hand hierinnen glücklicher / als die andere.

§. 35. Durch das Bastschelen / von Linden; Item das Rindenschelen zum Farben von Kirsch-Bäumen / Erlen / Eichen / wie auch von den Fichten / um solche Schalen zur Gerberlohe zugebrauchen / thut alles in Wäldern grossen Schaden / und färbet solch Holtz etwan eine Schürtze / so thut es vor etliche Thaler werth Schaden an Bäumen.

Auch ist denen Gehöltzen nicht erträglich / die Mayen-Bäume in grosser Menge abzuhauen / indem es zu der Zeit geschicht / da der Stock nicht wieder ausschläget; ferner das Bircken-anbohren / und dem Safft den Baum zu entziehen; ingleichen die Sommmer-Latten in Menge zu Spießruthen und andern Gebrauch abschneiden / und dergleichen mehr.

§. 36. Die Korbmacher verderben auch viel tausend junge Eichen / so sie zu ihren Nutzen / item die Böttger zu Reiffstäben niederhauen / weil sie sich wohl schleissen lassen / und solche nicht mit warmen Wasser / oder Feuer behen dürffen / gleich wie das alte Holtz zum Schleissen gebehet wird.

Daß wir jetzo nicht sagen / wie viel junge Stämme zu Grunde gerichtet werden / indeme die Schale / rothe oder schwartze Bere / Schwämme und dergleichen darein zufassen / von denen Einsamlern abgeschelet / zu Körben gemacht / und also dem Baum entzogen wird / daß er verdorren muß.

Es geschicht auch grosser Schade an den jungen Tannen und Fichten / wenn solche zu Hopffen-Stangen Platzweise ohne Unterscheid abgehauen, unnöthig gebraucht / oder wenn die Gipffel zu Querln abgeschnitten werden / sondern es sind dergleichen eintzeln / wo sie zu dücke stehen / hin und wieder auszuhauen.

Ingleichen brauchen die Vogelsteller viel jung Holtz.

So beschädigen auch Winters-Zeit die Schäfer sonderlich die jungen Tännling und Fichtling, schlagen mit ihren Schäfer-Stecken die Gipffel und Aeste ab / und lassen die Schafe solche abfressen / und benagen / zugeschweigen / wie viel 1000. Stamme zu denen Wild-Zäumen und zu Schal-Höltzern / in den Strassen gebraucht werden müssen / welches theils wohl zuverhüten / und die Strassen mit Steinen auszubesern seyn möchten.

§. 37. Bevorab ist das ein unsäglicher Schade / wenn der junge Wiederwachs / ehe er recht schlagbar ist / für der Zeit abgetrieben wird / allermassen da der Wiederwachs allzu jung / ehe er heran / oder ausgewachsen / wieder angegriffen / und zum rechten nutzbaren Gebrauch zukommen / nicht gelassen wird / so müssen also unvermerckter Weise nach und nach / die schönsten und grösten Gehöltze zu Grunde gehen und aus denen besten Wäldern / wie oben berichtet / unbrauchbare Einöden und Wüstungen werden.

Das starcke Schlagen und Klopffen an den Baum mit denen Aexten ist solchen auch nicht dienlich / denn dadurch wird die Schale laediret / daß sie sich von Stamm loß giebet / und der Brand und anderer Unrath zu des Baums Verderben darauf folget.

§. 38. Durch das viele Moos und Streu Rechen / wird nicht allein denen Bäumen die Feuchtigkeit zum Wachsthum entzogen / sondern auch viel junger Wiederwachs ausgerissen und verderbet.

Denn es lässet eben GOtt darum Moos in den Wäldern wachsen / daß die Wurtzeln von alten und jungen Bäumen besser vor dem Frost bewahret seyn / und die Feuchtigkeit sich darinnen enthalten könne.

Ligna, folia, & muscus ne colligantur, quia id fertilitatem sylvae impedit, ceu cujus solum folia, valde stercorant. D. i. Man soll das Holtz / Laub und Mooß in denen Wäldern nicht sammlen / weil dadurch ihre Fruchtbarkeit verhindert wird.

Denn das Laub u. d. g. denen Bäumen eine gute Düngung geben.

An etzlichen Orten wird des Mooßrechen dergestallt vergönnet / daß man solches nicht biß aufn Grund wegnehmen / sondern nur so zusagen / das Oberste mit einem weiten Rechen aus und abkämmen darff / welches denn auf gewisse masse gar dienlich / weil der Saamen alsdenn eher durchfallen / und das Erdreich ergreiffen kan.

Es thut auch grossen Schaden / wenn in die angeflogene Gehaue mit Wagen gefahren wird.

Dann weil der Wiederwachs noch kurtz und niedrig / so dencken die Fuhrleute und Bauern wohl durchzukommen / und den nechsten Weg zusuchen; alleine es ist glaubwürdig / wo ein Wagen durchgefahren / so verdirbet fast aller Wiederwachs / der auf solchen Weg und Gleiß ist / dann das Zug-Vieh tritt alles in Grund / machet den Boden derb und hart / und wo die Räder antreffen / wird alles zerknirschet.

§. 39. Das Reißen der Fichten zum Hartz samlen ist auch sehr und sonderbar schädlich / und wird zum öfftern ein Baum alsobald / wenn er nur einer geringen Stangen gleich ist / von denen Hartzern gerissen / und also durch das ausfliessende Hartz der Safft und Krafft zum wachsen benommen / so / daß ein ungerissener Stamm in zwey oder 3. Jahren mehr wächset als ein gerissener in zehen biß zwantzig Jahren. Wie man denn die gewisse Nachricht und Probe hat / daß 2. Fichten / nehmlich eine gerissene und eine ungerissene / jede von gleicher Grösse / Stärcke und Höhe zu einer Zeit / und an einem Ort gefället / aber vermittelst der innern Circkel oder Jahre befunden worden, daß die gerissene noch einmahl so alt gewesen als die ungerissene / und also die erstere durch das Reissen an ihrem Wachsthum sehr verhindert worden / woraus zuschliessen / was schade bey einer grossen Menge Holtz daraus entstehet / indeme die Helffte an Wachsthum verlohren gehet.

Ja die allermeisten gerissene Stämme kommen gar nicht auf / sondern verfaulen von innen / verdorren nach und nach gar / fallen um / und kommen zu keinen / oder zu wenigen Nutzen.

Sonderlich aber ist das Reissen darum höchstschädlich zu denen Zeiten und Jahren / wenn die Fichten viel Zapffen haben.

Denn der Safft oder Hartz tritt in die Höhe / die Zapffen und Saamen zur Vollkommenheit zu bringen / wie solches der Angenschein bezeuget / indem solche voller Hartzes / so gleichsam daraus schwitzet / gesehen werden / und kan also allen beyden nicht gnug thun / geschicht daher dem Stamm und Saamen zugleich Schaden / giebt auch wenig Hartz.

Uber dieses nun / daß durch solches Hartzen dem Baum der Safft und also das Wachsthum entzogen wird / daß er verbuttet / und klein bleibet / auch ferner zu Bauen untüchtig wird / so dienet dergleichen Holtz auch nicht wohl zum Verkohlen. Denn weil es unten am Stamm / so weit es gerissen an Kern anbrüchig / Wurmstüchig und faul wird / so bringet es absonderlich in Verkohlen grossen Nachtheil / indem es nicht nur für sich selbst keine tüchtige Kohlen giebt / sondern auch das darneben in Meiler stehende gute Holtz verderbet / daß kein guter Kohl daraus wird. Dann das faule Holtz glümmet in Verkohlen / wird zu Asche / und greiffet oder entzündet das gute Scheid / so darneben stehet / an, und dadurch wird geringer Kohl / oder bekömmt der Meiler wohl gar ein Loch und also Lufft / daß wenn nicht genaue Aufsicht von Köhlern gehalten / und das Loch also fort wieder ausgefüllet / oder von oben wohl verwahret wird / so kömmt der Meiler in Brand.

Ferner so wird durch offtbesagtes Reissen der Stamm morsch / daß solchen der Wind / wo die meisten Risse sind / leicht brechen kan: wie man denn in den Wäldern viel ungebrochene gerissene Fichten antrifft / die also eintzeln verderben müssen.

Das Brenn-Holtz von solchen Bäumen / und sonderlich von dem Klotz und Stamm-Ort / wo die Risse sind / ist auch bey weiten nicht so gut und zubrauchen / als das andere / welches man in denen Oefen gewahr wird / denn es nur lieget und schmauchet / und keine rechte Flamme / und also keine Hitze giebet / weil ihm der Schwefel und seine Fettigkeit entzogen ist.

Zu geschweigen / daß dergleichen gerissenes Holtz / zum Bauen / zu Schindeln / und anderer Nothdurfft gantz untüchtig wird. Wolte man aber ja die Nutzung des Pichens nicht entrathen / so solte man die Wälder mit den Reissen und Hartzen zwey bis drey Jahr wechselsweise ruhen lassen / daß sie sich mitler Weile wieder erholen könten / oder etzliche Jahre zuvor / ehe der Holtzschlag dahin kömmt / erst das Reissen der Bäume / und das Hartzsammlen anstellen / oder zum wenigsten nur 5. bis 6. Risse geben / da man jetzo wohl Fichten findet / so 20. bis 30. Risse haben.

Aber in denen Gegenden / wo Holtzmangel ist / oder die Höltzer sonsten wohl zu employren / da ist der beste Rath / solche gar nicht zureissen.

§. 40. Grosser und fast unverwindlicher Schade geschiehet auch in den Wäldern / wenn entweder in grosser anhaltenden Dürre und Sommerhitze ein Brand in denselben entstehet (wie oben bereits berühret) oder durch Unvorsichtigkeit der Köhler und Holtzhauer / so nachläßig mit den Meulerbrennen / oder Tobackschmauchen umgehen / oder wohl gar aus Boßheit und Leichtfertigkeit Gottloser Leute Feuer in die Gehöltze gebracht wird / und wenn es das dürre Mooß / Graß / Reißig und dergleichen Feuerfangende Sache ergreiffet / also überhand nimmt / daß grosse Refieren / und wohl offt auf etliche Meilen in Umbfang verderbet werden.

Es giebet in solchen Brünsten ein grausams Geräusche und Brausen / sonderlich bey den Fichten und Tannen-Holtz / wenn der grüne Tangel durch die Gewalt des Feuers in Brand kömmt / und sind solche ausgebrante Raume / dergleichen viele in hiesigen Landen anzutreffen / mit Schrecken anzusehen / wenn alles bis auf den Grund kahl abgebrennt / ja Holtz / Rasen und Wurtzeln zu Asche worden.

Jedoch bleiben bißweilen etliche Stämme liegen / auch wohl gar stehen / so nicht gäntzlich verbrennen / an denen aber die Schale und Aeste biß zum Gipffel hinaus versenget und abgebrannt sind.

Am meisten ist zubedauren / daß auf solchen Brand-Räumen / und Gegenden in vielen Jahren kein Holtz wieder anfleuget / und der Erd-Boden so durchbrennet wird / daß er es in 30. 40. 50. bis 60. und mehr Jahren nicht überwinden kan.

Und ob gleich vermittelst der Asche etwas Graß wächset / so kan doch der Baum-Saame keine solche Schärffe und Lauge von der Asche vertragen / und also darauf nicht aufgehen / sondern es wird derselbe davon gäntzlich corrodiret.

§. 41. Zwar geschicht bey solchen ereigneten Brand und Unglück alle möglichste Hülffe zum Leschen.

Dann wann nun in den Wäldern ein solcher Brand entstanden / werden die Angrenzenden durch Glockenschlag aufgefordert / und gantze Dorffschafften / Städte und Aembter aufgebothen / Rettung zu thun und zu leschen / und wird das Feuer mit Wasser geleschet / oder mit grossen Tannen und Fichten Aesten ausgeschlagen / oder welches das sicherste / Gräben gegen das Feuer aufgeworffen und gezogen / das Moos und Raßen oben abgeräumet / und das dürre Reißig und Holtz / so im Wege lieget / weggeschaffet / damit das Feuer nicht darinnen fortlauffe / und sich fortschleppen kan / sondern sich arrestiren müsse / jedoch brennet es / wo holtzigt / oder turfficht Erdreich ist / unter der Erden / und in Wurtzeln immerfort hin.

So hilfft auch offt bey grossen Bränden / das Graben auffwerffen nicht. Denn wenn dergleichen Tangel-Höltzer in der Nähe stehen / so fleucht die Lohe über die Gräben / ergreiffet die Aeste des Holtzes / so auf der andern Seite sind / und gehet also ungehindert fort.

Dahero man alle Behutsamkeit gebrauchen soll / damit dergleichen Unglück nicht entstehen möge. An. 1573. soll eine grosse Sonnen-Hitze gewesen seyn, daß der Böhmer-Wald sich entzündet / und gantzer 18. Wochen gebrand; Ingleichen ist anno 1225. große Hitze und Brand gewesen / wobey man auch angemercket / daß wegen der über grossen und übernatürlichen Wärme die Pfirsch-Bäume in Monath December wieder geblühet haben. Desgleichen hat Ao. 1153. die grosse Sonnen-Hitze auch viel Wälder entzündet.

§. 42. Die rechte Wahrheit aber kurtz zu sagen / der gemeinste und gröste Schaden / so über dieß alles den Wäldern und Höltzern wiederfahren mag / rühret wie obgedacht wohl von der unersättlichen Holtz-Axt her / wenn solche unpflegsam geführet und gebraucht wird.

Zuförderst aber ist das allzu grosse viele Ausrotten mit Wurtzel und allen, zu Tilgung des Holtzes / allhier anzuführen.

Es sind zwar nach den 30.jährigen teutschen Kriege (daß wir die ältere Zeiten nicht gedencken) meist alle Felder / Wiesen / Trifften und Weyden in Ländern hin und wieder verpuschet / und die Felder / Wiesen / Gärten / Trifften / und Teiche mit Holtze verwachsen gewesen / da man denn zu solcher Zeit und Zustand des verwüsteten Landes / wohl Uhrsach gehabt / die Einwohner zu animiren / daß sie das Holtz und Gebüsche ausgerottet; Allein / es ist eine grosse differenz in Wieder-Anbau der verpuschten Felder und zwischen der Holtz-Verwüstung / und da dergleichen Ausrottung eine Gewohnheit werden und zum ruin des gemeinen Wesens gedeihen will / hat man voritzo wohl Ursach / denen Einwohnern ein anders vorzubilden / von der Holtz-Verwüstung abzustehen / und hingegen zu dessen Pflantzung anzumahnen / damit dem unzweifflich folgenden / und besorgenden Holtz-Mangel bey Zeiten vorgebauet werde.

§. 43. Es ist fast wie ein Universal Affect und gemeine Seuche / daß jedermann lieber Feld und Wiesen als Holtz besitzen will / und also dahin incliniret / wie dieses zuvertilgen / und theils gäntzlich auszurotten / gleich als wenn es ein Unkraut und zu Führung einer Haußwirthschafft gar nicht nöthig wäre.

Man bedencke doch und überlege es wohl / wenn gleich jetzo viel Holtz ausgerottet / und die Räume und Gehaue zu Feldern / Wiesen und Gärten gemacht / auch gleich mehr Häuser hingesetzet werden / so können doch dergleichen neue Anbauer so viel Getreyde nicht erbauen / daß sie für sich / und die ihrigen das völlige Brod haben / und weil sie solches zu kauffen genöthiget werden / sonsten aber bey Manglung des Holtzes durch die im Gebürge gewöhnliche Holtz-Arbeit kein Geld erwerben können / so müssen solche neue und alte Einwohner zugleich darben / zumahln das Brenn-Holtz für sie alle nicht mehr zulangen will. Rathsamer wäre es (wie schon oben angeführet) ein Hauß-Vater ließe jetziger Zeit dem Holtze in alten Holtz-Refieren seinen ungehinderten Wachsthum / düngete und arbeitete seine Wiesen und Felder desto öffter / und fleißiger / so könte er von beyden seinen gewissen Nutzen haben.

Das Werck etwas ausführlicher fürzustellen / so sind freylich zwar die meisten Einwohner der gewissen Gedancken / daß es gar wohl gethan sey / das Holtz auszurotten / und hingegen Vieh-Weyden oder Trifften und Ackerbau anzurichten / mithin für Menschen / Viehe / und für dem Getreyde Bau / Platz zu machen; Allein es ist doch hierbey zubedencken / wo das Land so beschaffen / daß die Einwohner zu ihrem Unterhalt nicht gnug Getreyde bauen können / sondern sich dessen anderwerts erholen müssen / so sind sie genöthiget / sich auf manufacturen / oder andere Bewerbe / sonderlich hiesiger Lande auf das Berg-Werck zu legen / damit sie so viel Geld erlangen können / denen Frembden ihr Getreyde zu bezahlen. Es giebt auch faule und schlimme Einwohner / so den Ackerbau und andere Nahrung gar negligiren / hingegen treiben sie ihre Höltzer ab / und nehren sich damit / bedencken aber nicht / wo ihre Nachkommen Holtz hernehmen sollen / und weil sie es für Fructus naturales halten / so ihnen nicht sauer zu erwerben wird / so achten sie das Geld / so sie daraus lösen / auch nicht sonderlich / und verthun es sonsten unnöthiger Weise.

§. 44. Nicht weniger Schade wiederfähret auch den Wäldern / daß das krumme / knothigte / untüchtige / unnütze / beschädigte / faule / verstümmelte und verbuttete Holtz am meisten Orten nicht / sondern nur das gute / beste / und die annoch in vollen Wachsthum stehende Stämme verkaufft und abgehauen werden / und hingegen jene stehen bleiben / so eben so viel Platz einnehmen / als ein guter Stamm und doch keinen Zugang oder Zuwachs mehr haben mag / warum? Jenes ist besser Kauffmanns-Guth / und braucht auch nicht so viel Arbeit zum Aufmachen / als dieses / aber der Schade ist des Grund-Herrns.

Ja es verkauffen auch manche nur die jungen Bäume und keinen ausgewachsenen / welches eben dergleichen Schaden nach sich ziehet / ja noch mehr.

Dann den jungen gehet am Wachs noch zu / aber den ausgewachsenen nicht.

Oder man läst ein schlecht Gestrippe und Gebüsche / ja einen Weyden- oder Dorn-Strauch / einen alten Strumpel etc. stehen / da ein oder mehr gute und von der besten Art Stämme Holtz / ihren Platz haben könten / und also bleibet dieser Platz und Raum immerwährend unnutzbar.

Gleichwohl geschiehet es zum öfftern / daß dasjenige Holtz / so Stammweise zum Bauen angewiesen wird / zwar noch jung / und in seinen besten Wachsthum ist / aber hingegen bleibet das alte starcke und ausgewachsene Holtz stehen / dem nichts oder wenig zugehet / auch zum Bauen nicht tüchtig / welches (wie erst gedacht) kein schlechter Schade ist, denn ein Stamm / so in seinen besten Wuchs ist / sonderlich eine Fichte / Tanne etc. dem gehet jährlich ein Zoll und mehr in diameter an der Dicke zu / wächset auch wohl eine Elle oder mehr in die Höhe.

Jedoch muß dabey consideriret werden / worzu ein jeder Stamm eigentlich zugebrauchen / und auch dahero zu fällen sey.

Sonderlich wäre vorzukommen / daß künfftig der junge schöne Wiederwachs nicht wieder ruiniret werde / und solchergestalt gar keine Hoffnung zum Aufwachs darauf zu machen sey / indeme selbiger theils Orten nur schuppen oder platz-weise stehet / zwischen denen nur etzliche wenige, Stämme so 2.spaltig sind / anzutreffen / welche aber wieder aufs neue abgetrieben / auch wohl 20. biß 30. Stangen / so darneben stehen / mit abgehauen / und in die Clafftern eingeleget werden solche damit voll zu machen.

Wie grosser Schade nun dadurch geschicht / und der annebest kleinere Wiederwachs / so in der Nähe ist / bey dem Holtz-Fällen / Holtzmachen / ingleichen bey den zu- und abführen / verderbet wird / ist leicht zuerachten / bevoraus / weil diese junge Bäume / so in besten Wachsthum / und in Stande sind / Saamen zutragen / der Gegend für der Zeit entrissen / und also der Saamen zu fernern Anflug entzogen wird. Der Verlust / oberzehlter massen / so in vielen Provinzien in Höltzern geschicht / ist nunmehro allzu notorisch / und erfodert ein baldiges und würckliches remedium, sonsten dürffte das Ubel weiter fressen / und incurabel werden.

Unterdessen aber ist es gewiß ein Werck von grosser importance, und continuirlicher Uberlegung, dem Holtzmangel und Verödung derer Gehöltze / mit guten Bestande fürzukommen / massen in vielen Ländern die wenigsten Personen / auch die Holtzgerecht und verständig seyn / ohne Zweiffel nicht vermeynet haben / daß in so kurtzer Zeit dergleichen grosse Reviere und Vorrath an Holtz abgetrieben / und verödet werden können.

Es sollen uns also billig die Gedancken vergehen / als wenn es nimmermehr an Holtze mangeln könte / oder daß es nicht zu consumiren wäre / sondern vielmehr uns sicherlich persuadiren / daß aus oberzehlten Ursachen / der jetzt vor Augen stehende Holtzmangel folgen solte / welcher auch verursachen dürffte / daß vollends alles abgetrieben werden müste / es mag letzlich werden / wie GOtt wolle. Es würden als denn viel tausend Menschen beklagen / ja gar beweinen / sonderlich das Armuth / und die jenigen / so ihren Verdienst / Unterhalt und Arbeit bey dem Holtz haben / daß sie den grossen Nutzen / Bequemligkeit und Vortheil / so sie sonsten dabey genossen / gäntzlich entbehren sollen / dahin gegen auch die meisten Einwohner / Frost / Kälte und Ungemach ausstehen / und ihre Nahrung nicht treiben werden können.

Folglich werden viel zur Holtzspar-Kunst von sich selbst gezwungen werden / und jeder seinen Sinn / Vernunfft und Hand anlegen müssen / das Ubel mit Pflantzen / Säen und guter Wartung bey Zeiten zuersetzen.

Wenn wir denn in gegenwärtigen Wercke hierzu verhoffendliche dienliche Mittel gewiesen / und einen verständigen Hauß-Vater / oder wer ihnen sonst die Wohlfahrt seines Vaterlandes und die Abhelffung des gemeinen Schadens angelegen seyn lassen will / Gelegenheit hierunter einiger massen an die Hand gegeben / so wollen wir hiermit in GOttes

Nahmen dieses Capitel beschliessen.
Das Sechste Capitel.
Von Spahr- und Schonung des Holtzes.

§. 1. Die Wälder sind unentbehrlich und ein grosser Schatz des Landes Der Obrigkeit und eines jeden Pflicht hierbey.

§. 2. GOtt gebeue das Holtz zu schonen.

§. 3. Ciceronis Meynung von der Holtz-Verwüstung.

§. 4. Straffe der Römischen Rechte wieder die Holtz-Verwüster.

§. 5. Caroli V. Constitution in der Peinlichen Halß-Gerichts-Ordnung und Cammer-Gerichts Proceß.

§. 6. Exempel hoher Potentaten und Generals Personen / die auch im Kriege des Holtzes mit grossen Fleiß geschonet. Der alten Meynung wegen der Holtz-Verderber.

§. 7. Holtz-Ordnung in Spanien / Venedig / Engelland und Franckreich.

§. 8. Des jetzigen Königs in Franckreich Ludovici XIV. Meynung vom Holtze.

§. 9. Der Engel- und Holländer industrie wegen desselben.

§. 10. Derer alten Teutschen Sorgfalt vor die Wälder / Holtz und Waldgrafen.

§. 11. Staats-Maxime bey den Schorstein-Imposten. Von der Holtz-Sparkunst.

§. 12. Warum und wie man in Holtz-Ländern / und wo Berg-Wercke / auff einen Hinterhalt von Holtze bedacht seyn / sonderlich aber /

§. 13. Nach qualität der daselbst befindlichen Nahrung menagiren müsse. Behutsamkeit eines Lands-Herrens im Holtz-Verkauff. Was pfleglich und Holtzgerecht sey.

§. 14. Des Herrn von Seckendorffs Meynung wegen des Holtz-Verlassens und Verkauffens. Warum das Mittel-Holtz zu schonen.

§. 15. Wenn man Holtz abtreiben und schlagen solle / auch wie mit dem Gehaue zu verfahren. Fürstl. Ordnungen hiervon.

§. 16. Sorgfalt der Alten wegen Conservation des Holtzes. Specification unterschiedener Holtz-Ordnungen.

§. 1.

WIe nützlich / ja wie nothwendig / und unentberlich in einem Lande das Holtz sey / und wie hingegen solches jetzo zusammen gehe / auch der Holtzmangel mit Empfindung mercklichen Schadens sich hervor thue / ist aus vorigen gnugsam dargethan und abzunehmen.

Derowegen dürffte es nicht undienlich ja der Nothwendigkeit seyn / etwas ausführliches / von der Spahr- und Schonung des Holtzes allhier anzuführen / und verhoffentlich dadurch anzuzeigen / wie etwa der grossen Verwüstung desselben etzlicher maßen vorzubeugen / ob schon wahr / daß nach dem Sprichwort / es nunmehro allhier heisset: Sera in fundo parsimonia. Daß es zu lange geharret sey / wenn man allererst will sparen / da es auff die Neige gekommen.

In Ansehung nun / daß die Wälder der beste Schatz eines Landes mit seyn / und selbige so wenig als die Eßwahren zu entbehren; hingegen auch mehr als zu wahr / daß durch das unpflegliche Holtz Niederschlagen und Verwüsten / dem gantzen Lande / ja jederman groß und klein / unwiederbringlicher und unüberwindlicher Schade zu gezogen wird / omnis superflua lignorum consumptio praescindatur: verum Cura sylvarum in venditionibus lignorum adeo laxa, in plantatione, seu satione, ac debitis conservandi modis fere nulla.

D. i. So wäre höchstnöthig allen überflüßigen Holtz-Vertrieb abzustellen.

Aber es ist bey uns leider dahin gekommen daß man bey der Holtzung sich am meisten lässet angelegen seyn / aus dessen Verkauff Geld zu lösen / aber wie selbiges durch Säen und Pflantzen und andere gehörige Arten in Stand erhalten werde / darauf denckt fast niemand.

Diesem nach solte billich ein jeder Hauß-Vater / auch Obrigkeit bedacht seyn / und eusserst / als höchst angelegen dahin trachten / die Höltzer also zu hegen / daß ein Vorrath zu allen Nothfällen verhanden sey / und daß zuförderst in Fall bey Städten / Dörffern und Gütern Brand entstehen solte / man täglich und gnugsam Holtz zum Wieder-Anbauen haben möge.

Ja ein jeder verständiger Hauß-Wirth / der seine menage wohl zuführen gedencket / hat für allen Dingen dahin zusehen / daß er seine Wohnung / Küche / Brau- Back- und Bauwesen / gnüglich mit Holtz versorge / und wer selbsten Gehöltze hat / es dahin einrichte / daß er solches für sich und andere erziehen / und auch damit continuiren möge. Nam per multi labantur anni, donec arbores in debitam magnitudinem ex crescant, ideoque inordinata earum succisione & maximae sylvae cum damno Reip. irreparabili facile queunt deuastari vel extirpari.

D. i. Denn es vergehen viel Jahre biß die Bäume zu ihrer gebührenden Höhe und Stärcke aufwachsen können / dahero wenn selbe nicht mit guter Ordnung und Vorsichtigkeit gefället werden / kan man auch die grösten Wälder zu unersetzlichen Schaden des gemeinen Wesens verwüsten / ja gar ausrotten.

§. 2. Will man nun dieser heilsamen Sache / nehmlich der Schonung des Holtzes und dessen nöthiger conservation nachdencken, so befindet sich / daß der gröste und allgemeine Gesetz-Geber / der grosse GOtt / selbige befohlen / indem Er Deut. XX. V. 19. durchaus verbeut, die fruchtbare Bäume abzuhauen / mit denenselben gleichsam Krieg zuführen / aus beygefügten Ursachen / 1. daß man davon essen könne. 2. so sey es auch Holtz auf dem Felde / und nicht Mensch / der sich zur Gegenwehr setzen könne.

Was aber die unfruchtbare Bäume anbelanget / lässet zwar GOtt V. 20. dieselben abzuhauen zu / doch unter gewisser Beschrenckung des nöthigen Gebrauchs / daß man in Kriegs-Zeiten Bollwerck daraus zurichten könne / biß die Stadt so belägert eingenommen / und der Krieg geendiget wäre.

§. 3. So trifft man auch hin und wieder von langen Zeiten her in Jure Civili solche Verordnungen an / daduch der unpfleglichen Holtz-Verwüstung ernstlich vorgebauet wird.

Cicero, welcher so wohl für einen klugen Staatsmann / als auch für einen guten Haußwirth / bey aller Welt passiret wird / führet hierbey eine sonderbare Meynung / so wohl wegen Schonung / als der Verwüstung derer Höltzer / welche billig ad notam zu nehmen / indeme er in seiner oration. 2. Philip. einer gewissen Person / für allen seinen andern Unthaten / nichts höher und schimpfflicher fürzuwerffen / und zu verargen weiß / als die so prodigale Anstalten bey Verwüstung gewisser Gehöltze / weil solches die Wohlfarth des gemeinen Wesens so sonderbar angehe / da er saget: Detrimenta sunt illa nostra, cuncta ea omni studio a magistratu fieri fas est, quibus lignorum augmentum promoveri potest, cuncta impediri, quae eidem sunt obstaculo. D. i. dergleichen Holtz-Verwüstung ist der gröste Schade vor das gemeine Wesen / deswegen solte die Obrigkeit alles beytragen wodurch die Vermehrung des Holtzes befördert wird / und dargegen alles aus dem Wege räumen / welches selbiger auff einigerley Weise mag hinderlich fallen.

§. 4. In den uhr alten Gesetzen / der XII. Tabb. war eine grose Straffe gesetzet auf die / so die Bäume boßhafftiger Weise abhieben / oder verderbeten / wovon Plinius. Hist. Nat. lib. 17. c. 1. also schreibet: Fuit & arborum cura legibus priscis; cautumque est XII. Tabulis, ut qui injuria cecidisset alienas, lueret in singulas siclos aeris, welches so viel heisset: Die Uhralten Römer haben in ihren Gesetzen derer Bäume wegen grosse Sorge getragen / wie denn in selbigen enthalten / daß wer eines andern Baum wiederrechtlich fället / vor jeglichen eine gewisse Geld-Buß erlegen soll etc. Hernach seynd auf andere Weise und Wege wieder die / so an den Bäumen sich freventlich vergreiffen / gewisse Actiones geordnet / und nachdrückliche Geld- auch wohl Leibes-Straffen gesetzet worden.

Si enim quis Arbores ceciderit (quo vocabulo non tantum indicatur, qui succidat Arbores, sed & qui caedendi causa ferit, aut qui cingit, i. e. deglabrat, seu amputatis ramis aut abstracto cortice, arborem glabram facit. L. 5. pr. ff Arborum furtim caesarum; & ibi VVesenbecius: aut qui subsecat serra; Gothofr. ad d. l. 5.) violenter sciente Domino, datur contra ipsum Interdictum, quod vi aut clam; l. 7. §. 5. l. 9. pr. ff quod vi aut clam; vel vi Bonorum raptorum Actio, a. L. Juliae de vi publica et privata, Gothofr. not. ad L. 7. in f. ff. Arborum furtim caesarum.

Si v. furtim aut clam, & quidem animo furandi aut lucrifaciendi, datur furti actio l. 25. 2. de furtis: It. Condictio furtiva & ad exhibendum actio. l. 8. Arborum furtim Caesarum etc. sin vero non lucrifaciendi animo, sed vel ad injuriam, vel damni dandi causa Arbores quis laeserit aut ceciderit, competit Injuriarum L. Aquiliae Actio, & Interdictum quod vi aut clam, & omnibus his casibus specialis prodita Actio Arborum furtim caesarum L. 1. C. de. l. Aequil. l. 1. In l. 5. 1. l. 11. ff Arb. furt. caes. l.75 t. 9. pr. ff quod vi aut clam. l. 2 ff. Arb. furt. caes. wird verordnet / daß solche Freveler / welche die Bäume und sonderlich Weinstöcke abhauen / eben als wie ein Mörder zu bestraffen. Von Verordnung der Sächsischen Rechte ist allhier nachzusehen die 37. Constit. P. 4.

In Summa / es sehen die Rechte und Rechts-Gelehrten sonderlich auf die Conservation derer Gehöltze / wie dann auch die gemeine Regul ist; daß die Hülffe in die Gehöltze dergestalt geschehen soll / daß selbige nicht verwüstet werden. Churfürstl. Sächs. Proceß-Ordnung / tit. 39. §. im Fall. Berlich. p. 1. concl. 81. n. 111.

§. 5. Was vor Straffe Kayser CAROLUS V. auf solche Frevler gesetzet / erscheinet aus dessen P. H. O. Art. 168.

So jemand sein gehauen Holtz dem andern heimlich hinweg führet / das ist einem Diebstahle gleich / nach gestalt der Sachen zu straffen; welcher aber in eines andern Holtz hälinger und verbotener Weise hauet; der soll gestrafft werden / nach Gewohnheit jedes Landes und Ortes / doch wo einer zu ungewöhnlicher und verbotener Zeit / als bey der Nacht oder am Feyertagen / einem andern sein Holtz gefährlicher und diebischer Weise abhauet / der ist noch härter zu straffen / v. HAHN. ad Wesenbec. loc. cit.

Auch kein Eigenthumbs-Herr eines Holtzes selbsten / soll eigenes Gefallens darinnen verwüsten: ante omnia inquirere necessum est, quae sylva habeatur caedua, vel non a. l. 10. et 11. ff. de usufr. D. i. Es soll ein Eigenthums-Herr vor allen Dingen wohl überlegen ob seine Holtzung so beschaffen / daß man darinnen ohne ruin Holtz schlagen könne oder nicht.

Wie denn auch wenn der Schaden groß / weil selbiger in langen Jahren nicht wieder zu ersetzen ist / Mandata sine clausula in Camera decerniret werden / Gail. 2. Obs. 67. n. 8. Also haben jederzeit hohe Obrigkeiten auf die Erhaltung der Wälder und Höltzer in ihren Ländern getrachtet / und dieselbe Erhaltung ihnen angelegen seyn lassen / auch die Jagden darnach eingerichtet / daß durch solche die Höltzer nicht ruiniret werden / wie in denen meisten Provinzien Teutschlandes und angrentzenden Ländern und Königreichen zusehen.

Wolte Nehemias zu Wiederaufrichtung der Gebäude / zu Jerusalem Holtz haben / muste Er erstlich von dem Könige Arthasasta Brieffe außwürcken an Assaph den Holtz-Förster des Königes / daß er Ihm gebe Holtz zu Balcken der Pforten am Pallast / die in Hause und an der Stadt-Mauren sind / und an dem Hause da er einziehen solte Nehem. 11. V. 8.

So findet man viel Exempel, daß grosse Generalen und Helden ihren Soldaten keines weges zugelassen / daß sie / auch in Feindes Landen / die Bäume und Wälder beschädigen dörffen / als welches sie ihnen bey hoher Straffe verboten / wie denn von Xerxe zu lesen / daß als er in Achaja eingefallen / er nicht einen eintzigen Baum in Feindes Landen verderben lassen.

Ein gleiches rühmet Polybius von dem Atheniensischen Fürsten / dem Timotheo. H. GROTIUS gedencket mit grossen Ruhm in seinen Annalibus, daß in vergangenen Spanischen und Holländischen Kriege die Generalen mit grosser Verwunderung der Ausländer / mitten in den verzehrenden Kriegs-Flammen die Fruchtbarkeit ihres Landes unersehrt behalten.

Es haben auch die Alten dafür geachtet / und von Zeiten zu Zeiten angemercket daß die jenigen / so sich unpfleglich an Höltzern / entweder als Feinde und Freveler / oder wohl gar als Eigenthums-Herren / oder als Aufseher / vergriffen / von Göttlicher Allmacht niemahls ungestrafft blieben.

§. 7. Man betrachte doch ferner wie andere Nationes / ja unsere Vorfahren die alten Teutschen selbst / vor die Wälder besorget seyn und was sie hierbey vor Wirthschafft führen.

In Spanien und zwar um Bilbao in der Provintz Biscayen, ist viel Schlag- auch Schneide-Holtz / da man die grossen Bäume ausschneidelt / und solches dergestalt eintheilet / daß die Eisenhammerwercke perpetuirlich mit Holtz versehen werden können / dem jährlich so viel Acker / und nicht mehr vor jedes Werck zu schlagen und zu verkohlen gestattet wird.

Wenn nun innerhalb 15. 16. oder 20. Jahren die Refieren abgetrieben / so seynd die ersten Gehau wieder schlagbar / und also erscheinet kein Mangel an Kohlen.

Dieserwegen wird die sonderbahre Vorsichtigkeit der Durchl. Republic von Venedig auch gerühmet / daß Sie für allen andern Dingen besorget und sich sehr angelegen seyn lassen / in ihren Provinzien, Schiffbau-Holtz nicht nur zu erziehen / sondern auch zu conserviren / wie Sie dann unter andern ein schön Stück Wald / so meistens Eichen-Holtz insich begreiffet / und Montello genennet wird / unweit Triest gelegen / besitzen / so zu sagen gleich als ein Auge in Acht nehmen / und als ein unschätzbares Kleinod des Landes und zum nöthigen Gebrauch ihres berühmten Arsenals observiren lassen / ob gleich der gantze Wald nicht an die 10. biß 12. Teutsche Meilen in Umfang haben soll. Das uhralte Forst-Recht / oder die Charta de Foresta in König-Reich Engeland / nebst denen erfolgeten und verbesserten Ordnungen / thut auch vortreffliche Vorsehungen / wie das Holtz / sonderlich zum Schiffbau / erzeuget / und allenthalben beobachtet werden solle.

In Franckreich müssen die Forst-Bedienten allezeit / und so bald sich ein Mangel oder Blösse in Höltzern ereignet / umständlich berichten / was sie vor leere Plätze in ihren anvertrauten Refieren haben / pour estre pourveu sur leurs avis àla semence & repeuplement, D. i. damit auf ihr Gutachten solche wieder besäet / und bepflantzet werden mögen.

Und also siehet man daselbst keine Blössen in denen Wäldern / bleibet auch kein Raum leer oder unbesaet und unbepflantzet / sondern das Holtz-Land wird durch und durch und continue brauchbar und nutzbar gehalten.

So will auch für gewiß angegeben werden / daß in gantz Franckreich / die Abhauung derer grossen und zum Schiff-Bau tüchtigen Bäume gäntzlich verboten / damit man bey Erbauung derer Schiffe Vorrath haben und sich derer alleine zu solchen Gebrauch bedienen könne.

Und gewiß es thut auch viel zu Conservation derer Wälder / daß man das Holtz / so zur eusersten und unumgänglichen Nothdurfft aus selben zu hauen verstattet worden / zu keinen andern Gebrauch / als zu welchen selbiges angewiesen und geschickt ist / anwende.

Sonderlich aber soll man die grossen guten starcken Bäume nicht leicht nehmen zu Dingen die wohl aus geringern können gemacht werden / massen hierdurch dem Ruin der Wälder unter andern hauptsächlich vorgebeuget wird. Das Schlag-Holtz muß auch in Franckreich sehr tieff / fast der Erden gleich abgehauen und kein Stock gelassen werden / weil es also besser wachsen / und der Stock der Fäulniß nicht unterworffen seyn soll.

§. 8. Die anjetzo regierende Majestät in Franckreich Ludewig der XIV. lassen sich in unterschiedenen Edicten vernehmen / wie hoch sie die Conservation der Höltzer schätzen / daß sie gar sagen: La Conservation des Forets ayant esté l’un des principaux soins des Roys nos Predecesseurs, D. i. die Erhaltung derer Gehöltze ist eines der vornehmsten Stücke gewesen / weswegen unsere Vorfahren am Reich / Sorge getragen.

Er nennet auch les forests cette sacrée portion de nostre patrimonie, die Wälder ein Stück derer Königl. Cammer-Güter / welche man hoch und heilig halten solle.

Ferner Comme il n’ est rien, qv’il soit plus exposé aux desordres de la guerre, que les bois & les forêts, aussi n’ y a-t-il point de Domaine, qui merite plus justement les premiers soins de la paix, non seulement à cause, qv’ ils sont un ornement, & une decoration tres-considerable dans l’ Estat; mais encore, parce que c’ est le plus precieux & le plus commode thresor, que la prudence puisse reserver pour les conjunctures extraordinaires, veu qv’ il croit tous les jours insensiblement par la seule fecondité de la Nature, sans aucune diminution du bien des Sujets, & sans mëme, qv’ ils y contribuent de leurs soins, & de leurs travail, etc. D. i. Gleichwie nichts mehr denen Unordnungen des Krieges unterworffen / als die Gehöltze und Waldungen; also ist auch nichts unter denen Königl. Domainen / worvor man bey Friedens-Zeit mehr Sorge tragen soll / als dieselben / nicht alleine / weil sie einem Staat eine treffliche Zierde und Schönheit[WS 17] geben / sondern auch weil sie der kostbarste und bequemste Schatz sind / den ein kluger Hauß-Wirth auff ausserordentliche Nothfälle auffheben kan / angesehen derselbe gantz unvermerckt sich vermehret / bloß durch die gütige Natur und ohne Abbruch eines andern gutes / auch ohne eintzige Mühe und Arbeit derer jenigen so darfür besorgt seyn.

In diesen wenig Worden / ist eine kurtze Lehre / wie das Holtz-Wesen in guten Stand zu erhalten und darinnen fast das gantze Summarium unsers Vorhabens zufinden.

Merckwürdig sind darbey die vorgehenden Worte / daß jederman / gleich wie die alten Könige und Vorfahren gethan / solches hoch ja so zu sagen heilig halten / und sich dessen Aufnehmen eusserst angelegen seyn lassen solle.

Dahero wenn einige Hauß-Wirthe das Absehen / dieser und anderen Nationen genau betrachten und imitiren wollen / so wird es uns verhoffentlich an Holtz nimmermehr mangeln.

§. 9. Was vor unendliche Sorgfalt / Curiosität und industrie, die unvergleichliche Nation derer Engelländer hierzu höchst rühmlich anwendet / um gnugsam Holtz vor sich und ihre Nachkommen / zum Schiffbau / und zu anderer Nothurfft in ihren Provinzien zu conserviren / muß von aller Welt gepriesen / ja gleichsam admiriret werden. Die Nothwendigkeit solcher Holtz-Vermehrung / zeigte der über grosse Brand so die Stadt Londen Anno. 1666. leider! betraff / wo von ich auch ein mitleidiger Spectator dazumahl gewesen / gleichsam mit Fingern / indeme zu obiger Zeit bey vorhabenden Aufbau der Stadt die Erfahrung gab / was vor Schaden und Hindernüß der Holtzmangel dabey verursachet. Wie dann auch in Niederlanden / kein Fleiß / Mühe und Unkosten gesparet wird / Holtz zu säen / zu pflantzen / sich darmit zu versorgen und in gnüglichen Vorath zu setzen. Gestalt auch so wohl auf der See als auf Ströhmen dessen eine ziemliche Menge angeführet wird / wodurch diese Nation ihre Schiffarth / die / wie bekant / in viel tausend Schiffen / Herings-Buysen und anderen Fahrzeugen bestehet / in Flor erhalten / und also deren Bau / je und allezeit mit Holtz secundiren kan.

Diejenigen Orte zwar / so an der See und an großen Strömen gelegen / haben gnug Gelegenheit alle Nothdurfft des Holtzes / zu Schiffe / in Fall der Noth / sich anders wo zu erholen; alleine wenn bey denen Bergwercken / so tieff ins Land / und weit von der See oder von einem floßbaren Strom abgelegen / Holtzmangel zu befürchten / da hat man umb so viel mehr Ursach / den Holtz-Anwachs bey Zeiten zu besorgen / und zu befördern.

§. 10. Denen auswertigen Nationen haben die Alten löblichen Teutschen / hierunter nichts nachgegeben / massen CYRIACUS SPANGENBERG in der Querfurtischen Chronica lib. 1. cap. 26. schreibet, daß dieselben viel auf die Verwaltung der Wälder und Gehöltze gehalten / und gewisse Holtz- und Wald-Graffen gehabt / qui erant Judices, quibus commissa cura Sylvarum & lignatorum, die vor die Wälder und Holtzungen musten Sorge tragen / dahero sie auch Comites sylvestres & hirsuti oder Wald- und Rau-Graffen genennet worden. Ja an manchen Orten werden so gar die Weiden / so bey herrschafftlichen Gütern befindlich gezehlet / und richtige Inventaria darüber gehalten / wo solche stehen / was jährlich abgehauen / und hinwiederum an Satz-Weiden gepflantzet / wird, welches ein Exempel guter Wirthschafft ist.

§. 11. Es haben auch unterschiedene Nationen die Gewohnheit / daß sie auf die Schornsteine gewisse Imposten legen / welches zwar dem Ansehen nach wunderlich scheinet; Allein in der That ist etwas anders darhinter.

Denn es steckt in diesem modo collectandi zugleich auch diese politique oder maxime verborgen / daß man nicht mehr Schornsteine / oder vielmehr Feuer bey denen Haußhaltungen anlege / als man nur höchst benöthiget ist / wodurch also des Holtzes und der unnöthigen Geld-Splitterung / so man hierauf verwendet etlicher massen fürgebauet wird.

Desgleichen sind unterschiedene grosse Herren bemühet gewesen / die Holtzspar-Kunst einzuführen / und haben denen Erfindern dieserwegen Privilegia ertheilet / davon / WEHNERUS in Thesauro Practico ad verb. Holtzspar-Kunst: gedencket / daß Friedrich Fröhmer / von Straßburg / Ulrici Kundmanns und Conrad Zwickmanns Kinder und Erben ums Jahr Christi 1557. auf den Reichstage zu Regenspurg bey Königl. Majest. und denen Ständen suppliciret / daß ihnen wegen der durch sie neuerfundenen Holtzspar-Kunst ein Privilegium ertheilet werden möchte / welches sie denn auch erhalten.

Gleicher gestalt erzehlet er / daß Jeremiae Nennern von Augspurg ebenmäßig ein Privilegium und Wapen dieser Erfindung halber ertheilet worden.

§. 12. So ist denn nicht unrathsam / daß man bey allen Holtz-Ländern / sonderlich wo Bergwercke zugleich sich finden / auf einen Hinterhalt bedacht sey / und regard auf künfftige Fälle und occasiones mache / damit bey ereigneten höfflichen und ertzreichen Gebäuden / oder andern Dingen / im Nothfall kein Holtzmangel gespühret werde; Dann gnüglich Holtz für die Bergwercke zu menagiren / ist gewiß ein Werck / so vielen Landen pro sacra & infallibili anchora, oder als ein unfehlbarer Trost und Zuflucht stetswährend dienen soll.

Auch soll man / wo kein Mangel an Steinen ist / das Mauren beym Gebäuden einführen und anstellen / und das Bau-Holtz / so viel möglich / dadurch erspahren / auch ins gemein nicht so viel und unnöthige Gebäude führen / die allzuviel Holtz fressen können.

§. 13. Ist aber diese Sparsamkeit außer den Bergwercken einem Orte ersprießlich / so ist es gewiß in denjenigen Ländern / da fast die gemeinste Nahrung in Bierbrauen / Saltzsieden / u. d. g. Item, in der Vieh-Zucht bestehet etc. die sonderlich vor allen andern / dahin zustreben haben, wie eine continuirliche Holtz-Nutzung anzurichten sey; Dergleichen in hiesigen Landen man auch hoch benöthiget ist / und daß solche beständige und continuirliche Nutzung des Holtzes zu einer conservation des gantzen Landes für allen Dingen gehöre und darauf einzurichten sey / wird niemand leugnen können.

Es sind auch zu den Ende von der Hohen Landes-Herrschafft die Holtz- Forst- und Wald-Ordnungen eingeführet worden / damit die Einwohner zu ihren Wercken und Nahrungen keinen Mangel an Bau- Brenn- Brau- Back- und Kohl-Holtz haben möchten / zumahl an denen Orten / wo die Landes-Herrschafft die meisten Höltzer selber possidiret; als welches alles haupt-sächlich dadurch zuerlangen / daß die Sparsamkeit / und daß man mit dem Holtze nicht verschwenderisch umgehe / klüglich eingeführet werde / davon WEHNER. Obs. pract. von Holtzspar-Kunst ausdrücklich gedencket / in conservatione sylvarum, subditorum utile prae fertur, non permittendo abusum, verum duntaxat usum, eo usque, ut necessitas publica salva sit. D. i Bey Conservation der Holtzung wird hauptsächlich auf derer Unterthanen Wohlstand gezielet; Denn wenn ihnen selbige nicht zu ruiniren / sondern pfleglich zu gebrauchen verstattet wird / so geschiehet es zu dem Ende / damit man bey ereigender allgemeiner Nothdurfft wiederum Hülffe haben möge.

Zu dessen mehrer Beglaubigung und in Ansehung der allgemeinen Landes-Wohlfarth der Verkauff derer Höltzer behutsam zu tractiren / und der starcke Vertrieb zu meiden / Nam sic quidem augetur aerarium ad annum, biennium, vel etiam ad aliquod ultra tempus; ast deterioratae substantiae & sylvae devastatae itidem in perpetuum exhauriunt, latetque sub specioso lucro, irreparabile damnum. D. i. Es ist nicht ohne / daß man aus starcken Holtz Vertrieb in 1. 2. Jahren und drüber ziemlich Geld heben kan; Allein wenn die Holtz und Waldung ruinirt / so bleiben auch die Einkünffte auff unendliche Jahre hinaus zurücke / und das Cammer-Wesen wird dadurch gäntzlich erschöpffet / daß also unter gleichen scheinbaren Profit ein unersetzlicher Schade liegt.

Wannenhero die Besitzer derer Höltzer / und andere Einwohner sich selber darauf anzuführen haben / daß man mit dem Holtz pfleglich um gehe / und alle unnütze Verschwendung und Verderbung desselben / so viel müglich verhüte.

Das Wort pfleglich / ist ein uhralter Holtz-Terminus in hiesigen Landen / gebräuchlich / und wird nicht allein dadurch verstanden / daß man mit dem schlagbaren Holtz wohl / nützlich / und sparsam / als ein Pfleg-Vater umgehe / sondern auch daß man den Wiederwachs gebräuchlich / gewöhnlich und Holtz-gerecht-mäßig befördern solle / wie denn unsere Vorfahren / und jetzige annoch alt-Teutsche / einem Holtz-Verständigen / nur einen Holtz-Gerechten genennet / und diesen Beynahmen für ein sonderl. Lob geachtet.

Dann wenn nicht diese Praecaution, und alle ersinliche Mittel angewendet werden / daß eine Gleichheit zwischen dem An- und Zuwachs / und zwischen dem Abtrieb derer Höltzer erfolget / so ists ohne Zweiffel bey dieser Wirthschafft schon gefehlet / und muß in Gegentheil der Mangel entstehen; jedoch ist auch wahr / in continuo & in aequali usu sylva non servanda est, oder / man muß die Holtzung nicht eben so gebrauchen / damit man alle Tage einen gleichmäßigen[WS 18] Nutzen daraus heben könne.

§. 14. Zu mehrer Erläuterung wollen wir die Worte des Herrn von Seckendorff / hierauf einführen / welcher auch unterandern in seinen Teutschen Fürsten Stat p. 424. sich also vernehmen läßet: Demnach durch den Holtz-Vertrieb / durch die ordentliche Nothdurfft die Fürstl. Hoffstadt / Diener deputat, Gnaden-Holtz / so Armen abgebranten / oder sonst verderbten Leuten gereichet wird / ingleichen durch die freyen Holtzungen / deren auf vielen Wäldern / von Alters her / viel Gemeinden / zum Bauen und Brennen berechtiget sind ein grosser Bezirck und Vorrath an Holtz mit der Zeit abgetrieben und verödet werden kan; auch ein rechter starcker Baum / Eichen oder Tanne / in 100. Jahren seinen rechten Wachsthum kaum erreichet / mancher Ort sich gar nicht wieder bestöcket / das Buschholtz auch nach Fruchtbarkeit des Ortes 10. 15. 20. Jahr zu seiner Aufwachsung haben muß: (conf. Gail l. 2. obs. 67. n. 8. Dn. Struv. Synt. feud. c. 6. aph. 11. n. 2.) so sind zu Vorkommung des Holtzmangels und Verödung der Wälder / die Landes-Herrn / hin und wieder durch Auslassung ihrer Wald-Ordnungen / und Bestallung ihrer Forst-Bedienten fleißig bedacht gewesen. Dann bey allen Holtz-Verkauff- und Verlassungen / sonderlich aber was nicht zu nöthigen Bau- und Feuerwerck / sondern auf Schneid- und Bretmühlen / auf die Eisenhämmer und dergleichen angewiesen werden soll / müssen die Forstbeamtem zusehen / und der Wälder Gelegenheit / indem sie dieselbe täglich bereiten / und damit umgehen / also wissen und verstehen: daß durch die Anweisung über den Ertrag der Höltzer nicht gegriffen / sondern immerwehrende beständige Holtzung dem Herrn / und eine beharliche Feuerung / auch andere Holtz-Nothdurfft dem Lande von Jahren zu Jahren / bey ihrer Zeit und künfftig denen Nachkommen bleiben möge / dahero müssen sie auch die Wälder also angehen / und das Gehau also eröffnen / wie es die älte und Wuchs des Holtzes und die gute Ordnung erheischet; damit nicht Junges und noch nicht vollwächsiges zu frühe angegriffen werde / und überständiges / so keinen Wuchs mehr hat / dagegen stehen bleibe / Bevorab ist das Holtz / wenn es in Mittelwuchs ist / zu schonen.

Dann zu derselben Zeit kan es mehr Safft an sich ziehen / als wenn es noch klein / und dahero wächset es am Stamm und Aesten in die länge / Höhe / und Dicke / und Breite / in einem Jahre / wegen der vollkommenen Wurtzeln / mehr / als sonsten in 3. 4. bis 10. Jahren beschehen kan / Dahero ist es sehr vorträglich / da man es biß dahin / und weiter wachsen / und unbeschädiget lassen kan.

§. 15. Sonsten heißet es nach dem alten Sprichwort: Man soll keine alte Kleider weg werffen / bis man neue hat / also soll man den Vorrath an ausgewachsenen Holtz nicht eher abtreiben / bis man siehet / daß dagegen gnugsamer Wiederwachs verhanden.

Denn hernach ist es zu spat / dem Tag von gestern wieder herruffen wollen / wie unter andern die Hoch-Fürstl. Braunschweigische Holtz-Ordnung gar ausführlichen vermögen / mögen / kein grün Holtz in Wäldern anzuweisen und abzuhauen / ehe und bevor das dürre Holtz / Reißig und Stöcke / aus denen Wäldern durchgehends geräumet. Neque materia, aut alia quaevis arbor stans, & radicibus innixa, caedi poterit, siligna caduca, aut arida in eo nemore suppetant.

Die Fürstl. Heßischen Ordnungen sind auch unter andern / was zur Conservation derer Gehöltze dienen kan / sehr nützlich und Lobwürdig; als / weil an Pflantzung des Gewäldes viel gelegen / sollen die Gehaue zu rechter Zeit vorgenommen / und eine Zeitlang wieder geheget werden / bis man siehet / daß denen ausgeschossenen Sommer-Latten / von Viehe kein Schaden zugefüget werde; zu welchem Ende man die aufgehauene Gehäue wiederum aufs fleisigste etzliche Jahr lang / und zum wenigsten 5. Jahr hegen soll / also daß niemand darein treibe oder hüte / es sey mit Pferden / Kühen / Schaffen / Ziegen oder andern Vieh / so denen Sommer-Latten Schaden thun kan / bis daß sie wiederum erwachsen / und man dieselbe ohne Schaden betreiben mag. Auch sollen von denen Förstern an etzlichen Orten / da es dienlich erachtet wird / und man sich von Wildpreth keiner Beschädigung befahret / Eicheln und dergleichen gesäet / und gepflantzet werden.

§. 16. Welcher Gestalt aber das Holtz geschonet und dießfalls eine vorsichtige Menage angestellet werden solle / ist zwar gegenwärtiges Orts nicht zu untersuchen / immaßen die Absicht unsers Vorhabens am meisten auff die Vermehrung durch Säen und Pflantzen gerichtet ist. Unterdessen aber wollen wir uns über das jenige / so bereits hin und wieder angeführet / wie auch auf vorhergehendes IV. und V. Capitul vom Holtzmangel und dessen Ursachen / item von schädlichen Zufällen / Verderb- und Beschädigung der Gehöltze / ingleichen auf einige in FRITSHII corpore Juris Venatario forestalis befindliche Ordnungen bezogen haben / in welchen der geneigte Leser überflüßige Anleitung finden wird. Es stehen aber selbige in Parte III. besagten Tractats und sind nachfolgende Churfürst Augusti zu Sachsen Gebürgische Holtz-Ordnung de an. 1560.

Genaue und durchgehende Forst-Ordnung des Churfürstenthums Ober- und Nieder-Bayern quo pertinet,

Jus foresti-Romano-Bavaricum h. e. Tractatus ad Constitutionem forestalem Electoralem Bavaricam, cum Jure communi collatam Aut. Sebastiano Khraissero.

Neoburgi ad Istrum. 1652.

Fürstl. Sächßl. Magdeburgl. Landes-Ordnung von Wildbahnen / Jagten / Schießen / und andere Weydewerck de anno 1649. 1659.

Herzog Friedrich Wilhelm zu Sachsen Altenburg / Jag-Weidewercks Ordnung in denen Aemtern Altenburg und Ronneburg de an. Ibit. 1653.

Hertzog Willhelms zu Sachsen-Weymar Jagd- und Forst-Ordnung / de anno 1646. Ibid.

Hertzog Ernsts zu Sachsen-Gotha Forst- und Jagd-Ordnung / de anno 1644.

Fürstl. Hennebergische Wald- Holtz- und Forst-Ordnung de anno 1615. Ibid.

Hertzog Heinrich Julius zu Braunschweig und Lüneburg Forst-Ordnung de anno 1590.

Fürstl. Würtenbergische Forst-Ordnung de anno 1588. Ib.

Fürstl. Heßische Marburgische Holtz-Ordnung de anno 1602.

de A. Mandata & passim illustrata a. Phil. Helffrico Krebs Tr. de Ligno & Lapide.

Fürstl. Heßische Jagd- und Forst-Ordnung Landgraff Moritzens / de anno 1624. und anderer V. ap. D. Fritsch. lib. cit. p. 191.

Fürstl. Mechelburgische Landes-Ordnung / de anno 1562. Tit. 26. von Jagen / Schiessen / Wildwerck und Fischereyen, Ibid. p. 197.

Fürstl. Anhaltische Landes-Ordnung / de anno 1572. Tit. 26. Ib. p. 198.

Gräffliche Schwartzburgische Rudelstädtische Forst-Ordnung / Item / Jagd-Mandat de anno 1620. Ib. p. 199.

Gräffliche Stollbergische Forst-Ordnung / de anno 1642. Ibid. p. 321.

Ordonnances de Frideric Duc de Wurtenberg & Teck touchant les Bois & Forests en ses Comtés de Montbeliard, & souveraines Seigneines, y jointes.

Der Graffschafft Hohenlohe erneuerte und verbesserte Wild-Bahn / Forst- und Holtz-Ordnungen / de anno 1579. Reußische Plauische verneuerte Wald-Ordnung in denen Ober-Herrschafften / Schläiz / Lobenstein und Salburg. Ib. p. 215.


Das Siebende Capitel.
Von Nothwendigkeit und gewissen Nutzen des
Holtz-Anbaues auch wie solcher aufs schleunigste befördert
werden könne.

§. 1. Ob in Teutschland ein so grosser Holtzmangel zu befürchten.

§. 2. Lutheri und Melanchthonis, wie auch Matthesii, Propheceyung hiervon.

§. 3. Daß solche eintreffen und ein unsäglicher Holtzmangel[WS 19] nebst anderen daher rührenden Elend sich hervor tun werde / wird behauptet. §. 4. Die Hindansetzung des Holtz-Baues ist ein grosser Fehler und Schaden bey der Wirthschafft. Woher solcher entstehe?

§. 5. Glückseeligkeit eines Landes und Herrschafft wo sich Holtz befindet. Nothwendigkeit des Holtzes sonderlich in kalten Ländern.

§. 6. Von Einrichtung eines Staats die Schätze und Einkommen des Landes zu vermehren.

§. 7. Nutzen dergleichen Einrichtung. und daß selbige / einen Staat profitabler als öffters die Conquêten seyn.

§. 8. Worinnen bey uns / insonderheit denen Einwohnern des Meißnischen Ertz-Gebürgischen Creyses die innerliche Einrichtung beruhe.

§. 9. Ob die Bergwercke im Meißnischen Ertz-Gebürge vor Holtzfresser zu achten.

§. 10. Vortreffligkeit und großer Nutzen dieser Berg-Wercke / auch daher entstehendes vornehmstes Commercium und Manufacturen. Was vor Holtz hierzu erfordert werde.

§. 11. Meißnische Bergwercke sind unerschöpfflich.

§. 12. Deshalben muß mit dem Holtz wohl haußgehalten werden / wie solches die Hohe Herrschafften vorher gesehen.

§. 13. Conservation des Holtzes kan vorjetzo in Meißnerlande nicht anders als durch dessen Säen und Pflantzen geschehen / und warum?

§. 14. Demonstration daß es einen Haußwirth grossen Schaden bringet / wenn er im Gebürge die Waldung zum Ackerbau oder Wiederwachs machet / damit er davon jährlich Nutzen ziehe.

§. 15. Warum nach dem Teutschen Kriege die Holtzung auszurotten vorträglich gewesen? was jetzo diesfalls zu thun / und was unsere Nachkommen von Holtze zu hoffen haben?

§. 16. Ob die auffs Holtz-Säen und Pflantzen gewandte Unkosten vergeblich seyn?

§. 17. Uberschlag / was es in einer Holtz refier betragen können wenn die verwüsteten und nicht völlig angeflogenen Acker Holtz besetzet werden. Erweiß daß das Land so vielen Bäumen Nahrung geben und selbe wohl ertragen könne.

§. 18. Anderweitige demonstration und Nutzen aus dem Holtz-Säen und Pflantzen.

§. 19. Göttlicher Befehl hierzu und Vortreffligkeit dieses Unternehmens.

§. 20. Warum man hierbey nicht säumig oder es auffschieben solle.

§. 21. Des Autoris Vorschlag / wie hier zu am besten zu gelangen.

§. 22. Der aus diesen Vorschlag zu verhoffende Nutzen.

§. 23. Exempel so Obrigkeit und Unterthanen hierzu auffmuntern soll.

§. 24. Noch weitere Vorstellung des von Säen und Pflantzen erwachsenden Nutzens in regard eines gantzen Landes.

§. 25. Erweiß daß die Säung und Pflantzung des Holtzes in hiesigen Landen gar wohl angehe.

§. 26. Derer Einwohner sich hierbey ereigende Schuldigkeit.

§. 27. Derer entblösten Holtz Refieren schlechter Zustand.

§. 28. Ob selbige am besten durch Säen oder aber durch Verpflantzen wieder mit Holtz besetzet werden.

§. 1.

ES hat zwar die milde Natur, oder vielmehr des grossen GOttes reiche Vorsorge das Erdreich sonderlich zum Wachsthume des wilden Holtzes aptiret / daher auch eine grosse Menge von dergleichen Gewächsen / und sonderlich in Teutschland / weil es unter temperirten Climatibus und Lufft gelegen / folglich [WS 20]so wohl hitziger als kalter Natur Bäume träget / anzutreffen gewesen / also daß es TACITUS zu seiner Zeit Regionem sylvi horridam oder ein Land / das gantz furchterlich ist wegen der vielen Wälder / nennet, indeme es mit überaus grossen Wäldern fast bedecket gewesen.

Alleine es scheinet anietzo / daß es das allerärmeste[WS 21] an Holtz werden solte / so man / wie bisher geschehen / nur auf das Holtz-schlagen und abtreiben / nicht aber wie solcher Abgang zum förderlichsten wieder zu ersetzen beflissen seyn wird: massen doch das Holtz ein so nothwendiges als nützliches materiale ist, wie oben schon mit mehrern angeführet worden / auch in folgenden weiter berühret werden wird.

§. 2. Es haben zwar solchen Mangel schon zu ihrer Zeit / da noch Holtz genug und weit mehr / als vorietzo verhanden gewesen / die vortrefflichen Männer LUTHERUS und PHILIPPUS MELANCHTON prophezeihet / daß vor dem jüngsten Tage in der Welt / und sonderlich in Teutschland 3. grosse Mängel sich ereignen würden als 1. an guten aufrichtigen Freunden. 2. an tüchtiger und wichtiger Müntze / und endlichen 3. an wilden Holtze / welches nicht allein anführet sondern auch bekräfftiget JOH. LIMNAEUS de Jure Publico lib. 3. c. 2. n. 66. gleich wie nun diese vortreffliche und erleuchtete Männer den Holtzmangel prognosticiret; also wäre zu wünschen / daß dazumahl gewisse Consilia wären gefasset / und auch exequiret worden / wie solchen fürzukommen / so hätten wir anietzo den guten effect hiervon / zugeniessen. Dann es ist ausser Zweiffel zusetzen / wenn treumeinende und reifflich überlegte Anstalten hierunter gemachet / und vollführet werden / so wird bey unsern Nachkommen / kein Holtzmangel zuspühren seyn. Wie aber der prognosticirte Mangel / an Geld / an gelehrten Leuten / und guten Freunden / jetzo und künfftig abzuwenden seyn möchte / dürffte etwas schwerer fallen / und bey jetzigen verkehrten Zeiten nicht wohl zu practiciren seyn.

So wird auch von dem alten seel. Herrn MATTHESIO geschrieben / daß Er gesaget / Er hätte von alten gelehrten und weisen Leuten gehöret / daß es den Meißner-Lande eher an Holtz und Kohlen / als an Ertzten ermangeln werde.

§. 3. Die Wahrheit dieser beeden Prophezeiungen / dürffte leider mit der Zeit bey vielen Provinzen Europae gnug am Tag kommen / indem die grossen Wälder sehr abgeholtzet / und dünne gemacht / auch an vielen Orten / noch sonder Nachdencken / wie die Nachfahren fort kommen wollen / damit continuiret / alles ohne Unterscheid abgetrieben und theils um einen auch geringen Gewinst / ja wohl gar aus Neid und Mißgunst an sich gezogen / und verthan worden / da man hingegen / wie solchem Unheil zu remediren seyn möge / eiferig und schleunig bedacht seyn / und Rath schaffen solte / Divina natura dedit agros, oder GOtt hat uns das Feld gegeben / folglich lieget es nur an des Menschen Fleiß / und industrie, wie die abgeholtzte Ländereyen wieder zu cultiviren / und mit natürlichen Schönheiten zu zieren / weswegen man mit den Poeten wohl sagen möchte:

Quicquid desiderat usus,
Exte proveniunt.

oder daß es an dem Menschlichen Fleiße gelegen / den Erd-Boden recht zu nutzen.

Es ist ja mehr als zu Augenscheinlich daß die Wälder bey vielen Ländern unmüglich einen solchen Vorrath an Holtz, vor alle Nothdufft, sonderlich wo Schmeltz-Hütten und Bergwercke sind / ja zum Brauen / Backen und Brenn-Holtz künfftig mehr fourniren können; Denn theils Wercke liegen wegen Holtz-Mangels schon gar darnieder / oder werden doch nicht mehr völlig getrieben / welcher Mangel noch vielmehr zubesorgen / weiln die Städte und Dörffer ziemlich bißher erweitert / und mit Gebäuden und Einwohnern vermehret / auch viel Werck neu auf gerichtet worden.

Dahero dürfften diesen Abgang künfftig die armen Leute sehr schmertzlich empfinden / die mit Holtzhauen / Kohlen / und dergleichen umgehen / und keine Arbeit haben / sondern wo sie ihr wenig Bißlein Brodt mit ihrer Hand verdienen wollen, werden sie müssen 8. 10. und mehr Meilen gehen / und noch um Arbeit bitten / da sie vor hin zu Hause gnug zu thun gehabt. Wenn zwar so viel es hiesiges Ertzgebürge betrifft selbiges lauter Schlag- oder so genantes lebendiges Holtz hätte / welches in Laub-Holtz bestehet / so würde vermuthlich vor die vielen Wercke wohl kein Mangel an Kohlen seyn / zumahl wenn solches pfleglich gehalten, gewartet, und wie bey dergleichen nöthig alles wohl observiret würde / aber zu ausgewachenen Fichten und Tannen-Holtz / wird eine Zeit von 60. 70. 80. ja wohl bis hundert Jahren erfordert / ehe es recht schlagbar wird.

Es gehen auch wohl zu Zeiten 10. 20. Jahr vorbey ehe es nur anfleuget / oder von Saamen für sich selbst herfür kömmt: hingegen das Schlag-Holtz so bald abgeholtzet / so schläget es also fort das erste Jahr von der Wurtzel und Stamm wieder aus / und nach dem der Boden gut / oder das Holtz selber nach seiner Art gewächsig ist / wird es in 8. 10. 15. oder höchstens 20. Jahren schon wieder schlagbar / wie wohl die Kohle so es giebt / nicht so grob / und dahero in Schmeltzen wohl in Acht zu nehmen ist.

Aber leider[WS 22]! wie viel[WS 23] tausend Acker Wald / sonderlich an Tangel-Holtz liegen jetzo in Teutschland kahl [WS 24]und abgeholtzet / daß es fast nicht zuglauben / sintemahl nur die Nahmen der Wälder / auf viel hundert und 1000. hin aus lauffen. Daraus dann genüglich zuschliessen / was grossen Schaden es nach sich ziehe / daß solche weitläufftige Refieren nicht mit Holtz angeflogen / vielmehr daß solche nicht bestanden sind / daraus man sich grosser Stämme zum Bauen und anderer Nothdurfft erhohlen könne.

§. 4. Indeme nun der Abtrieb solcher Höltzer etwas zu starck umgegangen / und da gleichwohl die Wirthschafften und andere Wercke alle mit überflüßigen Holtz versorget werden müssen / so ist es gewiß / wenn man sich ein wenig umsiehet / und der Sache nachdencket / daß ins gemein keine Wirthschafft zu finden / bey welcher mehr schädliche Fehler / begangen werden / als in diesen Stück / da nicht bey zeiten auf Erzielung und und Pflantzung / sondern desto mehr auf Abtreibung des wilden Holtzes gedacht / und zumahl da der Wiederwachs des Holtzes wenig befördert / sondern vielmehr verhindert und beschädiget wird.

Dann der gemeine Mann hauet das Holtz ohne Unterscheid darnieder / treibet es unnützlich[WS 25] ab / und dencket / weil es ihm aufzubringen keine Unkosten noch Mühe gekostet / also habe er auch nicht nöthig / viel Arbeit und Sorge vor dessen Erhaltung anzuwenden / gehet verschwenderisch damit um / meynet es könne nicht alle werden / biß ers endlich mit seinen grossen Schaden erfähret / da er selber Mangel dran leiden / und sich dessen theuer genug mit schweren Unkosten und Zuführen / erhohlen muß; Und weil er ferner spühret / daß er den Wiederwachs gar- oder doch so bald nicht geniessen kan / so schonet er auch solchen nicht / machet es zur Hutweiden / Feld / und dergleichen / daraus denn ein solcher schädlicher Mangel des Holtzes unumgänglich zuletzt entstehen / und dahero die Nahrung geschwächet werden muß.

Es werden aber ohne zweiffel noch viel Einwohner / auch hiesiger Lande mit Schmertzen betauren / daß sie für 10. 20. 30. und 40. Jahren manch schönes junges Stück Holtz verwüstet / abgesenget / und weg gebrennet / und sich gar nichts daraus gebessert / da hingegen wenn solches annoch stünde / und nunmehro ausgewachsen wäre / es mehr / als alle seine Güther / an Felder und Wiesen würdig seyn möchte;

§. 5. Man solte aber hierunter vor allen Dingen auf die gemeine Wohlfart des Landes sehen und auf dessen aufnehmen bedacht seyn / Denn es ist ein Land sehr glückselig / wenn es allerhand Holtz Gnüge / und nicht nöthig hat / dessen aus andern Ländern sich zu erholen.

Terra suis contenta bonis non indiga lignis.

saget der Poët, wenn er dergleichen Glückseligkeit vorstellen will / welches so viel heist: Das Land darff sich seiner Nothdurfft nicht von andern Orten holen / und ist auch vornehmlich mit Holtz versehen.

Denn man erwege doch / wie hierdurch der Anbau von Städten und Dörffern befördert wird / allermassen sonst bey dem Holtzmangel in vielen Provinzien viel 1000. Gebäude ungebauet bleiben müssen / oder die angebauten in baulichen Wesen nicht erhalten werden mögen / wodurch denn so wohl Handel und Wandel als auch andere Nahrung gehindert wird.

Ja wenn es nur das Brenn-Holtz hat / ist es schon ein grosser Schatz / ob es gleich das Bauholtz etwas weiter herzu führen muß.

Wie denn auch die Höltzer und Wälder einer jeden Herrschafft nützlich / bevorab der Holtznutzung / des Wildprets und Flügelwercks halber / welche so wohl Lust als Nutzen bringen / und ein grosser Theil ihrer Einkünffte zu Erhaltung ihres Staats darauf beruhet; dahero ist es höchst nöthig zu conservation solcher Nutzung alle müglichste Anstalt zu machen / damit dem einschleuchenden Holtzmangel begegnet / oder aber wo solcher bereits eingerissen / durch Kunst und Vorsichtigkeit eine dergleichen menage angestellet werde / wodurch solche von Holtz entblöste Länder noch in etwas erhalten und[WS 26] ihre Nahrung nicht gantz fallen lassen dürffen.

Denn allerdings nicht zu läugnen ist / daß bey guten Anstalten / nicht allein viel Holtz zuersparen / sondern auch zu erhalten seyn wird.

Worzu denn gute und heilsame Gesetze von nöthen seyn / weil die menschliche Natur dergestalt verkehrt ist / daß sie dasjenige / so zu ihrem besten dienet / niemahls von sich selbsten beobachtet.

Was es hiernechst nicht vor einer Landes gegend / wenn man darinnen vielerhand Holtz siehet? was giebt es vor eine Augen-Lust / wenn Bäume an den Wegen gepflantzet / von denen man Schatten und bey Regen und Ungewitter seine Zuflucht haben kan? Ja von den Bäumen und Holtz hat jeder Mensch nicht wenig zu seiner Speise und Erhaltung zugewarten, sonderlich in diesen kalten Ländern ist selbiges unser Summum Bonum unter andern zu nennen / denn der Häußer und der Dächer Bau unumgänglich erfordert wird und nicht zu entbehren ist. Es kan auch keine Mauer / Gewölbe / oder einiges Gebäu von Steinen aufgerichtet und geführet werden / man habe denn Holtz dazu / zum Bögen, Gerüste / Balcken / Sparren und dergleichen.

§. 6. Wenn wir uns hiernechst ein wenig in der Welt umschauen / werden wir befinden / daß alle Nationen / so sich vor andern herfür gethan / und emergiret / solches durch ihre industrie, embsige Arbeit / oder kluge Consilia und deren eifriges Nachsetzen zuwege gebracht / nehmlich durch Anbauung ihrer Lande / Erhebung der Manufacturen / Fischereyen / Schiffarthen / und dergleichen.

Ja alle Regenten, die ihre Reiche und Etats in Flor zu bringen getrachtet / haben allezeit vermeinet / daß solches unter andern geschehe / daß man sich höchstens angelegen seyn lassen / die Schätze und tägliche Einkünffte des allgemeinen Wesens sorgfältig zuvermehren.

Also werden in West-Indien das Zucker-Rohr mit unsäglichen Fleisse / ingleichen auf Malabar und Ternate, die Gewürtz-Bäume und Stauden fortgepflantzet; Arabia zeuget den Balsam / Persien treibet vermittelst der Maulbeer-Bäume den Seiden-Handel; Pohlen / Litthauen und Moßkau sind bemühet aus ihren Wäldern Zobeln / Füchse / Mardern / Bären-Häute / Honig und Wachs anzuschaffen / und ihre und fremde Länder damit zu versehen / um dadurch Nahrung und Reichthum zu erlangen / Andere[WS 27] Länder haben ihre Einrichtung guter Wirthschafften auf Commercien und Manufacturen gegründet / nachdem nehmlich die Gelegenheit und capacite des Lortes hierzu Anleitung gegeben; andere aber haben solche auf die Schiffarth gegründet[WS 28] / maßen denn bekand mit was Fleiß / Mühe / Leib- und Lebens-Gefahr und schweren Unkosten / wo navigable Ströhme seyn / die Schiffarthen angestellet / und dadurch vor so viel 1000. Menschen Nahrung und Unterhalt gesuchet wird / worzu denn / welches wir beyläufftig mit notiren / die Conservation der Wälder / zu denen Commercien und manufacturen aber / die concedirte Freyheiten / Beförderung verständiger Leute und artisten ein grosses beytragen.

§. 7. Wie reich / wie florissant nun / ja wie formidable durch dergleichen Einrichtung ein Staat werden könne / zeigen unsere benachbarte Länder.

Denn was hat Engeland / Italien so prächtig / was hat Niederland so reich und mächtig gemacht / als die Manufacturen und Commercien? Ingleichen wovon hat dieses oder jenes Land sein grosses Vermögen gezogen / nur aus andern Ländern mit galanterien und dergleichen / so frembde Nationes daraus gegen einer unsäglichen Summe Geldes geholet.

Solten sie solches negligiren / und hingegen andere benachbarte dergleichen sich unternehmen / würden sie bald in Abfall ihrer Nahrung / und folglich um ihre Stärcke / Gewalt / Gloire und Ansehen kommen / dannenhero diese belobte Nationen bey unermüdeter Fortsetzung obgedachter Stücke an keinen Nahrungs-Mitteln einigen Mangel spühren / ziemliche Abgaben / und Kriegs-Spesen ertragen / und doch darbey ihren reichlichen Unterhalt finden / auch anderen Alliirten unter die Arme greiffen / und[WS 29] sich allenthalben dergestalt formidabel machen / daß niemand dieselben antasten darff / oder da es geschehen solte sie gnugsame Resistence finden würden. Woraus denn nun von selbsten fliesset / daß wenn in einem Lande das jenige / so zu der Einwohner und Unterthanen Unterhalt und Fortkommung dienet / wohl eingerichtet ist / solches mehr Nutzen bringe / als wenn ein anderer frembde Provinzen sich unterwürffig machen will / wie viel Exempel geben / dadurch die Einwohner und der Conquestor öffters mehr arm als reich wird.

§. 8. Wenn wir nun hiernechst fragen wolten / worauff die Einrichtung des Meißnischen Ertz-Gebürges beruhet / so ist es hauptsäglich mit die Conservation des Holtzes / als wodurch der gemeinen Wohlfahrt dießfalls wieder auffgeholffen werden könte.

Denn wir haben ja das herrliche Nahrungs-Mittel vor Augen / welches so wir es wolten von uns lassen fürwahr nicht rühmlich / viel weniger vortraglich seyn würde / zumahl wir den Schatz des Reichthumbs in Lande selber haben / und denselben nicht erst von andern und Frembden herzu holen dörffen; Ich verstehe hierdurch die Edlen Bergwercke / die sich durch so viel Mühe und Unkosten haben offenbar machen lassen / und deren es in unsern belobten Teutschlande hin und wieder / sonderlich aber in Meissen und vornehmlich in Meißnisch Ertzgebürgischen Creyß in ziemlicher Menge anzutreffen.

§. 9. Man möchte zwar nicht umbillig auf die Gedancken gerathen / daß wo viel Bergwercke / Eysen-Hämmer / Saltz / Alaun / Vitriol, Sied- und Schwefelwercke sind / solche auch große Holtzfresser genennet werden können / alleine wenn mans etwas genauer überlegen will / so solte man vielmehr sagen / daß dergleichen Wercke / ein Aufnehmen derer Gehöltze seyn solten / das ist: wenn man gnugsame Sorge trüge / daß solche nutzbare / importante / und höchstnöthige Wercke continuirlich mit Holtz versehen werden möchten / allermassen die Holtz refieren darzu verhanden / und nur der Mangel daran ist / daß so bald das Holtz abgetrieben / so bald solte man auch wieder auf den würcklichen Anflug und Wieder wachs bedacht seyn / dergestalt würde es nimmermehr an Holtze mangeln. Denn es ist gewiß / daß die unbegreiffliche Weißheit GOttes einem Lande oder Welt-Reiche diesem, dem andern jenen Himmlischen Seegen zugeleget. So weisset uns auch solche Göttliche Vorsichtigkeit gleichfals an / daß wir solcher Gaben mit Behutsamkeit brauchen sollen.

§. 10. Es finden sich aber nicht allein an obbemelten Orten des Meißnerlandes viel Gold- und Silber-Ertze / sondern auch Zwitter oder Zienstein / wie auch Eisenstein in grosser Menge / Kupffer und Bley-Ertzen / Wißmuth / Kobelt / Vitriol, Schwefel-Kiese / samt anderen mineralien und Farben / womit der Höchste diese Gegenden mildiglich gesegnet; wie denn das höchst-löbliche Hauß Sachsen allezeit einen Herrlichen Ruhm und Renomee erlanget / wegen der Berg-Wercke und des grossen Nutzen / so sie davon gezogen / und der gantzen Welt mit ihrer Müntze / Silber und Metallen gedienet hat.

Aus welchen gewesen OTTO DIVES, oder der Reiche / zugenahmet / ja alle Chur- und Fürsten des Sachsen-Landes Successive, wie sie das Ertz-gebürge besessen.

Solche Bergwercke nun sind fast das vornehmste Instrument, dadurch hiesiger und in benachbarten Orten Handel und Wandel aufgerichtet und erhalten wird / zumahl wenn mehr Manufacturen / aus deren rohen materien gefertiget werden solten / welches aber in andern Ländern geschiehet / und ihnen vermittelst der Fabriquen kosten einen grossen Vortheil bringet.

Aber hierzu gehöret eine grosse Menge Holtzes / so wohl die Schächte der Bergwercke zu verzimmern / zu Künsten und andern Gebäuden / als auch zum Rösten / Brennen / Schmeltzen und Gutmachung der Metallen / welches der grundgütige GOtt diesen Landen auch nicht versaget / und wie Er unter der Erden das Ertz gegeben / so giebt Er auch Holtz über der Erden.

§. 11. Zwar was das Ertz anbetrifft / solte mancher auff die Gedancken gerathen / daß weil dessen von langen Jahren her aus der Erde in hiesigen Landen eine unglaubliche Menge hervor gebracht worden / und wo es weg gehauen / solches nicht wie an andern Orten wieder wachsen und so nach darauff keine so grosse Rechnung zu machen seyn möchte.

Aber wir können mit Grund der Wahrheit sagen daß solches so lange die Welt stehet nicht zu consumiren seyn werde. Denn ob wir wohl nicht wissen / wie viel dessen unter der Erden ist / so ist doch aus Bergmannischen / oder Bergläufftigen Anweisungen gnugsam dar zu thun / daß solcher Schatz in diesen Landen unendlich sey.

§. 12. Hieraus ist nun leicht zu schliessen / daß die Gehöltze der gröste / ja der unerschöpffliche Schatz unsers Landes sind / darinnen dessen Auffnahme und Wohlfahrt bestehet / indem man dadurch so grosser Reichthümer von allerhand metallen habhafft werden kan / deßwegen sollen wir unsere oeconomie also und dahin einrichten / daß wir keinen Mangel daran leiden / und wo es abgetrieben ist / dahin trachten / wie an dessen Stelle junges wieder wachsen möge.

Es bestärcket Uns hierinnen / daß die hohen Landes Herrschafften / wo Bergwercke in ihren teritoriis anzutreffen / eyffrichst auf die Vermehrung derer Gehöltze gesehen / indeme sie die grosse Consumtion dererselben / durch die Befreyhung des Holtzes zum Bergwercken, so sie insgemein in Menge gegeben / und in ihren Berg-Ordnungen angeführet / wohl zuvor gespühret und abgemercket haben müssen. Dann sie haben befohlen / sich aller Orten auff Berg-Wercke einzulegen / und zu bauen / worgegen ihnen aus denen Wäldern zu aller Bedürffniß Schacht-Bauholtz zu auszimmerung derer Schächte / zu erbauung Hütten-Buchwercke und Kunstzeuge / auch Röst-Brenn-Holtz nach Nothdurfft ohne allen Forstzins gelassen werden solte; Kohl- und Treibholtz aber sollen sie 5. Jahr frey haben / und folgende Jahre auf Anweisung derer Forstbedienten / solches um einen gebührlichen / leidlichen und geringen Preiß jederzeit überkommen damit eine langwierige Erhaltung derer Bergwercke erfolgen auch zu wieder Erwachsung derer Gehöltze Sorge getragen werden möchte.

§. 13. Wie aber nun zu den Wieder-Auffwachs des ermangelnden Holtzes / mithin zu denen vielfältigen Glückseeligkeiten / so unsere Vorfahren und wir bey denen Bergwercken genossen / zu gelangen sey / möchte nicht unbillig Zweiffel entstehen.

Denn etliche sind der Meynung man müsse solches der gütigen Natur eintzig und allein überlassen / als welche den Wiederwachs und Anflug von sich selbsten herfür zu bringen Vermögen und Kräffte genug habe / massen auch in hiesigen und andern Landen selbige jederzeit / und ohne zu thun menschlicher Bey-Hülffe den Holtz-Vorrath sehr milde mitgetheilet / und stehe dahin ob das Säen und Pflantzen desselben als eine neue Sache practicable und nützlich sey / da man wohl die abgetriebenen Holtz-Refier mit bessern profit zu Acker-Bau und Wiesen-Wachs anwenden könne.

Allein wir wollen in folgenden Capitel weisen / daß die Sä- und Pflantzung des Holtzes kein neu Werck / sondern[WS 30] so wohl unsern Vorfahren als auch denen uhralten Römern bekand und bey ihnen in Ubung gewesen sey.

Inzwischen aber kan man bey jetzigen Zustand von der Natur alleine zu den benöthigten Berg-Bau und anderer Nothdurfft das Holtz in erforderter Menge nicht füglich und mit Bestande hoffen.

Denn / wie bereits oben erwehnet worden / bey dem Anflug und Wiederwachs nicht gebührende Sorge angewendet wird / so braucht es bey nahe eine Zeit von 100. Jahren / ehe das Holtz zum völligen Wachsthum gelangen solte / da unterdessen die übrigen Gehöltze angegriffen und consumiret werden müsten / woraus denn eine gäntzliche Verwüstung und desolation des Holtz-Wesens zu befahren stünde.

Man hat sich auch keine Hoffnung zu machen aus denen benachbarten Ländern / (welches doch die Kosten nicht ertragen würde) mit einen gnugsamen Vorrath zu versorgen indem der unerträgliche Holtzmangel sich bey nahe in gantz Europa blicken lässet.

Bey welcher Bewandniß gantz unläugbar / daß der nechste Weg zu Aufbringung des Holtzes dessen Säen und Pflantzen sey.

Alleine nichts desto weniger / will es noch zur Zeit das Ansehen haben / daß wenn uns nicht die höchste Noth hierzu zwinget / so wird man sonsten schwerlich daran gehen / ehe und bevor den gemeinen Sprichwort nach / uns das Wasser an Halß und ins Maul reichet / oder das Feuer mit Gewalt aus Feuerstein geschlagen wird. §. 14. So viel nun derer jenigen Meynung betrifft / die darvor halten daß wenn man ja mit Umreissung des Bodens / und mit Säen und Pflantzen umgehen solte / so sagen sie es wär ja besser man rottete das Gehöltze nur gar aus / und säete darvor Getreyde / an Korn Gerste und Hafer / so hätte man den Nutzen jährlich / da hingegen bey dem Holtz viel Jahr zu erwarten stünden / ehe selbiges recht zu gebrauchen: diesen dienet zur Antwort: daß hiesige Länder nicht so beschaffen / daß man an die jenigen Orte / wo Holtz stehet / Getreyde oder andere Feld-Früchte füglich säen könne / also daß viel Nutzen davon zu erheben seyn solte / gleich wie in andern Ländern es dergleichen Art hat / daß die meisten Wälder / zu guten tragbaren Feldern können gemachet werden / dahero man daselbsten den Acker-Bau der Waldung und Baum-Zucht billig vorziehen solte.

Aber es rotten doch die Einwohner der Orten nicht alles Holtz aus / sondern lassen daselbst zu nöthigen Gebrauch die Wälder stehen / und machen kein Feld darvon.

Hingegen so ist in hiesigen Landen der wenigste Wald-Boden zum Acker-Bau bequem / oder doch nicht austräglich / sondern das meiste Holtz stehet auf felsigten / steinigten / bergichten / kalten und nassen Boden / darauf das Getreyde wenig oder gar kein Fortkommens haben kan.

Wie dann bekandt / daß kein Winter-Korn und Gerste an den besten und wärmsten gebürgischen Orten / sondern nur schlechter Hafer wächset / und dahero zu befürchten / daß an denen Höhen / und an kalten / steinigten Gegenden gar nichts aufzubringen seyn möchte.

Und wenn die Düngung / Mühe und Arbeit / so man auf solchen Acker-Bau wenden muß / gegen den Nutzen / so von den schlechten daselbst gewachsenen Getreyde erhoben wird / gerechnet werden solte / dürffte sichs wohl zweiffeln lassen / ob es nicht rathsamer gewesen / man hätte dem Holtz / sonderlich wenn Laub- oder Schlag-Holtz zuvor daselbst gestanden / seinen Platz gelassen / welches ohne Arbeit und Unkosten jährlich seine Nutzung dargereichet hätte.

Dann es wird ohnschwer auszurechnen seyn / wie hoch der Nutzen[WS 31] theils Orten bey dem Acker-Bau gegen den Holtz-Bau stehe.

Gesetzt man besitzet 10. Acker Hut-Weyde / oder mäßig Getreyde-Land: wenn man die Hut-Weyde rechnet / so wird der Acker jährlich kaum auf ein weniges zu nutzen seyn; ist es aber mittel oder mäßig Geträyde-Land / und man ziehet die Unkosten / so an Acker-Lohn / an Düngung / an Saamen darauf gewendet / darvon ab / so wird auch wenig übrig bleiben.

Hingegen wenn solches Land mit Aschen / Eichen und dergleichen andern Saamen besäet wird / so kan man in 30. 40. biß 50. Jahren so viel 1000. Stämme / die darauf wachsen können / um etzliche 1000. Thaler verkauffen / und ist die Hut-Weyde darneben continue zu nutzen / ingleichen das Holtz / an Aesten / Reißig / dürren Stämmen / und dergleichen welches allein sich jährlich so hoch beträgt / als obgedachte Getreyde Nutzung nicht thun kan.

Uber dieß / so hat man auch keine Casus foruitos oder unglücks-Fälle / als Wetterschlag / Miß-Jahre etc. dabey zu besorgen.

Wenn man aber nur von 10. Ackern Hut-Weyden oder Acker-Land 10. Thlr. jahrlich nehme so träget es in 30. Jahren 300. Thlr. aus, und also ist leicht die avantage bey dem Holtz-Bau-Land zusehen / wie solches viel verständige Hauß-Wirthe experimentiret / sonderlich wenn man hierzu rechnet / daß man sein eigen Holtz in der Nähe hat / und solches nicht mit schweren Kosten / und Fuhr-Lohn von ferne anschaffen darff / ich geschweige wenn junge Stämmlein darauf gezogen / und zu 100. und 1000. davon verkaufft werden solten.

§. 15. Nachdem langwierigen teutschen Kriege zwar / da viel Dörffer lange Jahr wüste gestanden / die Felder ungebauet gelegen / und wehrender Zeit mit Busch-Werck und Gehöltze überzogen worden / ist es gar rathsam gewesen / solch Gehöltze wieder auszurotten / und in Acker-Bau zu verwandeln; Aber nunmehro da die Felder schon vorlängst aufs neue gesaubert / scheinet es wieder das geringe und Holtz-Land eine Gewalthätigkeit zu seyn / wenn man die Natur in ihren Wercken verhindern / und wieder ihren Genium derselben andern als Holtz-Saamen aufdringen wolte.

Es wäre nützlicher / daß das jenige Land / so zum Wiese-Wachs und Getreyde-Bau vorietzo gebrauchet wird / besser zugerichtet gedünget / und gepfleget würde / als wohl gemeiniglich geschicht / so würde es auch mehr Früchte tragen / und genutzet werden können; Hingegen wenn die geringern Felder zum Holtz-Wachs gezogen / und die jenige Düngung / so in diese fast vergeblich gestecket wird / zu dem guten Feldern gebraucht und dadurch solche verbessert / auch allenfalls nach advenant die Wiesen gedünget würden / so würde an Getreyde für Menschen / und Futter vors Vieh nicht leichtlich Mangel vorfallen.

Gleich wie nun bißhero eine grosse Inclination bey jederman gewesen / die Höltzer auszurotten und Felder und Gräserey daraus zu machen / also solte bey jetzigen Mangel des Holtzes jederman einen Muth fassen / und sich des Säens und Pflantzens des Holtzes müglichst befleißigen und annehmen / auch sich sicherlich persuadiren / daß der Holtz-Bau / dem Ackerbau / wie jetzo gedacht / in vielen gleich zu aestimiren / und zu befördern seyn.

Unsere Vorfahren / und wir theils anjetzo / haben annoch so wohl grosse Wälder als auch unangebauet und wüste Land hiesiger Orten gesehen und gefunden; allein nachdem nunmehr solche alte Stammhöltzer meist abgetrieben / und wir bis an die äuserste Gräntze dieser Wälder kommen sind / gleich wohl aber des Vaterlandes grosse Nahrung von Holtz zu hoffen auch des Bergwercks aufnehmen darinnen bestehet / und also selbe nicht zu entbehren seyn / so muß diesem obherrschenden Mangel mit Holtz-aufpflantzen / und Säen entgegen getreten / und solte so zu sagen kein Plätzlein oder Flecklein / da man Bäume pflantzen kan / leer gelassen werden / wie denn die klugen Sineser das Lob haben / daß sie nicht einen Fuß breit Erde ungenutzet liegen lassen) und wenn wir gleich alle müglichste Mühe und Arbeit hierunter anwenden / so werden wir doch zu thun haben / so viel Holtz zuerbauen / als man in Zukunfft benöthiget seyn möchte: Auch ob man gleich die Räume und Plätze / so in den Wäldern bebauet / hinwiederum mit jungen Holtz anfliegen lassen wolte / so können unsere Nachkommen doch keine solche ausgewachsene Höltzer erlangen / ob sie schon diese 100. oder 200. Jahr schonen und heranwachsen lassen wolten.

Thut derowegen ein Hauß-Vater auf dem Lande wohl / wenn er nach Beschaffenheit seines Bodens / wo ein Raum ist / Bäume zupflantzen / bedacht wäre / nehmlich auf Trifften Hutweyden / Hügeln / Bühheln / an Zäunen Gräben / Strassen / Angern / Ufern / Tännen / u. s. f.

§. 16. Es finden sich wohl ferner / wie bereits erwehnet / solche Leute / die nicht gerne an dieses Baum säen und Pflantzen gehen wollen / aus Beysorge der Unkosten / die etwan darauf gewendet werden möchten / und deren man sich nicht so bald wieder zuerhohlen hätte; Allein denen dienet dieses zur Antwort: daß solche Unkosten / die man zu dergleichen Holtz-Bau anleget / aus vielen hin und wieder angeführten rationibus nicht können Vergebens seyn. Verwundern muß man sich wohl / daß die meisten Vermögensten Leute auf grosse Häusser / Palläste / Schlösser und dergleichen Baue / ihr meist vermögen anwenden; wär aber vielleicht vorträglicher / wenn sie ihren Grund und Boden anzubauen / und zu verbessern suchten / als welches doch ihnen so wohl / als denen Nachkommen und dem gemeinen Besten weit nutzbarer fallen dürffte.

Aber leider! noch zur Zeit findet sich hierbey noch nicht gnügliche Sorge noch Liebe / Eyfer / und Anstalt.

Man siehet ja bey diesen den unfehlbaren Nutzen gleichsam vor Augen / und daß die Unkosten vielfältig wieder ersetzt werden können / gleich wohl will man nicht allerdings trauen / und bey Zeiten solch hoch nützlich Werck fünehmen und angreiffen / da doch hierdurch dem gantzen Lande / und sonderlich dem Ertzgebürge ein sonderlicher Trost zu künfftiger besserer Nahrung und Unterhalt bey bracht und zugezogen werden könte. Es ist auch nicht allezeit das jenige / was etwan / geringe und unvorträglich gehalten wird / auch dergleichen in Werck selbsten / oder in der That / und kömmt es endlich an den Tag / daß was zum öfftern allen andern Dingen nachgesetzet worden / künfftiger Zeit vor das nöthigste gehalten und hochgeschätzet werden muß.

Also verhält sichs auch mit dem wilden Holtz-Anbau / derselbe ist bißhero und fast gar für nichts geachtet worden / ja niemand hat daran gedacht / geschweige Hand angeleget / und nun sehen wir / daß man selbiges nicht mehr entrathen und weniger als einer andern großen und importanten[WS 32] Sache / entbehren möge / auch daß es wohl würdig sey / alle menschliche Kräffte zu adhibiren / solchen in einen gewünschten Stand zusetzen / wo man anders die Würdigkeit eines Dinges nicht nach der Einbildung und übeleingerissenen Welt-Meinung / sondern nach der That / und Wahrheit schätzen wolle.

§. 17. Man überlege in etwas und zehle / wie viel auf einen verwüsteten und nicht völlig angeflogenen und bewachsenen Acker Holtz an Bäumen befindlich / und setze dargegen / wie viel Stämme mehr / als jetzt alda verhanden / darauf stehen könten / da wird man finden und ersehen / daß viel daran mangeln / und daß solches nur von des Besitzers Nachläßigkeit herrühre. Wenn man nun auf so viel 1000. Acker eine Ausrechnung machet e. g. Es mangeln auf einen Acker nur 20. Stämme / so träget es auf 1000. Acker 20000. Stämme / und in eines gantzen Landes Refier viel 100000. aus / welches wie jederman gestehen wird / keine Sache von geringer Importanz ist / wenn solche durch Säen und Pflantzen vermehret werden können.

Und ob gleich gesaget werden wolte / wenn so viel 1000. Stämme mehr / als sonsten / auf eine gewisse Refier gesetzet und gepflantzet würden / so könte solche das Land nicht ertragen / oder ihnen gnugsame Nahrung geben / oder es würde wenigstens den Grund und Boden sehr ausbauen und mager machen; so wird doch die vorsichtige Natur hierauff selber antworten / nehmlich daß ein jeder Baum seine Düngung jährlich selbst bey- und auf sich trage und von sich werffe / nehmlich das Laub / Sprößlein / Aestlein / Blüthen / Schalen / Tangeln und die Fettigkeit / so von ihm durchs Regen- und Schnee-Wasser abgewaschen / und dadurch Grund und Boden wieder verbessert wird.

§. 18. Man considerire nun ferner was vor Nutzen zu hoffen / wenn so viel Stock-Räume / leere Plätze und von zahmen und wilden Vieh verbissene und verbuttete Holtz-Refieren besäet und bepflantzet werden / und wenn solche mit Holtz wohl bestanden / oder wohl angeflogen / um wie viel mehr und höher selbige zu taxiren / als die leeren Platze / so jetzo von keinen Werth sind. Es ist auch leicht zu judiciren / wie ein Land / so mit Holtz wohl bewachsen / gegen eines so von solchen wüste / zu aestimiren / und wie viel hingegen die Taxa, eines gegen das andere gerechnet / bey so viel 1000. Ackern dergleichen leeren Plätzen und Stock-Räumen an Werth dem Eigenthums-Herrn fallen / mithin solches so wohl Ihn / als auch den Anwohnenden in ihrer Nahrung Schaden bringen müsse; wenn dahero hiesiger Lande Wälder / so bald solche abgetrieben / wieder in Anflug bracht würden / um wie viel Tonnen Goldes / wären solche vorietzo mehr werth / als sie nicht sind?

Bey dieser Bewandniß will allen und jeden Haußwirthen den GOtt mit Höltzern und Wäldern begabet / ohn Zweiffel obliegen / daß sie als Landes- und Hauß-Väter / Vorsorge und Anstalt treffen, damit solche in beständigen und continuirlichen Nutzen erhalten werden / auch von jeder Gattung und der besten Art Holtzes dabey erwachse und verhanden / insonderheit kein unbesäeter / oder unbepflantzter Platz und Raum darinnen zu finden sey.

§. 19. Man hat dabey nicht nöthig sich alleine weitläufftig auf Befehle und Verordnungen zu beziehen. Die heilige Schrifft giebt uns hierzu Befehls genug. Denn es hat ja die höchste Göttl. Maj. dem Menschen das Land bauen / und also die Gewächse folglich auch das wilde Holtz fortpflantzen heissen. Gen. 2. V. 5. & 15. Sonderlich aber ist nach dem Sünden-Fall seinen allerheiligsten Willen gefällig gewesen, daß er / dem Menschen nicht unmittelbarer Weise / sondern wenn auch dieser seiner Hände Arbeit anlegen würde / Nahrung und Unterhalt geben wolle. Abraham kam diesen selber nach, indem er Gen. 21. Bäume / oder vielmehr nach der Grund-Sprache / einen Wald oder Gehöltze pflanzete. Hiernechst so ist das Säen und Pflantzen des Holtzes für eine lobens-würdige / ehrlich und höchstnöthige Sorge, unternehmen, und Arbeit zu achten / ja es wird nicht gnugsam zu loben / zu preisen / oder mit einen gebührenden Titul völlig zu beehren seyn / weil es das sicherste Mittel an die Hand geben wird / dem Holtz-Mangel künfftig von hiesigen und andern Landen abzuwenden / zu mahl bey denen vielen weitläufftigen abgetriebenen / und gantz nackenden Holtz Refieren / welche doch in kurtzer Zeit wieder mit Anflug bedecket / und die intraden durch so viel millionen Stämme Holtz / die dadurch erzeuget werden mögen / in infinitum und ungläublicher Weise / nicht allein durch die Holtzung selbsten / sondern auch durch die viele daher entstehende Commercia vermehret und beständig erhalten werden können / dadurch wir auch bey Betrachtung / Verwunderung / und Anschauung derer Göttl. uns zu gut gegebenen Geschöpffe / Gottes Wohlthaten erkennen / und ihm um solche preisen solten / auch uns derselben zu unsern Nutz gebrauchen und sie nicht verschwenden / oder deren Anwachs negligiren / sondern vielmehr keinen Fleiß / Arbeit Sorge und Nachtrachtung dabey spahren / biß es zu glücklichen Stand gebracht worden.

§. 20.[WS 33] Es ist aber auch bey dergleichen guten Vorsatz keine Zeit zu verlieren / natura progrediens semper multiplicatur per media. Das ist / weil die Natur ihre Vermehrung nicht anders als durch gewisse Mittel thut.

Denn je mehr Jahr vergehen / in welchen nichts gepflantzet und gesäet wird / je langsamer hat man den Nutzen zugewarten / und um so viel tausend leidet man von Zeit zu Zeit Schaden / ja um so viel mehr geschicht weitere Verwüstung / daß endlich die annoch verhandenen Gehöltze angegriffen / vollends consumiret / und sich je mehr und mehr vermindern müssen.

Cum labor in damno est crescit mortalium egestas D. i. Wo Schaden aus unterbliebener Arbeit kommt / da wächst der Menschen Armuth und Dürfftigkeit. Es lässet sich auch der Anbau des Holtzes nicht so schleunig wie der Acker-Bau tractiren; Denn ob gleich in zwey / drey oder mehr Jahren nach einander ein Mißwachs beym letztern sich ereignen solte / so kan hernach ein einig gesegnetes und fruchtbares Jahr / gleich wie bey dem Wein-Wachs / alles wieder einbringen; da hingegen wenn das Holtz einmahl verwüstet / so ist der Schade in vielen Jahren / sonderlich was das grobe und starcke Bau-Holtz anbelanget / ja in keinem seculo zu remediren / zumahl in zwischen sich allerley vicissitudines Rerum und Veränderungen begeben können.

Gestalt ein Hauß-Wirth es befördert und bauet / der andere hingegen versäumet und wohl gar verwüstet / was etliche Jahr gebessert worden; und überhaupt zu reden wo aus dem Verzug einige Gefahr zu besorgen und der daraus entstehende Schade unwiederbringlich / da muß man keine Zeit versäumen / und also man das Baum-Säen und Pflantzen eiligst zur Hand nehmen / alldieweil eine lange Zeit erfordert wird / ehe die wilden Bäume zu gebührender Höhe / Stärcke und Nutzen können gezogen werden / zumahl da wir bereits erwehnet / ja ausser allen Zweiffel ist / daß die wunder-volle und schöne Gehöltze bißher der gröste Schatz vieler Länder gewesen sind / so man vor unerschöpfflich gehalten / ja man hat es unzweifflich vor eine Vorraths-Kammer angesehen / darinne die meiste Wohlfarth und Aufnehmen dieser Lande bestehen / und so zusagen das Oraculum gewesen / daß es ihnen an Glückseligkeit nicht mangeln könte / indem man dadurch so vieler Schätze an allerhand Metallen habhafft werden könte; Aber da der unterste Theil der Erden sich an Ertzten durch so viel Mühe und Unkosten hat offenbahr machen lassen / da will nun Mangel vorfallen an Holtz und Kohlen dieselbe gut zu machen; Wird derhalben die gröste Kunst / Wissenschafft / Fleiß / und Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen / wie eine sothane Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen / daß es eine continuirliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe / weiln es eine unentberliche Sache ist / ohne welche das Land in seinem Esse nicht bleiben mag.

Denn gleich wie andere Länder und Königreiche / mit Getreyde / Viehe / Fischereyen / Schiffarthen / und andern von GOtt gesegnet seyn / und dadurch erhalten werden; also ist es allhier das Holtz / mit welchem das edle Kleinod dieser Lande der Berg-Bau nehmlich erhalten und die Ertze zu gut gemacht / und auch zu anderer Nothdurfft gebraucht wird.

§. 21. Wie aber in einen Lande wieder zu Holtze zu gelangen / und der Anflug und Wiederwachs, bevorab des Fichten- und Tannen-Holtzes zu befördern wären vielleicht wohl Mittel zu erfinden / wenn zum Exempel nicht nur die Unterthanen auf ihren eignen Güthern gewisse Refieren mit Holtz-Saamen besäeten und bepflantzeten / sondern es könte auch gegen einen gewissen Lohn und Gedinge auf denen Herrschaffts-Wäldern solches je eher je besser bewerckstelliget und verordnet werden.

Gleich wie nun in andern Ländern gar heilsam dergleichen eingeführet / eine abgezeichnete Gegend wieder zum Anflug sonderlich von Tannen- Kiefern- und Fichten-Holtz / auch von den jenigen Laub-Holtz so schleunig wächset zu bringen / also würde dieses auch darzu dienen, daß sie einander in dieser Ubung aemuliren / sothaner Wissenschafft besser nachtrachten / und sich darinnen perfectioniren dürfften.

Ist auch nicht zu zweiffeln / daß zu diesen Wercke gewisse Personen[WS 34] oder Pfleger der wilden Bäume sich finden solten / welche von denen Besitzern der abgetriebenen grossen Holtz-Refieren angenommen / hierzu instruiret / und solche subjecta ausgesuchet werden könten / so ein sonderlich naturel darzu haben / oder Beliebung darzu trügen / daß sie gegen ein vergnügliches praemium alsofort Hand ans Werck legen würden / und schon unter ihnen solche Personen erwehlen / die in Hoffnung weiterer Beförderung zu erlangen / sich mit grosser Emsigkeit darauf legen / und alle Mühe / Fleiß und Sorgfalt anwenden werden / den endlichen guten Zweck zu erreichen.

§. 22. Es wird auch nicht fehlen oder mangeln / so bald curieuse Personen und Liebhaber sehen und erfahren werden / daß sie sich durch diese Wissenschafft insinuiren / und ihren Unterhalt dadurch erhalten mögen / sie sich mit höchsten Fleiß bewerben würden / nicht allein solche Wissenschafften besser zu erlernen; sondern auch von frembden Orten allerhand wilde Gewächse und Saamen anhero zu verschaffen und zu tentiren / ob sie auch in hiesigen Landen nützlich fort und aufzubringen / wie dann allbereits bekand, daß unterschiedene hohe Jagd- und Forst-Officirer mit Baum-Saamen säen einzige Proben gemacht / und solche für gar gut befunden.

Wenn nun der gemeine Mann spüret / daß hoher Orten das Säen und Pflantzen der Wälder vorgenommen und glücken wird / so wird er ohne Zweiffel ein gut Exempel hiervon nehmen / und nach eusersten Vermögen dahin streben / solchen nachzuahmen / und seinen Nutzen damit zuschaffen.

Es kan auch eine jede Obrigkeit bey willkührlicher Straffe ihren Unterthanen auferlegen / Holtz und Bäume zu säen und zu pflantzen / und dadurch die bißherigen wüsten Plätze zum Anbau zu bringen.

Hierbey ist sich auch wohl zu persuadiren / daß so bald ein und andere vermögende particulier Person den verhoffenden Nutzen von Säen der wilden Bäume / würcklich vermercket / sie auch andere hierzu anmahnen / Vorschub und Vorschuß hierinnen thun / und dieses Werck fleißig befördern wird / denn die teutsche Nation ohne dieß den Ruhm hat / daß sie den Anbau ihres Landes embsiglich suche und befördere.

Es würden auch benachbarte und auswärtige solchen nachzufolgen / und ihren Nutzen hierunter zubeobachten nicht ermangeln.

§. 23. Ein wunderschönes Exempel, so wohl einer von hohen Potentaten zur Aufmunterung des Holtz-Säens und Baum-Pflantzens / rühmlichst geführter Liberalität / als auch eines Unterthanen guter intention solches zu GOttes Ehren / und derer Nachkommen Besten zu verrichten / finden wir in nachfolgenden / nehmlich: Als Käyser MAXIMILIANUS II. in Italien reisete / und einen Bauer antraff / der Datteln pflantzete / welche erst nach 100. Jahren Früchte bringen / fragte er: Männlein was machest du? Der Bauersmann sagte: Allergnädigster Käyser ich pflantze Datteln. Ey sagte der Käyser / wem zu gute? Er antwortete: Ich thue es GOtt und denen Nachkömlingen zu gefallen.

Welche Antwort und gute Meynung dem Käyser so wohl gefallen / daß er dem Pflantzer 100. Thlr. zur Discretion bezahlen ließ. Gleichfalls ist merckwürdig / wie Heinrich der dritte König in Franckreich / eine sonderbare Vorsorge getragen / durch Baum Pflantzen, seinen Unterthanen eine nützliche Nahrung und Hauß-Arbeit anzuschaffen. Zu dem Ende führte er den Seyden-Wurm / und folglich das völlige Seydenwerck ein / ließ die weissen Maulbeer-Bäume in grosser Menge säen / und pflantzen / dabey eine ausführliche Beschreibung / und Ordonnance höchstlöbl. ausfertigen / wie man besagte weiße Maulbeer-Bäumlein aufbringen / pflegen / und warten solle / auch dieserwegen ein besonders Buch durch PETRUM METAGERUM zu Paris in Druck ausgeben / unter dem Titul DE SATIONIS MORORUM DISCIPLINA, und solches Buch ist auf Königl. Befehl / in alle Kirchspiele vertheilet worden.

§. 24. Wann ein jeder Einwohner und Landmann / so Feld oder Land-Güter hat / nach proportion seines Grundes und Bodens / und nach advenant nur 3. oder 4. wilde Stämme / der andere 10. der dritte 100. der vierte 1000. der Fünffte 10000. und so fort jährlich ansäet oder pflantzet / welches bey denen grossen weitläuftigen / abgetriebenen Refieren sich auf etliche Millionen betragen muß / wie hoch kan sich alsdenn die Summa belauffen / und wie hoch kan der Werth und der Nutz eines Landes in kurtzen ansteigen / wenn also dasselbe in weniger Zeit mit so viel Millionen Stämmen vermehret wird / bevorab mit dem Schlag-Holtz / welches man innerhalb 6. 7. 8. oder 10. Jahren schon geniessen kan.

§. 25. Daß aber dergleichen Holtz-Säen und Pflantzen practicable, braucht keines weitläufftigen Erweises / denn es ist der unfehlbare Schluß zu machen / läßet sich das Baum-Saamen-Säen in andern Ländern / als in Franckreich / Engelland / Norwegen / Westphalen / und an vielen Orten Teutschlandes mit grossen Nutzen practiciren / wie solches in folgenden Capitel ausgeführet werden soll / warum in unserm Ertz-Gebürge auch nicht / da der Boden hierzu eben so tüchtig / als an andern Orten ist / über dieß kein Mangel an Einwohnern / so solche Arbeit wohl verrichten können / und ihnen an industrie hierzu nicht fehlet.

Es wird auch hierdurch der gemeine Mann Anlaß bekommen / daß in dem er höchst nöthig und nützlich befindet / wilde Bäume zu säen und zu pflantzen[WS 35] / er umb so viel desto mehr sich der Fruchtbaren Obst-Bäume Erzielung annehme / wie es denn auch ohne Zweiffel eine unverantwortliche Sache ist / sich des guten Landes / so uns GOtt vor andern gegeben / nicht zu gebrauchen / und dessen Anbau / unachtsam zu versäumen.

§. 26. Damit aber nun der Holtz-Anbau desto mehr befördert werden[WS 36] möchte / so wäre unter andern dahin zu trachten / daß die Angebaueten durch allzu viele Beschädigungen der wilden und zahmen Thiere nicht wieder in Ruin gebracht werden / denn dadurch das arme Volck verzagt gemacht wird / etwas fortzupflantzen / und einige Mühe / Arbeit und Sorge daran zuwenden / als welche es alle umsonst gethan siehet / ja seinen Bissen Brodt und Vermögen von den Thieren verzehret zu seyn betauern muß.

In Summa / wie die Consumtion derer Gehöltze / und der darauf ungezweiffelt erfolgende Schade des armen Landes ohne Schmertzen und Jammer nicht wohl anzuschauen / so wäre es nun hohe Zeit so viel nur müglich / solchen Ubel vorzubeugen / und Anstalt zu machen / damit der so wenige Wiederwachs zu bessern Aufkommen befördert / und nicht alles ohne Unterscheid / ehe es zu seiner Vollkommenheit gediehen / hinwieder abgetrieben / und desolirt werde / allermeisten da es nach gerechnet werden solte / und gewiß ist / daß aufs 100. an 50. Schade dadurch geschiehet; Nichts minder sollen Vornehme und Niedrige / Reiche und Arme / jener mit seinem Gelde und Anstalt / und dieser mit seiner Arbeit dem Säen und Pflantzen zu statten kommen / damit alles untragbare Land / so viel nur müglich gebessert und zur Nutzung anbracht werde; wie denn in andern Ländern / dieses so fleißig practiciret wird / das keine Kosten hierunter gespahret werden / ob gleich zu Zeiten mehr aufgewendet und zum Unkosten erfordert wird / als die Sache an sich selbsten würdig / so bleibet doch hernach der unfehlbare Nutz dem Lande / und die Unkosten samt der Arbeit sind auf einmahl / oder doch nach und nach verschmertzet.

Allein wie wohl nach dem Xenophonte La culture de la terre est un art veritablement noble, & capable mesme de communiquer de la noblesse aux gens qui en font profession.

Das ist: Der Feldbau eine wahrhafftig edle Kunst ist / und vor sich selbst geschickt / diejenige so hiervon profession machen / zu veredeln und nach des Catonis Auspruchs: Virum bonum cum antiqui laudabant, bonum colonum praedicabant & amplissime laudatum existimabant; oder wenn die Alten einen rechten Biedermann loben wolten / so nennten sie ihn einen guten Landmann / und vermeinten daß sie Ihm hierdurch ein sattsames Lob beygeleget hätten. so möchte man doch nicht unbillig mit Columella sagen / und klagen; sola res rustica quae sine dubitatione proxima, & quasi consanguinea sapientiae est, tam discentibus eget, quam Magistris.

Das ist: Der eintzige Feldbau / der doch nach der Welt-Weißheit die vornehmste Wissenschafft und mit derselben verschwistert ist / befindet sich in dem Stand / daß selbigen weder jemand lernen noch lehren will; und also haben schon die Alten darüber ihre lamentationes geführet.

Aber der hieraus entstehende Schaden ist unbeschreiblich.

Ein schmertzlich Exempel hat man an dem gelobten Lande / in welchem Milch und Honig innen floß / das aber wegen unterlassener Cultur, nunmehro in eitel Unfruchtbarkeit und Mangel verwandelt ist. Da aber nun ein Land sich durch das Holtz-Säen selber glücklich machen kan und gnugsame Gelegenheit darzu hat / so wird gehoffet / man wird solche avantage nicht aus den Händen gehen lassen / in deme doch abgetriebene Holtz-Refieren / so sich zum Besäen und Pflantzen darbieten / zur Gnüge verhanden sind / anbey auch an Volck und verständigen Leuten kein Mangel zu spüren ist.

§. 26. Es wolten endlich zum Beschluß die grossen Gebürgischen Wälder / oder vielmehr Stock-Räume wohl selber gerne ihre Blösse und Armuth an Holtze klagen; allein es mangelt ihnen wohl an der Stimme / so ihre Einwohner für sie solten hören lassen; jedoch mahnen sie in Anschauung ihrer Blöße / jederman hierzu an, und beklagen sich / daß ob gleich ihnen die Natur zu zeiten behülfflich ist / und durch Anflug ein gering Schürtzgen oder Röckgen zu wirfft / so werden sie doch davon durch die unverschämte Holtz-Axt / oder hungerigen Magen des Viehes / ehe sie es fast gewahr werden können / gäntzlich wieder davon entblößet.

Und ob man gleich das geringste Interesse dabey nicht hätte / so würde man doch genöthiget / dieser stummen Creaturen Noth und Anliegen (indem sie gleichwohl ihren Einwohnern gerne mit ihren Gewächsen dienen wolten / aber daran so mercklich / gehindert werden) in etwas zubedencken / und Mittel an die Hand zu nehmen / wie sie dießfalls nebst ihren An- und Einwohnern zu soulagiren.

§. 27. Wenn wir aber nun so thane weitläufftige von Holtz entblöste Refieren und Gebürge erblicken / und darbey auf die Gedancken gerathen solche hinwiederum mit sattsamen Anflug und Bäumen aufs schleunigste zu bedecken / so wird zugleich mit gefraget / welches der bequemste und schleunigste Weg hierzu seyn möchte / ob das Saamen-Ausstreuen / oder aber das Bäume versetzen / welches sonsten das Verpflantzen genennet wird? Bey dem letztern ist zu erwegen / daß öffters dergleichen Blössen anzutreffen / die sich auf etliche Meilweges erstrecken.

Wenn nun selbige mit jungen Bäumen besetzet werden solten / so dürffte nicht allein eine gute Zeit hingehen / ehe man mit Anrichtung derer hierzu erforderten Baum Schulen zu Stande kommen könte; sondern es würde auch diese Arbeit nicht wenig Unkosten erfordern / welche doch grösten Theils vergeblich und umsonst seyn dürfften / in dem die Wintergrünenden Bäume / oder das so genante Tangel-Holtz insgemein sich nicht wohl versetzen läst / oder wenn man solches auff sothane Art fortzupflantzen vermeinet / entweder gar nicht fortkömmt / oder doch keinen rechten Wachsthum hat / darvon unten mit mehrern gehandelt werden soll: Also wird der erste Weg wohl das allerbeste und sicherste Mittel seyn / daß wenn man grosse Refieren zum geschwinden Anflug bringen will / solches durch Ausstreuung des Baum-Saamens geschehe / und zwar / weil es einerley kosten / Mühe und Arbeit erfordert / von denen nützlichsten und schleunig wachsenden Arthen des Holtzes.

Jedoch ist auch nicht undienlich oder zu wiederrathen daß in denen Gehauen / so zum Holtzschlag ausgesetzet / mit Holtzschlägern schon beleget / oder doch künfftig beleget werden sollen / gnügliche / und zum Saamen tragen taugliche Saam-Bäume / stehend gelassen werden / damit man nicht allein Saamen davon sammlen / sondern auch die Stockräume selber dadurch besaamet / und zum Anflug bracht werden können.

Ist es aber möglich / daß dergleichen Räume mit der Hand zu besäen seyn / so hat man desto eher / und sicherer einen durchgehenden / oder über und über sich ausbreitenden und einen egalen oder gleichen Anflug / nehmlich / daß die Stämmlein eines so groß als das andere herfür wachsen / zuhoffen / welches letztere dann einen großen Zuwachs an Bau- und Brenn-Holtz praesagiret.


Das Achte Capitel.
Von der Alten / auch anderer Nationen Bemühung
beym Holtz-Säen / und der hierzu erforderten
Wissenschafft.

§. 1. Ob man allemahl bey dem alten bleiben solle?

§. 2. 3. Ob man das Holtz wie unsere Vorfahren von der Natur erwarten solle?

§. 4. Das Holtz-Säen ist nichts neues.

§. 5. Erzehlung etlicher Nationen in Europa, bey denen das Holtz-Säen und Pflantzen üblich.

§. 6. Dergleichen von unterschiedenen Orten in Asia,

§. 7. America,

§. 8. Africa und

§. 9. In denen colonien.

§. 10. Käysers Heinrici VII. zwey mandata de anno 1309. und 1310. wegen Wieder-Anbau des verwüsteten Holtzes.

§. 11. Augusti, und andere Churfürsten zu Sachsen unterschiedene Anstalten zur Holtz-Säen und Pflantzen in hiesiger Landen / desgleichen

§. 12. Hertzog Friedrichs zu Sachsen-Gotha de anno 1695.

§. 13. Warum man in hiesigen Landen das Holtz-Säen wieder unterlassen.

§. 14. Caroli V. Holtz-Ordnung in Spanien.

§. 15. Braunschweigische und Hessische Ordnungen vom Holtz-Säen und Pflantzen.

§. 16. Des Königs in Franckreich de anno 1669. Holtz-Ordonnance von Besäung der leeren Plätze und Stockräume.

§. 17. Lüneburgische / Bäyerische und andere gleichmäßige Verordnung.

§. 18. Erweiß daß die Wissenschafft von Sä- und Pflantzung der wilden Bäume nicht eben so schwer / jedoch zu excoliren sey.

§. 19. Von denen Büchern worinnen solche enthalten gewesen.

§. 20. Warum unsere Vorfahren darvon nichts hinterlassen.

§. 21. Ob sie leichter sey als der

Ackerbau?
§. 1.

WEnn von der nunmehr unumgänglichen Nothwendigkeit und künfftigen grossen Nutzen des Holtz-Säens und Pflantzens eine Erwehnung geschicht, so wird man (wie bereits oben erwehnet) bald hören / es sey dieses nicht nur eine vergebliche / sondern auch ungewöhnliche neue Sache / daß man mit der Hand gedächte grosse Refieren und weitschweiffige kahle Plätze mit Bäumen wieder zubesetzen / welches bey den Vätern nicht gesehen worden.

Et dubitant homines serere, atque impendere curam sagt der Hauß-Wirth Virgilius, daß nehmlich jederman bedencken trüge / Mühe und Arbeit dran zu wenden.

Nun ist es wohl an dem / wenn in einem Lande ein Mißbrauch oder Unordnung und Unwissenheit einmahl eingeschlichen / so bleibet solche gemeiniglich so feste / daß die Posterität dergleichen üble und veraltete Gewohnheit abzuschaffen / viel zu schwach und verdrossen wird / verharret also selbige bey denen Einwohnern dergestalt eingewurtzelt, und läst sich nicht ausbilden, biß das contrarium durch viel Exempel dargethan wird.

Aber man mag die Augen hin wenden wo man will / so findet man bey allen occupationen, Handwercken und Wissenschafften / daß bey jeden etwas neues und nützliches von wenig Zeiten her ersonnen und für gut probiret worden.

Und zwar da man von dem gemeinen Wahn / Gebrauch und methode abgewichen / so hat man wahrgenommen / daß in einem und dem andern eine Verbesserung erfolget / oder doch viel Arbeit und Unkosten erspahret / überhaupt aber ein näherer Weg und dienlichere Mittel erlanget worden.

Warum solte dann auch bey der höchstnöthigen Sylvicultura dergleichen nicht zu hoffen seyn?

§. 2. Zwar es will anietzo niemand hierunter Hand anlegen und einen Versuch thun / sondern / wie unsere Vorfahren / solches allein von der gütigen Natur erwarten.

Und ob gleich unterschiedene Oerter / Dörffer und Städte selber keine eigene Höltzer haben / und in etlichen Seculis solche zu Feldern und Wiesen gemacht / so meynet man doch / daß nachdem sie des benöthigten Brenn- und Bau-Holtzes hätten in der Nachbarschafft erholen können / so werde künfftighin uns eben dergleichen Weg offen stehen / und wir einsten an Holtze verhoffendlich keinen Mangel zu befürchten haben.

Allein da jetzt fast nirgends mehr von Holtze was anzutreffen / wird sie und uns der anscheinende Mangel den Wiederwachs und dessen Pflantzung mit menschlicher Arbeit / und Hand zu befördern / schon lernen.

Und weil durch Menschen-Hand das Holtz bißhero verödet worden / als werden wir GOtt anzuruffen haben / daß er unsere Arbeit hierunter segnen / und zu künfftigen Säen und Pflantzen ersprießliches Gedeyen geben wolle / damit durch Menschen-Hand das Holtz-Wesen auch wieder erhoben werde.

Dann man darff nicht alles der Natur / und denen accidentien / so sich dabey ereignen können / alleine überlassen / sondern man muß müglichster massen / wo hülffliche Hand anzubringen / allenthalben succuriren / so wird alsdenn / nechst Göttlicher Hülffe / ein guter Endzweck darauf erfolgen.

Dann es heisset vorietzo recht: in horum productione plus hominis industria, quam natura occupatur, seu quos natura, nisi factum hominis accedat, vel omnino non vel vix, & parcissime producit. aus dem l. 45. ff. de usur. welches so viel gesagt ist: Das Holtz-Wesen ist in dem Stande / daß der menschliche Fleiß zu dessen Hervorbringung mehr beschäfftiget seyn muß / als die Natur.

Oder: Die Natur bringet ohne menschliche Beyhülffe solches entweder gar nicht / oder doch sehr sparsam hervor.

§. 3. Die gütige Natur hat zwar stetig ihre Wirckung und noch so gut / als vor alten Zeiten / die Welt mit Holtz weiter zuversehen / zumahl wenn wir Verstand und Hand mit anlegen / wie GOtt selbst geboten: Im Schweiß deines Angesichts etc. allermassen das Holtz unentbehrlich ist / und deßwegen höher als Edelgesteine und Gold zuschätzen.

Man giebt es auch gar gerne zu / daß die Natur hierinne das beste thue / wenn von ausgefallenen und von dem Wind hin und her gestreuten Saamen ein feiner Anflug und Wiederwachs sich ereignet; Aber wie viel leere Plätze haben nun lange Jahre her bloß gelegen / und wenn ja in 20. 30. 50. und 100. Jahren was anfleuget / so ist es doch gar eintzeln / und offtmahl nur Gestrüppe / so keinen Wachsthum hat / und folglich wenig Nutzen geben kan; hingegen wenn man selbst Hand anleget, und so viel Blössen und Gehaue in etlichen 1000. Ackern bestehend / besäet und bepflantzet würden / so wird die gantze Gegend über und über mit Holtz bedecket / und kan es endlich den Nachkommen an Holtz nicht ermangeln.

Es wird auch das arme Land in kurtzen ein ander Ansehen haben / als vorietzo / wenn man hierunter andere weise und vorsichtige Nationen imitiren wolle / es wird auch so bald der Anflug 20. 30. 40. oder 50. Jahr erreichet / der Holtz-Vorrath hernach wohl nachhalten / und immittelst das Schlag- oder lebendige Holtz / so man in 8. 10. 15. Jahren zum Nutzen anziehen / und brauchen kan die Nothdurfft subministriren.

§. 4. So ist es auch mit dem Holtz-Säen und Pflantzen eine so ungewöhnliche Sache nicht / wie sich mancher einbildet / sondern solches bey vielen Nationen üblich / wie auch bey vorigen Zeiten in hiesigen Landen vorgenommen worden / worvon unten im 12. und folgenden §.§. mit mehrern soll gehandelt werden / massen auch bey denen Römern conseminea sylva, oder ein gesäeter Wald für uhralten Zeiten ist gebräuchlich gewesen.

Nam sylvicultura hominis factum anxie desiderat & industriam, etiamsi illa industria, non sit sola & proxima productionis causa, verum natura simul, quae in illa productione aequaliter, imo potissimum, & principaliter operatur.

D. i. Der Holtz-Anbau erfordert gar sehr den menschlichen Fleiß und Mühe / ob gleich selbiger nicht als die Haupt-Ursache in Erzeugung dessen, sondern die Natur die Würckung thut.

§. 5. Wenn in Spanien / sonderlich in Biscaya, ein Baum gefället wird, müssen dagegen bey Vermeidung grosser Straffe drey andere wieder gepflantzet werden.

In Franckreich aber werden alle / leere Plätze in Wäldern alsofort besäet / wie obangeführet.

Es ist auch zum öfftern aus dem benachbarten See-Ländern in Zeitungen geschrieben worden / daß gewisse Commissarien sonderlich von denen Admiralitäts-Herren verordnet worden / so etliche abgetriebene Refieren von Höltzern und Wäldern / so in 2000. und mehr Ackern bestanden / besichtiget und gnugsame Anstalt daselbst gemacht / daß ins künfftige Holtz / bevorab zum Schiff-Bau dienlich / darauf wieder gesäet / gepflantzet, und fortbracht werden möchte / darauß zu schliessen / wie diese und andere sorgfältige und curieuse Nationen zu dem Holtz-Anbau sehr emsig sind.

Von Holland sagt man / daß es den Nahmen von ihrer alten teutschen Sprache bekommen habe / gleichsam als Holtz-Land / weil solche Gegend lauter Waldung und Gehöltze gewesen / so aber hernach von den alten Bataviern abgetrieben / und also angebauet worden / daß heutiges Tages so zusagen nicht eine Hand breit Erde unnutzbar lieget / hingegen aber allerhand Gewächse und Bäume an denen Orten / wo nur einige Gelegenheit darzu ist / an hohen Strassen / Sand-Heyden / Wegen / Canälen / Tämmen / Seen und Teichen / in Gärten / ja auch in Städten und Dörffern / auf den Gassen / so wohl zur Lust und Schatten als zu Nutzen / sonderlich Linden / Pappeln / Aschen / Weiden / und dergleichen gepflantzet seyn / also daß die Städte in Holland und Flandern fast wie in einem Walde liegen / geschweige der schönen propren Lust-Wälder und Thier-Gärten / bevorab die schönen Maillen, Alleen und Spazier-Gänge / so in Holland anzutreffen / dergleichen wenig sonst in gantz Europa zufinden sind.

Und ob sie gleich heutiges Tages keine grosse Wälder / sonderlich zum Brenn-Holtz zu gebrauchen mehr haben / so haben sie doch zu solchen Gebrauch wildes Holtz unter der Erden / das ist den Turff / welches eine materie von zusammen und über einander gewachsenen Rasen ist / so sie zum Brennen nutzen / und grosse Hitze von sich giebet.

Ferner hat man gewisse Nachricht / daß an der Nord- und Ost-See / allwo sonsten kein sonderlicher Holtzmangel ist / jedennoch das Tangel-Holtz-Säen / mit guten Success practiciret wird / ingleichen in Mecklenburgischen / davon unten mit mehrern. Die alten Pfaltz-Graffen und Churfürsten am Rhein haben im Anfang des vorigen Seculi, und so ferner viel wüste Land / so zuvor nur Heyde getragen / pflügen / und sonderlich mit Eicheln besäen lassen / welche Orte nunmehro die schönsten Wälder sind / dergleichen unterschiedene Gehöltze / so durch Baum-Saamensäen aufbracht / sind am Rhein-Strom / an der Mosel / und an der Maase / und selbiger Gegend / bevorab in Westphalen befindlich. Wir haben auch Exempel / daß hier zu Lande Tannen / und anderer Baum-Saamen gesetzet worden / an der untern Mulde und gegen der Elbe / wo es etwas sandig.

Der Saame ist zwar wohl und Bürsten-dicke aufgegangen / aber wo viel wild und zahm Vieh gewesen / ist der Anflug gantz verbuttet und struppich blieben.

So ist auch bey theils Wald-Refieren hiesiger Lande eingeführet / daß wer einen Baum als Gnaden-Holtz bekömmt / selbiger dargegen 8. junge Eichlein muß pflantzen und setzen lassen.

Wer aber einen Baum / oder so viel Holtz kaufft / als ein Baum austräget / lässet 2. Stämme setzen / oder giebt vor jeden Stamm 18. Pf. so ein gewisser Mann bekömmt der mit dem Versetzen wohl umgehen kan.

Wolte man dergleichen auch bey dem Säen einführen / so würde solches nicht undienlich seyn.

Was sonsten in andern Königreichen und Landen / auch in vielen Fürstlichen Gärten Teutschlands vor schöne lange Gänge und Alleen mit Linden / Pappeln / und andern wilden Bäumen pflegen angelegt zu werden ist mehr als zu bekandt.

§. 6. Gehen wir weiter fort gegen Morgen / so befinden wir / daß die Türcken und Perser vor andern Nationen viel von Pflantzen der Bäume halten / wie denn auch eine Stad in Natolien anzutreffen / so Belerius genennt wird / welches so viel in Türckischer Sprache bedeuten soll / als eine Pflantzung und Setzung junger Eichlinge.

Von der Haupt- und Residenz-Stadt des Königs in Persien Ispahan, wird gemeldet / daß sie von ferne mehr einem grosen Walde / als einer Stadt gleiche / und man nur die hohen Thürme zwischen denen grossen Bäumen hervor ragen sehe / auch alles / so wohl in Gärten als sonsten mit Bäumen bepflantzet sey / sonderlich mit denen so genannten Tschinar-Bäumen / welche zwar keine Frucht tragen / aber gut Holtz zu Bretern und Tischer-Arbeit geben.

Es melden auch unterschiedene Reise- und Geographische Beschreibungen des Königreichs Persien / daß mancherley Kupffer- und Silber-Bergwercke daselbst befindlich / aber weil die Ertze nicht auf die Kosten zu schmeltzen / ohne Zweifel erliegen bleiben müsten / woraus der Schluß leicht zu machen / wenn die Höltzer vermehret / und dadurch der Preiß vermündert würde / diese Bergwercke gewiß mit grossen Nutzen getrieben werden könten.

§. 7. Wenden wir uns gar in die neue Welt / so werden wir auch daselbst das Baumsäen antreffen.

Ein gewisser Jesuit schreibet aus Paragvaya einer Landschafft in America gelegen / daß es zwar daselbst kein wild Holtz / als Eichen / Buchen / Tannen / Kiefern / Erlen / Bircken / etc. zum Brennen habe / sondern gantze Wälder von schönsten Mandeln / Pfirschen / Feigen / Morellen und dergleichen Bäume; welches Frucht tragende Holtz man zum Brennen brauche / und gleich die Kernen / von solcher Frucht wie bey uns das Korn wieder säe / wodurch denn wieder gantze Wälder / erzielet würden / und welches wunderwürdig / trügen diese gesäete Bäume / das erste Jahr Furcht.

In Neu-Engeland / sonderlich in Carolina, werden die weissen Maulbeer-Bäume / in grosser Menge / wenn der Saame davon gesäet / oder gestecket wird / auch durch die Aeste / und Zweige / wenn solche frisch abgeschnitten / und in die Erde gestossen worden / glücklich fort gebracht.

Wie man dann auch sattsam practiciret / daß fast aller Baum- Stauden- Getreyde- und Kräuter Saamen / so man so wohl aus nah- als auch aus weitgelegenen Ländern / in die neuen Colonien / und Pflantz-Städte in Americam bracht / daselbst mit grossen Nutzen fortgepflantzet und aufbracht werden.

§. 8. Allermassen dann sonderlich preißwürdig ist / daß die Löbliche Holländische Ost-Indische Compagnie, bey dem Capo de Bonne esperance, wunderschöne / und so weit sich fast das Auge erstrecken kan / lange Alléen / ja gar einen Wald von Eicheln-Saamen glücklich erzeuget / welche Eichen man künfftig zum Schiffbau wird brauchen können / und weil dieser Gegend / kein tüchtig Holtz zum Bauen anzutreffen / so machet man sich aufs künfftige grosse Hoffnung / allen Mangel durch das Säen des Bau- und andern nöthigen Holtzes / alda zu ersetzen.

Hr. Claudius Dr. Med. von Breßlau bürtig / hat vom Capo de bonne Esperance schon an. 1684. eine historiam naturalem Africanam in 2. Vol. in fol. und von allerhand Gewächsen darinnen vorgestellet und gemahlet / dahero man die Curiosität derer Holländer siehet / welche künfftig der Welt viel Nutzen geben könte.

§. 9. Man vernimmt ferner fast in aller Welt / wo Wüstungen seyn / und die Europaeer viel colonien aufrichten / so wohl in Asia, Africa, als in America, mit was Sorgfalt / Mühe und ungesparten Unkosten / sie nicht allein solche öde Länder mit fruchtbaren und Garten-Bäumen / sondern auch mit wilden Holtz besäen / anbauen / und bepflantzen / derowegen es höchst rühmlich seyn dürffte / die in Europa vorhin mit Holtz reichlich bewachsenen und nunmehro sehr nothwendig Holtz brauchende Länder gleichfals dabey in solchen Stande zu conserviren.

§. 10. In diesen Absehen haben auch hohe Potentaten unterschiedene Veranstaltungen und Mandata ergehen lassen.

Wir können nicht vorbey unter diesen eine sonderliche und ernste Verordnung des Weil. löblichen Käysers HENRICI VII. zu erst anzuführen / darinnen er gar nachdencklich befiehlet in einem zu Speyer An. 1309. ausgelassenen Mandat an Schultheissen / Burgermeister und Bürgern zu Nürnberg / daß sie die um selbige Stadt sehr verwüstete Wälder wieder in vorigen Stand setzen solten / wie solches Herr WAGENSEILIUS in seiner vor wenig Jahren edirten Historia wohlgemeldeter Stadt p. 319. allegiret: Die Worte lauten hiervon also: quam Sylvam nostram Imperii, sitam prope Nurenberg, ex utraque parte ripae, quae dicitur Pegnite a quinquaginta annis citra, per incendium, vel alio modo quocunque de structam seu vastatam, ac postmodum in agros a quibuscunque redactam in Arbores, & in Sylyvam, sicut solebat esse primitus, Autoritate nostra Regia redigatis. Das ist: Befehlen denmnach / daß ihr unsern und des Reichs unweit Nürnberg auff beyden Seiten der Pegnitz gelegenen Forst / der vor 50. Jahren durch Brand oder andere Weise ausgerottet und zu Korn-Bau gemacht worden / wiederum mit Bäumen besetzet und zu voriger Gestalt bringet. Damit nun solchem Käyserliche Mandat desto gehorsamer nachgelebet werden möge / hat er solches in folgenden als 1310. Jahr an die Forst-Bedienten mit beygefügter harter Bedrohung wieder die Nachläßigen wiederhohlet / folgenden Innhalts: Heinricus D. G. Rom. Rex, semper Augustus &c. Officii nostri requirit debitum, ut bona Imperii distracta illicite, vel destructa, ad jus & proprietatem ejusdem Imperii & utilitatem & commodum nobis subjectorum & Reip. revocemus.

Considerantes igitur quod nemus nostrum & praefati Imperii apud Nurenberg, per incendia, & extirpationes, in nostrum ac Reip. praejudicium vastatum, & in agros sive novalia a multis retro actis temporibus est redactum, unde fidelitati vestrae sub Regii favoris obtentu ac perditione Jurium & officiorum vestrorum, vobis in ipso Nemore competentium destricte praecipiendo mandamus, quatenus infra hinc & festum omnium Sanctorum proximum, certa die collecta vestram coram Senatu & Consulibus in Nurenberg, omnes simul & semel exhibeatis praesentiam corporalem, ac manibus vestris, sacrosanctis tactis reliquiis, juramentum publicum faciatis, quod dictum Nemus, a quinquaginta annis citra destructum, ut praedictum, modis quibuscunque ac in agros redactum, in statum pristinum, hoc est in Sylvam & in Arbores, autoritate Regia redigatis ac redigi procuretis, non sinentes, quod aliqui extranei, jus in ipso nemore non habentes, per venditionem, aut vias alias capiant, vel recipiant aliquem usum fructum &c. Das ist. Heinrich von Gottes Gnaden Römischer Käyser / allezeit Mehrer des Reichs etc. etc. Es will die Hoheit unsers Amts erfordern / daß Wir diejenigen Güter des Röm. Reichs / so entweder unrechtmäßiger Weise von selben vereussert / oder sonsten verwüstet worden / solchem Reich wiederum einverleiben / auch dem gemeinen Wesen und unsern Unterthanen zum Besten wiederum in vormahligen nutzbaren Stand setzen.

Nachdem wir nun hierbey in Betrachtung gezogen / wie daß unsers und des nurgedachten Reichs Forst bey Nürnberg durch Brand und Ausreitung / zu unsern und des gemeinen Wesen grossen Nachtheil verwüstet und von vielen Jahren her zu Acker-Bau verwandelt worden. Als befehlen Wir Euch hiemit bey Vermeydung unserer Königlichen Ungnade / und Verlust Euerer Bedienung und derer in erwehnten Forst zu stehenden Rechten und Gerechtigkeit / ernstlich / das ihr binnen dato und den nechstkünfftigen Festtag Allerheiligen euch auff einen gewissen Tag vor den Rath und Bürgemeister in Nürnberg sämtlich und auf einmahl in Person einfindet / und durch einen öffentlichen mit Aufflegung derer Finger auff das Heiligthum beschehenen Eyd euch verpflichtet / daß ihr sothanen Forst / welcher von 50. Jahren her gäntzlich verwüstet und auff allerhand Art zu Acker-Bau gemacht worden / wiederum mit Bäumen besetzet und auff unsern Käyserlichen Befehl in voriges Ansehen bringet / auch daß solches geschehen möge alle gebührende Sorgfalt vorkehren / im übrigen aber in einerley Wege gestattet wollet damit diejenigen / so auf gedachten Forst kein Befugniß oder Gerechtigkeit haben durch Verkauffung oder andere Art und Weise einige Nutzung darvon ziehen mögen.

§. 11. Eine gleichmäßige Landes-Väterliche Vorsorge vor die Waldungen wird unsern preißwürdigsten Landes-Vätern des Hauses Sachsen / und insonderheit dem Hochlöbl. Churfürsten AUGUSTO Christmildesten Andenckens / nach gerühmet; sintemahl auf dessen Anstalten in Sächsischen Landen hin und wieder Holtz gesäet worden / wie hiervon noch alte Leute reden / daß sie von ihren Vorfahren gehöret / daß die Bauern in Amt Rossen / Rochlitz / Colditz und benachbarten Orten Bircken- und Erlen-Saamen gesäet / und gantze Büsche dadurch gezeuget worden.

An der Obern Saade soll auch vor Alters Fichten und Tannen-Holtz gesäet worden seyn / so hernach vor die Flösse abgetrieben worden / dessen sich etzliche der Floß-Beamten von ihren Eltern gehöret zu haben noch erinnern.

Es ist zu glauben daß nichts anmuthigers zusehen / als ein solcher Wald / der von gesäete Saamen gezeuget. Denn die Bäume sind meist von einer Höhe / Gleiche Dicke / und oben her in Wipffeln so gleich / als wenn sie mit der Scheere verschnitten. Auch ist solches nicht minder nutzbar. Denn weil die Bäume in einer gleichen grösse / so geben sie auch gleiche Nutzung. Keiner als grösser hindert den andern an Wachsthum oder verdemmet den andern gar / weswegen dergleichen Gehöltze sehr viel Schragen- oder Klaffter Holtz / und vielmehr als andere Wälder zu geben pflegen. Denn in andern Wäldern / stehet bald ein grosser bald ein kleiner Baum; ein ausgewachsener und denn ein unausgewachsener / und geschiehet grosser Schade in abtreiben: in jenen aber / als in den Gesäeten Holtz sind die Stämme fast einander alle gleich / denn sie haben gleiches Alter.

So sind auch zuobgedachter Zeit viel Eichen hin- und wieder gepflantzet worden / welche dem Lande wo sie den Feldern und Wiesen nicht sind zu nahe gesetzet worden / biß dato gar guten Nutzen geschaffet.

Allein sie werden nun auch dünne / und sind meist niedergeschlagen; Wie wohl auch der Rest von diesen Eichen meist wandelbar / entweder an Wippeln / oder sie sind hohl / welches denn ohne Zweiffel von unvorsichtigen Versetzen oder vom Alter herrühret / denn sonsten die meisten Eichen / so von sich selbst in Wäldern aufgewachsen / sind ohne Mangel. Es hat zwar höchst-gedachter Churfürst viel Wälder und rauhe Orte zu Feldern / Wiesen / Gärten / und brauchbaren Stücken anrichten lassen / hingegen aber auch dabey geordnet / daß jedes Paar neuer Eheleute das erste Jahr ihrer Ehe 2. oder mehr fruchtbare Bäume pflantzen und setzen müssen / welcher Befehl anjetzo löblich wiederhohlet / und allen Hochzeitern demselben gehorsamst nach zu kommen bey hoher Straffe auferleget worden / alleine man spühret doch / daß dergleichen bißhero gepflantzte wenig Fortkommens gehabt / weil die Wissenschafft / die Bäume zu verpflantzen / bey dem gemeinen Mann allerwenigst in Schwange gehet. Hiernechst so geschicht auch durch dieses versetzen offters mehr Schaden als Nutzen. Denn die Stämmgen werden an einem andern Ort ausgehoben / und versetzet / die Versetzten aber verderben gemeiniglich / und wäre also besser gewesen / man hätte sie an vorigen Orte stehen gelassen. Wenn aber Jährlich ein jeder Haußwirth etwas weniges durch Saamen an wilden Stämmen aufzöge / so könten hernacher von solchen viele mit bessern Vortheil hin und wieder verpflantzet und Nutzen geschaffet werden.

Es finden sich auch ferner gnugsame Nachrichtungen / daß an. 1556. in den Holtz-Ordnungen und sonsten durch Befehl intimiret worden / in Ober-Gebürge / von denen Unterthanen jährlich eine gewisse Anzahl an Weiden Pappelweiden und wilden Obst pflantzen zulassen / des wegen auch jährlich nachgesehen werden sollen / ob auch die gebotene Zahl gesetzet / gestecket / oder gepflantzet worden / woraus gnugsam zuschliessen / wie sorgfältig die lieben Vorfahren hierunter gewesen / nur Weiden und Pappeln zu pflantzen weil ihnen dergleichen damahls gefehlet / oder abgangen / deren sie doch allenfalls entbehren können / indem zu denen Weiden oder Banden / mit welchen man etwas anhefften oder anbinden kan / auch die jungen Aestlein der Fichten und Bircken dienen; Hingegen sie ander Holtz dazumahl genug gehabt / daran wir aber grossen Mangel nunmehro spühren / und fast so zusagen alle Wohlfarth des Gebürges an solchen henget.

Nachgehends sind auch andere nützliche Resolutiones bey derer Durchlauchtigsten Churfürsten Höchstmildesten Gedächtniß Regierung deßwegen ertheilet worden; Allein man hat dazumahl nicht vermeinet / daß die grossen weitläufftigen Höltzer in Ertz-Gebürge so bald zu consumiren seyn möchten / biß man nun die Flächen / Stockräume und Gehaue auf viel Meilweges lang und breit / von Holtz leer / aber den wenigsten Wiederwachs wahrnimmt.

§. 12. Eine sehr considerable und heilsame Verordnung finden wir / so Hertzog Friedrich zu Sachsen der jüngere zu Gotha gethan[WS 37] / wegen Bepflantzung derer Strassen mit fruchtbahren auch andern leicht aufwachsenden Bäumen, mit nochmahligen ernsten Begehren dieses Inhalts den 13. April. 1695. wiederholet; Daß auf allen Strassen des Fürstenthums Gotha / wo noch dergleichen Bäume ermangeln / entweder tragend Obst / schwartze süsse Kirsch- und Nuß- oder andere bald in die Höhe steigende Bäume Linden / Eicheln, Buchen / und dergleichen / zu beyden Seiten aufs wenigste 5. Ruthen von einander gepflantzet / selbige von denen Eigenthums-Herren derer Acker welche es betrifft / auf ihre Kosten angeschafft / gesetzt / und damit weder das Vieh / daran Schaden thun / noch sonsten leichtlich Frevel an denen Stämmchen verübet werden könne / mit Zaun-Pfälen, wozu ihnen das benöthigte Holtz verabfolget werden soll / wohl verwahret / begossen / und sonsten fleißig gewartet / auch wenn die Reihe die gemeine Trifft / oder andere dergleichen Plätze beträffe, die darzu benöthigte Mittel aus der Gemeine genommen; ingleichen da ein oder der andere Stamm abginge / folgenden Frühling oder Herbst darauf / so bald andere an deren Stelle von denen Eigenthums-Herren der Acker / bey 5. Thlr. Straffe von jeden Stamme / gesetzet werden soll / wie solches bey Joh. Sebast. Müllern in seinen Annalibus des Chur- und Fürstl. Haußes Sachsen / von anno 1400. biß 1700. fol. 641. mit mehren zusehen.

§. 13. Zwar es haben unsere Vorfahren vor etlich und 20. Jahren in Ober-Gebürge etwas gesäet, und ist auch einiger Anflug darauf erfolget / alleine es ist ihnen kein fernerer Ernst gewesen / und die Spesen hierzu eingezogen worden.

Dann es hat sich jederman bey der Geld-Einnahme vor die Höltzer zwar sehr wohl befunden / aber sich nicht können persuadiren lassen / daß je dergleichen Mangel / wie solcher jetzt vor Augen schwebet / sich ereignen solte.

Immittelst haben auch die jenigen / so das Holtz zu ihrer Nahrung gebrauchet / tapffer nieder geschlagen und verkohlet / daß mancher voritzo wünschet / er hätte räthlicher damit Hauß gehalten / und könte also seine Nahrung und Wercke ferner forttreiben; aber es ist zu spat bereuet / und wir werden es mehr als zu zeitlich empfinden / wie uns der grosse Holtz-Vertrieb, und die allzuwenig geführte Sorge wegen der Holtz-Erspahrung und Holtz-Anbau mercklichen Schaden bringen und zu Hauß und Hoff nach den gemeinen Sprichwort kommen wird; Nichts minder geschiehet die grosse Verwüstung der Höltzer recht mit unserm Willen / indem wir meynen / daß es wohl gethan / aus Wildnissen Felder und Wiesen zu machen (wie schon ob erwehnet) aber wir werden diesen Mißbrauch allzuspat / leider! bedencken / und künfftig gezwungen aufs fleißigste dafür sorgen müssen.

§. 14. CAROLUS der V. glorwürdigsten Andenckens Römischer Käyser und König in Spanien hat anno 1545. in Spanien sehr nützliche Versehung in Holtz-Sachen gethan / woraus die Einwohner grossen Nutzen gespühret / und annoch geniessen / auch zu dem Ende ein gewisses Collegium oder Rath über das Gehöltze und Förste bestellet / so Junta de Bosques reales genennet worden / das zugleich die Aufsicht über die Königl. und andere Wälder haben solte.

§. 15. In der Fürstl. Braunschweigischen Landes-Ordnung Art. 37. soll enthalten seyn / daß ein jeglicher Angesessener oder Bauer / jährlich vier Eichen / und vier Buchene Stämme pflantzen / und mit Dornen wohl verbinden, auch das jenige / so er gepflantzet / der gestalt in acht nehmen / und da ein Stamm nicht bekleibet / einen andern dagegen setzen soll / bey Straffe 10. Groschen vor jedweden Stamm.

Nichts minder hat auch der Durchlauchtigste Landgraff Ludwig zu Hessen / der Sachen sich ernstlich angenommen / und die Fortpflantzung des Holtzes theuer anbefohlen / wie denn dießfalls Ihro Durchl. in einem de anno 1665. ergangenen Edict angeordnet / daß die Wein-Berge und Obst-Bäume so in damahligen Kriegsläufften verwüstet und umgehauen / wiederum angebauet und ersetzet werden solten; desgleichen da einige Plätze sich in Lande und derer Unterthanen Grund und Boden befunden / die zum Wein- und Holtz-Bau tüchtig / selbige bepflantzet, und einen jeden Unterthanen nach proportion solchen Grundstückes eine gewisse Anzahl Bäume zu setzen angewiesen werden solte / wie denn auch was und wie viel ein jeder gepflantzet / die Obrigkeit in die Fürstl. Regierung jährlich einzuschicken hatte.

In der Ordnung de anno 1602. / ist folgendes enthalten.

Sollet ihr an Enden und Orten / da man junge Gehäu machet / hin- und wieder einzele Bircken / oder Erlen zusammen stehen lassen / damit sich die wüste Oerter und Plätze wiederum besaamen können.

item Ordinat. Hassiaca, de anno 1683. ist nachstehendes: Wo es auch an sumpffigten[WS 38] und nassen Orten keine Erlen hätte / dahin sollen die Forst-Beamten / des zeitigen Erlen Saamens streuen lassen / damit Deroselbigen sich derer Orten auch pflantzen mögen / angesehen es nicht allein ein sehr wächßig Holtz / so in wenig Jahren zu Stamm-Wellen gehauen werden kan / sondern daß sich das Wildpreth auch gerne darinnen aufhält: wo es Gelegenheit gibt / Hagen-Buchen-Stücke zu ziehen / soll jeder Forst-Beamter deroselbigen / so viel es sich nach Gelegenheit schicken will, zu ziehen / sich befleißigen / sintemahl das Holtz darauf / nicht allein durch das Vieh nicht beschädiget werden kan, sondern gibt auch / wenn die Stöcke ein wenig zur Stärcke kommen / darauf viel Holtz / wo es nach Gelegenheit des Landes geschehen kan / sollen sonderlich die Leute in Städten und Dörffern / mit Fleiß dahin gewiesen, und angehalten werden / daß sie um ihre gemeine Wiesen / Acker und Gärten / Weiden ziehen / und pflantzen / davon Zaun-Gärten etc. zu haben / und das Holtz und die Gewälde / desto mehr ersparen und hegen können.

§. 16. Es findet sich in Franckreich eine sonderbahre Holtz-Ordnung / oder Ordonnance[WS 39] sur le fait des Forests so anno 1669. heraus gegeben / und obs gleich zuvor geschienen / daß es nicht müglich wäre / die alte dabey allgemeine und eingewurtzelte Disordres zu remediren / so hat man doch wahr genommen / daß binnen kurtzen Jahren die in solchen Königreich befindliche und hochschätzbare Holtz-Nutzung dadurch wieder in vollkommenen Stand gesetzet worden / daß so wohl das gantze Land jetzo / und künfftig die Posterität einen grossen Nutzen sich daraus zu versichern hat; Es bestehet aber diese Ordonnance meist darinnen, wie die Aufsicht bey solchen Wäldern / Försten / und Büschen gehalten werden solle; absonderlich aber ist darbey angeordnet / daß die leere Plätze und Stockräume mit Holtz besäet und bepflantzet werden sollen / auch ist Versehung geschehen / wo die Unkosten darzu herzu nehmen / pour faire semer ou replanter les plus vindes vaines, & vagves & des bois abroutis & abougris pour le remetre en valeur, damit solche leere Plätze wiederum in ihren Werth und Stand gebracht werden mögen; wie an einem andern Ort mit mehrern gedacht worden.

§. 17. Ingleichen meldet die Lüneburgische und Bäyerische Holtz-Ordnung / unterschiedenes von Besäung der leeren Holtz-Plätze / und sonderlich die Landes-Ordnung / tit. 16. Forst-Ordn. p. 1. art. 11. wie dann auch in Ober-Teutschland / und sonderlich an Rhein-Strom bey denen meisten Ständen herrliche Verordungen zu befinden / daß alle abgetriebene Gegenden und Stockräume / an Bergen / Hügeln / Ebenen / Gründen und Thälern / auch die dürren Heyden / und sonst nicht sonderlich nützende Orte, unverzüglich besaamet / mit Eicheln / und Buchäckern bestecket / oder mit andern Baum-Saamen besäet werde möchten / und nach und nach / die grossen Refieren / theils zur Helffte / zum Drittheil / oder Viertheil / auf einmahl / oder jährlich darzu gezogen / geackert / oder die Erde aufgehacket / oder gegraben were / damit der Saame so darein gesäet / desto eher die Erde ergreiffen / und aufgehen könne.

§. 18. Ob nun wohl hieraus der Nutzen und Möglichkeit des wilden Baum-Saamen-Säens zur Gnüge erhellet / so will man doch auch deswegen nicht gerne dran / weil man sich vor der Schwerigkeit des Werckes fürchtet / allermassen diese Wissenschafft nicht gnugsam ergründet / zum wenigsten bey Uns noch nicht gnugsam in Ubung bracht ist.

Nun giebet man zwar gerne zu / daß derer gnüglichen observationen, so sich bey Säung und Pflantzung der wilden Bäume ereignen werden / nicht wenig seyn durfften; gleich wie aber ein Ackersmann bey seinem Ackerbau / und ein Gärtner in Erziehung fruchtbarer Bäume niemahls auslernen wird / und wir dißfalls von allen Nationen eines und das andere erlernen und erforschen müssen / also wird es auch nicht mangeln / daß in Säung / Pflantzung und Fortbringung der wilden Bäume / man gleichfalls emsig nachdencken / bedächtig probiren / und ein und andern Versuch wird thun müssen / biß man näher zum Zweck komme / genauere Nachricht und dienliche Anmerckung ergründe und erlange. Non contemnit Deus quaerentem, sed exercet petentem. Und die Alten sagten: Discat qui nescit, nam sic sapientia crescit.

Das ist wer eine Sache nicht weiß soll sich darnach bemühen und selbe lernen / alsdenn wird er in solcher Wissenschafft schon zunehmen.

Eben auch um der Ursache willen / weil wegen Säens und Fortpflantzung der wilden Bäume noch wenig bey uns excoliret / so muß man dergleichen / nachforschen reiflich überlegen und versuchen / Multa enim in natura delitescunt scrutantibus quae patescunt.

D. i. Es steckt noch viel in der Natur verborgen / hinter welches man durch fleißiges Nachforschen gelangen kan. Denn hätten die Alten nichts versuchet / so würden viel schöner Erfindungen unterblieben seyn / und muß ein jeder bekennen / so nur ein wenig Wissenschafft von Kräutern und Gewächsen hat / daß seit her 40. biß 50. Jahren von unsern Eltern und Vorfahren eine grose Menge frembder Gewächse und Exotica, über Meer / und über Land in Teutschland bracht / und darinnen fortgepflantzet / oder doch zum wenigsten die vorigen sehr vermehret / und verbessert worden / welchen Nutzen man ohne sonderbahre Verwunderung zubetrachten nicht unter lassen kan.

§. 19. Zu wünschen wäre es / daß die jenigen 3000. Bücher SaLOMONIS so er / wie JOSEPHUS lib. 8. v. 2. meldet / von allerhand Gewächsen / Thieren / und mancherley Dingen / die unter der Sonnen / in der Lufft / unten auf und in der Erden / und in dem Wasser / ihr Wesen haben / geschrieben / annoch verhanden wären / ingleichen die so tempore Caesaris Diocletiani an viel tausend Stücken in AEgypten verbrannt worden / so würde ohne Zweiffel auch etwas von wilden Bäumen-Säen und andern nöthigen Dingen darunter befindlich seyn / wie denn so viel Salomonem betrifft derselbe nach Innhalt 1. Reg. 4. v. 33. auch von denen Bäumen geredet / und sonder Zweifel diesfalls vortreffliche Physicalische und Oeconomische Anmerckungen wird vorgebracht haben; weil aber solche um der Menschen Sünde willen / durch Brand / Krieg / oder Raub verlohren gegangen / so hat man Göttl. Allmacht zu bitten / uns solches und dergleichen wieder zu veroffenbaren / damit dem Menschlichen Geschlecht dadurch Erleichterung in An- und Fort-Bau der Erden gegeben werden möchte / dann außer Zweiffel obbemeldte Bücher / wenn sie noch in esse, mit keinem Guth der Welt zu bezahlen seyn würden; zugeschweigen was für unendlichen Nutzen unsere Vorfahren von Salomonis Zeiten her / daraus geschöpffet / und uns eine mehrere und sichere Cultivation des Erdbodens hinterlassen können; wie an andern Orten auch allbereits mit mehrern gedacht und angeführet worden. Unterdessen hat dieser König und andere hohe Potentaten und weise Männer mehr / in Erhebung derer Wissenschafften / und sonderlich bey der oeconomie / ihren Nahmen bey der Nachwelt mehr verewigt / und berühmt gemacht / als wenn sie in aller ihrer Herrligkeit annoch lebten.

Es haben auch etliche denen Gewächsen ihren eignen Nahmen zugeleget / als die Königin Artemisia, dem Beyfuß etc.

§. 20. Zwar was diese Wissenschafft des wilden Baum-Säens betrifft / haben die alten Vorfahren hiesiger und anderer Länder keinen sonderlichen Mangel an Holtz gehabt / derowegen sie auch nicht benöthiget gewesen / der Sachen nachzudencken / oder viel davon zuschreiben / wie das wilde Holtz zu vermehren / sondern vielmehr wie sie die Wüstungen zu guten Ackerbau und Wiesenwachs anbringen wolten / zu suchen und zu trachten gehabt.

Nun kömmt es also auf unsere Zeiten an / daß wir bey fast abgehenden Wäldern auf einen künfftigen Vorrath bedacht seyn müssen; da denn selbst Hand anzulegen / und die Erfahrung zu Rath zuziehen ist. Alterius damno qui sapit, ille bene sapit, oder: Der ist recht klug / der durch anderer Leute Schaden klug worden.

Denn diese und die würckliche Arbeit / müssen die speculationes und Einbildungen bekräfftigen / und der Unterscheid zeigen / sonsten kan uns leicht der gefaste Schluß unsers Verstandes hinters Licht führen.

Experientia facit Artificem und fabricando fabri fimus sagt das Sprichwort; durch Ubung kömmt immer was neues herfür / und unermüdeten Fleiß / und reiffes Nachsinnen wird eine Sache je mehr und mehr begriffen / und bewerckstelliget / oder zu grösserer Vollkommenheit gebracht.

Denn gleich wie alles Thun und Lassen der Menschen auf der Welt durch gute Ordnung und Wissenschafften angerichtet / erhalten / und fort gebracht wird; Also ist auch kein Zweiffel / daß eben dergleichen / bey beständiger Pflantzung und Erhaltung der wilden Bäume oder Wälder / so wohl als in andern Dingen erfordert wird / zumahl solche einen grossen Theil der Welt inne haben / so damit bewachsen / so / daß bey weitläufftigen Hauß-Wirthschafften grosse Sorge anzuwenden ist / solche beständig zu conserviren / und den behörigen Nutzen davon zu ziehen.

§. 21. Und ob man sich gleich persuadiren wolte / es brauchte bey Säung und Pflantzung der wilden Bäume keine sonderliche Wissenschafft / Erfahrung / Kentnüs derer Saamen / des Grund und Bodens / observantz der Zeit / reflexion wegen der Witterung / und was dergleichen mehr ist / so leget es sich aber bey mehrern Uberlegung gnugsam an Tag / daß die Vermehrung des Holtzes fast mehr Sorge / Experientz / und genauere cultur, als der sämtliche und gantze Ackerbau erfordere / in deme weit mehr Baum-Saamen / als Getreyde Arten sich finden und gleichwie der Weitzen / Korn Gerste und Haber / jedes eine absonderliche cultivation gebrauchet / also und gleicher Gestalt wird jedes Geschlecht von Baum-Saamen / einen gewissen modum, in Säen / und bey andern obgedachten Nothwendigkeiten haben wollen / welches / ob es wohl etzlicher massen Beschwerlichkeit verursachen dörffte / so wird aber doch das Säen in genere, leichter seyn / als man sich einbilden kan.


Das Neunte Capitel.
Von wilden Baum-Saamen ins gemein.

§. 1. Der Ursprung aller Bäume ist der Saame.

§. 2. Was das clima bey jeden Baume thue. Nutzen einer historia arborum & plantarum.

§. 3. Welche Bäume am füglichsten durch Saamen erzeuget werden.

§. 4. Reflexion über die Göttliche Allmacht und Weißheit bey dem Saamen.

§. 5. Menge des Saamens bey wilden Bäumen. Erweiß / daß es vorträglicher wenn die menschliche Hand / als wenn die Natur den Saamen aus streuet.

§. 6. Von denen difficultäten beym Baum-Säen / und wie selbige zu überwinden.

§. 7. Sorgfalt der Natur in Conservation des wilden Baum-Saamens. Dessen unterschiedene Häute und involucra.

§. 8. Ursachen dieser Sorgfalt.

§. 9. Vorsichtigkeit der Natur in Ausstreuung des wilden Saamens. Von dessen Flügeln und Annehmligkeit beym Ausfallen / insonderheit vom Tannen-Saamen und dessen Anflug.

§. 10. Warum die Bäume nicht alle Jahr oder doch wenig Saamen tragen. Anmerckung was hierinnen der Unterschied von Monds Brüchen unter währender Blüthe nach der gemeinen Regel operire.

§. 11. Tauerhafftigkeit des wilden Baum-Saamens / und wie lang er sich halten könne.

§. 12. Wie man ihn aufheben und verwahren solle.

§. 13. Was selbigen vor Thiere verzehren und schaden.

§. 14. Von denen insectis, so ihm nachstellen / ingleichen von Wurm. Observation von selbigen. Wenn er in die Erde zu bringen.

§. 15. Von balsamo innato des Saamens / und wie durch ihn die generation geschehe.

§. 16. Ob Aspen und Weiden Saamen haben / oder woher selbige entstehen.

§. 1.

NAch Innhalt der H. Schrifft Gen. 1. v. 11. 12. hat der Allmächtige und Allweiße Schöpffer aus der Erden lassen aufgehen Graß und Kraut / wie auch Bäume / deren jedes seinen eigenen Saamen habe / damit nehmlich solches Geschlechte auch in zukünfftigen Zeiten fortgepflantzet und erhalten werden möchte.

Denn es ist doch nach der Schöpffung der Saame der Uhrsprung alles Holtzes / es mögen nun die Bäume / so daraus wachsen / also bald am ersten Ort und Stelle stehen bleiben / welches wegen besorgender Beschädigung der Wurtzel oder des Bäumleins wohl das beste ist / oder es mögen selbige hernach versetzet werden.

§. 2. Hierbey aber ist nicht zu leugnen / daß ein jedes Gewächse und Art der Bäume ihr besonders Clima haben will / darinnen der Saamen leichtlich aufgehe / von sich selbsten wohl wachse / und wegen grosser und langanhaltender Hitze / Kälte / Schnee / Frost / Nässe oder Dürre und übler Witterung nicht verhindert werde / wie solches der Augenschein an jeden Ort überflüßig zeuget.

Denn man findet / daß ein Vegetabile mit hauffen an einigen Enden anzutreffen / so man in denen andern / und nicht wohl gar zu weit davon entlegenen Orten vergeblich suchet. Unterdessen ist die gütige Natur so neidisch nicht / daß sie nicht zulassen solte verschiedene Gewächse / aus einem climate in das andere zu bringen / und darinnen fortzuzeugen.

Gewißlich alle die jenigen Bäume / Pflantzen / Kräuter und Blumen / so nicht in Wäldern / Wiesen und Gärten bey uns ungebauet wachsen / sind aus wärmern climatibus, als das unsrige ist / hergekommen; und je schwehrer solche hier in Teutschland aufzubringen / je ein heißeres Clima haben sie von Anfang und von der Natur gehabt; nichts destoweniger werden sie in unsern / als temperirten Landen / und wenn sie hiesige Lufft gewohnet / nach und nach mit guter Wartung ziemlich fortgebracht; als da sind Citronen / Pomeranzen / Feigen / Mandeln / Cypressen etc. und von Kräutern die Rosemarie / Laventel und andere mehr.

Es wäre zwar wohl zu wüntschen / daß eines jeglichen Gewächses Mutterland / und wo es eigentlich daheim / oder von sich selbst wachse / genauer erkundiget werden könte / und man also eine accurate universal historiam Arborum, und Plantarum, haben möchte / so würde man beydes seines Saamens / als des Wachsthums halber / beßer Licht haben; aber hieran fehlet es noch biß dato, weil die jenigen / so von dergleichen Sachen bißhero geschrieben / einer zulänglichen Wissenschafft hiervon ermangelt / und sich mehr um ihre cultur auch Krafft und Tugend ihrer Gewächse / als um deren historie und Ankunfft bekümmert haben.

§. 3. Aber wieder auf unser Vorhaben zu kommen / so kan in vielen und in meisten Ländern das jenige wilde Holtz / so Tangeln träget / als Tannen / Fichten und Kiefern / am füglichsten von Saamen gezeuget werden / wächset auch also gewisser und sicherer / als wenn es verpflantzet wird / darvon bereits ob Meldung geschehen.

Desgleichen ist das Holtz / so Laub träget / als die Eiche, die Asche / Buche / Ahorn / Linde / Ilme / Haselstaude / u. s. w. vermittelst des Saamens auch wohl fort zubringen / wie wohl auch die beeden letztern von dem Schößerlingen oder Sprossen / so von dem Baum selbst / oder von der Wurtzel abgezogen / jedoch aber nicht so / gut als durch den Saamen / fortgepflantzet werden.

§. 4. Wenn wir nun hierbey ein wenig stille stehen / und den Saamen unterschiedener Bäume betrachten / so ist allenthalben die Allmacht und Weißheit des allgütigsten Schöpffers dabey zubewundern.

Denn so klein und unansehnlich als er theils ist / so kan man doch nicht anders schließen / als daß in solchen die Wurtzeln / Stamm / Aeste / Blätter / Schale, Marck u. s. f. begriffen und verborgen sind / daß wenn es möglich / solchen zu anatomiren / oder durch ein Microscopium gnüglich zuerkennen und zu discerniren / sich benentes alles darinnen zeigen und finden würde. Sintemahl so bald dergleichen Saamen nur etwas aufkeimet und sich aufblehet / die Wurtzel / das Stämmgen / und die Blätter nach und nach / augensichtig und sattsam zu erkennen sind. Nochmehr bestärcket solches die Göttliche Providenz, wenn man einen phasolen oder andern Kern eines geringen Gewächses ansiehet / da er zwar von Natur ziemlich groß ist / und doch nur einen geringen Stengel etwa eines Fingers starck treibet / so auch kaum ein halb Jahr dauret / und hernach vergehet / und umfält.

Hingegen aus einem einzigen kleinen Körnlein von Tannen- und Fichten-Saaamen (wie denn die grossen Bäume alle schier den kleinsten Saamen haben) ein solcher Baum wird / dessen Holtz man kaum mit zehen Wagen hinweg führen kan / und dieser träget auch auf einmahl so viel Saamen / daß man ein groß Theil eines gantzen Waldes / auf viel hundert Schritte lang / besaamen und davon aufbringen könte / welchen Uberfluß denn Göttliche Allmacht nicht umsonst verleihet / sondern vielmehr dadurch uns anleiten will / die Säung und Pflantzung des Holtzes vor die Hand zu nehmen / und weil es uns allerdings nützlich / darbey nicht säumig zu seyn / wie denn auch dieselbe Mittel gnug darreichet / solches vermittelst der Menge des Saamens glücklich und nach Wunsch vollbringen zu können.

§. 5. Insgemein tragen die wilden Bäume viel Saamen / und nachdem ein solcher klein oder groß ist / wird er auch das Maaß füllen / wie denn eine Eiche oder Buche etliche Scheffel an Früchten oder Saamen bringet / wenn solcher bey guten Jahrsgang geräth; Hingegen von grösten Saam-Bircken / Erlen / Fichten / Kiefern / Tannen und dergleichen Bäumen / kaum eine Metze oder Hand voll zusammlen ist / aber der Körner / sind an der Zahl vielmehr als bey jenen.

Hat der allmächtige GOtt uns nun alle Vortheil zum Baum-Saamen säen gegeben / so scheinet es auch uns vorträglicher zuseyn / als wenn mans der Natur alleine überlässet / welches denn nachfolgends argument allerdings bestärcken wird.

Denn der Augenschein giebts zum öfftern / wie die Tangel-Bäume / als Tannen / Fichten und Kiefern / wie auch die Laub-Bäume / nehmlich Ahorn / Eichen / Buchen / Aschen / Linden / Erlen und Bircken / in guten Jahren so voll Saamen hängen / daß nur von eines Baumes Saamen viel Acker Landes könten besäet werden, alleine, wenn solcher von sich selbsten abfället / und ausflieget / das allerwenigste / oder gar nichts zum öfftern davon aufgehet.

Do aber dieser Saamen eingesamlet worden und durch ordentliches Aussäen / die Erde recht ergriffen hätte / so würde es ihm auch an Feuchtigkeit zum Aufkeimen und Aufgehen / nicht ermangelt haben.

Hingegen wenn solcher von sich selber abfällt / und die Erde nicht gnugsam erreichet / sondern aufn Mooß / Laub etc. liegen bleibet / so verdirbet er entweder durch dürre oder Nässe / vergehet oder verzehret sich in sich selbsten / versauret / erfrieret / erstirbet in der Milch / erstickt im Mooß / und in Graß / wird von Ungezieffer gefressen / oder muß seinen Untergang durch einen andern Zufall leiden.

§. 6. Es können zwar dergleichen Unglücks-Fälle auch bey dem Säen sich ereignen; alleine denen meisten ist dadurch zu entgehen / wenn der Saamen die Erde einmahl recht gefasset / und ob gleich ein casus fortuitus oder wiedriger Zufall sich dabey zutrüge / so ist doch diesfalls nicht alsofort zu verzagen / sondern bey ereigneter Verunglückung das Säen zu reiteriren.

Wie wohl mancher viel difficultäten hierunter sich einbilden dürffte / in Erwegung / daß nur die Kentnüß derer unterschiedenen Arten des Baum-Saamens dessen Vollkommenheit und Güte / viel Sorge / Mühe und Zeit erfordert / geschweige nun / wie solcher einzusammlen / zusäen / die cultur des Erdbodens dabey zu verrichten / der darauf erfolgte Anflug zu pflegen / und zu warten / und was dergleichen Umstände mehr sind, worvon man doch billig eine hinlängliche Nachricht haben müste ehe man zum Holtz-Säen Hand anlegen / mithin davon Nutzen / und theils Früchte gewarten und geniessen wolte / massen es auch mehr als zu wahr / daß bey dem Getreyde gegen das Holtz zurechnen / sehr wenig Sorten von Saamen sind / und dennoch muß jede Art in säen auf absonderliche manier dergestalt tractiret seyn / daß kein Hauß-Wirth sich rühmen kan, als ob er gnugsame Wissenschafft habe / wie er den Acker-Bau am besten und sichersten cultiviren solle / ob er gleich von seinen Vorfahren / vielfältige / so wohl mündliche als schrifftliche Anleitungen hierzu erlanget / und da nun bey diesen sich so viel Hindernisse und Unwissenheit in Weg leget / um wie viel mehr würde solches bey der Baum-Saat geschehen / die bißhero von niemand vor die Hand genommen / noch weniger excolirt worden.

Aber wir haben bereits oben gewiesen / daß dergleichen Einwürffe nicht verhindern können / dieser höchstnöthigen Wissenschafft nachzudencken und durch würcklichen Versuch und Erfahrung selbe zu erlernen.

Denn dem menschlichen Verstande ist dahin zugelangen nicht unmöglich / und der Fleiß / samt dem Vertrauen und Hoffnung zu GOtt / secundiret alles gute Vornehmen.

Unterdessen wollen wir dem geehrten Leser so viel uns hiervon beywohnet / in diesen und folgenden Capiteln mitzutheilen nicht ermangeln.

§. 7. Aller Baum-Saamen / ehe er reif wird / stehet fest auf dem Baum / so bald er aber zeitig / stösset ihn die Mutter von sich / der fället denn ab und suchet sich weiter zuvermehren.

So lange er aber noch unreiff oder grüne / so hält ihn der Baum / oder so zu sagen seine Mutter feste / und läst ihn nicht abfallen / giebt ihm Nahrung / und bedecket ihn mit Laub und Schale für allen Unfall / Regen / Hitze und Kälte.

Hierbey nun ist / so viel die wilden Bäume belanget auch billig zu bedencken / wie die Natur den Saamen derselben so wohl und fleißig verwahret / und zwar vielmehr als bey denen zahmen.

Denn die Früchte derer letztern / darinnen der Saamen stecket / haben insgemein nur eine zarte Schale; hingegen die wilden / als die Tann-Zapffen / die Eicheln / Buch-Aeckern und dergleichen / sind mit einer festen Haut / Schuppe und Stacheln / dergestalt umgeben / daß ihnen von der Hitze / Frost und Ungezieffer nicht leicht Schade geschehen kan.

Es finden sich also an solchen Involucra seminum, seu capsulae, quibus foetuum instar ad tutelam in volvuntur.

D. i. Hüllen und Fächlein des Saamens / worinnen derselbige nicht anders als eine Leibes-Frucht zu seiner Verwahrung eingewickelt ist.

Ferner so ist daran die äusserliche Rinde / Haut und Schale des Saamens von unterschiedenen formen, figuren und Farben / er hat auch insgemein zweyerley Häute / als aussen die Schale[WS 40] / und innewendig auch ein weisses oder gelbes Häutlein um den Kern herum; etliche haben aber auch wohl drey Uberzüge / Einfassungen / oder Häute / damit solcher Saame verwahret ist / als die Castanien / die Buch-Aeckern / Eicheln / Hasel-Nüsse / auch insonderheit die Fichten / Tannen, Kieffern / als bey welchen 1.) der Tann-Zapffen und über das die Fächlein / darinnen der Saamen sich enthält / 2.) die äuserste Schale / darinne der Saame / Mehl oder Körnlein selbst stecket / und damit überzogen ist / und 3.) ein gelbigtes Häutlein in welchem das Körnlein eingewickelt / zu befinden.

§. 8. Diese Sorgfalt der Natur gehet außer Zweiffel dahin / daß indem man sonst auf solchen Saamen nicht so wohl als bey denen zahmen Bäumen achtung giebet / dergleichen Gewächse gleichwohl perpetuiret und multipliciret werden möchten / auch daß ihr Geschlechte nicht zu großen Schaden der Menschen, weil ihnen doch selbe zum Nutzen geschaffen / untergehen möge / denn sonsten der Mensch nicht capabel wäre / ein dergleichen untergangenes Geschlechte wieder zu resuscitiren / sondern es müste vor ihme wohl verlohren seyn und bleiben.

§. 9. So vorsichtig nun die Natur sich erzeiget in Beschützung des wilden Baum-Saamens biß er zu seinen Reifthum gelanget / so verwunderlich erweißet sie sich auch / wenn er diesen überkommen. Uberhaupt davon zu reden / sind solchen Holtz-Saamen meistentheils Flügel gegeben / welche gleich einen gantz dünnen Pergament oder Papier sind / damit solcher sich selbst überall in die Ferne ausbreiten / auch durch den Wind und Lufft hin und wieder getrieben / und also sich selber weit und breit auff etliche hundert Schritt vermehren könne / nachdem nehmlich der Wind starck gehet oder der Baume eine Höhe hat / oder auff dem Gebirge stehet. Wenn also dergleichen Saamen von Tannen und Fichten / durch einen Wind aus denen Zapffen gewehet wird / so entweder ben spaten Herbst oder gegen das Früh-Jahr geschicht (wie man denn observiret haben will / daß insgemein der Tannen Saamen Herbst- und der Fichten Saamen Frühlings-Zeit / ausfalle,) so ist nichts schöners anzusehen / wenn er in solcher Menge ausfleugt / und sich hin und wieder ausbreitet.

Indem er nun von der Höhe des Baumes herab kömmt / sonderlich wenn die Sonne in die Flügel scheinet / so hat es das Ansehen / als wenn kleine güldene Vögelein daher flögen / und sich auf die Erde sachte nieder liesen; da aber bey einer Stille ohne Wind / der Tann-Zapffen durch erfolgte gute Witterung und von warmen Sonnenschein sich auf thut und aufbürstet / so fället bey einer geringen Bewegung derer Aeste / oder bey dem Einsamlen / der Saame häuffig aus / und da er im Baume auf die Aeste und Tangeln herunter fället / es ziemlich und annehmlich rauschet.

Hingegen findet sich bey den zahmen Garten- und Obst-Bäumen kein geflügelter Saame / sondern der wunderbahre GOtt hat es denen Menschen überlassen / solchen fortzupflantzen / und in Schweiß ihres Angesichts ihre Nahrung und Bewerb davon zunehmen.

Unter andern ist der Tannen Saamen von schönen Ansehen / hat breitere Flügel als der Fichtene / siehet schön violet aus / giebt einen Terpentinischen Geruch / und wird vom Winde weit und breit verführet / sonderlich Bergunter / nichts minder auf denen Flächen / auch offt / weil er Flügel hat / Berg an / und wenn er den Erd-Boden ergriffen / und sich einsencken kan / so findet sich an solchen Ort vortrefflicher und schöner Anflug hernach / so / daß es des Menschen Hand und Witz nicht leicht der Natur hierinne nach thun kan. Aber wo der Saame nicht hinkömmt / oder ob er gleich dahin fält / aber nicht zugleich die blose Erde ergreiffet / da bleiben leere Plätze.

§. 10. Es tragen aber die Bäume nicht alle Jahre Saamen / oder eine Art von Bäumen trägt diß Jahr viel / das andere aber wenig / oder gar nichts / nachdem die Witterung bey ihrer Blüthe oder Vorbringung ihrer Zapffen fället.

Zumahl sind die Mehlthaue / so in Mayen fallen / dem Baum-Saamen sehr schädlich. Denn wann dergleichen die Blätter und Blüthe / auch das schon verblüthe Körnlein trifft / so muß es zu sammen schrumpffen und pflegen von solcher Feuchtigkeit hernach Würmer zu wachsen. Bey dem gemeinen Mann ist eine sonderliche Regul / daß wenn ein Baum in einen Mondschein / als von neuen Monden / oder ersten Viertel an / biß gegen das letzte Viertel abblühet / und sich nicht biß in andern neuen Monden-Schein verziehet / so geräth ins gemein der Saame und die Frucht solches Jahr wohl; do aber die Blüthe sich zwischen 2. Mondscheinen erst endiget / so verdirbt die Frucht davon ins gemein / oder schüttet doch nicht so reichlich.

Es hat auch gleiche Beschaffenheit hiermit / wie bey dem Obst.

Ein Jahr geräth der Apffel / das andere die Birne und so fort.

Es wird auch ein Jahr der Saame reiffer vollkommener und besser / als das andere.

Derhalben die Zeit zu observiren / damit die Samlung des guten Saamens von allerhand Sorten nicht versäumet werde. So kan man auch an Körnern wohl sehen / ob er gut und vollkommen / auch an der Schwere in Wurffen und Sieben / oder wenn man solche in das Wasser schwemmet / jedoch ist eine jede Art / seiner Schwere und Leichte nach zu tractiren.

§. 11. Der vollkommene Saamen ins gemein aber verdirbet nicht leichtlich / oder faulet / wie bey den zahmen Früchten geschicht / sondern hält sich lang unversehret.

Wie viel Jahre aber ein jeder Saame sich conservire, wenn er anders wohl gewartet / und an temperirten Orten aufbehalten wird / ehe er zum Säen untüchtig werde / erfordert ohne Zweiffel eine weitläufftige Experienz, und wäre wohl zuüberlegen / und mit Fleiß abzumercken / damit man sich in Säen besser darnach richten und achten könte / weil wie schon gedacht er nicht alle Jahr geräth.

Denn gleichwie aller alter Saame nicht so dienlich zum säen ist; also ist es auch bey dem Baum-Saamen beschaffen.

Das erste Jahr ist es am besten. So er zwey oder drey Jahr alt / so möchte noch etwas dran seyn / und davon was aufgehen; so er aber älter / ist er vermuthlich meist unfruchtbar.

§. 12. Es ist auch der Saame wohl zu verwahren / daß er nicht anbrüchig / und untüchtig werde.

Denn wenn er zu feucht lieget / so verfaulet er; lieget er aber zu trucken so dorret er aus und die olität / und Fettigkeit und Krafft entgehet ihm; deshalben ist es am besten solchen an temperirten Orten zu erhalten.

Der starcke Winter-Frost kan ihm zwar nicht viel schaden thun / aber es ist doch besser / ihn davor zubewahren / damit er bey dem Auftauen / oder bey der darauf folgenden warmen Lufft nicht anlauffe und verschimmle. Hingegen ist auch nicht rathsam daß man ihn durch die Sonnen-Strahlen zu sehr bescheinen / und den Safft und Krafft dadurch ausziehen lasse.

Absonderlich hat man observiret / daß es sehr schädlich / den Saamen ehe solcher noch gesäet wird / starck auskeumen und noch viel weniger auswachsen zulassen / denn er hierdurch sehr leicht beschädiget werden kan / und wenn er aufgekeimet / oder ausgewachsen gesaet und gestecket wird / so bestösset er sich / und da nicht gute Witterung darauf erfolget / so erfrieren / oder verdorren die Keimen und Wurtzelchen werden anbrüchig / und gehet alles verlohren.

§. 13. Es hat über dieses auch der Baum-Saame viel Feinde / so solchen fressen / verderben / oder sonsten vernichten / als da sind allerhand zahme und wilde Thiere / Schweine / wilde Eichhörner / Mäuse etc.

Item allerhand Gevögel / als Kern-Beisser / Krünitzer / Fincken / u. s. f. und fressen diese solchen Saamen / so wohl Winters- als Sommers-Zeit von Bäumen ab / auch wenn er schon auf der Erde lieget / und scharren selbigen unter dem Laub / Graß / Mooß und aus der Erden herfür.

Daß die Eichhörner viel Tannen- und Fichten-Saamen / sonderlich Winters-Zeit über / fressen / und sich davon erhalten / ist bekant / bevorab erhält sich der Vogel Kriniz auch meist davon / und wenn solcher Saame in einem Jahr wohl geräth / so findet sich dieser Vogel häuffig dazu ein / wie auch die Eichhörner / welche alsdenn von weiten herzu lauffen / und beyderseits über Winters da verbleiben.

§. 14. Ingleichen schaden dem Baum-Saamen allerhand Gewürme / auch Ameisen und dergleichen.

Unter allen aber ist der Wurm, welcher in Korn selber wächset / der gefährlichste / so dem Saamen leichtlich Schaden thut / und sich inwendig bey wärender fermentation zugleich generiret.

Aber noch zur Zeit weiß man von keinem sichern Mittel dargegen, dergleichen aber ohne Zweiffel wohl seyn möchten.

Denn man hat vermittelst des Microscopii wahr genommen / daß bey allen wilden Baum-Saamen und in denen Zäpfflein / Fächlein / Häußlein / oder Hülsen eine figur eines sonderlichen kleinen Wurms / (so man fast mit dem Gesichte oder Augen nicht erkennen mag) sich befinde.

Derhalben wenn solcher Saamen nicht behutsam und sehr wohl in Acht genommen und temperirt gehalten wird / so wächset dieser kleine Wurm grösser, wird lebendig / und corrumpiret die Saamen-Körner / welches so wohl bey der Herbst- als Frühlings-Saat zu besorgen.

Denn wenn der Wurm einmahl zu fressen / und zu wachsen angefangen / so fähret er fort / da denn solcher Saame selten zum Aussprossen kommt / und da er gleich ausgesprosset / fressen ihn wohl andere Gewürme / so nicht in Saam-Korn generiret sind / die Käumen ab; Dahero die wilde Baum-Saat gleich andern Getreyde-Saaten / vielem Unglück unterworffen ist; säet man in die Dürre, so gehet er langsam oder gar nicht auf; fället eine anhaltende Nässe dabey ein / so ersäuffet oder vermodert die Saat.

Am besten ist es / wenn der Saame / so bald er gesamlet worden / in die Erde kommen kan; denn wenn solcher in allzugrosser Kälte / Hitze oder Abwechselung / auch aus einem Erdreich in das andere bracht wird / so veruhrsachet es fermentationes, und folglich Fäulnüß und Würme.

§. 15. Aller Baum-Saame zwar hat zu seiner bessern Conservation einen balsamum innatum, und dieser eine verborgene Wärme in sich; wenn nun solche durch eine äusserliche natürliche oder Sommer-Wärme excitiret wird / so erreget sie sich / fänget an zu würcken / und ziehet anders woher Nahrung an sich / wie der Magnet, und bekömmt aus der Tinctur der Erden sein nutriment, biß es endlich / weil es die gesammlete Nahrung in die Länge nicht mehr halten kan / ausbricht / und ein Stämmlein eines Baums / oder Stauden / herfür bringet.

§. 16. Die Aspen und alle Weiden-Geschlecht / wie auch die Pappeln haben keinen Saamen / wie von den meisten Holtz-Verständigen judiciret werden will / und wir beyläufftig hier gedencken wollen. Ob nun solche von morastigen und nassen Boden procreirt und herfür brachtwerden / oder ob die Zäpflein / so sie jährlich tragen / und Frühlings-Zeit von sich werffen / hierzu etwas contribuiren / da man doch keinen oder nichts sonderlich sichtliches / oder einem Saamen ähnliches in solchen Zäpflein ausser vielen kleinen schwartzen Strichlein und Fäßlein / darinnen aber kein Mehl ist / spühret / deme nun wäre billig nach zudencken / und nachzuforschen.

Wahrscheinlich und vermuthlich ist es / daß von solchen Zäpfflein junge Aspen und Weiden entspringen.

Dann wo dergleichen Zäpfflein tragende Bäume stehen und solche fallen lassen / da findet sich hiervon in der Nähe stetiger Anflug / vermuthlich / daß solche Zäpfflein alsobald Würtzelchen geben / so hernach in ein Stämmlein ausschlagen / oder gleich andern Saamen / Stämmlein von sich stossen / dahero die eigentliche Beschaffenheit zur Zeit etwas unbekandt verbleibet.


Das Zehende Capitel.
Von wilden Saamen-Bäumen / Reifung / wie auch
Einsamlung und Erhaltung des wilden
Baum-Saamens.

§. 1. GOtt und die Natur erfordern es / daß man Holtz säen und pflantzen solle. Vortheil beym Holtz-Säen.

§. 2. Bey jedweden Gehau sollen Saamen-Bäume gelassen werden. Von Saamen Bäumen derer man sich in Besäung grosser Refieren bedienen will.

§. 3. Wie solche beschaffen seyn müssen. Warum beym Tangel-Holtz alte und starcke Bäume zum Saamen nicht aus zusetzen / und aus was Ursachen die Holtz-Hacker solche darzu nehmen. Was sonsten vor Bäume darzu zu erwehlen.

§. 4. Was hierinnen beym Laub-Holtz zu beobachten.

§. 5. In was distanz die Saamen-Bäume zu lassen. Woher das geringe Holtz und Anflug komme.

§. 6. Von bequemsten Ort zum Saamen-Bäumen.

§. 7. Wie man der Natur beym Anflug helffen solle. Warum der Saamen bald aufgehet / wo das Vieh gehütet wird. Die beste Zeit zum Anflug.

§. 8. Von der rechten Samlungs-Zeit des wilden Baum-Saamens.

§. 9. Von Merckmahlen / daß der wilde Baum-Saamen reiff und gut sey. Ob hiervon im Wasser eine juste Probe zu nehmen.

§. 10. Wie man die Reife und Güte an der Farbe und sonsten erkennen solle / auch ob man sich hierbey nach der Jahres-Zeit zu richten habe.

§. 11. Behutsamkeit bey der Einsamlung.

§. 12. Wie der Saame zu verwahren / daß er nicht verderbe. Observation von der Tauerhafftigkeit des Tangel-Holtz Saamens.

§. 13. Was zu thun wenn unter den guten Saamen geringer ist.

§. 14. Von Einsamlung des Tangel-Holtz-Saamens / und ob das Tangel-Holtz-Säen practicable. Vom Blühen derer Tannen und Fichten / denen Zapffen und darinnen enthaltenen Saamen. Observation von Hartzen.

§. 15. Wenn und wie der Tangel-Holtz Saamen ausfalle.

§. 16. Wie derselbige zu probiren ob er reiff sey / wenn er zu säen

§. 17. Wie man den Tangel-Holtz-Saamen abnehmen könne.

§. 18. Wie die Zapffen zu dörren und der Saame daraus zu bringen.

§. 19. Wie diser abgesonderte Saamen zu beobachten und darmit gute Obsicht zu haben.

§. 20. Bey allen ist die Zeit wohl zu observiren. Wilder Baum-Saamen wird aus Schweitz und Teutschland

versendet.
§. 1.

DAß die wilden Bäume und Wälder / auf zweyerley Weise fortgebracht werden / nehmlich[WS 41] durch die Natur selbsten und allein / und denn durch die Kunst und Arbeit mit Säen und Pflantzen / wird über das ob- und mehr gedachte Anführen / keines grössern Beweises bedürffen / weil es sonsten notorisch. Dieses Werckes Absehen aber ist vornehmlich nicht auf die erste, sondern die andere Art / nehmlich die Fortpflantzung des Holtzes gerichtet / so durch Hand-Anleg- und Bemühung des Menschen selbsten geschicht. Hierbey nun ist wohl zu erwegen, quod in natura nihil est incertum, oder / daß gleichwie in der Natur nichts ungewiß und ohne Ursache geschehe / also haben wir bereits in vorhergehenden Capitel aus der Menge des wilden Baum-Saamens dargethan / wie es GOTT haben wolle / daß wir solchen Saamen nicht umsonst seyn lassen / sondern selbsten säen / Bäume daraus ziehen / und dieß Werck der Natur nicht ganz allein übergeben sollen.

Nun ist man zwar freylich geständig / daß diese hierinne wohl dem Vorzug hat / so viel die Herfürbringung des Saamens in der Menge betrifft / alleine der Mensch kan solchen Saamen der Erde besser vertrauen / und beybringen / als jene / dann von den ausgefallenen Saamen derer Saamen Bäumen die Vermehrung des Holtzes zwar geschicht / aber am sichersten ists / wenn der Saame von dem Menschen gnüglich in die Erde bracht wird / welcher als denn schnell aufwächset / und wenn ja die Bäumlein zu dicke in einander stehen / so verdemmet schon eines das andere / und machet ihnen selbst Raum und Lufft; dergleichen Bäume bekommen meist einen geraden Schafft / lassen die übrigen Aeste selbst fallen / und heilen die Wunde auch von sich selbsten aus / daß es also hier weniger Arbeit brauchet; von einem Saam-Baum aber flieget nach und nach / jedoch langsam wohl etwas Holtz an / und ist wohl besser / wo mans haben kan / als wenn es mit grossen Kosten und vieler Zeit durch Pflantzen der jungen Stämmgen erst verrichtet werden solte.

Ja es ist fast unmöglich / solche grosse Gegenden zu bepflantzen / die Stämmlein an Pfähle anzubinden / zu wässern und was dergleichen mehr erfordert wird.

Wollen derhalben ehe wir von dem Saamen und dessen Ausstreuen weiter handeln / etwas von den Saamen-Bäumen / und zwar nachfolgends anführen.

§. 2. Es soll billig / wo ein Holtz-Hau beleget ist / oder beleget werden soll / fleißige Obsicht darauf geschehen / daß gewisse Saamen-Bäume von allerhand und der besten Arten Holtzes ausgesondert und conserviret werden / den Anflug von sich selbsten dadurch zubefördern.

Wo aber des Säens sich zu bedienen die Nothdurfft erheischet / da kan man in Wäldern etzliche Refieren aussehen / wo tüchtige Bäume stehen / welche Zapffen oder Saamen tragen / und um selbige Gegend die Sonne wohl anfället / den Saamen desto besser zu reiffen.

Und wenn solcher vollkommen reiff / alsdenn mag er eingesamlet / gesaubert / trocken behalten / und für Beschädigung bewahret, auch nachgehends zu rechter Zeit gesäet / und in die Erde bracht werden.

Dann es bleibet doch einmahl für allemahl wahr / daß die licht gemachte Höltzer / oder sylvae otiosae, das ist / die leeren Plätze / und Stockräume / in vollkommenen Wieder-Wachs nimmermehr / oder nicht anders zubringen / als durch das fleißige Ansäen. Dann vermittelst des Saamens / so von Saam-Bäumen ausfleugt / kommt der Anflug nur eintzeln / oder Fleckweise auf / aber durch das Säen / kan der Wieder-Wachs in eine Gleiche / und über die gantze Gegend bracht werden / auch ist bey diesen der gröste Nutzen und Vortheil / daß die besten Arten vom Holtz dadurch erlanget und gesäet werden können / da in Gegentheil man die Saamen-Bäume von recht guten Holtz / nicht überall und gar selten / nur etzliche haben kan / una materia ligni aliam pretiositate superat.

Dahero höchstnöthig / alle gute Bäume / so Saamen tragen können / fürohin zu schonen / davon Saamen für eigne Saat und zum Verkauff zusammlen.

Es ist aber die Frage? wie nicht allein der Saamen, sondern auch solche Saam-Bäume beschaffen / und in was Grösse / Höhe und Alter diese seyn sollen / sonderlich von Tannen / Kieffern und Fichten / damit selbige Zapffen tragen / und den grossen Flächen / darauf die Höltzer abgetrieben / und weggeschlagen / wieder Saamen zum Anflug und Wiederwachs geben mögen.

Theils wollen nun dafür halten / practiciren es auch also / und lassen die stärckesten Bäume zu Saamen Bäumen stehen.

Allein / weil solche zu alt / so tragen sie keinen, oder doch wenigen Saamen. So rüttelt auch der Wind an dergleichen Bäumen, weil sie starck und hoch / und sie also recht zufassen sind / lässet sie auch zu keiner Fruchtbarkeit und zu Saamen kommen, ja bricht sie endlich gar um / und so was von jungen Holtze in dieser Gegend vorhanden / so thun sie an solchen in Niederfallen grossen Schaden.

Es bleibet auch gar selten ein dergleichen starcker Baum stehen / biß das andere Holtz darneben so hoch wächset, daß es ihn vor der Wind verwahren und helffen kan / sondern er wird gemeiniglich darvon gebrochen / und da man solchen aufmachen und geniessen will / so thut man indem das Holtz davon geschlagen und gespalten wird / und die Wege zur Abfuhr geräumet werden / in jungen Wiederwachs mehr Schaden / als der Baum werth ist / dahero die meisten gar liegen bleiben / und verfaulen müssen.

Daß aber dergleichen grosse Stämme zu Saamen-Bäumen gelassen und stehen bleiben / geschicht meist darum / weil die Holtz-Hauer einen Vortheil dabey suchen / und sich nicht gern an selbige machen / indem sie ein sehr altes und ausgewachsenes festes Holtz haben / so schier mit keiner Axt noch Säge zugewinnen / daher lassen sie solche stehen, unter den Vorwand / sie gäben gute Saamen-Bäume.

Es ist auch gewiß / daß unter denen alten ausgewachsenen und bestandenen Tannen-Bäumen unterschiedene gefunden werden / deren Holtz so fest ist / daß fast keine Säge noch Axt daran hafften will / sondern wenn man darein hauet / es fast wie Glaß springet / weswegen die Holtz-Hauer ein Gerüst auf 4. 6. 8. oder mehr Ellen hoch machen an welchen sie den Baum hinauf steigen können. Denn je höher sie kommen / je mehr lässet der Baum von der untersten Härte und Festigkeit nach / welches denn auch die Ursache ist / daß sie jederzeit einen Stock von 4. 6. 8. oder mehr Ellen hoch ohne Nutz / und nur zum verfaulen stehen lassen / wie solches oben mit mehrern angeführet worden.

Hingegen geben die jungen traublichten Tannen / Kiefern und Fichten von 10. 12. 15. 20. oder mehr Ellen hoch / die besten Saamen-Bäume / sonderlich die Fichten / und weil sie jung und nicht hoch / so kan sie der Wind nicht fassen und umstürtzen: so bewurtzeln sie auch nach und nach mehr und leichter / als die grossen und überständigen und widerstehen also mehr denen Winden.

Hiernechst so bringen sie / wenn ein gutes Jahr ist / viel und mehr Saamen / als die gar alten Bäume, wachsen auch von Jahren zu Jahren grösser / und werden also je mehr und mehr tüchtiger zum Saamen tragen.

§. 4. Das obberührte ist aber meist von Tangel-Holtz-Saamen-Bäumen geredet / dann was die Saamen-Bäume von Laub-Holtz anbetrifft / so scheinet es wohl am besten und nützlichsten zu seyn / daß man ziemlich ausgewachsene Stämme darzu aussondere / und stehen lasse / so sich mit Aesten weit ausgebreitet / und folglich viel Saamen tragen können / als die Eichen und Buchen: weil aber dieser Saame ziemlich schwer / so kan wenig Anflug von sich selbsten davon in der Ferne gehoffet werden / indem er nur in der Nähe um den Baum herum liegen bleibet / aber selbigen einzusamlen und zum Säen / oder zum Verkauff zugebrauchen / werden solche Saamen-Bäume sehr nützlich seyn.

Wo aber Ober- und Unter-Holtz gebräuchlich ist / da gibt es dergleichen Saamen- und Mast-Bäume desto mehr.

Die Ahorn / Häyn-Buche / Ilme / Rüster / Asche / Bircke etc. haben etwas leichtern / und theils geflügelten Saamen / weil er aber etwas schwehrer / als der Tangel-Holtz-Saamen ist / so kan er vom Winde nicht so weit ausgebreitet werden / es

sey dann / daß die Bäume an einem Berge oder Gehänge stehen.
Sylvicultura oeconomica b 155.png

Den Saamen von Erlen aber / weil dieser Baum gern an Ufern

der Flüsse / oder an Seen[WS 42] / und Teichen wächst / führet das Wasser hin und wieder / und wird dadurch reichlich fortgepflantzet.

§. 5. Derohalben wo das Holtz abgetrieben wird / muß man bedacht seyn / daß man Saamen-Bäume von guter Art Holtzes in einer gewissen distanz von einander / oder Strich-Reihen / und Buschweise stehen lasse / damit der Saame desto eher hin und wieder sich ausbreiten / ausfliegen / und der Anflug und Wiederwachs über und über befördert werden kan / dann es kan sich selbiger im Abfallen besser austheilen / und der Wind komme her wo er wolle, so wird er den leichten Saamen aller Orten hintreiben.

Wenn nun also bey den Gehauen Saamen-Bäume gelassen werden / so wächset wieder gut Holtz heran; Wofern aber das nicht geschicht / hat man nichts anders alda zu hoffen / als was die Natur vor sich selbst herfür bringet / oder was von Saamen / den die Vogel dahin getragen / auffwächset / welches denn meistentheils Wacholder-Beere / oder andere geringe Stauden sind / wie man hin und wieder in Ländern dergleichen schlechte Gebüsche antrifft.

Aber auf diesen jetzterzehlten Anflug ist keine Reflexion zu machen / weil er sich seltsam einfindet / auch meistens in Gestrüppe und Buschwerck bestehet.

§. 6. Nechst diesen sollen auch diejenigen Bäume / so man zu Saamen-Bäumen aussiehet / und Saamen davon samlen will / etwas in freyen stehen / daß sie die Lufft / Sonne und Witterung desto besser treffen kan.

Denn durch solche wird der Saame vollkommener und reiffer.

Hingegen wenn dergleichen Bäume in finstern dicken Walde stehen / können sie nicht so vollkommenen tüchtigen und zeitlich reifen Saamen / auch zum theil nicht in so grosser Menge / aus Mangel der Sonnen und Lufft herfür bringen / als die jenigen / so in freyen und unbehinderter Lufft sich befinden derhalben alle Vorsichtigkeit und Emsigkeit dabey zugebrauchen / höchst nöthig seyn will.

Alhier aber wird nur von denen jenigen Saamen-Bäumen geredet / von welchen man Saamen zum Ausstreuen samlen will / denn die andern / davon der Saame nur ausfliegen soll / die stehen ohne dies in freyen / oder in Stockräumen / auf Blößen oder an Rändern derer Gehöltze / und Wälder.

§. 7. Wenn man sich nun also mit den Saamen-Bäumen geschickt / so braucht es zwar so viel Mühe / Arbeit und Sorge den Saamen und Anflug darvon zu gewinnen nicht, als bey einen fruchtbringenden Garten / da man einen guten Baum absonderlich und continue bewarten muß / indem die Natur in Erziehung des wilden Holtzes / Wiederwachses oder Anflugs selbsten besorgt ist und das meiste dabey contribuiret / auch wann in übrigen die Saat der wilden Bäume wohl und ohne disordre verrichtet / und so weit gebracht wird / daß der Saame nur aufgehet / so ist es schon halb gewonnen / gestalt die Pflantzen selbst hernach sich aufziehen / und wo sie zu dicke stehen / eine die andere vertreibet / und also in rechter Menge und distanz ein Stämmlein neben den andern gar glücklich einher / und aufwächset.

Unterdessen will doch vonnöthen seyn / daß man der würckenden Natur zustatten komme / und die Hindernisse so den Anflug im Wege liegen / auf die Seite schaffe. Diese nun sind sonderlich das Mooß / lange Graß und dergleichen, welches denn alles weg zu räumen / damit der Saamen auf die Erde fallen möge. Dahero nun ist leicht zu judiciren warum an etlichen Orten / wo das Vieh alle Tage gehet / oder gehütet wird / und Saamen-Bäume in der Nähe sind / man schleunigen Wiederwachs spühret? denn das Vieh hält den Boden glat / und frisset das Graß und Mooß drauff weg / als welches hindert / daß der Saamen das Erdreich nicht ergreiffen und aufgehen kan / wie man an andern Orten / wo dasselbe nicht gehet / gewahr wird / gestalt daselbst der Saame die Erde nicht erreichen mag, sondern auf solchen Geräusche liegen bleibet / und verdirbet.

So bald man aber den Anflug des Saamens von Bäumen / und dem Anflug des jungen Holtzes hierauf spühret[WS 43] / ist höchstnöthig / daß man das Vieh-Hüten / daselbst einstelle.

Desgleichen so ist die beste Zeit und sicherste Gelegenheit zum Anflug hieraus zu schliessen / nehmlich / so bald die Gehaue von Holtz und Reißig geräumet / dann um diese Zeit ist noch kein Graß / Kräuter oder viel Mooß auf dem Erd-Boden daselbst verhanden / und kan der Saame alsofort die blosse Erde berühren und glücklich aufgehen.

Da aber die Erde beraßet / Kräuter und Stauden-Werck aufschiesset / welches in wenig Jahren hernach geschiehet / so kan der Saame die Erde nicht fassen / und verziehet sich der Anflug auf viel Jahre hinaus / oder kömmt doch sehr einzeln herfür.

§. 8. So viel die Reiffung des Saamens betrifft / so ist nicht so gar leicht zutreffen / daß man denselben nicht zu frühe / oder zu späte einsammle / abbreche / abschüttele / abreisse oder abpflücke / derohalben muß man auf die Zeit und Zeichen des Reiffthums und folgends der Einsamlung des Saamens genaue Achtung geben.

Allermassen leicht zuermessen / wie viel die rechte Einsamlungs Zeit derer Saamen importire.

Denn wenn solche nicht recht getroffen wird / da der Saamen in seiner Vollkommenheit / so kan er auch bey dem Säen nicht sattsame Kräffte haben / aufzugehen / und hernach einen vollkommenen Stamm zutreiben.

Ist er aber nicht gäntzlich reiff / und gehet auf, so fället das Stämmlein jedennoch wieder um / weil ihm die Krafft ermangelt.

§. 9. Ein jeder wilder Baum Saamen hat sein gewiß Zeichen des erlangten Reiffthums / als welchen er auf dem Stamme selbst bekömmt / da sonsten unterschiedene Früchte erst besser reiff werden / wenn sie eine Zeitlang in Häusern verwahrt gelegen / und nach und nach erst reiffer und mürber werden / daß es also selbigen nicht schadet / wenn sie gleich etwas zeitig abgenommen werden; Der Baum-Saame hingegen wenn er unreiff gesamlet wird / ist unnütze verschrumpffet / verwelcket / und wird untüchtig zum säen. Unterdessen so ist die Vollkommenheit und Güte von selbigen nicht so leicht / als wie bey dem Getreyde zuerkennen / weil man nicht allerdings / zumahl wegen der Schale und Haut / darunter öffters eine Fäulnüs und Wurm verborgen stecket / durchsehen kan / wie dergleichen bey denen Nüssen vielfältig wahr zu nehmen.

Eine gemeine Regul ist zwar daß der jenige Saamen so im Wasser zu Boden fället / gut sey; doch darff man bey allen / sonderlich bey dem leichten Saamen nicht allezeit darauff bauen.

§. 10. Durch das Auge wird hierbey am meisten judiciret / ob der Saamen reiff oder nicht.

Wenn er seine rechte Farbe hierzu hat, die Zapffen / Hülsen und Knospen sich aufthun / und selbigen wollen fallen lassen / ingleichen wenn der Stiel / woran er hanget / welck / gelb und dürre ist / oder sonst durch Zwang des gefallenen Reiffs der Saamen tüchtig wird / alsdann ist er wohl reiff zu achten. Theils kan auch der Geschmack und Geruch etwas hierzu contribuiren; Dann wenn solcher recht vollkommen ist / so ist der gute Geschmack und Geruch davon auch ein mercksames Zeichen / wie auch das Fühlen / ob er nicht noch zu weich / oder hart gnug sey.

Immittelst so giebt das Gesicht fast das unbetrüglichste Merckmahl; concurriren die Proben aber durch die andere Sinne zu gleich mit / so ist es desto besser / und sicherer. Es hat auch jeder Saamen seine gewisse Jahr-Zeit / in welcher er reiff zu werden pfleget; doch ist sich auch hierunter nach der Jahres-Witterung und nach dem Clima zurichten / indeme die Zeitigung des Saamens dadurch bald befördert / bald verlängert wird.

Auch wird der Saame zum öfftern nicht alle zugleich reiff / dann theils stehet hinter einen Ast / oder unter vielen Laub / daß die Sonne darzu nicht kommen kan / welcher dahero um so viel später seine Reiff- und Tüchtigkeit zum säen gewinnet. Unterdessen weil der Saame durchgehends dicke und in Menge ausgestreuet wird / so kan eben nicht viel hindern / ob gleich etzliche untüchtige Körner darunter befindlich seyn möchten / wie solches auch bey dem Getreyde Saamen sich zum öfftern zu träget.

§. 11. Wenn nun also der Baum-Samen seine Vollkommenheit erlanget / anfänget reiff zu werden / und wie obgesaget / sich färbet / sein innerlicher Kern dichte / und nicht mehr weich oder milchicht ist / sondern Mehl geben könte / und ferner nicht dergestalt zubesorgen / daß selbiger / im Fall man ihn samlet / ein schrumpfe oder sehr eindorre / faul / schimlicht / oder sonst untüchtig werden möchte / so soll man als denn dessen Einsamlung behutsam anstellen / und theils / so von sich selbst abfället / zusammen bringen.

Weil aber insgemein viel schadhaffte Körner darunter sind / welche zeitlicher als die guten abfallen / so muß man die abgefallenen alleine samlen / und die übrigen entweder von denen Bäumen abschneiden / abschütteln und abschmeissen lassen / wie es sich bey jeder Art am besten fügen will. Es ist aber auch hierbey wohl in acht zu nehmen / daß der Saame nicht feucht oder naß einbracht werde / auch daß man den faulen und anbrüchigen von dem guten absondere / damit einer dem andern nicht anstecke / und corrumpire.

Der beste ist wohl / der entweder von sich selbsten wegen Reiffigkeit oder im ersten erschütteln abfället.

In summa, es ist mit allen Fleiß dahin zu trachten / wie und wo man solchen am besten finden kan / der recht vollkommen / und der von gesunden und frischen Bäumen ist.

Es ist sich aber an hohlen Eichen und Buchen nicht zu kehren wenn der Baum sonsten vollkommen ist / so tragen die hohlen Bäume öffters eben so guten Saamen als die vollkommensten und die gesundesten.

§. 12. Weilen nun insgemein der meiste Baum-Saame gegen dem Ausgang des Sommers / oder in dem Herbst reiff wird / so ist er / um selbige Zeit aufzusamlen / und alsdenn an wohl temperirten Orten zu verwahren / daß er nicht zu feuchte / oder zu warm stehe / oder dicke auf einander liege.

Denn auf solche Weiße verschimmelt er leicht wird anbrüchig / oder trucknet allzu sehr aus / und verlieret alle Krafft zum Aufgehen.

Jedoch ists gewiß / daß viel wilder Baum-Saamen / bevorab der Hartzige / nicht so bald verdirbt / gleich denen zahmen Baum-Früchten / sondern hält sich insgemein etzliche Monate und Jahre in seiner Güte und unverwandelt / welches Göttliche Allmacht außer allen Zweiffel also geordnet / damit er desto eher fortkomme und sein Geschlecht fortpflantzen könne / weil er von denen Menschen wenig Wartung[WS 44] zu seiner conservation genießet / wie man denn unläugbare Exempel und Experienz hat / daß von Tannen- und Fichten-Saamen / so in gewissen Orten uneingehacket / oder uneingearbeitet / ausgestreuet worden / erst in 8. biß 10. Jahren hernach etzliche oder unterschiedene Körnlein davon aufgegangen, und inzwischen unverdorben sich erhalten / jedoch kurtz darauf gedachte Pfläntzlein meist von Wildpreth abgebissen worden / aber die übrigen Saam-Körnlein so nicht aufgegangen sind ohne Zweifel auf vielerley Art verlohren gewesen / und verdorben.

§. 13. Nachdem auch der Baum-Saamen nicht alle Jahr vollkommen / und an einer Gegend mehr als an der andern reiff und tüchtig wird / sondern flach und verschrumpffen bleibet / und wenig Kern oder Mehl hat / so muß man beym Einsamlen nach dergleichen trachten / oder da solcher nicht durchgehends gut / und geringer darunter / kan man desto dicker säen / oder gar einen guten Jahres-Gang mit dem Saamen erwarten / da durch gute Witterung derselbe recht reiff und vollkommen werde / damit man sich also nicht vergebliche Kosten und Hoffnung zum Anflug mache.

§. 14. Von der ordentlichen Zeit und Art der Einsamlung aber jeglichen Baum-Saamens insonderheit zuhandeln / wollen wir anietzo von dem immergrünenden Tangel-Holtz / als nehmlich der Tannen / Fichten und Kieffern den Anfang machen / weil dasselbe in diesem Gebürge am meisten anzutreffen / solches die übrigen mit ihrer Höhe übersteiget / auch ihres vielfältigen Nutzens halber vor andern sich recommendiret.

Es wollen zwar unterschiedene Hauß-Wirthe / jedoch ausser Noth / und ohne gnugsame Experienz zweiffeln / und meynen / daß es mit Säung des Tangel-Holtz-Saamens nicht glücklich abgehen dürffte; alleine / sie haben entweder den Handgriff in Sammlung oder Säung des Saamens nicht gewust / oder sonsten einen wider die Natur begangenen Fehler dabey ausgeübet.

Wenn nun die Tannen und Fichten über Winters die jährigen Sommer-Sprossen an Aesten abwerffen / davon das Wildpreth auf dem Schnee seine Nahrung hat / so ist es eine Anzeigung / daß künfftiges Jahr die Spitzen / wovon die Sprossen abgefallen / dagegen Zapffen tragen werden, welche denn alsofort in Frühling fast in Gestalt einer Erd-Beer hervor kommen.

Sie sind von lieblichen Geruch / schöner violet und grüner Farbe / sehr anmuthig anzusehen / werden nach und nach immer grösser und grösser / ändern die Farbe / wie sie denn von Zeiten zu Zeiten grüner / hernach dunckelgrün / letzlich braun und gilblicht sich zeigen. In solchen Zapffen ist der Saame verborgen / und jede und alle Körnlein besonders mit Liedern eingeschlossen / daß ein eintziger solcher Zapffen / sonderlich an Fichten 100. und mehr Saamen-Körnlein in sich hat / und unter einem Liede oder Schuppen ein / auch zuweilen zwey Körnlein stecken / und die Bäume / bevorab die Fichte und Kiefer etliche Schock Zapffen herfür bringen / welche am Ende der Aeste / und des Reisigs oder der Zweige / so an den Aesten hangen / zu wachsen pflegen.

Diese Zapffen tragen nicht eher als einmahl in Jahre Saamen / hernach stöst die[WS 45] Natur solche von den Aesten ab / daß sie fallen und dürre werden / springen auch wohl von der grösten Kälte des Winters herunter.

Zu Zeiten geschicht es wohl / daß wenn sie abfallen / sie den völligen / oder doch nur theils Saamen noch in sich haben / weil wegen später Reiffung / oder ermangelnder bequemen Witterung selbiger zuvor nicht ausfallen / oder ausfliegen können.

Die Fichte hat die längsten Zapffen / welche unten gantz spitzig anzusehen; die Tannen-Zapffen hingegen sind etwas kürtzer / und unten kaulicht / oder etwas abgestumpfft / die Kieffernen aber noch kürtzer.

Beyläuffig ist hierbey anzumercken / daß wenn es viel Tannen- und Fichten-Zapffen giebet / so gibt es nicht viel Hartz.

Denn der Baum muß seinen Safft und Krafft den Zapffen überlassen / und in die Höhe ziehen / wie man denn es auch an den Zapffen siehet / und gewahr wird / daß viel Hartz daran hänget / daraus auch gnugsam zuschliessen / daß das Hartzen oder Pechreissen an denen Saamen-Bäumen sehr schädlich sey.

§. 15. Von dem Reifthum nun dieses Saamens ist schon oben in etwas gehandelt / jedoch noch zu erinnern / daß wenn der Sommer sehr gut / so thut nach warmen Regen und Sonnenschein / noch im Herbst und vor Winters der Zapffen sich auf / daß der Saame heraus fallen kan / welcher von dem Winde sehr weit geführet wird. Oder es geschicht solches ausfallen erst folgenden Frühling / da bey warmen Tagen die Lieder und Fächlein des Zapffens sich aufbürsten und aufthun / und der Saame / so unter denenselben stecket / ausfället / oder von dem Winde gerüttelt hin und her geführet wird. Hernach machen die Fächlein sich wieder zu / sonderlich bey ungestühmen Wetter / und behalten etzliche Körnlein bey sich / biß wieder zur bequemen Witterung / da sie sich wieder aufthun / und die übrigen Körnlein der Erden zu ihrer Besaamung darbieten und zuschicken.

§. 16. In Herbst kan man zeitlich eine probe an den Zapffen nehmen / und sehen ob der Saame vollkömlich reiff darinne sey / zumahln wenn ein guter Sommer gewesen / daß er reiffen können. Denn man darff nur etzliche Körnlein einweichen, und in die Erde stecken um zusehen / wie sie sich zum Auskäumen anschicken / und darauf solchen noch vor Winters der Beschaffenheit nach samlen und säen.

Da er aber wegen übler Witterung für der bequemen Herbst Saat-Zeit nicht gnugsam gereifet / oder nicht füglich zusamlen und zusäen ist / so mag solches in folgenden Februar. geschehen / oder so bald man in Früh-Jahr darzu gelangen kan.

Denn alsdenn sind die Zapffen / nebst den Saamen unumgänglich reiff / oder man mag sich versichern / daß er nicht reiffer werden kan / und darauf folget die rechte Zeit solchen zusäen / dabey möglichst zutrachten / daß der Saame annoch die Winter-Feüchte in der Erde / und also mehrere Hülffe zum Auskäumen und aufgehen erlange.

Da es nun auch gleich ein- und zutrifft / daß eben zu solcher Zeit / da die Bäume gefället und Stockräume gemacht werden / der Saame auf solchen Bäumen annoch verhanden und reiff ist / auch die Zapffen entweder von sich selbsten / oder indeme die Bäume auf der Erde liegen / durch die Sonnen-Wärme sich aufbürsten / so fleugt der Saame in Niederfallen / in Umstürtzen und in Liegen der Bäume aus / und besamet sich alsdenn der Stockraum desto ehender wieder.

§. 17. Nichts minder wenn der Saame von dergleichen gefällten Bäumen, Tannen / Kieffern und Fichten / soll abgenommen werden / erfordert es gleichfalls eine Behutsamkeit / damit solcher zu rechter Zeit erlanget / und bey guten trocknen Wetter gesamlet werde / man auch desto füglicher und leichter zum Einsammeln des Tangel-Holtz-Saamens kommen kan. Und weil von diesen hohen Bäumen ohne grosse Mühe und Gefahr die Zapffen nicht herab bracht werden können / so fället man dergleichen Bäume / so viel Saamen haben / zumahl wenn man sie sonsten zum Bauen und andern Gebrauch nöthig hat / und zwar eben um die Zeit / wenn der Saame reiff ist / und also können die Zapffen[WS 46] desto leichter abgebrochen werden / jedoch muß man auch darbey eilen und fürkommen, damit nicht bey der Herbst und Mertzen-Sonne selbige zuvor aufklaffen / der Saame ausfalle und verfliege / ehe man zu Fällen derer Bäume und Einsamlen der Zapffen gelangen kan.

Dahero nicht unrathsam / daß man von Zeiten zu Zeiten etliche Zapffen zur Probe abpflücke / und aus selbigen / wie auch denen Körnlein judicire / ob der Saamen bald ausfliegen werde / und sich alsdenn darnach regulire.

Weil aber nicht allezeit vorträglich / die Saamen-Bäume zu fällen / gleichwohl aber gedachte Zapffen meist an den Gipffeln und äusersten Aesten wachsen / und fest daran hangen / also ist es nicht allein gefährlich / sondern es erfordert auch viel Mühe und Unkosten / solchen abzubringen.

Dannenhero was man in Aufsteigen auf solche Bäume / oder mit Anlegung grosser Fahrten oder Leitern nicht erlangen kan / muß vermittelst grosser und scharffer Hacken oder Baumscheren / wo sie anzubringen / geschehen / damit die Zapffen / ja wohl gar die Aestlein abgerissen / und abgeschnitten / hernach unter den Bäumen hin und wieder zusammen gelesen werden.

§. 18. Diese Zapffen nun werden nicht in Backofen / oder in den heisen Stuben / und Oefen gedörret / denn sonsten das Hartz und Fettigkeit / so darinnen und in den Saamen ist / selbigen entgehet / oder sich allzu viel concentriret / auch der Saame selbst angegriffen und verbrennet / und die pori zum Aufgehen dadurch verschlossen werden / wie denn auch das Abdörren bey allzu großer Sonnen-Hitze dergleichen würcket / und die Körnlein mit Hartz überziehet.

Es ist also am besten / wenn sie nur mit gelinder Wärme oder Hitze zum Ausfallen gezwungen werden.

Nehmlich man thut die Zapffen in warme Stuben unter die Bäncke / oder schüttet sie sonsten auf guten dichten Boden / da sie auf bürsten / oder man stösset sie / wenn sie sich aufgethan / niederwerts auf die Spitze / so fält der Saame gleich heraus. Etzliche lassen alles was von denen Zapffen sich abröhret / oder abfället / bey dem Saamen zusammen / und wird auch so gesäet. Man bricht auch die Zapffen meist um Mitt-Fasten ab, leget sie auf Horden in warme Stuben / biß sie trocken sind und aufkläffen; oder man mag sie in einen Backtrog / oder auf Tüchern an die Sonne legen / bis sie auf bärsten / oder mit einem Stecken den Saamen ausschlagen / und hernach in einem Siebe aussieben / und ausrütteln / welches der sicherste Weg ist.

Dann mit der Stuben-Hitze kan man leicht zu viel thun. Nicht undienlich ist auch / wenn man solche Zapffen in laulichtes oder in nicht allzu kaltes Wasser etliche Stunden lang leget / hernach auf unterschiedlichen Tüchern / damit man den Saamen desto besser darauf samlen kan / und er sich nicht verstreuen möge / an die Lufft thut / und ausbreitet / so ziehet die Sonne mit der Feuchtigkeit auch zugleich die Schuppen in die Höhe / welche sich denn selber weit auf thun und auff bürsten / daß der Saame / so unter den Blättern stecket / herfür kommet / und heraus fället / und können alsdenn die Zapffen nach einander auf einen dichten Boden oder reinen Platz geschüttet / mit Stecken ausgeklopffet und ausgetroschen / und also der Saame am besten und völlig davon bracht werden. Darbey aber sind zwar die Flügel / so an solchen Saamen befindlich so viel möglich / nicht zu beschädigen / indem man der Meynung ist / daß die Natur ihme dieselben auch darzu gegeben / daß derjenige Theil des Saamens allezeit oberhalb zustehen komme / so aussprossen und aus käumen soll / der andere hingegen / so die Wurtzel giebet / unten bleibe.

Jedoch scheinet es wohl / daß der Flügel mehrentheils nur darzu dienet / damit der Wind den Saamen / indem er von dem Baum und aus dem Zapffen fället / weit herum führen und überall ausbreiten mag.

In wehrenden Säen und Ausstreuen bleiben also die Flügel oberhalb bestehen und wenn der unterste / als der schwehreste Theil des Saamens nur die Erde berühren kan / so ist er genaturet / daß er unten auswurtzele / oben auskäume / und fort wachse / und also hat die Natur hierinnen eine sonderliche Vorsehung spühren lassen.

§. 19. Wenn der Saame von dem Zapffen solcher Gestalt abgesondert / und man nicht also fort zum Aussäen gelangen mag / wird solcher zusammen gesamlet / an einen temperirten Ort gelegt, wo nöthig / gewendet / und gleichwie ander Saamen-Getreyde / biß zur Aussäe-Zeit verwahret / sonderlich kan der jenige so im Herbst gesamlet / unter etwas Sand gemischt / oder schicht weise darein geleget / und in einen trockenen Ort oder Keller den Winter über auf behalten werden.

Im Frühling / wenn der Mond zum Abnehmen kömmt / nimmt man truckene Holtz- oder andere gute Erde / so nicht zu feuchte / noch zu dürre / sondern fein fruchtbar und geschlacht sey; Man nimmt auch wohl zu einer Metze Saamen gemeine Seg-Späne / oder andere eben von der Art Holtz / davon der Saame ist / thut Erde darzu / daß beedes ungefehr 3. oder 4. Metzen ausmachet / menget alles wohl durch einander schüttet solches ein wenig angefeuchtet in Kühl-Fässer oder Zober / und setzet es an einen temperirten Ort / der nicht zu warm / oder zu naß sey / nehmlich in ein Gewölbe oder Keller / läst es etliche Tage stehen biß der Saame aufquillet / aufbrechen oder käumen will / alsdenn schicket man sich zur Saat.

Jedoch ist wohl dabey zubeobachten[WS 47] / daß er auch solcher Gestalt nicht auf einander erwärme / oder sich versäure / und weil man viel Sorge / und Aufsicht hierunter von nöthen / oder wenn nicht alles aufs genaueste beobachtet werden kan / viel Unrath zu besorgen hat / so scheinet wohl / daß man den sichersten Weg gehe / wenn der Saame mit Sand oder Holtz-Erde etzliche Zeit und Tage für der Saat-Zeit vermischt / ausgesäet werde / zumahl auch das Absehen mit dem Einweichen nur dahin gehet / daß der Saamen desto schleuniger aufgehen soll.

Davon an seinem Ort weiter soll geredet werden.

§. 20. Wie nun die Göttl. Providenz es so eingerichtet hat / daß man fast das gantze Jahr über / entweder mit Einsamlung des Saamens / oder dessen Säung wie auch ingleichen mit Pflegung des Wiederwachses / beschäfftiget seyn kan / auch in denen meisten Monathen des Jahres und Herbsts eine absonderliche Art von Baum-Saamen reiff wird / und also auch zu säen ist; Also muß der Haußwirth dabey vigiliren / und nach der Zeit sich richten und schicken / um so viel Baum-Saamen zu erlangen / welchen er theils zum Verkauff / theils für sich selbst zum Säen anwenden könne. Wie man denn / was den Verkauff desselben betrifft / sichere Nachricht hat / daß so wohl vor diesen / als auch jetzo aus der Schweitz und aus Teutschland vielerley Saamen nach Norden und in andere Länder verschicket und geholet / auch daselbst gesäet und guter Nutzen davon empfunden worden.

Nun solten wir zwar auch von den Saamen der andern Bäume insonderheit handeln / weil selbiges aber am füglichsten geschehen kan / wenn wir eine jede Art der wilden Bäume in andern Theil dieses Wercks absonderlich betrachtet haben, als wollen wir solches biß dahin versparen und also gegenwärtiges

Capitel schliessen.
Das Eilffte Capitel.
Von Grund und Boden zum Holtz-Bau / auch wie
derselbe verbessert werden könne.

§. 1. Von Unterscheid des Grund und Bodens insgemein und insonderheit beym Baum-Säen.

§. 2. Es ist fast kein Boden so nicht Holtz tragen könne. Vorschlag des Autoris von Oeden Plätzen.

§. 3. Warum auf den Alpen und anderen hohen Gebürgen kein Holtz wachse.

§. 4. Der Erde kan durch menschlichen Fleiß und Wissenschafft in Hervorbringung der Gewächse besser geholffen werden.

§. 5. Ein jeder Haußwirth solle sich erkundigen / wo auf seinem Grund und Boden mit Nutzen Holtz anzubringen seyn möge.

§. 6. Ingleichen was vor Art sich auf seinen Boden schicke. Warum das Laub-Holtz das darzwischen stehende Tangel-Holtz vertreibe. Nothwendigkeit dieser Erkundigung.

§. 7. Von der Holtz-Erde was die sey / und woher sie komme. Ein Exempel hiervon.

§. 8. Todte Erde was die sey / und was sie würcke / und wie ihr zu helffen.

§. 9. Woher eine gute Erde zum Holtz-Bau zu judiciren. Der Portugiesen Meynung hiervon.

§. 10. Wie von eines jeden Grund und Boden Tüchtigkeit und Beschaffenheit eine gewisse Probe zu machen.

§. 11. Welcher Boden zum Baum-tragen untüchtig und unbequem.

§. 12. Welcher Boden der Lage nach gut und tüchtig.

§. 13. Welches Erdreich gut seiner Qualität nach. Was hierbey zu beobachten.

§. 14. Was in Meißnischen Landen zum Holtz-Bau vor Grund zu befinden.

§. 15. Wie der untüchtige und unbequeme Boden zu verbessern. Von nassen Boden und wie selbiger zu nutzen.

§. 16. Wie dem dürren sandigten und kiesigen zu helffen. Wie die Natur hierbey Hülffe thut.

§. 17. Wie die todte / feste / leimichte oder thonigte Erde zu verbessern.

§. 18. Von Düngen. Nutzen des Farren-Krauts hierbey.

§. 19. Was Auffackern und Auffhacken helffe.

§. 20. Wie zu erkennen / was für eine Art Bäume an einem Orte fortkommen.

§. 21. Was weiter hierbey zu beobachten.

§. 22. Wie sich zu verhalten wenn man die Art des Bodens gar nicht ergründen kan.

§. 23. Was sonderlich die Lufft und clima ingleichen

§. 24. Die Lust und inclination eines Menschen zum Fortkommen derer Bäume helffe.

§. 25. Ob die Erde wegen ihres hohen Alters unvermögender worden und ob die Natur abgenommen habe.

§. 1.

ES ist bekandt / und gleichsam zum Sprichwort gediehen / was der Poët saget:

Non omnia fert omnia tellus,
Seu; Quaelibet terra suum habet genium. item:
Divisae arboribus patriae.

VIRG. D. i. Es trägt nicht ein jeder Land und Boden alles / sintemahl ein Land bringet und träget diese Art Bäume am besten / ein ander Land und Boden eine andere Gattung. Denn es hat GOtt einem jeden Climati, Orte / und Theil der Welt eine gewisse Art und Geschlechte der Bäume zugetheilet / die in einem Lande wohl und gewünschet einher wachsen / am andern aber geringer oder wohl gar nicht.

Was das gute oder geringe Erdreich thun kan / so wohl bey derer Gewächse Fortbringung und Wachsthum / als an Vollkommenheit / Güte und[WS 48] Vortrefflichkeit bey denen Früchten / das siehet man am Wein / wie unterschiedlich solcher an Geschmack / Stärcke und Süsse an einem Orte mehr / als an andern ist; Ingleichen an allerhand Getraide und daraus gebacknen Brod / wie eines wohlgeschmack / weiß und angenehm zu essen / hingegen das andere ungeschmack / schwartz / unangenehm und unnahrhafftig ist.

Und eben dergleichen geschiehet auch bey allen andern zahmen und wilden Bäumen und Erd-Früchten. Wie man denn aus der Erfahrung hat / daß leichte Erde guten Wein träget / die fette und starcke hingegen gut Getraide; Und also viel bey dem Erdreich zu remarquiren sey / inmassen so ein Hauß-Wirth solches nur so bloß oben hin ansehen / und dessen Eigenschafft / oder von was Qualitaet es sey / nicht erkennen / noch gnugsam erwegen und experimentiren will / was Geschlecht oder Art Bäume / dieser oder jener Boden am sichersten tragen möchte, sondern nur ohne Unterscheid den Baum-Saamen einstreuen wolte / der würde ohne Zweiffel[WS 49] grosse Fehler begehen.

Zwar in America und sonderlich in denen Südlichen Theilen desselben / sollen wilde oder solche Bäume von sich selbst wachsen, die sonsten unter einem kalten Clima gerne zustehen pflegen / als Eichen / Buchen / Aschen / Linden / Ilmen / Pappeln / item Fichten und Tannen / so zu Mast-Bäumen auf den Schiffen dienen / darneben auch wilde Citronen / Pfirschken / Granat-Aepffel / Pommerantzen / Feigen / Mandeln / Oliven und dergleichen / gantze Wälder voll fortkommen / welches aber in Europa sich nicht also erweiset / indem wo diese wilde / und sonderlich die Hartz-Bäume in Menge wachsen / daselbst Citronen / Pommerantzen / Feigen und dergleichen insgemein keine Art und Fortkommens haben; also auch in Gegentheil / wo guter Weinwachs / Oliven-Berge und dergleichen sind / die Hartz-Bäume und Wälder / nicht gedeyhen wollen.

Derowegen es nützlich und nothwendig ist Situm & naturam cujuscunque loci, die Eigenschafft und Lage eines jeden Orts sich zuerkundigen / ob ein Grund oder Boden Bäume zu tragen tüchtig / und welche Art auf denselben am besten fortkommen möchte / allermassen eine Art des Erdreichs auch einen Baum mehr Nahrung gibt als den andern / auch mehr zu der Natur und Eigenschafft eines und des andern Baums appropriirt ist, dahero keine gewisse Regeln hierunter sich finden werden / sondern es wird sich nach dem clima und andern Umständen zurichten seyn.

§. 2. Ob nun wohl kein Land oder Boden zu finden der sich zu allen Gewächsen schicke / so kan doch fast keiner dergestalt unfruchtbar seyn / er sey felsig / sandig / feuchte / dürre / thonig / hoch oder niedrig / daß er nicht Holtz auf sich trage oder wachsen lasse / es sey denn / daß es eine gantz todte oder verbrannte Erde sey / so von dem Spiritu mundano oder Welt-Geist nichts bey sich führe; Es heißet zwar nach dem gemeinen Sprich-Wort: Loci ubertas ex eo comprehenditur, si solum nec saxosum nec arenosum existit. Daß nehmlich die Fruchtbarkeit eines Orts daher zu erkennen / wenn das Land nicht steinigt oder sandig sey. Aber mit dem wilden Holtze ist es gantz anders. Denn wiewohl eine Art Holtzes immer einen Boden mehr als den andern liebet / zum exempel: der dürre Sand träget nicht gerne Laub-Holtz und Graß / aber das Kiefern Holtz wächset ziemlich starck darinnen. Die Erlen / Weiden / Pappeln / lieben einen nassen Boden / da hingegen die Fichten und Tannen schlecht Fortkommens darauf haben; so mag doch sonsten der Boden so unbeschaffen / halbfelsigt / wild ungeschlacht seyn / als er wolle / so kan man auf solchen eine und andere Art des wilden Holtzes wohl aufbringen / man scharre / hacke / reiße und pflüge ihn nur auf / und streue von allerhand Saamen drein / so wird GOtt wohl seegnen: also solte kein eintziger Ort öde und ungebauet liegen bleiben. Und dieses kan gar leicht in effectu und in Werck erlangt werden / wenn man allenfalls solche Orte einen jeden frey und zu seinem Eigenthum geben / oder aber nach Gelegenheit des Landes gewissen Leuten zum Holtz-Anbau / gleich wie es zum Getraide-Bau geschicht, gegen Zinß einräumen wolte solcher Gestalt / könten die Holtzungen und Wälder / die bißhero ziemlich verwüstet worden / wieder in Anbau gebracht werden / massen denn auch die Erde mehrentheils nichts anders giebet / als was durch fleißige Arbeit zu erlangen ist. Auf den Alpen und andern sehr hohen Gebürgen ist zwar das Contrarium zu sehen / als auf welchen etliche Meilen lang wenig Holtz oder Gestrippe wachsen will; aber hier ist die Unfruchtbarkeit nicht dem Boden / sondern andern Ursachen bey zu messen. Denn die grosse Hitze in Sommer / und die grose Kälte in Winter / desgleichen die Winde Schnee und Frost / sonderlich auf der Nord-Seiten / lassen die Bäume gantz und gar zu keinen Wachsthum gedeyen / sondern wo ja welche sind / bleiben sie struppicht und ungestalt / haben treublichte und dickbüschige Gipffel und Aeste / so sie meistens gegen Mittag und die Sonne kehren und wenden / von dannen sie gleichsam Hülffe und Wärme suchen. Ausser diesen und insgemein / so kan die Erde / sie sey auch so fruchtbar oder unfruchtbar als sie wolle nicht müßig stehen / sie werde gebauet / oder nicht gebauet / und zwar so die Menschen keine Hülffe daran thun / und selbige wegen Mangel derer Einwohner / oder aber dieser ihrer Faulheit und Unachtsamkeit / oder sonsten lange feyren muß / so erweiset sie doch ihre anerschaffene fruchtbringende Kräffte / und bricht insgemein in Bäume / Püsche und Gehöltze herfür / wie in denen Indien zu sehen gewesen / wo die Orte unbewohnt und von den Europaeern neue Colonien angerichtet worden / daß das gantze Land mit Holtze so gar dick bedecket gewesen / daß man auch zu Fuße nicht hat durch kommen können / und man sich mit der Axt und Säge Raum machen und das Holtz abhauen müssen / wie dergleichen grosse Gehöltze vor Alters ebenfalls in Teutschland / Dännemarck / Schweden / Engelland, Schottland über und über gewesen / da man itzo wenig Gehöltze oder Wälder mehr antrifft.

§. 4. Wie wohl nun solcher Gestalt die Natur in Hervorbringung allerhand Gewächse / Grases / Kräuter / Stauden, Büsche und Bäume nach Unterschied des Landes und Bodens continuirlich zu würcken pfleget; will jedoch uns Menschen oder einem Oeconomo laborioso bey ereigneten Holtz-Mangel dabey obliegen / dahin euserstes Fleißes zustreben / wie derselben mit Wissenschafft und unnachläßigen Fleiß zuhelffen und auf was Boden diese oder jene Bäume und zwar in grosser Menge und in kurtzer Zeit mit Säen und Pflantzen zuerzeugen sind; denn wie ein gewisser Autor gar artig redet: Terra reddit, quod accipit, licet alias minore, ut plerumque vero majore cum foenore, qua de causa Xenophon agrum omnium justissimum appellat. Terra dicitur Genitrix, quia plurimos illis fructus suppeditat, qui eam ut Genitricem colunt & amplectuntur. D. i. die Erde giebt das / was sie bekömmt / zwar manchmahl mit geringen / am meisten aber mit grossen Wucher wieder. Aus welchen Ursachen Xenophon den Acker dem Ruhm beygeleget / daß er der allergerechteste sey. Sie ist eine gütige Mutter / in dem sie denen jenigen / reichliche Früchte darreichet / die sie als ihre Mutter pflegen und warten wollen.

§. 5. Nun soll billich ein jeder Hauß-Wirth / oder so dergleichen Aufsicht träget / seinen Grund und Boden überall mit genauen Fleisse erkundigen / wo und an welchen Orte / ohne sonderbahren Schaden des Feld-Baues und Wiesewachs etwas von Bäumen und von welcher Art zu säen und zu pflantzen sey.

Es ist ein Sprich-Wort: Wo viel Gebürge und Holtz ist / wächset wenig Getraide: ingleichen / wo viel Holtz und zum Einheitzen überley ist / so sind hingegen ins gemein die Scheuren klein und vom Getraide leer / darum es wohl rathsam / daß man geringen Boden zum Holtz-Wachs widme / und nicht mit Säung des Getraides die Zeit verderbe / und vergebliche Unkosten aufwende.

§. 6. Welche Gegenden oder Boden aber nun ein jedes Geschlechte der Bäume am meisten liebe und darauf am besten fortkomme / darvon ist in etwas oben Meldung geschehen.

Wird also anbey zuförderst einem jeden Hauß-Wirthe dieses reifflich zu überlegen seyn.

Denn wenn man solches wohl ergründet hat / so ist es schon so viel als das gewonnene Spiel in Händen haben.

Man hat hiernechst gnugsam observiret und in der Experientz, daß obgleich auf einen Refier das schönste Fichten- und Tannen-Holtz ehemahls gestanden / hernachmahls allerhand Laub-Holtz (in Fall dergleichen in der Nähe gewesen) als Eichen / Buchen / Ahorn / Linden daselbst ausgeschlagen & vice versa. Davon wir die Ursachen in folgenden Capitel untersuchen wollen.

Es ist auch gewiß / daß das Laub-Holtz nach und nach das Fichten- und Tennen-Holtz / so darzwischen stehet / selbst vertreibe. Denn dieses wirfft wohl viel Saamen von sich / er kan aber unter den Laub-Holtz nicht wohl aufkommen. Hingegen schläget das Laub-Holtz an Stamm und Wurtzeln aus und kan auch dessen schwerer Saamen / eher als jener / welcher sehr leichte ist / die Erde ergreiffen / also auch aufgehen und sich vermehren. Aber wieder auf unser Vorhaben zu kommen / so ist es nicht jedermans Werck zu judiciren / welche Art Holtzes dieser oder jener Boden am besten und gewissesten träget / und wie solchen mit Abführung der Wasser oder mit Wässerung / item mit Sand / Leimen / Schmergel / Asche / Ausbrennung und dergleichen zu helffen.

Der gute und schlimme Boden verursachet / daß eine Art von Holtz gantz ein ander Ansehen alda hat / oder ein Stamm immer besser als der andere aufwächset und aussiehet dergestalt / daß man glauben solte / dieser so auf guten Boden stehet / sey eine gantz andere Art / als der so in geringerer Erde sich befindet / da sie doch würcklich beyde einerley Art und Geschlechtes seyn / und bloß die gute und geringe Eigenschafft des Bodens / eine merckliche Veränderung / so wohl an Laub und Rinden / als auch an Aesten / Früchten und den Saamen selber giebet.

§. 7. Was nun gute Erde seyn möge wird vor allen nöthig zu betrachten seyn.

Man findet in denen Wäldern gantze Flecke gute Erde und Moth / so von Holtz sich gesammlet / und dahero Holtz-Erde genennet[WS 50] wird / weil für alters Brüche daselbst geschehen / daß das Holtz übereinander gefallen / und also verfaulet / daß dergleichen Holtz-Erde wohl etliche Ellen hoch über einander gelegen.

Man saget von einem Exempel daß in hiesigen Gebürge dergleichen Moth 12. Ellen hoch gelegen / und als die Berg-Leute einen Schacht hinein gesencket / haben sie Haselnüß-Schalen / zu unterst des Moths auf den gantzen Gestein gefunden / da doch in selbiger Gegend auf etliche Meilen keine Hasel-Stauden zufinden.

§. 8. Zum öfftern lieget vielerley Erde übereinander / so man durch Werffung eines Schurfes erfahren kan.

Oben befindet sich etliche Zoll tieff etwas gute Erde und Rasen / alsdenn Kieß / Leimen / Thon / Schmergel und dergleichen / welches von den nahe liegenden Wassern oder von der Sündfluth auf einander geschoben oder geschwemmet worden.

Unter solchen lieget wohl wieder eine schwartze Erde / welche / wenn sie oben / und ein Leben / Krafft / oder Spiritus mundi darinnen wäre / so solte sie den besten Boden abgeben; alleine weil sie die Influentz oder Witterung / indem sie allzu tieff gelegen / nicht gehabt / so ist es eine todte und verderbete Erde / und hat dasjenige / so man drein pflantzet kein Fortkommens. Denn / wenn man einen Baum darein setzet / sonderlich / dessen Wurtzel hat[WS 51] beschädiget oder beschnitten werden müssen / so greiffet die Unart solcher Erde selbige an giebt keine Nahrung / sondern der Baum verdirbet / es wäre denn / daß die Wurtzel sich oben in die gute Erde eingeschlichen / und also auch nach und nach gegen und in die todte Erde kommen / so machet solche Wurtzel die Erde lucker / daß das Wasser und obere luckere Erde / auch die Witterung desto eher neben der einschleichenden Wurtzel eindringen / und die todte Erde nach und nach in etwas impraegniren und lebhafft machen kan. Wenn nun solche Erde bey dem Baum-Säen und Pflantzen von unten mit herauf gearbeitet wird / ist sie ohne Zweiffel anfänglich gantz unfruchtbar / daß sie in ein biß 2. und mehr Jahren nicht viel würcken kan / wenn aber selbige durch Frost / Regen / Schnee / Thau und Sonnenschein mürbe gemachet und geschwängert worden / so thut sie das ihrige / und fast mehr als eine ausgesogene und ausgebauete obere Erde / so ihre Krafft verlohren und jene hält auch länger nach.

§. 9. Ob nun ein Erdreich zu Fortbringung der wilden Bäume gut oder böse sey / ist fast aus dem äußerlichen Ansehen der Gewächse Graß und Kräuter zu erkennen / denn wenn selbige / oder aber die Bäume, so daselbst anzutreffen / schön und von einem guten Wachsthum seyn / oder sich darzu anlassen / und nicht krüplicht / knorricht / oder sonsten übel gestaltet wachsen / da es doch an sich selbst ein gut oder groß Gewächs / und sonsten seiner Art nach / grün oder lebhafft aussehen soll / so ist es ein gewiß Zeichen / daß das Erdreich daselbst Bäume in ihrer rechten Grösse herfür zubringen / gut und tüchtig sey / und daß die Wurtzeln wohl in die Erde kommen und gute Nahrung daselbst finden mögen / bevorab / wenn einerley Erde etwan einer Elle und mehr tieff oben auf ist / ehe eine andere Erde, fester Leim oder Kieß von anderer Farbe sich angiebet / und ist die schwärtzlichte oder graue Erde wohl die beste.

Man schreibet von denen Portugesen / daß sie ein gewöhnlich Sprichwort haben sollen: Je besser ein Land von Natur sich kleiden kan / je besser es auch seine Einwohner zu kleiden vermag; Womit sie zu erkennen geben wollen / daß je dicker / stärcker und fetter Holtz ein Land von Natur herfür giebt / je fetter und besser auch der Grund und Boden sey / und wenn solches Holtz ausgerottet / und zu Felde gemachet / desto bessere und vollkommenere Früchte und Nutzen reichet es seinen Innhabern dar / welches sie aus Erfahrung erlernet / und wahr befunden / allermassen sie alle nicht gut Holtz tragende Lande in America wenig aestimiren und keine Colonien daselbst anrichten.

§. 10. will man aber gründlich der Sache nachgehen und die Güte des Erdbodens eigentlicher erkennen / kan man eine Probe thun.

Wenn man nehmlich von solcher Erde etwas ins Wasser rühret und Tag und Nacht darauf stehen und sich setzen lässet / hernach durchseichet oder filtriret / so wird das Wasser dem Geruch und Geschmack der Erden an sich nehmen / und also hierdurch zu erkennen seyn / ob es sauer / süsse / stinckend / bitter / angenehm oder ungeschmack sey / daraus auch unfehlbar seine Güte oder Unart zu schliessen / auch was es ohngefehr vor Mineralien bey sich führe. Ist alsdenn das Wasser klar / so bedeutet es einen warmen Boden; das trübe hingegen / daß das Erdreich kalter Beschaffenheit sey; schmecket es nach Salpeter oder schwefelicht / oder victriolisch / und dergleichen / so hat es ohne Zweiffel dergleichen Temperament.

§. 11. Denn die exhalationes derer mineralien so in der Erde verborgen / müssen auch ohne Zweifel die superficial-Erde impraegniren / so hernach denen Gewächsen mit getheilet wird / und also werden fast alle Sinne / die Güte oder Eigenschafft des Bodens zu erkennen zu adhibiren seyn (1.) durch den Augenschein (2.) durch Fühlen / (3.) durch Geschmack / (4.) durch den Geruch. Durch diese 4. Dinge wird die Güte unser aller Mutter erkennet / und wenn neben GOttes Seegen des Menschen Arbeit dazu kömmt / so erweißet sie sich sehr freygebig und belohnet ihren Kindern die Mühe reichlich. Ehe wir aber weiter gehen, müssen wir mit wenigen vorher besehen, (1.) welcher Boden zum Baum tragen / entweder gar untüchtig / oder doch weniger geschickt sey / hernach und (2.) wie selbiger so viel müglich zu verbessern / und zu diesen Zweck tüchtig zu machen / und (3.) welche Art Bäume am besten auf solchen Boden zu wachsen pflegen.

Erstlich ist der jenige Boden zum Baum tragen untüchtig / der zu sehr naß / morastig[WS 52] und folglich zu kalt ist / denn es finden sich unterschiedliche Gegenden welche zwar oben ein Viertel oder eine halbe Elle tief guten Boden haben / darunter man aber gleich beständig Wasser an trifft / welches denen Bäumen sehr schädlich ist / denn sie wachsen daselbst sehr spahrsam / verbutten / bleiben niedrig / struppig und erlangen keinen tüchtigen Stamm / ja es ist kein Wiederwachs daselbst aufzubringen / vielweniger kan er solchen ernehren / es sey denn / daß man solch Holtz dahin säe und pflantze / so die Näße wohl vertragen mag / als die Erle / Weide / Pappeln und dergleichen. Alleine / wenn es auch allzu naß ist / so wollen solche ebenfalls nicht recht fort / bleiben in ihren Wachsthum stecken / weil die Wurtzel nicht nieder kommen kan / sondern endlich gar ersauffen muß; In gegentheil ist auch ein sehr hitziger und dürrer Boden / zum Baum zeugen unbeqvem. Denn die grosse Hitze benimmt und verzehret die benöthigte Feuchtigkeit / daß der Baum keinen Safft aus der Erden ziehen mag / und also für Durst erstirbet. In gantz sandigten und grob-kiesichten Boden / wo es unten nicht feste oder lucker / da versincket alle Feuchtigkeit / Fette und Düngung / kreucht und verschleicht tiefer in die Erde / als es die Wurtzeln von Bäumen erreichen kan / derohalben solcher Boden unfruchtbar seyn muß. Denn bey dürrer Zeit ziehet die Sonne und der Wind alle übrige Feuchtigkeit aus. Starcker lettigter Grund ohne gute Erde giebt keine hohe Bäume und gut Holtz. Denn wo die leimichte und thonichte Erde auf einander derb und fest lieget / und oben her auch nicht allzuviel gute Erde ist / hat der Baum in solcher Erde schlecht fortkommen / ja der Saamen kan nicht wohl darinnen aufgehen. Dann die Erde wird oben feste / und kan der Kern nicht durchbrechen / noch die Wurtzeln in solchen Leimen sich hinein arbeiten / vielweniger Erfrischung und Nahrung haben / die sonsten innewendig in der Erden ist. Dannenhero die gesäeten und gepflantzten Bäume darinnen traurig stehen / verbutten / und endlich gar verderben. Wenn auch auf solchen leimichten und harten Boden das Wasser oben stehen bleibet / und nicht tiefer als die obere luckere Erde oder Schwarte ist / eintringen kan / so ists auch nicht gut / denn Winterszeit ist er zu kalt und Sommerszeit wieder zu feste / lässet den Regen nicht durch / und bleibet also die Näße um und neben der Wurtzel stehen; Was den felßigten Boden belanget / ist leicht zu ermessen / wo eitel fest Gestein ist / das wenig Fortkommens vor die Bäume seyn wird; aber wo solcher klüfftig und die Superficies mit guter Erde bedecket ist / so können die Wurtzeln sich da einschleichen / eindringen und ihre Nahrung suchen / daß man sie mit Gewalt nicht daraus ziehen kan, wie man denn in denen steinigten Gebürgen hiesiger Lande das schönste Holtz zwischen den grossen Klüfften und Steinen findet / dahero stehen auch solche Bäume insgemein feste und wohleingewurtzelt / daß sie kein Wind werfen kan; hingegen in truckenen Erdreich hebt der Wind offt die Wurtzeln mit allen umliegenden Erdreich von vielen Centnern schwer in die Höhe und wirfft die Stämme nieder.

§. 12. Der jenige Grund und Boden / so mit guter Erde Sand und Grieß vermischt / und dahero moderirte Feuchtigkeit hat / nicht zu viel noch zu wenig / der ist der tragbarste vor das Holtz. Denn man solte meynen / auf den hohen Gebürgen solte es zu trucken seyn; allein / weil durch den Nebel Regen[WS 53] und Dünste die Gebürge insgemein befeuchtet werden / und solche die Erde an sich ziehet und in sich behält / so wächset das schönste Holtz daselbst. Die Gehänge oder Gebürge so lehn angehen und nicht sehr abschüßig / tragen auch das beste Holtz. Denn die Regen und Fluthen können die gute Erde nicht so leichte abführen und herunter schwemmen / als auf den steilen Gebürge / es kan auch die Sonnen-Wärme und die Lufft besser dazu kommen / als in der Ebne / oder in Thälern. Sonderlich kan sich die Wurtzel besser ausbreiten / das Wasser besser abschiessen und die Sonne unverhinderter würcken / weil ein Baum den andern überhöhet und der Sonnen Raum giebet / alle und jede zubescheinen / besser als auf der Ebnen / da des Schattens zu viel und ein Baum den andern hindert / dagegen zwar stehen die Bäume in Gründen / meist geiler und fetter / weil die Wasser die Fettigkeit und wachsend machende Feuchtigkeit von dem höher liegenden Lande um und um sich herab und zuziehet / und das Wasser von Regen und Schnee darein fließet und sich sammelt.

§. 13. Wo viel Unkraut wächset und selbiges fein fett und starck / da ist guter Boden zu vermuthen / welches man siehet wenn das Holtz abgetrieben / so wachsen in den Stock-Raumen Disteln / Nesseln / Brom- und Him-Beere / Farren-Kraut / dick / fett und hoch; wo aber dünne Schmelen und geringes und bloses Graß / ja wohl nur Mooß und Grind wächset / da ist der Boden nicht so tragbar. Daher man / so bald das Holtz abgetrieben / Sorge tragen soll / wie in den Gehauen der Anflug bey so guten Boden wieder befördert / und das Gestrippe Brombeer und Himbeer / Farren-Kraut[WS 54] und dergleichen so in grosser Menge und Stärcke also fort darauf wächset / getilget werde / dadurch den Saamen der Bäume ingleichen den Aussprößlingen Lufft zuschaffen / daß sie für dem Gestrippe aufwachsen und fortkommen können und ihnen die Fettigkeit zum Wachsthum nicht entzogen werde mithin zugleich verderbe. Denn dafür kan Grund und Boden nicht; sondern haec sunt hominum seu artis vitia. oder: es lieget der Fehler entweder an den Menschen oder an einer gnüglichen Wissenschafft.

§. 14. So viel nun den Boden hiesiger Meißnischer Lande betrifft / so ist in den meisten Wäldern derselbe gar gut weil er von denen / von vielen Seculis hergebrochnen und umgefallenen Bäumen herkommt / so eine gute gefaulte Holtz-Erde gegeben. Ingleichen hat das verfaulte Laub / Graß / Mooß / Aeste / Buschwerck Reisig etc. ziemlich guten luckern Boden gemacht. Es ist auch dahero das Erdreich in Obergebürge meistentheils gut und so beschaffen, das es allerley wilde Bäume ertragen und ernehren kan / darneben ist der Boden nicht ungeschlachtet / sondern meist sandigt / steinigt und mit guter Erde vermenget / darunter grosse Wacken / so von der Sündfluth und Herabwaltzung von hohen Gebürgen oder nahe dabey liegenden Felßen sonderzweifel herrühren / liegen / jedoch gute Erde dazwischen haben / und also können derer Bäume Wurtzeln unter sich greiffen / und sich an den grossen Steinen anhäckeln / schlagen sich auch wohl darunter hin und befestigen also solche Wurtzeln den Stamm / daß ihn kein Unfall bewegen noch vielweniger schaden kan.

§. 15. Nachdem wir nun den guten Boden betrachtet so müssen wir auch überlegen / wie dem geringen und unfruchtbahren nach möglichkeit zur Verbesserung zu helffen seyn möchte. Alle Baum-Wurtzeln leiden Schaden entweder wegen festigkeit der Erden / oder allzu vieler Feuchtigkeit / Näße und Kälte halber / oder aber / daß sie alzu trucken stehen. Diesen Unheil fürzukommen / muß ein guter Oeconomus mögliche Hülffe thun / so wird er Holtz genug erziehen können. Was nun also den Boden anlanget / da / wie oben gedacht unter der Erden etwa ein viertel oder anderthalb / oder 1. Elle tief alsobald Wasser verhanden / oder sonsten morastig und söhricht / so könte man wenn es der Situs oder Lage leidet / mit tiefen Gräben / zu Hülffe kommen, Röschen oder Stollen bey solchen morastigen Orten führen und dadurch den Boden trocknen / indem sonst in dergleichen Gesöhr gar geringe Holtz / oder wohl gar nichts wächset / es wäre denn daß man es mit Erlen oder Weiden versuchte / welche sonst gerne an ziemlich nassen Orten fortkommen. Dann viele von dergleichen Holtz den Stamm und oberer wurtzeln über die Erde eine Elle und mehr hoch aus / und über den Morast herfür treiben / damit sie etzlicher maasen dem Wasser entfliehen / und sich der Fäulnüß oder Verderbnüß / nicht unterwerffen.

§. 16. Wo aber der Ort gar zu dürre und trucken ist / da ist dahin zu trachten / wie demselben mit Wässerung von Quellen / Bächen und Gesprenge zu statten zu kommen. Den sandigen und kiesigen Boden mag man mit Schlamm und Moth aus den Morasten ziemlich verbessern. Ingleichen wo viel HoltzErde von langen Jahren her / von gebrochenen / oder gefallenen Bäumen hoch auf einander lieget / kan solche Erde gleichfalls zu Verbesserung des geringen Bodens viel dienen. Bevorab pfleget auch die Natur bey sandigen Boden viel Hülffe zu thun / wenn die Superficies nach und nach mosig wird und Rasen darauf wächset. Item wenn das Holtz dicke stehet / so kan die Sonne nicht so leicht durch dringen und den Sand austrucknen. Auch könte der magere Boden / sonderlich bey Fluthen-Zeiten / von nah- und anliegenden Bächen und Gräben durch Ausschlagung der Wasser / so guten Schlamm und Fettigkeit bey sich führen / verbessert und gut gemachet werden / bevorab bey denen so genannten Seyffen / wo der todte Boden oder Erde oben lieget / solche wieder ausgeschlemmet und mit guter Erde jetztgedachter massen überzogen werden.

§. 17. Todte und feste leimichte oder thonigte Erde ist leicht zu verbessern / verbessert sich auch nach und nach selber / da die obere Erde durch Frost Sonnenschein und Regen mürber und geschlachter wird / wie bereits im 8. §. gemeldet. Man kan ihn aber auch mit Kalck und Aschen bestreuen / welches die Unart heraus ziehet / und durch die fermentation und Beizung einen bessern und luckern Boden verursachet. Sonsten wird der leimichte Boden mit Sand / und der sandige mit Leimen verbessert. Wenn es sich nun füget / daß dergleichen schichtweiß auf einander lieget / so kan es in Aufgraben und Wieder zufüllen desto füglicher geschehen / daß Sand Leimen und Thon unter einander vermenget werde. Verfaulte Erde von Tangeln Moß / Laub Reisig und dergleichen so bey dem ungeackerten umgestochenen und umgehackten Erdboden unter kömt macht guten luckern Boden.

§. 18. Ist der Boden auch sonst geringe und nicht nach Wuntsch / so kan man doch Hülffe schaffen / wenn die Unkosten wegen der Arbeit nicht allzu hoch steigen / daß man lässet Gruben graben / selbige mit Mooß / kleinen Reißig / Laub / Heyden / Farren-Kraut von unten heraus zufüllen hernach etwas weniges von Erde darinne anzünden / gestalt alles was auf der Erde wächset / das wird mit der Zeit wieder zur Erden / und weil es in währender corruption ist / dienet es zur Düngung der Erden, denn die Corruption veruhrsachet eine fermentation, und diese giebt dem nahstehenden Holtz eine fürtreffliche Nahrung welches denn ein sehr leichtes und gutes Mittel zu Verbesserung des Bodens / da hingegen gute Erde oder Mist / Teichschlamm und andere Düngung dazu anzuführen viel zu kostbar seyn dürffte; ist aber des Grund und Bodens wenig / so betragen sich die Kosten auch nicht hoch / unterdessen da der Platz groß so würde nichts destoweniger die Menge des Holtzes so darauf wachsen kan / die aufgewandten Unkosten wiederum ersetzen.

Hiernechst so giebt das Farren-Kraut sonderlich eine gute Düngung in denen Wäldern / wenn es faulet und sich mit der Erde vermischet. Wenn man nun wilde Bäume versetzet / soll man in die Gruben dergleichen und ander Gerüthe mit der Erde vermengen / denn dadurch wird solche lucker / ist nicht schwehr und derb auf einander / daß so wohl die innwendige Erfrischung / als von aussen der Regen und Witterung zu der Wurtzel desto eher kommen / solche erquicken / folglich der Baum mehr Wachsthum erlangen kan.

§. 19. Mit Aufackern oder Aufhacken der Erden ist neben obgesetzten auch gute Hülffe zu thun / indem der Regen besser zur Wurtzel eintringen des Sommers die Hitze, und in Winter der Frost das Erdreich milder und mürber machen kan. Darbey soll man wo es allzu unfruchtbar ist / etwas gute Erde / Rasen oder Maul-Würffs-Hügel darauf stürtzen und also das Erdreich verbessern / wodurch denn der allerungeschlachteste und unfruchtbarste Boden endlich zu guten Nutzen zubringen.

§. 20. Aus obigen erhellet nun gnugsam / daß gleich wie alles Holtz nicht einerley temperaments oder Natur ist; also erfordert es nach seiner Beschaffenheit ein ihm anständiges Erdreich, ist demnach nicht zu verwerffen / daß man den Boden wohl considerire / ob Er leimicht / schmerglicht / thonigt / kiesigt / steinigt / felßigt etc. sey / und mit Säen und Pflantzen der Arten des Holtzes / sich darnach achte und richte; Sonderlich / wenn etwas von guten Holtz solcher Gegend allbereit befindlich / so kan man wohl abnehmen und spühren welche Art Bäume daselbst den besten Wachsthum haben. Jedoch muß man auch hierbey betrachten / welches Holtz am nützlichsten und am besten zum gemeinen Gebrauch sey.

§. 21. Indem auch / wie schon oben berichtet / offtmahls Leimen Kieß / Thon / Sand etc. schichtweise über einander liegen / so hat man ferner anfügen sollen / daß man diejenigen Schichten so derben und festen Boden haben / als der Leimen und Thon ist / biß auf die andern Schichten / wenn sie nicht gar dick sind / durchgraben könne / da denn durch solche Gruben das Wasser so auf dem festen Boden oberhalb gestanden wegfället / und der Wurtzel fort zu treiben / Lufft und Raum gemacht wird.

Soll man also billich eine Grube von einer halben / oder 1. biß 2. Ellen und mehr tieff graben / und die Beschaffenheit des Erdreichs / und wie die Schichten auf einander liegen sich zuvor erkundigen / daraus denn zuschliessen / ob die Erde tieff aufzugraben / und wie sich in Säen und Pflantzen zu verhalten / damit man denen Wurtzeln so viel möglich ihr Fortkommen verschaffe / ingleichen daß das Wasser auf dem festen Boden nicht stehen bleibe / und der Wurtzel Schaden zuziehe / sondern tieffer eindringe / und das Erdreich um und unter der Wurtzel lucker mache / jedoch muß bey allen Verbesserungen zugesehen werden / daß die Wurtzeln nicht hohl bleiben und liegen / denn wenn selbige ihre gute Nahrung haben / kan man hoffen / daß der Baum wohl bekleiben und zunehmen werde / wo nun guter und tüchtiger Boden ist / muß man die Arten der Bäume / so wohl frembder als einheimischer welche viel Safft und Nahrung gebrauchen / (so man von der safftigen Schale und Blättern ersehen kan /) einbringen / damit sie genugsamen Zugang haben und nicht verderben.

Ist er aber geringe / naß / steinigt und so fort / gemischt[WS 55] / oder hart kiesicht / daß man solchen kaum mit einer Spitz-Haue aufhauen kan / so pflantzet oder säet man darauf / was nicht tieffe Wurtzeln wirfft, sondern selbige nur oben in der Tam-Erde führet / und der Boden nach solchen Eigenschafften am besten tragen möge / denn es ist besser geringes / als gar kein Holtz haben.

Soll man sich aber gar nicht wohl in die Art des Bodens schicken können / was es für Art Holtz am besten fortbringen möchte, massen diese Wissenschafft wie sonsten gedacht worden / nicht so leichte / als die Getraide[WS 56] Saat auszulernen / da man in wenig Jahren der Sache etwas klug werden / oder doch alle Jahr ändern kan; alleine wenn der Saame einmahl gesäet / so ists hernach in vielen Jahren nicht zu redressiren und zu ändern / dahero am sichersten man säe allerhand / und wenn man wahrnimmt / welche Art kein Fortkommens haben will / so kan man solche eher ausheben oder gar weg hauen als dahin pflantzen.

§. 22. Es ist aber bey deme was bißhero von Grund und Boden gehandelt worden / auch dieses zu mercken / daß ein jeder Ort mit seinem Climate seine Verwandniß habe / dahero mancher Boden unfruchtbar scheinet / und vice versa, und folglich viel auf die Erfahrung ankommen muß.

Also thut zwar auch ein guter zubereiteter Boden / und unermüdeter Fleiß des Menschen das seine bey diesem Baum und Wald-Anbau / aber die Lufft hat hier auch ihren sonderlichen Antheil in Wachsen in Zunehmen und Erhaltung / wie auch bey dem Aufsteigen des Saffts und fermentation der Gewächse. Der Ritter Digby und der Herr Hannemann halten darvor / daß die Erdgewächse ihre Krafft mehr von der Lufft als der Erden hätte.

Zum Exempel führen sie an einen Hollunder Baum / der auf einer sehr hohen Kirche gewachsen und eine ziemliche Grösse erlanget habe / anderer Gewächse so daselbst gestanden zu geschweigen. Hugo von Linschot erzehlet daß auf der Insul Tercera an denen steilesten Felsen der Wein in grosser Menge wachse.

Scharoccius hat dieses gleichergestalt durch folgendes Experiment probiret: Er setzte über eine noch zarte Pflantze ein Glaß / worinnen auf der Seiten ein Loch war / da denn die Pflantze sich jederzeit nach selbigen lenckte / er mochte das Loch hinkehren wo er wolte.

Woraus denn erhellet / daß über derer Erdgewächse aliment, so man sehen und fühlen kan / und in der Erde und Wasser bestehet / auch noch etwas unsichtbares / so man nicht fühlen und greiffen kan / concurrire / auch daß solches in der Lufft enthalten und die quint Essentz aller anderer Elementen sey / welche allen übrigen natürlichen Dingen ihren succum alibilem einflösset.

Woher aber der Hollunder und Vogelbeer-Baum auf alten Mauren seinen Ursprung habe / wollen einige der Natur / so solche von sich selbst herfür bringt / zueignen / theils aber den Wind / Vogeln und Mäusen / so den Saamen dahin geführet und getragen / beymessen / welches letztere auch das Wahrscheinlichste seyn mag.

§. 23. In den Thälern / warmen Gründen und Ebenen wo mülderer und gütiger Boden / als auf den Höhen / könte nicht undienlich seyn / wenn man Eschen / Ahorn / Ilmen / Linden-Bäume und dergleichen Holtz pflantzete und säete / weil solche auf kalten nordlichen Höhen / wo die Winde und grimmige Kälte und Frost mehr anfallen können so leichte nicht zunehmen und gedeyen möchten; aber an südlichen Bergen haben sie insgemein gutes Fortkommen.

§. 24. Schließlichen ist noch dieses beyzusetzen / was man von einem grossen Liebhaber der Bäume-Gewächse sagen hören / welchen man leicht Beyfall geben kan / daß nehmlich alles verlohren sey / wenn man nicht selbst Lust und Liebe habe / Bäume aufzubringen / es helffe so dann der Boden nichts / so helffe auch der Saame / Witterung und andere Bequemligkeiten gar nicht / sondern er habe observiret / daß gewisse Persohnen so Inclination Liebe / und rechten Vorsatz hierzu gehabt / und gebührenden Fleiß angewendet / so wohl zahme als wilde Bäume zu säen und zu pflantzen / auch in den geringsten Boden und Climate wohl reussiret und wunder-Dinge gethan hätten etc.

§. 25. Der Römische alte gute Haußwirth COLUMELLA, so um die Zeit der Geburt Christi gelebet / schreibet; daß viel Leute bey der Stadt Rom geglaubet / und schon zu seiner Zeit / auch zuvor / geklaget / wie daß der Grund und Boden wegen grossen Alters und bösen Witterung / an seiner Fruchtbarkeit abgenommen hätte / haben es auch für gewiß statuiren wollen / gleichsam als wenn das / Erdreich durch das grosse Alter unvermögend worden / und wie eine alte verlebte Frau / die Schwängerung / und Gebär Krafft verlohren / der Nahrungs Safft alle durch Säen und Pflantzen ausgesogen / und die Erde sich gantz ausgetragen hätte.

Dahero sich nicht zu verwundern daß heutiges Tages / da die Welt um so viel mehr älter worden / dergleichen Beschwerungen / und Meynungen annoch geführet werden.

Alleine wenn mans etwas näher und bey Lichten ansiehet / so ist der Mensch meistens selber Schuld daran / wenn sich eintzige Unfruchtbarkeit bey dem Erdreich findet. Dann um unser Sünde und Undanckbarkeit willen / schicket GOtt unfruchtbare Witterung / aber Grund und Boden bleibet wohl biß in Ewigkeit aptiret zur gnugsamen vegetation / wenn er nur durch des Menschen Unfleiß Sorglosigkeit und Unachtsamkeit / nicht daran verwahrloßet / sondern gebührend bearbeitet / bepflantzet / gepfleget / und also der Krafftloß geachteten Natur / zu Hülffe kommen wird / so wird der Erdboden / seine perpetuirliche / und stets würckende Krafft in unendliche Fruchtbarkeit ausbrechen lassen.


Das Zwölffte Capitel.
Von Zurichtung des Bodens zum Holtz-Bau / und
von der Aussaat selbsten / wie und wenn solche geschehen
und verrichtet werden solle.

§. 1. Wie der Boden zuzurichten wo viel Saamen Bäume befindlich. Von umackern und hocken.

§. 2. Was man mit dem Tangel-Holtz hierbey beobachten solle.

§. 3. Wie man sich hiermit bey grossen Refieren und in Wäldern / auch steinigten und bergichten Lande zu verhalten habe. Ob der Tangel-Saamen eingeeget werden müsse.

§. 4. Von ausgesogenen Boden.

§. 5. Warum in festen / thonigten und leimigten Boden die Saat nicht fortkömmt / und wie selbigen zu helffen.

§. 6. Von schwartzen sandigen Boden.

§. 7. Was beym Ackern und Umgraben des Bodens zu observiren.

§. 8. Wie der gute und fruchtbare Boden zugerichtet werden müsse. Nutzen von Furchen ziehen. Wie selbige zu zu egen.

§. 9. Anderweitiger Nutzen von Furchen. Was zu thun wenn man in die mit Getreide besäete Felder etwas von wilden Baum-Saamen einstreuen will.

§. 10. Was noch ferner beym Furchen zu beobachten und deren fernerer Vortheil.

§. 11. Was zu thun / wenn es sich mit dem Umackern Furchen und dergleichen nicht practiciren lässet.

§. 12. Wo die wenigsten Unkosten in Zurichtung des Bodens zu machen.

§. 13. Wie viel Landes bey jeder Haußwirthschafft zum Holtz-Wachs gelassen werden solle.

§. 14. Ob auff Getreyde-Feldern oder Wald-Boden besser Holtz wachse.

§. 15. Säen und Pflantzen des wilden Holtzes ist hauptsächlich durch die praxin zu erlernen.

§. 16. Auff was vor Umstände man sonsten hierbey zu sehen habe / und ob von allen gewisse Reguln gegeben werden können.

§. 17. Die Witterung und Jahres Zeit beym Säen ist vor allen wohl in acht zunehmen[WS 57].

§. 18. Haubt Regul von der Säe Zeit.

§. 19. Von der Herbst- und Frühlings Saat / und worinnen wie auch wenn eine besser als die andere

§. 20. Von der Saamen-Zeit des Tangel-Holtzes /

§. 21. Eichel und Buchäcker /

§. 22. Haselnüsse und wilden Obstes.

§. 23. Warum die Herbst-Saat die beste sey. Im Lüneburgischen säet man Korn und Eicheln um Galli unter einander.

§. 24. Bey der Saat-Zeit / ist ebenfalls mit auf den zu nehmenden Mond zusehen / nicht aber auf gewisse Tage.

§. 25. Welche Witterung zum Säen die beste sey.

§. 26. Nochmaliger Erweiß / daß die menschliche Hand den Saamen besser ausstreuet / als die Natur.

§. 27. Wie man sich bey dem grossen abgetriebenen Refieren und Blössen mit dem Säen verhalten solle.

§, 28. Ob einerley Art Bäume / oder unterschiedene durch einander zu säen.

§. 29. Welcherley Bäume bey jetzigen Zustand am ersten / und meisten zu zeugen / und daß billig die besten Arten zu erwehlen.

§. 30. Wo das Säen oder Pflantzen besser sey.

§. 31. Wie viel Saamens man auf einen Acker bedürffe.

§. 32. Warum man lieber dicke als dünne säen soll.

§. 33. Was beym Tangel-Holtze hierbey zu bemercken.

§. 34. Was zu thun damit der Saame nicht zu dicke falle / und wie er ins Erdreich zu bringen.

§. 35. Was von Einweichen und Auskäumung des Saamens / vor der Saat zu halten sey.

§. 36. Von Beschaffenheit des Saamens eine Probe zu machen.

§. 37. Der Saame soll nicht allzu sehr ausgedörret seyn.

§. 38. Wie der Saame außerordentlicher Weise von ungefähr an einen Ort gebracht wird.

§. 39. Was zu thun wenn der Saamen in die Erde gebracht.

§. 40. Wie ihm fort zu helffen wenn er auffgegangen.

§. 41. Wie er vor Dürre und Hitze zu verwahren.

§. 42. Warum theils Saamen gar nicht oder doch langsam auffgehet / und wie man ihm dießfalls kan helffen.

§. 43. Von Annehmligkeit des auffgegangenen Saamens.

§. 44. Was den auffgegangenen Saamen verderbe und wie solchen abzuhelffen.

§. 45. Was solchen mehr schädlich falle / und wie man sich durch Experienz hierbey zu prospiciren habe und unverdrossen seyn müsse.

§. 46. Woher es komme / daß wo vorhero Tangel-Holtz gestanden / Laubholtz und so weiter von sich selbst auffwachse.

§. 47. Was man zum wilden Baum-Säen vor Leute nehmen solle.

§. 48. Summarische Erzehlung was bey dem Baum-Saamen Säen zu beobachten wie auch was die eigentliche intention dieses Wercks sey / und der daraus entstehende Nutzen.

§. 49. Nochmahlige Anmahnung daß man die Praxin des Baum-Säens zur Hand nehmen solle.

§. 1.

WEnn man sich des Grund und Bodens / welche Art Holtzes solcher am besten tragen und fortbringen möchte / erkundiget / hierauf auch mit guten reiffen und vollkommenen Saamen versehen ist / hat man die Sorge dahin zurichten / wie das Säen und Pflantzen am besten vorgenommen und fortgesetzet werde.

Ehe wir nun hiervon deutlicher handeln / wollen wir zuvor von Zurichtung des Bodens / darein gesäet werden soll etwas gedencken.

Wo viel Saamen-Bäume vorhanden, kan der Boden daherum gar nützlich aufgehacket oder umgepflüget / gehacket oder gegraben; wo es aber allzu steinigt und wurtzlicht ist / mag man theils mit dem so genandten Hocken / (welches eine Art eines Pfluges ist / hat aber ein unten etwas breites Schar / mit welchen man neben allen Stöcken / Wurtzeln und Steinen uf der Seite und theils drüber hin hocken und die Erde aufreissen / und zwar wo man vermuthet / daß von den nechst stehenden Saamen-Bäumen der Saame dahin fallen / oder von den Winde dahin getrieben werden möchte / so würde man erfahren / wie bald solche Gegend mit Holtz anfliegen solte.

§. 2. Es wird aber bey dem Tannen- Fichten- und Kiefern-Saamen zu beobachten seyn / daß das Erdreich hierzu gantz seuchte und nicht tieff aufzuhocken oder aufzuackern / damit keine todte oder unartige Erde herfür komme / sondern die gute Holtz-Erde oben bleibe.

Denn so bald solcher Saame nur Erde ergreiffet / so gehet er auf; hingegen wo er in Morast / in Mooß / altes Graß / in todte Erde / in Laub oder in Geräusche fället / so verdirbet er / und kan nicht aufgehen / wie es denn auch dienlich ist wo altes grosses Heyde-Graß und der gleichen anzutreffen / daß man solches zuvor abbrenne / und das Erdreich hernach aufhocke.

§. 3. Wenn nun also die Gegend und Ort / darein der Baum Saamen kommen soll / wohl gepflüget / umgehacket oder auf was Art / ein jeder es gut befindet / die Erde herumb gebracht / und von dem Unkraute / Büschen und Stauden nur in etwas wohl gesäubert worden / so ist es wohl gut / und kan der Saame leicht fortkommen und aufwachsen / auch der Wachsthum nicht verhindert werden: Allein bey grosen Refiren und in den Wäldern wo hohe Berge und tiefe Thäler sind / das Land auch gantz uneben steinigt und Felsigt ist / voller alten Stöcke und dergleichen / ist solches nicht wohl zu practiciren. Also streuet man der Orten nur den Tannen- Kiefern- und Fichten-Saamen auf den Boden / hacket solchen hernach mit einer breiten Reuthauen seuchte ein / und wenn solcher nur die Erde berühret / oder ergreifet / so gehet er auf und wurtzelt ein / ist auch nicht nöthig / daß der in zugerichtetes / geackertes oder auf gehocktes Land gestreute Saamen eingeeget werde / dann er durch das Egen leicht zu tief in die Erde kommen / und also nicht aufgehen mag.

§. 4. Dieses ist nun von geruheten Boden / oder der lange ungebauet gelegen zu verstehen; wenn man aber den Boden anfänglich schon bis aufn Grad aus sauget / und allerhand Feld-Früchte zuvor drauf säet / ungedünget lässet / oder sonst übertreibet / daß die Fettigkeit und fermentation heraus kömmt / hernach aber erst Baum-Saamen hinein bringen will / so haben zwar die Bäume anfänglich schlechtes Fortkommen / verbutten werden kurtz / knorricht oder verderben theils wohl gar / aber sie erhohlen sich doch wenn die Wurtzel sich ausgebreitet / nach und nach und wird mit der Zeit schön Holtz daraus.

§. 5. In / festen thonicht und leimichten Boden / hat man das Baum-Saamen säen auch mit aller Behutsamkeit anzustellen. Dann nach einem Regen und erfolgten Sonnenschein bekömmt er oben eine Rinde / daß kein eingestreuter Saame / mit seinem Keimen durchbrechen kan / der Thon kleibet sich auch wohl fest an das Körnlein an / und verschleust also den Ort wo es aufbrechen soll / sonderlich wenn es in wehrenden säen starck regnet / so wird alsdenn der Thon wie ein Teig / Schwamm und Morast / daß der Saame wie in einer Gallerte lieget / und endlich Wasser-hart und faul wird / da aber diese Erde / in zwischen ehe der Saame aufgehet / hart wird / so bleibet das Körnlein fest darinnen eingeschlossen.

In solcher Erde können die jungen Bäume auch keine Wurtzeln treiben / weil er zu feste und die Wurtzel nicht durch und eintringen kan; hingegen wenn dem Boden mit Pflügen Egen / oder Hacken geholffen wird / so wird er zu weiln luckerer / und gibt der Wurtzel Raum und Platz in der Erde fortzuschleichen / daß wenn nur einmahl auf dergleichen Boden der Anflug glücklich anbracht ist / so tringet die Wurtzel immer tieffer und weiter ein / zeucht die Erde in die Höhe und machet sie lucker / daß die Feuchtigkeit darneben eintringen kan / und wächset als dann auf solchen Boden allerhand gut Holtz. Sand und Grieß in thonigten und leimichten Boden gemenget / machet / ihn lucker und poros, daß die Witterung von unten und von oben wieder hinein kommen kan / welches denn eine fermentation und folgends einen guten Wachsthum gibt / davon in vorigen Capitel bereits gemeldet worden.

§. 6. In schwartzen Sand / wann er nicht gar zu fett ist hat der Anflug sonderlich gut Gedeyen / denn der Saamen kan alsofort / so bald er ausgestreuet / die Erde ergreiffen / und hindert itn kein Graß / Mooß / oder Unkraut / weil dergleichen der Sand nicht viel / wie die andere Erde trägt.

§. 7. Wenn man zum Säen vorher des Auffpflügens sich gebrauchen kan, soll man dabey sich wohl in Acht nehmen, daß man nicht zu tieff, oder zu seuchte ackere oder grabe / und daß die todte und unartige Erde nicht so sehr herauf kömmt; beym seuchten Ackern aber der Boden nicht zu derb und feste bleibe / sondern etwas Brosen / oder gnugsame Erde über sich behalte / damit die Wurtzel einsetzen / und sich ausbreiten kan. Die geackerten Furchen aber müssen hernach wohl auf einander geleget auch nicht zu viel leeres darzwischen gelassen werden / damit der Saame darinnen sich nicht allzutieff verfalle und hernach nicht aufgehen kan.

Es ist auch nicht zu widerrathen / daß dergleichen aufgeackertes Feld eine zeitlang liegen bleibe, ehe es besäet wird / damit die Furchen sich wohl auf einander setzen / und die Lucken und Löcher so darzwischen sind / sich selbst ausfüllen können.

Beym Graben aber ist der Rasen fein unter zubringen / und kan mit dem Grabescheid zuschlagen werden / deßgleichen in Hacken / so viel möglich auch zuthun.

An etlichen Orten wird in Früh-Jahr der Boden umgerissen / auch geeget / hernach gegen Herbst wieder umgeackert / und was der Pflug nicht getroffen / umgehacket und also in Herbst besäet.

Wo es sich thun lassen will / sonderlich wo man Eicheln / Bucheckern- Aschen- Ahorn- Linden- und Erlen-Saamen säet / da soll man gleichfalls das Land wohl pflügen / und von Unkraut säubern / wie es denn vorträglich ist / wen (wie bereits erwehnet) zwar das Moos / Heyde und Staudenwerck daraus verbrennet / und die Asche mit untergepflüget oder gehacket wird.

§. 8. Wo der Boden gut und fruchtbar / und die Erde lucker / da ziehet man nur gleiche und gerade Furchen und seichte Graben / läßet darzwischen Spatium in der Länge der Furchen nach / und zu anterthalb und gantzen und mehr Ellen in der Breite wie es der Hauß-Wirth am besten befindet / streuet alsdann von allerhand Saamen drein / ziehet und füllet die Graben zu / jedoch daß der Saame nicht allzu tief unter die Erde komme / sonderlich derjenige / so zarte Pflantzen führet / als die Fichte / Tanne / Kiefer.

Aber die Eichen / Castanien / Buchäckern und wild Kern Obst / können auch theils in die Furchen reihenweise / wie die Stengel Erbsen gestecket und geleget werden / in dem sie eher durch die Erde käumen / stechen und wachsen / jener Saame hingegen will zu seinen bessern Aufkommen / anfänglich nur kaum die Erde fassen.

Allhier brauchets also nicht / daß der gantze Platz um geackert oder gehacket werde / welches bey denen Furchen und Graben ziehen zuersparen; Es gibts auch die Erfahrenheit / daß in solchen Furchen der Saamen gerne und willig aufgehet.

Dann wo ein alt Stück Feld zunm Anflug kommt / so siehet man klärlich / daß in den Furchen es eher / als mitten auf denen Bethen anfleuget / ratio weil die Feuchtigkeit in Furchen sich desto eher samlet / und dem Saamen zum aufgehen befördert.

In denen geraden und 2. 3. bis mehr ellen in der breite von einander stehenden Furchen und Graben / wachsen die Bäume fein in einer linie, dazwischen auch Graß aufschiessen kan.

Hierbey ist sich aber mit dem zuziehen und einebnen der Furchen und Gräben / oder mit ein Egen und einrechen des Saamens in acht zu nehmen, daß der Raßen / Schrollen und Steine nicht mit aufgehoben / und der Saame darunter bracht werde / sonsten ersticket solcher.

§. 9. An manchen Ort wird auch bey denen Furchen / weil das Holtz noch jung / klein und niedrig / und wo der Zwischen-Raum etwas weit ist / allerhand Getreyde an Korn / Weitzen / Erbsen / darzwischen gesäet / und guter Nutzen geschafft / nach dem der Boden fruchtbar.

Dann es machet selben lucker / daß das junge Holtz desto eher fortwachse / und Wurtzel gewinne / auch die Feuchtigkeit desto mehr zur Wurtzel dringen könne; wo man aber in die albereits mit Getreyde besäete Felder etwas von kleinen Baum-Saamen einstreuen will / kan solches geschehen / in deme das Feld geweltzet / und der Baum-Saame zugleich darauf gesetzet wird / so drucket sich der Saame gnugsam in die Erde.

Es muß aber das Getreyde so zuvor in dis Feld kommen / gantz dünne gesäet seyn / sonsten ersticket der Baum-Saamen / unter und zwischen den vielen Getreyde.

§. 10. Und obgleich die Bäume in einer Reihe oder Linie ziemlich dichte und dicke in einander stehen / so können sie sich hingegen auf der Seiten ausbreiten und ihre Wurtzeln und Aeste dahin werffen / sind auch gegen den Wind etwas gesicherter / als wenn sie eintzeln hin und wiederstehen / sonderlich wenn sie denen ordinairen starcken Wind Strichen / als Nord / Süd und Westen entgegen geführet werden / daß die Bäume einer Reihe dem Winde entgegen und ex opposito stehen / dienet etzlicher maßen auch zum Vortheil / zumahl man in aus schneideln und ausputzen / füglicher dabey Handthieren kan; Item durch das Grasen auch nicht so leicht Schade geschehen / weil die Bäume in einer Reihe stehen / und zwischen den Reihen das Graß gar wohl ohne Beschädigung des jungen Holtzes weg gebracht werden mag.

§. 11. Wo aber die Gelegenheit und Zeit nicht leiden will / so viel auf das Umackern und Furchen oder Graben zu ziehen anzuwenden / könte man nur den Boden von Reisig / Heyde-Moos / und dergleichen saubern / den kleinern Holtz-Saamen / als Fichten / Tannen / Kiefern / Bircken / und Erlen darauf sehen / so würde er doch die Erde desto eher ergreiffen und fassen / als wenn der Platz unberäumet / und mit Reißig und andern überdeckt gelassen würde.

Wo er aber in ein gut geackertes Feld gesäet werden soll / wird solches zuvor ein wenig eingeeget / als denn darauf gesäet / und damit es glat werde der Saame eingewaltzet / so komt derselbe nicht alzu tief in die Erde / und die Erde wird etwas derb / daß ihr die Feuchtigkeit nicht so bald entgehe / allenfalls kan das Waltzen auch unterbleiben / bevorab bey nasser Witterung.

§. 12. Ob man nun mit Pflügen oder Hacken / oder mit Furchen und Graben ziehen / am besten und mit wenigern Kosten und näher davon kommen kan / muß man den Uberschlag machen / wie viel Ruthen ein guter Arbeiter in einem Tag Graben ziehen / umhacken oder um ackern kan.

Denn da wird leicht die Rechnung zu machen seyn / wie viel hundert und mehr Acker um / und den Saamen einzuhacken kosten mögten / und ob zum Ackern / Umhocken / oder zum umhacken mehr Kosten gebrauchet oder erfordert werden.

In einem Tage kan ein guter Arbeiter einen halben Scheffel Landes um- und den Saamen einhacken / es sey bergicht oder flach / aber wie viel mit einem Pflug oder Hocken täglich auf zu ackern und auf zuarbeiten / kan man so eigentlich nicht wissen / dann der Boden unterschiedlich ist / ingleichen das Erdreich steinicht / wurtzlicht and dergleichen / dahero das Einhacken des Saamens fast das sicherste ist / dann dadurch wird das Erdreich lucker gemacht / daß es nicht wie bey dem Ackern / grosse Rasen / Erdschollen und Furchen giebt / welche denn meistens gantz, darunter also der Saamen stecken bleibet, und nicht zum aufgehen gelangen kan / auch will sich das Ackern aufn Gebürgen am wengsten practiciren lassen / sonderlich wegen derer vielen Wurtzeln / und Steine / und würde man viel Pflüge und Geräthe zerreissen und zerbrechen, und also fast besser seyn dürffte, mit dem Hocken / den man über die Wurtzeln und Steine überhin gehen lassen könte / einen Versuch zu thun / jedoch bleibet es wohl darbey / daß das Ein- und Unterhacken des Saamens mit einer breiten Haue / an dergleichen Orten wohl das bequemste Mittel hierzu zu seyn scheinet / welches auch die wenigsten Unkosten erfordert / in deme es keines fernern eineegens gebrauchet / sondern nur der Saame aufn Boden / wie er ist / ausgesäet und überstreuet / hernach gantz seuchte eingehacket wird.

§. 13. Es wollen etliche Haußwirthe gar einen Schluß machen / wie viel Land zum Ackerbau / wie viel zum Wiesenwachs und wie viel zum Holtz bey einer wohleingerichteten Haußhaltung gewidmet seyn solte.

Theils meynen / es solle der sechste / andere es solle der zehende Theil Holtz-Land seyn; aber alhier zu Lande nimmt man insgemein zum Holtzwachs dasjenige Theil Landes / so sonsten zum Ackerbau nicht sonderlich dienlich ist; wo aber gut fett Land ist / wird es meistentheils zum Getreyde Bau gebrauchet.

§. 14. Es ist auch eine Frage / ob auf Feldern / so Getreyde getragen / hernach so gut Holtz wachse / als auf solchen Boden / so stets Wald gewesen / und niemahl Getreyde daselbst gestanden? Worauf die Antwort: daß Fichten / Tannen / Kiefern nicht wohl auf zuvor gebaueten und gedüngten Grunde fortkommen / und da selbige gleich aufwachsen / so wird doch insgemein der Stamm von innen nach und nach wandelbar / da hergegen aber die Eichen und Buchen / auf solchen Land wohl wachsen.

Allezeit ist es nicht gut daß die Unterthanen / aus Holtz oder Wald Revieren Reuten oder Acker machen / und die Waldgeile oder die Fettigkeit der HoltzErde daraus nehmen / hernach aber wenn sie das Land ausgesogen, und eine kleine Zeit genossen / wieder liegen lassen.

Denn darauf wächset weder gut Holtz noch Weide / und ist der Boden auf lange Zeit verdorben / und nicht wohl zu geniesen.

§. 15. Wir schreiten nun weiter in unsern Vorhaben des wilden Baum-Saamen-Säens fort / und wollen betrachten / um[WS 58] welche Zeit des Jahres / dasselbe am besten anzustellen.

Denn es ist allerdings von nöthen, daß man diesen Umstand / gleich wie andere / hierbey wohl erwege und erforsche / angesehen des Saamens so vielerley ist / und ein jeglicher seine besondere Eigenschafft hat / daß man in Säen / gleich wie bey dem Getreyde sich nach selbigen wird richten müssen. Läßet sich auch ansehen / daß / wie bereits mehrmahl erwehnet, beym Holtz-Saamen noch mehr als bey diesen zubeobachten seyn dürffte / indem einer im Frühjahr / als Fichten / Tannen und Kiefern; der andere um Johannis, als Bircken; ein anderer in Augusto und September, und auch gar gegen den Winter / als der Erlen-Saamen / um Galli und Martini reif wird / so / daß man das gantze Jahr über damit beschäfftiget seyn kan.

Weil wir auch von unsern Vorfahren / dieser Wissenschafft halber keine Nachricht haben / so ist das sicherste / daß man zum Wercke selber schreite und keine Zeit vorbey gehen lasse.

Denn es kan hier wohl gesaget werden / was dorten Columella anführet:

Res agrestis est insidiosissima cunctanti, das ist: Der Acker-Bau pfleget denenjenigen / so sich saumseelig erweisen / die gefährlichste Netze zu stellen.

Denn je länger man das Säen der wilden Bäume auf schiebet / je später kömmt man zur Nutzung des Holtzes / ja je später kömmt man zu einer gnugsamen Wissenschafft / die doch bey diesem höchst nützlichen und nunmehro höchst nöthigen Wercke unentberlich / aber so gar leicht nicht ist.

§. 16. Hiernechst so ist auch zuförderst der Situs, Grund und Boden / Witterung des Himmels / und Gegenden der Länder / wie auch Inclination der Einwohner, welche eine Art Holtzes mehr lieben / auch zum Behuff ihrer Nahrung nöthiger haben / als das andere / wohl zu observiren / dahero von diesen Umständen durchgehende gewisse Regeln von keinem / er bemühe sich auch so viel als immer müglich / und meine es so aufrichtig als er wolle / gegeben werden mögen / sondern es wird ein jeder wohlmeinender Leser das beste / wozu er seinen Grund und Boden aptiret zu seyn befindet / aus dem was dieserwegen hin und wieder angeführet, colligiren, und zu seiner Herrschafft, oder seinen Nutzen anwenden. Allermassen, so viel unter andern den Unterscheid derer Länder betrifft / derselbe auch in denen Gegenden / die nur wenig Meilen von einander gelegen / so notorisch ist / daß die eine diese Art und Sorte Holtzes wohl und häuffig fort bringet / in der andern aber selbiges gar schlechtes Auffkommen hat / sondern ein ganz diverses Geschlecht von Holtz daselbst / besser und geschwinder als in jenen aufwächset.

Bevorab aber ist ein Unterscheid zu machen zwischen warmen und Nordischen Landen / zwischen hohen Gebürgen und Ebenen.

§. 17. Weil wir auch der Witterung und Jahres-Zeiten nicht Meister seyn können sondern solche wircken und regieren lassen müssen / wie es sich ereignet / also kan man auch keine so gar gewisse Reguln geben / wie sich bey dieser oder jener Jahres-Zeit zuverhalten / sondern man muß sich bey ereignenden Fällen nach dem Wetter achten / und also das Säen / Pflantzen und Wartung der Bäume darnach einrichten / jedoch mag die Zeit / wovon obgedacht worden / so viel müglich / hier in acht genommen werden; die Erde thut alles was sie thun kan / und unterlässet nichts / alleine sie will auch der Zeit nach / und vernünfftig tractiret seyn / sonsten kan sie ihre Würckung nicht richtig vollziehen.

Denn wenn man sie zu unrechter Zeit bearbeitet / oder ihr Saamen giebet / so kan sie solchen ihrer gütigen Art nach / nicht bewirthen und nöthige Nahrung geben / sondern muß ihn in ihren Schoos selbsten verderben / und vernichten lassen. Derohalben muß man hierinnen sehr vorsichtig gehen / wohl ergründen und überlegen / welche Zeit des Jahres ein jeder Saame zum Aussäen erfordere.

Insonderheit ist in acht zunehmen / damit der Saame / so zärtlicher Art Bäume ist / nicht also gesäet werde / daß selbiger aufgehe / wenn die grossen Fröste pflegen einzufallen / sonsten gehet die junge und zarte Pflantze verlohren.

§. 18. Die Haupt-Regul ist wohl diese: daß der wilde Baum-Saame in genere so bald er reiff ist / das Erdreich haben will / und je frischer der selbe gesäet wird / je besser ist es / desto schädlicher aber / wenn er ausgedorret / und die Herbst und Winter Feuchte in der Erde nicht über kömmt / derohalben es am besten und rathsamsten / wenn es müglich ist / entweder solchen so bald er eingesamlet / flugs gesäet, oder mit Erden auff etzliche Tage biß zur Saat vermenget. Denn so bald er von sich selbst ausfället / oder ausfleuget / hat er seine vollkommene Feuchtigkeit noch bey sich / dahero wenn er so denn die Erde ergriffen / bekommet und geräth er auch desto eher / und leichter / und ist also der Natur / wie sie uns solches zeiget / in Säen nachzuahmen / daß er nehmlich noch frisch und safftig die Erde erlange.

§. 19. Man kan nun solche Saat so wohl im Herbst als Frühling vornehmen. Denn in Fall nicht in einer von diesen Jahres-Zeiten gnugsam Zeit hierzu verhanden / mag man sich aller beyder wohlgebrauchen / damit desto mehr verrichtet werden könne / und so es wegen der Witterung mißlingen solte / so wird doch eine Jahres-Zeit hieran das ihrige thun / und da zum Exempel die Frühlings Saat verderben möchte / dennoch die Herbst-Saat bestehen.

Sonsten ist die Herbst-Saat wohl die beste; jedoch ist die so in Frühling und theils Sommer geschiehet / auch nicht zu verachten / und zu verwerffen / zumahl wenn gnugsame Reegen fallen / damit der Saame aufgehen kan; Allermaßen wenn der Baum-Saamen zu gleicher Zeit mit aufgehet / da im Frühling das Graß hervor kömmt / so ist gute Hoffnung / und kan das Stämmgen / bey der Sommer-Wärme und guter Witterung nach und nach desto besser anwachsen und erstarcken / daß es dem künfftigen Winter um so viel eher austauert. Unterdessen so ist doch bey jeglicher so wohl Frühlings- als anderer Saat etwas bedenckliches.

Denn kommt das Stämmgen zeitlicher als das Graß / so können es die späten Frühlings-Fröste und Kälte leicht ruiniren; kommt es aber in heißesten Sommer / so drucket es die Hitze; oder gar spat im Herbst / so ist zubesorgen daß es aufn künfftigen Winter gantz eingehet.

Und bleibet es also auch dieses Umstandes halben bey unserer vormahls gegebenen Regul: daß die beste Baumsaat / oder See-Zeit sey / wenn solche die Natur selbst anzeiget.

Dann um eben selbige Zeit hat ihm GOtt der Allmächtige sein Ziel zum säen bestimmet / nehmlich wenn der Saame völlig reiff / und von sich selbst aus den Hülsen / und Behältnissen ausfället / und alsdenn von Wind hin und wieder ausgesäet wird.

Also soll man in allen diesen der Natur nach ahmen / weil selbige am besten weiß / was nützlich / nöthig und profitabel dabey ist.

Jedoch wird die selbige an ihrer Würckung bey einem sehr nassen / und kalten Sommer / daß der Saame nicht zu rechter Zeit reiffen und vollkommen werden kan / zum öfftern gehindert / zumahl wenn in Frühling die rechte Blühe-Zeit sich verziehet / als denn auch die Reiffung des Saamens tardiret wird / dahero in allen Fällen sich mit der Saat darnach zurichten ist.

Auch wird / was das Säen selbsten anbetrifft hierbey auf den Boden reflexion zu nehmen seyn. Denn wenn derselbe zu kalt oder zu naß ist / so ist das Säen in Frühling besser / als in Herbst / sonsten aber gehet dieses jenen weit für.

Ferner so geschiehet es / daß wie oben gedacht / der Tannen- und Fichten-Saamen nicht allemahl in Herbst reiffet / sondern wohl erst in Martio folgendes Jahres / auff welchen Fall die Saat ebenfalls in Frühling vorzunehmen seyn dürffte.

Weil von Nachahmung der Natur gemeldet worden so ist beyläuffig zu erinnern daß man solches in Ausstreuen des Saamens folgender Gestalt thun kan: man hänget mit rohen Garn die Zapffen an Bäume oder Stangen / an den Ort / da man Holtz zeugen will / daß sie von sich selbst den Saamen fallen / und von Wind und Lufft hin und wieder treiben lassen.

Denn wenn sie nach gefallenen Regen und Sonnenschein sich aufbürsten und aufthun / so fleugt der Saame aus und vertreibet sich hin und wieder selber. Man hat auch hierbey wegen der Frühlings-Saat diesen Vortheil daß wenn der Schnee noch lieget / und der Saame aufn Schnee fället / solcher hernach beym Auftauen und Schmeltzen Feuchtigkeit an sich ziehet / und in niederfallen des Schnees die Erde mit ergreiffet / und desto eher aufgehet / bevorab ist bey dieser Begebenheit sehr vorträglich und nützlich / wenn den Herbst zuvor / der Grund und Boden aufgearbeitet ist / so kan der Saame desto eher die Erde fassen / alsdenn auf gehen und guten Wachsthum erlangen.

Ipsa fuit rerum, primum natura creatrix.

§. 20. Was dem Tannen- Kiefern- und Fichten-Saamen nun ferner anbelanget / so ist in specie dabey zubeobachten / daß solcher bey dem Säen nicht tieff unter die Erde bracht werde / sondern nur bloß dieselbe berühre / auch anfangs nicht in die todte Erde / so durch das tieffe Ackern oder Hacken herfür und herauf kommen mögte / falle / denn solches verhindert das aufgehen; sondern wenn der Saame wie obberührt / von Moos / alten Graß / und Geräusche unverhindert nur die Erde ergreiffet / und von Regen eingeschlagen oder eingemenget wird / so kömmt er und gehet mit andern vegetabilibus in April oder Majo gar leichtlich auf.

§. 21. Es kan auch die Eichel- und Buchäcker-Saat / oder vielmehr Steckung / wohl in Frühling geschehen.

Denn die zu rechter Zeit und völliger Reiffung / oder wenn sie im Herbst selbst abgefallen / zusammen gesamlete Eicheln und Buchäckern leget man über Winters in einen trucknen Keller oder Ort / fein dünne daß sie nicht frieren / auch nicht auf einander erwarmen; nach Weyhnachten leget man lagen-weise, stratum superstratum, eine Lage Sand / und eine Lage Saamen auf einander / läßet sie also liegen / biß gegen den Mertzen oder April / alsdenn wenn sie theils ausgekäumet / säet man sie in eines den Sommer oder Herbst zuvor umgearbeitetes Land / oder stecket solche Stück für Stück für Stück / und machet mit einem Stückel 2. biß 3. Zoll tieffe Löcher / einer Spannen weit von einander / und eget sie also bald unter.

§. 22. Also gehen auch etliche mit den wilden Obst um / daß sie die Kriebse samt den Kernen stecken.

Gleicher Gestalt mag man Haselnüsse stecken; wenn sie aber gesäet werden / muß man sie einegen.

Kan das Land nun ein oder zwey Jahr vorher auch zweymahl gearbeitet werden / so ist es gut / wo nicht / so bleibet es bey einmahl.

Nachdem nun die Witterung feucht oder trucken fället / so gehen sie um Pfingsten oder etliche Wochen darnach auf; also verfähret man auch mit andern Nüßen und Castanien.

Es muß aber dieser Saame / wenn er schon gekäumet / mit grosser Behutsamkeit / daß der Keim nicht beschädiget werde / einzeln gestecket oder so er nur etwas aufgequollen und ein wenig sich aufgethan / gesäet werden / so kan dieser Saame eben so gut fortkommen als in Herbst / kostet aber mehr Mühe.

§. 23. Solcher Gestalt nun hat die Frühlings-Saat ihren Nutzen.

Aber insgemeim wird jetzt gedachte Saat in Herbst / wo es müglich / viel nützlicher vorgenommen. Denn zu der Zeit ist der Saame noch frisch und unausgedorret / bekömt auch also die Herbst- und Winter-Feuchte in der Erde / daß solcher gegen den Frühling und Sommer desto eher aufgehen und fortkommen kan / zumahln auch der meiste Saamen / sonderlich von Tangel-Holtz die Kälte / Eiß und Frost wohl verträgt / nicht aber die übrige Nässe / wenn sie nehmlich so groß / daß sie die olität / so im Saamen ist / überwältiget.

Hergegen wenn die ausgesproste Frühlings-Saat zu zeitlich aufgehet / und es kommt ein Frost darauf oder alzu grosse Dürre / so ist solche dahin und verlohren / und der Keim verdirbt; Die Herbst-Saat aber richtet sich nach der Witterung / und gehet mit solcher fort / daß sie insgemein nicht eher ausbricht als es natürlich / und die ordinair Fröste vorbey / und erfrieren die im Herbst gesäete junge Bäume bey einfallenden Frost nicht so leicht / als die im Frühling gesäet sind / in dem sie die Kälte schon einmahl gewohnet / und der Saame den Winter überstanden.

Es lieget zwar der Saame über Winters wie todt in der Erde / jedoch ziehet er bey der Witterungs-Veränderung immer[WS 59] nach und nach Feuchtigkeit an sich / und wenn nun gegen den Frühling / die Erde / als aller Saamen Mutter / von der Sonnen erwärmet wird / so balde entpfänget auch der angesäete Saamen / seine Nahrung und Feuchtigkeit zum Aufgehen.

Dieses ist das sicherste Mittel / daß der Saame seine benöthigte Feuchtigkeit erlange. Denn wenn man ihm selbige durchs Einweichen beybringen will / ist es etwas gefährlich / und kan der Sache leicht zu viel oder zu wenig geschehen. Es erhellet auch daraus / daß es nützlicher[WS 60] sey / das Laub-Holtz an Buchen / Ahorn / Esche / Rüsterbaum / Haynbuche / Linden / Ilmen / Leinbaum / und dergleichen zu solcher Zeit zu säen wenn der Saame völlig reiff wird / und also in dem er noch frisch / bequemer gesäet werden kan / auch so er in frische Erde und nicht in Moos / Graß / und Geräusch fället / und darinnen verdirbet gar wohl käumet / aufgehet und Wurtzel fassen kan.

Die starcken Herbst-Regen schlagen und drucken auch den Saamen von Eicheln / Eckern etc. in die Erde / daß er desto leichter aufgehen mag / und solcher Gestalt wird ohne Zweifel eine bequeme und taugliche Zeit Erwehlung zum Säen / und zu Herfürbringung schöner Bäume / und zu derer zeitlichern / und schleunigern An- und Fortwachs viel contribuiren / welches zum öfftern die Anmerckung und Augenschein sattsam gibt / auch diese heimliche Beschaffenheit / wovon es herrühre / desto eher zu comprehendiren ist / nehmlich wenn zugleich die Einstimmung des Monden-Wechsels / die gute Witterung / und die rechten Jahres-Zeiten dabey beobachtet werden und concurriren / dannenhero ein jeder so Baum-Saamen säen will / wohl besorget seyn soll / daß er die zu jeden Saamen bequeme Jahres-Zeit zu säen nicht vergeblich vorbey streichen lasse / sondern weil ausser der Zeit / gleich wie bey dem Geträyde-Bau / zu säen sehr gefährlich und höchst schädlich ist / also soll man alles dieses obige / so gewiß unschätzbar hierbey zu achten / nicht negligiren / und kan die praxis in cursu oeconomico, gar leicht alles emendiren.

In dem Lüneburgischen und Westphalen werden die Eckern um Galli mit dem Korn in gedüngten Acker gesäet / wenn solches reiff / schneiden sie es abe / und lassen die Eichlinge in den Stoppeln stehen / darzu denn kein Vieh gelassen wird / die wachsen als denn sehr wohl / zumahl wenn die Stoppeln hoch über den jungen Eicheln oder Buchen gelassen werden / wie wohl bey dem Korn-Schneiden wohl Acht zu haben / daß die jungen Bäumlein nicht zu sehr beschädiget werden.

§. 24. Ob man sich auch bey Anstellung des Baum-Säens nach den Monden zu richten habe? wird nicht unbillig gefraget. Zwar es finden sich wohl etliche Gärtner und Scribenten / die da fürgeben wollen / daß das Säen Pflantzen und Pfropfen aller Bäume und Gewächse / zu allen Zeiten des Mondscheins / er sey zu- oder abnehmend ohne einigen Scrupel geschehen könne / und wenn man die Monds-Brüche nicht observire, solches nichts hindern könte / noch auch weniger oder mehr Nutzen darbey zugewarten / Gestalt die influenz von den Monden sich auf eine alte unnütze Gewohnheit und Wahn der Menschen gründe / welche durch langwürige observantz wiederleget worden / und man also Säen und Pflantzen verrichten könne / es geschehe zu welcher Zeit oder Tag es wolle wenn man nur die Witterung darbey in gebührende Obacht nehme.

Man lässet solches eines jeden judicio heimgestellet; es werden sich aber doch viel finden / so dieser Meynung nicht beypflichten / Wie dann insgemein der Bauers-Mann / auch bey der Getreyde-Saat / sehr viel auf des Mondens Wechsel hält / und sich auf eine ebenmäßige experientz beruffet / die zwar eben nicht zuverwerffen dahero mögen wir wohl sagen daß es sicherer sey mit zunehmenden Licht oder Monden den Baum-Saamen auszustreuen. Daß man aber auf gewisse Tage achtung geben solle und z. e. auf den Tag / an welchen der Unschuldigen Kindlein Tag desselben Jahres gefallen / nichts säe oder pflantze / auf den Tag aber / da in selben Jahr der Christ-Tag gewesen / alles gesäete besser wachse und fortkomme / ist aberglaubisch / und wird nur hier als eine Relation angeführet.

§. 25. Dieses aber ist gewisser / wenn der Baum-Saame / bey warmen und trucknen / oder nicht allzu nassen Tagen oder nach einem vorhergehenden sitsamen Regen in die Erde einzubringen ist / so nimmt sie denselbigen besser an / als bey kalten nassen / ungestümmen Wetter und Nord-Winden. Denn die Kälte / Frost oder Nässe / kömmt mit in die Erde / und so bald nicht wieder heraus; wenn aber feine temperirte Feuchte und darbey warme Lufft mit hinein kömmt, so geschiehet dem Saamen eine grosse Hülffe / und also ist wie oben mit mehrern angeführet / an der Zeit des Aussäens viel gelegen / und besorglich und wohl zu überlegen / welcher Baum-Saamen / jede Jahres Frist / am sichersten zu säen / auch nöthig daß man solche Wissenschafft nach und nach erforsche und erlange. Dann ob gleich mehr als zu wahr ist / daß ein Saame nicht wie der andere gesäet seyn will / maßen einer zeitlich / der andere langsam hervor kömmt / und wohl etzliche Monath / ja Jahr- und Tag und länger verzeucht / so geschicht es doch wohl / daß das Aufgehen durch üble Witterung dergestalt verzögert wird / daß die zarte Pflantze bey einfallender grosser Nässe / Dürre / oder Frost aus der Erde herfür kömmt und durch bricht / mit hin von dergleichen Zufällen entweder gantz verderbet wird / oder doch wenigsten sonsten Anstoß leidet / dahero scheinet am besten zu seyn / daß er / bevorab das harte Laub-Holtz also gesäet werde / damit er in Früh-Jahre / wenn alle Fröste vorbey / auf gehen möge.

§. 26. Hieraus ist nun zu schliessen / daß der Saamen / so von Saamen-Bäumen aus seinen Schalen / Zapffen / und Hülsern von sich selbsten ausfället / oder durch starcke Winde ausgeschlagen wird / auch leichtlich Schaden nimmt / und also die Natur nicht allezeit ihre wohlmeinende Würckung thun kan.

Dann wenn keine gute Witterung darauf erfolget / oder der Saame an Orte fället / wo er zu rechter Zeit nicht aufgehen kan / so kommt hiervon wenig oder gar nichts zum Anflug; hingegen wenn der Baum-Saamen / von Menschen mit Fleiß und Behutsamkeit in die Erde bracht wird / so ist doch mehr Hoffnung und Vermuthung / daß solcher bey ereignenden accidentien desto eher sein Fortkommens haben dürffte / welches wir auch an allerhand Früchten so der Mensch sonsten säet und pflantzet / wahrnehmen können; Dann wenn man das in Feld von sich selbst ausgefallene oder ausgeschlagene Korn / Weitzen / und dergleichen an siehet und zum Exempel nehmen wolte / so wird bey solchen schlechter Wachsthum zu hoffen seyn: wo aber des Menschen Hand und Hülffe darzu kömmt / so ist nechst göttlichem Seegen ein Uberfluß davon zugewarten.

§. 27. Da man nun zum Werck selber schreiten / und das Säen fürnehmen wolte / gleich wohl aber sich ereignen dürffte / daß man die gantzen abgetriebenen Refieren / wegen ihrer Grösse und Weitläufftigkeit mit Holtz-Saamen / als Eichen / Buchen / Eschen / Fichten / Tannen / Kiefern / Bircken etc. nicht so gleich besäen könte / so solte doch vor jetzo so bald als müglich auf den Höhen und Blößen / der Anfang gemacht und nur etwas / zum wenigsten Fleckweise besäet werden / damit dergleichen Holtz wieder aufkommen möge / da denn erfolgen würde / daß wenn diese Bäume Saamen tragen / andere übrige und nahe gelegene Oerter auch dadurch besaamet werden und das Holtz wieder anfliegen könte.

§. 28. Weil die Natur in Wäldern es also geordnet / daß von allerley Sorten Bäumen / unter einander stehen / so könte man solches bey dem Säen auch thun / oder zum wenigsten in einer Reihe diese / in die folgende / eine andere Sorte Bäume / und so fort an säen / welches denn / wofern der Boden nicht zu naß / und also bey nahe zu allerley Saamen bequem gar wohl zu practiciren ist. Wann nun in denen Furchen oder Gräben / auf einer Reihe Eicheln / auf der andern Buchen / auf der dritten Ahorn / auf der vierten Aschen / und so fort aufgehen und erwachsen sind so wird solches denen Augen eine sonderbahre Anmuth und prospect geben.

§. 29. Wolte man sich nun zum Wercke schicken und zum Säen / Pflantzen / Versetzen und Stecken des wilden Holtzes / bey so grosser obhabender Nothwendigkeit / Hand anlegen so wäre zuförderst dahin zu trachten / daß man diejenigen Sorten Holtzes fort brächte / und am meisten pflantzete / wodurch dem Holtz-Mangel schleunig remedirt und darbey das gemeine Beste befördert werde. Dahero theils solche Arten zu erwehlen / so schnelle fort wachsen / theils / welche gut nutzbares Holtz geben / ingleichen welche wegen des sonderlichen Nutzens gar nicht zuentbehren / theils auch die nur in diesen / oder auf einen Grund und Boden / besser als auf den andern ihr Fortkommens haben / und wäre also dißfalls eine genauere Erkundigung anzustellen.

Anbey würde zugleich mit ein Absehen auf diejenigen Arten zu richten seyn / welche langsam fortwachsen / damit durch unsern Fleiß auch denen Nachkommen gerathen / und sie also darvon Nutzung haben mögen.

Wir können bey dieser Gelegenheit nicht vor bey / in genauere Erwegung zu ziehen / wie daß GOtt und die Natur uns die schönsten und edelsten Geschlechter derer Bäume / als Ilme / Leinbaum / Rüstern / Ahorn in denen grösten Wäldern und Heyden / zwischen denen andern Bäumen vorjetzo nur einzeln und deren wenige weiset / und will er ohne Zweifel uns dadurch anzeigen und anführen / daß in Schweiß unsers Angesichts wir dahin streben sollen, den Saamen von solchen edlen Bäumen zusamlen / der Erde anzuvertrauen / und also dasjenige in grösserer Menge zu erlangen / was wir anjetzo nur einzeln / und in geringer Anzahl besitzen / dann es liegt allein an uns / und ist unserer Trägheit vorjetzo zuzumessen / daß dergleichen herrliche Gaben nicht überflüßig bey uns zu finden die doch vermittelst unsers Fleiß / GOtt der Allmächtige uns häuffiger geben und darmit seegnen will.

§. 30. Aber wieder auf unser Vorhaben zu kommen / wo kleine leere Plätze sind / so von grossen dabey entstehenden Bäumen / beschattet / betröpffelt und verdemmet werden / da ist das Säen besser als das Pflantzen der Stämmlein.

Denn diese werden im Anfang von der grossen Uberschattung ersticket / und ihnen von deren Wurtzeln der großen Bäume / der Safft entzogen / daß sie gleich in kurtzer Zeit verderben.

Was aber von Saamen erzielet wird / erholet sich nach und nach / und suchet von sich selbst Nahrung in der Erden / wo es solche finden kan / kommt also fort / da andere vergehen und dadurch wird der leere Platz doch am besten besetzet / die gepflantzten Bäumlein aber verlieren sich zwischen oder unter denen Bäumen gar gewiß / oder erlangen keinen Wachsthum / man müste denn ihnen Raum machen / und die nechst stehende Bäume selbsten oder derer Aeste abhauen.

§. 31. Man möchte auch wohl fragen / wie viel Saamens auf einen Acker von nöthen? Solches kan beyläuffig erfahren werden / wenn man die Körner zehlet / so viel derselben in eine Kanne oder Nößel gehen / und wenn auf einen Schuch breit ins gevierde ein / zwey / drey / oder mehr Körner ungefehr nach Art des Saamens kommen / soll man darauf ausrechnen wie viel der gantze Platz erfordere.

Dieses aber ist nur von grossen Saamen / als Eicheln / Buchäckern und dergleichen zuverstehen / hingegen von Tannen- Fichten / Kiefern / Erlen / und Bircken-Saamen / so gar klein Körnig ist / muß etwa ein Viertel-Acker mit einer halben oder gantzen Metze davon zur probe besäet werden und von dem / was zu solchen von nöthen / kan man die Ausrechnung bald auf ein oder mehr Acker machen.

Wie viel nun die Gegend / so besäet werden soll / an Acker oder Ruthen halten / wäre auszumessen / und folglich wie viel auf eine Ruthe oder Acker an Saamen zu säen man brauchet / auszurechnen / darauf auch ein Calculus, wie viel man an allerhand Saamen dazu benöthiget / leichtlich zu ziehen.

§. 32. Hierbey füget sich nun wohl zu untersuchen / ob dicke oder dünne zu säen / worvon die sonsten dishalber mit mehrern ob angeführte rationes, auch alhier / da von Säen gehandelt wird / zu mehrer Erleuterung der Sachen anzumercken.

Das man sonderlich das Laub-Holtz / mehr zu dicke / als zu dünne säe / und pflantze / scheinet wohl am besten gethan zu seyn.

Denn der Saame gehet nicht alle auf / indeme er nicht alle gut / oder theils zu tief / theils zu seichte in die Erde kömmt / unter einen Rasen / Erdschollen / Stein u. d. g. verfället / oder wird von Thieren / Vögeln / Mäussen und Würmen gefressen / in aufgehen die Pflantzen abgebissen / durch Schloßen / Frost / Hitze / Dürre / etc. beschädiget / oder es wachsen die Bäume theils krumb / knödig und höckrig auf / daß man selbige zu den benöthigten Nutzen nicht anwenden kan. Und so es endlich ja allzu dicke stehet und sich an Wachsthum hindert kan man eher etwas ausheben oder gar weghauen / als wieder dahin pflantzen / und das weggehauene schon nutzen / sonderlich ist das letztere gut bey dem Unterholtz / denn das abgehauene schläget wieder aus / da inzwischen die Stämmlein so stehen bleiben auf wachsen und Ober-Holtz geben können / also muß man doch in 2. oder 3. Jahren Raum machen / und die überleyen Stämmlein abhauen / oder ausziehen / und die jenigen so stehen bleiben / in eine feine und gewisse distantz bringen, damit sie bessern Wachsthum und Raum erlangen / ja wenn man es nicht selbst ausschneidelt oder ausziehet / und diejenigen Stämmlein / so den andern in Wachsthum ungleich / nicht abhauen könte / so hilfft die Natur sich selbst / und verdruckt doch eines das andere mit der Zeit / und das stärckeste behält die Oberhand; dahero lehret es uns die Natur gnugsam selber / daß man das Holtz dicke säen und pflantzen soll; dann insgemein viel junger Wiederwachs / so von sich selbsten anflieget / stehet so dicke in einander / daß man schwerlich oder gar nicht durchgehen kan / dahero man eine solche Gegend eine Dicke nennet.

Das Erdreich wird auch besser durch die vielen Wurtzeln / so die Menge derer Stämmgen werffen / gelüfftet / und da der Stamm abgehauen / giebt die rückbleibende Wurtzel / so bald solche faulet / eine gute Erde.

Ist es Holtz so Laub trägt / so giebt es / wenn es abgehauen wird / und nachgehends wieder ausschlägt / mit der Zeit das beste Schlag- und Unter-Holtz / auch wenn es dicke stehet / so wächset kein Unkraut darzwischen / und kan dieses nicht aufkommen / wes wegen auch dadurch das Gäten oder Auskrauten erspahret wird / und ist besser es wachse die Fettigkeit der Erden ins Holtz / als ins Unkraut / welches hernach / wenn es starck wird / nicht wohl zu vertilgen / hingegen das überleye Holtz kan man nutzen / zu Stänglein / Reiffen / oder auch zu Feuer-Holtz. Befindet sichs aber daß der / Saame nur fleck weise aufgehet / und leere Plätze bleiben / so muß / man solche aufs neue besäen / oder theils von den gesäeten Saamen aufsuchen / um zu sehen / ob er noch frisch / und zum Aufgehen noch Hoffnung sey / und also das neue Säen unterlassen.

Es muß aber das neue Säen geschehen / ehe das nahstehende Holtz zu groß wird / weil es alsdenn demmet / daß der neu eingestreute Saamen / nicht zum Aufgehen gelangen kan.

§. 33. Was das Tangel-Holtz anbetrifft / scheinet rathsamer zu seyn / daß solches entweder etwas dünner gesäet / oder der Wiederwachs hin- und wieder abgehauen / und dünne gemachet werde.

Denn wo es zu dicke stehet / so hindert eines das andere an Wachsthum / und sonderlich kan der Schnee auch nicht darzwischen fallen / sondern bleibet oben auf denen jungen Bäumlein / weil sie dicke beysammen stehen / über und über wie ein Tach liegen, drücket sie gantz plat nieder / so / daß auch wohl die Wippel abbreche, dadurch denn grosser Schade geschiehet, indeme sich selbige nicht wieder recht erholen können / sondern verderben oder werden doch krum und[WS 61] kröppigt / dieweil ihnen der Halß / so zu reden / also bald gebrochen wird / daß solche / bevorab zum Bauen / gantz untüchtig werden / wie wohl man dißfallß auch auf des Bodens Beschaffenheit zu sehen hat.

Denn in guten Boden werden die Bäume wenn sie dünne stehen / groß, breiten sich aus, und wachsen mehr in die Aeste als in Stamm; hingegen wo sie etwas düchte und nahe beysammen sind / so wächset der Stamm gerade in die Höhe / und gibt ein gutes Holtz zu bauen / derohalben ist es wohl am besten daß der Saame etwas dicke gesäet werde / und bleibet wohl bey der Haupt-Regul / daß wenn in guten oder in geringen Boden die wilden Bäume nahe beysammen stehen / so treiben sie desto mehr in die Höhe / und in Stamm welches nutzbarer / als wenn sie in die Aeste wachsen / und da ja derer zu viel zu seyn befunden wird / kan man eher 10. Stämme weg hauen / als einen pflantzen.

§. 34. Damit aber die Saat nicht zu dicke falle / so wird aller leichter und kleiner Saame / als Fichten, Erlen, Bircken, Aspen, Rustern, Ahorn, mit Erde oder Sand vermischet / welches sich denn auch besser säen lässet.

Auf geackerten und in etwas eingeegten Feldern / wird er nur eingeweltzet / aber auf ungeackerten / muß er gantz seuchte eingehacket werden.

Denn durch das tieffe Hacken und Einegen / kommt er zu tieff ins Erdreich / und kan durch dasselbe nicht tringen / oder aufgehen. Theils säen den kleinen Saamen zugleich mit Haber oder andern Getreyde / bey der Ernde aber machet man etwas höhere Stoppeln / als sonsten / welches denn auch zur Feuchtigkeit hilfft. Dergleichen Holtz wächset sehr wohl / gehet auch der Holtz-Saame sehr wohl und leichte auf / dieweil es von dem Haber guten Schatten und Feuchtigkeit / von den Stoppeln aber gute Düngung und fetten Boden hat.

§. 35. Was etliche vorgeben / daß man den Saamen vor den säen einweichen soll (wie er denn von manchen / um desto eher zum aufgehen zu kommen / in eingeläuterten Kalck / oder Sauerteig-Wasser geleget wird) so kan solches den guten Saamen auch wohl so geschwind schädlich als nützlich seyn. Denn kömmt derselbige in treuge Erde / oder die Witterung fället trucken / so kan er nicht aufgehen / und die Feuchtigkeit / so er von Erweichen bekommen / schläget in eine Fäulung hinaus / in dem die truckne Erde ihn corrodiren hilfft.

Wenn aber die Erde etwas feuchte und die Witterung gut ist / befördert die Einweichung / sonderlich wenn es in guten Reegen-Wasser geschicht / das Aufgehen sehr / aber es muß etwas bedächtlich tractiret werden / dem Baum-Saamen / eine foecundation beyzubringen / und wird man sich nach dem Saamen hierunter richten müssen / ob er starck / dünn / oder dickschälig sey / jedoch soll keiner über 24. Stunden lang eingeweichet werden / derjenige aber so für Winters gesäet wird / gar nicht. Dann es kan derselbe bey ereigenden starcken Frost leichtlich in der Milch erfrieren; der Frühlings-Saamen aber / so er allzu starck eingeweichet / würde die Seele und Krafft verlieren / und das Wasser solche ausziehen. Den Baum-Saamen über Winters in Gefäße zu thun / und Schicht-weise mit Erde und Sand beschütten / feuchte halten / und auskäumen lassen / scheinet sehr gefährlich / wie wir zum theil davon bereits im zehenden Capitel Meldung gethan haben / indem er leichtlich Wassersüchtig / schimlicht und faul wird / auch im Fall / da er auskeimet die Keumen und Wurtzelgen in Handthieren / in Säen / in Einegen / oder in Stecken / sehr leichtlich beschädiget werden können. Folget aber ziemliche Hitze, Dürre / Kälte / Frost oder Näße darauf / so ist der Keim samt dem Saamen verlohren.

Wenn man hingegen den Saamen an temperirten Orten über Winters enthält / und in folgenden Früh-Jahr / so bald es geschehen kan / säet / so ist das Aufgehen und wohl gerathen / desto mehr zu hoffen.

Unterdessen ist zwar nicht ohne wenn die Einweichung des Saamens behutsam und wohl beschicht / so gehet solcher mit schönen / und fetten Stämmgen und Blättern auf jedoch hat man dabey wie oben weitläufftiger angemercket, nicht geringe Gefahr zu besorgen / gleich wie auch da man ausgekeimte Castanien / Eicheln / Nüße / Eckern etc. mit sonderlichen Fleiß stecket / daß der Keim nicht versehret wird / so befördert es den Auf- und Fortwachs um etzliche Monate.

§. 36. Dieses aber ist nicht zu wiederrathen / daß man den Baum-Saamen / ehe er gesäet wird / zu vorher probire, in ein mit Erden gefültes Gefäße etzliche Körner stecke und in einen temparirten Orte halte / um zu versuchen ob der Saame tüchtig / ob und um welche Zeit er pflege zu keimen / auf zu gehen / und[WS 62] über die Erde zukommen / damit man sich bey dem Säen / in einem und andern darnach richten könne.

Im übrigen muß der Baum-Saamen weder durch des Feuers / noch der starcken Sonnen-Hitze ausgetrucknet seyn / sondern seine balsamische Krafft vollkömmlich behalten / sonsten ist kein guter Effect zu hoffen.

Auch soll er (wie schon oben gedacht) nicht eher eingesamlet werden / er habe denn seine gnugsame Reiffung und Vollkommenheit erlanget / und überkommen.

§. 38. Solcher Gestalt nun verrichtet entweder die Natur / oder des Menschen Hand die Aussaat des wilden Holtzes; es geschiehet aber auch wohl daß solches durch andere Zufälle / welches satio fortuita oder eine ungefehre Saat / kan genennet werden / wenn nehmlich die Vögel / als Krahen / Elstern / und Kramms-Vögel zu Zeiten Saamen hin und wieder tragen / daß davon etwas anfleuget: ja theils kömmt auch von dem Mist / oder excrementis sonderlich bey dem Vogelbeer-Baum.

Ingleichen schlagen zuweilen diejenigen Eicheln / Bucheckern etc. aus, welche die Mäuse unter den Wurtzeln / untern Laub und in ihren Löchern verborgen.

§. 39. Es wollen auch unterschiedene Curiosi der Meynung seyn / daß viel Bäume / Stauden / und Kräuter / einem gantz kleinen Saamen führen / der meist unten an Blättern und Aestlein hange / daß er nicht zu erkennen / als durch ein Microscopium, auch wohl durch dieses nicht / aber gleichwohl wenn selbiger Saame in die Erde komme aufgehe / und aufwachse.

Wenn der Saamen von grosser Art / wohl eingeeget / kan man etliche Personen mit Stöcklein über den gesäeten Boden gehen, und was noch außen lieget / mit solchen einstupffen / hingegen die Krahen / Dolen / Elstern und andere schädliche Vögel / biß der Saame aufgegangen / wegscheuchen lassen / damit sie nichts ausscharren / und verderben.

§. 40. Aller aufgegangene Saame / (außer Fichte / Tannen / und Kiefern) so er gesäet / oder von ihm selber aufgehet / da er mit Mist-Pfützen-Gauche welche mit Wasser wohl temperirt ist / kan umgossen werden / ist es ihm eine grosse Hülffe / es muß aber der Stamm damit verschonet werden / und da solches 3. oder 4. mahl des Jahres wenn die Pflantzen schon etwas hoch heraus seyn / geschehen kan / wächset das Stämmlein in einem Jahre mehr / als sonsten in 3. oder 4. Jahren sonderlich wenn bald ein guter Reegen darauf folget / so die Fettigkeit mit in die Erde zeucht / damit solche nicht oben bleibet / und brennet / oder den Stamm erhitzet / aber daß ist eine Arbeit bey einzeln Stämmlein.

§. 41. Dem gesäeten Saamen ist die große Dürre und Sonnen-Hitze ehe er aufgegangen sonderlich in der Baum-Schule oder da er noch gar klein sehr gefährlich ist / derohalben man so viel möglich / ihn in Schatten erhalten, oder gar mit Farren-Kraut und Kletten-Blättern decken kan / biß er völlig aufgegangen und etwas erstarcket ist.

§. 42. Wenn das Saam-Körnlein in säen die quere zu liegen kömmt / so ist es am besten / und so kan auf einer Seiten die Wurtzel / auf der andern das Stämmlein aus wachsen; wenn aber der Keim unten / und die Wurtzel oben zu liegen kömmt / so verhindert es das Aufgehen in etwas / oder verdirbet gar.

Viel Saamen gehet kaum in einen Jahre / auch wohl in 2. Jahren erst auf / zumahl wenn solcher zuvor dürre worden / und die Witterung nicht vorträglich gewesen / derohalben man Gedult haben muß / sonderlich bey denen harten Kernen / Aschen-Saamen / Vogelbeeren / und dergleichen / bis solche hervon kommen; Jedoch ists eine gute Hülffe / wenn der Saame zuvor in temperirten Orten / oder in Mooß / Sand etc. (davon oben schon Anregung geschehen) auf behalten und gegen den vollen Mond ausgesäet worden.

§. 43. Wenn nun also durch Gottes Seegen der grüne Saamen auff gegangen ist / so mag es gewißlich eine schöne und herrliche Lust seyn / wenn man selbigen / sonderlich auf einer weiten Ebne ansiehet / und die Hoffnung der mit der Zeit heranwachsenden anmuthigen und nutzbaren Wälder gleichsam vor Augen hat.

Es ist anbey nicht zu leugnen / und sich leichtlich zu imaginiren / daß so wohl fremde / als auch einheimische Gewächse und Bäume zu betrachten / nicht alleine eine belustigung der Augen / sondern auch eine sonderbahre Ergötzung des Gemüths ja gar was Göttliches sey / ihre Eigenschafften zum Anbau / Anflug und Wiederwachs erkennen lernen / darum sie auch göttliche Allmacht erschaffen / daß sie dem Menschen zum Nutz dienen / aber von uns auch zum Auffwachs befördert werden sollen.

§. 44. Aber wieder zu unsern aufgehenden Saamen zu kehren / so will derselbe auch fort und fort noch Pflege und Aufsicht haben, damit die Stämmlein desto besser fortkommen und erhalten werden mögen.

Wenn man das Graß und Unkraut bey dem aufgegangenen Saamen wo es nöthig tilgen auch zu Zeiten die Stämme und Wurtzeln gar behacken kan / biß es in die Höhe kömmt / und das Unkraut selber verdemmet / so wird den Wachsthum der Bäumlein sonderbahre Hülffe gethan / und kan ein Arbeiter in einen Tage ein oder 2. Acker wohl von Unkraut und Dörnern säubern.

§. 45. Ob nun wohl also / wie oben beschrieben / und angewiesen, mit Einsammlumg und Säung des Saamens, Zurichtung des Bodens etc. möglichster Fleiß angewendet und alles gethan worden / kan es doch wohl geschehen / daß nicht alsobald im ersten Jahre der gewünschte Effect erfolge; Allermassen man gnugsam siehet und erfähret / daß weil der Saame nicht sattsame Feuchtigkeit hat / oder in der Nässe versäuert und verdirbet / nicht auffkäumen / auswachsen / Wurtzeln und Sprossen werffen / und also auffkommenen kan / sondern in sich vergehet und verzehret wird / oder in der Milch erfrieret / in Moß ersticket / oder sonst seinen Untergang leiden muß. Ferner ist auch nicht zu leugnen / daß allerhand inconvenientien bey der wilde Baume-Saat sich ereignen können.

Denn es kan geschehen / daß der Saamen nicht recht / oder alzu tieff in die Erde bracht ist / und also nicht durchbrechen kan / item daß er von Würmern / Mäußen / Schnecken und andern Ungeziefer beschädiget wird, allzu grosse Dürre / Näße oder Kälte einfält / wodurch so wohl der Saame selbst / als die aufgegangene Pflantze verdirbet.

Alleine solches alles soll deswegen den Haußwirth nicht abschrecken / diese Saat weiter zuverfolgen / und es mit allerhand Saamen ferner zuversuchen / und von demselben unterschiedene Arten entweder absonderlich / oder durch einander zu säen / daß wenn eine Art nicht gerathen solte / die andere doch bekomme / damit man allenfalls nur von der einen Sorte Vortheil und Nutzen habe / wann die andern aus obangeführten Ursachen verderben oder nicht gnugsam gerathen möchten Dahero wird nicht unbillig allhier anzuführen seyn / wie eine oeconomische Feder von sich schreibet; daß der Ackerbau ein unendliches Wesen sey; Alleine es wird / wie hin und wieder angemercket / gnugsam erhellen / daß vielmehr dergleichen von dem Holtz-Anbau gesaget werden kan; oder wie ein ander Oeconomus klaget; man würde in der Wirthschafft nimmermehr so viel lernen / als man zu wissen von nöthen; inzwischen aber ist doch höchst nöthig / sich unvermuthet darinnen zu üben / in deme zum öfftern höchst nützliche observationes, die man zuvor nicht gedacht / noch gewust / unversehens sich an Tag legen / und die Erfahrenheit täglich / auch offt gantz unvermuthet / etwas bequemers / gewissers und zuträglichers dabey an die Hand giebt.

§. 46. Ehe man noch von dieser materie abgehet / kan man dieses nicht unberühret lassen / woher es komme / daß in hiesigen Landes Gehöltzen / so abgetrieben werden / da zuvor Tannen und Fichten gestanden / hernach lauter Roth- und Hayn-Buchen / Bircken oder ander Holtz / und so fort an / ohne Saamen ausschlagen / welches wohl eine quaestion, so physice zu resolviren schwehr fallen dürffte.

Alleine / es ist bekand daß aus derjenigen Erde oder Asche / so aus einen vegetabili geworden / eben dasselbe genus vegetabile wieder wächset; also kan man auch wohl sagen / daß wo anjetzo Fichten / und Tannen zubefinden / so von Saamen aufgewachsen[WS 63] / zuvor für uhralten Zeiten Buchen-Holtz oder dergleichen gestanden, und aus dem verfauleten Wurtzeln und Stämmen Erde geworden; Wenn nun die Fichten und Tannen weggehauen, und also Raum und keine Verhinderung ist / auch kein Fichten oder Tannen-Saamen / der Orte wieder in die Erde kömmt / so treibet die alte verfaulte Holtz-Erde dasselbe Geschlecht / nehmlich die Buche / Eiche etc. wieder hervor / aus welchen sie ehemahls geworden; Es kan auch wohl das Ansehen haben / daß die Vogel oder der Wind andern Saamen dahin träget / und also der Anflug von gantz anderer Art Holtz / als zuvor daselbst gestanden / entstehet / jedoch ist dabey zu observiren / daß die Vogel nicht so viel Saamen zutragen können / daß die gantze Gegend mit Buchen anfliegen mögen / vielweniger kan der Wind die Buchäcker / so ziemlich schwer sind / so weit treiben.

Und ob man gleich die Gedancken fassen wolte / daß die starcken Regen / Wassergüsse / oder Schnee-Wasser / so von Buch- oder andern Bäumen / eine materiam generandi, abgewaschen oder an sich gezogen / und auf andere Gegenden fließen / das Erdreich daselbst eben mit solcher materie impraegnirten / und also auch eben solches Geschlecht derer Bäume herfür brächten / so ist doch nichts gewisses daraus zu schliessen.

§. 47. Bey allen Baum-Saamen-säen und pflantzen soll man im übrigen wohl dahin bedacht seyn / daß man solche Leute darzu erlangen könne / die vor andern fleißig und emsig seyn / eine glückliche Hand haben / auch die genaue Achtung auf die Witterung und gute Zeichen geben / dann solche vor andern guten Vortheil schaffen.

§. 48. Aus diesen bißher angeführten und was unten noch weiter erfolgen soll / wird verhoffentlich gnugsam erhellen / was fürnehmlich bey den Baum-Saamen säen zu beobachten[WS 64]; kürtzlich / (1.) der Holtz-Boden (2.) die Zeitigung und Einsamlung des Saamens / (3.) was die besten Sorten von Baum-Saamen seyn / (4.) das Aufackern / Aufhocken / Aufgraben / und Aufhacken des Bodens / (5.) Was die beste Säe-Zeit bey eines jeden Saamen sey / (6.) daß der Säer eine glückliche und fleißige Hand habe / gleich und wohl säe / (7.) die Witterung. (8.) daß man den Saamen nach eines jeden Eigenschafft / nicht zu tief noch zu seuchte in die Erde bringe / sondern (9.) wohl stecke / einege / einwaltze / einreche / oder mit einen Strauch einebne / und endlich 10. den besäeten Ort wohl verwahre / daß weder die Menschen / zahm noch wild Vieh / solchen beschädige.

Auch wird jederman leichtlich und genau ersehen / daß diese gantze Arbeit dahin wohlgemeint abziele / wie nehmlich der Wiederwachs und Wieder-Anbau der abgetriebenen Wälder und Höltzer zu befördern seyn / und wie etwan das wenige / so noch in bestandenen Höltzern verhanden / pfleglich gebraucht werden möchte. Dann den Wiederwachs zubefördern / und Holtz zu pflantzen / dienet zur Verbesserung des gantzen Landes / und bringet einen fleißigen Haußwirth großen Nutzen; hingegen ist es ein großer Schade / wenn so viel Plätze / Räume und Stellen sollen ledig / unbesäet / und unbepflantzet / und also unnutzbar stehen / die man doch auf obige Art wohl nutzen könte.

Man überlege z. E. von einem bloßen Acker Holtz-Land auf dem nichts stehet / könte man wenn er bepflantzet wäre zehenjährige Nutzung zusammen gerechnet / jährlich 1. 2. 3. 4. oder mehr Thaler profitiren / und wenn man die 10. Jahr nicht rechnen wolte könte doch davon in kurtzen an Graß / Weyde / Schneidel- Reiff- und Reißig-Holtzung / jungen Bäumlein so zu versetzen oder zu verkauffen sind / etwas gewisses und austrägliches genommen werden.

Wenn nun so viel 1000. Acker in Lande seyn / so unbesäet oder unbepflantzet liegen / ist leicht der Schluß zu machen / wie grosser Schade an Einahme dabey entstehe / der vielfältigen Manufacturen / so aus dem Holtz zu verfertigen wären / anjetzo zugeschweigen.

Wenn es müglich seyn könte / daß die vielen Gegenden / Flecken / Hügel und Berge / die in hiesigen Landen leer und ohne Holtz stehen / auszumessen und auszurechnen / so würde man befinden daß eine unsägliche Summa gar leicht aufgebracht werden könte / wenn ein jeder Haußwirth / so Raum und Platz dazu hat / nur Jährlich etzliche Körnlein / oder Hand voll Saamen darzu ausstreute / da man denn gewiß über keinen Holtz-Mangel künfftig zu klagen Ursach haben dürffte.

Wannenhero auch jederman jährlich den Baum-Saamen / so ihm seine noch übrigen Bäume geben / einsammeln / solchen nicht vergebens auf die Erde fallen / und verderben lassen solte / in mehrer consideration, daß ob er gleich selbigen nicht alle selber brauchet / doch den Rest verkauffen / und ins Geld setzen kan / welches an theils Orten ziemliche Nahrung bringen dürffte.

Käuffer aber hat sich zu prospiciren / damit er tüchtigen Saamen überkomme / und zu dem Ende solchen zu vor probire, indem er in ein mit Erde gefülltes und an einen warmen temperirten Ort gesetztes Gefäße / etzliche Körner davon stecket / solche zehlet und hernach mit Fleiß wahr nimmt / ob alle oder die meisten Körner auskäumen / und aufgehen oder nicht.

§. 49. Ubrigens greiffe man das Werck mit GOtt an / so wird es an einem guten success nicht ermangeln / allermassen wir uns dessen Beystandes und Hülffreicher Hand darbey gewiß zu getrösten haben.

Solt es auch gleich im Anfang sich etwas schwer anlassen / und ein schlechtes Ansehen zeigen / ja fast ein unmügliches Werck zu seyn scheinen / aus Ursachen / weil man des Säen und Pflantzens bishero nicht gewohnet noch benöthigt gewesen; so wird doch die Erfahrung alles geben / und es sich nechst Göttl. Hülffe / mit großen Augenscheinlichen Nutzen gar wohl practiciren lassen.

Fundit humo facilem victum justissima tellus

saget abermahls VIRG. Georg. 2. d. i. Die Erde erzeiget sich unter allen Creaturen am meisten billig und gerecht / indem sie uns den Unterhalt gar leichtlich darreichet / wenn wir ihr den Saamen anvertrauen und Hand anlegen wollen.

Dahero sollen wir es uns nicht selbst schwer machen, als ob die wilde Baum-Saat nicht fort zubringen, oder allzu viel Arbeit und Wissenschafft erforderte, allermassen es gewiß, daß derer observationen, so sich künfftig bey Säung des wilden Baum-Saamens ereignen werden, nicht wenig seyn dürfften. Gleichwie aber die Gärtner niemals auslernen mögen, und sie dißfalls von vielen Nationen, zu Erzielung fruchtbarer Bäume, und andern schönen Gewächsen, und Früchten, eines und das andere erlernen, und erforschen müssen.

Also wird es auch nicht ermangeln, daß wegen glücklicher Säung derer wilden Bäume, man gleichfals embsig forschen, bedächtig probiren, und Versuch wird thun müssen, biß man näher zum Zweck gelange, genauere Nachricht und dienliche Anmerckungen hierzu erforsche, und ergründe, in zwischen mag man nur getrost Hand anlegen, und zwar an ein solches wichtiges Werck, so uns und unsern Nachkommen so reiche Schätze und Auskommens verheißet, so wird die gütige Natur und die Erde das ihrige beytragen, und das höchstnöthige Unternehmen mehr facilitirt werden, als man sich vorjetzo einbilden kan, denn nach eines andern Poëten Ausspruch:

Omnis terrae labor prodest,
Terra mitis, benigna, indulgens, usque
Mortalium semper ancilla, quae coacta
Generat, quae sponte nutri,

welches so viel gesaget ist: Keine Arbeit, die man bey der Erden anwendet, ist vergebens, sondern bringet alle guten Nutzen.

Die Erde ist gütig wohlthätig, auch zu der Menschen stetigen Nutz und Gebrauch eine inmerwährende Dienerin, die zwar etwas zu zeugen und hervorzubringen anfangs will gezwungen seyn, hernach aber diese ihre Leibes-Früchte von freyen Stücken willig ernehret und aufferziehet.

Weil auch GOtt selbsten sprach: Es lasse die Erde auf gehen, Graß und Kraut, das sich besaame, und fruchtbare Bäume, daß ein jeglicher nach seiner Art Früchte trage, und habe seinen eigenen Saamen bey ihm selbst auf Erden, und es geschach also; Und die Erde ließ aufgehen Graß und Kraut, daß sich besaamet ein jegliches nach seiner Art, und Bäume die da Früchte trügen, und ihren eigenen Saamen bey sich selbst hatten, ein jeglicher nach seiner Art Gen. 1. V. 11. 12. so ist ja gnugsam zu schliessen, daß der Allmächtige Schöpffer / von Anbegin der Welt her gewolt, daß gleichwie alle, also auch die wilden Bäume durch ihren eignen Saamen vermehret fort gepflantzet / und erhalten werden möchten; wenn man nur die Natur, der wir bißhero darinnen gnüglich zu agiren / resistiret / succurriren will / ja man hat die obangezogenen Worte der H. Schrifft nicht anders als einen austrücklichen Befehl Göttlicher Maj. alhier anzusehen / und anzuziehen / denn weil die wilden Bäume ihren eignen Saamen haben so sollen wir bey Bedürffnüs uns dessen bedienen solchen einsammeln / aufheben / uns zum Nutzen säen und[WS 65] die wilden Bäume also vermehren / gleich wie bey dem Getreyde / Graß und Kraut geschicht / allermaßen die Erde der industrie des Menschen von Göttl. Allmacht gäntzlich unterworffen / und übergeben / Gestalt auch wenig Sachen zu finden seyn werden / so der Mensch nicht durch seine Arbeit / Fleiß / und Verstand / zur Verbesserung / oder gar zu einen guten und bessern Zweck oder Ausgang bringen möge / und folglich auch das Säen derer wilden Bäume.


Das Dreyzehende Capitel.
Von Anflug und Wiederwachs des wilden Holtzes /
auch wie solcher nützlich anzulegen / it. von Schnitt-
und Schößlingen.

§. 1. Uhrsprung und Benennung des Anflugs / was Wiederwachs sey?

§. 2. Dessen großer Mangel in hiesigen Landen / und woher dieser rühre.

§. 3. Eines jeden Schuldigkeit hierbey sothanen Mangel abzuhelffen.

§. 4. Warum an Orten da Feuers-Brünste gewesen / nichts wachse. Mittel darvor.

§. 5. Ob man einen gnugsamen Wiederwachs von der blosen Natur und Boden ohne Saamen zu gewarten habe?

§. 6. Ob von Saamen-Bäumen?

§. 7. Vorzug des gesäeten Anflugs vor denen so von Bäumen entstehet / dessen Annehmligkeit / Ordnung / Commodität und Nutzen / sonderlich wegen der Holtz-Wege.

§. 8. Wo der Wiederwachs am besten aufzubringen / ob in bestandenen Wäldern und Scheerholtze.

§. 9. Wie die Gehaue in überständigen Holtze zum Behuff des Wiederwachses zu stellen und einzutheilen.

§. 10. Was vor eine Art Holtzes man nach Gelegenheit des Orts beym Wiederwachs zu erwehlen habe. Von Anweisung und Nutzen der Castanien-Wälder.

§. 11. Von Zubereitung des Bodens zum Wiederwachs.

§. 12. Praecaution daß der Wiederwachs vom Vieh nicht verderbet und verhindert werde.

§. 13. Wie er ferner zu erhalten.

§. 14. Von dem menschlichen Unfleiß. Anmerckung hiervon bey denen Cedern auf dem Berge Libanon.

§. 15. Anmahnung zu bessern Fleiß.

§. 16. Wenn der Wiederwachs geschlagen werden soll.

§. 17. Auffmunterung die praxin des Holtz-Säens vor die Hand zu nehmen.

§. 18. Von Fortpflantzung der Bäume durch Schoß- und Schnittlinge / wie auch Theilung der Wurtzel.

§. 1.

DEr Anflug geschiehet allein durch den Saamen / und hat seine Etymologie daher / weil solcher von hin und her geflogenen Baum-Saamen entstanden / wird auch mitler Zeit weil die Bäumlein noch gar klein sind / insgemein Anflug benahmet; Wiederwachs aber wird genennet / wenn so wohl durch den Saamen / als vermittelst derer Sommerlatten / so an abgeholtzten Stöcken ausschlagen / die abgetriebenen Höltzer wieder aufs neue zum An- und Aufwachs bracht werden / und die Bäumlein schon etwas erstärcket / und grösser worden sind / als sonsten der Anflug insgemein ist / wird in Lateinischen Sylva renascens und pullities arborum genennet.

§. 2. Wie nun die großen Förste / Wälder / Gehaue und Heiden in hiesigen benachtbarten und vielen andern Ländern / welche in viel 1000. Acker bestehen / und wovon die Höltzer theils gäntzlich abgetrieben, theils nur mit geringen Buschwerck / Heide / Himbeer- und Brombeer-Stauden bewachsen und überzogen / auch theils gar bloß sind / wieder in guten schleunigen Anflug und Wiederwachs zu befördern / solte billig eine von unsern wichtigsten Sorgen seyn.

Allermassen wir bevorab in hohen Gebürgen / und bey andern Holtz-Revieren hin und wieder unterschiedene Gegenden sehen und finden / daß ob wohl selbige nicht gantz kahl sind / jedoch alda wenig / so wohl an Holtz / als Graß wächset / zumahl an denen Orten / wo alles Holtz jung und alt / ohne Unterscheid abgetrieben und kein Saamen alda zu hoffen / oder da bey dürren Zeiten ohngefehr Brände darauf entstanden / und das stehende Holtz auf viel hundert und tausend Schritt ja auf etliche Meilen hin- und wieder nieder gebrand / der Boden dadurch gantz desoliret und zu weitern Wachsthum untüchtig gemacht worden / daß gar kein Holtz-Wiederwachs sich daselbst finden will.

Gleiche Beschaffenheit hat es bey denen großen auf viel Meilen sich erstreckenden Gehauen und Blössen / woselbst wegen Mangel derer ordentlichen Saamen-Bäume nichts zu hoffen / oder so ja dergleichen verhanden, der Saamen jedennoch wegen des vielen Mooßes / harten Rasen, Grind / Gebüsche / Grases / Heide und Reißig darauf er fället / die Erde nicht ergreiffen / und zum Aufgehen gelangen kan / sondern meist gäntzlich verdirbet / oder ob gleich theils die Erde ergreiffet / aufkäumet und aufgehet / dennoch das Vieh die Pflantzen wieder weg frätzet / und also ist am meisten Orten in vielen Jahren wenig / oder gar kein Wiederwachs zu hoffen / es werde dann diesem Mangel und Unheil sonderlich gesteuert und remediret / dahero ist auch niemand die Schuld beyzumessen / daß so wenig Anflug und Wiederwachs sich hin und wieder findet / weil vielleicht biß dato solches nicht zu vermitteln ist.

§. 3. Quo vero plantatio Sylvarum & arborum fiat cum effectu, non erit aequiescendum neque plantanti neque magistratui in eo quod ligna sata pel plantata sint, sed insuper utrumque oportet esse sollicitum de debito cultu usque dum excreverint in congruam, & variis tam ferarum quam pecorum damnificationibus non amplius tantopere obnoxiam magnitudinem; Qui ideo cultus pars ipsius plantationis, & ad eam pertinere videtur.

Nam si necessitas lignorum conservandorum posceret, etiam feras certa Sylvarum ab omni pastu munita parte expelli, quo minus depascendo arborum plantis nocerent, haud haberet, quod quiaque aegre posset ferre.

Ein ander Holtz verständiger spricht hiervon: Rationes oeconomicae obligant, ut inde feras expellant, donec plantulae tenellae arborum noviter satae, vel ex arboribus succisis renascentes tantisper excreverint, quo minus pecorum & ferarum arrosionibus & morsibus, ceu lethali veneno infectae e moriantur aut perdantur, ne secus destruant quod aliis conservandum incumbit, in quo hodie sere omnes peccant.

Man solte aber billig derer alten Römer Vorsorge und Gesetze hierunter / wie wir in andern Dingen durch gantz Europam thun / aufs fleißigste imitiren / weil wir befinden / daß sie ein großes Absehen gehabt den Wiederwachs zubefördern / und wo die Bäume oder Holtz abgetrieben / man an derer Stelle andere säen und pflantzen solte / davon in l. 12. pr. de Usufr. l. 9. pr. et §. 6. l. 19. ff. eod. Novell. 69. c. 1. Es ist daher gar wohl zu schließen / daß wenn ein Werck fast meist gefallen / auch von jederman negligiret wird / und nun an dem ist / daß es gäntzlich zu Sumpfe gehen / und in äuserste decadence gerathen soll / alsdenn auch jederman sich bestmöglichst zu bemühen habe / solches wieder zu erheben und die gemeine Wohlfarth zu suchen.

Wovon etwas allhier anzuführen die Nothdurfft erfordert.

§. 4. Und zwar erstlich was den Boden anbetrifft / so ist bekant / daß an denjenigen Orten / wo Feuers-Brünste in Höltzern entstanden / (dergleichen Blößen leider! in hiesigen Landen in unterschiedenen Gegenden von vielen Meil Weges in Umfang verhanden) der Wiederwachs in vielen Jahren sich nicht finden will / ja wie man von alten Leuten Nachricht hat / daß es ein Seculum und nochmehr erfordere / ehe das verbrannte Erdreich also temperiret wird / daß es den Baum-Saamen zum aufgehen annehme.

Denn die Erde durch des Feuers Gewalt dergestalt verbrennet und untüchtig worden / daß die Schärffe oder Asche und davon entstehende Lauge / den Saame so in selbige kömmt oder gesäet wird / zum aufgehen untüchtig machet / verbeißet / und die zarten Zäserlein und Käumen verzehret.

Aber wenn dergleichen verbranter Boden umgegraben / gehacket / oder umgeackert werden kan / daß der obere Boden eine queer Hand unterwerts / und der untere oben gebracht wird / so gehet der darein gefallene oder gestreute Saame glücklich auf / und die Wurtzeln / weil sie etwas inzwischen[WS 66] erstarcket / ehe sie nieder in die verbrante Erde kommen / wächsen glücklich fort / welches eine Sache von großen moment, und bey obberührten Orten sehr vorträglich / daß große Gegenden zum Wiederwachs und folgends wieder zu Nutze zu bringen.

§. 5. Es ist nun ferner die Frage: ob der Boden von sich selbst und aus natürlichen Eigenschafften ohne Saamen / gleichwie bey dem Graße und Kräutern beschiehet Holtz herfür bringen möge? allein wir haben oben gewiesen / daß gleichwie alle Bäume von Saamen ihren Ursprung haben / also zeigen doch die experimente, daß wo keine Saamen-Bäume stehen / auch nichts von Anflug verspühret werde / es sey denn / daß die Vogel dergleichen Saamen von ferne herzutragen.

Jedoch scheinet es auch / daß an etlichen Orten / die verfaulte Wurtzel oder Holtz-Erde / oder gar die darunter sich befindende alte ausgeleschte Asche dergleichen bey dem Laub-Holtze effectuiren wolte gleichwie bey denen andern vegetabilien und Kräutern sich ereignet / daß aus solchen verfaulten Wurtzeln oder aus der Holtz-Erde und Asche sich Wurtzeln generiren / so ihre vorige Gestalt der Kräuter wieder gewinnen und also renasciren / aber ob gleich solche Holtz-Erde etwas Wiederwachs herfür bringen möchte / so ist es doch gar wenig und nicht suffcient.

§. 6. Solchem nach ist einen ziemlichen Wiederwachs zu befördern wohl am besten / daß man Saamen-Bäume stehen lässet / wovon im zehenden Capitel mit mehrern gehandelt worden. Denn wenn solche Saamen tragen / und selbiger reiff ist / aus- und herab fället / so treibet ihn der Wind hin und wieder und besaamet die bloßen Gehaue und wüste Oerter.

Unterdessen aber darff man sich keines Weges die Rechnung machen / daß hiesiger Orten ein schleuniger und sattsamer Wiederwachs allein von denen Saamen-Bäumen zu gewarten und so nach der Natur alles zu überlassen sey. Denn es ist unmöglich daß die weitläufftigen großen Blössen von dergleichen Bäumen über und über besaamet werden solten oder aber es geschiehet solches in langen Jahren / in dem es sich meistens zuträget / daß erst eintzelne Bäume erwachsen / und wenn solche 15. 20. oder mehr Jahre gestanden haben so[WS 67] fangen sie erstlich an Saamen zu tragen / von welchem denn etwas auffflieget / welches kaum wieder in 20. Jahren sich besaamet / daß also wohl ein halbes Seculum dahin gehet / ehe die Gegend zum völligen Anflug kömmt / und denn wohl ein Seculum biß alles zum rechten Wachsthum gelanget. Hiernechst so wird der Natur hierunter allzu viel Zwang angethan / indem die Saamen-Bäume gefället / oder vom Wind um geworffen / das Reißig / Graß / Mooß und Unkraut aus denen Gehauen nicht geräumet / und der wenige junge Anflug von zahmen und wilden Thieren wieder verderbet wird.

§. 7. Bey solcher Bewandniß nun so wird das eintzige Mittel seyn / daß man durch Aussäung des wilden Baum-Saamens den Wiederwachs zu befördern suche / und also hierunter der Natur helffe und Beystand leiste / von welcher genug / daß sie uns den Saamen / Witterung und andere Nothdurfft hierzu fürstrecket und darreichet. Man wird auch bey solcher Arbeit einen nicht geringen Nutzen und Vortheil zu befinden haben. Denn man ist sicher / daß durch das Säen die Blößen über und über in einer Gleiche / von vielerley / und von besten Holtz-Arten auch in wenig Jahren zum Anflug zubringen; da hingegen der Anflug von Saamen-Bäumen nur von einerley auch wohl der geringsten Sorte geschiehet.

Dafern auch solcher Gestalt dem jungen Holtz-Anflug / oder Wiederwachs / gleich anfänglich bey dem Säen nehmlich / auf einer bequemen Gegend / ein schöner Prospect, nebst den Nutzen so man dabey zu hoffen gegeben und gezeuget werden kan / so ist es desto angenehmer / sonderlich weil es füglich ohne große Kosten geschehen mag / in dem es einerley Mühe / ob man in krumme und confuse Abtheilungen / oder in feine hübsche gerade Linien und abgeschnittene Ecken säe und den Wiederwachs in gleiche abgetheilte / oder in gewiße form gebrachte Winckel einrichte. Ingleichen können die nöthigen Strassen / Wege und Stege samt den Vieh-Trifften / fein ordentlich durch dieselbe geführet / auch schöne gerade und gleiche perspectivische Alleen und Stellwege zum Wildpreth Jagen / darinnen gelassen werden / wie die Gelegenheit des Orts und die Condition und Commodität des Besitzers es am besten zulassen und an die Hand geben will.

Bevoraus kan man das Absehen dahin richten / daß bequeme Holtz-Wege dahin abgetheilet werden / damit man desto füglicher zur künfftigen Holtz-Abfuhre gelangen möge.

Dann gewiß ists / daß durch viele / theils unnöthige und krumme Wege und Stege in denen Höltzern / großer Schade geschiehet / auch viel Grund und Boden unnöthiger Weise verderbet wird.

Wenn aber flugs anfänglich solche Wege abgesehen und eingetheilet werden / durch welche man in die fördern / mittlern und hinteren Höltzer zugleich bequem kommen kan / so wird viel Boden salviret / so sonsten dadurch vernichtiget und untragbar gemachet wird / welches zum öfftern in einem Wald oder wohl gar geringen Revier / sich auf viel Acker erstrecken kan / derohalben alle mügliche Vorsichtigkeit auch nöthige und wohl überlegte oeconomie in Anfang bey den Säen zu adhibiren / und die Wege richtig abzuziehen und abzustecken / damit man solches hernach mit Schaden nicht bereue; jedoch kan nicht untauglich seyn / daß an solchen Orten / wo nur Wege zur Holtz-Abfuhre nöthig / man die leere Plätze durch und durch besäe / und hernach wenn der Wiederwachs erstarcket / erst nöthige Holtz-Wege durchhaue / und inzwischen den Wiederwachs daselbst genieße; wo aber Strassen / Vieh-Trifften / und gebräuchliche Nachbar-Wege verhanden / die sollen stracks anfänglich in gewöhnlicher Breite gelassen / und auf beeden Seiten wohl verwahret werden / damit kein Schaden an selbigen geschehe und der Boden so viel nur möglich zum Holtz-Bau menagiret werde.

§. 8. Will man sich nun auff sattsamen Wiederwachs befleisigen / so wird vor allen Dingen wohl zu untersuchen seyn / an welchem Orte derselbe am nützlichsten fort- und angebracht werden könne. Wo es rathsamer und nützlicher sey Getreyde als Baum-Saamen ins Land zu säen / giebt sich von sich selbst / welches ein erfahrner Hauß-Wirth am besten wird zu judiciren / und sich nach den Grund und Boden / auch andern Umständen des Ortes und dabey habender und führender Nahrung zu richten wissen / ingleichen wasserley Baum-Saamen an einen und andern Ort am besten und vorträglichsten zu gebrauchen / wozu bey diesem Tractat hin und wieder sattsam Anleitung gegeben worden.

Sonsten aber so entstehet der Wiederwachs zum Theil / wenn in bestandenen Wäldern junge Eichlinge / Büchlein / Tännlein / Fichtlinge hie und da wo die Stämme hin und wieder einzeln in Höltzern abgehauen werden / aufwachsen.

Allein weiln solche keine freye Lufft / Sonne und Raum unter und zwischen denen hohen Bäumen haben / von den Tropfen derer großen Bäume beschädiget / verdrucket / auch von Mooß und Gestrippe verhindert werden / so ist es gewiß / daß die wenigsten aufkommen / oder doch in zehen Jahren nicht so weit fortwachsen / als der junge Wiederwachs / so in Freyen ist in 1. oder 2. Jahren thut / der durch Saamen-Bäume / oder durchs säen geschicht / und in jungen offenen und freyen Gehauen zu befinden. Dannenhero an denen Orten / wo das grosse Holtz oder die Bäume eintzeln oder sehr dünne stehen / welches hier zu Lande Scheer-Holtz genennet wird / nehmlich wo das beste Holtz schon heraus gehauen / ist es wohl am vorträglichsten daß solche Plätze gäntzlich biß auf die nöthige Saamen-Bäumen / abgetrieben werden / sonderlich wo grosse und weit ästigte Bäume stehen, weil selbige um und neben sich alles verdammen / daß kein Wiederwachs aufkommen kan.

§. 9. Wo aber überständig und ausgewachsen Holtz ist / und solches abgetrieben werden soll / allda wird an vielen Orten / bevorab in Südlichen oder warmen Ländern / wo meist Laub-Holtz wächset / das Absehen genommen / daß es jährlich in gewisser Anzahl nieder geschlagen / und in 20. 30. 40. 50. 60. biß 80. Jahrs-Gehaue nach Beschaffenheit derer Gehöltze eingetheilet werde / zwischen welcher Zeit der völlige und gnugsame Wiederwachs herbey kommen / und wieder aufs neue von fornen abgetrieben werden kan. Es werden aber in solchen Gehauen tüchtige Saam-Bäume auf 30. 40. biß 50. Schritt von einander darzu stehend gelassen. Geschicht nun das Holtz fällen in einem Jahre / da die Bäume dieser Gegend fast alle Saamen tragen / und dieser reiff ist / so ist es desto besser / damit kan noch selbiges / oder doch die nechstfolgende Jahre der Anflug von dem Saamen solcher Bäume befördert oder doch ebenfalls mit säen und pflantzen aufbracht werden / worzu denn die Sommerlatten / so von Stöcken und Wurtzeln ausschlagen / zum öfftern häuffig kommen / und also an Wiederwachs kein Mangel seyn kan / dagegen darff man kein Vieh dahin treiben, und bleibet also der Anflug unbeschädiget. Es wird auch wohl die Erde in solchen Gehauen / und Stockräumen ausgehacket / daß die Herbst und Winter-Regen den Saamen desto eher in die Erde schlagen / und zum Aufkeimen bringen können. Alleine in hiesigen und benachtbarten kalten Ländern / wo der Saamen selten geräth / und wo der Anflug von sich selbst kaum in 20. und mehr Jahren erfolget / und das Tangel-Holtz in 100. Jahren kaum einen rechten Stamm zeuget / da müssen die Gehaue auf mehr Jahre nach Beschaffenheit des Orts / des Anflugs und der Art der Bäume gestellet werden / sonsten man sich sehr betrogen finden / und der Holtz-Mangel sich noch mehr äußern dürffte.

§. 10. Hiernechst so wird auch die Situation eines jeden Orts wohl zu überlegen / und nach solcher eine Art Holtzes vor der andern zum Wiederwachs zu erwehlen seyn. Denn auf den großen Höhen / Bergen und erhabenen Gegenden / ist es natürlich kalt und neblicht auch folglich feucht / dahero das Holtz / so Kälte am meisten dauren kan / reichlich daselbst wächset / als die Tanne / Fichte und Buche; hingegen die Eiche / Bircke / Aschen / Ilmen und dergleichen kommen an solchen Orten hiesiger Lande nicht / oder gar selten wohl oder glücklich fort / oder haben doch keinen rechten Wachsthum / sondern / werden knorricht / strüppicht und gedeihen zu keinen rechten Stamm / wie denn überall auf den Ober-Gebürge die ersten / als Tannen / Fichten und Buchen / auch wohl etliche Ahornen ziemliche Art zu wachsen haben; die andern Arten Bäume aber werden gar wenig und einzeln in grösten und tiefsten Wäldern / wo sie etwas wärmer stehen / gefunden.

Jedoch wäre nicht zu zweifeln / daß die Bircke / die mehr Kälte als die übrigen vertragen kan / nach dieser die Eiche / Ahorn / Asche / Ilme und dergleichen wohl aufzubringen seyn / und mit guten Nutzen an Gehengen in Ebenen und in Thälern gepflantzet werden möchten.

Weiter aber herunterwerts[WS 68] im Lande wäre den Castanien-Baum zu zeugen eine höchst nutzbare Sache / denn solcher nicht allein einen schleunigen Wuchs hat und ein herrliches Holtz zu allerhand Nothdurfft giebet / sondern auch eine nützliche Frucht traget / gestalt denn dieser Baum eben so wohl als die Eichen fortzubringen wie man bereits dessen viel Proben im Lande hat / daß bey etlichen adelichen Ritter-Gütern die Castanien in Menge als kleine Wälder gepflantzet, und wohl genutzet werden.

Und solte gleich der Nutzen wegen der Früchte nicht groß seyn / indem sie erfrieren möchten / so geräth sie doch gemeiniglich mit der Eichelmast / und ist das Holtz an sich selbsten so wohl / ja besser zu gebrauchen / als einig anderes[WS 69] Holtz / geräth nun die Frucht auch / so hat man gegen andern Holtz vielfältigen Nutzen; als welche für das Wildpreth und zahme Vieh eine sonderbahre Mastung ist.

§. 11. Hat man nun der Gelegenheit des Ortes sich erkundiget / so muß wegen Zurichtung des Bodens / in welchen der Saamen kommen soll / die nechste Sorge seyn.

Nun wäre zwar wohl rathsam und besser / daß man den Grund dazu umackerte / oder umhockte / das Unkraut alles ausrisse und gätete / auch wohl gar umgrübe; allein weil jenes wegen des unebnen Landes / Steinen und Wurtzeln sich nicht / oder doch am wenigsten Orten practiciren lässet / so ist wohl der sicherste Weg / daß man auf den rohen Boden säe / hernach mit Hacken die Erde aufhacke / damit der Saamen dieselbige ergreiffe; oder man hacke zuvor die Erde auf / und räume das Mooß / Rasen und Unkraut weg / hernach streue man den Saamen aus / und rechne selbigen so viel möglich ein / daß er in die Erde komme / und ob gleich die Kosten etwas schwer / ein so groß Stück Landes wohl zu hacken und um zu arbeiten / so scheinet es doch am besten zu seyn / daß man sich dessen gebrauche und beym säen nach den Boden / was für Erde er führe und nach der Gegend / ob es Fläche / Hügel Thäler / oder Gebürge seyn / sich richte / denn theils Erde muß wegen obiger Umstände gepflüget / oder gehocket / theils gehacket / theils gegraben werden / gnug ists / wenn der Saame nur bey gedachter Arbeit die Erde ergreiffet / so schläget er schon aus und gehet bald auf.

Welches in sandigten Lande zu spühren / da der Anflug sich eher findet / als in guten und beraßten Boden.

§. 12. Sonderlich ist auch zu beobachten / ehe und bevor man zum Säen und Pflantzen der wilden Baume schreitet / daß man darauf bedacht sey / und die erste Sorge seyn lasse / wie man den hoffenden Wiederwachs dergestalt verwahre / daß solcher von keinem Vieh abgefretzet und sonst beschädiget werde.

Denn es soll ein Hauß-Wirth / den Wiederwachs des Holtzes so wohl und besser in acht nehmen / als den Getreyde-Bau / denn dieser Schade ist nur auf ein Jahr / aber jener erstrecket sich auf viele Jahre / derohalben eine sonderliche Obsicht dabey von nöthen / und wird man gewiß finden / wo der Wiederwachs / Anflug oder Sommerlatten recht geschonet werden / daß in 8. oder 10. Jahren mehr an einem solchen Orte wächset als an einem andern / so negligirt und der Anflug nicht beobachtet wird / in 50. oder mehr Jahren nicht geschehen kan / daraus denn der Schade leicht zuschliessen / der bißhero an Höltzern geschehen ist / und noch geschehen kan. Man kan nur observiren / daß wo in die Wälder keine Frühlings-Trifft von Vieh geschicht / alda wächset und gehet der Baum-Saamen glücklich auf / daß etwa Pflantzen eines Fingers lang / oder mehr sich herfür thun und sehen lassen / so bald aber die Herbst-trifft mit dem Vieh dahin gehet / so verlieret sich der Anflug nach und nach / und wird von Vieh abgefressen / und vertreten.

Sonderlich concernirt eine gute Gegen-Obsicht hierbey den Anflug des Tangel-Holtzes / denn wenn die Pflantze / ein mahl verbissen / und vertreten / oder der Wipffel weg; so ist das Stämmgen verlohren und kömmt sehr selten etwas davon und in die Höhe; hingegen ob gleich der Anflug / oder Wiederwachs bey dem Laub-Holtz etwas / auch gar der Wipffel beschädiget / abgeschnitten oder verbissen worden / so schläget doch das Stämmgen wieder aus / und wächset fort.

In theils Landen werden Dorn-Hecken starcke Zäune / tiefe Gräben / hohe Wälle daherum geführet / so viel 1000. Thaler kosten denn außer diesen ist alle Mühe und Arbeit umsonst / nehmlich an Orten wo Hut-Weiden und starcke Wildbahnen sind / alias omnis satio & plantatio frustra, & inutilis plane erit, & absque propaginis spe futura.

Tenellarum plantarum, bonam de se spem praebentium, conservatio aeque sacra merito habenda.

Wo man Tämme und Gräben zu Versicherung des Wiederwachses auf führet / kan man dieselbe über und über oder Reihen-Weise mit Meelfeistel oder Weisdorn-Saamen besäen / daß eine lebendige Häcke darauf erwachse / aber man muß in Aufgraben die gute oder oberste und nicht die todte Erde oben aufbringen.

§. 13. Das beste Mittel den Wiederwachs zu schonen ist / daß man niemand mit Sichel und Sense an solche Orte kommen laße / die Huth-Weyde einstelle / und etzliche Jahre das Vieh dahin nicht treiben oder kommen lasse / sondern mit Gedult die Trifft und Hut-Weide Nutzungen eine Zeitlang entbehren / und insonderheit wenn der Saame kürtzlich zuvor gesäet / und derselbe sich nun zum aufgehen geschicket / alles Vieh so wohl zahmes als wildes davon abhalte / ja wenn es seyn kan so lange damit continuire, biß der Wiederwachs so hoch ist / daß daßelbe ihm nicht weiter schaden kan / dieweil ohne dem / wenn die Höltzer nicht wieder in Anflug / Wiederwachs und endlich zu rechten Stamm-Holtz bracht werden können / die Wild-Bahne den grösten Schaden leidet / von selbsten eingehen und sich vermindern muß / sonderlich Winters-Zeit / da das Wildpreth wegen Mangel des Holtzes / bevorab der hohen Höltzer / sich darunter zu verbergen / nicht bestehen und erhalten kan; dannenhero sollen die Gehaue so wohl vor den zahmen als wilden Vieh verwahret werden / damit die ausgehauene Bäume wieder ausschlagen mögen. VARRO giebt hiervon lib. 1. de re rustica vor den Land-Mann als eine Haupt-Regul: Colonus ne in agro surculario animalia compascat, das ist: man soll sich wo Wiederwachs befindlich aller Hutung enthalten.

§. 14. Wenn der Wiederwachs in Anflug sich nicht ereignen oder fort will / so ist es ohne Zweifel des Menschen Nachläßigkeit bey zu messen / weil selbiger der Natur nicht zu Hülffe kommen. Ein sonderbahres Exempel eines negligirten Wiederwachs haben wir an denen Cedern / die vor Zeiten in unglaubiger Menge auf dem Berge Libanon gewachsen / also / daß da SALOMON zu dem Tempel-Bau Cedern wollen fällen lassen / 80000. Häuer und 10000. träger gehalten / nebst 3600. Aufseher / die das Volck zum Dienst anhielten / 2. Chron. 18. so ist doch von so großen Uberfluß / anitzo wenig / oder gar nichts mehr verhanden. Denn wie Dr. Rauch-Wolff in seiner Beschreibung nach den gelobten Land meldet / sind nicht mehr als etwan 24. Cedern-Bäume übrig verhanden gewesen; wie denn auch gleichfalls Herr Christoph Fichtner in Martio Anno 1566. mehr nicht als deren 25. daselbst gezehlet. Mit diesen stimmet überein Johann Jacob in seiner 4ten Meerfarth schreibend / daß er daselbst auf dem Berge Libano Anno 1579. den 28. Octobr. nur 26. Cedern-Bäume gezehlet und befunden / aber unter denselben nur 23. noch frisch und grünend / der 24te habe nur noch einen grünen Ast gehabt / die übrigen 2. aber wären gantz verdorret und verdorben gewesen / jedoch wären nicht weit davon etliche junge aufgeschoßene Cedern-Bäume gestanden.

Woraus denn gar leicht und füglich zu schließen / daß weil die Cedern an solchem Orte allzu sehr ruiniret / die daselbst Gebürge von Holtze gar entblößet / und desoliret werden / daß man gleichfalls vor Alters den jungen Wiederwachs solcher Orten aufzubringen bey Zeiten nicht getrachtet / sondern nur in Tag hinein weggehauen / und die Höltzer abgetrieben / auch auf keine Saamen-Bäume / solche stehen zu lassen / noch wie und wo die jungen Cedern wieder aufbracht werden können / wegen großer Kriege / Empörung und Verwüstung nicht bedacht gewesen / biß man endlich weiter dißfalls kein Remedium zu adhibiren gewust / da man doch zu vor durch den Saamen / der von den Cedern gleich den Tannen / Fichten und Kiefern fällt / junge Bäume gar wohl aufbringen können / und der Sache gar leichtlich hätte mögen geholffen werden. Dergleichen ebenmäßiges lebendiges Exempel kan auch so wohl in hiesigen / als in andern Landen fürgestellet werden / daß wo zuvor das Holtz in der Menge gestanden / und dahero man solches nicht / vielweniger den Wiederwachs geachtet / nunmehro der große Mangel an Holtz eingefallen / der nicht so leicht und so bald zu remediren.

§. 15. Derohalben soll man nicht stille sitzen sondern mit Säen und Pflantzen Hand anlegen / und Göttliche Hülffe und reichen Seegen dabey erwarten / wie denn auch hierbey GOttes sonderbahre Providentz daraus zu ersehen / daß so bald der völlige Anflug und Wiederwachs da ist / man hernach zu dessen Fort- und Aufbringung wenig Sorge mehr tragen darff / denn es wartet sich alsdenn selber; Aber die Hände in Schoß legen und die Natur in Säen und Pflantzen allein würcken lassen / und derselben nicht zu Hülffe kommen / wie solches der Höchste bey den Worten: In Schweiß deines Angesichtes soltu dein Brodt essen / haben will / ist nicht verantwortlich / quoniam quotidie videmus arbores fuctiferas, ut quercus fagosque quasi senio confectas emori, tunc bono patri familias incumbit arboribus vel mortuis vel delectis novas substituere stehet in l. 12. pr. l. 18. ff. de Usufr. quod si quis negligens fuerit, a Magistratu ob publicam utilitatem incitandus est.

Das ist / Wenn die Frucht tragenden wilden Bäume absterben / so soll ein guter Hauß-Wirth die Stelle durch andere ersetzen.

Ist er aber nachläßig hierunter / kan er von der Obrigkeit hierzu angehalten werden.

Inzwischen so ist fast nicht zu begreiffen / warum mancher Hauß-Wirth den Jammer / und seine Holtz-Revieren / ohne Holtz und Nutzen zu seyn / ansehen kan / da er doch wenn er solche besäete / und bepflantzete / in kurtzer Zeit ein lieblich Anschauen / Freude und Nutzen davon zugewarten hätte / allermassen / wie schon angeführet / der Anflug vermittelst Säen / Pflantzen und Beybringung gnugsamer Saamen-Bäume auf viel Jahr eher befördert werden kan.

§. 16. Ob man nun wohl ein großes und GOttes sonderbare Providentz erkennen kan daß so bald der völlige Anflug und Wiederwachs da ist / man hernach zu dessen Fort und Aufbringung wenige Sorge mehr tragen darf / weil er sich ohne menschliches Zuthun selber wartet; So hat man sich dennoch vor allen Dingen zu hüten / daß derselbe nicht zu zeitlich noch zu jung angegriffen und darinnen geschlagen werde / indem dieses fast die gröste und meiste Ursach insgemein ist / dadurch die Gehöltze ruiniret werden: Die Römischen Rechte selbst weisen hierunter einen gewissen modum an.

Wenn sie sagen: Non aliter caedere conveniat, quam secundum modum & morem Patrifamilias, nec vero inordinate aut dum Sylva immacura sit.

Unde ad boni viri arbitratum recurrendum est l. 9. pr. ff. de usufr.

Ita arbores caedere, quo ex stirpibus seu radicibus renasscantur. l. 11. 13. 18. ff. de usufr.

Das ist / man soll zwar Gehaue machen und Holtz schlagen lassen / jedoch nicht anders als Haußwirthlich / daß es nehmlich nicht zur Unzeit und in Tag hinein / wenn der Wiederwachs noch jung ist / geschehe / weswegen hierunter ein richterlicher Ausspruch zu erwarten.

Item / Man soll das Holtz so hauen / damit es wieder ausschlagen und an Wiederwachs kein Mangel seyn möge.

§. 17. Von was grosser importantz nun das Werck und Unternehmen an sich selbsten sey / den Anflug und Wiederwachs derer Höltzer zu befördern / und zu conserviren / ist vielleicht etlicher maaßen aus vorhergehenden zu colligiren / und daß es nicht so gar geringschätzig zu achten / wie der Welt Lauff ist / da man eine nöthige Sache nicht eher unternehmen will / als biß man durch die äuserste Noth und grosse Bedürffniß darzu forciret wird; Also trägt es sich auch zu / mit den Anbau des wilden Holtzes / welcher bißhero fast für gar nichts geachtet worden / niemand hat daran gedencken / geschweige Hand anlegen wollen / und da wir gnugsam sehen und spüren / daß wir solches unmöglich entrathen und entbehren / viel weniger uns dessen entschlagen mögen / so gehen uns erst die Augen recht auf / und befinden / daß es höchst nöthig sey alle menschliche Kräffte zu adhibiren / den Anflug und Wiederwachs derer Höltzer in erwünschten Stand künfftighin zu setzen / wo wir anders die Würdigkeit einer so wichtigen Sache nicht nach der Einbildung und übel eingerissenen Welt-Opinion, sondern nach der That und Wahrheit aestimiren wollen; Aber gewiß! es mangelt an nichts als nur an einem resoluten Unterfangen / so wird Göttliche Allmacht auch gnädiges Gedeyen darzu geben; Haben doch die Heyden ihren Göttern dergleichen zugeschrieben / wie Macrobius meldet / daß sie vermeynet / und gedichtet / ihr Feld-Gott Saturnus, habe denen Menschen das Peltzen / oder die Verbesserungs-Kunst gelernet; Plinius aber ist anderer Meynung[WS 70] / und eignet es einem fleißigen Hauß-Vater / oder Bauers-Mann zu / welcher bey Aufbauung seines Wohnhüttleins / einen Ast / in einem abgestümleten Stamm gestossen / der hernachmahls ausgeschlagen / sich mit dem Stamm vereiniget / und ein schöner fruchtbarer Baum worden / dahero habe er den Sachen weiter nachgedacht / und immer ferner probiret / und also diese herrliche Besser-Kunst erfunden / auch seinen Nachbarn geoffenbahret / daß man aus allen wilden und ungeschlachten Stämmen die besten frucht-tragende Bäume zubereiten könne / welches dann biß diese Stunde denen Menschen sehr grossen und unendlichen Nutzen gebracht; gleicher Gestalt haben wir nicht zuzweiffeln / sondern uns gewiß zu versichern / daß durch das Säen der Wiederwachs auf so viel millionen Acker unausbleiblich auf zubringen / wenn wir nur anders Hand zum Werck legen, fleißig probiren und unnachläßlich Versuch thun, mit Säen emsig fortfahren / und nicht müde noch nachläßig darinnen werden / so wird der Schöpffer aller Dinge / als Autor aller Scientien und der Oeconomie uns reichlich damit segnen.

§. 18. Es findet sich auch noch ein sonderbares Mittel den Holtz-Anbau zu befördern und neben dem Säen die wilden Bäume fortzubringen und zu vermehren.

Nehmlich es ist bekannt / daß etliche Arten des Laub-Holtzes so keinen oder wenig Saamen tragen / als die Weide / Pappeln etc. sonderlich die viel und groß Marck innwendig haben / durch die Aussproßlinge / die unten am Stamm oder an dessen Wurtzeln ausschlagen / leichtlich können fortgebracht werden / denn diese Schösserlinge und Aussprößling werden unten von dem Stamm oder von der Wurtzel behutsam abgenommen / und theils mit / theils ohne Wurtzel gewonnen hernach versetzet und verpflantzet / aber die gar keine Wurtzel haben / werden in Grübgen eingelegt / und wachsen also schnell fort / als von Saamen; Auch sind eben diese und dergleichen nebst viel andern / als Hasel-Staudten, wilde Mispeln ja fast alles Laub-Holtz / Castanien / Ilmen / vermittelst der Schnittlinge fortzupflantzen / und diese so genannte Schnittlinge werden von des Baumes zarten und schlancken Aestlein abgenommen / Stecklein zu einer Ellen lang und mehr / daraus geschnitten in Grüblen zu Spannen tief mit guter Erde angefüllet der Länge nach schräg eingeleget / jedoch / daß das obere Ende 3. biß 4. quer Finger hoch oben heraus rage / und herfür gehe / alsdenn wohl eingetreten / so bekommt der Schnittling in der Erde Wurtzel / und schlägt oben aus so weit er aus der Erden stehet / und ob sie gleich nicht alle bekommen / so geschiehet es doch bey den meisten / sonderlich wenn alles dabey wohl beobachtet und die Schnittlinge etliche Tage zuvor in temperirten oder laulichten Wasser liegen / hernach in die Grüblein eingesencket / und denen Weinreben und Johannes-Beer-Schnittlingen gleich tractiret / welche Arbeit so wohl Herbst als Frühlings-Zeit mit guten Nutzen verrichtet werden kan.

Will man auch gantze Stöcke / von Castanien / Aschen / Ilmen / Weiden und Mispeln ausheben / solche mit denen Wurtzeln in unterschiedene Theile zertheilen und jedes Stämmlein wieder absonderlich verpflantzen / denn Schnittlinge aus denen abgehenden und abgeschnitten Holtz und Aestlein verfertigen und solche wie itzt gedacht einlegen / so kan ein ziemlicher Raum oder Platz damit bepflantzet und zuförderst zu Schlag-Holtz gezogen werden / wie Holtz-verständige Gärtner und Arbeiter mit mehrern anzuzeigen wissen werden.


Das Vierzehende Capitel.
Von Ober- und Unter- oder so genanten Schlag- und
lebendigen Holtze.

§. 1. Was Ober- oder so genantes Schlag- und lebendiges Holtz sey / und worzu das Unterholtz zu gebrauchen.

§. 2. Worzu das Oberholtz / was Bäume / und welche nach Gelegenheit des Orts darzu zuerwehlen.

§. 3. Wie es zu pflegen.

§. 4. Wie viel Stämme Ober- und ander Holtz auff einem Acker stehen können.

§. 5. Warum in hiesigen Landen zwischen und neben dem Ober-Holtze kein Getreyde zu säen.

§. 6. Wie man die Acker zu Ober- und Unter-Holtz am besten eintheilen könne.

§. 7. Was man in Abtreib- und Anweisung des Ober-Holtzes zu beobachten habe.

§. 8. Welch Holtz insgemein zu Unter- und Schlag-Holtz diene / und was von diesem nach Gelegenheit des Bodens zu pflantzen sey.

§. 9. Wie man beym Unter-Holtz Ober-Holtz erziehen und erhalten könne. Ordnung hiervon in Franckreich.

§. 10. Ob Ober- oder Unter-Holtz vorträglicher sey. Nutzen des Unter-Holtzes / was das Ausschneideln beym Ober-Holtz schade. Ob da Unter-Holtz wegen Alterthum der Stöcke abnehme.

§. 11. Nutzen des Unter-Holtzes wegen der Gräserey und anderer Nothdurfft.

§. 12. Anderweitiger Nutzen des Unter- oder Schlag-Holtzes wegen Vermehrung deßelben / und wie sich hierbey mit der Vieh-Trifft in acht zu nehmen.

§. 13. Raupen und Käfer verderben das Unter- oder Schlag-Holtz / und was hierbey zu beobachten.

§. 14. In wie viel Jahren das Schlag-Holtz abzutreiben. Anderweitiger Nutzen des Unter- oder Schlag-Holtzes.

§. 15. Ob von einer Sommer-Latten eines zuvor abgetriebenen Stammes ein guter Bau-Stamm könne gezogen werden.

§. 16. Welches die beste Hau-Zeit sey / und wenn das geschlagene Holtz auffgeräumet werden soll / auch wie dieses vors Vieh zu nutzen. Vom neuen und abnehmenden Monden.

§. 17. Was bey Abtreibung des Schlag-Holtzes sonsten zu observiren.

§. 18. Wie Ackerbau aus Schlag-Holtz-Land gemacht werden kan.

§. 1.

WEnn ein Acker Holtz-Landes / zu Ober- und Unter-Holtz zugleich gezogen werden soll / und mit 7. 8. 900. biß 1000. mehr oder weniger Stämmgen / so von Saamen angeflogen / oder sonst gnüglich bestocket / und bepflantzet ist / so läßet man solche 8. biß 10. Jahr wachsen und die besten Stämmlein / die künfftig zu Ober-Holtz / d. i. zu großen Haupt-Stämmen zu ziehen / stehen / die andern aber hauet man abe / daß sie Stöcke bekommen und diese an 4. 6. 10. und mehr Sommer-Latten zu Unter-Holtze / welches sonsten auch Schlag- oder Lebendiges Holtz genennet wird / wieder ausschlagen mögen / und soll ein abgeholtztes Stämmlein oder Stock nach advenant, 2. 3. biß 4. Schuh von einander stehen.

Je besser nun die Art von Holtze ist / je mehr kan man künfftig daraus nehmen und solche zu Weinpfählen / Latten / Hopff- und Zaunstangen oder Stecken gebrauchen / da denn mehr zu lösen / als wenn es nur zu blossen Feuer- und Kohlen Holtz oder Reißig zu sammen gehauen wird.

§. 2. Es wird aber das Ober- und Unter-Holtz bloß von dem Laub-Holtz verstanden.

Denn ob wohl unter solchen Holtze bißweilen eine Tanne / Fichte oder Kiefer / entweder von sich selber / oder von eingesprengten oder zugetragenen Saamen mit aufwächset / so wird doch hier mehr auf jenes als dieses gesehen.

Das Ober-Holtz bestehet in allerhand Bau- Bret- Böttiger und andern Zimmer-Holtz / auch in Mast- und Obst-Bäumen / als in Eichen / Buchen / Castanien / wilden Apfel-Birn und Kirsch-Bäumen / Ahorn / Aschen / Ilmen / Bircken / Aspen etc. in Summa in lauter guten Laub-Holtz / die zu Haupt-Stämmen / bis 40. 50. 80. 100. und mehr Jahre gezogen werden.

Nun mag es nach eines jeden Ortes Gelegenheit und Zustand reguliret werden / welche Arten der Boden am besten träget und treibet / ingleichen welche von von ein und andern Sorten am nutzbaresten / oder am meisten von nöthen seyn / oder mit bessern Nutzen / ins Geld zu setzen. Dann 1. Schock Stangen von Aschen / Ilmen / Eichen / so aus den Unter-Holtz gehauen werden / gelten mehr als 1. Schock von Aspen und Weiden.

Auch ist die Eiche wohl eines von dem besten Ober-Holtze / so wohl zum Bauen als zur Mast; wo man aber dieses beydes nicht sonderlich / bevorab wegen des Wasser- Schiff- und Wein-Baues zu consideriren hat / so ist vorträglicher / ander Ober-Holtz / als Ahorn / Buchen / Castanien / Aschen / Ilmen / Bircken / Aspen / etc. stehen zu lassen / denn sie wachsen viel schneller und geschwinder / und in einem Jahr mehr / als die Eichen in 2. oder 3. Jahren daher; nehmen mit den Aesten nicht so viel Raum ein / und deswegen verdemmen sie weder das Unter-Holtz und Gräserey / noch sich selbsten / sondern können näher und dichter beysammen stehen als die Eichen.

§. 3. Das Oberholtz nun soll sonderlich zu einen guten Schafft gezogen werden / und nicht viel ausgebreitete Aeste haben.

Zuförderst aber sind ihm die Räuber / so unten am Stamm ausschlagen zu / benehmen / wie dieses Virg. beobachtet: Ramos compesce fluentes Georg. 2. damit es eher fortschieben und zum Bauen tüchtig sey / auch das Unter-Holtz besser darunter Raum / Sonne / und Safft haben könne / dahero das krumme / niedrige und verbuttete Ober-Holtz bey zeiten abzuhauen / und hingegen feine gerade Laßreißer zu lassen / die mit der Zeit einen guten Schafft bekommen mögen.

§. 4. Wie viel Stämme aber nun von Ober-Holtz man auf einem Acker stehen lassen soll / sind unterschiedliche Meynungen.

Die meisten halten dafür / sie sollen 30. biß 35. Schritte von einander stehen / so komme alsdenn dem Unter-Holtz so viel zu gute / daß es besser wachsen kan.

Aber hauptsächlich laufft alles auf Erkäntniß eines guten Haußwirths hinaus / der sich sonderlich nach den Unterschied des guten und unartigen Bodens hierinne zu richten hat.

Wiewohl es auch gewiß ist / daß das Ober-Holtz das Unter- oder Schlag-Holtz und die Gräserey sehr verdrücket / und daran in wenig Jahren mehr Schaden thun kan / als das Ober-Holtz an sich selbsten werth ist; Alleine / man muß dabey wohl überlegen / welches man von beeden bedürfftig / oder welches eher in das Geld zurichten und an Mann zu bringen sey. Sonsten ists gewöhnlich und an vielen Orten bräuchlich / daß auf einem gemeinen Acker (1.) nicht über 8. oder 10. große Eichen oder andere gute Arten von Haupt-Bäumen / das übrige (2.) an so genannten angehenden Bäumen / (3.) an Vorständern (4.) an Laßreißern / dergestalt in allen etliche 30. Stücke gelaßen und alsdenn bey jeden Gehaue nach und nach etwas abgetrieben werde / damit ein continuirlicher Nutzen und von jeder Sorte stets 8. Stücke stehen bleiben / und also eines das andere immer von Jahren zu Jahren ablöse.

Als nehmlich / die angehenden Bäume ersetzen die Stellen der gefällten Haupt-Bäume / und die Vorständer / die angehende Bäume und so fort an.

Von denen Laß-Reisern aber könte wohl ein mehrers stehen bleiben / weil sie wegen ihrer Jugend und Zartheit leicht ausgehen und von Wind und Schnee verderbet werden / damit man was zu zu büßen und bey Abgang der andern die Zahl ersetzen könne.

Uberdieß nehmen diese auch nicht viel Raum ein.

Da man nun zugleich auf die Gräserey und Unter-Holtz sein Absehen richten wolte / so ist darbey zu beobachten / daß des Ober-Holtzes nicht allzu viel seyn soll / damit jenes auch dabey fortkommen könne.

Denn das Ober-Holtz / sonderlich das große und weitästigte / benimmt die Sonne / die starcken Tropfen / so bey Regen-Zeiten davon fallen / verderben die Weide oder Graß / zu förderst aber das junge Unter-Holtz / und die großen starcken Wurtzeln ziehen alle Feuchtigkeit und Nahrung zu sich und von diesen ab / daß also wenig vor dieses übrig bleibet.

Denn so weit als ein Ober-Baum seine Aeste wirfft / so weit breitet er auch insgemein unten seine Wurtzeln aus / jedoch haben diejenigen Bäume / so Hertz-Wurtzeln führen / hierbey etwas sonderliches / weil sie ihre Wurtzeln nicht so weit umher aus lauffen laßen / sondern vermittelst der Hertz-Wurtzel / welche gerade und tieff in die Erde gehet / die Nahrung aus der Tieffe an sich ziehen / und also den Wiederwachs / Unter-Holtz und Gräserey gerne um sich leiden und auffkommen lassen.

§. 5. Aus diesen Ursachen ist auch in hiesigen Landen nahe / zwischen und neben den Ober-Holtze / kein Getraide zu säen, es mag Nahmen haben wie es wolle; hingegen in andern oder in warmen Ländern nicht also / sondern es sind die Felder mit Bäumen besetzet / wachsen auch noch wohl Weinstöcke an denselben auf.

Allhier aber thun die vielfältigen Regen und Tropfen / so von denen Bäumen fallen / an Getreyde Schaden / die Wurtzeln nehmen den Gewächsen so darneben sind / die Nahrung / der Schatten von Bäumen benimmt ihnen die Sonne / da hingegen in warmen Ländern der Schatten vorträglich / die Sonne reflectiret auch also starck von Bäumen ab, und dämmet in die Felder, hinein daß alles Getraide davon verbleichet und verschwindet / so frißet auch das Baum-Laub so wohl Getreyde und Graß hinweg und verdemmts / daß nichts davon auffwachsen kan.

§. 6. Wo man also Ober-Holtz zum Bauen haben muß / so solte man besser thun / man ließe hierzu nach advenant den zehenden oder fünfften Theil seines Holtz-Bodens / zum Exempel von 100. Ackern deren 10. oder 20. absonderlich aufwachsen / und dargegen 90. oder 80. Acker zu Unter- oder Schlag-Holtz stehen / so wird man sehen / daß wegen bessern Wachsthum des Unter-Holtzes / und reicherer Hutweyde mehr profit zu haben / als wenn das Ober- und Unter-Holtz unter einander gemenget ist / gestalt auch jenes / wo es keine Hindernüße von diesen hat / schneller und besser fort zuwachsen pfleget / weil solches zwischen dem Unter-Holtz selten einen rechten Schafft bekömmt / sondern nur viel Aeste und Knorren hat.

§. 7. Wenn das Unter-Holtz gefället wird / so soll man von dem Ober-Holtz auch so viel / als sich obangeführter maaßen leiden will / abtreiben / damit es alsobald zugleich aufgemacht und der Schade in künfftigen Sommer-Latten dadurch verhütet werden könne.

Auch ist bey Anweisung oder Verkauffung des Ober-Holtzes wohl zubeobachten / daß man ausgewachsen Holtz / und dem nichts mehr / oder wenig an Wachsthum zugehen kan / fortschaffe / und hingegen dasjenige / so in seinem besten Wachsthum stehet / und dem jährlich was zugehet / stehen lasse.

§. 8. Unter-Holtz oder Schlag-Holtz / so auch / wie gedacht lebendig Holtz genennet wird / ist fast das nutzbarste von allen / aber es kan darzu allein dasjenige gebraucht werden / so Laub träget. Denn das Tangel-Holtz schläget nicht wieder aus / sondern, wenn es einmahl weggeschlagen / so verfaulet der Stock und Wurtzel; aber wenn das Holtz so Laub träget / abgeholtzet / pfleget es am Stock / auch theils an der Wurtzel / so von Stock 1. 2. und mehr Ellen abgelegen / hin und wieder auszuschlagen Wir wollen derowegen hiervon ein und anders etwas ausführlicher / jedoch nur kürtzlich vorstellig machen.

Wenn der Ort / wo man dergleichen Holtz haben will / gar wüste / so säet man in die bereitete Furchen oder Gräben den Baum-Saamen / da denn die dienlichsten seyn / die Eiche / die Asche / Riestern / Ilme / Ahorn / wild Obst / die Bircke / Erle und der Castanien-Baum / wo dieser die Art hat; ingleichen die Hasel-Nuß / und wo nasser Boden verhanden / die Aspe / Erle / Pappel und Weide / denn diese letztern wachsen schnelle an wässerigten Orten daher / ja in 9. oder 10. Jahren mehr, als andere in 12. oder 15. Jahren / schlagen auch wieder an Stöcken aus / wenn sie abgetrieben werden / so allemahl in Zeit von 8. 10. 12. biß 16. Jahren geschehen kan / nach Art des Bodens ob Er viel oder wenig treibet. Ob nun etwas von Ober-Holtz dabey stehen bleiben soll / beruhet in eines jeden Gefallen / und in der in solcher Gegend erheischenden Nothdurfft.

Wo aber kein Ober-Holtz verhanden / oder man solches nicht zeugen will / so nennet mans Schlag- oder lebendig Holtz / weil es continue fortwächset / dann es brauchet weiter keines Säens noch Pflantzens / hat besser Fortkommen / giebt gute Gräserey / kan auch / nachdem die Gehaue 3. 4. 5. 6. biß 8. Jahr geschonet / alsdenn zur Vieh-Weide gebraucht werden. Da aber bey dergleichen Gegenden leere Plätze befindlich oder aber das Holtz daselbst gar dünne und eintzeln stehet / da soll man die leeren Plätze aufgraben mit allerley Saamen bestreuen und denselben einegen / damit solche völlig und dichte wieder bewachsen mögen. Sonsten giebt die Weiß-Buche / die Ilme / Ahorn und Pappel-Weide gut lebendig Holtz / schläget / wenn es abgetrieben / gleich wieder aus / und diese lieben mäßigen; die Erle Aspe und Weide hingegen einen nassen; die Eiche und Castanie einen fetten; die Asche / Hasel-Stauden / Bircke / und Buche aber / einen trockenen Boden. Mag also derselbe beschaffen seyn wie er wolle / gering oder gut / trocken oder naß / so kan man dergleichen Schlag-Holtz auf jeden säen und pflantzen / wie man solches vor gut und nützlich befindet. Unter den Schlag-Holtz ist die Hasel-Staude und Bircke das gemeinste / jedoch ist rathsamer / daß man an statt dessen besser Holtz in Gehauen anbringe und aufziehe / welches so wohl vermittelst des Saamens / als auch durch die Pflantzung geschehen kan.

§. 9. Will man nun an denen Orten / wo Bau-Holtz sehr vonnöthen und solches anders woher nicht wohl zu bekommen ist / dergleichen aufziehen / da lasse man auf einen Acker Schlag-Holtz (wie schon auch oben erwehnet) 20. 30. und etwas mehr / der schönsten Laß-Reiser stehen / welche künfftig / wenn sie heran gewachsen / Ober-Holtz genennet werden / ob sie gleich in 40. 50. biß 100. und mehr Jahren erst zu rechten Bau-Stämmen und Mast-tragenden Bäumen werden.

Inzwischen kan man das Unter-Holtz wohl 10. biß 15. mahl abtreiben und nutzen.

Der Ober-Baum bestehet wie obgedacht (1.) in einem vollkommenen ausgewachsenen oder überständigen Baum / so nach advenant der gewächßigen und ungewächßigen Art des Holtzes 50. 60. 70. 80. biß 100. Jahr alt ist / (2.) in angehenden Bäumen / welche seiter 3. biß 4. Gehauen her gestanden / und 30. 40. oder mehr Jahre alt sind / (3.) in Vorständern / welche von 2. Gehauen her gelassen / und (4.) In Laß-Reißern / die bey allen und jeden Gehauen das erstemahl stehen bleiben und den Anfang zum Ober-Baum geben.

Bey jeder Hau-Zeit nun kan nach Bedürffen von angeregten Ober-Baum 1. oder 2. Stämme gebrauchet werden / doch daß die jüngern die ältern gnüglich wieder ersetzen.

Vermöge der Holtz-Ordnung in Franckreich und anderer Orten soll insgemein auf einen Acker Schlag-Holtz der vierdte Theil an Ober-Holtz seyn / oder so viel daß der 4te Theil mit Ober-Holtz bedecket ist / damit das Unter- oder Schlag-Holtz nicht allzu sehr verdemmet werde / und zugleich mit aufwachsen könne.

Auf jeden Acker bleiben auch 16. junge Laß-Reißer / wie oben gedacht / so wieder zu Ober-Holtz gezogen werden sollen / und zwar an solchen Holtze / als Aschen / Eichen / Buchen / Bircken auch Vogelbeer-Baum was an jeden Ort am besten zu nutzen scheinet / als / wo man Schiff- oder Wasser-Bau und Eicheln-Mast hat / werden junge Eichen zu Laßreißern gelassen / und so fort.

§. 10. Soll also ein Hauß-Wirth und Vorsteher der Gehöltze wohl überlegen / ob bey seinem Grund und Boden vorträglicher sey / lauter Ober und Unter-Holtz / oder gemenget zu ziehen. Wegen des Schlag-Holtzes sind die meisten einstimmig daß es mehr und bessern Nutzen / als das Obere Holtz abgebe.

Nur kürtzlich hiervon etwas ferner anzuführen / so kan das Unter-Holtz continue und jährlich genutzet / auch in 10. und zum höchsten in 15. biß 20. Jahren ein mahl gar abgeholtzet werden.

Dahero folglich und unfehlbar ist / daß wo man das Ober-Holtz nur entbehren kan / man dessen nicht zu viel soll stehen lassen / jedoch kan man auch solches alles zusammen in 3. 4. 6. 8. oder 10. Jahren biß aufn Wipfel ausschneideln / oder nur die untern Aeste weghauen und zu Fütterung des Viehes / auch zum Brenn-Holtz brauchen / worgegen aber auch die Mast etwas ausbleibet und dergleichen Holtz weder denen Färbern noch sonsten zum Bauen durchgehends dienlich ist / weil es gar knötigt und aestig wird. Des Schlag- oder Unter-Holtzes halber sind zwar etliche der Meynung / daß die Stöcke endlich veralten und also die Sommerlatten nicht so wohl treiben können / als die jungen Stöcke / welches man etlicher maaßen dahin gestellet seyn lässet; Jedoch ist gewiß wann das Schlag-Holtz / so auf alten Stöcken stehet / zu rechter Zeit abgetrieben / und die Stöcke nicht zu hoch gelassen werden / daß es darinnen faulen könne / so verjunget sich ein alter Stock samt den Wurtzeln und schlagen selbige nicht allein bey und nechst den Stock aus, sondern auch wo sie hin und wieder hervor sproßen können und nicht zu tief in der Erden liegen / brechen sie in viel Sommer-Latten aus / und wo eine Sommerlatte an der Wurtzel ist / so bekommt sie auch mehr und neue Wurtzeln und vermehret sich also / daß aus einem alten Stock und Wurtzel viel neue werden / und das Holtz dicke anfleugt / wo es nur mit der Sichel / Sense und mit der Vieh-Trifft gewöhnlicher maaßen verschonet bleibet.

§. 11. Es bestehet dannenhero eine gute Haußwirthschafft sonderlich mit in Unter-Holtz / weil es nicht allein gute Holtz-Nutzung giebet / sondern auch zu geich in gewisser Zeit zur Gräserey und Huthweide dienlich ist / gestalt auch insgemein das beste und süßeste Graß zwischen und unter dem Schlag-Holtze auffwächset.

Bevorab scheinet eines vom Vorträglichsten zu seyn / daß man das Unter-Holtz in 5. 8. 10. oder mehr und weniger Jahren völlig genießen kan / hingegen aber das Ober-Holtz kaum nach Verlauff eines Seculi recht zu gebrauchen ist.

Es wird aber auch solches also einzurichten und eine jährliche Abtheilung zu machen seyn / sonderlich / da der Raum etlicher maaßen hierzu verhanden / daß wo Ober- und Unter-Holtz beysammen stehet / ein Hauß-Wirth auch jährlich die nöthige oder völlige Nothdurfft an Bau- Brenn- Kohl- und andern Nutz-Holtz / als Reifen / Vaß-Holtz / Pfählen / Stangen und dergleichen daraus erlangen könne / und also bey der Hauß-Wirthschafft kein Mangel an nöthigen und nützlichen Holtz fürfalle und des halben in einem Jahr nicht allzu viel abgetrieben werde / daß man hernach zu anderer Zeit darben müße.

Wenn denn auch der Grund und Boden in Wäldern durchs Baum-Säen also angebracht und verbessert ist / so kan man / sonderlich bey dem Unter-Holtz ein großes Theil Viehe im Lande mehr unterhalten.

Denn nach dem der Boden etwas geschlachter und ebener durchs Pflügen und Hacken gemacht / giebt er auch mehr Huth-Weyde und Gräserey / das die Mühe und Unkosten / so darauf gewendet worden / gewiß wohl belohnen wird da hingegen bey ungeschlachten und rohen Boden die Krafft und Würckung des Erdreichs nur ins Mooß und ander unnützliches Graß und Gestrüppe wächset.

§. 12. An welchen Orten und Gehauen man nun siehet / daß viel Buchen / Eichen / Erlen / Aschen / Bircken / Aspen und dergleichen Holtz / an statt des Tangel-Holtzes / anfleugt oder gesäet und gepflantzet worden / da ist am rathsamsten / daß man solches zu Schlag-Holtz ziehe / und wenn es 8. oder 10. Jahr alt abholtze / so werden alsdenn auf dem Stock / wie bereits erwehnet viel Schösserlinge / Sprossen oder Sommerlatten ausschlagen / und besser und geschwinder treiben als zuvor / ja in 8. 9. Jahren so viel wachsen / als erst in 20. Jahren nicht geschehen wäre / auch werden an der Wurtzel selbst wohl hin und wieder Schößerlinge ausschlagen / daß es also / je mehr es abgetrieben wird je mehr und häuffiger sichs aus breitet und vermehret / und wird dahero auch nicht unbillig alhier mit mehren Umständen zu wiederhohlen seyn / daß auch diese Sommerlatten fleißig geschonet werden möchten / und kein Vieh / wie es Nahmen hat / in solche gelassen werde / denn es thut alles Schaden / verbeißt / vertritt / und zerbricht die jungen Sommerlatten / welches nicht allein auf etzliche Jahr Schaden an Wiederwachs thut / sondern der Stock verdirbet auch dadurch meistentheils und schläget nicht wieder aus.

Denn der zurücktretende Safft welcher sonsten die Sprossen treiben solte / muß dergestallt in der Wurtzel bleiben, welches denn wegen der großen Feuchtigkeit dieselbe zur Faulniß bringet.

Jelänger man nun das neue Gehaue vor den Viehe hegen kan desto besser ist es / oder wenn es nicht anders thulich / so treibet man solches etwas später dahin / oder nur Kälber / welches denn in Monath Julio und in Augusto geschehen kan / da es das Holtz nicht so leichte verbeißet / weil das Laub etwas harte und bitter und nicht so zarte als es in Monat April und May ist / da aber darinnen gegraset wird / möchte es wohl scharff zu verbieten seyn / keine Sommer-Latten abzuschneiden oder zubeschädigen.

§. 13. Dasjenige Holtz / so die Raupen und Käfer sehr angreiffen als Eichen und wild Obst, wird dadurch an Wachsthum sehr gehindert / und hat das Holtz / so solchen Ubel nicht so sehr unterworffen / als Pappeln / Weiden / Ahorn / und so fort / hierunter einen grossen Vorzug / auch deßhalber ein Absehen zu machen / daß man dieses eher und mehr pflantze / als jenes / aber von Käfern ist wenig oder selten das Laub-Holtz befreyet.

Wenn nun das Unter-Holtz oder dessen Wiederwachs / wie auch die Weiden durch das Vieh / starcke Fröste / gifftige Mehl-Thau / Raupen-Geschmeiß / oder aber durch Schlossen / Gewitter / etc. sehr beschädiget / verstümmelt / die Schalen verderbet und theils abgeschlagen / daß es knorricht oder butticht wird / so ist alsdenn rathsam / daß solche beschädigte Höltzer abgehauen werden / damit sie wieder aufs neue ausschlagen können.

Denn wenn sie einmahl verbuttet oder vergifftet / so schadet es so wohl dem Stock / als denen Sommer-Latten selbsten und können es in 2. biß 3. Hau-Zeiten nicht verwinden noch sich so bald wieder erhohlen / und bringen also mehr Nutzen / wenn sie abgehauen / aufs neue wieder herfür wachsen und treiben können.

§. 14. Die Zeit in wie viel Jahren das Schlag-Holtz abzutreiben / muß ein jeder Hauß-Wirth und Pfleger selbsten nach seiner Gelegenheit ordiniren und den Hau / wie er das Holtz am besten nutzen kan / und nachdem er solches für seine Haußhaltung bedürfftig / sonderlich das Erlen-Holtz zu 5. 10. 12. 14. biß 16. Jahren einrichten / in welcher Zeit es an etlichen Orten / nachdem der Grund und Boden gut ist / so starck wächset / daß es zum Verkohlen und zu Claffter-Holtz dienet.

Wo so viel Schlag-Holtz verhanden / daß man alle Jahr eine gewisse Refier oder Acker abtreiben kan / bleibet es ein stetiger continuirlicher Nutzen / sonderlich / wenn der Stock kaum 3. biß 4. Zoll hoch gelassen und fein glatt abgehauen wird, so schläget es auf denen Seiten in unterschiedenen Sommer-Latten aus / und wird von Hau zu Hau dichter.

Denn da zuvor nur 1. Stamm gestanden / schläget es wohl in 10. biß 12. Sommer-Latten und folgends in so viel Stämme aus.

Ja man hat auch Exempel daß grosse Claffterige Bäume / sonderlich die Pappeln / da solche abgehauen worden / auf dem Stock zwischen der Rinde oder der Schale / und zwischen den Stamm um den Stock herum ausschlagen / und Sommer-Latten getrieben / daß also solche wunderbahrer Weise recht in eine Runde herfür und fortgewachsen wiewohl es auch seyn kan / daß die Zeit / darinnen der Baum abgehauen wird / viel zum Wieder-ausschlagen contribuiret / welches bey grossen und alten Bäumen sonsten selten geschiehet.

Bey allen Hauungen wird die Wurtzel verstärcket und bekömmt mehr Safft zu treiben.

Denn der Safft kan denen Wurtzeln eine Zeitlang zu gute kommen / weil sie in die jungen Sommer-Latten nicht so viel / als in einen gantzen Stamm zu vertheilen hat.

Unterdessen so ist sicher / und giebts die Erfahrung / daß wenn eine Gegend zu Unter-Holtz wohl angeleget und recht gezogen / auch der Boden geschickt und gut darzu ist / solche reichlich zu nutzen / und alle und jede Haue so in 5. 8. 10. oder mehr Jahren geschehen soll / sich immer nutzbarer erweiset / als par exemple: bey dem ersten Hau / kan der Acker Unter-Holtz für 4. biß 5. Thlr. überhaupt verkauffet werden; bey dem andern hat er mehr Holtz getrieben und sich verbessert / daß er 5. biß 6. Thlr. und mehr gilt und so fortan.

Diesemnach ist leicht die Rechnung zu machen / wie viel 10. 20. 100. biß 1000. Acker / die Hauß-wirthlich zu Ober- und Unter-Holtz gezogen / innerhalb 50. Jahren / binnen welcher Zeit zum wenigsten 5. Gehaue durch und durch à 10. Jahren zu machen / an Nutzen abwerffen können / zumahl wenn dabey beobachtet wird / was inzwischen auch an Nutz-Holtz daraus verkauffet werden mag, als an Hopff- und andern Stangen / an Schlitten- Faß- Kuffen-Holtz / an Böttger und andern Reiffen / Leitern / Wagen- Acker-Geräthe, an Bau- und Brenn-Holtz / welches gewiß zu einer so grossen Summe ansteigen wird / daß es fast nicht zu glauben / geschweige die Gräserey / Hutweyde / Laub und Streu so dabey zugeniessen.

Hingegen wenn solche Orte nicht Hauß-wirthlich tractiret und obgedachte Nutzung nicht gnüglich beobachtet / sondern vielmehr negligiret werden / so ist der Schade leicht zuermessen / welcher viel und die meisten Einwohner dieser Lande betreffen muß.

§. 15. Man hält sonsten dafür / es wachse ein Bau-Stamm oder Ober-Holtz von Saamen besser als von einer Sommer-Latten eines zuvor abgetriebenen Stammes / denn dieses wird wegen des alten Stocks meist mit der Zeit und wenn der Baum starck wird / von innewendig wandelbar / dahero man bey Erziehung des Bau-Holtzes sich darnach zurichten / und sich des säens zu bedienen hat.

§. 16. Von Außgang des May an biß wieder in Herbst / oder deutlicher zusagen / von der Zeit an / da das Laub heraus bricht / und biß es wieder abfället / soll man kein Schlag-Holtz fällen / denn es schläget nicht wohl wieder aus / weil der Safft Sommers-Zeit über schon in Blättern und Baum / und nicht in der Wurtzel ist / überdiß die Sonnen-Hitze auch den Wiederwachs hindert.

Die rechte Zeit aber das Schlag- oder Unter-Holtz zu fällen soll seyn / von letzten Septembr. biß Novembr. so bald das Laub anfängt zu fallen / oder von Januario biß in April, ehe das Laub aus schläget. Jedoch weil die Kälte hiesiger Lande sehr groß / so ist wohl nöthig / daß man erstlich dieselbe vorbey gehen lässet, ehe man zum Holtz fällen greiffet, weil sonsten der starcke Frost auf dem abgehauenen Stock allzu starck eintringen und Schaden verursachen möchte / und ist genug wenn noch vor dem Mittel des Aprilis zum längsten das angewiesene und verkauffte Holtz gefället sey / damit die Sommerlatten herfür kommen / und der Stock wieder ausschlagen kan.

Es mag aber das geschlagene Holtz so bald es müglich aufgeräumet werden / auf daß in jungen Sommerlatten / welche also fort in Frühling heraus sproßen / kein Schade geschehe / und solche abgetreten / abgestoßen oder abgebrochen werden / welches denn ohnfehlbahr geschehen dürffte / wenn man das Holtz in Scheite schlagen / oder das Reißig nach dem Ausgang des Monats Aprilis erst / da insgemein die Sprößlinge schon herfür brechen / aufmachen wolte / denn solcher Schaden nicht zu verhindern / man nehme sich auch so gut in acht als man wolle / und sonderlich könten auch die Sommerlatten aus den Stöcken worauff das abgehauene Holtz lieget / nicht herfür kommen.

Von dem in Herbst-Zeit abgehauenen Holtz kan man die Schafe / Ziegen / auch wohl das Rind-Vieh die Knospen den Winter über / wenn mans von nöthen hat / abfreßen laßen / welches einen ziemlichen Nutzen giebt und dem Vieh sehr wohl thut.

Wenn man das Schlag-Holtz in neuen Monden fället / so schläget es behende wieder aus / aber hingegen saget man / was in abnehmenden Monden geschlagen wird / brennet beßer / dahero man überlegen muß / welches man unter diesen beyden am nöthigsten hat / jedoch ist wohl rathsamer auf den Wiederwachs dißfalls zu sehen.

§. 17. Bey Abtreibung des Schlag-Holtzes aber kan wohl in acht genommen werden / daß der Hieb oder Schnitt fein glatt und schräge sey / damit der Regen / Kälte und Schnee nicht eindringen und Faulnüß verursachen könne.

Theils hauen es gar kurtz an der Erden weg / theils laßen auch einen Stock von einem viertel oder mehr Raum / bleiben / daß die Sommerlatten und Sprossen häuffiger wieder ausschlagen.

In denen Gehauen hat man nöthig / ehe etwas zum Kohlen-Brennen oder zu Feuer-Holtz angewiesen wird / daß man das jenige Holtz / so zu Hopfen-Stangen / Reifen / Latten etc. zugebrauchen / zuvor aushauen laße / denn solches theuer und nützlicher an den Mann zu bringen / als das Brenn-Holtz. §. 18. Wenn man aber Schlag-Holtz ausrotten und Feld daraus machen will / halten viel dafür / daß es durch das Aus- und Abbrennen am füglichsten geschehen könne / indem viel dürre Graß dazwischen stehet: alleine es giebt die Erfahrung / zu mahl auf sandigen Boden / daß dessen Wachsthum viel mehr da durch befördert wird.

Denn die Asche hat ein fixes Saltz / welches durch den Regen solviret und von der Lufft animiret wird / daß die Erde dabey fermentiret / die Holtz-Wurtzel aber dadurch gestärcket und zur neuen Vegetation erwecket wird / derowegen es rathsam / man laße das Holtz darauf verfaulen / so dünget es besser; hingegen wo leimichter Boden / ist es vorträglicher daß das Holtz auf den künfftigen Acker nebst den Reisern zu Asche verbrand und also eine gute Düngung verursachet wird.

Wenn aber die Stöcke nebst denen Wurtzeln nicht glatt aus und an der Erden abgehauen und hernach etzliche Jahre nach einander die wiederkommenden Sprößlinge nicht getilget werden / so wird man dergleichen Orte schwerlich zu einem guten Acker oder Wiese praepariren können.

Bey den Fichten- Kiefern- und Tännen-Holtz aber hat es eine andere Beschaffenheit. Denn solche haben in der Wurtzel ein Hartz / welches durch die Feuers-Hitze angegriffen und die Wurtzel verderbet wird / gestalt auch solche sonsten an sich selbsten nicht wieder ausschläget und der Tangel-Holtz-Saamen in diesen ausgebrennten Orten / wegen der Asche so dem Saamen corrumpiret, kein gut Fortkommens hat.


Das Funfzehende Capitel.
Von der wilden Baum-Schule.

§. 1. Wilde Baum-Schulen anzulegen ist nichts neues / und

§. 2. Einem Lande sehr nützlich. Des Autoris Vorschläge / was die Obrigkeit dießfalls veordnen könne.

§. 3. Was vor Erde zu einer Baum-Schule von nöthen.

§. 4. Wie dieselbe zu- und vor zu richten.

§. 5. Wie und zu welcher Zeit das Säen soll verrichtet werden.

§. 6. Warum man lieber dicke als dünne säen soll. Was ferner dabey zu thun sey.

§. 7. Wie es mit dem auffgegangenen Saamen und Stämmlein zu halten.

§. 8. Ob man allerhand Saamen unter einander säen könne?

§. 9. Was beym Versetzen des Laub-Holtzes in obacht zu nehmen. Ingleichen was man bey der Baum-Schule / wenn Bäumlein ausgezogen werden zu thun habe.

§. 10. Großer Nutzen der Baum-Schulen / und wo selbe nöthig.

§. 11. Des Autoris Anmahnung hierbey.
§. 1.

ES möchte wohl jemanden ungewöhnlich und seltzsam vorkommen / wenn er höret / daß man von wilden Holtze Baum-Schulen aufrichten / und dadurch große abgeholtzte Refieren besetzen wolte; alleine gleichwie dieses höchst nützliche Werck vor uhralten Zeiten bereits practiciret worden / immasen die Lateinischen Wörter Roboraria, Ulmaria, und Plantaria, mit mehrern zeigen / daß die alten Römer dergleichen wilde Baum-Schulen anzulegen bemühet gewesen / also darff man sich hierüber als etwas neuen so wenig verwundern / als über die Obst-Baum-Schulen und das Kern-Säen in denen Obst-Gärten / wodurch bißher viel Millionen Stämme erzeuget und großer Nutzen geschafft worden / ungeachtet unsern Vorfahren hiervon wenig bekannt gewesen / als welche bey Fort-Pflantzung derer Obst-Bäume sich nur der so genannten Obst-Wilderlinge / die in Wäldern / Püschen und Gehöltzen von sich selbst wachsen / zu bedienen gewust / welche aber in erforderter Menge nicht zu haben / auch nicht so gut Obst tragen / als diejenigen so von gesäeten guten Kernen erwachsen.

Dahero solte man schließen / auch sich zugleich versichern und ein gewisses Exempel nehmen / daß mit Anlegung der Baum-Schulen von wilder Art Bäume (wie wohl nur so viel das Laub-Holtz betrifft) ein gleichmäßig guter effect und ungezweifelter großer Nutzen zu hoffen sey.

Die Holtz-Ordnung / so in Lande von Heßen für langer Zeit eingeführet[WS 71] / bestärcket in nachfolgenden Worten unsere Meynung / worinne sie auch zu dem gantze Wercke sehr dienliche feine Anleitungen giebet / wenn sie saget: Unterdessen kan bey jeder Gemeinde ein Bodenhaffter Ort umgraben / und zugemacht / und zu einer Schul und Erziehung junger Bäume gebraucht / und mit denen Augst-Eicheln etc. besäet werden / woraus die jungen Stämmgen zu nehmen etc. und die leere Plätze besetzet werden können.

§. 2. Was nun vor ein grosser Nutzen hiemit zu schaffen / solte man sich nicht einbilden.

Denn es können die abgetriebene Blössen / und andere leere Plätze damit besetzet werden / indem eine kleine Baum-Schule schon so viel Stämme hergiebet / daß in wenig Jahren eine ziemliche grosse von Holtz entblößte Gegend / damit bepflantzet werden mag / und wäre hiebey durch Obrigkeitliche Verordnung gar wohl einzuführen / daß e. g. ein Bräutigam verbunden seyn solte / ehe und bevor er heyrathen darff / 6. Stämme zu setzen und solche aus einer Baum-Schule zu nehmen / nicht aber in Höltzern auszuheben / und wieder zu versetzen / dann dadurch geschicht doppelter Schaden / indem die Höltzer von Stöcken entblösset / und die Versetzten insgemein verderben / weil gar selten jemand das Versetzen wohl verstehet; zu welchem Ende auch ein jeder Haußwirth nach proportion seiner Güter eine dergleichen Baum-Schule halten müste / und wäre zugleich hierbey dieser Vortheil zu haben / daß man die besten Sorten des wilden Holtzes im Lande einführen könte.

Denn wenn nur einmahl eine gewisse gute Art davon an einem Orte anbracht / so vermehret sich solche hernach jemehr und mehr selber / und vertreibet die andere Arten / die nicht von der Würde oder Güte sind / zumahl wenn ihm des Besitzers Hülffs-Hand dabey entstehet.

Ferner so wäre auch billig / daß ein jeder / wenn er einen Baum fällen lässet / drey dagegen aus einer Baum-Schule nehmen und pflantzen müste / gleich wie es in Spanien gebräuchlich ist / von welchen denn zum wenigsten einer wieder völlig aufkommen / und den Platz ersetzen würde. Wie nun solche Baum-Schule anzulegen / wollen wir anitzo mit wenigen berühren.

§. 3. Und zwar von dem Boden oder der Erden anzufangen / so ist die ungetragene / oder lange geruhete Erde / verfaulter Rasen oder Holtz-Erde der beste Boden zu einer neuen Baum-Schule / als welche nicht nur sehr lucker ist, daß man das Stämmlein gar leicht Beschädigung der Wurtzel ausheben kan / sondern es treibet auch dergleichen Erde für andern vortrefflich wohl.

Doch soll die thonigte Erde mit etwas Sand und Düngung vermenget bey der Baum-Schule auch sehr gut thun / und die Stämme noch einmahl so gut und groß wachsen / als in der besten Erde.

§. 4. Wenn man nun dergleichen Boden zur Baum-Schulen hat / soll er vor Winters eines Spaten tief umgerissen / gegraben / oder gehacket werden / damit der Frost und Winter-Feüchte darinnen arbeiten und das Erdreich mürbe machen könne.

Den Rasen soll man hierbey völlig unterbringen auch oben / so viel möglich / alles Unkraut und Wurtzeln ausrotten und abbrechen / daß also das Feld so gut zugerichtet sey / als wenn man Möhren / Pasternack und dergleichen drein säen wolte.

Es wird aber hiermit eben nicht erfordert / daß der Boden zu solcher Baum-Schule gar zu gut und fett seyn müsse / denn sonsten die Stämmlein der Güte des Bodens also bald gewohnen / und wenn solche hernach in ein schlimmers Erdreich versetzet werden, haben sie kein Fortkommens / sondern verdorren / dahero ist besser / daß ein Bäumlein aus einem schlechten in einen bessern Boden komme.

Jedoch befindet sich auch wohl sonderlich bey denjenigen / so Früchte tragen / das Gegenspiel. Dann solche sollen eher und besser wachsen / wenn sie aus guten in schlimmern Boden versetzet werden / weil die Gewalt des erstern mehr ins Holtz und in die Stämme treibet. Wenn aber der Boden nicht so gut und treibend ist / so behält der Baum seine Krafft in und bey sich / bekommt Knospen / und träget daher Früchte.

Man kan auch einen Baum hierinne gar wohl mit dem Menschen vergleichen. Denn wie solcher mehr und bessere Nahrung in jungen als bey mittel und männlichen Jahren gebrauchet / also verhält sichs auch mit denen Bäumen die bey dem Aufgehen und Aufschießen bessern Boden nöthig haben / als wenn sie hernachmahls fortwachsen sollen / da sie albereit ihre Wurtzeln und Stämme schon gnüglich erlanget und dadurch völlige Kräffte an sich ziehen können.

§. 5. Will man nun zur Saat oder Bestellung selbst schreiten / so gräbet man die Erde etwan eines halben Spatens tief wieder auf / und ebnet sie ein / ziehet darauf kleine schmahle Furchen etwan 2. oder 3. bis 4. Zoll tief in einer geraden Linie auf den Boden hin / stecket oder säet den Saamen oder Kerne drein / und[WS 72] ebnet es wieder mit einem Rechen zu.

Das Ansäen soll in Septembri oder doch in October, oder insgemein davon zu reden / wie bereits oben erwehnet / so bald ein jeder Saamen völlig reiff ist / in alten Monden beschehen / damit das Anziehen der Feuchtigkeit in neuen und zunehmenden Monden / und hernach das Aufgehen nach und nach erfolge.

Man könte sich hierunter / im Fall der Saamen gnugsam reiff ist / nach der Winter-Getreyd-Saat richten / daß es um eine Zeit geschehe.

Und dieses ist die Herbst-Saat; die Frühlings-Saat aber geschiehet so bald man in die Erde kommen kan / sonderlich wegen der annoch währenden Winter- oder Schnee-Feuchte / welche zum Aufkäumen / und Aufgehen sehr vorträglich ist.

§. 6. Es ist auch bereits vorher im 12. Capitel angeführet worden / daß am besten / man pflantze oder säe das Holtz lieber zu dicke als zu dünne / wohin wir uns bezogen und überdieß erinnert haben wollen / daß uns die Natur selbst zum dicke säen anweise. Denn es hat GOtt in derselben geordnet / daß das Holtz insgemein / so es für sich selbst / und ohne Zuthuung der Menschen geschicht / dicke und in großer Menge aufschießet und anwächset / dergestalt daß man zum öfftern kaum durch gehen oder sich durchtringen kan.

Wenn nun hierbey zu Haußwirthlichen Gebrauch Stangen / Reiß-Holtz und dergleichen nicht ausgehauen und geschnitten werden / daß eines für den andern wachsen kan / so verdämmen und unterdrucken die größern Stämme die kleinern und machen sich selber Raum zum wachsen / da denn diese verdorren / verfaulen / und dadurch denen grössern Platz und Düngung geben müssen.

Solchem nach ist es nicht übel gethan daß man in Anrichtung der Baum-Schule / obiges imitire / und nicht zu dünne säe / kan man aber etwan gute / sonderlich Holtz-Erde / es sey wenn es will in selbige einstreuen / einzetteln oder einsprengen / daß sich die Feuchtigkeit besser darinnen erhalte / und die Wurtzeln dadurch erquicke / so ist es gar nützlich / wie denn auch das Hacken wo es sich thun lässet / sehr vorträglich ist / damit es sich nicht allzu sehr berase / und das anwachsende Graß denen Baum-Wurtzeln die Krafft nicht entziehe und benehme.

§. 7. Wenn der Saamen aufgegangen und zu dicke stehet / soll man die Saat gemählich überziehen und das ausgehobene so bald in andere Bethe / die unweit davon liegen müssen / in gewisser distanz, nach Gelegenheit einer jeden Art Holtzes weiter versetzen. Bey grosser Dürre und Hitze kan man Farren-Kraut dazwischen stecken / oder darauf legen / so es vor der Hitze beschirmet / oder es wohl begiessen.

Will man auch gegen den Winter zwischen die jungen Stämmlein / so sonsten leicht erfrieren / etwas Moos / alt Graß und Laub legen / so kan es nicht schaden / sonderlich da man keine Sorge der Mäuse halber hat / daß sich dieselbe nicht darunter verbergen und die Stämmlein benagen.

So bald Unkraut sich finden will / ist solches auszugäten / oder das Beth zu behacken, und an die Stämmlein ein / wenig Erde / ohnberührt der Wurtzel anzuhauffeln / bis das Bäumlein etwas erstarcket / und es das Unkraut selber unterdrücken kan; das Hacken aber und Ausgäten muß man ein paar Jahr nach einander fortsetzen.

§. 8. Kan es seyn / daß man jeglich Geschlecht Holtz alleine säet / so ist es wohl gut / sonst thut es auch nicht viel / ob gleich allerhand durcheinander kommt / sonderlich wegen des Ausziehens. Denn eines breitet seine Wurtzeln mehr aus / als das andere / theils strecken die Wurtzeln auch sehr unter sich.

Ist der Ort vor den Nordwinden zubewahren / so ist es desto besser / sonsten aber thut solcher / zumahl wenn der Saamen aufgegangen / dem Stämmlein nichts / und ist besser / sie gewohnen bey zeiten der Lufft. Ubrigens kan der Saame stracks / so bald er nur ein Glied oder zwey lang ausgekäumet / und herfür gekrochen / mit einen ziemlichen Theil Erde und / mit allen ausgehoben / und gleich denen Melonen-Pflantzen alsobald wieder versetzet, hingegen wieder Saamen eingestreuet werden.

§. 9. Wenn man Laub-Holtz-Bäumlein versetzen will / so können die Wippel fein glatt abgeschnitten werden / nach Grösse des Stämmleins / damit gehet der Safft desto besser zur Wurtzel / und treibet das Stämmlein in die Gerade und Dicke / ingleichen kan man ihnen die überleyen Aeste benehmen / so wächset das Stämmlein besser / und kommt ihnen der Safft alle zu Nutzen / der sonst in die Aeste treibet / es mag auch der Wind das Stämmlein nicht so leicht fassen / wenn der Wippel und viele unnöthige Aeste weg sind.

Wenn aber ein Stämmlein einen feinen Schafft und die rechte proportionirte Stärcke und Dicke an sich selbst hat / braucht es kein beschneidens / doch scheinet es nicht rathsam zu seyn / flugs anfangs des ersten Jahrs etwas daran weg zu nehmen / dieweil die Aestgen noch zu zart sind / sondern es ist vorträglicher damit anzustehen / biß sie etwas erstarcken.

Gewiße Stämme oder Arten / sonderlich die Eichen / Castanien / Aschen / Ahorn / Ilmen / Rüstern etc. wachsen besser / wann sie fleißig gewartet / und nicht der Natur und andern Zufällen allein überlassen werden.

Es stehet über das auch fein / wenn die Bäume in einer gleichen distanz bey- und von einander stehen / so fern es sich thun lassen will / sintemahl solches den Augen sehr angenehm ist / und einen feinen prospect giebet / wiewohl es zu Fortkommung und Wachsthum der Stämmlein nicht allerdings nöthig.

Wenn endlich aus der Baum-Schule ein und ander Bäumlein ausgezogen wird / so hilfft es den übrigen / welche stehen bleiben / in so weit / daß die Erde damit lucker gemacht wird / und würcket dieses eben so viel / als wenn sie einmahl behacket werden.

Jedoch soll die aufgeluckerte Erde etwas wieder nieder gedrucket werden / damit die Lufft / und die Winde nicht zu denen Wurtzeln dringen / und die Feuchtigkeit austrocknen mögen.

§. 10. Da nun auf dergleichen Art Baum-Schulen angeleget würden / soll man kaum glauben / daß ein so kleiner Platz / so hierzu gewidmet / viel 100. ja tausend Stämme fourniren solte / und dadurch bey ziemlich großen Revieren / Herrschafften und Aembtern / die ledigen Plätze / Gehaue / und andere hierzu dienliche Höhen und Gegenden / versehen und bepflantzet / beynebenst nicht allein Zimmer-Holtz / sondern auch Brenn-Holtz in Menge auffbracht desgleichen vortreffliche Lust- und Spazier-Gänge etc. angelegt werden könne. Ja es würden auch zum Verkauff dergleichen Bäumlein in Quantität auf zu ziehen, solche weit und breit in- und außerhalb Landes zum Versetzen zu verkauffen / oder zu Stangen / Reiff-Stäben und zu dergleichen nutzbaren Dingen zu gebrauchen seyn / und ein Hauß-Wirth sich damit wohl nehren können.

Denn wer damit umzugehen weiß und Mühe drauff wenden will / kan selbe zu Schocken ja tausenden / wenn sie zum theil nur eines Gliedes lang seyn / an Mann bringen. Im übrigen fället annoch zu erinnern / daß wo man bey großen Refieren die abgeholtzte und abgetriebene Stock-Räume und Blößen völlig besäen kan / so braucht es dergleichen Baum-Schulen daselbst nicht / sondern nur bey kleinern Gegenden / und wo etwa hin und wieder ein Stamm mangelt / oder da man besser Holtz / gegen geringers anziehen will.

§. 11. Indem aber nun Baum-Schulen anzulegen / nicht viel Unkosten erfordert / und wie aus jetzo angeführten klärlich erscheinet / seinen großen Nutzen hat / so solte billig dazu behöriger Fleiß und Sorgfalt angewendet werden / denn bey allen Land-Gütern sich noch allezeit ein Räumlein findet / daß ein wilder Stamm ohne Schaden kan anbracht und gepflanzet werden / dagegen aber der Hauß-Wirth das Holtz / das Laub und den Schatten davon in kurtzen reichlich zu genießen hat. Schließlichen ob schon dergleichen Fürsichtigkeit und Haußwirthschafft durchgehends bisher sehr negligiret worden ist / so hat es aber nunmehro bessers Ansehen / daß der eingerissene Holtz-Mangel uns forciren dürffte / daß wir den Holtz-Anbau durch Säen und Pflantzen zu befördern mehr Sorgfalt und Bemühung als bißhero geschehen / werden anwenden müßen.


Das Sechzehende Capitel.
Von Aushebung und Versetzung der Bäume.

§. 1. Was die Ausländer von der Holtz-Pflantzung vor Nutzen ziehen / und wie die Italiäner ihrer Töchter Ausstattung darvon nehmen.

§. 2. Von unterschiedenen Arten der Holtz-Vermehr und Fortpflantzung.

§. 3. Wie man die jungen Stämmlein ausheben solle / und was sonsten der Zeit und anderer Umstände wegen darbey zu beobachten.

§. 4. Warum es besser gesäete Bäumlein / als Schößlinge und Sproßen zu versetzen.

§. 5. Wo man dergleichen Bäumlein bekommen könne / und wie hoch die Kosten sich betragen möchten.

§. 6. Tangel-Holtz schicket sich nicht gar wohl zum Versetzen.

§. 7. Wie hoch und wie sonst die Bäume beschaffen seyn müßen / wenn sie versetzet werden sollen.

§. 8. Welches die bequemste Zeit darzu ist.

§. 9. Ob auch der Frühling sich darzu schicke / und was darbey zu beobachten / ingleichen von der bequemsten Witterung darzu.

§. 10. Beym Ausheben soll man die Wurtzel und Rinde wohl in acht nehmen.

§. 11. Von der Erde so an der Wurtzel gelassen werden soll.

§. 12. Was man an den Bäumen die versetzet werden sollen / abschneiden müsse. Ob die Hertz-Wurtzel daran zu lassen.

§. 13. Wie man sich hierinne beym Versetzen des Tangel-Holtzes zu verhalten habe / ingleichen worzu das Beschneiden am Laub-Holtz diene.

§. 14. Wie der beschehene Schnitt verschmieret / wie / und mit was vor einem Instrument er geschehen müße.

§. 15. Noch weitere Untersuchung warum die Hertz-Wurtzel beym Versetzen an den Bäumen nicht zu lassen sey.

§. 16. Was mit denen Stämmlein zu thun wenn sie aus der Erden gehoben. Von Beobachtung der Mitternacht und Ost-Seite.

§. 17. Wie starck ein Baum seyn müsse den man versetzen will. Ob die Stämme besser in a parte Löcher / oder Graben zu setzen seyn / und in was vor mensur.

§. 18. Warum die Löcher eine Zeitlang offen seyn / und wie man sie ferner zu richten solle.

§. 19. Die Löcher / sonderlich bey leimichten und thonigten Grund soll man groß und weit machen / doch aber nicht die todte Erde an Stamm bringen.

§. 20. Wie die Stämmlein mit der Wurtzel in die Löcher und Gräben / und wie tieff sie zu setzen.

§. 21. Was man auff und unter die Wurtzeln legen / und in die Löcher und Gräben füllen solle. Von den Säg-Spänen.

§. 22. Von der Düngung. Warum die Wurtzel nicht hohl liegen soll.

§. 23. Wie die Wurtzeln sonsten zu legen / auch wie feste das Erdreich seyn soll.

§. 24. Anderweitige Erklärung wie tieff der Stamm nach der Gelegenheit des Bodens zu setzen sey?

§. 25. In was vor distanz die Bäume stehen müssen.

§. 26. Wie man die jungen Bäumgen wieder den Wind befestigen solle.

§. 27. Wie die alten Stämme können versetzet werden.

§. 28. Wie vermittelst Sprößlingen Bäume zu pflantzen.

§. 29. Von Wässern und Düngen der gepflantzten Bäume.

§. 30. Von oftermahligen Versetzen und ob es bey dem Wald-Holtze practicable.

§. 31. Merckmahle ob das versetzte Tangel-Holtz bekleibet sey.

§. 32. Worinnen die gesäeten und versetzten Bäume vor einander einen Vorzug haben.

§. 33. Was man beym Versetzen wegen des Grundes zu beobachten habe.

§. 1.

WAs vor herrlichen Nutzen die Holtz-Pflantzung in Niederland, Engelland / Franckreich / Spanien etc. so wohl beym zahmen als wilden Holtz gebe / ist notorisch, und weiset es nicht allein der klare Augenschein, sondern es ist auch unendlicher profit wie bishero, also auch ins künfftige daraus zuziehen / welches allen billig zur Nachricht und zum Exempel der Nachfolge dienen soll.

Ja man saget von denen Italiänern / daß wenn einem Haußwirth eine Tochter gebohren wird / soll er nach proportion seiner Güther / so viel 100. oder 1000. Stämme pflantzen laßen / worvon er die Aussteuer seiner Tochter in 15. 16. oder 20. Jahren / wenn solche Mannbar wird / zu hoffen hat / wie dergleichen von etlichen verständigen Haußwirthen in gedachten Italien soll practiciret worden seyn.

§. 2. Es wird aber die Vermehrung und Fortpflantzung des Holtzes auf verschiedene Arten zu Werck gesetzet / als: durch das Säen / durch die Wurtzel / durch Setzlinge / durch Aushebung und Versetzung junger Stämmlein / durchs Sencken / durch Schnittlinge / durch Sproßlinge der Wurtzel.

An theils Bäumen geschiehet auch eine Verbesserung durchs Pfropfen / oder vermittelst des oculirens. Jedoch ist unter allen durch das Säen / hernach durchs Versetzen und durch Sprößlinge das beste Fortbringen zu hoffen. Durch die Wurtzel / Ausschoßerlinge / Schnittlinge und Sencken lässet es sich bey wenigen Arten mit allzu großen Nutzen nicht practiciren; jedoch ist dieses alles nicht gäntzlich zu verwerffen. Vermittelst der Wurtzel aber geschicht es / wenn solche zertheilet und Stückweise in die Erde geleget wird / daß sie hernach ausschläget. Durchs Sencken / wenn ein Aussproßling / so nahe an Stamm ist / niedergezogen in die Erde geleget / hernach wenn er eingewurtzelt / von dem Stock abgeschnitten und weiter versetzet wird.

Die Schnittlinge sind / wenn ein Aestlein von einem Jahrwachs / daran ein Theil des alten Holtzes gelaßen und in die Erde geleget wird / daß etwas davon fürgehet / so schläget es alsdenn aus und wurtzelt ein. Es ist aber darbey zu beobachten / daß das Holtz so älter als ein Jahr / tieffer in die Erde komme / weil es leichter und desto eher wurtzelt; der Jahrwachs aber bleibet oberhalb in der Erde / und raget theils 2. 3. bis 4. Finger breit oben herfür.

§. 3. Wenn der Wiederwachs / so von sich selbst angeflogen oder gesäet worden / allzu dicke stehet / so kan man diejenigen Stämmlein oder Pflantzen / weil sie noch jung / sonderlich bey naßen Wetter (da die Erde sich leichter aus einander giebet / und die Feuchtigkeit bey der Wurtzel häuffiger ist) nur mit der Hand ausziehen / und die Wurtzeln / wo es behangen will / fein sauberlich lüfften / oder wo es sich mit der Hand nicht[WS 73] füglich thun lässet / fein behutsam mit einer Haue / kleinen Grabescheid und dergleichen ausheben / damit so wohl diese Wurtzeln / als die nahe beystehenden Stämmlein an sich selbsten und die Schalen nicht verletzet werden. Dieses nun soll geschehen / wenn die Stämmlein etwan 1. 2. 3. oder 4. Jahr alt / ehe die Wurtzeln mit den andern sich allzu sehr verwickeln / und ineinander schlingen / oder allzu starck werden.

So wird man auch die Jahres-Zeit / den Mondschein und Witterung / die Beschaffenheit des Erdreichs / die Art und Geschlechte der Bäume / und endlich das tüchtige Versetzen / wie allbereits oben mit mehrern erinnert / wohl in Obacht nehmen und sich darnach richten / bevorab weil jedes Holtzes Art und Geschlechte seine gewisse und besondere Eigenschafft hat / und also ein ander Tractament erfordert.

§. 4. Unter denen jungen Stämmlein / so zum Versetzen dienen sollen / seynd die besten / so aus Saamen erzielet werden / und also auch am sichersten, daß man solche darzu gebrauche / mit denen Schößlingen / und Sproßen aber / so von der Wurtzel ausschlagen, oder sonsten unten an Stamm stehen / ist so viel nicht auszurichten / bevorab da sie keine Würtzelchen haben; und wäre beßer man schnitte oder hiebe solche bey zeiten ab / so bald man sie gewahr würde / dann sie thun dem Haupt-Stamm Schaden / wenn man solche aufkommen läßet / oder sind Ursach / daß er gar verdirbet / indem der Safft / so dem gantzen Stamm zu Nutze kommen solte / sich alsobald bey denen Schösserlingen arrestiret und solche fortschiebet / hingegen dem Obern Stamm die Nahrung entziehet / oder nicht in die Höhe treibet / daß solcher von oben herein verdorret / und nach und nach abstehet. So geschiehet auch großer Schade / wenn solche Schößlinge oder Sprossen dergestalt abgeschnitten und abgehauen werden / daß zugleich etwas von der Haupt-Wurtzel mit fortgehet / dadurch dem Stamm die Krafft / so die Wurtzel geben soll / mit entzogen wird.

§. 5. So ferne nun das Säen der wilden Bäume in hiesigen Landen soll eingeführet werden / wie denn solches die Noth gnugsam erfordert / so würden sich schon Leute finden so gewisse Baum-Schulen anrichten / das Schock oder Hundert von Aschen / Rüstern / Ahorn / Linden / Eichen / Buchen / Bircken etc. um einen gewissen Preiß verkauffen / und also ihre Nahrung damit treiben dürfften.

So kan man auch ohngefehr wissen / wie viel Stämme ein guter Arbeiter und Tage-Löhner ungefehr des Tages setzen kan / und also wird leicht die Uberrechnung zu machen seyn / wie hoch das Tausend zu kauffen und zu setzen komme.

§. 6. Es ist aber hierbey zu erinnern / daß das Ausheben oder Versetzen vornehmlich von dem Laub-Holtz zu verstehen. Denn das Tangel-Holtz als Tannen / Fichten / Kiefern nicht viel Künstlens leiden / sondern nur von der Natur geheget und fortbracht seyn will; Ingleichen daß nicht nur zarte und junge Stämmlein, sondern auch in etwas starcke und erwachsene fortgesetzet werden können, wovon auch etwas in diesem Capitel gedacht werden wird.

§. 7. Das Wald-Holtz ist am besten zu versetzen / wenn es noch klein / und etwan anderthalb bis 2. Ellen hoch / so braucht es keines Anpfählens / indem es der Wind nicht fassen kan / welches sonst viel kosten und Mühe verursachet.

Jedoch sind auch Bäume / so zwey / drey / bis vierspältig starck seyn / mit guten Effect auszuheben / und zu versetzen / nehmlich man muß dahin trachten / daß bey dem Ausheben / viel Erde an der Wurtzel behangen bleibe / und zu dem Ende / ein Graben rund um dieselbe herum geführet werde / sonderlich bey Frost und Winters-Zeit / da wird Wasser darzu gegossen / daß die Erde an die Wurtzeln friere / und also der Baum damit versetzet werde.

Bey denen Bäumen / so versetzet werden sollen / ist vor allen Dingen zu beobachten / daß sie an Wurtzeln zasicht / an der Rinde glatt / an Stamm gerade / an Ober-Gewächse schön und frisch seyn.

§. 8. Was die Zeit / wenn man am füglichsten und nutzbaresten versetzen und fortpflantzen könne an betrifft / so ist vor Michaelis oder in Sommer dergleichen vorzunehmen nicht tauglich / denn der Safft ist noch hin und wieder in den Stamm ausgebreitet / annoch flüchtig / nicht dicke oder etwas erhärtet / wie im Herbst / die Rinde und Wurtzeln sind auch noch zärtlicher und weicher in Sommer als in Herbst. Denn wenn der Safft gegen oder in den Sommer von der Sonnen erwärmet wird / so steiget er in die Höhe / und hilfft nicht so wohl zum Einwurtzeln / als in Herbst und Frühling / derhalben die Verpflantzung in Sommer nicht vorträglich ist. Wenn die Bäume schon Laub oder gar Blüthe haben / seyn sie nicht auszuheben oder zu versetzen / sonsten der Verderb gewiß darauf erfolgen dürffte. Also sind alle Bäume am besten zuverpflantzen / wenn der Safft ruhig und aus dem Holtze in die Wurtzel getreten / welches die allgemeine Regel ist / und das Abfallen des Laubes giebet an allen Bäumen die sicherste Nachricht / daß der Safft aus dem Stamm sey / weil er das Laub nicht mehr ernehren kan.

Wenn nun das Laub gefallen / so hat der Safft euserlich nicht so viel Würckung / sondern bleibt bey dem Stamm und Wurtzeln / und giebt also beßere Krafft zum Einwurtzeln.

Je zeitlicher man aber nach Michaelis, wenn das Laub fallen will und solches nur gelbe wird / die jungen Stämme verpflantzen kan / je besser ist es.

Denn es saget das Sprichwort: Das zeitliche heurathen und verpflantzen hat niemand gereuet.

Die Alten haben viel auf den Tag Hieronymi gehalten und vermeinet / es verderbe kein Stamm / so an diesen Tag versetzet werde; wie wohl das Versetzen auch in October, ja so lange man zur Herbst-Zeit in die Erde kommen kan / gar füglich geschiehet / denn zu dieser Jahres-Zeit da kommt die Krafft und Feuchtigkeit in der Wurtzel und denn die Winterfeuchte einander zu Hülffe daß der Stamm wohl bekleiben kan. Sonderlich geräth das Herbst-Versetzen wohl / wenn es Winters-Zeit nicht tieff in die Erde frieret / wie zum öfftern geschicht / daß ein Schnee fället / ehe der Frost kommt / und ob gleich hernach ziemliche Kälte eintritt / so frieret es doch nicht durch den Schnee / und also können die verpflantzte Stämme einwurtzeln und gute Nahrung von der Winterfeuchte haben.

Daß aber manche statuiren wolten / es solte der Baum nicht in Krebs- oder Scorpion-Zeichen versetzet werden / sonsten solcher den Krebs bekommen möchte / darauff ist nicht allezeit zu sehen.

§. 9. Ob nun wohl das Baum Versetzen im Herbst sehr nützlich; so ist doch auch der Frühling zu solcher Holtz-Zucht nicht zu verwerffen.

Etliche heben gar die Stämme in Herbst aus / beschneiden die Wurtzeln und setzen alsdenn den Baum in die Erde / worbey sie dasjenige so etwan dran verletzet worden / etwas tiefer einschlagen / hernach auf den Frühling nehmen sie die eingelegten Stämme wieder heraus / so ist die Wunde oder das Beschnittene wieder geheilet / worauf sie selbige zum andern mahl versetzen da sie denn sehr wohl bekommen.

Also ist in etlichen Provinzen sehr gebräuchlich / daß das Versetzen im Frühling verrichtet wird / ehe der Safft völlig in die Aeste tritt und die Knospen treibet.

Es ist aber dabey zu beobachten / daß es zu solcher Zeit geschehe / da kein Frost die Wurtzel trifft / sonsten erfolget Schaden / auch daß kein Frost noch Schnee bey dem Versetzen mit in die Grube komme / denn es verursachet eine Erkältung / so der Stamm lange Zeit nicht überwindet / und wenn bey dem Versetzen Fehler geschehen / so verdirbet der Stamm / oder da er gleich bekleibet / so dauert er entweder nur eine wenige Zeit und Jahre / oder erlanget doch keinen rechten Wachsthum.

Es ist aber hierinnen bey jeden Lande nicht einerley Regel zu gebrauchen / sondern nachdem der Boden und Clima ist / darnach ist sich auch in einem und andern zu richten / unterdessen ist es gewiß daß beym Herbst Versetzen die Winterfeuchte den Wurtzeln guten Safft und Krafft giebet / dergestalt / daß ehe der Frühling heran kömmt / der Baum damit zur Gnüge versehen ist; hergegen bey dem Versetzen in Frühlinge trucknet die Merzen-Lufft nicht nur den Safft in der Wurtzel und Stamm / sondern auch das Erdreich aus / welches denn hernach bey zu nehmender Sommer-Hitze mehr vertrocknet / daß also der Baum / wenn ihm alle Kräffte entzogen / gar leicht beym Versetzen verdirbet.

In späten April ist ebenfalls wegen der folgenden Hitze und warmen Winde zu besorgen / daß die Wurtzel nicht gnugsame Feuchtigkeit erlangen möchte.

Im übrigen ist so wohl wie gedacht bey dem Herbst als Frühlings versetzen zu beobachten[WS 74] daß solches bey zu nehmenden Mondenschein geschehe / ingleichen wenn die Witterung fein temperirt / nicht zu kalt noch zu warm / nicht trucken / noch zu naß ist / die Winde auch nicht starck wehen.

§. 10. Will man nun zum Versetzen schreiten / so muß man entweder die Bäume hierzu aus der Baum-Schule nehmen / oder wenn der Anflug und Wiederwachs zu dicke stehet / daß ein Stämmlein das andere nothwendig verdemmen muß / derer etliche fein behutsam ohne Beschädigung der Wurtzel / wie bereits angeführet / daraus ziehen.

Denn wenn man solche zarte Stämmlein mit Gewalt heraus reisset / so beschädiget und zerreissen leichtlich die kleinen Würtzlein von denen ausgezogen und[WS 75] darneben stehenden Bäumlein / die ihnen doch den besten Safft geben.

Denn die kleinen und neben-Wurtzeln / geben dem Baum die meiste Nahrung und Safft / , die großen aber thun auch das ihrige und halten denselben sonderlich gegen den Wind So weit nun die Trauffe des Baums gehet / so weit erstrecket sich auch meistentheils seine Wurtzel / welches denn in Ausheben und Ausgraben eine Nachricht geben kan.

Ferner so soll man auch sich in acht nehmen / daß bey dem Ausheben die Schale nicht verletzet werde.

So aber etwan eine Wurtzel zerbrechen würde / die muß man feinglatt abschneiden und den Schnitt mit etwas Leim bestreichen / wie sich denn überhaupt vor aller Verwundung der Bäume und Wurtzeln wohl zu hüten ist; denn so viel Schnitte / so viel Wunden; und so viel Wunden / so viel Gefahr / daß der Baum ausgehe / oder daß er nach und nach verderbe / hohl werde / oder sonst keinen Wachsthum erlangen dürffte.

§. 11. Es lassen auch viel bey Aushebung der Stämmlein so viel Erden als an der Wurtzel bleiben will / hangen / versetzens auch also wieder / welches denn nicht zu wiederrathen / und sonderlich bey dem Tangel-Holtz / wenn man den Rasen und Erde bey und an der Wurtzel erhalten / und also versetzen kan / dahero dergleichen Stämmlein außerhalb ihrer Wurtzel umgraben / die Erde alsdenn unterhalb dem Stämmlein loß gemachet / angefeuchtet und derb gedrucket, und also mit Rasen und Erden ausgehoben und wieder versetzet werden.

§. 12. Wie nun weiter ein ausgehobener und zum Versetzen bestimmter Baum zuvor zu praepariren / an Gipfel Aesten und unnöthigen Wurtzeln zubeschneiden / sind vielerley Meynungen.

Die vornehmste / welche auch bewährt und sehr vorträglich befunden worden / ist / daß man insgemein bey dem Laub-Holtz an denen Bäumen / so traublich und Aestig wachsen sollen / die Gipfel abschneide; an denen aber die man zu einen rechten und hohen Schafft haben will / läßet man solche stehen / nimmt hingegen die Aeste / die keinen rechten Wachsthum haben / sammt denen beschädigten Wurtzeln / wie auch die Spieß oder Hertz-Wurtzel so gerade nieder in die Erde gehet hinweg / als welche zwar in guten Boden / aber nicht in geringen beym Versetzen dienlich ist.

Denn weil solche unter sich gehet / so erreichet sie die todte Erde / und ziehet also bösen Safft an sich / so dem Baum und der Frucht schädlich fället / oder ihn gar unfruchtbar machet.

§. 13. Was aber hier von Beschneiden gemeldet worden / solches ist nur von Laub- und nicht von Tangel-Holtze zu verstehen / denn da darf man die Tannen / Fichten / Kiefern etc. an denen Gipfeln nicht verletzen / sonsten ist der Stamm schon so viel als verlohren / allermassen diese Art Bäume gar keinen Schnitt oder Hieb an Gipffel / aber noch wohl etwas an Aesten vertragen kan / hingegen werffen sie ihre unnöthige Aeste unten herum selber ab / und verwächset der Ort nachgehends mit der Rinde.

Es dienet aber das Beschneiden der Aeste an den Laub-Holtze auch zum theil dazu / daß sie der Wind nicht so fassen und beschädigen könne / bis sie einwurtzeln.

Wiewohl man an den Bäumlein / so im Herbst und gegen den Winter versetzet werden / nicht viel abschneiden und verstimmlen soll / denn sonsten die Kälte und Frost auf dem Schnitte stärcker in Stamm einzudringen / auch wohl solcher dadurch gar zu verderben pfleget / sondern es kan die nöthige Beschneidung gegen den Frühling geschehen / damit sie desto eher fortkommen mögen.

§. 14. Man hat aber bey allerhand wilden Bäumen / so man solche beschneidet oder behauet / zu beobachten / daß der Schnitt mit Küh- oder Schweine-Mist bestrichen werde / so gehet der Safft oder Hartz nicht heraus / welches sonsten dem Baum sehr schädlich fället.

Es sollen auch alle Schnitte schreg oder seitwerts geschehen und glatt gemachet werden / damit der Regen und Frost daran nicht hafften möge / welcher sich sonsten hinein / und sonderlich in Kern ziehet und grossen Schaden verursachet.

Es müssen auch weiter dergleichen Schnitte mit einem sonderlichen scharffen / und nicht stumpffen oder gemeinen Brod-Messer verrichtet werden / als wodurch die Bäume leichtlich den Brand bekommen und verderben.

§. 15. Was sonsten von Benehmung der Hertz-Wurtzel oben gemeldet worden / so wird zwar dieses als eine durchgehende Regel von denen Gärtnern statuirt / daß man nehmlich selbige beym Versetzen nicht laßen solte / sonsten trügen sie keine gute Früchte / verdürben auch wohl gar.

Unterdessen kan man dargegen einwenden / daß gleichwohl GOtt der Allmächtige nichts umsonst geschaffen, und also auch die Hertz-Wurtzeln an den Bäumen nicht vergebens seyn, gestalt auch diejenigen Bäume / so nicht versetzet werden / sondern von sich selbsten wachsen / solche behalten und doch darbey wohl fortkommen.

Allein die Erfahrung giebet es / sonderlich bey denen Nuß- und Birn-Bäumen / daß es vorträglicher / wenn solche weggeschnitten / hergegen aber schädlich / wenn sie gelassen wird. Denn diese treibet / und wächset gerade unter sich / und ergreifft alsobald die todte und unartige Erde / darinnen keine gute Nahrung und Krafft befindlich / derohalben auch solche dem Stamm keinen guten Safft und Fortkommens geben kan / sondern die Wurtzel wird anbrüchig / daß der Baum keine gute Früchte herfür bringen mag / und wohl gar verdirbet / indeme er aus Mangel der guten Nahrung / so er aus der Hertz-Wurtzel / die aber in der todten und unfruchtbahren Erde steckt / haben soll / böse Feuchtigkeit an sich ziehet: hingegen aber die Seiten- und Neben-Wurtzeln die lauffen oben in der guten Erde hin / und ziehen daraus guten Safft und Krafft / sonderlich von der Witterung / so von oben her einfället und ihren Einfluß hat.

Es pflegen auch an den Ort / wo die Hertz-Wurtzel abgeschnitten / gemeiniglich andere kleine Würtzelchen wieder hervor zu schiessen.

Inzwischen aber wenn der Boden auch in der Tieffe gut ist / wird man sich ebenfalls hiernach und sonsten nach der situation des Landes zu achten haben / weil die Hertz-Wurtzel den Baum feste hält / gleichsam als wenn er mit Stricken und Seilen angehefftet und angepfälet wäre / daß er von Winden und seiner eigenen Last nicht niedergezogen werde.

§. 16. Die Bäumlein und Stämmlein sollen ferner / wenn sie ausgehoben / nicht lange liegen / denn sie sonsten von der Lufft / Wind und der Sonne ihren Safft leicht verliehren / sondern wenn sie eben an den Tag / da sie ausgehoben / wieder versetzet werden können / ist es am besten.

Solten sie aber weiter verführet oder nicht bald gesetzet werden mögen / und also etliche Tage bloß bleiben müssen / kan man sie hernach mit Stroh oder Mooß verbinden / oder nach Gelegenheit mit den Wurtzeln in lauchlicht Wasser legen / und alsdenn darauf versetzen / welches zum Bekleiben und Fortkommen besondere Hülffe thut / und den Safft und Feuchtigkeit resuscitiret.

Etliche legen die ausgehobene Stämmlein zuvor eine Nacht in eine Mist-Pfütze / so nicht undienlich.

Etliche Baum-Gärtner haben auch den Brauch / daß sie solche ausgehobene Stämmlein in die Erde schlagen / und die Wurtzel damit bedecken / hernach bey ihrer Gelegenheit dieselben nach und nach versetzen.

An den Stamm kan man auch bey dem Ausheben ein Zeichen machen gegen Morgen oder Mitternacht / daß derselbe Versatz wieder gegen solche Nord oder Ost-Seite gekehret werde.

Gute verständige so genannte Holtz-gerechte Leute aber / können aus eines ausgehobenen Stammes Rinde zum offtern erkennen / wo er gegen Mitternacht-werts zuvor gestanden.

§. 17. Die Stärcke derer Stämmlein / so zu verpflantzen / betreffend / so sind die besten / welche nicht über eines rechten Mannes Daum-Finger dicke seyn, denn diese bekommen am ehisten. Sonsten stehet zu eines jeden disposition[WS 76], ob man zum Versetzen einen Graben machen und die Bäumlein in einer Reihe hinein pflantzen / oder vor jeden Stamm ein Loch will zurichten lassen.

Gnug wenn sie nur tüchtig gesetzet werden.

Das erstere ist wohl sonderlich bey den kleinen Bäumlein das allerrathsamste, nimmt auch[WS 77] nicht so viel Raum weg und stehen die Stämme nicht so confus durch einander / die Lufft und Sonne kan besser durchstreichen / auch die Wurtzel in den Raum / so zwischen den Graben ist, und 4. 5. 6. oder mehr Schue breit seyn soll / sich ausbreiten.

Auf solchen Zwischen-Raum kan man auch der Gräserey geniessen und das Graß abschneiden / damit die Stämmlein von solchen nicht verdruckt und verdemmet werden.

Auf einen Acker können 8. 9. oder 10. Reihen neben einander kommen / und in den Gräben jeder Stamm 4. 5. biß 6. Schuh / oder gar nur 2. biß 3. Schuh von einander stehen / welches letztere weit über 1000. Stämme auf einen Acker beträget / so einen ziemlichen Nutzen geben könte.

Sind die Bäumlein noch klein / kan auch nach Beschaffenheit und Güte des Bodens in den Zwischen-Raum Salat / Getreyde / Erbsen / Wicken und dergleichen gesäet werden.

§. 18. Es sollen aber die Gräben / darein man Stämmlein versetzen will / eine Zeitlang zuvor gemacht und offen seyn / damit die Wärme / Nässe / der Frost und andere Witterung darein arbeiten und das Erdreich milder und luckerer machen könne.

Es verbrennen auch etliche Stroh / Laub und andere combustibilia darinnen vor den Versetzen.

Die rechte Breite und Tieffe denen Gräben zu geben / mag auch in acht genommen werden / damit die Stämme gnugsame Wurtzeln gewinnen und einsetzen können / denn hernach wenn sie erstarcken / machen sie sich schon selber Platz und Raum.

Wenn man aber der Löcher sich bedienen will und gerne wolte / daß die Stämmlein schleuniger wachsen solten / als sonsten ordinaire geschicht / muß man ein Jahr zuvor die Löcher machen / damit wie oben bey dem Graben angemercket / die Sonne / Frost / Regen und Schnee darinen würcke und die Unart verzehret / oder temperirt werde / hingegen die schwängernde Lufft und Witterung sich hinein ziehen könne.

Nechst diesen soll man selbe mit guter Düngung anfüllen und von Zeiten zu Zeiten umarbeiten / daß es sich nicht berase / worauf die Stämme zu oben beniemter Zeit und Masse mit Nutzen eingesetzet werden mögen.

§. 19. Daß man dergleichen Löcher auch groß mache / ist nicht schädlich / denn der Boden wird dadurch lucker zum Einwurtzeln / aber es ist sich zu hüten / daß man die todte Erde nicht an die Wurtzeln bringe / und wo die obere Erde bey und unter den Rasen nicht gut / muß man solche / wo es seyn kan / mit Schlam / Holtz-Erde / Maulwurff-Hügeln und dergleichen verbessern; hat man aber gute Erde / so soll man sie auf die Seite legen / daß man sie bey dem Versetzen brauchen und zur Wurtzel bringen könne.

Sonderlich aber ist wohl zu observiren / daß bey leimichten und thonichten Grund man die Löcher nicht allzukleine mache und die Stämmlein also hinein setze / denn sie gleich als eingemauert stehen / und weil der Thon und Leimen feste / so soll man mit einem Grabscheide / oder Spitz-Haue / die Erde daherum lüfften / sonsten können die Wurtzeln nicht durchkommen noch sich ausbreiten / und in der Erden fortlauffen / müssen also die Bäume nothwendig verderben.

In mancher Gruben bleibet auch das Wasser stehen / weil es die Fettigkeit des Leimens nicht durchlässet und die Wurtzel in Wasser verdirbet. Bey solchen Boden seyn die Gräben / so eine rechte Breite haben / die sichersten.

Wenn man aber das Land gar umgräbet / oder ackert / so ist es noch besser als Graben machen.

§. 20. Wenn nun also die Stämmlein zum Versetzen zubereitet / und wo nöthig / beschnitten und ausgeschneidelt / so setzet man sie in die Gräben oder Löcher / nicht zu tief noch zu seichte / nur daß sie etwas feste stehen / und von Winde nicht ausgerissen werden / deswegen man sie auch an Pfählen oder mit Stecken befestiget; In luckerer Erden soll man die jungen Bäume etwas tieffer setzen / als in Leimen und Thon / in jener etwan 6. in dieser 3. oder 4. Zoll tieff.

Man soll keinen jungen Baum viel tieffer setzen / als einen halben oder gantzen Schuh / denn Sommers-zeit wird selten ein Regen tieffer eindringen als eines halben Schuhes / und dahero bleibet die Wurtzel ohne Feuchtigkeit / ingleichen kan die Sonnen-Wärme / Thau und andere Witterung nicht dahin gelangen / welches man alles wohl beobachten soll / weil das meiste Unheil in Versetzen geschieht / daß nehmlich die Bäume insgemein zu tief gesetzet werden und deswegen verderben.

So viel die situation des Bodens betrifft / sind die hügelichten und etwas erhobene Oerter fast am besten zu den Frucht-tragenden Bäumen / denn die allzu viele Feuchtigkeit kan sich an Gehängen desto besser abziehen / und bleibt nicht um die Wurtzel her stehen / wie in Thälern und auf der Ebene.

§. 21. Auf und unter der Wurtzel leget man etwas gute Erde / hernach den Rasen umgekehrt darüber / ferner mehr Erde / und alsdenn wohl eingetreten.

Theils stellen den Rasen umgekehrt unten in das Loch oder Grube / legen etwas gute Erde drauf / und setzen sodenn das Bäumlein ein / breiten die Wurtzeln in allen Winckeln fein aus / und bringen ferner die übrige Erde darein.

Jedoch ist / wie bereits erwehnet / in acht zu nehmen / daß man die todte Erde (oder die tief unten heraus gegraben wird / in welcher kein Geist oder Leben ist / sondern was sie berühret / verderbet) nicht auf oder an die Wurtzel bringe / sondern es ist besser / man lässet sie davon / und nimmt in der Nähe etwas obere Erde darzu. Säge-Späne sind auch gut unter das Erdreich zumengen / aber nicht die Eichene / sondern nur die von weichen Holtz.

Wenn die Erde mit Laug-Asche vermischet wird / so wehret sie den Ungeziefer.

§. 22. Die Düngung und Rasen / so man zu Verbesserung des Erdreichs mit in die Grube schläget / sollen die Wurtzel nicht berühren, damit sie derselben keine Fäulniß verursachen; desgleichen soll auch die Erde unter und um die Wurtzel wohl herumb geschüttet und befestiget werden / daß diese ja nicht hohl bleibe und das Ungeziefer / als Kröten und dergleichen sich darunter aufhalten noch die Lufft sich hinein ziehen und die Wurtzel austreugen könne / welches denn sehr schädlich / derhalben die Erde mit dem Spaten derb zu machen und einzutreten ist.

§. 23. Gleich wie mans an ieden Stämmlein sehen kan / ob die Wurtzel unter sich oder in die Fläche will; Also muß man sich auch in Versetzen darnach richten.

Denn kömmt die Wurtzel / so zuvor an der Lufft gestanden / tieff in die Erde / so verdirbet sie gar leicht / auch gehet die Rinde ab / und muß also der Baum ersterben. Ist sie aber zuvor in der Erde tieff gestanden und kömmt bey dem Versetzen heraus und an die Lufft / so ist es ebenfalls schädlich. Man soll auch / wie jetzt gedacht, zusehen / daß um die Wurtzel nichts hohl sey / sondern das Euserste derselben niederwerts oder gleich legen und nicht in die Höhe stehen lassen / so kan sie den Safft besser an sich ziehen.

Ist die Erde gar zu lucker / so wird der Baum zwar wohl einwurtzeln / aber er stehet nicht feste / und der Wind kan solchen gar leicht umwerffen / oder durch das stete Rütteln die Wurtzeln loß machen / und also leidet der Stamm Schaden.

Ist das Erdreich aber allzu feste und derb / daß die Wurtzel nicht eindringen kan / so hat der Baum keine Nahrung und folglich kein Fortkommens / derhalben das Mittel hier wohl zubeobachten.

§. 24. Wie tieff auch ein Bäumlein in die Erde zubringen / wollen wir über obiges noch mit mehrern in etwas berichten / nehmlich wenn ein Baum / etwan eines Schuhes tieff mit dem Stamm von der Wurtzel an / in der Erden stehet / so ists übertieff genug. Hierbey soll / wenn die Versetzung zur Frühlings-Zeit beschiehet / die Grube bey einen starcken Stämmlein eines halben Schuhes tieff mehr oder weniger unangefüllet bleiben / daß die Feuchtigkeit in dieselbe ziehen könne, auch sollen wohl Gräblein dabey gemachet werden / darinnen das Wasser zulauffen könne.

In trucknen Erdreich kan man die Stämme etwas tieffer als sonsten setzen / hingegen eine Grube um selbige lassen / daß sich der Regen darein sammle.

Denn wenn die Erde um den Stamm / wie die meisten thun / erhöhet ist / so schiesset das Wasser abe / daß also solcher Baum eingehen und verderben muß.

In sandigen Boden / ingleichen wo es abhängig / kan man die Bäume auch etwas tieffer setzen / als insgemein / und als in leimichter / thonigter und fetter Erden. Sonsten aber ist das rechte Maaß wann sie so tieff kommen / als sie zuvor gestanden.

Jedoch wenn das Versetzen in Herbst geschiehet / kan man sie etwas anhäuffeln / und dadurch vor der Kälte und allzu grossen Nässe verwahren / hernach aber im Frühling das angehauffelte wieder wegräumen.

Es wird aber auch / wie obangeführt / genaue Achtung zugeben seyn / daß ein Baum nicht zu tieff gesetzet werde / denn wenn er gesetzet ist / so sincket er ohne das etwas tieffer in kurtzer Zeit hernach / und wenn er zu tieff stehet / kan er kein gut Fortkommens haben.

§. 25. Ist der Ort / wohin gesäet oder gepflantzet wird / den Winden sehr offen oder unterworffen / so sollen die Bäume näher und dicker beysammen stehen / als sonsten / damit sie denen selben beßer wiederstehen können / sonderlich ist dieses an denen äußersten Ecken in acht zu nehmen / wo der Wind antreffen kan.

Dabey hat man auch zu überlegen / welche Art Bäume gerne in die Breite / und welche lieber in die Höhe wächset / um bey dem Versetzen damit zu alterniren.

Wenn auch die Bäume etwas dichter beysammen stehen / so müßen sie sich in die Höhe begeben / damit sie der Sonnen Einfluß genießen können. Die Trag- oder Mast-Eichen müßen Raum haben / derhalben sie an besten an Rändern stehen / denn mitten im Holtze nehmen sie allzu viel Platz ein.

§. 26. Was das Anpfählen der jungen Stämmlein betrifft / so sind derer viel / so vor nöthig achten / daß man solche an einem Pfahl heffte / sonderlich gegen den West- und Nord-Wind / als die in hiesigen Landen am meisten gespühret werden.

Theils wollen / man solle sie mit 3. Pfählen gegen alle Winde verwahren / auch zwischen den Stamm und Pfahl etwas Moos einbringen / damit die Rinde des Bäumleins durch das Anreiben an die Pfäle sich nicht verletze.

Nicht wenigere aber sind der Meynung / man solte sie gar nicht anpfählen so würden die Wurtzeln desto eher feste; hingegen legen sie Steine auf die Wurtzeln / laßen aber auch das Erdreich wohl eintreten / und wenn der Stamm eingewurtzelt / thun sie solche wieder weg.

Man überläßet solches des geehrtesten Lesers Beurtheilung / doch wird wohl nicht zu rathen seyn / ein junges Bäumlein zwischen großen Bäumen wieder den Wind zu pflantzen / weil solches fortzubringen sonderlich im Versetzen schwer hergehet / denn obenher benehmen ihnen die hohen Bäume die Sonne / und unten hat es wegen jener starcken Wurtzeln keine Nahrung.

§. 27. Was bishero von Ausheben und Versetzen gehandelt worden / gehet nur die jungen und zarten Stämme an; will man aber die ältern und die etwas stärckere Wurtzeln haben / hierzu brauchen / soll man in die Wurtzel mit einen Hohlböhrer unterschiedliche Löcher machen / schwache weidene gantz frische Rüthlein durch ziehen und also versetzen.

Diese Rüthlein wurtzeln bald und bringen den Baum fort / dergestalt das man die grösten Stämme damit glücklich versetzen und zum bekleiben fortbringen kan.

Dahero wäre sich überhaupt nach der Größe / und Stärcke des Baumes zu achten / daß wo es nöthig befunden würde / man allezeit eine Spanne oder halbe Elle lang ein Rüthlein nach den andern in die Wurtzeln einziehen möchte / jedoch mit der Behutsamkeit / daß man die Schale / und Knospen an denen Rüthlein nicht verletze / damit sie eher Würtzelgen und Zäsergen werffen / und also des Stamms Wurtzel desto mehr Nahrung zu führen mögen.

§. 28. Wenn man mit Sprößlingen / so an der Wurtzel ausschlagen die Baum-Zucht fortsetzen will / so kan man solche mit guter Erde anhauffeln / wodurch sie Wurtzeln zum Versetzen bekommen; so man sie aber ablöset / ist fleißig nachzusehen / daß etwas von der Mutter-Wurtzel dran bleibe.

Denn wenn solche Schößlinge nicht gute Wurtzeln haben / bekommen sie nicht / oder erlangen doch keinen rechten Wachsthum.

§. 29. Wenn man nun gepflantzete Bäume / sonderlich da dürre Wetter einfällt / mäßig wäßern kan / so bekleiben sie desto leichtlicher / es muß aber das Wasser gut seyn und düngen / worzu das jenige / so in Teichen und Pfützen stehet / besser dienet / als das frische Quell-Wasser.

Im übrigen aber ist das Düngen darbey nicht nöthig / wenn anders der Rasen nur wohl zerklopffet und zerschlagen wird.

§. 30. Das offtmahlige Fortsetzen der jungen Bäume halten viel sehr dienlich / sonderlich wegen der künfftigen Früchte / wie denn solches bey den Obst-Bäumen guten effect hat / zumahl wenn es allezeit in bessern Boden geschicht; alleine bey dem Wald-Holtze scheinet das öfftere Umsetzen theils sehr kostbar / theils auch sehr schädlich zu seyn / indem es ohne Verletzung der Wurtzel und des Stammes nicht leicht abgehet / auch viel Zeit verlohren wird / ehe ein solcher Stamm einwurtzelt und sich erholet / wie wir in frembden Gärten ersehen / auch in der Tuillerie zu Pariß an denen daselbst gepflantzeten Tannen wahr zunehmen / daß sie nimmermehr den Wuchs erlangen / so sie in Wäldern haben / allermassen es auch der Augenschein gibt an den Cedern / so wir in unsern Gärten pflantzen / welche bey guter Pflegung gar schlecht wachsen hingegen in andern Ländern von Saamen auf denen höchsten und kalten Gebürgen zu einer wunderswürdigen Höhe und Größe gedeyen.

§. 31. Wenn die Tangeln bey einen versetzten Fichtlein oder Tännlein etwas abfallen / so ist es ein Zeichen / daß es bekleibet; wenn aber dieselben welck werden / so hat man ein Merckmahl / daß das Bäumlein verderden werde / indem der Safft / an statt / daß er in die Wurtzel sich begeben solte / in die Höhe und in den Gipfel gestiegen.

§. 32. Gleich wie aber beym Versetzen viele Mühe und Besorgniß / also ist insgemein die Baum-Zucht / oder Vermehrung des wilden Holtzes besser durch das Säen als durch jenes fortzubringen / indem kein Baum / so versetzt wird in 5. biß 6. Jahren sich recht erholet und die Aenderung verwindet / welches aber von denen Stämmlein nicht zubefürchten.

Denn wenn solche guten und ihnen anständigen Boden haben / so wachsen sie unverhindert und schnelle fort / bleiben auch ohne Beschädigung / welches aber in Ausheben / Führen und Tragen / auch im Versetzen nicht wohl zu meiden / sie geschehe nun an der Wurtzel / Stamm oder Rinde. Unterdessen ob wohl der Natur bey Wart- und Fortbringung der wilden Bäume der Vorzug gelassen wird / so kan man doch nicht in Abrede seyn daß die Kunst sie auf gewisse Masse in Versetzen derselben übertreffe.

Denn es lässet ja anmuthiger wenn es durch Kunst so eingerichtet wird daß ein hoher Baum / und denn ein niedriger Wechsels-weise in einer Reihe stehen / als wenn eine Asche / Ilme / Linde / und denn eine schöne Ahorn etc. ohne Ordnung von der Natur erzeuget / daher wachsen.

So giebt es auch ein ungemein schönes Aussehen / wenn in einer gleichen Höhe eine gantze Reihe Linden / in einer andern Castanien / wieder in einer andern Welsche Nüsse / wie auch Eichen / Aschen / Ilmen / Pappeln / Ahorn / Weiden etc. zu befinden seyn.

Doch muß man hier Acht haben / daß sie nicht zu nahe zusammen gesetzt werden / und einer den andern verhindere.

Denn es will diesfals ein Unterscheid unter den Bäumen zu machen seyn / indem die Eiche und Linde mehr Raum haben wollen / als die Ilme / Asche / und so fort.

§. 33. Schließlichen auch des Bodens Güte mit wenigen zugedencken / so dienet alle Verbesserung desselben / auch die / so beym Versetzen geschehen möchte / nicht allein voritzo / sondern auch viel ja 100. und mehr Jahr denen Nachkommen zum besten.

Doch will bey dem Versetzen, so wohl das Gewächse / als die Natur und Eigenschafft des Baums und des Grund und Bodens zu oserviren seyn.

Denn ist der Boden gut und treibend / so können die Bäume nahe bey einanderstehen; wo er aber geringe / soll man zusehen / daß man sie in einer rechten distanz von einander auffbringe / sonst benimmt einer dem andern die Nahrung / verbutten und vergehen gar / weil sie die Erde nicht alle ernehren kan.

Auf trucknen Boden ist das Versetzen im Herbst / auf naßen aber im Frühling vorträglicher.

Sonderlich hat man zu beobachten / welches Holtz / von truckner oder feuchter Eigenschafft / und beym Säen und Pflantzen sich darnach zu richten.

Hierbey wird nachfolgendes / so dieserwegen beym Versetzen der Bäume zu observiren seyn möchte / zu wiederhohlen / nicht verdrüßlichen fallen / ob es gleich an andern dienlichen Orten auch angemercket; Unter denen Bäumen die gerne auf feuchten und naßen Boden / auch nahe an Flüssen / Bächen / Teichen und Seen / ja gar im Morasten wachsen / sind die Erle / die Aspe / die Pappelweide und andere Geschlechte der Weiden alle; Jedoch wächset die Erle und Weide auch auf trucknen Lande / und sind diese beeden so zu reden amphibisch / aber sie erlangen keinen solchen Wachsthum / als wenn die Wurtzel das Wasser erreichen kan.

Hingegen wachsen die andern Bäume gerne alle in trucknen Boden / oder solchen / der zwischen trucknen und feuchten temperiret ist.

Bäume an Orte zu pflantzen / wo ihnen die Erde widrig / als diejenigen / so gerne trocken stehen / an nasse Orte / und die so nassen Boden lieben / an truckne Orte versetzen / werden wider ihre Natur da solche nicht fortzubringen / und die Arbeit und Unkosten vergebens seyn.

Gleiche Beschaffenheit hat es mit denenjenigen / so die Thäler oder Flächen / und denen andern / so die Höhen und die Berge lieben.

Wenn der Grund etwas kiesigt (wie denn wohl gar etliche Kieselsteine unter der Erde an die Wurtzel legen) so lüfftet und erfrischet er das Holtz / hält die Erde lucker / daß die feuchte Lufft und Wasser ehe dazu dringen könne / die Wurtzeln aber machen in steinigten und felsigten Boden / auch wohl in starcken Mauren sich selbsten den Weg / schlingen sich um die Steine herum / und wo es ein wenig klufftig / dringen sie mit den anhangenden kleinen Fäserlein und Zäserlein hinein / klemmen sich so feste an / daß sie nicht zubewegen / und suchen also ihre Nahrung und Safft / ja sie treiben / indem sie sich ergrössern und zunehmen / die hartesten Felsen und Mauren von einander und lüfften solche auf / biß sie auf den Grund hinein kommen.

Man setzet auch nicht gerne einen Baum an den Ort / wo vorhin ein anderer verdorben / es sey denn daß man die Erde ausgegraben oder mit anderer vermenget.

Wenn nun alles bey des Baumes Versetzen wohl concurriret / daß er in guter Erde zu rechter Zeit gesetzet wird / gute Wurtzel hat / an nöthigen Feuchtigkeiten kein Mangel / auch Lufft und Sonne dabey wohl würcken kan / und was dergleichen nothwendige Umstände noch mehr seyn / so ist an desselben Aufkommen nicht zuzweiffeln; wo aber dergleichen Stücke eines oder mehr mangeln / kan der Baum auch leicht verderben.


Das Siebenzehende Capitel.
Von Fortpflantzung frembder und ausländischer
Gewächse und Bäume in hiesigen Landen / auch von
unterschiedenen Arten frembder Bäume.

§. 1. 2. Ob es eine unnöthige und fürwitzige Sache sey frembde Bäume in andern Ländern fortzupflantzen.

§. 3. Erweiß daß dergleichen zu praestiren / und die aus einen wärmern climate kommende[WS 78] Bäume zu einen kältern zu gewohnen möglich sey. §. 4. Exempel von der Aloe. Beschreibung einer so in Leipzig zu befinden gewesen.

§. 5. Was vor Nutzen aus dieser Fortpflantzung gezogen werden könte?

§. 6. Nutz des Keusch-Baums.

§. 7. Von der Baumwollen Staude

§. 8. Vom Cedern-Baum / deßen Gattungen und Tugenden.

§. 9. Von der Verschwendung dieses Baums und warum er so wenig mehr gefunden wird.

§. 10. Siberische Cedern.

§. 11. Citronen wie sie in Italien und an andere Orte gekommen. Von Citronen und dergleichen Früchten in Crayn.

§. 12. Beschreibung des Cypreßen-Baums. Warum man selbigen vor diesen bey den Gräbern und Verbrennung der Leichen gebraucht. Persische Cypreßen. Wie sie hier zu Lande fortzupflantzen.

§. 13. Ebenholtz / wo es wachse. Warum die Mohren ihre Götter daraus schnitzen. Wie es geröstet wird. Ebenum fossile.

§. 14. Feigen-Baum / wo er sonderlich wachse / dessen unterschiedene Gattungen.

§. 15. Terpertin-Baum und Kellers-Halß.

§. 16. Beschreibung des Mastix-Baums.

§. 17. Von Muscaten-Baum.

§. 18. Von Pistacien.

§. 19. Palm-Baums Benennung und Geschlechte.

§. 20. Wie er das Jahr vorstellet.

§. 21. Seine Früchte und Nutzbarkeit.

§. 22. Beschreibung und Eintheilung in das Männlein und Weiblein / auch etliche merckwürdige Begebenheiten darvon.

§. 23. Beschreibung des Oel-Baums / deßen Dauerhafftigkeit. Wenn er in Italien kommen.

§. 24. Von Pfirsich / wilden Pumpernüß- und Seven-Baum.

§. 25. Von Tamariscken / wilden Wein-Reben und Zimmet-Baum. Nelcken-Bäume in Teutschland. Hohe Juden-Kirsch-Bäume.

§. 26. Mehr Exempel und Erweiß / daß frembde nützliche Gewächse unter einem andern Climate fortzubringen / und was solches hindere.

§. 27. Indianisches wildes Holtz könte mit Nutzen in Europa gepflantzet werden.

§. 28. Was die Römer vor Früchte aus frembden Landen in Italien gebracht / wie auch dererselben curiosität hierunter.

§. 29. Was vor allerhand Arten Citronen in Europa gepflantzet worden. Von den Aepffeln de China wie sie die Portugiesen in ihr Land gebracht.

§. 30. Was vor ausländische Früchte in Teutschland mit großen Nutzen erzielet werden.

§. 31. Untersuchung derer Ursachen warum hierunter nicht ein mehrers geschiehet.

§. 32. Vorschlag des Autoris von des Genest Einführung in Teutschland / ingleichen

§. 33. Des wilden Holtzes aus Indien.

§. 34. Wie man die frembden Gewächse in kalten Ländern fortbringen könne.

§. 1.

ES möchte wohl dieser Titel einem oder den andern vor kommen / als eine theils / wo nicht gar unmögliche / doch unnöthige / theils auch als eine vorwitzige Sache; Sintemahl was die Natur von selbsten an jeden Ort hervor bringet / dasselbe wächset ohne einige menschliche Wartung wenn kein Unfall darzu kommt / in die Höhe / und hat sein ungehindertes Zunehmen und Wachsthum.

Wem ist auch unbekant / daß die wilden Stämme / so in grossen Heiden und Wäldern von sich selbst frey und ungehindert / entweder von ihrem eigenen Saamen oder von Wurtzeln anderer Bäume ausschlagen und aufwachsen / einen bessern Wuchs haben / auch länger dauren und älter werden / als diejenigen / so der Mensch pflantzet und viel Fleiß und Arbeit dabey anwendet.

Ja es ist recht wunderwürdig / daß selbige nach dem Trieb der Natur und Witterung so lustig auf- und fortwachsen / auch nicht mehr Aeste auf sich laden oder treiben / als sie mit ihrem Safft ernehren können / oder aber / so derer zu viel sind / sie durch Trieb der Natur denen untersten den Safft und Nahrung entziehen / daß sie verdorren und abfallen / und dem Baum unschädlich seyn müssen / und wo dergleichen Aeste gestanden / so laufft die Rinde darüber / daß es glat wird / und der Stamm von unten auf gerade und gleich / auch zu allerhand Gebrauch dienlich und bequem empor steige. Hingegen die Bäume, so gesetzt und gepflantzet werden / werden gar leicht beschädiget / verwundet / zerstümmelt und zerbrochen / oder zur Unzeit gehandthieret / durch des Menschen Unwissenheit / Unfleiß oder Unachtsamkeit versäumet / daher es wohl das Ansehen gewinnen möchte / daß man der Natur ihre Kinder zu gedeylicher Erziehung allein überlassen und selbe mit frembden Gewächsen als Stieff-Kindern an andern Orten nicht überladen solle.

§. 2. Ferner weiln der grosse GOtt seine Weißheit und Güte zuerkennen zu geben fast einem jeden Lande nebst andern Gaben auch besondere Gewächse verliehen / und solche damit vor andern gezieret / so wird es fast einem Fürwitz gleich sehen / wenn man dergleichen Gewächse andern geben / und was GOtt ihnen absonderlich gegönnet / divulgiren und gemein machen wolte. Allein auf das letztere zu erst zu antworten / so gereichet es nicht zu einigen Eingriff in Göttliche Verordnungen oder Mildigkeiten / sondern vielmehr zur Ausbreitung und mehrerer Bewunderung der unbegreifflichen Allmacht des grossen Schöpffers / wenn man desselben preißwürdige Wercke und Geschöpffe / so in weit entlegnen Orten anzutreffen / auch in der Nähe sehen und erkennen kan.

Wer hat ohne Verwunderung lesen können / was in denen Indianischen Schiffarten nicht allein von mancherley seltzamen Thieren / sondern auch von frembden Gewächsen aufgezeichnet und theils in Kupffer-Stich vorgestellet wird? Wem erwecket nicht eine sonderliche Belustigung die Lesung und Duchsehung des kostbaren und in vielen Theilen bestehenden Buchs in folio, Hortus Malabaricus genannt / so auf Angeben und Direction des Herrn Henrici van Rheden, vormahligen Gouverneur der Landschafft Malabar durch Johannem Munnicks Med. D. und Prof. zu Utrecht / c. Johannis Comelini Notis nach und nach heraus gegeben worden / in dessen IV. Tomo zu Amsterdam 1683. gedruckt von denen in berührter Landschafft befindlichen Bäumen gehandelt wird.

Wie viel Verwunderung würde es erwecken / wie kräfftiger würde solches die Göttliche Güte und Allmacht zupreisen aufmuntern / wenn das Original selber uns vor die Augen gestellet würde / da die copie vorhin eine solche Bewegung in uns zu erwecken / kräfftig gewesen; Und darf man auch / was den ersten Einwurff belanget / nicht meynen / als ob solche Gewächse / so aus frembden Landen hieher zu uns bracht werden / gar nicht aufzubringen wären.

§. 3. Es bezeuget die Erfahrung / daß die meisten Arten von Bäumen / so aus warmen Orten oder aus einem wärmern Climate kommen / wenn sie nur etliche / als 3. 4. oder 6. Jahr alt und recht in Acht genommen worden / daß sie nicht erfrieren / dieselben dauren und gewohnen nach und nach der Kälte und der Witterung / ja man soll Exempel haben / daß man nur kleine Reißlein oder Aestlein von gewissen Bäumen / aus denen andern Theilen der Welt in Europam bracht / welche unterwegs mit Haußwurtz / auch mit Wasser feuchte gehalten / in etwas Erde gestecket / und mit Mooß und dergleichen wohl umwickelt worden / mit guten succes über Meer gebracht / und da und dort glücklich gepflantzet / aufgewachsen und fortkommen.

An vielen Orten findet man unterschiedene Arten Baum-Gewächse / so aus Ost- und West-Indien / auch Africa so theils in Saamen und Nebenschossen / oder mit den Wurtzeln über und fortbracht / in Gärten behalten / und weil sie der Lufft allgemach gewohnet / theils weiter wieder fortgepflantzet werden. Wiewohl man fürgiebt / daß unterschiedene Indianische Früchte nicht in Europam zu bringen / indem selbige / wenn man den AEquatorem passiret / und unter den Nord-Pol kommt / anfahen zu verderben und zu verfaulen.

Die Zucker-Rohre wachsen auch in Holländischen Gärten / und saget man / die Pflantzung soll mehr neu / als beschwerlich seyn.

Ja man bedencke / was seit 200. oder mehr Jahren vor mancherley Arten von Bäumen / Früchten / Kräutern / Wurtzeln / Blumen-Gewächse / Weinstöcken und andern Garten-Früchten und Zierrathen in unser Teutschland aus andern Ländern, und dergleichen auch wieder zurück sind gebracht und fortgepflantzet worden / welche des Bodens und des Landes Witterung nach und nach / oder von Zeiten zu Zeiten also gewohnet / daß sie wohl bessere und grössere Früchte bringen / als fast in warmen Ländern; wie denn die Historien geben / daß unterschiedliche uns nunmehro gemeine Früchte aus Asia und Africa zu der Römer Zeiten in Italien und ferner bracht und allda gepflantzet worden / wie bey dem Plinio zu lesen und bald mit mehrern dargethan werden wird.

§. 4. Wir wollen indessen nur der Aloë gedencken / welche erstlich aus Africa und Asia, endlich gar aus America zu uns in Teutschland ist überbracht worden / allwo sie an dem Boden keine Stieff-Mutter gefunden. Denn da sie sonsten (wie man insgemein davor gehalten) 100. Jahr oder ein gantzes Seculum zu ihrer Blüte erfordert / so ist sie durch fleißige Wartung in 25. Jahren dahin bracht / daß sie arboresciret einen Stengel von 25. Werckschuh hoch getrieben / so an die 25. Aeste von sich gestoßen und auf denenselben ingesamt 5133. Blumen hervor bracht.

Diese ist Anno 1700. in dem Bosischen schönen Garten zu Leipzig befindlich gewesen und selbst von Ihrer Majest. der Königin in Pohlen / so von Torgau nach Leipzig / dieses blühende Wunder zu sehen / gereiset / auch sonst von einer unzehligen Menge Volcks bey wehrender Michaelis Messe mit großer Verwunderung betrachtet worden / anderer so hin und wieder in Teutschland geblühet / und von denen etlichen gantze Tractate geschrieben / zugeschweigen.

§. 5. Wenn es müglich / daß die vielfältigen Arten der Bäume / so man in andern Ländern hat / in theils Provinzien von Teutschland könten gebracht und darinnen fortgepflantzet werden / wie etzlicher maßen daran nicht zu zweiffeln / so könten diese sich glücklich schätzen. Denn sie geben fast alles / was zur menschlichen Nothdurfft und Unterhaltung dienen kan. Unter andern ist der Baum in Ost-Indien / so Brodt / und der Wollen-Baum / so Wolle zur Kleidung giebet / der Inselt-Baum in China, so Inselt in großer Menge träget / und die mannigfaltigen Früchte / so die Bäume tragen / sind ja an der Güte und Menge unendlich; der Cocos Baum giebt Butter / Wein / Eßig und Brandewein etc. und wer könte alle die Nutzbarkeiten erzehlen / daß man wohl sagen kan: Ist der Mensch durch eines Baumes Frucht gefallen; so hat GOtt denselben durch die Bäume und Früchte in seinem Leben über flüßig gesegnet damit der Fall und Schmertzen / so daraus den Menschen zu gewachsen / in etwas gelindert werden möchte.

§. 6. Es ist auch unter andern zu der Menschen sonderbahren Besten erschaffen Agnus castus, Keuschlamb oder Keusch-Baum / von welchem Discorides schreibet Lib 1. c. 116. daß dessen Blätter / wenn man darmit räuchert / oder sie unterstreuet / allem Gifft widerstehen / auch den Schlangen-Biß heilen sollen.

Desgleichen soll derjenige so einen Stab von diesen Baum in der Hand träget / sich keinen Wolff gehen.

Die Alten haben geschrieben / daß zu Athen etliche erbare Matronen ihr Lager auf dieses Baums Blätter oder Laub gehabt haben / um stete Keuschheit zu halten.

Derhalben ein alter Teutscher gesaget: Daß er solche Gewächse und Laub denen Kloster-Leuten schencke / so Keuschheit zuhalten gelobet / ihre Ruhe darauf zu haben, damit sie ihren Eyde / den sie deßwegen gethan / Genüge leisten möchten.

§. 7. In Indien / Arabia und Africa sind die Baum-Wollen-Stauden in grosser Menge / wie Herodotus und Theophrastus schreiben.

Diese Stauden oder Bäumlein kriegen viel Zweige und dreygespaltene Blätter / dem Wein-Laub nicht ungleich / doch etwas kleiner.

Die Blumen sind gelbe und inwendig Purpur-Farben und bey nahe den Pappel-Blumen ähnlich. Die Frucht zeitiget bald nach der Blüte / daher den gantzen Sommer durch / beydes Blüthe und Früchte an den Bäumlein gefunden werden sollen. Die Früchte sind wie härige Haselnüsse gestalt / wenn dieselbigen zeitig werden / spalten oder springen sie von sich selbst auf / alsdenn thut sich die weiße Wolle Lockweise herfür / wird gesponnen / und giebt schönen Zeug; Aus den Baumwollenen Lumpen / wird auch gut Pappier gemacht.

Diese Stauden werden zwar an theils Orten in Europa gepflantzet / aber sie tragen keine Früchte.

§. 8. Es sind zweyerley Arten der Cedern Bäume / eine die grössere / welche Zapffen träget / die andere aber die kleinere / so Beere / denn Wacholder-Beeren nicht ungleich / hervor bringet. Die grössere ist ein gerader und sehr hoher Baum / daß er auch alle andere / so Zapffen tragen / an der Höhe übersteiget.

An Stamm ist er offt so dicke / daß wie Theophrastus bezeuget / vier Männer solchen nicht umklafftern können.

Die Aeste schlagen nicht weit von der Erde aus / rund um den Stamm und breiten sich weit aus / je höher aber sie am Stamm stehen / je kleiner sind sie / also / daß von ferne solche Bäume / wie Flamm-Seulen / oder Pyramides anzusehen seyn.

Die Nadeln sind gleich denen an den Kihn-Bäumen / oder Kiefern / jedoch kürtzer / auch nicht so spitzig; die Zapffen hangen nicht abwerts / sondern stehen gerade in die Höhe / und sitzen dieselbe / wie Bellonus schreibet / so feste an den Aesten / daß sie ohne ein Stück von denselben nicht wohl abgerissen werden können.

Es ist dieser Baum häuffig im Syria auf den Berg Libano, Tauro und Amano befindlich gewesen.

Die kleinere Art Cedern wächset in Italien, Istria und andern Orten / wird auch in unsern Gärten gezeuget.

Diese wird kaum eines Arms oder Beins starck / wird auch nicht gar hoch / gleich den Cypressen / so von Saamen in unsern Landen erzeuget werden. Das Holtz der grossen Cedern ist sehr dauerhafft / und wird nicht Wurmstichig / derhalben die Götzen und andere Bilder und Seulen / aus demselben geschnitzet worden.

Ingleichen ist es dieser Eigenschafft halber sehr zum Schiff-Bau / wie auch zu Decken der Kirchen und Palläste gebraucht worden / weil es keine Risse noch Spalten bekommt / maßen denn auch der weise König Salomon das Hauß des HErrn gespündet mit Cedern beyde oben und an Wänden. 1. Reg. 6. v. 9. Nach Plinii Zeugniß lib. 24. c. 5. sollen die Schlangen vertrieben werden / wenn man Späne von Cedern auf glüende Kohlen lege. Ingleichen sind auch Leute / so den Stein gehabt / und sich zu den Ceder-Träncken gewehnet / gäntzlich davon liberiret worden, und zu einem hohen Alter gelanget.

§. 9. Ob nun wohl die Cedern vor Zeiten in unglaubiger Menge auf dem Berge Libano gewachsen / also daß / da obgedachter König Salomo zu den Tempel-Bau / Cedern wolte fällen lassen / er auf dem Libano 80000. Hauer und 70000. Träger gehalten / nebenst 3600. Aufseher / die das Volck zum Dienst anhielten. 2. Chron. 2, 18. so ist doch von so grossen Uberfluß anitzo wenig oder gar nichts mehr verhanden / denn wie Dr. Rauhwolff in seiner Beschreibung nach den gelobten Lande meldet / sind nicht mehr als etwan 24. Cedern-Bäume übrig verhanden gewesen / wovon oben etwas mehrers gemeldet.

Woraus denn gar leicht und füglich zu schliessen / daß man sothane Bäume an diesen Ort zu sehr ruiniret / solche Gebürge von Holtze gar entblößet und also desoliret / daß man gleichfalls vor alters auf den jungen Wiederwachs der Orte nicht bedacht gewesen / sondern nur in Tag hinein weggehauen / und die Höltzer abgetrieben / aber wegen derer vielen Revolutionen daselbst / nicht bedacht gewesen / wo die jungen Cedern wieder aufgebracht werden möchten / noch zu solchen Ende Saamen-Bäume gelassen worden / dergestalt, daß man nach der Zeit kein Mittel finden können / dergleichen tieff eingerissenen Mangel abzuhelffen.

In America sind ebenfalls viel Cedern gefunden worden. Denn als die Spanier in das Königreich Mexico kommen / ist hiervon ein grosser Uberfluß[WS 79] daselbst zu befinden gewesen / wie denn die Indianer ihre grosse Baum-Garten damit umschlossen / und verwahrt / und also viel 1000. an Statt der Wände und Zäune daherum gepflantzet / ohne was sonst auf den Gebürgen und Ebenen gewachsen.

Die Spanier aber haben solche durch ihre Verschwendung / sonderlich bey Aufbauung ihrer grossen Palläste und Häuser / totaliter ruiniret / wie denn der Vice-Re Cortes allein zu seinen Pallaste über 7000. Stämme Cedern-Holtz verthan haben solle / und deßwegen von Navarez bey dem Könige in Spanien angegeben und verklaget worden.

Weil nun solch Cedern-Holtz gantz langsam und spärlich wieder wächset / sol in diesem Welt-Theile wenig darvon noch zusehen seyn / auch an Bau- und Brenn-Holtz ziemlicher Mangel gespühret werden.

§. 10. Es wachsen aber die Cedern nicht allein in warmen oder wohl temperirten / sondern auch in sehr kalten Orten / massen in Siberien dergleichen in ziemlicher Menge und Höhe befindlich / auff welchen sich meistentheils die Zobeln auffzuhalten pflegen. Es ist aber wohl zuvermuhten / daß es eine gantz andere Art seyn müsse / als die in warmen Ländern wächset / indem es in Siberien theils Orten so kalt / daß keine Früchte oder Getreide darinnen fortkömmt, und wäre also wohl zuversuchen / ob der Siberische Ceder-Saame auch in andern Ländern fortzubringen und Ceder-Bäume davon zuerzielen.

§. 11. Von Fortpflantzung derer frembden Gewächse hat man auch ein sonderlich Exempel an dem Citronen-Baum. Dieser wird von Plinio der Assyrische Baum genennet / weil er aus Assyrien erst in das Land-Canaan kommen. Da Virgilius gelebet / ist kein Citronen-Baum in Italien gewesen / sondern wie man davor hält selbiger zu Palladii Zeiten erst in Welschland bracht / und so ferner in Franckreich und Spanien fortgepflantzet worden: Und hat man dergleichen Früchte / so aus warmen Ländern gekommen / anietzo in Teutschland / als auff einem temperirten Boden auch gezeuget / ist auch nicht zuzweiffeln / daß die wilden Bäume unterschiedener Arten / so in China und andern Orten wachsen und bey uns unbekant seyn / durch fleißige Wartung auch in hiesigen Landen sowohl erzielet werden können / als in ihren Mutter-Orte / Massen denn auch Citronen / Pomerantzen / Limonien und Granat-Aepffel in Crayn / einer Inner-Oesterreichischen-Landschafft / und zwar in fünfften Theil derselben auf den Karst am Meer und in Istria wachsen / jedoch / wie der Baron Valvassor schreibet / sind gemeldte Oerter nicht so sehr damit überhäufft / daß sie verursachet würden / andern Ländern davon ihren Uberfluß mitzutheilen.

Dieser Baum / nebst denen Pomerantzen / ist auch in andern Orten Deutschlandes in Fürstlichen und andern vornehmen Gärten ziemlich bekant / und wird Winterszeit in denen dazu verordneten Häusern durch Einheitzen vor der Kälte verwahret.

§. 12. Die Cypreße ist ein gerader und hoher Baum / dahero er auch von den Poeten Aëria genennet wird / daß Er hoch in die Lufft steiget / wie Martialis unter andern Lib. 12. Epigr. 50. schreibet: Daphnonas, phatanos & äerios Cyparissos. Der Stamm ist dicke / lang / mit vielen Zweigen / die immer schmäler zulauffen / und gleich den Cedern / wie eine Pyramide anzusehen: Die Tangeln oder Nadeln sind fast denen an Seven-Baum ähnlich / doch etwas grüner und länger.

Das Holtz ist hart / wohlriechend und gelblicht / welches dem Wurmstich und Fäulung nicht unterworffen / auch nicht leichtlich aufreiset / dahero auch vor Zeiten die Bilder der Götzen aus solchem Holze geschnitzet worden / und sind die Thüren an dem berühmten Tempel der Diana zu Epheso von solchem Holze gewesen / so wie Plinius bezeiget / an die 400. Jahr gedauret. Die Zapffen ähnlichen fast denen am Lerchenbaum / aber härter und bitterer am Geschmack; sie stehen in der Höhe oder aufwerts und hangen nicht niederwerts / wie an andern Holz-Bäumen.

Es giebt dieser Baum auch ein Harz / so zwar dünne und fließig / aber sehr scharff an Geschmack. Vormahls ist Er dem Plutoni gewidmet gewesen / als dem vermeinten GOtt der Todten / dahero auch die Gräber mit Cypreßen gezieret worden / und war es vor deßen Gebrauch / daß man mit Cypreßen die Thüren der Häuser bemercket / in welchen ein Todter anzutreffen / massen auch der Uhrsachen halber die Cypreße von den Poeten invisa, funebris und feralis genennet wird / wie denn auch dessen Holz zu den Scheiter-Hauffen gebrauchet und darauf die Todten Cörper verbrennet worden / daß dessen guter Geruch den Leichenstanck mäßige.

Sonst grünet dieser Baum das gantze Jahr durch und wird meist in warmen Landen gefunden / wie man denn in Candia meistens Cypressen Holz zum Bauen und Brennen gebraucht. Doch sollen auch die Cypressen auf den höchsten und stets mit Schnee bedeckten Gipffeln des Berges Ida wachsen.

In Persien giebt es dieser Bäume eine große Menge / die von unglaublicher Dicke und Höhe seyn / wie denn zu Schiras in den Königl. Garten dessen sonderbare Zierde sie sind / Cypressen anzutreffen seyn sollen / die so dicke / daß sie 3. starcke Männer nicht umbgreiffen und die Höhe oder Spize keine Armbrust Kugel erreichen kan / ja die Vogel / ob gleich ein Schuß nach ihnen geschicht / oben still und sicher sitzen / und sich nicht scheu machen lassen. Es werden die Cypressen durch den Saamen fortgeflantzet / auf welchen aber sonderlicher Fleiß gewendet werden muß. Wenn die Zapffen reif sind / so thun sie sich selber auf und lieget ein gar kleiner und dünner Saame darinne / welcher / so er ausgefallen nicht anders / als von einem der Sache wohlerfahrnen Menschen kann ausgelesen werden / wie Theophrastus schreibet. Man kan solchen Saamen aus Italien und andern warmen Ländern bekommen. Hier zu Lande wird er im April gesäet / und durch ein Sieb aufs Erdreich geretelt / hernach ein wenig Erdreich darüber gesiebet / denn er sonst durch festes und schweres Erdreich nicht durch kommen kan / und will begossen seyn.

§. 13. Das Ebenholtz wächset häuffig in Indien und sonderlich in Mohrenland wie Dioscorides schreibet lib. 1. c. n. und Plinius lib. 12. c. 4. &. lib. 4. c. 30. meldet / daß bey der Stadt Meroë in Mohren-Lande gantze Wälder von dieser Art Bäumen gefunden / dahero auch LUCANUS dieses Holtz Ebenum Meroiticum nennet / und haben vor dessen die Könige in Mohren-Land denen in Persien an statt des Tributs alle 3. Jahr hundert Stangen von Eben-Holtz / wie Plinius meldet / oder 200. nach Herodoti Bericht nebst Gold und Elephanten-Zähnen reichen müssen. Bey dem Propheten Ezech. cap. 27. v. 15. wird gedacht, Die von Dedan sind deine Kauff-Leute gewesen / und hast allenthalben in den Insulen gehandelt / die haben dir Helffenbein und Ebenholtz verkaufft. DEDAN heist ietzo Dadena, Land und Stadt in dem glückseeligen Arabia zu dem Königreich Ormus gehörig / an dem Ufer des Persischen Meerbusens / nicht weit von der Meer-Enge Basora von dannen man leichtlich in Indien schiffen kan / davon beym Bocharto in Phaleg, lib. 4. c. 6. nachzusehen / dannenhero durch besagten Meerbusen die Indianischen Wahren als Elephanten-Zähne und Eben-Holtz gar wohl haben können herbracht werden. Es ist das Eben Holtz sonderlich bekant / wegen seiner Härte / wie auch schwartzen Farbe / massen die Mohren / wie SOLINUS schreibet / ihre Götter aus solchen Holtze zuschnitzen gepflogen / auch ihre Trinck-Geschirre aus solcher Materi bereitet / in Meinung / daß alles schädliche durch Brauchung dieses Holtzes abgewendet werde.

Welches was die Götzen-Bilder anbelanget / kein Wunder ist / weil die Mohren ihr Schwärtze vor die schönste Farbe halten / und deswegen ihren GOtt schwartz als einen Mohren / den Teuffel aber weiß vorstellen.

Aber wieder auf vorgedachte Härte zukommen / so soll dieses Holtz zuhauen oder zu fällen eine blutsauere Arbeit seyn / derhalben lauter Sclaven dazu gebraucht werden / und wird diese Arbeit beschwehrlicher gehalten als das Rudern auf den Galeren.

Wenn etwas thuliges aus den Eben-Holtz gemacht werden soll / so ist erfunden worden / daß so bald solches gefället / Bretter daraus geschnitten werden müssen / welche biß zu 9. Schuhen tieff in die Erde vergraben werden / iedoch / daß das Erdreich etwas feuchte sey.

Diese Bretter oder Pfosten nun / bleiben / nachdem sie dicke oder dünne sind / 2. biß 3. Jahr in der Erden liegen / hernach so sie heraus genommen und zu verarbeiten gebraucht werden / so ist das Holtz geschmeidig / zerspringet und zerspaltet nicht so leicht / lässet sich wohl hobeln und glatt machen / und siehet weit schöner / als das ungeröste oder unvergrabene Holtz.

Der Eben Holtz-Baum soll starcke Wurtzeln haben und werffen / daß Er vor allen andern Holtz denen grossen Sturm Winden und Orcanen, so in Ost-Indien sehr grausam und erschrecklich zugehen pflegen / widerstehen können / und als denn alleine stehen bleiben und sich erhalten / da die andern Arten umgeschmissen sind.

Von diesem Eben-Baum-Holtz ist wohl zu unterscheiden das Ebenum fossile, welches auch in hiesigen Landen gefunden wird / davon anderswo gehandelt wird.

§. 15. Der Feigen-Baum ist einer von den vornehmsten in gelobten Lande gewesen, dahero auch die Kundschaffer / so das Land Canaan zubesehen von Mose ausgesandt gewesen / unter andern Früchten die Gütigkeit des Landes zubeweisen / auch Feigen mit gebracht haben / Num. XIII, 24. Er wächset auch in andern warmen Ländern / und sonderlich auch in Italien. So sind auch die Früchte bekandt gnug / daß also davon viel Worte zumachen unnöthig. Wer mehr von diesem Baum und Früchten / wie auch von dem angenehmen Schatten desselben lesen will / kan sich erholen in des Ursini Arboreto Biblico Sect. IV. c. 34. p. 424. sqq.

Die vornehme Botanici und Gebrüder die Bauhini thun auch Meldung eines wilden Baums / Ficus sylvestris; dieser aber ist von den zahmen mit nichts anders unterschieden / als daß er von sich selbst und ohne Pflantzung wächset / und nicht so gute Früchte bringet als jener / gleichwie es auch wilde Granat-Bäume giebt / welche keine Früchte / aber viel Blüthe herfür bringen sollen / wachsen aber beyde in warmen Ländern.

Der Egyptische Feigen-Baum / oder Maul-Beer-Feigen-Baum / Sycomorus, wächset in Egypten / Syrien und andern Orten überflüßig / hat ein starckes festes und schwartzes Holtz / so zu vielen Dingen zugebrauchen.

Wenn es gefället wird / so wird es nicht dürre / sondern bleibet immer grüne.

Wenn man es aber in das Wasser wirfft / so sincket es zu Boden / und wenn es dürre worden / so kommt und schwimmet es in die Höhe.

§. 16. Terpentin-Baum ist zuvor auch nur in Morgen-Ländern gewachsen / nun aber wächset es auch in Europa / hat Blätter wie der Eschen-Baum.

Der Kellers-Halß wächset wild in rauhen Wäldern und Bergen / ist ein kleines Bäumlein etwan 3. oder 4. Schuh hoch / hat schmale fette Blätter / weiße Blümlein und Körner / wie Hanff-Saamen groß / brennen auf der Zungen und werden zur Artzney gebraucht.

§. 17. In der Insul Scio wird der Mastix gesammlet / und zwar von kleinen Bäumlein / deren Aeste lang und gerne wieder nach der Erde wachsen / und wenn sie solche fast erreichet / so wachsen sie weiter / und begeben sich allgemach in die Höhe.

Wenn nun in die Aeste eingeschnitten wird / so lassen sie die Tropffen fallen / welches der Mastix ist / der diesen Einwohnern einen grossen Handel und Nahrung giebet.

Die Türckischen Weiber / sonderlich in Käyserlichen Pallast käuen solchen stetig / weil er weiße Zähne machen soll.

§. 18. Der Mußcaten-Baum soll fortgepflantzet werden durch einen gewissen Vogel / so sich an denen Oertern / wo die Mußcaten wachsen / einfindet. Wenn die Muscat-Nuß recht reiff ist / verschlucket er sie gantz und giebt sie wieder unverdauet von sich / diese Nüsse so mit einer schleimichten und zehen materie umgeben / auf die Erde fallen / gewinnen Wurtzeln und bringen also einen Baum hervor / welche Art Bäume auf andere manier sonsten nicht zu pflantzen seyn sollen.

Die Mußcaten-Nuß wird mit kalten Wasser abgespület und abgewaschen / durch welches Mittel sie für aller Fäulung und Verderbnüß verwahret wird.

§. 19. Zirbelnüßlein oder Pistacien wachsen in Italien / ist eine Art von Bäumen fast wie die Kieffern. In denen Zapffen wachsen und stecken die länglichten Körner und Frucht.

§. 20. Der Palm-Baum ist zwar ein frembdes Gewächs / so in Syrien / Egypten und Africa befindlich / gleichwohl aber / weil auch hier zu Lande Palmen gezeuget werden / wie denn ein schöner Palm-Baum in Herr George Führers Garten zu Nürnberg angetroffen wird / als wollen wir auch etwas hievon melden.

Der Palm-Baum heisset auf teutsch eine Dattel-Baum / die Griechen nennen ihn Φοίνιξ, von wegen der braun-rothen Farbe.

Die Früchte werden bey ihnen Palm-Eicheln genennet / auch wohl Dactyli, von wegen der Form und Gestalt / daß sie länglich und geschmeidig wie Finger sind.

Wir Teutschen nennen sie Dattel-Kern.

Es sind aber mancherley Geschlechte der Palm-Bäume / und so unterschieden / als etwa ein Geschlecht unter den Bäumen seyn mag. Insgemein werden sie in grosse und kleine Dattel-Bäume eingetheilt. BARLAEUS in der Brasilianischen Geschichts-Beschreibung p. 682. 683. saget:

Es seyn dreyerley Arten Palmen: etliche tragen Datteln / etliche Indianische Nüsse / etliche eine solche Frucht / daraus die Congianer Oehl / Wein-Eßig und Brodt machen. Wenn man in denselben Baum bohret, so fleust ein Safft heraus, der erst süß und hernach sauer ist / und aus dem innewendigen der Frucht / so auf gemeldten Bäumen wächset / wird ein Oehl gepresset / das ist fast unserer Butter gleich / und wird zu der Speise / wie auch zu Salben und Schmieren / ingleichen in den Lampen gebrauchet.

§. 21. Die alten Egypter haben mit den Palm-Bäumen das Sonnen-Jahr fürgebildet / wie ORUS APOLLO bezeuget:

Gleich wie der Palm-Baum allezeit in neuen Monden-Schein einen jungen Zweig oder Schoß von sich stösset; Also / daß er alle Jahr 12. neue Zeichen überkommet: ebenermaaßen wird das Jahr mit 12. Monaten erfüllet und vollendet.

Darnach gleich wie der Palm-Baum / als PLUTARCHUS anzeiget / dreyhundert und sechzigerley Nutzbarkeiten dem menschlichen Geschlechte giebet; also hält auch das Jahr so viel Tage in sich / so man die Einkömmlinge davon abzieht. MYLIUS IN HORTO PHILOSOPHICO: p. 353.

§. 22. Die Palmen-Früchte / so man Datteln nennet / sind roth und gelb, und werden nach Herr Jacob Braunigs Bericht von den Mohren zur Speise und Tranck gebrauchet.

Wenn der Baum abgestanden / so wird der Stamm zum Bau- und Brenn-Holtz angewendet / ingleichen Wurtzeln und Rinden taugen gleichfalls zum Brennen.

Aus dem obersten Gipffeln nehmen die Bauren das Marck und brauchen es zur Speise / das zottichte wilde Gewächse / so zu oberst um den Stamm herum sich befindet / wird zu Seilen verwendet / aus den Aesten werden die Bett-Laden und andere Haußrath gemachet.

Die Blätter geben Decken / so man sonsten aus Gerbrich oder Bensen zubereitet / werden zu den Seilen in den Schiffen gebrauchet / oder es werden die Kauffmanns-Güter ball-weise in dieselben geschlagen.

Die Körner werden gemahlen und denen Camelen zum Futter gegeben.

BENEDICTUS CURTIUS schreibet / daß von denen / so in Indien gewesen / berichtet worden / daß dieselben Völcker gantze Schiffe von Palm-Blättern wissen zu machen / und kein Eisenwerck dazu gebrauchen / sondern dieselbe hart und feste in einander flechten / daß kein Wasser durchdringet / daran machen sie runde Seile von Palm-Reisern geflochten / und daß zu Babylon die jungen Dattel-Kern an statt der Kohlen von den Schmieden gebrauchet werden.

§. 22. D. JACOBUS THEODORUS TABERNAMONTANUS, setzet zweyerley Geschlechte der Palmen / als den Grossen und den Kleinen Palm-Baum. Den grossen Palm- oder Dattel-Baum beschreibet Er also : Der Dattel-Baum wächset hoch in die Höhe / hat einen dicken schiefrigen oder schuppigten Stamm / oben am Stamme stösset er seine vielfältige Aeste herfür / welche mit Blättern besetzet sind, den Veilwurtz-Blättern gleich. Seine Blumen sind in einen Deckel oder Haut verschlossen / so zwischen den Aesten herfür kömmet.

Wenn sich derselbe Deckel aufthut / kommen die weisen Blumen hervor / so an kleinen Stielen hangen / nach denselben folgen die Früchte oder Datteln / welche gantz häuffig als Trauben beysammen hangen / von Farbe röthlich und länglicht / an Geschmack süß / und ziehen einwenig zusammen / haben innewendig einen steinichten Kern / welcher der Saame seyn soll. Dergleichen hohe Palm-Bäume hat Herr Christoph Führer gar viel vor der Sadt Alexandria gesehen / als in seiner Lateinischen Reise-Beschreibung berichtet wird / p. 10. Matthiolus schreibet / daß man zwey Geschlechte des Baumes finde / das Männlein und Weiblein / und daß das Weiblein keine Früchte / wenn es nicht neben das Männlein gepflantzet werde / trage / ja so man das Männlein ausrottet / soll das Weiblein gantz schwach werden und keine Früchte bringen.

Daß dem also sey daß nehmlich unter den Palm-Bäumen Männlein und Weiblein seyn / welche eine natürliche Zuneigung gegen und zueinander haben / entweder nahe beysammen stehen / daß sie sich mit den Aesten erreichen / und gleichsam umarmen können / oder doch nicht gar ferne von einander gepflantzet seyn müssen / erhellet aus folgender Erzehlung. Nehmlich PHILOSTRATUS schreibet von zweyen Palm-Bäumen / männ- und weiblichen Geschlechts / wie dieselben bey dem Ufer eines Wasserflusses gegen einander über gestanden / da habe das Männlein aus eingepflantzter Liebe sich angefangen zum hefftigsten zu biegen / und über den Fluß herüber zu neigen / das Weiblein aber / ob es wohl etwas weit davon gepflantzet gewesen / habe es sich doch hingegen wiederum geneiget / und gleichsam seine Willfährigkeit und gehorsamen Fleiß zuerzeigen angemaßet.

Weil denn solches die Land-Leute wissen, so wenden sie Fleiß an / damit das Männlein von dem Weiblein zum allerwenigsten so weit gesetzet und gepflantzet werde / daß der Staub von dem Winde erreget / von des Männleins Blättern gewehet / auf die Blätter des Weibleins fallen kan / und hat die Erfahrung bezeuget / daß solches zu mehrer Fruchtbarkeit ein gnugsames Mittel seyn.

Wo aber das Weiblein zu weit von Männlein stehet / und weder Staub noch Lufft oder Geruch zu ihm reichen und kommen kan / so knüpffen sie ein Seil an das Männlein und ziehen dasselbe biß zum Weiblein / bringen also die Fruchtbarkeit zum Weiblein / indem dasselbe gleichsam durch eine Liebe oder Ehe-Band zusammen verbunden / einander Krafft und Würckung mittheilet.

JOVIANVS PONTANVS rühmet solches insonderheit an zweyen Palm-Baum / davon das Männlein zu Brundusio, das Weiblein zu Hydrunt gepflantzet gewesen / welches eine lange Zeit unfruchtbar geblieben / indem sie beyde zuvor allgemachsam aufgewachsen / doch keines dem andern recht ins Gesichte kommen können.

Als sie aber nachfolgender Zeit zu einer Höhe gediehen / daß eines dem andern frey ins Gesicht gestanden / unangesehen sie einen weiten Weg und etliche welsche Meilen von einander abgesondert gewesen / so haben sie alsobald angefangen Früchte zubringen. Obgedachten Pontani lateinische Verse in Beschreibung des Flußes Eridani oder Padi lauten also:

Brundusii latis longe viret ardua terris
Arbor Idumaeis usque petita locis
Altera Hydrantinis in saltibus aemula Palma.
Illa virum referens, haec muliebre decus.

Non uno crevere solo distantibus agris,
Nulla loci facics, nec socialis Amor.
Permansit sine prole, diu sine fructibus Arbor
Utraque / frondosis et sine fruge comis.
Ast postquam patulos fuderunt brachia ramos,
Coepere et coelo liberiore frui,
Frondosique apices se conspexere virique
Illa sui cultus conjugis ille suae,
Hausere et blandum venis sitientibus ignem,
Optatos foetus sponte tulere sua.
Ornarunt ramos gemmis, mirabile dictu,
Implevere suos melle liquente favos.

Diese Verse führet auch an CAMERARIVS in seinen Horis succisivis Cent. 2. cap. 84. wo er auch von diesen beyden Geschlechten und deren Zuneigung gegen einander handelt / p. 326 seq.

Zu Balsora in Arabia bis an das Meer / so sich an die 30. Meilen betragen soll / sollen durchgehends Dattel-Bäume gepflantzet / und die gantze Gegend damit gleichsam bedecket seyn / auch die Datteln den grösten Reichthum unter seinem Einkommen den Fürsten von Balsora geben.

Es würden aber diese Bäume nur von Dattel- oder Nüssen fortgebracht / in dem die Einwohner eine Grube machen / viel Dattel-Kern hinein legen / und mit Erde bedecken, davon die oben aufliegende aufwachsen und herfürsproßen.

Die Araber pflantzen sie sehr fleißig / denn die Datteln / dieser Völcker / nehmlich von Balsora an bis an den Fluß Indus an die 600. Meilen / meiste und beste Speise ist / daß sie sich fast einzig und allein damit beköstigen. Bey Medina etwa eine Welsche Meile davon / soll ein Hauß seyn / da der falsche Prophet Mahomet gewohnet.

Selbiges soll mit unzehligen viel Palm-Bäumen bepflantzet und umgeben seyn / unter welchen zwey sich befinden / die von einen Stamm kommen / sehr hoch / aber so wunderbar in einander geflochten und gedrehet / daß solche einem Ancker Seil gleich sehen sollen / und geben die Türcken für / der Mahomet habe sie mit eignen Händen also gedrehet und gewickelt / derhalben klauben sie / die Datteln / so drauf wachsen sehr fleißig auf / schicken sie dem Groß-Herrn nach Constantinopel zu einem eignem und sonderlichen praesent, und sagen / sie seyn von den glückhafften und gebenedeyeten Früchten des Propheten.

Von dem Palm-Baum kan auch nachgeschlagen werden / Georg Neumarck in dem Neusproßenden Palmbaum p. 55. seqq.

§. 23. Des Oelbaums geschiehet zum öfftern auch in der Heiligen Schrifft Meldung / und wird solcher abgetheilet in den zahmen und wilden Oelbaum / davon auch VIRGILIVS schreibet / Lib. 2. Georg.

Nec pingues unam in faciem nascuntur olivae.

Es hat der Oelbaum einen geraden Stamm / welcher ziemlich dicke seyn muß / weil Salomon wie 1. Reg. 6. gedacht wird / aus solchem Holtze die beyden Cherubim, so von 10. Ellen ein jeder hoch gewesen / gemacht habe / das Laub ist allezeit grün / die Frucht so in Beeren und dem Oel bestehet, sehr nützlich, indem das letztere an die Speisen / zum Lampen / zur Artzney und zur Salbung gebraucht wird / um welcher Nutzbarkeit willen dieser Baum der Minerva, der Göttin der Weißheit am meisten gefallen / da Jupiter die Eiche / Venus den Myrten-Baum / Phoebus den Lorber-Baum / Cybele die Kiefer / Hercules den Pappelbaum erwehlet / anzudeuten / daß man in allen Dingen auf den Nutzen dencken müße / wie Phaedrus saget: Nisi utile est quod facimus stulta est Gloria.

Das Holtz / sowohl von wilden als zahmen Oelbaum ist sehr dauerhafft, und weder der Fäule noch den Wurmstich unterworffen / derhalben auch obgedachter Salomon / der Arcana der Natur untersuchet und darinnen geforschet / das Tabulat in Tempel von Oelbaum Holtze fertigen lassen. Es ist dieser Baum / wie oben von den Citronen-Baum gedacht worden / auch etwas spate in Italien kommen / maßen er 440. Jahr nach Erbauung der Stadt Rom dahin soll bracht worden seyn.

§. 25. Von den Pfirschen hat man wohl vorhin geglaubet / sie könten nirgends anders als in Persien / dahero sie auch den Nahmen haben / daß sie Mala Persica heißen / wachsen; Es ist aber diese Frucht in Egypten / ferner nach Rom / und so fort in andere Länder gebracht worden / und wächset solche so gut in Teutschland als in orientalischen Landen.

Dergleichen könte auch mit andern frembden Bäumen / als Cedern / Lerchen-Baum / Cypressen vorgenommen und ein Versuch gethan werden.

Pistacium oder wilder Pimpernußbaum wächset auch in Teutschland[WS 80] / Böhmen und in der Schweitz / träget Frucht und siehet fast den zahmen gleich.

Sabina oder Seven-Baum kan gar leicht durch Zweige fortgepflantzet und so wie die Roßmarien in die Erde gestecket werden; hat Tangeln / wie der Cypressen-Baum und dauret in Winter in unsern Landen.

§. 26. Tamariscken wird gleichfals an Bächen und Flüßen gefunden / aber wild / und wird hernach in die Gärten verpflantzet / wächset um Breysach am Rheinstrom / ingleichen um S. Pölten in Oesterreich.

Wilde Wein-Reben sind den zahmen am Holtz und Laub etwas gleich / bringen selten Früchte oder doch hart und klein.

Um Straßburg und Speyr wachsen sie an hohen Bäumen hinauf. Der Zimmet-Baum soll wie ein Weiden-Baum aussehen / und hat 3. Rinden / die mittlere ist die beste / hernach die äuserste / die innere aber bleibet unberühret oder unbeschädiget / sonst verdirbet der Baum.

Es soll eine rechte Kunst oder Wissenschafft seyn / die Zimmet-Rinde abzunehmen / und muß man von Jugend auf darbey hergebracht seyn.

Zu Schweinfurth in Francken / hat man Würtz-Nelcken Bäume / in die Weinberge daselbst gepflantzet / welche auch Früchte tragen sollen.

Ingleichen hat man auch eine Art Jüden-Kirschen aufbracht / welche zeitlich blühen / und ziemlich schöne Früchte herfürbringen / auch Bäume von etzlichen Ellen hoch treiben.

§. 27. So schreibet auch der Ritter DE CHAUMONT in seiner Siamischen Reise-Beschreibung / daß die Orientalische Compagnie in Holland bey Capo de bonne esperance einen ziemlich grossen und schönen Garten habe / der mit Stacketen oder Pallisaden von einer Art Holtze verwahret / so beständig grüne bleibet. Der große Spazier-Gang / so 1450. Schritte in der Länge und fast gantz mit Citronen-Bäumen besetzet / soll auch unvergleichlich schön anzusehen seyn.

Dieser Garten sey sehr wohl abgetheilet: In dem einen Quartier oder Orte sähe man lauter Obst-Bäume / und die ungemeinesten Gewächse aus Asia; In dem andern die fürtreflichsten Gewächse und Obst aus Africa; In der dritten Abtheilung wären Obst-Bäume und Gewächse / so in Europa vor das ausbündigste und beste geachtet werden; Und endlich befänden sich die Gewächse und Obst-Bäume so aus America dahin überbracht worden.

Woraus denn zuschließen / daß nicht allein frembde nützliche Gewächse an andern Orten unter einem andern climate wohl fortzubringen / sondern auch hierinnen wohl gedachten Nationen nachzugehen so nützlich und Lobwürdig / als curiös sey. Denn daß unterschiedliche Arten / so wohl von fruchtbahren als wilden Bäumen aus einem Lande in das andere gebracht worden / und annoch zu bringen seyn möchten / ist nicht zu leugnen / allermaßen wir heutiges Tages dergleichen noch finden / als die Cedern: It. den Lerchen-Baum / welche auf den höchsten und kältesten Gebürgen wachsen / jene zwar in orient dieser aber auf den Alpen und Schweitzer Gebürgen / und gleichwohl ist die curiosität noch nicht so hoch gestiegen / solche in hiesigen Landen beständig zu pflantzen und der Lufft anzugewehnen.

Es lieget auch viel daran / daß wir die Wissenschafft und Nachricht nicht haben wie solche fortzubringen und zu pflantzen seyn möchten / aber / ob es nicht zu erlangen sey / entstehet die Frage? Die Hoffnung kan uns nicht entstehen / daß GOtt auch dergleichen Fleiß und treue Meynung, so zum allgemeinen Besten angesehen / seegnen und nicht gäntzlich fehl schlagen laßen wird / denn die Kosten nicht eben gar sonderbahr dabey seyn können.

§. 28. Also wäre es auch zu wüntschen, daß unterschiedene Arten von Holtz aus Ost- und West-Indien gebracht und in Europa gepflantzet würden / weil es viel Arten deßelben geben soll / so wir nicht haben / und uns doch vielen Nutzen schaffen könten / hingegen unterschiedliche Baum-Früchte und ander Holtz in solche Länder aus Europa mit ziemlichen Nutzen dahin gebracht und verpflantzet worden.

Die Reise Beschreibungen von allen Theilen der Welt geben uns zwar wohl etwas Nachricht von großen und in vielen Meilen bestehenden Wäldern und Einöden / und von der Größe / Dicke und Höhe der Bäume; aber es ist darbey zu desideriren / daß selbige nicht ausführlicher mit angehenget / in was Arten oder Speciebus solche bestünden / oder wie sie fortzubringen / zu säen / zu pflantzen, und in andern Ländern zu erzielen seyn möchten / damit man dererselben herrlichen Nutzen und Eigenschafften auch genießen möchte.

§. 29. Wir wollen aber inzwischen biß dem / was itzo angeführet ist / reiffer nachgedacht worden / zu denen Exempeln wiederum schreiten / welche gnugsam darthun / daß eine und andere Art Bäume gar glücklich von einem Lande in das andere könne unterbracht und fortgepflantzet werden / worinnen die Römer / wie in andern Dingen mehr sich sonderlich berühmt gemacht / und sich uns in diesem Stücke zur Nachfolge vorstellen. Lucullus ist der erste gewesen / der nach dem Mithridatischen Kriege aus Ponto die Kirschen in Italien bracht / von dannen sie wegen ihres grossen Nutzens und curiosität innerhalb hundert Jahren fast in alle Europäische Länder verpflantzet und durch das Pfropffen / oculiren / und gute Wartung / dergestalt an Grösse / Geschmack und Lieblichkeit verbessert worden: daß dergleichen schwerlich an dem Mutter-Orte / in Ponto zufinden seyn werden.

Wo nun die Römer durch ihre Waffen Land gewonnen / haben sie auch zu pflantzen angefangen.

Als sie Africam, Griechen-Land / klein Asiam und Syrien conquestirten / so haben sie auch allerhand Früchte aus selbigen Landschafften in Italien überbracht / als die Abricose aus Epiro / daher sie solche Epirische Aepffel genennet; die Pfirschen aus Persien / hinc mala Persica; die Citronen aus Media, Mala Medica, die Granat-Aepffel aus Carthago, mala Punica, die Quitten-Aepffel aus den Griechischen Insuln.

Die delicatesten Birnen haben in Alexandrien aus Numidien und Griechen-Land ihren Ursprung / uno daher haben sie solchen Früchten etlichermaaßen den Nahmen nach solchen Ländern gegeben.

Die besten Pflaumen sind aus Armenien / aus Syrien und vor allen aus Damasco kommen / deswegen sie auch den Nahmen Pruna Damascena behalten.

Zu des Neronis Zeiten hat man wohl dreyßigerley Sorten von Feigen gehabt / und sind die grossen Generals und Raths-Personen so curiös darinnen gewesen / und die Früchte so hoch aestimiret worden / daß sie ihnen auch ihre Nahmen zugeleget / oder sie nach sich genennet, gleich als ob sie dem Vaterlande einen grossen Nutzen gebracht / daß sie solche Früchte aus andern Ländern angeschaffet.

Was die Römer auf die Schattenreiche Bäume / als Ahorn und dergleichen gehalten / ist anderswoher gnugsam bekandt.

Ja sie sind nebst denen Griechen hierinnen so delicat gewesen / daß sie auch etliche Bäume / sonderlich eine schöne Art / so aus Persien kommen / an statt des Wassers mit Wein begossen / und sich fürgestellt / daß gleichwie man unter ihren Schatten gern Wein trincket / und sich damit anfeuchtet / also wäre es nicht unbillich / daß man sie gleichfalls mit dem Wein begiesse / dabey sie denn wahrgenommen / daß diejenigen / so mit dem meisten Wein begossen / oder[WS 81] damit befeuchtet worden / schöner Laub bekommen / auch tieffer eingewurtzelt / als die andern.

§. 30. Von denen lieben Alten wurden vor dessen nur viererley Gattungen und Arten der Citronen beschrieben; allein durch vieles fleißiges Nachsinnen über Pflantzung / Wartung / Impfen-Peltzen und dergleichen ist es so hoch gebracht / daß wie Tanara schreibet / deren bey achtzigerley Arten ietzo gefunden werden / daraus füglich zuschliessen / daß bey andern Bäumen / in Fortpflantzung derselben aus frembden Orten / die emsige Wartung und Nachdencken / wie solche am besten anzubauen / zuvermehren / grösser und stärcker zu ziehen und zu erhalten / viel beytragen und nutzen könne.

So soll es auch kaum ein halb Seculum seyn / daß die Portugiesen Reiser aus China in Portugall von denen süssen Pomerantzen gebracht und gepfropffet haben / die sich denn so gemehret / daß man anietzo darvon gantze Wälder voll daselbst findet / zu grossen Nutzen des gantzen Königreichs / daraus ebenfalls und abermahls wohl abzunehmen / daß noch viel / so wohl fruchtbahre als wilde Arten Bäume / aus frembden Ländern auch hiesiger Orten könten fortgebracht und gepflantzet werden.

§. 31. Ob man auch gleich für diesen für unthunlich geachtet / und gezweiffelt / daß ein oder andere frembde Frucht in Teutschland aufzubringen / so hat doch nachfolgends der glückliche Effect gantz ein anders gewiesen / und ist zu grossen Nutzen derer Länder die Färber-Röthe in Schlesien / der Waydt in Thüringen / der Reiß in Reich / der Toback fast durch gantz Teutschland / und die Rube-Saat / Pattates, und Saffran in Oesterreich / aufbracht worden.

Es wird auch geschrieben / daß es nicht gar lange sey / daß die Baum-Wollen in China zu erst gepflantzet worden / welches dann eine von ihrer besten Nahrung voritzo sey.

§. 32. Zwar ist wohl an dem / daß frembder Bäume Früchte nicht allezeit in unsern Nord-Ländern mit Nutzen fortzubringen. Die Ursach ist ohne Zweiffel / daß der allein weise GOtt seine Güter auch an Gewächsen / was einem Land vor dem andern (wie schon oben davon Anregung geschehen) zugetheilet. Nicht weniger ist eine gewisse Erde und Boden an jeden Orte darzu gewidmet / so an andern Orte nicht ist / auch mehr Wärme und Sonnenschein / Kälte oder Regen nach eines jeden Gewächses Eigenschafft jeden Theil der Welt zueignet; oder aber es hat eine Nation vor der andern gute Wissenschafft und leget mehr inclination, Fleiß und Wartung darauf als die andere.

Aber ob man gleich nicht alsofort allzugrossen Nutzen verspühret / frembde Gewächse zupflantzen / auch zwar wohl an dem / daß es sich in dergleichen Dingen nicht alsobald zwingen lässet, so ist es jedoch ohne Zweiffel dem lieben GOtt gefällig, daß man hierbey Fleiß anwendet, die Natur und Creatur zubetrachten / daraus seine unermäßliche Weißheit / Güte und Barmhertzigkeit zuerkennen / und für seine Wunder-Regierung zudancken und zu menschlicher Bequemlichkeit zugebrauchen / wie denn auch dergleichen fleißige Nachforschung ohne Frucht nicht abgehen kan / und zum öfftern so wohl die Früchte als die Bäume selbsten nach und nach in andern Landen besser Fortkommens und Gedeyen haben / als in eignen Vaterlande / wie jetztgedachter maßen / bey Fortpflantzung der Kirschen / der Pfürschken etc. als ehemahls frembd gewesenen Baum-Gewächsen und Früchten / und nunmehro von Zeiten zu Zeiten der Lufft und des Climatis angewohnten und naturalisirten Dingen es gnugsam erhellet / und daher nicht zu zweiffeln / daß es künfftig also bey allen frembden Gewächsen geschehen kan.

§. 33. Wir haben oben gedacht / daß Cypressen und Lerchen-Bäume / weil sie von sich selbsten an hohen und kalten Orten häuffig wachsen / in unsern Landen / so wir darauf behörigen Fleiß legten / wohl erzielet werden könten.

Wir wollen aber noch eines kleinen und niedrigen Gewächses gedencken / welches ebenfalls auch hier zu Lande eingeführet und fortgepflantzet werden könte.

Es wird in Engelland und Franckreich / sonderlich in Bretagne der Genest gesäet / daraus die Kehrbesen gemacht werden: Es trägt solchen der unfruchtbareste Boden / er giebt auch gut Reißig-Holtz und bezahlet die Arbeit gar wohl.

Der Saame wird aus Pariß und auch aus Londen oder gar aus Spanien bracht / und ist daselbst zuerlangen.

Die Schafe und Pferde fressen das grüne daran sehr gerne / das Wildpret und Vogel halten sich auch gerne dabey auf / auch wird es in Spanien sehr genutzet / weil es eine Art guten Hanffs giebt.

Mit diesem Gewächse / dieweil es auch mit den geringsten Orte zufrieden und doch so vielfältigen Nutzen hat / könte gar leicht ein Versuch gethan werden / und ein jeder auch bey seiner privat-Wirthschafft hierinnen sich exerciren / welches gewißlich ein sonderbar vorträglicher und nützlicher Theil der selbigen seyn würde.

Es findet sich zwar in unsern Ländern sonderlich jenseits der Elbe / eine dergleichen Art / so insgemein Grinitzsch genennet wird / aber es ist mehr eine wilde Art und Unkraut / als etwas nützliches zu nennen / weil es fast gar zu nichts dienet / ausser daß die Schaffe und die Hasen Winters-Zeit daran nagen / welches aber indeme es in grosser Menge wächset / das Erdreich aussauget / denen nahstehenden Bäumen die Krafft und Nahrung nimmt / und so sehr demmet / daß wenig oder gar kein Wiederwachs darneben aufkommen kan; Weil aber diese wilde Art des Genest hier zu Lande so guten Wuchs und Gedeyen hat / so wäre auch nicht zuzweifflen / daß obgedachte zahme Art mit guten Nutzen hieselbst gepflantzet / und fortbracht werden könte.

§. 34. Aus vorhergehenden / auch aus vielen Reise-Beschreibungen und Nachrichtungen nun ist gnugsam kundbar / daß vielerley schöne zahme Gewächse / aus Ost- und West-Indien / in Europam bracht / und fortgepflantzet worden / auch noch zu bringen seyn möchten; aber daß von frembden wilden Holtz dergleichen geschehen / hat man noch nicht gehöret / oder es ist doch zum wenigsten noch nicht kundbar / da doch von vielen Scriptoribus gerühmet wird / daß vielerley schönes und sehr nutzbares wildes Holtz in gedachten Indien verhanden seyn soll / und daß das Europäische / jenen an der Güte nicht gleichet / und also ein mehrerer Nutzen / vielleicht durch Fortpflantzung derer frembden wilden Bäume / als durch zarte ausländische Gewächse / entstehen könte / auch das wilde Holtz / weil es dauerhaffter und stärckerer Natur ist / desto eher / als jene / zumahl durch den Saamen fortbracht werden möchte. Ob nun dergleichen Fortpflantzung durch die Nachkommen in Europa unternommen / und glücklich auszuführen seyn wird / stehet bey GOtt.

Unterdessen / gleichwie warhafftig seyn soll / daß alles Europäisches Tangel- und Laub-Holtz in Nord-America zu finden / und durch Göttl. Providenz ohne Zweifel dahin verpflantzet / also ist Gottes Hand noch nicht verkürtzet / das uns nutzbare Indianische oder andere frembde Holtz / auch in Europa aufbringen zu lassen.

§. 35. Immittelst ist doch gewiß und wohl anzumercken / daß bey Fortbringung[WS 82] frembder Gewächse / so aus warmen Ländern kommen / man sich unterschiedener nützlichen Sachen bedienen kan / als des Anfeuchtens mit laulichten Wasser / und daß man solche Gewächse in locis solaribus, wo die Sonne ihren Wiederschein und die Strahlen-Wärme verdoppeln kan / pflantze / auch wo man kan die Erde / mit wärmender Tüngung / als Aschen / Harn / Pferd- Tauben- Hüner-Koth etc. verbessere / ingleichen solche in feurigen Zeichen versetze / als im Widder / Löwen / Schützen / so werden sie gewiß gutes Fortkommen haben.


Das Achtzehende Capitel.
Von Wart- und Pflegung der Gehöltze und
der Bäume.

§. 1. Die Wissenschafft im Holtz-Wesen ist bereits den Alten bekant.

§. 2. Wie der auffgegangene Saamen zu beobachten und gepfleget werden soll.

§. 3. Von Düngen der eintzeln Stämmlein und der Wälder.

§. 4. Vom Ausputzen und Ausschneideln der jungen / worzu es diene.

§. 5. Wie weit / wenn und wie viel man beschneideln solle.

§. 6. Von Waßer Schüßen und schädlichen Räubern. Was vor Instrumenta beym Beschneideln zu gebrauchen.

§. 7. Wie ein Baum in einen guten Schafft zu bringen /

§. 8. Auch daß dieser zu Bret- Schindel- und Bau-Holtz dienet.

§. 9. Wie die Aeste von Bäumen zu hauen.

§. 10. Wie ein Saamen-Baum zu ziehen.

§. 11. Welches die bequemste Zeit zum Ausbutzen der Bäume sey.

§. 12. Wie den Bäumen das schädliche Mooß zu benehmen.

§. 13. Wie man einen Baum in einen dicken Stamm bringen kan.

§. 14. Von Beraupen.

§. 15. Einen Baum tragbar zu machen. Mittel vor die Kälte und Ameisen.

§. 16. Was zu thun wenn ein Baum wandelbar wird.

§. 17. Wo die vorher beschriebene Pflegung statt finde.

§. 1.

ES ist so wohl das Säen der wilden Bäume / als auch die Xylotrophia oder das Pflantzen / Versetzen / Ausschneideln / Ausputzen nebst anderer Wart- und Pflegung derselben nicht bey unserm Gedencken entstanden / sondern ohne Zweifel viel Secula her und bey derer Alten und unserer Vorfahren Zeiten, wie aus ihren Schrifften zu colligiren, ja von Anfang der Welt her bekant und im Brauch gewesen / wie wohl man gerne zu giebet / daß diese Wissenschafft jetziger Zeit um ein merckliches verbessert auch beständiger und vollkommener eingerichtet und eingeführet worden.

§. 2. Wenn also der gesäete Saamen aufgegangen / oder Stämmlein gepflantzet / auch von außen her von dem Wildpreth und zahmen Vieh / (so sonsten großen Schaden bringen solte) gnugsam verwahret / so ist nöthig daß man immer mit zusehe / was ihnen etwan schädlich seyn oder zum Verderben gereichen möchte / hinweg thun / und solches hingegen mit Abhauen der Wasser-Reißer / Räuber / Säuger / und unnöthiger[WS 83] Aeste / so dem Stamm allzu viel Safft entziehen / item mit Abräumen / Behacken / Wässern / Beraupen / Anpfählen / Beschneiden / Stützen / und was sonsten nach Gelegenheit der Zeit und des Ortes erfordert wird / ihnen zeitlich zu Hülffe komme / sonderlich bey denen Baumschulen / und einzeln Bäumen / so man a parte gepflantzet / und deßen schleunigen Anwachs gerne befördert wißen will.

Und zwar was vors erste das Behacken betrifft / muß solches alles seitwerts / und von der Wurtzel abe geschehen / sonst beschädiget man die selbige desto leichter, und wenn ein Baum rund um dreymahl des Jahrs behacket werden kan / ist ihme solches sehr vorträglich, denn dadurch verdirbet das Graß / und der Regen kan besser eindringen. Das erste Hacken geschiehet im Februario, das andere im Majo und denn das dritte im Augusto. Bey dem Anpfählen ist zu beobachten / daß der Pfahl gegen Westen gestecket oder geschlagen werde / denn die meisten Winde hiesiger Lande von dannen herkommen / wie wohl etliche der Meynung und mit guten Nutzen probiret haben, daß man keinen Stamm (er sey denn so groß / daß er sich des gäntzlichen Umwerffens vom Winde gar nicht erwehren könne /) anpfählen solle / hingegen so bald der Wind solchen gedrucket / müße man ihn wieder gerade richten und die Erde eintreten / da denn dergleichen Stämme beßer einwurtzeln als die angepfahlten / auch nicht so schadhafftig würden als die angebundenen.

Hiernechst so ist auch wohl zu observiren daß wenn im Mertz dürre Wetter einfället / so müßen die versetzten Stämmlein fleißig begossen oder mit fließenden Wasser bewässert werden / denn sonsten können sie nicht bekleiben und recht einwurtzeln.

§. 3. Es dienet auch zu besserer Fortkommung der Stämmlein / wenn man ausgelaugte Asche mit Erde vermenget / an die Wurtzel schüttet.

Solches aber ist nur in den Baum-Schulen oder bey einzeln Bäumlein practicirlich.

Denn die Wälder brauchen keiner Düngung / weil sie sich von den Laub / Tangeln / abfallenden Rinden / Moos und Aesten ihrer Bäume / selber düngen / dergestalt daß wenn der Anflug des jungen Holtzes nur einer Ellen oder etwas mehr lang ist / so wird durch die Blätter / Tangeln / abfallenden kleinen Aestlein und Rinde also fort die Erde auch wieder gedünget und brauchet keiner weitern Besserung / welches Göttliche Allmacht also geordnet / daß das Erdreich in Wäldern nicht ausgebauet werden kan / gleichwie in Getreyde-Feldern wenn solche in wenig Jahren nicht gedünget werden / das Gegentheil geschicht / und sie so mager werden / daß selbe keine Frucht mehr tragen mögen.

§. 4. Aber auf das Ausputzen / oder Ausschneideln der jungen[WS 84] Bäume / zu kommen geschiehet solches nur anfänglich in ersten Jahren und zwar 1. oder 2. Jahr nach einander / daß man ihnen die übrigen untersten Aeste benimmt / auch wohl den Wipfel / wegschneidet / nachdem man solche entweder hoch oder dicke zuziehen gedencket / hernach wenn sie älter werden / so nimmt man die dürre / welcke und wandelbare / ingleichen die überleye Aeste oder die so dem Baum eine deformität geben könten / auch sonsten schädlich sind hinweg.

Dergleichen Ausputzen oder Ausschneideln ist sehr nützlich und hilfft zu bessern Wachsthum eines Baums um ein groses.

Qui cum judicio putat Arborem, efficit, ut quod arbor sponte noluit facere, justitia violenti cogatur, ut id agat sagt P. DE CRESCENTIIS. d. i. Wer einen Baum mit Verstand ausschneidelt und ausbutzet / bringet ihn dahin daß er gezwungen thut / was er von freyen Stücken nicht thun will.

Dieses aber wird nur von den Bäumen / so Laub tragen gesaget / denn die Tangel-Bäume leiden kein Beschneiden oder andere Wartung / sondern es ist ihnen dieses alles schädlich / und der sicherste Weg / man läßet sie ungestöret wachsen / und so einer keinen Wachsthum erlanget / oder sonst kleine oder knorricht wachsen will / so haue man solche ab / und mache den andern Raum.

Jedoch kan man ihnen etzliche schädliche Aeste / wenn der Stamm nicht in die Höhe will / von unten hinauf benehmen / sonderlich der Tannen welches / wie man befunden / den Stamm zum Wachsthum sehr befördert dann es ist gewiß / wenn ein Stamm in die Höhe wachsen und gerade werden soll / so muß er von den untern übrigen / sonderlich dicken Aesten da der Safft meisthin ziehen will entladen werden / und es also vertragen und[WS 85] überwinden.

Aber außer diesen ist wie gedacht / insgemein bey dem wilden Holtze das Ausschneideln / Ausputzen und Behauen von keinen sonderlichen Nutzen / es sey denn / daß es mit großer Fürsichtigkeit und zu rechter Zeit beschehe / indem man leicht mehr Schaden thun / als Nutzen schaffen kan / wenn man die Bäume mit Hauen beschädiget / die Rinde verletzet / und bis frische Holtz kommt / da der Safft / Hartz / Gummi / hernach ausdringet / auch Krebs / Brand und dergleichen darauf erfolget.

§. 5. Die Bäume biß auf den Gipffel zu beschneiden / thut selten gut / denn der Baum kan nicht dicke und starck werden, und ihn also der Wind und Schnee leicht drücken.

Der Safft gehet auch alle nach dem Gipffel zu / hält sich in seinem Lauff nicht auf / weil er unterwegens keine Aeste hat / und bleibet also dergleichen Baum stets dünne und schlanck, ja die meisten verdorren auch gar / sonderlich die Tannen und Fichten.

Wenn ein neuversetzter Stamm neue Aestlein treibet / so ist es eine Anzeigung / daß er nunmehr wohl eingewurtzelt sey / alsdenn kan man ihn wohl ausputzen und beschneiden.

Es will aber hierbey sonderliche Vorsichtigkeit auch deswegen gebraucht seyn / damit man so wohl Acht habe / daß der Stamm und das Holtz von des Baumes Safft ernähret / als auch so viel übrig sey / daß er auch in die Frucht treiben kan.

Derhalben nur das überflüßige Holtz zubenehmen / damit solches nicht die Wurtzel aussauge / und also den Verderb des Stammes / oder zum wenigsten der Frucht causire.

Auch sollen nicht gar zu viel oder alle Aeste benommen werden / sonsten ersticket der viele Safft / weil er keinen Ausgang hat / die Wurtzel und den Stamm / daß er also gar eingehet.

§. 6. Die Wasserschüsse oder diejenigen Reiser / so unten an Stamm oder an der Wurtzel ausschlagen / wie auch die Räuber / so an dem Stamm und an den Aesten hin und wieder herfür wachsen / soll man alsobald / wenn man deren ansichtig wird, ohne sorgfältige Beobachtung der Zeit wegschneiden oder abhauen / denn sie wachsen gerade über sich / nehmen den Bäumen und Aesten den Safft und Wachsthum / daß sie wohl gar verdorren; so bald aber solche weggeschnitten / so treibet der Safft die Wunde mit der Rinde wieder zu / und vergrössert und stärcket den Stamm.

Die gedachten kleinen unnützen schädlichen Aestlein / Neben-Schößlinge und Wasser-Reiser / kan man wohl mit einem scharffen Messer abschneiden die grossen aber mit der Säge abnehmen / denn der Baum oder die Rinde durch das Hacken gar leicht beschädiget wird / hernach wird es am Stamm wohl und glatt mit einem scharffen Baum-Messer beschnitten / damit das Wasser und Feuchte nicht so leichtlich in das von der Sägen rauch gemachte Holtz eindringe und die Rinde desto eher drüber wachsen und verwimmern kan.

§. 7. Wenn ein Stamm keinen rechten Schafft bekommen / allzusehr in die Aeste treiben / oder sonst krumm und schadhafft werden will / so ist am rathsamsten / daß man solchen gar abhaue / und einen bessern zu pflantzen / Raum mache.

Da man aber siehet / daß man in Wegnehmung schädlicher anbrüchiger und dürrer Aeste / Räuber und dergleichen / einen Nutzen an einem feinen Baum schaffen kan / soll man es auch nicht unterlassen / zumahl an jungen Bäumen / daß sie besser treiben und einen guten Schafft erlangen mögen / denn sonsten gehet der Safft in unnöthige Aeste und Räuber und der Stamm gelanget zu keinem rechtschaffenen Wachsthum; wenn man aber bey Zeiten einen Baum mit ausputzen und ausschneideln wohl pfleget / kan man solchen ziehen / wie man will.

Die Bäume / so zu Bau-Holtze / Brettern und andern dergleichen Bedürffnüssen aufwachsen sollen / müssen auch dergestalt gepfleget werden / daß man keine Schösserlinge oder Räuber / so aus der Wurtzel oder sonsten unten an Stamm oder an Aesten hin und wieder ausschlagen / gehen oder stehen lasse / sondern solche bey Zeiten abschneide und wegräume / und den Baum also fein gerade in die Höhe ziehe / damit er nicht verbutte / sondern einen guten Schafft erlange.

§. 8. Wie aber solche Schäffte aufzubringen / daß sie einen guten Bau-Stamm / ingleichen gute tüchtige reine Klötzer / so nicht ästig / abgeben mögen / ist eine nothwendige Frage.

Denn wenn sie gnug beschnitten / und ausgeästet werden / so bekommen sie zwar einen guten Wuchs in die Höhe / allein von dem Ast / welcher abgeschnitten / bleibet doch der Rest innwendig in Stamm / und wenn der Baum zu Bretter und andern Bedürffniß geschnitten oder gebraucht werden soll / so findet sich solcher Ast in Holtz / giebt dem Brete einen Mackel / lässet sich nicht wohl hobeln / oder springet der Ast gar aus und macht ein Loch / ja es geschiehet auch öffters daß der Stamm an diesem Ort hohl[WS 86] wird und gar verdirbet.

Wenn aber die jungen Stämmlein anfänglich dick in einander stehen / so lässet der Stamm keine Aeste von sich / sondern wächset flugs von Anfang gerade in die Höhe / und ob gleich etwas Aeste an demselbigen seyn / so verdorren sie / fallen abe / und die Wunde heilet sich aus / daß man nichts daran / weder von innen noch von aussen gewahr wird / hingegen so bald sie grossen Raum haben / und keine andere in der Nähe stehen / so werffen sie allenthalben starcke Aeste aus und verdirbet der gerade Schafft gemeiniglich. Wenn aber die jungen Stämmlein wo sie dicke beyeinander stehen / und allbereits einen feinen geraden / glatten feinen Schafft erlanget haben, so kan man alsdenn die andern jungen Stämmlein so ihm zu nahe stehen / ausheben oder abhauen / ja sie verdorren wohl selber / weil sie nicht alle Nahrung haben können / fallen um / verfaulen / und machen also den Boden besser; Und wenn ein junges Stämmlein / so eine Hopf-Stange abgeben könte / einen Schafft von 5. biß 6. Ellen hat / so wirds der Schafft ehe er 30. und 40. Ellen hoch wird / weit über die / Helffte und wohl 15. biß 20. und mehr Ellen hoch biß an die Aeste aufwachsen.

Denn es soll von rechtswegen ein Schafft zu 20. biß 30. Ellen seyn / ehe die völligen Aeste anfangen / daß er etzliche Bret-Klötzer oder noch so viel Schindel-Spähne geben und sonsten zum Bau tüchtig sey.

§. 9. Wenn man große Aeste abschneidet / so muß man unten und oben loß schneiden / sonsten wenn ihn die Schwere des Astes selbst loß reißet / so nimmt es die Schale von den Bäumen mit / und beschädiget also dieselbe. Wird ein Ast oder Knorren abgehauen / so überlaufft es sich nicht leichtlich mit der Rinde / zumahl wenn der Stamm nicht gar zu jung ist / sondern es wird hohl / alsdenn dringet Wasser Lufft und Wetter hinein und der Baum wird nach und nach gar faul.

Derowegen soll man das Unnütze oder überleye des Astes glatt abschneiden und keinen Sturtzel daran laßen / damit die Narbe desto eher überlauffen könne.

Denn wenn ein Sturtzel bleibet / so springet und spaltet er sich auf; fället nun der Regen in solche Spalten so faulet er biß in den Stamm hinein / daß der Baum dadurch hohl / knorricht / und unbrauchbar zum Bauen wird.

Es ist auch nicht undienlich / daß man den Schnitt mit frischer Erde reibe / welches den Safft zurücke treibet / daß er nicht heraus dringen und auslauffen kan / oder aber / weil die Baum-Salbe etwas kostbar / so kan man den Ort / wo etwas abgeschnitten nur mit Leim (welchen auch theils mit Küh-Mist / auch mit gepulverten Schwefel vermenget / oder nur bloß mit Küh- oder Schwein-Mist / verschmieren / daß das Hartz nicht nachgehe.

§. 10. Dieses Beschneiden und Abnehmung der Aeste geschiehet wie schon erwehnet mehrentheils darum / daß ein Baum einen schönen geraden Schafft bekomme / und in die Höhe wachse / dahero kan alles obangeführte zuförderst bey dem Ober-Baum practiciret werden / so zwischen dem Schlag- oder so genannten Unter-Holtz stehet und aufwächset.

Wenn aber hingegen ein Baum sich ausbreiten / oder zu einem Saamen-Baum dienen und viel Aeste erlangen soll / so schneidet man von solchen alsobald den Wipffel ab / so treibet er in die Aeste und träget also Frucht und Saamen.

§ 11. Von der Zeit oder Witterungen / wenn das Ausputzen oder Beschneiden mit Nutzen vorzunehmen / auch etwas zu gedencken / so soll man das Holtz / das viel Kern oder Marck hat / bey gar heißen oder kalten Wetter / auch wenns starck regnet oder schneiet / nicht beschneiden / denn dadurch möchte ihnen großer Schade geschehen und die üble Witterung durch den Schnitt und Marck eindringen.

Etliche bewerckstelligen das Ausputzen der Bäume, so viel die schädlichen Sprößlinge betrifft; zu jeder Zeit des Jahres / hauen und schneiden solche ab / so bald sie deren ansichtig werden. Manche pflegen / wenn der Weitzen blühet im Junio die Bäume zu beschneiden und meynen weil der Safft sich zu der Zeit wieder herunter in die Aeste und Stämme vertheilet / so dringe und lauffe solcher nicht zur Wunden heraus / und dannenhero verheile und verwimmer solche eher und überlauffe mit einer Rinde / wozu denn die warme Lufft und Witterung mercklich helffe.

Am rathsamsten aber ist es / daß solches Beschneideln im Frühlinge / bey Ausgang des Februari, oder im Anfang des Martii in der Fasten / wenn das Laub noch nicht ausgeschlagen / geschehe.

Denn im Herbst ist es wegen der darauf folgenden Winter-Kälte nicht thunlich / weil solche das verletzte Ort bald angreiffet.

Die alten Bäume werden in abnehmenden / die Jungen annoch wachsenden Stämme aber / in zunehmenden Monden ausgeputzet und beschnitten.

Desgleichen wenn etwas beschnitten wird / so wieder und annoch wachsen soll / muß es in zunehmenden Monden beschehen / was aber nicht wieder wachsen und ausbleiben soll / in abnehmenden. Es geschiehet auch offt / daß an Wurtzeln große Knoten wachsen / dahin sich der Safft ziehet und dem Baum die Nahrung entgehet; Solchem nun zu begegnen, muß man in abnehmenden Monden dergleichen Knoten durch saubers und behutsames Aufziehen der Erden von der Wurtzel aufheben / die Knoten beschneiden / und den Schnitt mit Leimen oder Erden verschmieren / die Wurtzel wieder wohl zudecken und also dem Baum seinen völligen Safft wieder verschaffen.

§. 12. Ferner ist es auch nicht undienlich den Bäumen / daß man das vielfältige Moos und äußere harte Rinde abschabe / damit die innere junge besser hervor kommen / die Schahlen sich ausdehnen und in die Dicke wachsen mögen.

Doch ist wohl vorzusehen / daß man der innern Rinde / darinnen der Safft ist / nicht Schaden thue.

Die äuserste Rinde oder Moos verwahret zwar den Stamm etwas vor den Frost / wenn sich aber Eiß an solche hänget / so erkältet es auch desto mehr die Bäume / und den Ort wo es ist. Es geschiehet aber solches Abschaben des Mooses und der rauchen Schalen nach einen guten Regen zu Frühlings-Zeiten / in neuen oder zunehmenden Monden.

Besser aber ist es / wenn man theils die Haupt-Ursache hebet und die vielen Feuchtigkeiten / so den Baum mosig machen / durch Graben vom Stamm abziehet. Dieses Baumschaben ist auch gut wieder den Baum-Krebs / Baumnagende Würmer und ander Ungeziefer / daß es sich nicht unter der Rinde aufhalten kan.

Schädlich aber ist das Moos und alte Rinde kurtz vor den Winter von den Bäumen zuschaben / denn der starcke Frost hernach desto eher im Stamm dringen und solchen beschädigen mag / derhalben soll solches wie gedacht im Frühling beschehen.

§. 13. Das Reißen der Bäume / damit solche wegen Dicke der Schale sich ausdehnen und in die Dicke wachsen können / soll nur in der äusersten Rinde / und der Riß gegen die Abends- und Mitter-Nachts-Seite geschehen / damit die Sonne gegen der Mittags-Seiten in selbigen nicht würcken und dadurch Brand und ander Schade daraus entstehen könne.

Es wird solches bey denen jungen Stämmen das Schrepffen genennet / und ist sehr dienlich / muß aber im Frühling geschehen / wenn der Safft in Stamm in die Höhe tritt / man thut mit einem scharffen Messer 2. oder 3. Riße durch die Rinde am Stamm herunter / ohne / daß man das Holtz berühre / (welches schädlich ist) darauf sich die Schale von einander und dem Stamm Raum giebt in die Dicke zu wachsen.

Denn wenn die Rinde starck dick und feste ist / sonderlich an denen Bäumen / so sehr im Wetter und an der Sonnen-Hitze stehen / so klemmet dergleichen Rinde entweder das Holtz zusammen / daß es sich nicht ausdehnen und dicker werden kan / sondern in der Schale verbutten muß / oder aber sie treibet den Stamm in die Höhe / daß er zu keiner Stärcke gedeihet.

Welches Schräpffen die Natur offt an denen Bäumen selber verrichtet / indem man an ihnen viel dergleichen Riße siehet: welche Bäume aber dicke beysammen stehen also / daß die Witterung solche nicht völlig treffen und die Rinde mehr erhärten kan / die haben eine zarte Rinde und dehnen sich mit und nach den Wachsthum des Baumes aus.

§. 14. Es lässet sich auch ein fleißiger Hauß-Wirth angelegen seyn / die Spinnen und Raupen-Nester bey Zeiten / ehe es im Frühlinge warm wird / und das Ungeziefer und Geschmeiß auskreucht / mit der Raup-Scheere weg zu nehmen und abzubrechen.

Wo aber deren zu viel / wie zum offtern der Jahr-Gang also ist / so muß man Gottes-Hülffe erwarten / der weiß schon zu remediren.

§. 15. Will ein Baum nicht tragen / soll man die Aeste abstützen / so wird er fruchtbar.

Ja wenn man nur einen Ast abstützet / so wird solcher eher blühen und tragen.

Wenn Winters-Zeit der Stamm eines Baumes / so man fürchtet daß er erfrieren möchte / unten um die Wurtzel herum mit Stroh / Moos / Laub / oder gar mit frischen Pferde-Mist bedecket wird / so kan er große Kälte vertragen und ausstehen.

Ingleichen kan der Stamm mit langer Roßstreue eingebunden werden / so wiederstehet er dem Frost am besten.

Excrementa humana in Wasser gerühret / und um die Bäume und andere Gewächse geschüttet / soll denen Ameisen und Erdflöhen wehren / dergleichen eingeruhrter Ruß ebenfalls thun soll.

§. 16. Dafern ein Baum wandelbar zu werden anfänget kan man darein ein Loch / eine Spanne über der Wurtzel biß auf den Kern bohren / so lauffet alsdenn Wasser heraus / und der Baum geneset.

Das Loch wird mit einem Pflock von des Baumes-Holtz wieder zugeschlagen.

Wenn endlich an den Laub-Bäumen man siehet / daß solche keinen Schafft oder Wachsthum erlangen wollen / ingleichen / krumm / höckericht und sehr mosigt werden / die Schalen verlieren / den Krebs oder sonsten Schaden bekommen / so ist es am besten man haue solche weg und mache denen andern Raum / denn wenn gleich ein solcher Stamm noch 20. 30. 40. bis 100. Jahr stehen solle / so gehet ihm nichts zu / sondern nur immer ab / stecket auch wohl die nebenstehenden Bäume / mit der Seuche damit er behafftet an / und diese wieder andere.

Es träget sich auch wohl zu / daß ein gesunder Baum / so einen guten Anfang und Wachsthum hat / mit denen Wurtzeln an einen Stein-Felsen / Schiefer oder Wasser-Galle in die Erde kommt / und die Wurtzeln dadurch verhindert werden / dannenhero er seinen Wachsthum verlieret / und endlich gar verdirbet; bey dergleichen Bewantniß muß man zu sehen / ob solchen mit Behacken oder sonsten zu helffen / oder selber bey Zeiten zum Bauen oder zum Brenn-Holtz, ehe es noch mehr wandelbar wird / zu fällen.

Naße oder morastige Oerter im Wäldern durch Gräben / oder Röhren zu trucknen / hingegen dürre Gegenden zu wässern / hat und giebt seinen sonderlichen Nutzen.

§. 17. Im übrigen ist es zwar wohl an deme / daß die vorgeschriebene Pfleg- und Wartung derer Baume / bey großen Wäldern nicht wohl beschehen kan / alleine es profitiret doch viel / wenn nur etzlicher maßen, ein guter Haußwirth bey denen weitläufftigen Holtz-Revieren besorget ist / das jenige was schädlich befunden wird / nach und nach, wo es sich thun lassen will abzuthun und hingegen was nützlich / aus ob allegatis zu seyn / dabey sich zeiget / so müglich nach und nach anstellen / verrichten und vollbringen zu lassen / so wird

der Nutzen sich gewiß finden.
Von allerhand

Arten und Geschlechtern

Der innländischen

Wilden Bäume /

Derer / wie auch

Der

Waldungen vortrefflichen Nutzen /

Ingleichen

von

Schlag- und Fällung des Holtzes

item

Verkohlung und Aescherung desselben.

Worbey zugleich

Gründliche Nachricht

Von

Den in Ober-Sachsen

Neu-gefundenen Turff /

Dessen grossen Nutzen / Gebrauch und Verkohlung.

Anderer Theil.
Das Erste Capitel /
Von Unterscheid / allerhand Arten und Geschlechtern[WS 87]
der Bäume / wie auch insonderheit vom
Tangel-Holtze.

§. 1. General-Abtheilung derer Bäume in zahme und wilde. Worinnen diese vor jenen einen Vorzug haben.

§. 2. Abtheilung der wilden Bäume in Tangel- oder Hartz- und in Laub-Holtz.

§. 3. Unterschiedene Arten des Tangel-Holtzes und was wir davon in Sachsen haben.

§. 4. Anmerckung / daß der grimmige Winter-Frost dem Tangel-Holtz nicht schade / der Reiff und Frühlings-Frost aber die zarten Sproßen deßelben verderbe.

§. 5. Welche Bäume von Tangel-Holtz den meisten Saamen tragen.

§. 6. Des Tangel-Holtzes Nutzen insgemein.

§. 7. Wie das Tangel-Holtz fortgepflantzet werde. Warum sich theils Zapffen auff- und wieder zu schliessen. Observation von Tangel-Saamen durchs microscopium.

§. 8. Anmerckung von Zurichtung des Bodens und Säe-Zeit.

§. 9. Vom Versetzen des Tangel-Holtzes.

§. 10. Wo die Tanne am liebsten wachse. und was vor Holtz neben ihr auffkommen könne.

§. 11. Unterschied der Tanne / Kiefer und Fichte.

§. 12. Hart und weich Tangel-Holtz. Dieses schläget nicht wieder aus / wenn es abgehauen.

§. 13. Benennung der Tanne.

§. 14. Die Tanne wächset auch in America. Ihre Eigenschafften / Haupt-Wurtzeln / Rinde / Tannenblattern / Aeste und Holtz.

§. 15. Vom Stamm des Tannenbaums und dessen Saamen. Von der Mistel und woher selbige entstehe.

§. 16. Vom besten Boden dieses Baums / und wem er beym Heyden gewidmet gewesen.

§. 17. Worzu das Tangel-Holtz gebraucht werden kan.

§. 18. Unterscheid zwischen Pinus und Pinaster. Beschreibung des Pini oder zahmen Kiefer.

§. 19. Beschreibung und Eigenschafften des Pinastri, oder der hiesigen wilden Kiefer. Warum Augspurg einen Kiefern Zapffen in Wapen führe.

§. 20. Eigenschafften des Kiefern Holtzes und worzu es zu gebrauchen. Vom Theer warum dieses Holtz sich nicht wohl zum Wasser-Röhren schickt.

§. 21. Von Saamen desselben Holtzes. Warum des Holtz zu Mast-Bäumen sehr gut ist.

§. 22. Beschreibung der Fichte. Von deren Zapffen und Saamen.

§. 23. Von Hartzreisen und Pechsieden. Dessen Mißbrauch. Zu was Ende die Ameisen und wilden Schweine sich des fichtenen Hartzes bedienen.

§. 24. Wo die Fichte gerne wachse. Wem sie zugeeignet[WS 88] gewesen. Nutz derselben Aestlein und Holtzes. Sineser Aberglauben.

§. 25. Beschreibung des Eibenbaums wo er hier zu Lande anzutreffen.

§. 26. Beschreibung des Taxbaums.

§. 27. Beschreibung des Lerchenbaums vom Lerchen-Schwamm. Ob dieses Holtz brenne und Kohlen von sich gebe.

§. 28. Wo dieser Baum wachse. Kan nicht wohl versetzet werden.

§. 29. Zweverley Arten des Wacholders. Ob er männlichs und weibliches Geschlechts sey.

§. 30. Von der Blüte des Wacholders /

dessen Nutzen und Kohlen.
§. 1.

DIe allgemeinste oder generalste Abtheilung der Bäume ist / daß sie unterschieden werden / in wilde- oder Wald-Bäume / und in zahme oder Garten-Bäume; in Sylvestre & urbanas sunt dividendae Arborum quaedam, schreibet PLINIUS N. H. Lib. I. c. 19. omnino Sylvestres quaedam, quaedam urbanae. Hae mites, quae fructu aut aliqua dote, umbrarumve officio humanitus juvant ut non improbe dicantur Urbanae.

D. i. etliche sind wild / etliche Garten-Bäume.

Zu denen letztern gehören diejenigen die entweder mit ihrer Frucht oder sonsten einer Annehmlichkeit wie auch mit ihrem Schatten denen Menschen dienen / dahero sie auch Garten-Bäume genennet werden.

Anders beschreibet die wilden-Bäume der AUTOR DE PLANTIS, von welchen man insgemein hält / daß es ARISTOTELES sey / quod sc. sine cura & cultura proveniant, daß sie nehmlich ohne sonderlichen Fleiß und Wartung daher wachsen.

Deshalben eignet er auch denen wilden zu / daß sie durchgehends mehr Früchte / als die Garten-Bäume tragen / hingegen wären derer letztern ihre besser und angenehmer.

Es gereichet aber denen wilden Bäumen zu nicht geringen Ruhm / und dem menschlichen Geschlechte zum Troste / daß deren offt in der Heiligen Schrifft Meldung geschicht / davon wir jetzo nur einen sonderlichen Ort anführen wollen.

Esaiae 41. V. 9. verheiset der große und gütige GOtt: Ich will in der Wüsten geben / Cedern / Föhren / Myrten und Kiefern / und will auf dem Gefilde geben / Tannen / Buchen / und Buchs-Baum mit einander; dadurch wir uns versichern sollen / daß es an Holtz nicht ermangeln werde / wenn wir die Arbeit in dem Schweiß unsers Angesichts / wie in andern Dingen / dabey anwenden.

§. 2. Die wilden Bäume werden ferner abgetheilet / in das Tangel- oder Hartz- und in das Laub-Holtz.

Dieses lässet seine Blätter Herbst-Zeit bey herannahenden Winter fallen / jenes aber behält den grünen Schmuck und Tangeln / Winter und Sommer über / wie wohl auch die Fichten / Kiefern und Tannen nur etliche Nadeln in Mäy-Monat abwerffen / da nehmlich die Jungen die Alten vertreiben / jedoch bleiben sie stets grün.

Bey dem Laub-Holtz ist fast nicht ohne Betrübnüß anzusehen / wie mit Eintretung der Kälte dasselbe aller seiner Zierde beraubet / und die Blätter abgestoßen werden / daß man meynen solte / es wäre gantz keine Krafft / Safft / noch vegetation mehr in solchen Bäumen / wie wohl sie sich bey angehenden Frühling wieder ausputzen / und ihre vorige Anmuth mit jung herfür wachsenden Laube aufs neue annehmen / daß es fast das Ansehen gewinnet / als ob diese Saisons eine Comoedie spielten / und das Theatrum zu gewißen Zeiten veränderten. Hingegen das Tangel-Holtz bleibet perpetuirlich grüne / und ist dießfalls keiner sonderlichen Veränderung unterworffen auch dahero desto anmuthiger.

Denn wenn sonsten der gantze Erdboden mit Schnee und Frost bedecket / und gantz weis scheinet / so prangen diese Bäume alleine mit ihrer stetigen und immerwährenten grünen Farbe / die sie unverändert in allen Jahres-Zeiten / als Sommer und Winter darstellen / welches sonsten kein so großer Baum als ein vegetabile zu thun vermögend ist.

§. 3. Von diesem Tangel- oder Hartz-Holtze nun haben wir in unsern Ländern zwar nicht mehr / als dreyerley Arten / nehmlich I. die Tanne / so den Vorzug hat / auch wohl in die weiße und rothe wiewohl mit schlechten Unterschied getheilet wird / II. die Fichte / welche gleicher Gestalt in die rothe und weise unterschieden III. die Kiefer.

Jedoch finden sich auch einzeln der Lerchen-Baum / und der Eybenbaum.

In andern Ländern werden erwehnte 3. Hartz-Bäume in vielerley Geschlechte abgetheilet / aber von denen / so an unsern Orten wachsen / observiret man / daß nur nach Beschaffenheit des guten und schlimmen Bodens diese jetzt gedachten beyde Arten / die weiße und rothe nehmlich / an der Höhe / Stärcke / Geradigkeit oder Krümme mercklich von einander differiren / etliche ein gutes und tüchtiges / andere aber ein morsches / brüchig und geringes Holtz / etzliche auch eine weißere / oder röthere Rinde haben / wie denn sonderlich die Kiefer auf hohen morastigen naßen / und zugleich sehr kalten Gegenden gantz klein bleibet / wie eine Staude / und doch gleichwohl Zapffen und Saamen träget.

Weil nun von diesen dreyen in specie zuhandeln ist / als wollen wir noch eines und das andere / was das Tangel-Holtz angehet / vorher anführen.

§. 4. Es ist sich nicht wenig zu verwundern daß die grimmige und über große Kälte Winters-Zeit gleichwohl denen Tannen / Fichten und Kiefern nichts abhaben / oder sie verderben könne.

Denn ob gleich die Aeste und Tangeln so sehr erfroren / daß sie gantz starre sind / und der Safft in dem Stamm durch und durch in lauter Eiß verwandelt ist / so schadet ihnen doch solcher Frost nicht sondern sie bleiben einmahl wie das andere grün bey ihren Kräfften und Wachsthum / ohne Zweiffel wegen des vielen Schwefels und olität / so sie bey sich führen.

Hingegen aber / wenn Frühlings-Zeit ein Frost oder Reif entstehet / da die jungen Sproßen an Aesten und Gipfeln ausgeschlagen / so erfrieren solche gar leichtlich / werden roth / endlich dürre / und fallen ab / welches gar betrübt anzuschauen / daß ein / ob wohl geringer Frost / dennoch so großen Schaden thun könne / dann selbiges Jahr bleibet der Wachsthum an solchen Gipffeln und Aesten gantz und gar zurücke.

§. 5. Es ist auch dieses nicht zu übergehen / daß unter denen Hartz-Bäumen keiner mehr Saamen oder Zapffen träget / als die Kiefer / denn sie hat ihre Aeste von den untersten bis zum obersten damit beladen / und nechst dieser die Fichte / die ihre Zapfen meist um dem Gipffel des Baums und an denen Aesten hat / daß eine solche Fichte deren etliche Schock führet und träget.

Dieser Baum trägt auch gar zeitlich Saamen / wenn er kaum 5. 6. oder acht Ellen hoch ist / welches aber die Tanne nicht thut / als die erst in ihrem rechten Wachsthum Zapffen hervor bringet / welche auch meist um dem Gipffel herum stehen.

§. 6. Was grossen Nutzen nun / das Hartz-Holtz diesen unsern Landen bringe / ist gnugsam bekant / und also unnöthig allhier davon viel anzuführen / deswegen wär auch dahin zu trachten / wie solches durch Fleiß und Arbeit vermehret und dadurch die Nahrung befördert werden möge. Dergleichen einer vornehmen Fürstin sonderbahr nachgerühmet wird / daß sie das Tangel-Holtz in dem Meckelburgischen gar glücklich soll eingeführet und haben säen lassen. Es lieget selbige in Güstrau begraben / und ist die weyl. Durchl. Fürstin und Frau / Sophia / eine gebohrne Konigliche Princeßin in Dännemarck. Durch dieses Mittel ist sonderlich das Kieffern-Holtz in grosser Menge aufbracht worden / zu mercklichen Nutzen der hohen Obrigkeit und des gantzen Landes allda.

§. 7. Solch Tangel-Holtz wird wie im vorigen Theil angeführet / durch den Saamen vermehret / welcher in Zapffen enthalten ist.

Dieser wenn er von sich selber von Stamme aus- und auf die Erde fällt / gehet auf / und mehret sich also sothanes Holtz ohne eintzige menschliche Arbeit.

Alleine / weil es langsam darmit hergehet / sich auch hierbey viele Hindernisse ereignen / als ist vonnöthen / wenn man nicht gar von Holtz-Vorrath kommen will / den Saamen zu rechter Zeit zusammlen / und durch Menschen-Hand in die Erde zubringen. Wie nun solches geschehen müsse auch wie der Saamen auszustreuen / zu verwahren und dergleichen / darvon ist in vorhergehenden ausführlich gehandelt worden / dahin wir uns beziehen und anietzo nur dieses anmercken wollen, daß wenn der Saamen von sich selbst an den Bäumen ausgefallen / so thun die Fächer oder Lieder (ausgenommen an den Kieffer-Zapffen / welche offen bleiben) sich wiederum zu / und so er nicht gantz ausgefallen / indem die Nässe / oder kalte Witterung solches verhindert / so schliessen sie selbigen wieder ein / biß auf eine andere Zeit / da sie sich wieder aufthun / und hieraus ist auch gar wohl zuurtheilen / daß die Natur den Saamen nicht auf einmahl alle hergeben will / in Vorsicht, daß wenn es einmahl wegen des Aufgehens manquiren solte / sie solchen Schaden wieder aufs neue ersetzen könte.

Es wird aber der Saame in den Zapffen / in einem Jahr zeitlicher reif / als im andern / nachdem die Witterung ist; auch erfrieren dieselbe wohl gar in Frühling / wenn sie noch jung seyn / werden schwartz und fallen ab / ja es verdirbet offt der Saamen etliche Jahr nach einander.

Noch etwas sonderbahres ist allhier mit Stillschweigen nicht zu übergehen / nehmlich / so man diesen Tannen-Fichten- und andern Saamen aufbricht / und durch ein microscopium betrachtet / so wird man jedes Baumes Art und Aeste dadurch gewahr werden / und sich solches sichtbarlich / und wohl erkäntlich zeigen / welches man gewiß als ein Wunder der Natur zu betrachten hat.

§. 8. Wenn nun mit dem gesammleten Saamen eine gantze Gegend besäet werden soll, und der Boden auf ein viertel Ellen tief mit Pflügen / Graben oder Hacken umgerissen werden kan / so ist es gut / wo nicht, so muß man doch Gräblein von 1. biß 2. quer Finger tief in Reihen aufmachen / den Saamen drein streuen / und wieder einebenen / der gehet gemeiniglich nach 6. Wochen auf / wenn er frisch in die Erde bracht / und gute warme und dabey feuchte Witterung hat.

Um Friedrich-Stadt / Halmstrandt etc. an der Ost- und Nord-See / wird dergleichen Baum-Saamen mit grossen Nutzen in schmale Grüblein / etwan 1. biß 2. quer Finger tief / gesäet / und gute Erde drauf gezettelt oder gestreuet / so gehet er hernach auf; kan man alsdenn / im Fall wenig oder geringer Boden daselbst verhanden / etwas gute Erde herum streuen / wenn sie hoch ausgeschlagen / so ist es gar nützlich.

Der Saame / so man im Früh-Jahr einbringt kan alsobald oder im folgenden Herbst gesäet / und der / so man im Herbst sammlet / auch alsofort / oder im Frühling in die Erde gebracht werden.

§. 9. Die jungen Tannen / Fichten und Kiefern sind / wenn sie zwey oder drey Jahr alt / fortzusetzen / so bekommen sie am besten / und werden in Ausziehen nicht zu sehr an der Wurtzel beschädiget / als die Grössern / und pfleget man sie vor den Versetzen eine Zeitlang mit der Wurtzel einzuweichen.

Man versetzet sie so wohl im Herbst als in Mertzen.

Darbey aber können sie das Beschneiden nicht vertragen / wie mehrmahls erinnert worden.

Denn das Hartz / als der beste Safft / tritt zu dem Schnitt / dahero der Baum entweder verderben muß / oder er erlanget doch keinen Wachsthum: hingegen die untersten Aeste mit Behutsamkeit abzuschneiden / dienet / daß solcher Baum desto besser in die Höhe wachse; In übrigen aber darf man sie nicht tief mit der Wurtzel setzen / und muß allenfalls im Anfange einen Stein auf die Wurtzel legen / damit der Wind und Schnee das Stämmlein nicht umwerffe / biß es etwas eingewurtzelt / hernach kan man solchen wieder wegnehmen. Wiewohl es ingesammt beßer ist / wenn diese Bäume auf der ersten Stelle bleiben / welches ebenfalls in vorhergehenden Theil mit mehrern dargethan worden.

§. 10. So viel nun den Boden betrifft welchen dieses unser Tangel-Holtz liebet / so wachsen solche Bäume auf Bergen / in Thälern / zwischen Felßen und Steinen.

Jedoch wo es zu naß und morastig / da verbutten sie / und kommen nicht in die Höhe / werden mosig / und verderben endlich gar.

Im Sande hat die Fichte und Tanne keine sonderliche Art / aber wohl die Kiefer. Die letztere wächset auch sonsten gerne beysammen / und im Fall sie nach Art des Bodens / 5. 6. oder 8. Schuch von einander stehen / so ist es gnug / und wachsen desto lieber.

Bey und neben den Fichten / Tannen und Kiefern / wächset auch alles andere Holtz / als Eichen / Buchen / Ahorn / Bircken etc. Die Tanne und Fichte / wie auch die Kiefer und Fichte stehen gern bey und um einander / aber gar selten die Tanne und Kiefer.

§. 11. Wie aber eine Art dieses Holtzes von einander unterschieden sey / ist leicht zu erkennen.

Denn ob sie gleich in gewißen Stücken einerley Beschaffenheit haben, so sind sie in andern gar different.

Die Fichte hänget ihre Aeste / wie auch die kleinen Zweiglein und Aestlein so daran sind, niederwerts; die Tanne und Kiefern hingegen treiben dieselbigen etwas gerader und stärcker von sich aus; die Fichte hat auch eine rothe und braune / die Tanne eine weißlichte / und die Kiefer eine gelbe und röthlichte Rinde oder Schale. Die Fichte träget ohngefehr in 15. bis 20. Jahren schon Saamen / ingleichen die Kiefer; aber die Tanne will 20. bis 30. und mehr Jahr-Zeit dazu haben / jedoch / nachdem der Boden ist / darauf sie gewachsen / weil einer mehr als der andere Kräffte und Nahrung giebet.

Stehen sie aber gar zu dicke beysammen / bringen sie nicht gern / oder doch wenig Saamen hervor / doch wenn sie sich etwas ausbreiten / und Aeste werffen können / so tragen sie dessen eher und in größerer Menge. Die Kiefer giebet das Theer / und die Fichte das Pech / aber die Tanne giebt wenig / und ist fast gar nicht zu dergleichen zu gebrauchen / hingegen unter der Rinde hat sie kleine Blattern / darinnen sich eine schöne und wohlriechende Art eines zarten Hartzes / fast wie ein Terpentin, finden lässet / und zu allerhand Gebrechen nützlich ist.

Kiefern und hernach alte tännene Bretter / sind zum Wasser-Rädern und dergleichen am besten / denn solche springen / wenn sie eine zeitlang stille / und in der Sonne und Lufft stehen / nicht auf / gleichwie die Fichtenen.

Die Tanne / ob sie gleich / sonderlich an Wipfel und an der Rinde wandelbar wird / so heilet sie doch solches aus / oder bleibet zum wenigsten noch lange Zeit grün / und in ihrem Wachsthum; hingegen die Fichten / so bald dieselben etlicher maßen an Wippeln / Aesten / Stämmen / oder Rinden einen Mangel bekommen / können sie sich nicht wieder erhohlen / sondern verderben in kurtzer Zeit. Alle 3. Gattungen aber kommen mit einander überein / daß sie 100. und mehr Jahr in die Dicke / auch wohl so lange in die Höhe wachsen; it. daß sie von Saamen besser fortkommen als durchs Versetzen / wie sie denn auch / wenn sie einmahl abgehauen oder gefället / weder am Stock noch an der Wurtzel wieder ausschlagen.

Ihr Holtz ist zum Zucker sieden sehr dienlich / weil sich der Zucker an keines lieber anhänget und anschießet / als an dieses / weswegen auch die Sieder solches zu Gefäßen und Stecklein brauchen.

Sonsten will man dafür halten / wenn die wenige Wurtzeln / so die Fichte und Kiefer haben / sonderlich von der großen Sonnen-Hitze allzu hartzig werden / daß der Baum verderbe / oder abstehe / weil der nöthige Safft durch die allzu fette und hartzige Wurtzel nicht durchdringen und dem Baume zu gute kommen kan / daß er also wie ein fett Thier in seinem Hartze oder Fette ersticken muß.

Das Tännene und Fichtene Holtz / wenn es zu rechter Zeit in Abnehmen des Mondes / ehe der Safft wieder hinein tritt / und zwar in Jovialischen Zeichen gehauen wird / so sticht es der Wurm nicht an / und so es trucken lieget / wird es dauerhafft und ohne Fäulniß befunden.

§. 12. Es ist aber das Tangel-Holtz in unsern Landen nicht einerley Geschlechtes.

Denn etliches ist weich / etliches hart. Unter das weiche wird gezehlet: (1.) die Tanne / (2.) die Fichte / (3.) die Kiefer; unter das harte aber wird gerechnet: (1.) der Lerchen-Baum (2.) der Taxbaum / (3.) der Eibenbaum und (4.) der Wacholder / von deren jeglichen wir anitzo insonderheit handeln wollen.

§. 13. Die Tanne wird auf Latheinisch Abies genennet: bey den Franzosen heißet sie Avet oder Sapin, welches Wort von denen Lateinern genommen / als welche den untern Theil dieses Baums / oder den geraden in gleicher Dicke in die Höhe bis an die Aeste aufsteigenden Stamm / Sapinus; das Ober-Theil aber Fusterna benahmet / wie bey dem PLINIO Lib. 16. c. 33. und / VITRUVIO. L. 2. c. 11. nachzusehen.

Etliche wollen das teutsche Wort Tanne / oder Danne von ausdehnen / wegen deßen Länge herführen / sintemahl dieser Baum sehr hoch und gerad ist / welcher in diesen Stück die Fichte übersteiget / und also hierinnen den Cedern gleich gehet / wie denn diese beyde auch in der H. Schrifft zusammen gesetzet werden / und sonsten auf dem Berge Libano gewachsen.

§. 14. Die Tanne wächset auch in America und wird von dannen in Europam zu Mast-Bäumen ausgeführet.

Es hat aber dieser Baum ein schön grünends Haupt / und auch für andern Bäumen eine ziemliche Hertz-Wurtzel / welche den Stamm fest hält / und nicht leicht umfallen läßet: die andern Wurtzeln sind zwar auch starck und ausgebreitet / aber nicht tief in die Erde absteigend; derowegen sie offt von Winden ausgerißen wird / und schläget alsdenn einer den andern nieder / daß sie bey hunderten / ja bey tausenden darnieder liegen / und die Wurtzeln / sammt der daran hangenden Erden in die Höhe stehet / welcher Schade / und grausamer Prospect öffters mit Bestürtzung anzusehen.

Die Rinde an der Tanne ist weißlicht und dicke / aber sehr morsch und zerbrechlich / und also geartet / daß wenn sie nur ein wenig abgeschelet wird / so bringet sie dem Baum den Tod.

Es wachsen unter der Rinden offt Hüblein / Knöttlein (tubercula) so zu teutsch Tann-Blattern genennet werden / aus welchen / wenn man sie rizet / das vortrefflichste Hartz heraus flüßet / so fast dem Safft des Lerchen-Baums gleichet / aber es ist durchscheinender / und eines bitterlichen Geschmacks / und wie Dodonaeus schreibet / kommt es / dem Geschmacke nach / mit den Citronen-Schalen überein.

Die Aeste wachsen rund um den Stamm / bisweiln 4. 5. 6. auch wohl mehr in einen Circkel; die Tangeln stehen an den Aesten nicht nur auff der Seite sondern auch etzliche oben und unten / sind auswendig schwärtzlich grün / inwendig aber etwas weißer.

Das Holtz ist weiß / weich und leichte.

§. 15. Wie nur gedacht / so hat dieser Baum anfangs / wenn er noch jung / von unten an Aeste / alleine sie verliehren sich nach und nach / und wenn der Stamm größer wird / so wird er auch glatt und ohne Aeste / biß über die Helffte / daß er 6. 7. biß 8 ellichte Bret-Klötzer giebt. Der Saamen hiervon fleugt meistentheils in spaten Herbst selbigen Jahrs aus / in welchem die Zapffen gewachsen. In Nieder- oder in Holland bringen sie den Saamen aus Norwegen und ziehen etwas von dergleichen auf / sonderlich in Lust-Wäldern und Gärten. Es bringet auch eine ausgewachsene Tanne für allen andern Hartz-Holtz / die so genannte Mistel / oder Mispel. Diese hat Beerlein / einer Erbßen groß / worinnen ein weißer zäher Schleim befindlich / und darzwischen[WS 89] schwartze Körnlein / welches ohne Zweifel der Saame seyn soll.

Wie aber solcher anderwerts zu versäen / zum Aufgehen zu dringen / und zu verpflantzen / ist so viel bekant / noch nicht experimentiret worden.

Man hält dafür / daß diesen Saamen die Vogel auf die hohen Bäume tragen / dadurch die Mistel fortgepflantzet wird / dahero das Sprichwort entstanden:

Turdus sibi malum cacat.

§. 16. In naßen und morastigen Orten hat die Tanne keinen Wachsthum / sondern liebet vielmehr die Gebürge / wie auch davon VIRGILIUS Ecl. 7. also singet:

Fraxinus in sylvis, pulcerrima Pinus in hortis,
Populus in fluviis, Abies in Montibus altis.

Vor Zeiten ist dieser Baum dem Baccho gewiedmet gewesen / und haben die / so demselben geopffert / Kräntze davon auf dem Haupt und Zweige in den Händen getragen.

§. 17. Der Nutz der Tannen ist vielfältig / denn über dieses / daß man das Holtz zum Einheizen / Kochen und Brauen gebrauchet / so ist kein Holtz bey einem Gebäude zu Balcken besser / als die Tannen / denn es träget seine Last über Zwerg gar wohl / schicket sich auch zu Rinnen / Röhren und Brettern etc. ingleichen ist es sehr gut zu Schindeln / weil es leicht und sich wohl spalten läßet / zu allem und jeden Bau dienet es auch / wegen seiner Länge / Dauerhafftigkeit und Langwierigkeit ist auch gar beqvem zu Böttichen / Trögen / Keubel Scheflein und Bierfäßern / welche hernach gepichet werden.

Nicht weniger dienet auch das Tannen-Holtz zur Freude / indem es zu allerhand musicalischen Instrumenten / an großen und kleinen Geigen / Violinen / Clavicordien und zu derer resonanz-Boden gebrauchet wird / maßen hiervon die Heilige Schrifft auch Zeugnüß giebt / daß David und das gantze Hauß Ißrael für dem Herrn her mit allerley Seiten-Spiel von Tennen-Holtze gespielet habe.

Dahin auch zielet das Rähtsel des Poëten:

Vivens muta est, at mortua cantat,

D. i. Wenn es lebet / so ist es stumm / aber wenn es todt ist / singet es.

Oder:

Quae tacet in sylvis vivens, ea mortua cantat.

oder: Es lebt in Walde und ist stille / wenns todt ist / so singt es.

Sonderlich aber ist das Tennen-Holtz bequem zur Schiffarth / wie solches unter andern aus dem VIRGILIO. lib. 5. AEneid. erscheinet.

Furit immissus Vulcanus habenas,
Transtra per & remos, & pictas abiete puppes,

daher auch Abies oder Tanne vor das gantze Schiff genommen wird. Lib. 8. AEnaeed.

Labitur unita vadis Abies
It. Apta fretis Abies, in montibus editur altis
Est & in adversis maxima, commoditas.
It. Montibus oceanas Abies descendit in undas
Non horret fluctus mens animosa fide.

Und werden vornehmlich zu den Mast-Bäumen grosse und gerade Tannen gesuchet / dergleichen in unserm Teutschland / wie auch in der Schweitz anzutreffen.

Man hat daher sonderlich von Zofingen vor Alters viel dergleichen auf den Rhein / biß nach Holland / und sofort weit und breit / auch biß Genua geführet / und sollen die Tannen an die 130. Schuh hoch seyn / wiewohl es im Schwartz-Wald auch grosse Tannen giebt / die aber nicht so dauerhafft als jene seyn.

§. 18. Nächst der Tanne ist die Kiefer oder der Kien-Baum. Dieser Baum wird insgemein Pinus genennet / aber irrig / denn es ist ein grosser Unterscheid zwischen der Pinu sativa und unserer Kiefer / so billicher Pinaster Taeda genennet wird. Wir wollen von der erstern nur etwas weniges berichten.

Es wächset zwar solcher hier zu Lande nicht / jedoch ists zubedauern / daß man nicht emsiger suchet / ihn aufzubringen / dann es ist ein sehr nützlicher / und dabey hoher und gerader Baum / der oben viel Aeste von sich wirfft / welche sich wieder in andere Aestlein vertheilen / hat harte / dünne über 2. Glied länglichte und sehr spitzige Tangeln oder Nadeln / so stets grünen / trägt auch lange und mit vielen Schalen gleichsam als Schuppen verwahrte Zapffen / in welchen länglichte Kern mit einem gelben Häutlein bedecket liegen.

Der Geschmack ist süß / und angenehm / einer fetten und öhlichten substanz, welche auch unter dem Nahmen der Pinigen wohl bekandt sind.

Diesen Baum trifft man in Italien / um Ravenna wie auch an vielen andern Orten öffters an / sonderlich aber wird er daselbst in den Garten erzielet / allwo er am besten fortkommet / wie VIRGILIUS bezeuget Ecl. 7.

Fraxinus in Sylvis, pulcerrima Pinus in hortis.

Er wächset auch in Franckreich in der Gegend der Stadt Marseille, in Spanien / wie auch in denen gegen Aufgang liegenden Provinzen. Daß dieser Baum der Cybele, der Mutter der Götter der Pani vor dessen gewiedmet gewesen / maßen er selbst von solchen Kräntze soll getragen haben / auch dessen Altäre mit Zweigen davon geschmücket worden / achten wir davon viel Zeugnüße anzuführen / allhier unnöthig / man besehe hiervon des Ursini Arboretum Bibl. Sect. 2. c. 7. p. 124.

Sonsten siehet er der wilden Kiefer sehr gleich und ähnlich / wächset auch wohl in freyen Felde.

Wir wollen uns derohalben zu unserm Pinastro oder bekanten Kiefer wiederum wenden. Dieser Baum hat theils einen krummen und gedreheten / mehrentheils aber geraden Stamm / deßen Rinde unten her aschenfarbig / rauch und voller Riße / oberhalb aber schuppicht und röthlicht ist; die Zweige sind mehrentheils gebogen / und zerbrechlich / die Tangeln spitzig / und länger / ja noch einmahl so lang / als an den Tannen und Fichten / und stehen deren allezeit 2. beysammen. Die Zapffen sind rundlicht / kleiner und kürtzer / als die an der Tanne und Fichte / hangen an einem kurtzen Stiel / so entweder gerade oder etwas krum ist / an welchem sie so feste sind / daß wenn schon neue herfür kommen / die alten und jährigen noch an den Zweigen stehen / davon der Saame insgemein für Winters / und bey warmen Herbst-Tagen ausfleugt / aber lang in der Erde lieget / ehe er aufgehet / dann er will Lufft und Raum / wegen derer dabey stehenden Bäume haben.

Die Stadt Augspurg führet in ihren Wappen einen solchen Zapffen von Kiefern / weil dieser Baum in selbiger Gegend und in gantz Rhetia sehr gemein / davon der gelehrte M. VELSER. Lib. 4. Rer. Augustan. zu lesen.

§. 20. Das Holtz hat einen guten Geruch und dauert wohl im Wasser / derowegen es auch sehr zu Wasser-Röhren gebrauchet wird / welche / wenn sie mit Erde zugescharret werden / wohl 30. Jahr dauern können.

Wie denn auch die allgemeine opinion, daß solches hierzu das beste sey; alleine man muß dieß mit Unterscheid verstehen.

Denn es befindet sich / daß das gantz fette oder sehr hartzige / zumahl wo das Wasser steigen / und die Röhre einen grosen Druck haben oder Zwang ausstehen soll / leichtlich wie Glaß zerspringet.

Dann weil das Holtz / wegen des vielen Hartzes / so zwischen den Jahren stecket / nicht auffquillet und dieselben nicht zusammen halten mag / kan es der Wind / so in Röhren ist / leicht zersprengen / zerschleißen / und aus den Jahren von einander treiben; hingegen so ziehet das magere Kieferne und Fichten-Holtz Wasser an sich / wird dahero gantz dichte / läßet keinen Wind durch / und folglich berstet es nicht so leichtlich / als das fette / wie man solches in gewisser Probe hat.

Die Bretter und andere Sachen / so aus Kiefern gemachet werden / sonderlich / wenn sie wohl hartzig sind / werden denen von Tannen und Fichten gemachten vorgezogen / so wohl wegen angenehmen Geruchs / als der Dauerhafftigkeit. Aus denen Klötzern und Aesten werden die besten Wein-Pfähle bereitet / aus denen Knochen und Aesten / ingleichen von den Wurtzeln wird Kühn-Oel / so man an statt des Terpentins brauchet / und das Theer gemachet / und zu solchen Ende das Holtz in einen kleinen Meuler eingesetzet / und zu Kohlen gebrannt / da denn im ersten Behen das Theer heraus läufft / welches unten in einem von Leimen gemachten Kessel aufgefangen wird.

Man hat auch eine andere Art von Theer machen / da nehmlich das Holtz in einer Grube oder Theer-Oefen verbrennet wird / und unweit in einem Loche das Theer sich sammelt.

Nunmehr aber wird das Theer hier am meisten Orten nicht mehr aus Stamm-Holtz wie bißhero / sondern nur aus den Stöcken und Wurtzeln von Kiefern zu machen vergönnet / und jenes also verschonet / welches sonsten sehr viel Kühn-Oel / Theer / und letzlich schwartz Pech / giebet / sonderlich das innere fette Holtz / wenn das äuserliche weise nebst der Schale davon gethan wird.

Aus Kiefern Holtz werden auch Spähne zum Leuchten und Brennen gemacht / welche wenn es zuvor in Wasser geröstet / sehr rethsam brennet.

§. 21. Gegen den Frühling / so bald die grösten Fröste vorbey / oder annoch im Herbst / so sammlet man die Kiefern Zapffen oder Aepffel / bringet den Saamen / gleichwie bey dem andern Zapffen gemeldet worden / davon / welcher auch in säen eben so tractiret wird / wie der von Fichten oder Tannen.

Wo man dazu aufackern will, soll es gantz seuchte seyn, und das unter- oder einegen wegbleiben.

Denn dieses dienet nichts / sondern es ist gnug / wenn die Körnlein nur die Erde erreichen.

Es ist aber solch auffackern gar vorträglich / denn sonsten in ungeackerten Boden der Saame von Moos / Rasen und alten Graß verhindert werden kan.

Wenn selbiger bey guter Witterung gesammlet / und für Winters gesäet werden mag / ziehet er die Winter-Feuchte an sich / und wird dadurch zum Auskeimen und Aufgehen desto mehr aptiret.

Sonsten ist annoch zu erinnern / daß das Kiefern-Holtz / so umgebrochen / so geschwinde und leichtlich nicht verstocket oder verfaulet / als das Fichtene und Tännene / dahero es wohl zu gebrauchen.

Sonderlich aber dienet auch dieser Baum / wenn er gnüglich ausgewachsen / und einen rechten und vollkommenen Schafft und Stamm hat / zu Mast-Bäumen / weil er ein feste und in einander verwimmertes Holtz hat / auch wegen des vielen Hartzes / dem Wetter / Näße und Fäulung wiederstehet[WS 90] / deswegen solche fast mehr als die Tanne hierbey zu aestimiren.

§. 22. Daß der Fichten-Baum des Theophrasti Abies mascula sey / ist nunmehro unstreitig.

Er wächset gerade auf / und stehet gerne auf Gebürgen / die Rinde ist röthlicht / aber bey weiten nicht so spröde und brüchlich / als die an der Tanne / sondern zäh und leicht zubiegen / welche von dem Gerber das Leder damit gar zu machen gebrauchet wird / wiewohl man jetzo auch die Rinden von Eichen hierzu nimmet.

Die Aeste sind denen Tännenen gleich / an deren Enden die langen Saamen Zapffen und zwar gantz unter sich hangen / da jene etwas gerader stehen.

Diese Zapffen sind anfänglich / wenn sie herfür wachsen schön roth / daher sie von etlichen / wiewohl irrig / Blüthen genennet werden / hernach überkommen sie nach und nach eine grüne Farbe / bis sie endlich bey ihrem Reiffthum braun-gelblicht werden.

Wenn sie also recht reiff / so kan man die Aeste / daran sie hangen / abhauen auch die Zapffen desto füglicher samlen / und reiffet hernach der Saamen auch vollends desto besser dran.

Insgemein lassen sie selbigen in Früh-Jahr des folgenden Jahrs / darinne sie gewachsen fallen / und weil er viel Hartz und olität bey sich führet / so hält er sich lange ehe er aufgehet / es sey denn daß eine ziemliche Feuchtigkeit und Wärme darzwischen komme / denn es ist selbiger mit einem starcken riechenden Oele gleichsam angefüllet und eines scharffen Geschmacks / auch der gantze Zapffen / wenn er frisch von Baum kommt / voller Hartz und gibt einen ziemlich anmuthigen Geruch.

§. 23. Wenn die Schale oder Rinde unten an Stamm so hoch ein Mann reichen kan / von oben niederwerts 2. Finger breit streifweise an 4. 5. bis 6. Orten herunter und abgezogen wird / so nennet man solches das Hartz-Reißen / und dieses kan in 3. 4. Jahren wiederhohlet / und der Baum aufs neue gerissen werden; Es fliesset auff solch Reißen das Hartz häuffig heraus / und am Stamm herunter / woraus hernach das Pech gesotten wird / welches denn zu vielen Dingen nützlich, beydes auf dem Lande als aufn Schiffen. Wiewohl wenn der Schade, so den Fichten mit solchen Reißen wiederfähret / (indem weder Junge noch Alte geschonet werden / ja mancher großer Stamm endlich wohl 20. bis 30. Risse bekommt) recht betrachtet wird / ist er weit größer als der Nutzen / so man von Pech ziehet / darauf man aber wenig reflectiret / weil der Verlust erst künfftig gespühret wird / da die Bäume nach und nach ihren Wachsthum verlieren / die Pech-Nutzung aber de praesenti ist / und also desto eher ins Gesichte fället.

Daß auch die Ameißen aus dem Hartz ihre Myrrhen praepariren / ist hiesiger Landen bekant / und wird solcher in großen Ameißen-Hauffen gefunden / den sie an gewißen Orten aufhalten und verbergen.

So dienet auch dieß Hartz denen wilden Schweinen zum Harnisch als welches sie in ihre Borsten und Haare dergestalt einreiben / sich damit bepichen und feste machen / daß kein Hund durch die Haut greiffen / auch keine Waffen / Gewehr / Schwein-Eisen oder Hirsch-Fänger fast durchdringen kan / es sey denn sehr steiff / spitzig und starck.

§. 24. Die Fichte wächset gerne an Gebürgen auch in kalten Orten und Boden / dahero auch Virgilius L. 2. Georg. sie nebst dem Tox-Baum und Epheu / als Zeichen eines kalten Erdreichs angiebet /

wenn er schreibet:

At sceleratum exquirere frigus.
Difficile est: Piceae tantum taxique nocentes
Interdum, aut hederae pandunt vestigia nigra.

Sonsten ist dieser Baum beym Heyden dem Diti zugeeignet[WS 91] gewesen / und in Leichen-Häusern aufgestecket worden / wie Alexander ab Alexandro G. D. lib. 3. c. 7. berichtet / auch zu den Holtz-Hauffen / die Toden darauf zu verbrennen gebraucht worden. Die Aestlein hiervon sonderlich von jungen Fichtlingen lassen sich gleich denen jungen Weiden / wenn sie gedrehet werden / zum binden gebrauchen.

Im übrigen giebt auch dieser Baum ein gut leichte Bau-Holtz / so sich sauber arbeiten läst / jedoch ist es im Wetter nicht so dauerhafft / als die weiße Tanne.

Die Sineser sollen auch bey den Leichen-Gräbern einen Fichten-Baum pflantzen / so als ein Heiligthum nicht abgehauen wird / biß er Alters halber umfält oder sonst verdirbet. Mehr wollen wir vor diesmahl / weil der Baum gnugsam bekant / nicht anführen.

§. 25. Der Eiben- oder Ifen-Baum hat Nadeln fast wie die Tannen / aber er wächset viel niedriger / ist stets grün / bringet kein Hartz / hat aber forne an der Spitze der Aestlein Saamen in einer Hülße / fast wie das Heyde-Korn / darinnen ein weißer Kern.

Er wächset wild in Burgund / in der Graffschafft Hohen-Embs / in Bünden / und auf den Schweizerischen / Savoyischen und Alp-Gebürgen / auch in Teutschland hin und wieder.

Man sagt / er sey gifftiger Art / daß auch der Schatten die darunter schlaffenden töden kan / welches aber vielmehr von Tax-Baum zu verstehen / ist sonsten ein schöner Baum in Gärten zu zeugen / weil er stets grün / und eines lieblichen Anschauens ist; Es wird solcher auch auf den Kleißberg bey Jena gefunden / davon M. ADRIAN BEIER in seinem Geographo Jenensi c. 33. p. 486. schreibet daß die Studiosi Aeste abzuhauen pflegen und daraus dieses oder jenes drechseln: aber man will vielmehr sagen, daß diese Art so um Jena wachsen eine Art von Tax-Baum sey.

Vor alters hat man Flitz-Bogen daraus gemacht.

Ituraeos taxi torquentur in Arcus.

Das Holtz ist Braun-röthlich mit vielen Adern durchstrichen / dienet also sehr zur Tischler- und Drechsler-Arbeit / auch zu Musicalischen Instrumenten.

Derjenige so einzeln hier zu Lande wächset / ist dem vorher beschriebenen gantz gleich / wird starck / schön / hoch und überkläffterig dicke / daß er Breth-Bäume oder Klötzer abgeben könte / träget schwärtzlichen Saamen in Hülßen / ist größer als Rüben-Saamen / aber etwas flächer / fast wie gar kleine Linsen / jedoch etwas dicker. Das Holtz ist unvergleichlich gut / zu allerhand Arbeit / und kan gar wohl der Teutsche Eben-Baum genennet werden.

In Ambt Liebenwerda findet man 2. starcke dergleichen Bäume / und im Lande etzliche hin und wieder / gestalt er so wohl in Wäldern / als in Gärten / sonderlich von Saamen / in einer Baum-Schule aufbracht werden kan.

§. 26. Der Tax-Baum wächset in keinen sonderlichen Stamm sondern breitet sich oben in Wipfel aus / wie / und gleich einem Busch / hat breite Tangeln / wie eine Tanne / aber doch nicht so hart und steiff / er bleibet Sommers und Winters über grün. Den Saamen verschreibet man von denen in vorigen §. gedachten Orten.

§. 27. Unter die Hartz-Bäume zehlen wir billig auch den Lerchen-Baum / so Lateinisch Larix genennet wird / träget auch Zapffen.

Er hat einen geraden Stamm / wie eine Tanne / wächset aber nicht so hoch.

Die Rinde ist röthlich innewendig ziemlich starck und dicke / und hat viel Schrunten oder Riße.

Die Aeste sind wie an der Fichten übereinander / und beugen sich gegen der Erden.

Die jungen Sprießlein und Nadeln geben einen guten Geruch von sich / sind länglich / weicher / schmähler und dünner als an der Fichte.

Die Früchte dieses Baums sind Zapffen / so denen bey der Cypreßen sich gleichen / doch etwas subtiler und schwächer.

Anfänglich sehen sie gleichfalls roth / dannenher sie auch von etlichen nur Blüthen genennet werden / verliehren aber solche Farbe allmählig.

In solchen Zapffen befindet sich ein weißer Saamen / so süsse / und dem Fichten- und Tannen-Saamen nicht unähnlich.

Das Holtz ist fest und hart / läßet sich doch wohl schleißen und spalten / ist Braunroth an der Farben und geflammet / oder gefläßert / giebt einen lieblichen Geruch von sich / ist wie das Kiefern Holtz innewendig röthlicht / und wird endlich im Wasser gantz schwartz.

Am Stamme wächset der Lerchen-Schwamm (Agaricum) so in der Medicin sehr gut ist.

PLINIUS ist der Meynung lib. 16. N. H. c. 10. daß das Lerchen-Baum-Holtz nicht brenne / auch keine Kohle von sich gebe / wenn er schreibet: excepta Larice, quae nec ardet, nec carbonem facit, nec alio modo ignis vi consumitur, quam lapides, welchen auch VITRUVIUS lib. 12. c. 9. bestimmet wie auch PALLADIUS lib. 12. tit. 15. Aber die Erfahrung widerspricht ihnen / sintemahl an vielen Orten / in Welschland / Alpen und Schweitzer-Gebürgen / und um Trient heutiges Tages fast kein ander Holtz / als dieses gebrennet / und Kohlen zum Eisenschmeltzen daraus gemacht werden.

§. 28. Dieser Baum solte wohl billig bey uns auch gepflantzet / und alle Unkosten / Mühe und Arbeit dazu employret werden. Dann er giebt einen guten Terpentin, ein gut Bau-Holtz und sonderlich eine gute Kohle zum Schmeltzen.

In den großen Moscowitischen Wäldern soll derselbe sonderlich wachsen / von welchen auch der große und weise Schwamm / so sehr in der Medicin gebräuchlich ist / über Anchangel in Teutschland gebracht wird.

Es werden auch solche Bäume hin und wieder in Teutschland angetroffen / sonderlich in Nürnberger Wald D. Sebaldi bey Maltershoff.

So wächset er auch in Schlesien / wie SCHWENCKFELDIUS destirp. Silesiae schreibet / derohalben er auch desto leichter noch weiter könte verpflantzet und gemeiner gemacht werden.

Welches durch den Saamen geschiehet so in Herbst reif und zeitig ist.

Die hiervon aufgegangene Bäumlein aber lassen sich nicht gerne versetzen und bekommen gar selten / sondern wollen wie andere Hartz-Bäume gerne an ihrer ersten Stelle verbleiben / jedoch wenn das Versetzen mit guter Behutsamkeit geschicht / und das Stämmlein nicht allzu sehr beschädiget wird / so lässet es sich gar leichtlich practiciren.

Im übrigen wäre zu wüntschen daß obgedachte 2. Arten des Tangel-Holtzes / nehmlich der Eiben- und Lerchen-Baum / in hiesigen Landen gesäet / und gepflantzet werden möchten / davon die Nachkommen / gewiß grossen Nutzen zugewarten haben würden.

§. 29. Der Wacholder als ein auch bey uns wohlbekandt Gewächse / lateinisch Juniperus genannt / gehöret ebenfalls in diese Classe mit / weil er seine Nadeln Winter und Sommer über behält / und stetig grüne bleibet.

Es sind aber dessen zweyerley Arten.

Die eine wächset zu einem ziemlichen Stamm / die andere aber bleibet ein niedriger Busch oder Staude / und kan beydes gar wohl von Saamen aufgebracht werden.

Derselbe gehet innerhalb 8. Wochen auf / und darf man den Boden weder wässern noch düngen.

Wenn man die Wacholder Staude zu einem Baum ziehen will / muß man sie von unten ausschneideln.

Dergleichen in die Höhe gezogene Bäume in Lande hin und wieder so ziemlich dicke / und zu 12. 15. und mehr Ellen hoch sind.

Sonsten ist die gemeine opinion, daß dieser Baum männliches und weibliches Geschlechts sey / und daß wenn einer von den erstern alleine stehe / so soll er keine Beere herfür bringen / so bald er aber zu einen Stamm weibliches Geschlechts gepflantzet wird / sollen sie alle beyde alsdenn sehr wohl tragen / und werden also die so männliches Geschlechts sind / auch fruchtbar / welche Meynung man an seinen Ort gestellet seyn lässet / denn das gewisse experiment hievon zu machen / etwas schwehr fallen dürffte.

§. 30. Der Wacholder hat an statt der Blüthe / kleine gelblichte Zäpflein / darauf folgen grüne Beerlein / welche hernach blaulicht / röthlich und endlich schwartz werden.

So niederträchtig und geringe aber die Wacholder ist / giebt sie doch den höchsten und ansehnlichsten Bäumen nichts zuvor / ihres vortrefflichen Nutzens halber in Stärck- und Erhaltung der menschlichen Gesundheit / sonderlich wegen ihrer herrlichen Frucht / so erst binnen 7. Jahren nach und nach reif wird / wovon gantze Bücher geschrieben sind.

Glüende Kohlen von Wacholder-Holtz auf Asche geleget und damit zugedecket / sollen sich also etzliche Monat / ja wohl ein Jahr lang glüend erhalten.


Das Andere Capitel /
Von Laub-Holtz insgemein und insonderheit von
denen Eichel / Eckern / Nüße / und dergleichen
tragenden Holtz.

§. 1. Vorzug des Laub-Holtzes vor dem Tangel-Holtz / und von welchen man den grösten Nutzen ziehen könne.

§. 2. Specification des harten und weichen Laub- Holtzes.

§. 3. Welches das beste Schneidel-Holtz sey.

§. 4. Die Eiche wächset fast in der gantzen Welt / und ist theils Orten bey nahe der Innwohner gantze Nahrung.

§. 5. Arten der Eichen. Ob die unterschiedene Gattungen derer Eicheln unterschiedene Geschlechter derer Eichbäume machen.

§. 6. Eicheln und Buch-Eckern wenn sie reiffen. Wie man sie zum Säen und Stecken zurichten soll.

§. 7. Von unterschiedenen Laub der Eichen.

§. 8. Was sie vor einen Boden liebe / ingleichen wie der Stamm gerade oder in viel Aeste zu bringen.

§. 9. Eiche ein Feind des Grases und Getreides. Dero Wurtzeln und Stärcke.

§. 10. Alterthum der Eichen. Exempel darvon.

§. 11. Nutzen der Eichen an Galläpffeln. Ob man deren Fruchtbarkeit befördern könne.

§. 12. Nutzen der Eichen in denen Eicheln. Eicheln werden an statt des Confects und Brods gebraucht.

§. 13. Scharlach-Farbe und Confectio Alkermes von der Eichen.

§. 14. Von der eichenen Mistel und deren Nutzen.

§. 15. Vom Honig so die Bienen in Eichen zusammen tragen.

§. 16. Von der Eichtraube / item denen darauff gepflantzten Birnen.

§. 17. Dauerhafftigkeit des eichenen Holtzes und wie weit es beym bauen zu gebrauchen.

§. 18. Nutzen der Eiche beym Färben. Ob sie zu Schlag- Holtz zu gebrauchen. Von Schatten der Eichen / worzu selber diensam.

§. 19. Von Prognosticirung aus denen Gall-Aepffeln.

§. 20. Hochachtung der Eichen bey den Alten zum Gottesdienst / sonderlich der eichenen Mistel. Wie der Vogel-Leim zuzurichten.

§. 21. Hochachtung der Eichen in weltlichen Dingen. Vom Creutz Christi.

§. 22. Antipathie der Eichen und Oel- wie auch dem Nuß-Baum.

§. 23. Von der Buche und deren angenehmen Schatten.

§. 24. Dreyerley Arten der Buchen.

§. 25. Vom Boden und besser Fortpflantzung / Wiederwachs / Zäpfflein und Blüte derselben.

§. 26. Von Buch-Eckern und deren Nutzen.

§. 27. Gefäße so aus dem büchenen Holtze gemacht worden.

§. 28. Büchene Rinde zum Schreiben dienlich.

§. 29. Eigenschafft des Büchenen Holtzes / worzu es dienlich oder nicht. §. 30. Die Buche ist ein gut Schlag- und Brenn-Holtz / giebt auch gute Potasche.

§. 31. Brieffe auf Büchene Bretlein geschrieben. Dieses Holtzes Gebrauch in Constantinopel. Alterthum der Buche.

§. 32. Von der Häyn-Buche / ihren Saamen / Zäpfflein / Stamm und Fortbringen.

§. 33. Vom Castanien-Baum in was vor Lande derselbe wachse / und ob er hiesiger Orten wohl könne fortkommen. Seine Benennung.

§. 34. Was er vor Grund liebet.

§. 35. Seine Rinde / Holtz / und Wachsthum.

§. 36. Deßen Frucht / Holtz / und wie sie zu säen.

§. 37. Castanien-Baum giebt das beste Schlag- und ander Holtz. Castanien dienen an statt des Brodes und geben ein sonderbahres Sinnbild.

§. 38. Warum der Nuß-Baum hieher gerechnet wird. Woher er den Nahmen juglans habe.

§. 39. Wie er gegen den Frost zu verwahren.

§. 40. Wie man solchen säen und fortpflantzen könne. Ob ihm mit Pfropffen zu helffen. Was er vor einen Grund erfordere.

§. 41. Deßen Schatten sehr schädlich. Hochachtung seines Holtzes. Ist ein Sinn-Bild.

§. 1.

ES solte wohl leicht das Ansehen gewinnen / als wenn das Laub-Holtz dem andern weit nach zusetzen wäre / weil es bey angehender Herbst und Winter-Kälte seine schöne Blätter-Zierde verliehret / und gantz kahl und todt da stehet / dahingegen das Tangel-Holtz neben seiner wunderwürdigen Höhe und Geradigkeit die grüne Crone nimmer ableget / sondern so wohl den Winter / als den Sommer durch / in Safft und Schmuck daher pranget.

Alleine wenn man die Sache recht überleget / so hat das erste vor dem letztern einen großen Vortheil / sintemahl das Laub-Holtz / als Eichen / Buchen / Bircken / Aschen / Ahorn etc. wenn es abgehauen wird / an der Wurtzel und Stamm wieder ausschlägt / und sich gleichsam selber verjunget / wenn es nur nicht allzu starck ist am Stamm, daß der viele Safft in den Wurtzeln und hinterbliebenen Stock verderben / und das zurück gebliebene angreiffen muß / daß man also billig zweiffeln solte / von welchen unter diesen Arten / nehmlich von Tangel- oder Laub-Holtz / ein Hauß-Vater bessern Nutzen habe.

Denn die Tannen / Kiefern und Fichten-Bäume / wenn sie einmahl abgehauen / so seynd sie auf ewig tod und gestorben / sie seyn jung oder alt / da in Gegentheil das Laub-Holtz / es sey so schwach und starck / als es wolle / kurtz drauf so bald es im Frühling abgehauen wird / mit vielen Sproßen und Sommer-Latten wieder hervor grünet / und ausschläget / da man aber dem Stamm gar zu alt lässet werden / schläget es nicht wieder aus.

Es giebt uns die Natur selber hierdurch Anleitung daß es weit rathsamer sey / dergleichen Holtz in 10. bis 20. Jahren einmahl abzutreiben / als 30. 40. 50. bis 100. Jahr (welches beym Tangel-Holtz erfordert wird) stehen zulaßen.

Glückseelig ist also die Gegend in welcher beyderley zu haben / weil sie sowohl was das Bau- und Brenn-Holtz / als auch die Kohlen anbelanget / vortrefflichen Nutzen geben.

Wir wollen uns also zum Laub-Holtz / und zu dieser Art Bäumen wenden / und erstlich die jenigen erzehlen / so nach bey gefügter Specification, theils unter das harte / und theils unter das weiche Holtz gerechnet werden.

§.2. Unter das harte Holtz wird gezehlet /
1. Die roth Eiche /
2. Die Stein-Eiche /
3. Die roth Buche /
4. Die weiß Buche /
5. Die Ahorn /
6. Der Leinbaum /
7. Die Maß-Erlen / oder An-Erlen /
8. Die Rüstern.
9. Die Ilme, oder Fliegen-Baum,
10. Die Bircke,
11. Die Erle,
12. Die Asche,
13. Der wilde Birn-Baum,
14. Der Apffel-Baum,
15. Der Pflaumen-Baum,
16. Der Vogel-Beer-Baum,
17. Der Kirsch-Baum,
18. Die Arles-Kirschen,

Unter das weiche Holtz, wird von dem Geschlecht des Laub-Holtzes zu rechnen seyn;

1. Die grosse Linde /
2. Die Stein-Linde /
3. Die Aspe /
4. Die Hasel,
5. Allerhand Arten von Weiden /
6. Schwartz und rother Hollunder /

3. Es ist bekandt / daß unterschiedene Bäume / von unten / oder von untersten Ast an / biß an den obersten / auch wohl zugleich die Gipffel mit aus und abgehauen werden / und das Holtz und Aeste hievon / zu allerhand Nothdurfft gebrauchet wird / und weil der Baum wieder ausschläget / neu Holtz und Aeste treibet / so können solche in 3. biß 6. Jahren wiederum abgeholtzet, abgehauen, oder wie mans nennet ausgeschneidelt werden, welches dann mit guten Nutzen geschicht, weil man von Jahren zu Jahren dergleichen continue brauchen kan.

Unter gedachtes Schneidel-Holtz werden erstlich zurechnen seyn, diejenigen Bäume / so am besten und nutzbarsten zu schneideln, und bald wieder ausschlagen, als:

1. Die Eiche /
2. Die Linde /
3. Die Weide /

Nachfolgende aber schlagen nicht so häuffig und vollkommen aus / als obige /

1. Die Ahorn /
2. Die Ilme oder Rüster /
3. Die Asche /
4. Die Pappel /
5. Die Aspe /
6. Die Bircke /
7. Die Erle /

§. 4. Die Eiche ist nicht nur in hiesigen und andern Europäischen Landen bekandt / maßen hin und wieder gantze Wälder hiervon anzutreffen / sondern sie wächset auch fast in der gantzen Welt.

In denen gegen Morgen sich erstreckenden Landschafften / als von Griechisch-Weissenburg aus biß gegen Constantinopel / soll meistentheils eichenes Schlag-Holtz anzutreffen seyn; ja wie die Reise-Bücher bezeugen / so sind unterschiedene Provinzien in Türckey gegen den Gräntzen des Königreichs Persien / so fast ihre eintzige Nahrung von den Eich-Baumen haben / indem sie theils von einer sonderbahren Art Eicheln gar etwas Brodt machen / theils die Gall-Aepffel / so diese Bäume in grosser Menge tragen / als eine gute Wahre brauchen können / und solche in andere Länder verhandeln / daß sie dadurch sich wohl erhalten / auch viel Geld in ihre Länder ziehen / da man sonst vermeynen solte, daß dergleichen geringe Dinge wenig Nahrung bringen könten.

Es ist sich aber dießfalls nicht zuverwundern / denn es werden die Gall-Aepffel / so auch auf gantz niedrigen Eichlingen wachsen / in großer Menge und Uberfluß gesammlet / dahero sie nicht nur vor das Land die Nothdurfft / sondern auch zum Ausführen einen guten Uberschuß geben.

§. 5. Es sind aber die Eichen vielerley Arten / als Hag-Eichen / Stein-Eichen / Buch-Eichen / Hasel-Eichen etc. welche alle auf gewiße maße von einander unterschieden seyn.

Da man auch nach denen vielerley Arten der Eicheln / gewiße Geschlechte der Eich-Bäume machen solte / würde es nicht nur allzu viel Mühe kosten / solche Unterschiede gründlich zuerkundigen / sondern auch schwehr fallen / mit einem adaequaten Nahmen diese oder jene Art zu benennen.

Denn wiewohl etliche Arten der Eicheln länglicht / etliche dicke / spitzig / breit / etliche groß oder kleiner sind; so rühret doch diese und andere differenz nicht allemahl von der substanz des Baums / sondern zum öfftern nur von dem unterschiedenen Boden / darauf solche Bäume stehen / oder von der Witterung / von dem Climate, Alter der Bäume / und dergleichen.

Dahero ist auch nicht ein jeder Unterschied vor essential, oder der ein sonderlich Geschlecht constituirte anzusehen / und würde also dergleichen scrupuliren nur auf eine vanität oder curiosität hinaus lauffen / so wenig Nutzen hätte; Jedoch ist gewiß / daß unterschiedene differente Arten / in diesen und jenen Landen sich antreffen laßen / deswegen könte es auch nicht schaden / daß man die guten Sorten vor andern zum Pflantzen erwehle / denn es ja einerley Mühe und Sorge ist / ob man eine gute oder geringe Art pflantze / hingegen aber habe ich von jenem mehr Nutzen / denn von diesen zugewarten.

Die Eicheln und Buch-Eckern sind reif vor und um S. Galli, man mag sie von Bäumen schütteln / oder die abgefallenen so nicht ausgewachsen / auslesen / und also frisch säen oder in die Erde bringen.

Da man sie nicht also bald stecket / soll man sie / wie die meisten dafür halten / und practiciret haben wollen / in einem Hälter oder Grube, darinnen Wasser ist / schütten / daß sie beweichen / und so lange drinne liegen lassen / biß man sie säet / und da sie gleich den Winter über / biß an den Mertzen liegen / schadet es ihnen nichts / wachsen auch in Wasser nicht aus / sondern bleiben gantz frisch ausser etzliche wenige / so ohne dem sonsten nicht tüchtig.

Jedoch ist dabey zu besorgen / daß diejenigen Arten / so nicht gar zu dicke Schalen haben / wasser-süchtig werden / oder da die Schale etwas zerknicket / oder zerbrochen / das Wasser eintringen / und der Kern verderben möchte / dahero wäre es nur um einen Versuch zuthun / wie weit sich dieser Vorschlag practiciren liesse.

Weiln auch etwa die Buch-Eckern mit dem Aufflesen viel Weile oder Zeit haben wollen / mag man sie unter denen Bäumen mit Laub / und mit allen / mit Besen und Rechen zusammen streichen / hernach in Säcken auf die Scheun-Tennen bringen / und worffeln lassen / auch wohl anfänglich nur aussieben / daß das Gröbste davon wegkomme.

§. 7. Die Eichen tragen auch unterschiedlich Laub / eines lichter oder heller an der Farbe / als das andere theils ist grösser / oder kleiner / gesprenckelter / theils spitziger oder breiter als das andere. Eine läst das Laub bald fallen / die andere behält es / biß gegen dem Frühling / da es gantz gelb und dürre ist / und nicht eher fället / biß es die neuen Knospen fort und abtreiben.

Merckwürdig ist / was CLUSIUS der berühmte Botanicus schreibet: daß er in Engelland in dem Königlichen Garten zu West-Münster Eichen gesehen / die zwar Eicheln getragen / daran wären aber rundliche Blätter / und manche nicht viel grösser als des Buchs-Baums gewesen; aber wir wollen hier mehrentheils von der bekandten und gemeinen Art handeln.

§. 8. Die Eichen wachsen wohl und am geschlachtesten in leimichten und lettichten Boden / der mit etwas groben Kieß vermenget und wo oben her ein Strich gute schwartze Holtz oder Wald-Erde ist.

Sie wächset zwar / gegen andern Holtz zu rechnen / sehr sparsam / und langsam her, allein / wenn die Art des Bodens gut / und sie sonsten wohl gepflantzet wird / so kan sie in 40. oder 50. Jahren so weit als sonst in 100. und zu einen mäßigen Bau-Stamm / eine Elle und mehr in Diametro bracht werden.

Sie wächset sonst von Saamen-Eicheln / oder da sie etwa von der ausgelauffenen Wurtzel auf- und ausschläget / am geradesten und besten.

Wo sie aber von einem abgehauenen Stock ausschläget / so wird sie gemeiniglich unten hohl / wächset krumm und höckericht.

Wenn man junge Eichlinge verpflantzen will / sollen solche zum wenigsten 4. biß 5. Jahr seyn.

Wer nun solche / wie auch ander Laub-Holtz zu Stämmen ziehet / muß sie beym Versetzen nicht köppen / oder viel ausschneideln / sondern nur diejenigen wegnehmen / so dürre und anbrüchig sind: Was aber zu Mast- und Feuer-Holtz soll / da kan man die Wippel wohl aushauen / daß es sich besser ausbreite / wobey dieses zumercken / daß die jenige Art von Eichen / die sich so weit in Aesten ausbreiten / fast noch einmahl so viel Raum haben muß und mehr verdemmet / als die / so gerade in die Höhe / und zu einen guten Schafft wachsen.

Jene brauchen einen Platz von 25. bis 30. oder 40. Schuh / ja wohl so viel Ellen; diese aber behelffen sich mit 25. Schuhen: wo nun zugleich Unter-Holtz dabey aufkommen soll / muß ihnen weniger Raum überlaßen werden.

§. 9. Es ist hiernechst auch zubeobachten / daß die Eiche ein großer Feind des Grases und Getreydes ist / so weit solche mit ihren Schatten und Wurtzeln reichet.

Derowegen sie an solche Orte zupflantzen / wo sie nicht sonderlichen Schaden thun kan / sonsten manche Eiche in 2. oder 3. und mehr Jahren / wenn sie in die Feld-Früchte demmen kan / mehr Schaden zuthun pfleget / als sie an sich selbsten werth ist.

Es setzet sonst dieser Baum seine Wurtzeln sehr tief in die Erde / und befestiget sich also wieder das Ungewitter und Winde / wie folgende Verse, beym VIRGILIO lib. 2. Georg. solches bezeugen:

Quantum vertice ad auras
AEthereas, tantum radice in Tartara tendit:
Ergo non hiemes illam, non flabra, nec imbres
Convellunt, immota manet &c.

D. i. Die Eiche wirfft ihre Wurtzeln so tieff in die Erde / so hoch als ihr Gipffel gehet / und kan sie weder Wetter noch Wind umwerffen sondern sie bleibet jederzeit unbeweglich stehen.

Dannenhero sie auch sehr groß und dicke wird / daß man sich billig darüber verwundern muß.

Es soll bey der Stadt Alt-Thoren eine alte Eiche / dabey die alten Preußen ihre Götzen-Dienste mögen gehalten haben / gestanden seyn / die so groß und dicke auch innewendig hohl gewesen / daß / als die Creutz-Ritter erst in Preußen kommen / sie sich solcher Eiche, als einer Festung gegen die Heyden gebrauchet, und sich daraus gewehret haben: desgleichen soll bey Melau sich eine andere dergleichen befunden haben / von solcher unglaublichen Größe / innewendig hohl und so weit / daß einer mit einem Pferde hinein reiten / solches darinnen tummeln / und herum werffen können / welches auch Marggraff Allbrecht / Hertzog in Preußen / verrichtet haben soll.

§. 10. Was Wunder ist es nun / wenn solche Eichen lange und fast unendliche Zeit stehen? PLINIUS schreibet von den großen Eichen / so in den Hercinischen Wäldern gestanden / daß solche wohl von Anfang der Welt her gewesen seyn müßen: und etliche muthmaßen daß die Wald-Bäume insgemein auf 1000. theils auf 3. 4. bis 500. Jahr / dauren können.

Wiewohl nun dieses auf bloßen Muthmaßungen beruhet / so ist doch hinwiederum gewiß / wenn ein dergleichen Baum sonsten keine Hinderniß hat / so kan er in viel Secula bestehen / wie man denn dießfalls / fidem historicam zur Gnüge vor sich hat / und aus der Größe und Stärcke / auch die Dauerhafftigkeit wohl zu judiciren stehet.

Wir wollen zwey Exempel uhralter Eichen aus der Heil. Historie anführen. Von einer Eichen bey Sichem, meldet daß erste Buch Mose / am 2. Cap. daß der HErr / dem Abraham / als er erst in Canaan kommen / und in Häyn More sich niedergelaßen / erschienen sey.

Bey dieser Eiche nahend Sichem hat JOSUA, als er sterben wollen / das Volck Israel zusammen beruffen / sie an den wahren GOttes-Dienst beständig zuhalten vermahnet / den Bund mit GOtt verneuert / und zu dessen Andencken einen großen Stein unter besagter Eichen aufgerichtet / Jos. 24 v. 26. Unter dieser Eiche ist auch ABIMELECH zum Könige von denen Sichemiten ernennet und gekrönet worden. Jud. 9. v. 6. Und ist auch vermuthlich / daß unter derselbigen der Prophet / so gen Bethel den Abgöttischen König JEROBEAM zu straffen / von GOtt abgeschickt / und durch einen andern Weg wieder umzukehren befehliget gewesen / sich nieder gesetzet / 1. Reg. 13. v. 14. Nun sind von des Abrahams Ankunfft in Canaan biß auf den Todt Josuae 500. Jahr; biß auf die Crönung Abimelech 700. und wenn wir den Jerobeam hierzu nehmen / wird sich die Zeit wohl auf 1000. Jahr belauffen.

Unter denen Bäumen in Häyn Mambre, wo oben gedachter Abraham seine Wohnung anderweit aufgeschlagen / ist auch gewesen eine sonderbahre große Eiche / welche durch die Erscheinung des Sohns GOttes berühmt gemacht worden / Gen. 18. v. 1. von dieser schreibet SOZOMENUS Hist. Eccl. lib. 2. c. 3. daß sie noch bey Käyser CONSTANTINI M. Zeiten gestanden / und dahin viel reisens gewesen / auch ein jährlich Fest dabey gehalten / worden / deren auch ADRICHOMIUS gedencket in der Beschreibung des heiligen Landes / davon URSINUS in Arboreto Biblico Sect. 2. c. 14. p. 216. 217. zulesen.

Diese Bäume mögen wohl vor eine herrliche Antiquität passiren.

§. 11. Nicht allein aber sind die Eichen wegen ihrer Dauerhafftigkeit / ungeheuren Dicke Größe / und ungemeinen Alters zu verwundern sondern auch wegen des vortrefflichen Nutzens den man so wohl von denen Früchten / als dem Holtze zu genießen hat / billig zu aestimiren.

Denn an selbigen befinden sich erstlich die Gall-Aepffel / welche unterschiedener Art sind / als gantze / löcherichte / weise / schwartze / groß und kleine / davon beym PLINIO lib. 16. c. 7. & l. 24. c. 4. zulesen; ob sie nun zwar bey uns wohl schwerlich zum Reifthum kommen / so bringen sie doch in wärmern Ländern / wo sie zeitig werden / großen Nutzen / indem wie oben schon gedacht / ein starcker Handel damit getrieben wird.

Sie sind ein vornehmes Stück des allernützlichsten und unentbehrlichsten Dinges / nehmlich der Dinten / welcher man nicht wohl einen Tag entrathen kan; sie dienen zur Färberey / und werden auch in der Artzney gebrauchet / indem sie nach Dioscoridis und Galeni Zeugniß das Blut stillen / und die fluxiones oder Flüße drucknen.

Wobey dieses zu erinnern / wie bey etlichen zwar gebräuchlich / daß sie unterschiedene Arten Bäume / sonderlich Frucht tragende mit einem Bohrer durch / oder ein Loch darein bohren und von allerhand Mineralien / als vom Schwefel / Victriol, Mercurio, Alaun und dergleichen hinein thun / in Meynung / es solle zur Fruchtbarkeit und Güte der Früchte etwas beytragen / und sonderlich bey den Eich-Bäumen mehr Gall-Aepffel herfür bringen / scheinet aber / daß es ein ausführlich und besser experiment erfordere / indem man hier zu Lande noch keine gewisse Nachricht davon erlangen können.

§. 12. An statt der Gall-Aepffel / die hiesiger Lande nicht wohl reiffen / haben wir einen andern Nutzen von den Eichen / gestalt sie mit ihren Eicheln oder Eckern / zur Mast dienen / welche so wohl wilden als zahmen Schweinen wohl zu statten kommen. Denn wo es Eich- und Buchwälder giebt / werden derer Schweine viel 1000. in solche getrieben und eine zeitlang darinnen der Mast zu genießen / gelassen / da sie denn nicht allein fett / sondern auch ein wohlgeschmackt Fleisch und Speck bekommen / auch von dar an andere Oerter mit großen Nutz vertrieben und verhandelt werden. Ja bey manchen Gütern ist es die beste Nahrung / indem man nicht einen Thlr. darauf verwenden darff / so bey den andern Nutzungen nicht ist.

Allein was wollen wir von Viehe sagen / indem die Menschen selber vor Zeiten sich der Eicheln zur Speise bedienet / wie der Poët schreibet:

Arboreos foetus, montanaque fraga legebant,
Et qua deciderant patula Jovis arbore glandes.

wiewohl nach ARNOBII Bericht sie dieselbigen nicht also roh / sondern in heisser Asche gebraten / gegessen haben.

Ja / wie PLINIUS schreibet / so sind die Eicheln von der Ilice oder Steineiche / weil sie einen weißern Kern innewendig haben / und eines nicht unangenehmen Schmackes sind / von den Spaniern nach der Mahlzeit vor Confect aufgetragen worden / werden auch heute zu Tage zu Salmantica und andern Orten in Spanien auf dem Marckte verkaufft und sind nicht weniger beliebet / als bey uns die Castanien und Haselnüsse.

CLUSIUS in Hispania lib. 1. c. 5.

Im Fall der Hungers-Noth wird aus Eicheln und Eckern Brodt gebacken / und aus diesen sonst Oel geschlagen.

Es thun aber nicht allein die frischen und gesunden Eich-Bäume in Herfürbringung der Eicheln das Ihrige / sondern auch diejenige / so zwar hohl / aber sonst keine geschickte Aeste haben, tragen so wohl / ja offt mehr Mast als die gantzen / und vollkommensten. Um St. Georgen-Tag schiessen gelbe fäßerige lange Zäpfflein mit dem Laub herfür / darauf folgen kleine purpur-rothe fäßigte Blümlein auf Stielen / daraus wachsen die Eicheln sollen theils an denen äusersten Aestlein eine weiße theils aber eine röthlichte Rinde haben / auch dieses mit kleinen Blättern und Eicheln begabet seyn.

§. 13. An der kurtz vorher gedachten Stein-Eiche oder Ilice wachsen auch die Scharlach-Beere / und soll man dergleichen in Franckreich / in Böhmen / wie auch in Polen finden / darinnen die Scharlach Würmlein / mit deren Blut oder Safft der köstliche Scharlach gefärbet wird / wachsen.

Es wird auch von diesen die berühmte confectio Alkermes bereitet.

Diese Art der Eiche ist etwas niedrig / wäre aber wohl werth / daß man dergleichen / wo es anders wegen des kalten Climatis geschehen könte / hier zu Lande fortzupflantzen trachtete / oder daß man sie in Gärten zeugete / und gleich andern ausländischen Früchten / Winters-Zeit an warmen Orten / und Behältnissen verwahrte / weil sie ziemlichen Nutzen bey obangeführten Umständen giebet.

§. 14. Bey denen Eichen ist nicht vorbey zugehen der Mistel oder Mispel / als welches ein seltzam Gewächse / da Holtz wieder auf Holtz wächset.

Fronde virere nova, quod non sua seminat Arbor,

Davon der sinnreiche J. CAES. SCALIGER Exerc. 168. schreibet / Sic educi viscum ex Arboribus, quasi cornua ex ossibus amimalium; quamobrem, inquit Jon Poëta Cnius in fab. Ceneo viscum dixit esse sudorem quercus. D. i. Die Mistel wächset nicht anders als wie bey denen Thieren das Horn / weshalben der Poet selbige einen Schweiß der Eiche nennet.

Dieses Mispels Zweige sind alle in form eines Creutzes / haben Blätter / gleich dem Buchs-Baum / länglicht als wie Zungen gestaltet / so aber in Winter abfallen / sie tragen auch Beere / so dem Menschen schädlich / aus welchem ein Leim bereitet wird / wenn sie aber mit Rauten gesotten und eingenommen werden / treiben sie den Schweiß / und sollen denen so mit der fallenden Seuche beladen / dienlich seyn / wie Camerarius schreibet. Mit diesen Mistel wird vielerley Aberglauben getrieben / und solcher den Kindern / wider den schwehren Gebrechen und Behexung an den Halß gehenget / wie DODONAUS schreibet / siehe hiervon weiter URSIN. Arbor. Bibl. Sect. 2. cap. 15. p. 236. sqq.

§. 15. Hieher gehöret auch das Honig / so die Bienen in den hohlen Eichen zusammen tragen / davon VIRGILIUS singet:

Examina condunt
Corticibusque cavis vitiosaeque Ilicis alvo.

und meldet PLINIUS lib. 16. c. 8. hiervon die Ursache Melleos rores e coelo cadentes non aliis magis insidere frondibus.

D. i. der süße Thau fällt nirgends besser an / als auf den Eichen-Laub.

So gedencket auch Curtius Histor. lib. 6. In Hircania frequens Arbor faciem Quercus habet, cujus folia multo melle tinguntur, sed nisi solis ortum Incolae occupaverint, vel modico tempore succus extinguitur. daß nehmlich in Hircanien der gemeinste Baum die Eiche sey / auff deßen Laub viel Honig befindlich.

Doch wer es genießen wolte muß vor der Sonnen Auffgang kommen denn sonsten verschwindet dieser süße Safft in einer sehr kurtzen Zeit.

Es ist bekannt / daß wenn die Poeten das güldene Seculum oder sonst glückselige Zeiten beschreiben wollen / sie unter andern mit anführen / daß die Eichen würden mit süßen Honig trieffen / wie aus dem Ovidio, Tibullo. Virgilio, Claudiano, und andern / wenn es vonnöthen / angeführet werden könte.

§. 16. Endlich ist auch bey der Eichen noch zugedencken / Uva quercina oder so genannte Eichtraube / welche in den Wurtzeln dieses Baumes wächset / auswendig roth / innewendig weis. Wenn diese zu Pulver gestoßen wird / ist es ein herrliches und gewisses Mittel wieder die rothe Ruhr und andere Blut-Flüße / es soll auch derselben Safft denen mit dem Podagra behaffteten gute Dienste thun; und wird dieses Gewächs eine Traube genennet / dieweil die Schwämmlein / in Gestalt eines Hertzens gleichsam Beerweiße an einander hengen. Es beschreibet dieselbe BAUHINUS in Dioscoridem L. I. c. 121. und stellet sie abgebildet vor / von welcher auch CAMERARIUS in Herbario, sonderlich aber ENCELIUS de rebus metallicis nachzuschlagen.

So ist auch die Eiche nicht so wilde / daß nicht gute Birn auf solcher gepfropfet werden könten. vide Ruellius L. I. c. 22.

§. 17. Was das Eichene Holtz anbetrifft / so ist solches harte und solide zu allerhand Geräthe zugebrauchen.

Es wiederstehet der Fäule und allerhand Witterung / ist auch fast unter allen Gehöltze das allernutzbarste / zumahl wo hart und beständig Holtz vonnöthen.

Wenn es in stetiger Nässe oder stets in Wasser ist / kan es sich verewigen / ja es ist so hart / daß das Feuer selbsten es kaum überwinden kan; jedoch wenn man sie zum Bauen brauchen will / so muß das weise Holtz / sonst der Splint genannt, welches meist auswendig an Eichenen sich befindet / oder antreffen lässet / und zu Zeiten einen halben auch gantzen Zoll / mehr und weniger starck an den andern Holtz / wie eine Rinde anlieget / weg gethan werden / weil es nicht dauerhafft / sondern durch die poros, das Wasser an sich ziehet / und folglich der corruption sehr unterworffen; So ist auch bekannt / daß das Eichene Holtz seine eigene Last nicht träget / und zu Balcken und Unterzügen / weil es sich büget / nicht wohl zu gebrauchen / sondern nur zu Schwellen / Unterschlagen / und Seulen besser angewendet werden mag.

Man befindet auch / daß das Eichene Holtz zu aus Zimmerung der Berg-Gebäude und Gruben sehr dienlich und dauerhafft sey / aber weil es sich nicht so leicht / als das weiche zimmern lässet / auch schwer ist / und in die tieffen Berg-Gebäude nicht wohl / wegen der grossen Last bracht werden kan / so giebt es denen Berg-Leuten mehr Arbeit / wiewohl man auch hier zu Lande nicht so viel Eichen-Holtz hat / daß solches hierzu gebrauchet / und also die Gebäude mit dauerhaffter Verzimmerung versehen werden können.

Sonderlich aber ist der Eich-Baum bey der Schiffarth und Schiff-Bau unentbehrlich / ja mehr als Geldes werth.

Denn mit keinen goldenen Schiffe kan man auf die See kommen / aber wohl mit einem eichenen die gantze Welt durch und umfahren / mithin alle Schätze und Reichthümer derselben zusammen bringen / derowegen die Länder an Seen / oder die an grossen Strömen und Flüssen liegen / vor dessen Wachsthum und Pflantzung wohl zu sorgen haben / indem ihre Wohlfarth meist darauf beruhet.

Nichts minder ist solcher Baum auf festen Lande zu Wasser-Brücken Mühlen-Bau etc. höchst nöthig / also dessen Aufkommen best-möglichst zu befördern / und alle Beschädigung sorgfältig zu verhüten / sonderlich die so hiesiger Landen an denen jungen Pflantzen durch das Vieh geschiehet als welches dieselben durchgehends nicht auf kommen lässet / sondern insgesammt abbeisset und abfretzet / wie wir leider! dessen viel Exempel haben / da zwar ziemliche quantität von alten Eichen in Wäldern anzutreffen / aber hingegen gar keine junge Eichlein zusehen sind.

Ferner / wenn man in Wasser und nassen Orten Gebäude führen soll / so ist kein bequemer Holtz als dieses. Denn wenn es lang in Wasser lieget / lässet sichs ansehen und poliren / wie Eben-Holtz.

Ingleichen wo Wein-Bau getrieben wird / da ist die Eiche auch nicht wohl zu entrathen / und sehr nöthig zu Gefässen / Kelter / Pressen und dergleichen: zu Wein-Pfählen ist es unter allen Holtz am tüchtigsten / dann die Spitzen so in der Erde stecken / faulen nicht so leichtlich / als von andern Holtze / kan auch alles knotigte und knorrigte darzu gebraucht werden.

In Summa es dienet das Eichene Holtz zu allerley Hauß-Geräthe / Tischen / Stühlen / Bettstatten / Achsen an den Wagen / Pflug-Geräthe / und so fort / ja es ist auch die Wurtzel und Stock hiervon zu allerley Tischer- und Drechßeler-Arbeit gut und nützlich.

§. 18. Es werden auch die Späne von Eichen-Holtz bey der Färberey gebraucht / und zwar ist das beste hierzu / welches zwischen Ostern und S. Johannis gefället wird / weil zu der Zeit der meiste Safft drinnen befindlich / so alsdenn die Farbe mittheilet.

Das Eichen-Holtz giebt ein gut Schlag-Holtz / und kan in 12. oder 14. Jahren / ob gleich der Boden nicht allzu gut / und nur ein wenig treibet / abgeholtzet werden.

Wenn aber grosse Eichen gefället werden / so muß man wohl auf diejenigen Obacht haben / die gute Mast tragen / indem manche hiervon mehr als sonsten drey oder vier andere bringen / und solche in Abhauen fürnehmlich schonen und hegen. So ist auch zum wenigsten der Schatten von diesem Baume denen darunter schlaffenden / auch denen Krancken / so von Schlag getroffen / gesund / da hingegen der Welsche Nuß-Baum-Schatten sehr schädlich fället.

§. 19. Sonsten kan der Eichen-Baum wohl ein Prophet / und weißsagender Baum genennet werden / weil man aus denen darauf wachsenden Gall-Aepffeln etzlicher maßen künfftige Dinge abnehmen kan.

In denen gantzen oder nicht durchlöcherten finden sich Thierlein nach dem Unterscheid des Jahres oder der Lufft / entweder eine Fliege / ein Würmlein / oder eine Spinne.

Wenn eine Fliege angetroffen wird / hält man es vor ein Zeichen des Krieges; wenn ein Würmlein darinnen kriechet / soll es Theuerung bedeuten; die Spinne aber soll auf ungesunde Zeit und Pestilentz zielen / wie MATTHIOLUS schreibet. Die Ursachen solcher Vorbedeutungen untersuchet PEUCERUS de Divinationibus.

§. 20. Wenn denn nun die Eiche ein recht ansehnlicher / dauerhaffter und sehr nützlicher Baum ist / was ist denn wunder / daß selbiger von langen Jahren her in grossen Ehren gehalten worden.

Wir wollen hier nicht wiederholen / was aus Heil. Schrifft hievon oben angeführet ist / sondern was anderweit denckwürdig / mit kurtzen berühren.

Es war vor Zeiten die Eiche dem Jupiter gewidmet / daher sie auch sacra Jovis Arbor genennet worden.

Sie war bey denen alten Celten, denen Gallis und Teutschen in sehr grossen Ansehen / und haben die Druiden, so derer Gallier Priester und sonst hochgeehrte Leute gewesen / fast nichts heiligers gehalten / als den Mistel / sonderlich / der auf der Hag-Eichen gewachsen / dergestalt / daß sie keinen Gottes-Dienst verrichtet / ohne dieses Reiser und Laub.

Denn alles / was auf solchen Bäumen frembdes wächset / das hielten sie vom Himmel gegeben / und für ein Zeichen / eines von GOtt selbsten erwehlten Baums / den sie auf ihre Sprache Allheit nenneten.

Dahero so wurde solcher Mistel nicht anders als mit grossen ceremonien und wenn die Opffer bereitet / abgenommen.

Der Priester / so weiß angethan / stieg auf den Baum und schnitte mit einem güldenen krummen Messer den Mistel ab / daß er auf ein schneeweises Kleid fiel / alsdenn wurden zwey weiße Ochsen geopffert.

Sie glaubeten anbey / daß wenn unfruchtbare über solchen Mistel trincken sie fruchtbar werden solten.

PLINIUS lib. 16. c. 44. Man kan auch hier nachschlagen CLUVERIUM in Germania Antiqua, & SCHEDIUM de Diis[WS 92] Germanorum Syngram. v. cap. 1. und andere.

Auf jetztgedachter Eichen-Mistel wachsen gelbe Beere / aus welchen man den Vogel-Leim zurichtet / worzu man besagten Mistel im Herbst mit langen Stangen abbricht / denn er sitzet gar nicht fest / und ist so gebrechlich / daß so bald man mit der Stangen nur ein wenig daran stösset, selbiger alsofort herunter fällt.

Von demselben klaubet man die Beere zusammen, lässet sie mit Lauge oder nur mit Wasser sieden / und thut hernach Asche darzu.

Indem es siedet / rühret man es allewege / biß alles Wasser oder Lauge eingesotten / so hält sich die materie gantz zeh beysammen, hierauf wird sie mit frischen Wasser wohl ausgewaschen / und mit einem Prügel weidlich geschlagen / denn je besser manns schläget und auswäscht / je besser wird der Vogel-Leim Wenn er nach seinen Gewäsch und Geklopff seine Richtigkeit und Vollendung erlanget hat / muß er auch in frembde Länder auf den Kauff reyßen.

§. 21. Nicht weniger ist in weltlichen Dingen die Eiche sonderlich geehret worden. Wenn in Kriegs-Zeiten eine Schlacht erhalten / so wurde ein Siegs-Zeichen aufgerichtet / da an einer Eichen / an welcher der Gipffel und die Aeste abgehauen / und die als / ein Creutz zugerichtet gewesen / der überwundenen Feinde Waffen aufgehänget worden / wie denn ihme Saul / 1. Sam. 15. ein Siegs-Zeichen auf dem Berge Carmel (denn hohe und erhabene Orte wurden darzu erwehlet) aufgerichtet.

Solcher Siegs-Zeichen Endursach war / daß sie bey den Nachkommen solten seyn ein Denckmahl des Sieges / auch zur Ehre sowohl der Uberwinder / als der Götter durch deren Hülffe sie überwunden; gereichen möchte. Es wurde auch endlich bey Austheilung der Ehren-Zeichen der Eichen nicht vergeßen / denn wer in Kriege oder Schlachten einen Bürger erhalten / und den Feind umgebracht / dem wurde von Eichen ein Krantz aufgesetzet.

Servanti civem querna corona datur.

darvon PLINIVS Nat. H. lib. 16. c. 4. Gellius N. A. l. 5. c. 6. und PIERIVS VALERIANVS in Hieroglyphicis und andere mehr zu lesen. Die gröste Ehre und Nachruhm aber ist es der Eichen / daß aus derselben das Creutz unsers Heylandes ist zubereitet worden / welches glaubwürdiger als die Tradition, so in den bekannten Versen enthalten:

Pes Crucis est Cedrus, Corpus tenet alta Cupressus.
Palma manus religat, titulo laetatur oliva.

daß nehmlich der Fuß an selbigen von einer Ceder / der Stamm / von einer Cypresse / das Queer-Holtz von einen Palmbaum / und die Uber-Schrifft von Oliven-Baum gewesen.

Welches wir mehr für gute Gedancken annehmen / als daß in der Wahrheit sich die Sache also verhalten solte / denn es gar nicht vermuthlich / daß die Jüden / welche einen tödlichen Haß auf Christum hatten / und mit allen Fleiß Ihn ans Creutz zubringen eileten / in solchen tumult so viel Mühe würden aufgewendet / und so vielerley Holtz darzu erwehlet und zusammen gesetzet haben. v. JACOBUM BOSIUM de triumphante cruce lib. 1. c. 6. p. 24 c. D.

§. 22. Ubrigens ist eine natürliche Feindschafft oder Antipathie zwischen der Eichen und Oel-Baum / daß wenn sie in der Nähe beysammen stehen / sie die Aeste nicht gegen / sondern von einander seitwers abtreiben / werffen oder krümmen.

Desgleichen wird auch angemercket von der Eichen und Nuß-Baum / welche einander nicht leiden können / und saget man / wenn dieser Baum an einen Ort gesetzet werde / wo zuvor ein Eich-Baum gestanden / so verdorre er ohnfehlbar / daher ein alt Sprichwort entsprungen:

Der Nuß-Baum und die Eichen /
Sich nicht können vergleichen.

§. 23. Nechst der Eiche ist die Buche / ein in diesem Lande wohlbekandter Baum / welcher nicht allein ziemlich hoch wächset / sondern auch seine wohlbelaubte Zweige weit ausbreitet / und einen angenehmen Schatten verursachet / derohalben auch bey denen Alten die Hirten unter den anmuthigen Schatten derselben mit ihren Heerden zu ruhen und ein lustiges Wald-Liedlein anzustimmen pflegen / wie aus der ersten Ecloga des Virgilii zusehen / in welcher der durch den Krieg aus seinen Vaterlande vertriebene Melibeus den Tityrum also anredet:

Tityre tu patulae recubans sub tegmine fagi
Sylvestrem tenui Musam meditaris avena.
Nos patriae fines & dulcia linquimus arva,
Nos patriam fugimus, tu Tityre lentus in umbra
Formosam resonare doces Amaryllida[WS 93] Sylvas.

D. i. Du lieber Tityre liegst unter einer großen schattigten Buche und machst dich mit deiner Pfeiffe lustig; Ich aber habe alle das meinige verlassen: ich lauffe nun im Lande rumb / du aber bist ruhig / setzest dich im Schatten und machst dir eine Freude / wenn du von deiner schönen Amaryllis singst und ihren Nahmen aus dem Walde wiederschallen hörest. Man zehlet aber in diesem Lande dreyerley Arten Buchen / nehmlich die Roth-Buche dann die Weiße und drittens die Häyn- oder Stein-Buche. Die erste hat etwas röthlich Holtz / die andere etwas weißlichtes und beyde geben ein sonderlich gut Brenn-Holtz / tragen auch viel Bucheckern / und haben ein fein fettes glattes Laub.

Die Häyn-Buche hat ebenfalls weises Holtz ist sehr fest und dauerhafft / trägt aber dagegen weiches und gekerbtes Laub / und in einer Hülse eingefasten Saamen / so wie eine ziemliche Traube beysammen henget.

Die Holtz-Verständigen wollen zwar auch hierinnen einen Unterschied zwischen der Roth und Weiß-Buche machen / daß diese zarter Laub / als jene habe; alleine es rühret meist von der Güte des Bodens her / worauf der Baum stehet / daß einer weißeres Holtz / und zarteres Laub als der andere träget / und dahero ist unter beyden Gattungen eine schlechte differenz. Beede wachsen geschwinder / als die Stein- oder Häyn-Buche / haben aber ein sprötes und leicht zerspringendes / die Häyn-Buche hergegen ein hartes zaches und festes Holtz.

§. 24. Die Buchen wachsen auf allen Boden / auch in steinigten / aber wo sie ein gut Land antreffen / so werden schöne Bäume daraus welche viel Clafftern Holtz abgeben.

Durch den Saamen werden sie am besten fortgepflantzet / und müßen in Säen und Pflantzen der Eichen gleich tractiret werden.

Sie geben auch gut Schlag-Holtz / da aber auf denen Stöcken / große und Haupt-Stämme gezogen werden sollen / werden solche wie bey denen Eichen insgemein wandelbar.

Wo so genanntes schwartz- oder Tangel-Holtz wächset und abgetrieben wird / so siehet man alda einen Wiederwachs von Buchen nicht gerne / denn er wächset langsamer als jenes und verdemmet den Wiederwachs des vorgedachten schwartzen Holtzes.

Wenn die Buche Blätter bekommt / so kommen auch zugleich runde und mit vielen gelben Endlein gezierte Zäpflein mit herfür / so an langen Stiehlen hangen / und von etlichen für die Blüthe gehalten werden / aber sie sind von demselben unterschieden / denn die Blüthe folget erst zu Ende des Maji. Auf theils Blättern wachsen auch spitzige harte Zäpflein / so aber keinen Nutzen haben.

Dieses Laub ist sonderlich gut zu Bett-Stroh / weich und gesund / gestalt es auch in Franckreich und Schweitzer-Land darzu gebraucht wird.

§. 25. Die Frucht der Buch-Bäume sind die Eckern / davon PLINIUS l. 16. c. 6. also schreibet: Fructus fagi Castaneae minutae similes, triangulae cuti inclusi nuclei, sub hispido calyce, echini instar aspero.

Itaque alia fageae glandi figura, alia quernae, alia ilignae. Dulcissima fagi, qua etiam obsessos homines durasse in oppido Chio traditur, muribus gratissima, glires quoque saginat, expetitur & turdis.

D. i. die Früchte von den Buchen sind den kleinen Castaneen nicht ungleich. Der Kern davon steckt in einer 3. eckichten Schale / die in einen rauchen und stachlichten Knopffe lieget.

Also hat diese Frucht eine andere Gestalt als die von der Eiche und Stein-Eiche / unter allen aber ist die erstere die annehmlichste / von der man sagt daß sich die belagerten in der Stadt Chio damit lange erhalten haben.

Die Mäuße freßen sie gerne / desgleichen auch die Hasel-Mäuße / die darvon sehr fett werden / auch ziehen die Crammets-Vögel selbiger sehr nach.

Es kan auch solche Frucht der Mensch wohl genießen / macht etwas schlaff truncken / hat aber einen guten Geschmack als eine Nuß; so geben auch die Bucheckern ein herrlich Oel zum verspeißen.

Das Wildpreth so wohl rothes als schwartzes gehet denselben nach / wie auch die Krammets-Vögel und Stahren.

Sonderlich aber geben die Bucheckern gute Mast / und gerathen in hiesigen Landen mehr / als die Eicheln. Es bekommt auch solche Mast den Schweinen sehr wohl / wie PLINIUS schreibet / lib. 16. c. 6. Glans fagea suem facit hilarem, carnem coquibilem, levem, stomacho utilem &c. daß nehmlich selbige die Schweine muthig / das Fleisch kochbar / leicht / und vor dem Magen gesund mache.

§. 27. Aus dem Büchen-Holtz hat man auch Gefässe geschnitzt / die bey denen Opffern vorzeiten / wie auch zum täglichen Trincken gebraucht worden.

Dahero Menalcas bey dem Virgilio Ecl. 3. sein Trinck-Geschirr hoch schätzet / welches ihm der künstliche Alcimedon aus diesem Holtz geschnitten / wenn er saget:

Verum id, quod multo tute ipse fatebere majus,
(Insanire libet quoniam tibi) pocula ponam
Fagina, coelatum divini opus Alcimedontis.

Solcher Becher / wie nicht weniger der Buch-Eckern gedencken die Poëten / wenn sie die Glückseeligkeit der uhralten vergnüglichen und ruhigen Zeiten vorstellen wollen:

Tibull. lib. 1. Eleg. 10. singet also:

Nec bella fuerunt
Faginus adstabat cum scyphus ante dapes.

D. i. es war kein Krieg / da man bey denen köstlichen Mahlzeiten büchene Trinck-Geschirre brauchte.

Und Seneca in Octavia:

Pectora pauper secura gerit,
Tenet e patula pocula fago

oder: Der Arme darff sich vor keiner Nachstellung besorgen. Denn sein Gold und Silber bestehet in einen büchenen Becher.

So sind auch von der Vortrefflichkeit der ersten Kirchen die Worte des BONIFACII wohl bekannt: Calices erant lignei & sacerdotes aurei; nunc contra lignei Sacerdotes, calices aurei.

Die Kelche waren höltzern und die Priester gülden; jetzo aber sind die Kelche gülden und die Priester höltzern.

§. 28. Auf eben dieses Baumes Rinde haben gedachte Poëten ihre verse einzuschneiden pflegen / massen bey dem Virgilio Ecl. 5 Mopsus spricht.

Imo in hac viridi nuper quae cortice fagi
Carmina descripsi, & modulans alterna notavi
Experiar, tu deinde jubeto certet Amyntas.

Vornehmlich aber haben die Verliebten die Nahmen ihrer Liebsten in solche Rinden einzugraben gepflogen / welches VIRGILIUS nennet

teneris incidere Amores
Arboribus cum voto: Crescent illae, crescetis Amores:

D. i. seine Liebes-Grillen auf die jungen Bäume schreiben mit den Wunsche daß gleich wie diese / also auch die Liebe wachsen und zunehmen solle / wie ferner aus dem PROPERTIO lib. 1. Eleg. 23. zu sehen:

Vos eritis testes, si quos habet Arbor Amores,
Fagus, & Arcadio pinus amata Deo.

Ah quoties teneras resonant mea verba sub umbras,
Scribitur & vestris Cynthia corticibus.

D. i. Ihr Buchen und Fichten / ihr sollet Zeugen seyn / wenn anders die Bäume wissen was lieben ist.

Ach wie offt hab ich unter euern Schatten nach meiner Cynthia geseuffzet / wie offt hab ich ihren Nahmen in euere Rinden geschrieben.

§. 29. Das Buchene Holtz sticht der Wurm leicht an / wenns aber 14. Tage ins Wasser geleget / hernach getreuget und gebehet wird / so wird es dauerhafft. Zum Bau-Holtz dienet es demnach nicht sonderlich / weil es zumahl wenn es bald naß / bald trucken ist / gar leicht anbrüchig wird / muß also in Bauen entweder stets in der Trockene oder Nässe seyn.

Hingegen ist es zu allerhand Geräth und Handwergs-Zeuge bequem / doch muß es wie gedacht zuvor gebehet / und geräuchert werden / so springet es nicht auf / dahero schicket es sich wohl zu Schüppen und Schauffeln / zu Schrauben / Rädern / Achsen / Felgen etc.

Das Roth- und Weiß-Büchene giebt auch schöne Schlitten-Kuffen / wenn nehmlich diejenigen Stämme / so hierzu tüchtig / mit ihren Wurtzeln / die sie flach hin und wieder werffen / aus und umgraben / und also der Stamm gefället wird.

Sonderlich ist das Hayn-Buchene Holtz sehr zeh / derowegen es die Handwergs-Leute zu dergleichen Arbeit / so nicht springen oder brechen soll / sehr wohl und füglich nehmen können, bevorab von denjenigen Stämmen / so in freyer Lufft und Sonne / und nicht in dicken Wäldern oder zwischen vielen Bäumen gestanden / denn dieses wächset wohl starck und prächtig / bekömmt auch ins gemein einen schönen Schafft; hingegen aber ist das Holtz / wenn es zu Geräthe und andern Sachen verbraucht wird / nicht dauerhafft / sondern zerspringet und zerbricht gar leichtlich / wie Glaß.

Grosse starcke Buchen / wie auch ander Büchen-Holtz lässet sich mit grossen Nutzen in das Wasser verbauen / und dauert für andern Holtz sehr lange darinnen / es muß aber / so bald als es gefället / und noch ganz grün und in Safft ist / verbauet werden. Denn wenn es dürre / lässet sichs hierzu nicht brauchen / und hält sich gar nicht / maßen / wie schon gedacht / selbiges in Wetter und in der Lufft / wie auch in der Erden / ob es gleich ein hartes Holtz ist / dennoch keinen Bestand hat / sondern gleich verdirbet / faulet und Wurmstichtig wird.

Es dienet auch sonderlich zum Schiff-Bau / wie aus den Claudiano L. 3. de raptu Proserpinae erscheinet:

Vecturus longinqua per aequora merces,
Molitur tellure ratem, fagos metitur & alnos,
Et varium rudibus sylvis accommodat usum.

D. i. Wer seine Wahren über die See führen will / der bauet zu Lande vorher ein Schiff mißet die Buchen und Ulm-Bäume ab / und gebrauchet das Holtz zu allerhand Nothdurfft.

§. 30. Es giebt sonsten die Buche auch ein sehr gut lebendig oder Schlag-Holtz, denn es schläget auf den Stock oder Wurtzel wieder aus / wenn es abgehauen worden: die Roth-Buche wächset zwar geschwinder als die Häyn- oder Stein-Buche / hergegen will sie auch beßern Boden als die andere haben.

Das Holtz giebt hiernechst die beste Asche / sonderlich zum Potasch-Sieden / so ist es auch eines von dem besten Brenn-Holtze / denn es grosse Hitze giebet / so gar, daß es auch gar leicht die eisernen Ofen zersprenget / und weil es im Brennen nicht so um sich sprützet / als das weiche Holtz / so ist es auch gut zum Kochen / denn es fallen nicht so leicht Kohlen in die Speise / als von diesen.

Die Kohle ist sehr hart / wenn solche unter andere Kohlen vermenget / thut sie das ihre in Metall-Schmeltzen / alleine aber / kan sie bey der so genannten rohen Arbeit gar nützlich gebrauchet werden.

Eben diese Kohle / wenn sie auf Holtz oder andere materie fället / so entzündet sie nicht / und ist also kein Feuer-Schade dabey zubefahren.

§. 31. Aus denen Buchen sind sonsten dünne Bretlein oder- Täfelein geschliessen und geschnitten / deren viel zusammen gebunden / darauf eine Meynung geschrieben / mit dem Petschafft versiegelt / und durch einen Bothen in die Ferne getragen worden / dahero derselbe den Nahmen Tabellarius oder Tafel-Träger bekommen / auch der teutsche Nahme ein Buch entstanden.

Zu Constantinopel soll meistens Büchen-Holtz gebrennet werden / und eine Last / so viel als ein Pferd tragen kan / einen halben Thlr. gelten.

Es wird schließlich auch die Buche / so dem Jovi vor dessen geheiliget gewesen / sehr alt / wie der Poet saget:

Veteris jam fracta cacumina fagi.

und vergleicht der Poet Persius mit derselben einen alten und von Zipperlein wohlgeplagten Greisen wenn er saget:

Cui lapidosa chiragra
Fugerit articulos veteris ramalia fagi.

§. 32. Die Häyn-Buche träget keine Eckern / sondern Saamen wie die Asche und Ahorn.

Es erzeigen sich bey selbiger im Anfange des Fühlings an den Aesten kleine blätterichte ablänglichte Zäpflein, so dichte mit langen zugespitzten weiß-grünlichten Blättern umgeben; der Saamen aber hanget zwischen vielen dicht ineinander stehenden Blättern träublicht in pyramidal-form. Die Rinde soll auch ein Pech geben. Sonsten gedeihet sie zu einem ziemlichen Stamm / sonderlich wenn sie in der Enge zwischen andern Bäumen stehet / so wächset sie gerade in die Höhe / da sie aber in freyen ist / breitet sie sich aus / wird kurtz und dicke. Insgemein wächset sie bis ins 30. oder 40. Jahr ziemlich geschwindt daher / hernach aber gar sparsam.

Zu Schlag- und Unter-Holtz zu ziehen / ist sie sehr dienlich / denn sie wirfft viel Sommerlatten / und schlägt hin und wieder auf der Wurtzel aus / und weil sie auch viel Saamen trägt der leichtlich aufgehet / so ist fast kein Holtz zufinden so leichter aufzubringen / und von welchem der Wiederwachs schleuniger zu erlangen wäre / als dieses.

§. 33. Zu denen Eicheln und Eckern tragenden Bäumen fügen wir billich auch den Castanien-Baum / weil dessen Frucht auch glans oder Balanus genennet wird.

Dieser Baum wächset in Italien / Franckreich, Engelland / Niederland / Ungarn / wie auch in Teutschland an Rheinstrom und gegen den Gräntzen des Welschlandes / in Herzogthum Cräyn in großer Menge / und sind theils Orten ziemliche Wälder damit besetzet / zu großen Nutzen der Besitzer / so gleichsam hievon eine zwiefache Ernde haben für Menschen und Viehe zu gebrauchen / wie denn auch in Meißner-Land hin und wieder etliche dergleichen Bäume zufinden / auch theils Orten kleine Wäldlein seyn / denn man davor hält / daß wenn sie nicht allein / sondern etliche beysammen stehen / sie beßer ins Holtz und Früchte treiben / dahero zu bedauren / daß man in Pflantzung solcher nutzbaren Bäume nicht besser fortgefahren / indem man siehet / daß die jenigen / so hierzu Lande gepflantzet werden / die Lufft / Kälte und Frost wohl vertragen / und des Climatis gewohnen / ob sie gleich nicht so große Früchte bringen / als in warmen Ländern. Jedoch muß man sie dem Nordwinde nicht allzu sehr entgegen setzen. Den Nahmen führet dieser Baum von Castano einer Stadt in Magnesia oder wie etliche wollen / in Apulia, nicht weit von Tarento; nicht aber von castitate, weil Plinius die Castanien den Fasten der Weiber zueignet / lib. 15. c. 23. denn ihre Würckung ein anders ausweiset.

Sie werden auch genennet Sardianae nuces, und soll sie Jul. Caesar von Sardis zu erst in Italien bracht haben / von dannen sie in andere Provinzien kommen und könten also nach diesen Exempel gar wohl in unsern Ländern in Menge erzielet werden.

Denn es kan wie schon gedacht / dieser Baum die kalte Lufft und Gegend ziemlich vertragen / jedoch verschmähet er gelinde und laulichte auch nicht.

§. 34. Uberdieß liebt er auch allerhand Grund / sonderlich wenn er gemischet ist / jedoch ist ihm der gute Boden auch am annehmlichsten / nicht zu feuchte nicht zu trocken / aber im Sande will er nicht fort / wie auch der kalte leimichte Boden ihm nicht anständig ist / verträgt aber die Düngung gar gerne.

Er wächset auch besser auf bergichten und nicht gar zu ebenen und schattichten Orten / als auf gantz ebenen Felde / und wo die Sonne sehr anfället.

§. 35. Die Rinde des Castanien-Baumes ist schwärtzlich und Aschen-Farb / das Holtz fest und der Fäulung wenig unterworffen.

Die Blätter sind gekerbet mit vielen Aederlein / die Blüthe wollicht / und niederhangend mit gelbichten Blümlein / fast denen Zäpfflein an den Nuß-Bäumen ähnlich / worauf die Frucht in einer stachlichten Schalen folget.

Es wächset dieser Baum sehr leichtlich und gerne / überkommt insgemein einen schönen Schafft / wird so groß als ein Eichen-Baum / und wächset in fünff oder sechs Jahren unterweilen so groß / daß er Früchte träget / giebt den Garten eine schöne Zierde / so wohl wegen des Gewächses als schönen Laubes.

§. 3. Es sind aber der Castanien zweyerley / wilde und zahme.

Die wilden haben an statt der Blüte längliche Meutzlein oder Zäpfflein; die Früchte lassen sich nicht wohl schelen / man siede oder koche sie denn zuvor / gehören mehr vor das Vieh als vor die Menschen / derhalben man sich bey Pflantzung solcher Bäume lieber nach guter Art umzusehen hat.

Die kleinere Art / so man in Franckreich zeuget / wächset gerne in kalten Ländern soll erst von Constantinopel nach Wien / und von dannen in Italien und Franckreich bracht worden seyn / da sie sich in wenig Jahren auf viel 1000. Stück vermehret.

Sie heisset sonst Pferd-Castanie / weil sie bey denen keichenden Pferden gebraucht wird / soll auch die Indianische Castanie genennet werden / und der Baum binnen 8. oder 10. Jahren / einen ziemlichen Stamm / und schönen Wuchs erlangen.

Es giebt aber der Castanien-Baum ein vortreffliches Bau-Holtz / dienet auch zu Tischer-Arbeit mehr denn ein anders. Er wird am besten durch die Schößlinge / so an der Wurtzel ausschlagen fortbracht / wie auch durch Peltzen / wodurch sie bessere Früchte tragen / gemeiniglich aber von denen Castanien selbsten.

Diese werden im Früh-Jahre / so bald in die Erde zukommen / eine quere Hand tieff in guten luckern Boden gestecket / und auf eine Seite geleget / damit die Käumen desto eher in die Höhe kommen / und auf der andern Seiten die Wurtzel werffen können; auch stecket man zu jeden Kern ein Stöcklein. Doch müssen die Castanien / so man zu Saamen haben will recht reiff seyn / und wenn sie gesammlet / fein dünne geschüttet werden / auch etliche Tage außschwitzen / ferner wohl einen Monat lang in Sand oder Mooß liegen.

Wirfft man sie alsdenn ins Wasser / so schwimmen die untüchtigen oben auf / darauf läst man die guten etliche Tage wohl treugen / thut sie wieder in Mooß oder Sand / und also verfähret man nach und nach / biß man sie in Frühling stecken kan / sie müssen aber von den Mäußen und andern Ungezieffer / wohl verwahret werden; Man kan sie auch zuvor ein paar Nächte in neue oder frische Milch legen. Wenn sie auffgegangen und ein wenig starck / so verpflantzet man sie in 2. und 3. Jahren.

Im übrigen wachsen sie geschwinde in die Höhe, müßen aber wohl umgehacket, fleissig gewartet / und ausgeschneidelt werden / doch lassen sie nicht gerne andere Bäume / so weit sie ihren Schatten werffen / aufkommen / auch so gar die Kräuter nicht.

§. 37. Das sonderbarste an diesen Baume / und was hoch zu aestimiren / ist / daß er wie gedacht schnell aufwächst / und in 2. 3. Jahren mehr / als andere in 4. bis 6. Jahren / giebt auch gut Bau- Feuer- und Kohl-Holtz / und kan für allen andern zu Schlag- oder lebendigen Holtz gezogen / und wohl genutzet werden; dahero ein Haußwirth mit allen Fleiß trachten soll / selbigen aufzuziehen / zu säen und zu pflantzen / und wenn solcher nur einmahl an einen Ort an- und aufbracht / so vermehret er sich hernach durch die Schößlinge selbsten.

Auf großen Gebürgen / wo an Getreyde Mangel / hingegen aber Castanien wachsen / wenn solche gerathen / hat man sich keiner Hungers-Noth zubesorgen / denn die arme Leute solche vor Brod eßen / oder machen gar Mehl oder Brod draus. Wie man sie hierzu Lande in Pfannen oder fetten Gänsen brät / ist bekant und ist eine Kost die nicht zuverachten.

Wenn man sie braten will / schneidet man sie erstlich auf / denn sonsten geben sie einen grosen Knall von sich und springen aus dem Feuer.

Solches appliciret ein gelehrter Mann auf das gute Gewissen / welches also von sich selber redet: Laesa cremor, non laesa triumpho: wenn ich verletzt werde muß ich brennen; werd ich aber nicht verletzt so triumphir ich.

Ziehet hierbey an die 3. Männer / so in Feuer-Ofen zu Babel unbeschädiget blieben / hingegen die jenigen / so das Feuer geschieret / von selbigen verzehret worden.

Non cremat integos vitae, sed vulnere laesos
Castaneas veluti noxia flamma nuces.

Ingleichen wird es auch auf die Keuschheit gezogen.

Castanea e mediis velut exilit integra prunis,
Et flammas nullo vulnere laesa fugit:
Sic quoque Virginitas nullo perit igne pudica,
Illibata manet quando pudicitia.
Animum enim corrumpunt prius, qui corpus violare cupiunt.

D. i. Gleichwie die Castanie wenn nicht drein geschnitten ist / aus den Kohlen springet / und das Feuer meidet; also wenn die Keuschheit nicht verletzt ist / kan sie durch keine Glut versehret werden.

Denn wer den Leib verletzen will machet sich zuvor an das Gemüthe und verderbet es.

Solches und dergleichen könte bey den meisten Bäumen angefüget werden / wenn es unsers Vorhabens wäre.

§. 38. Den Nuß-Baum setzen wir auch zu dieser Classe, und zwar darum weil solcher an vielen Orten / sonderlich an Rheinstrohm in großer Menge / und gleichsam auch wild wächset / daß gantze Gegenden damit besetzet sind / auch aller Orten / wo etwas guter Boden / und Holtz-Erde verhanden / aufzubringen ist / nicht weniger / daß er wie ander lebendig Holtz / wenn er abgehauen / an der Wurtzel oder an Stamm und Stock wieder ausschläget.

Er wird Lateinisch genennet Juglans non quasi Jovis glans, sed quod jugulet glandes, auf teutsch / Eichelmörder / weil der Nußbaum den Eichen-Baum um und neben sich nicht leidet / sondern verderbet und umbringet.

Denn zwischen diesen beyden (wie schon oben bey der Eiche gedacht und von vielen Physicis statuiret worden) wird daher eine natürliche Feindschafft vermercket / weil die Eiche bey und neben den Nuß-Baum verdorret / und wenn ein Nuß-Baum in die Stäte oder Grube / da zuvor eine Eiche gestanden / gepflantzet wird / so kommt er nicht auf / sondern verdirbt / ingleichen kömmt die Eiche / wo ein Nuß-Baum gestanden nicht fort.

§. 39. Dieser Baum ist so wohl seiner Frucht als Holtzes wegen sehr nutzbar / dahero zu bedauern / daß er mit so gar wenigen Fleiß in hiesigen Landen nicht fortbracht und gemehret wird. Es ist zwar wohl an dem / daß die rauhe Lufft ihm nicht anständig / und er daher also leichtlich Winters-Zeit erfrieret; allein es giebt doch die Erfahrung / daß am meisten Orten (außer in Ertz-Gebürge) des Meißner-Landes solcher mit großen Nutzen gepflantzet / und zu einem Wachsthum gleich einer Eiche gebracht wird / und weil er mittelmäßige Lufft erfordert / so muß man solchen an den wärmesten Orten in Garten / Weinbergen / warmen Gründen / Thälern und Feldern / oder wo es sich leiden will / setzen / und Winters-Zeit die Wurtzel vor großer Näße bey den Frösten mit etwas Geströte Pferde-Mist oder Laub decken / damit selbige zu der Wurtzel nicht so leicht gelangen können.

Fället aber so eine starcke Kälte ein / daß die Aeste erfrieren / oder der Baum will sonsten wandelbar werden / so muß man das erstorbene abhauen / als denn schläget er aufs neue wieder aus / wiewohl auch immer eine Art von Nuß-Bäumen mehr Kälte und Frost verträgt / als die andere.

Derohalben man nach Gelegenheit des Ortes / nachdem der Boden kalt oder warm ist / sich richten soll / daß sie in der Baum-Schule an die kältesten Oerter flugs anfangs gesetzet / und zur kälte gewehnet / nicht aber gar erfröret werden.

Denn wenn sie aus einer warmen Baum-Schule an kalte Orte versetzet werden / bekleiben sie selten / sondern erfrieren bey dem ersten kalten Winter.

Weil auch wie gedacht / die Nüße unterschiedlicher Arten und etliche kleine / auch sehr harte Schalen haben / daß man den Kern nicht wohl daraus gewinnen kan / so soll man allezeit billich auf gute Art Nuß-Bäume / welche große und dünnschalichte Nüße tragen / bedacht seyn.

§. 40. Gegen Weynachten leget man den Saamen oder die besten vollkommensten schwehren Nüße in feuchtes Moos oder Sand / thut sie in einen Keller da sie denn auskäumen / und wenn solches zu starck geschiehet / muß man die Lufft und Kälte darnach temperiren.

Im Frühling oder im Winter-Monat sollen die Nüße gleich denen Mandeln gestecket / und wenn die Stämmlein 2. oder drey Jahr alt / hernach versetzet werden.

Palladius schreibet / daß vor alters bräuchlich gewesen / die welschen Nüß-Bäume zu pfropffen; aber die Erfahrung hat bißhero gegeben / daß durchs Pfropffen / dieselben nicht gebessert werde / sondern durch das offtere versetzen und gute Kerne / auch Sprößlinge: Denn je öffter dieser Baum versetzet wird / ie grösser und dünnschälichtere Früchte soll er tragen.

Doch will er auch einen guten Grund haben / so gut / als es der Korn-Bau erfordert.

Die Blüth-Zäpfflein daran kommen in Frühlinge mit den Blättern zugleich.

§. 41. So weit dieser Baum Schatten giebt / oder wirfft verdemmet er gleich andern Bäumen sehr das Graß / Getreyde / und andere Früchte / auch weil er starcke Wurtzeln hat / leidet er in der Nähe keinen Baum / dahero er Mitter-Nacht werts oder also an Orten anzusetzen seyn oder stehen soll / damit die Sonne des Schattens nicht zu viel geben kan / darum er bey dem Ovidio also eingeführet wird:

Me sata ne laedam, quoniam sata laedere dicor,
Imus in extremo margine fundus habet.

D. i. Weil man mir Schuld giebt daß ich Schaden bringen soll / so hat man mich gantz zu euserst am Rand des Ackers gesetzet.

Es soll auch der Schatten von dem welschen Nuß-Baume denen / so darunter schlafen / schädlich seyn / und Haupt-Wehe wegen seines öhlichten Geruchs verursachen.

Das Nuß-Bäumen Holtz ist in sonderlichen Werth weil es nicht wurmstichig wird / und weil es eine dunckele und schwärtzliche annehmliche Farbe hat / auch dazu schön fladericht ist / daher wird es zu Tischen / Schräncken / und andern Geräth gebraucht. Nachdem schlüßlich die Nüße feste und Halß starrig aufn Bäumen sitzen / und mit Gewalt abgeschlagen werden / so ist daher auch das bekannte Sprichwort der Italiäner und Polacken entstanden:

Nucem Rusticorum naturam esse sortitam, quo immitius feritur, eo fructus uberiores proferre: apud Portam: Villae lib. 5. c. 33. oder: Die Nüße wären nicht anders als die Bauern; denn je mehr diese geschlagen würden / je mehr brächten sie Früchte.

Das Dritte Capitel /
Von wilden Obst.

§. 1. Alle Arten von guten Obst-Bäumen sind dargegen auch wild / und werden diese auch von guten Kernen gezeuget. Wilde Aepffel wo sie sonderlich wachsen.

§. 2. Wie der wilde Obst-Baum gezeugt und fortgebracht werde. Deßen groser Nutzen.

§. 3. Eigenschafft seines Holtzes. Sonderbahre Hochachtung wilder Obst-Bäume in Franckreich und Engelland. Vom wilden Apffel-Baum.

§. 4. Wie der Kirsch-Baum in Europa gekommen.

§. 5. Kirschen die erste Frucht im Jahre. Allerhand Arten der wilden Kirschen. Nutz des schwartzen Kirsch-Baums.

§. 6. Wie er in die breite zu ziehen. Nutzen seines Holtzes.

§. 7. Eigenschafften der wilden Pflaumen. Wie sie zu säen. Worzu das Holtz zu gebrauchen.

§. 8. Clima des Maulbeer-Baums und sein Nutzen.

§. 9. Ob die Erziehlung der Seiden-Würmer in Teutschland an zu bringen.

§. 10. Wie der weiße Maulbeer-Baum fortzupflantzen. Was in hiesigen Landen denen Seiden-Würmern in Mangel der Maulbeer-Blätter könne zu fressen gegeben werden.

§. 11. Warum der Maulbeer-Baum vor den Klügesten zu achten. Große Wälder von Maulbeer-Bäumen in China.

§. 12. Warum der Mispel-Baum unter die wilden Bäume gerechnet wird. Seine Gestalt / Clima, Boden und Erzielung.

§. 13. Unterschiedene Arten des Vogelbeer-Baums. Beschreibung der Arles Kirsch-Bäume.

§. 14. Boden des Vogelbeer-Baums. dessen Fortpflantzung

§. 15. Seine Nutzung

§. 16. Des Hollunder-Baums Benennung / Rinde und Nutzen.

§. 1.

ALle Arten von guten Obst-Bäumen so man in Gärten hat / sind dagegen auch wild in Wäldern, Heiden und Feldern anzutreffen / aber die Früchte sind bey weiten nicht so gut und geschmack als jene; So werden auch aus allen Kernen der guten und besten Früchte / sie seyn auch so gut / als sie immer wollen / nur wilde Bäume wachsen.

Solche sind an Aesten rauch und stachlicht / jedoch bekommt der Baum zu öfftern einen Schafft / zu allerhand Geräthe dienlich / haben allesammt einen rohen und herben Safft und Geschmack / die Früchte bleiben insgemein sehr klein / jedoch findet man gewisse Arten so noch ziemlich groß und geschmack sind / und dahero für andern zu säen und zu pflantzen / und wenn sie gepfropffet werden / tragen sie auch bessere Früchte als die andern gepfropfften.

Die wilden Aepffel-Kerne haben überdieß noch was sonderlichs / denn sie sind gegen den Stiel rund und breit / aber gegen der Obern-Seite spitzig / allwo sie auch aufkeimen / und das Stämmgen von sich treiben.

§. 2. Es können aber die wilden Obst-Bäume an Aepffel- und Birn-Bäumen / und der wilde Pflaum-Baum / Mispel etc. gleich denen in Garten gezeuget / und durch die Kern oder Saamen fortgebracht werden / dabey man sich dann der besten Arten bedienen solte.

Aber meist wachsen sie von sich selber / von denen Kernen / so von wilden Obst ausfallen / oder von Vogeln in die Höltzer getragen werden / und wäre zu wünschen, daß durch Kern-Säen / dergleichen Obst mehr aufbracht würde / denn solches so leichte geschehen kan / als mit andern Holtz / nimmt auch nicht mehr Platz ein; hingegen giebt es doppelten Nutzen / und kan man das Holtz zum Brauen / Brennen und zum Verkohlen für allen andern nutzen / wächset schnell / und mag so wohl als ein anders zu Schlag-Holtz gezogen werden / dann es schlägt aufn Stock aus; wenn aber der Baum einen feinen Schafft hat / ziehet man solchen / zu einem Ober-Baum / brauchet überdieß nicht mehr Wartung als ander wild Holtz / und zum Uberfluß will mans pfropffen / so hat man zehnfachen Nutzen zugewarten.

Man kan ferner nicht allein Geträncke aus der Frucht machen / sondern sie wird auch von gemeinen Volck abgebacken / und zur Speise / wie auch zur Kühlung in hitzigen Kranckheiten gebrauchet.

Zahmen und wilden Thieren dienet in Sommer das grüne Laub davon / und Winters das dürre nebst den Baum-Knospen zum Füttern / solcher Gestalt bringet das wilde Obst / it. Eicheln und Eckern / nebst denen Castanien vielen Landen großen profit, sonderlich hat das rothe und schwartze Wildpreth / welches durch solch Obst und durch die teugen Birnen / häuffig herbey gelocket wird / gute Nahrung dabey.

Allein in den Landen / wo vorhin schon viel Wild / oder die Wild-Bahne gar zu starck ist / da lassen die Bauern kein wildes Obst aufkommen / vielweniger pflantzen sie Eicheln / Castanien und Buchen / denn daßelbe tritt an solche Ort / und verderbet um die Gegenden alles / folglich unterlassen sie fast alles Pflantzen der Bäume / so wohl des wilden als Garten-Obstes / zu höchsten Schaden des Landes.

§. 3.[WS 94] Das Holtz von wilden Obst ist hiernechst wegen seiner Härte / als auch der schönen Farbe zu allerhand Geräthe dienlich / giebt auch gut Brenn-Holtz / insonderheit ziehet das Birn-Baum-Holtz den Leim / oder alle andere Materien nicht gerne an / daher wird es sehr zu allerhand Formen gebraucht / weil es nicht recht anklebet / sondern allerhand Pasten und Confituren / so darinnen gemacht oder getrucket werden / gleich ohne Anhengen wieder von sich giebet. Der Apffel-Baum wächset in temperirten Landen / aber in heissen Orten ist er nicht wohl fortzubringen / dahero in Italien / Indien und Africa selber gar rar ist.

Im Schweitzerland und gegen Genff giebt es viel wild Obst / daraus das Getränck Cyther in großer Menge gemacht / und dem Wein gleich aestimiret wird. Denn aus den wilden Obst / als Holtz-Birn / Aepffel / Holunder-Ebisch-Beeren / Schlehen etc. werden allerhand Geträncke / Säffte / Latwergen und Extracte bereitet / dahero fast nicht zu glauben wie hoch ein wilder Obst-Baum in Franckreich / Italien und Engelland / wenn er wohl Früchte träget und etzliche Eymer Cyther daraus gemachet werden können / zu nutzen / dergleichen Nutzung man ohne Zweiffel bey hiesiger Landes-Art auch haben könte / indeme der Boden sonsten ziemlich zum Obst-tragen aptiret ist.

§. 4. Der wilde Kirsch-Baum wird von Lateinern Cerasus genennet / weil dafür gehalten wird / daß der streitbare Römer L. Lucullus solchen von der Stadt Cerasunt in der Landschafft Ponto gelegen / nach dem langwierigen Kriege so er mit dem König daselbst dem Mithridate geführet / in Italien bracht habe / wie Athenaeus schreibet.

Woraus denn zuschliessen / daß aus Orient auch andere Früchte durch Fleiß und Arbeit in Europa fortgepflantzet worden / wie denn auch bey uns solche Orientalische / und Americanische Bäume und Früchte / daran es dem Lande noch mangelt / gleichergestalt können fortgebracht werden / wenn wir nur die Handgriffe nach und nach lernen wolten.

§. 5. Die Kirsche ist das allererste Obst so im Früh-Jahr reiffet / also, daß man solcher so zureden wohl das Boten-Brodt schuldig ist, weil sie die fröliche Zeitung bringet / daß die Fruchtbarkeit zu menschlicher Nahrung und Unterhalt wieder in das Land angekommen sey / und verkündiget uns seine frühzeitige Blüthe / nicht allein die holdseelige Frühlings-Zeit / sondern auch den frucht-tragenden und reiffenden Sommer.

Der wilden Kirsch-Bäume sind unterschiedliche Arten / roth / weiß / schwartz / gelblich, bräunlich, graulicht auch groß und klein, süsse und sauer.

Der Baum dieser wilden Frucht, sonderlich der schwartze, ist einer von den aller profitabelsten / denn er wächset schneller daher / als sonst kein Baum / und kan gar wohl zu Ober-Holtz gebraucht werden.

Er wird starck am Stamme / und giebt seine Früchte jährlich dabey / stehet auch an kalten Orten und kan den Nordwind gar wohl vertragen / dahero man sonderlich darauf bedacht seyn solte / solchen in Menge und in allen Wäldern aufzubringen. Er ist leichtlich zu zeugen / und wenn er einmahl gepflantzet / vermehret er sich bald selbst / bekommt an der Wurtzel hin und wieder Schößlinge oder Ausläuffer und breitet sich weit umher aus / hindert auch nicht wen deren gleich viel beysammen stehen.

Es ist ihm ferner aller Boden und Erdreich anständig / außer / wo es gar zu naß / und weil er wohl einwurtzelt, widerstehet er dem Sturm-Winde mehr als andere Bäume / wächset hoch / und gewinnet viel Aeste muß aber bey der Zeit / wenn die Früchte reiffen / in acht genommen werden / daß ihn diejenigen so selbige samlen / nicht alzu sehr beschädigen.

An etlichen Orten laßen sie die Früchte ganz treuge oder dürre auf den Bäumen werden / schütteln sie hernach ab / und samlen solche ein / die denn auch ziemlich delicat seynd.

Unter den Stein-Obst wächset / dieser Baum am höchsten und stärckesten.

Sonst leidet er nicht viel hauens schneidens / oder andere Beschädigung / stößet aber die untersten und schädlichsten Aeste selbst von sich.

Wo er beschädiget oder verwundet wird / da kommt ein Hartz herfür.

Gar zu fetter und gedüngeter Boden ist ihm nicht anständig / sondern er verdirbet in solchen und verlieret die Schale.

Weil die Vogel auch sehr gerne die Kirschen freßen so werden sie offt dabey gefangen / indem sie auf solche sehr verleckert sind.

Es kommt dieser Baum meist von seiner Brut fort / und schläget an Wurtzeln hin und wieder aus / brauchet also keiner Wartung.

Von Kernen aber kan er in großer Menge gezeuget und gesäet werden.

In Summa er ist ein gar sonderlich nützlicher Baum / und sehr leicht fortzubringen / daher zuverwundern / daß er nicht mit größerer Sorgfalt gepflantzet wird.

Die Bauern geben zwar diese raison, daß die Frucht meist gestohlen wird / so aber nicht sufficent, auch in civilisirten Ländern nicht statt hat.

§. 6. Will man dem Kirsch-Baum / weil er noch jung / den Gipffel abschneiden so wächset er in die Breite / und traget viel Früchte / ist denn auch nicht so hoch darnach zu steigen.

Im übrigen so schicket er sich wie gedacht nicht allein zu Ober / sondern auch zu Schlag- und Unter-Holtz / weil er / wenn er abgehauen / an der Wurtzel und Stock wieder ausschläget.

Es giebt auch selbiger gut Zimmer-Holtz / dienet zu Brettern / Feuer und Kohlen / sonderlich können musicalische Instrumenta darvon beßer / als aus andern Holtz gemachet werden. Cornelis Kirsch-Baum giebt ein gut hart Holtz / so hart und fest als ein Stein.

§. 7. Die runden Pfläumlein sollen auch billig in die Wälder oder in das Schlag-Holtz mit gerechnet und gepflantzet werden / denn sie vertragen Schatten und Kälte / wachsen als ein Busch / und auch als ein Baum / schlagen wieder aus / wenn sie abgehauen werden / tragen gute Früchte vor Wildpret und Flügelwerck / die Kirschen und Pflaumen-Kern kan man auch säen und an den Schalen etwas lüfften / wenn man sie säen oder stecken will / oder aber den Kern unbeschädigt heraus nehmen / so bekommen sie gar wohl / und werden nicht verhindert durch das langsame Aufbrechen der Schale / darinnen sie zum öfftern gar verfaulen / ehe sie sich aufthun.

Arboribus pruniferis Mercurius vivus inditus ipsis prunis vim communicat purgantem.

Die Pflaumen-Kern soll man vor Winters entweder in Winter-Monat / oder im Anfang des Frühlings / so bald man in die Erde kommen kan / in die Erde stossen darvon schöne Bäumlein auf gehen. Das Pflaum-Baum-Holtz wird gegen dem Kern zu immer röthlicher / herauswerts aber / nach und gegen der Rinde / ist es weislichter.

Dienet also wohl denen Schreinern und Drechßlern allerhand feine Arbeit daraus zu verfertigen.

§. 8. Weil es von dem Maulbeer-Baum / in warmen Ländern gantze Wälder voll giebet / der Baum so zu sagen / wild und von selbsten wächset / auch sich mit Ausschößlingen vermehret / so ist dessen auch allhier gedacht worden.

Denn ob gleich diese Art in unsern Landen nicht gar zu sehr bekannt / so ist dennoch wohl zu überlegen / ob dergleichen sehr nützliche Baum-Zucht hier und zwar an bequemen warmen Oertern / nicht anzubringen und zu erlangen seyn möchte / dann die Blätter den Seiden-Würmern gute Nahrung geben / sonderlich die so von den weißen Maulbeer-Bäumen[WS 95] gesammlet werden.

§. 9. Zwar ist die Seiden-Arbeit und Erziehung der Seiden-Würmer zu erst aus Indien in Persien / von dannen in Grichenland / und so fort in Italien / auch ferner in Franckreich kommen.

Ob aber diese Sache in Teutschland auch eingeführet / und gantze Gegenden mit dergleichen Baum-Zucht versehen / und im freyen Felde die Ränder und Reine damit besetzet werden können / stehet dahin; jedoch ist daran keinesweges zu verzagen / dann sie lassen sich / bevorab die weißen / gar leicht aufbringen / wie man an unterschiedenen Orten probiret / und wäre also nicht zu zweiffeln daß man derer in großer Menge erziehen könte. Wenn nun die Fütterung der Seiden-Würmer also zu verschaffen ist / so wird auch nicht ermangeln / daß die Würmer solcher gestalt / ob es gleich mühsamer wäre als anderer Orten / selbsten auch wegen der Kälte zu salviren / und folglich wie in andern Ländern / zu nutzen.

Denn wo der weiße Maulbeer-Baum wächset / da ist vermuthlich daß auch die Seide aufzubringen wäre / und könte man / sonderlich wo warme Orte in Schluchten und Thälern / bey denen Weinbergen / it. wo die Sonne sonsten wohl anfället und reflectiret / anzutreffen seyn / so wohl die Baum-Zucht / als auch die Behältnüße derer Seiden-Würmer wohl und füglich anstellen / und ihnen mit temperirter Wärme / durch Einheitzen / Glaß Fenster u. d. g. zu Hülffe kommen.

Henricus IV. König in Franckreich hat es in seinem Königreich auch anfänglich angeordnet / Maulbeer-Bäume zu pflantzen und Seiden Würmer zuerziehen / welches auch glücklich reussiret / und nunmehro fast die beste Nahrung daselbst ist.

Es ist keine sauere Arbeit / sondern wird nur erfordert / daß es mit Fleiß / Sauberkeit und Geschicklichkeit / geschehe / dahero alle Bettler jung und alt / darbey dienen und ihr Allmosen selber erwerben können / wodurch denn viel Geld im Lande zu erhalten und Nahrung an zuschaffen wäre.

Allein es dürffte mit diesem Wercke wohl einen Anstand haben / biß daß ein AUGUSTUS sich findet / so dergleichen Unternehmen mit Ernst und Nachdruck zu stabiliren suchte.

Sonsten geben die Blätter von schwartzen Maulbeer-Baum eine grobe / die von weißen aber eine linde und weise Seide.

Die letztere Art ist ein sehr gewächsig Holtz / welches in zwey oder drey Jahren mehr zunimmt / als der schwartze in 4. 5. oder 6. Jahren.

§. 10. Es können aber die weißen Maulbeer-Bäume von den Kernlein gezeuget / in einer Baum-Schule gesäet / und also gar leicht fortgebracht werden / doch wenn sie aufgehen / muß man sie vor den Frost wohl bedecken.

Sie sind auch von Sproßen / so an der Wurtzel ausschlagen / und von Aestlein / so man in die Erde einleget / bey 100. ja bey tausenden / in kurtzer Zeit anzuziehen. Die Vielheit der jungen Maulbeer-Bäume müste dem Mangel an Laub ersetzen / bis die Bäume groß würden.

Die Seiden-Würme fressen auch das gar junge Kirschlaub / denn es im Frühling gar zart in diesen Ländern ist / und nicht so hart / wie in warmen Ländern wo selbst es die Sonnen-Hitze condensiret.

Wenn der Jahrgang nicht gut ist / wird auch in warmen Ländern wenig Seide von den Seiden-Würmern erzeuget / und ist gleich wie ein Miß-Jahr in andern Dingen / wie wir dergleichen Exempel bishero gehabt / daß die Seide ein merckliches an Preiß aufgeschlagen.

§. 11. Im übrigen ist der Maulbeer-Baum der klügste unter allen Bäumen / denn er schlägt nicht eher aus / als bis die Kälte vorbey / und dienet also dem Haußwirth hierunter zur Nachricht.

In der Chinesischen Landschafft Chekiang hat es gantze Wälder von wilden und von sich selbst erwachsenen Maulbeer-Bäumen / so große Nahrung zum Seiden-Handel geben. Diese Bäume sollen stets beschnitten werden / denn die jungen Schößlinge die besten Blätter und Nahrung für die Seiden-Würmer geben. Er. Francisci.

§. 12. Der Mispel-Baum wird gar wohl zu denen wilden Bäumen gerechnet / wie er auch an vielen Orten in Wäldern unter dem Schlag-Holtz wächset.

Er wird theils zu einen Strauch / theils auch zu einem Baum / nach dem er bey Zeiten beschnitten und geschneidelt / auch von den untersten Aesten entlediget wird. Zwischen Straßburg und Baden wachsen die wilden Mispeln in sehr großer Menge an gantz rauhen und wilden Orten / sonderlich in der Lichtenau.

Dieser Baum leidet allerhand Lufft / wächset auch in sandichten / steinigten / leimichten Erdreich / wird von Kernen erzielet / so aber sehr langsam aufgehen / zumahl wenn sie nicht in rechten Temperament von Wärme und Feuchtigkeit liegen / da sie denn etliche Monat / ja ein Jahr zubringen / ehe sie hervor käumen.

Von den jungen Schößlingen / so von der Wurtzel abgerissen werden / kommen sie leichtlich fort.

Sonst hat dieses Gewächs ein hart bräunlich / oder fast gelbes Holtz / dienet zu guten Schlag-Holtz / und träget doch darbey seine Früchte / die wann sie teich werden / von Menschen und Vieh sehr wohl zu geniessen.

Es kan auch die Mispel auf Vogelbeer-Baum gepfroffet werden / wie auch auf den Schwartzdorn und wilden Birn-Baum / da er denn sehr wohl bekömmt.

§. 13. Der Vogelbeer-Baum ist in hiesigen Landen ziemlich bekannt / aber von unterschiedenen Arten / welche man meist an der Frucht und an den Kerben des Laubes erkennet / indem einer ein stärcker und gekerbteres Laub / wie auch röthere kleinere / und größere Früchte / als der andere trägt.

Die jenigen / auf denen die kleinesten und runde Beerlein herfür kommen / sind die besten / denn der Krammets-Vogel liebet diese am meisten, als die er am leichtesten verschlucken kan / geben auch guten Safft und halten sich lange frisch.

Es wird sonsten der Vogelbeer-Baum nach den sexu in das männliche und Weibliche Geschlecht getheilet / und solche an der Frucht unterschieden.

Die Beere des Männleins sind rund und an den weiblein länglicht / wie ein Ey oder Birn.

So geben auch die Beere des Männleins einen lieblichern Geruch von sich als des Weibleins.

Man läßet diesen Unterscheid derer Botanicorum, ingleichen daß man solchen in zahm und wild theilet / dahin gestellet seyn / doch hält mans hiesiges Landes insgemein vor einerley Geschlecht und für wild.

Sonsten will man die Arles-Kirschen oder Arles-Beer / den zahmen Vogelbeer-Baum nennen / dieser hat einen starcken Stamm und fest Holtz / die Wurtzel gehet tief in die Erde / ist hart und röthlicht / die Frucht traublicht / und sehr gut zu essen / zumahln wenn sie teich / so ist es eine gesunde und gute Speise für Menschen und Vogel. Dieser Baum wächset auch wild in Wäldern / wenn er nur zur gnüge geheget und gewartet wird / so ist er in großer Menge aufzubringen / und sehr nützlich / träget eine braunliche herriche Kirsche und Beere / deme das Geflügel / und Feder-Wildpreth / mehr als der Vogelbeere nach trachtet / führet ein schönes Laub und gleichet fast dem Ahorn-Laub / aber es ist viel kleiner / hat einen hohen starcken Stamm / sonderlich wo es guten Boden antrifft / und wächset schnell daher.

Das Holtz ist fest und hart / auch sehr wohl zu allerhand Arbeit und zum Brennen zu gebrauchen / es wächset gleich einem Kirsch-Baum kan von denen Kernen / so etwas flach sind / gar leicht ingleichen von Schnittling oder Sprossen aufgebracht und der Stamm zu Ober-Holtz gezogen werden; dann es verdrucket das Unter-Holtz sehr wenig / schlägt auch aufn Stamm und Stock wieder aus / und ist also für ein sehr nutzbar Holtz zu achten.

§. 14. Der Vogelbeer-Baum mag gar füglich unter die wilde oder Wald-Bäume gezehlet werden / und wächset durchgehends gerne auf den Gebürgen / als auf denen Böhmischen / Hartze / Lothringischen / Burgundischen und Schweizerischen zu sehen.

Er lässet sich leichtlich fortpflantzen / so wohl von Beeren / als von Aussprößlingen.

Die Beere werden gesäet / gleichwie ander Baum-Saame oder büchene Kern, sie pflantzen sich auch selber leichtlich fort, daher man zum öfftern siehet / daß wenn dergleichen Saamen in die alten holen Weiden gefallen / er darinne wurtzelt / und aus derselben heraus wächset / auch seine Wurtzel durch die alte Weide / bis in die Erde hinein treibet; des gleichen findet sichs daß sie in alten Mauren und Ruinen aufwachsen. Man kan sie auch in der Baum-Schule aufziehen / und hernach versetzen; da sie denn wenn man sie mit Fleiß aushebet und verpflantzet / gar leichtlich fortkommen; und besser als wenn sie auf der ersten Stelle geblieben / tragen auch besser Frucht.

Sie lieben fast allen Boden / außer gar zu truckenen und morastigen / jedoch den guten mehr / als den geringen.

§. 15. An denen Wänden oder Zäunen item in Alleen geben sie einen schönen prospect, weil sie hübsch gerade und oben traublicht zuziehen.

Wenn sie blühen sind sie auch gar fein anzusehen / absonderlich aber / wenn sie voll Früchte hangen / so scheinet es als wenn sie mit einem rothen Tuch überzogen / oder bekleidet wäre. Sie lassen sich auch pfropffen / so wohl auf ihr eigen Holtz als auf Weis-Dorn / Quitten etc.

Das Holtz an sich selbsten hat einen sehr harten und delicaten Wachs oder Jahren / ist sehr dauerhafft / und der Fäulung wenig unterworffen / kan auch von Tischlern / Schäfftern und Drechßlern gar wohl zu allerhand gebrauchet / und durch Künstler so wohl zu gerichtet werden / als kein Indianisch Holtz.

Es arbeitet sich glatt / hat eine schöne rare Farbe / und ziemliche Härte lässet sich nebst den Aesten wohl und leicht biegen / und dienet also zu Bogen / sonderlich / wenn es zuvor warm gemachet wird.

Ja es wächset auch zu einen guten Baustamm / und wo dergleichen viel / als in denen Wäldern / in der guten alten Holtz-Erde befindlich kan man es wohl zum Verkohlen brauchen / indem es eine derbe Kohle giebt / mag auch mit unter das lebendige Holtz gesetzet werden / weil es / wenn es nicht gar zu alt abgehauen wird / wieder ausschläget / und schnelle daher wächset.

Die Beere dienen so wohl für zahmes als wildes Flügelwerck / und freßen die Hüner solche Winters-Zeit gerne / werden fett und wohl geschmack davon.

Der Landmann hat auch sonderliche Anmerckungen bey diesem Baum. Wenn er wohl blühet und Früchte träget / gläubet er / daß dergleichen an dem Korn-Bau künfftiges Jahr erfolge / welches vor ein ziemliches gewisses praesagium gehalten wird.

Aus dem Vogel-Beer-Baum Safft oder Wasser / ist auch ein gesundes und delicates Geträncke zu brauen.

Es wird im Früh-Jahr eine Schramme in Baum gehauen / daraus ziemlich viel Wasser läufft / welches so gut und tugendhafft ist / daß man nicht das halbe Maltz gegen andere Wasser zurechnen / zum Brauen / brauchet und nöthig hat.

§. 16. Der Hollunder-Baum oder Strauch ist ebenfalls wohl bekannt / auch einer so unter die sponte nascentes oder der ohne menschliche Bey-Hülffe herfür kömmt / mit zurechnen / und welcher an der Wurtzel auch wieder ausschläget / hat seinen Nahmen daher bekommen / weil sein Holtz innwendig hohl ist.

Er hat dreyerley Rinde oder Schalen / die äusserste ist graulicht / die andere grün / und die dritte gelbe / wird mehr um seines Nutzens Willen in der Medicin, als seines Holtzes wegen aestimiret / maßen fast nichts an dem gantzen Baum ist / welches nicht der Menschen Gesundheit zu erhalten / dienlich wäre / wie solches der Länge nach zusehen in D. Daniel Beckers nützlicher kleinen Hauß-Apothecke / darinnen die Beschreibung des Hollunders und Wacholders / wie man aus beyden nicht allein allerhand Artzeneyen bereiten / sondern auch dieselben / so wohl bey innerlichen als äusserlichen Kranckheiten gebrauchen möge / zu befinden.

Der wilde oder rothe Hollunder wächset in dunckeln Wäldern, hat bleichgelbe Blüthe und rothe Beere.

Das rothe Wildpret soll die Blätter davon gar gerne fressen / und die Vogel / die Beeren / das Holtz wird feste / wann es dürre ist / dienet zu Stricknadeln / zu Röhren und zu Spiessen / an die Sensen etc.


Das Vierde Capitel /
Von Laub-Holtz so keine Früchte trägt.

§. 1. Von der Linden. Wie der Linden-Saamen zu sammlen und auszustreuen.

§. 2. Beschreibung der Linde.

§. 3. Derer zweyerley Geschlechte. §. 4. Was sie vor einen Boden liebe. Ihr Stamm und Aeste.

§. 5. Nutzen des Basts von der Linden /

§. 6. Der Blüte /

§. 7. Des Holtzes / Mispel und Schwamms.

§. 8. Ob die Linde zu Ober- und Unter-Holtz kan gebraucht werden.

§. 9. Was auff den Linden-Bäumen könne gepfrofft werden. Wem sie vor diesen gewidmet.

§. 10. Der Linden Alter. Stein-Linden.

§. 11. Vom Ahorn-Baum / dessen Benenn- und Beschreibung. Wie er in Italien gekommen.

§. 12. Zweyerley Arten desselben. Sein Boden /

§. 13. Höhe und wunderwürdige Dicke /

§. 14. Dessen Hochachtung bey den Alten /

§. 15. Sein Vortreffliches Holtz /

§. 16. Blätter zur Fütter- und Streuung. Nutzen in der Medicin.

§. 17. Was er vor Holtz abgiebet / und wie er fortzupflantzen.

§. 18. Seine Blätter / Blüten / Frucht und Saamen / wie auch

§. 19. Alter.

§. 20. Von der Bircken / ihren Clima, Boden und Wachsthum.

§. 21. Sie giebt Ober- und Unter-Holtz.

§. 22. 23. Ihre Rinde / Blätter und Reissig.

§. 24. Vom Bircken-Wasser.

§. 25. Bircken-Saamen / wenn er zeitig werde. Wie er zu sammeln.

§. 26. Von Fort-Pflantzung der Bircke.

§. 27. Vom Eschen-Baum und dessen Boden.

§. 28. Dessen gutes Wachsthum.

§. 29. Gebrauch und Nutzen des Holtzes / sonderlich in der Medicin.

§. 30. Seine Krafft wieder Gifft und Schlangen / auch zum Blut-Stillen.

§. 31. Von seinen Laub / Büte und Saamen. Wie und wo er fortzupflantzen.

§. 32. Was man in andern Ländern vor Nutzen daraus ziehe.

§. 33. Der Erle Benennung / Geschlechte und Boden.

§. 34. Nutzen daraus in der Holtzung und beym Ufern.

§. 35. Des Erlen-Holtzes Dauerhafftigkeit im Wasser.

§. 36. Anderweitiger Nutzen der Erlen / sonderlich bey der Fütterung.

§. 37. Von der Erlen Fortpflantzung und deren Saamen.

§. 38. Wie die Erlen zu dämpffen. Hecken und Pulver-Flaschen darvon.

§. 39. Des Ilmen-Baums Arten und Boden /

§. 40. Nutzen des Holtzes und Laubes.

§. 41. Wie sie fortzupflantzen.

§. 42. Von Lein-Baum.

§. 43. Des Rüster-Baums Natur / Geschlechte / Saamen und Blätter. Warum er der Fliegen-Baum genennet wird.

§. 44. Sein Holtz und Unterschied von der Ilme.

§. 45. Des Gerber-Baums Beschreibung und Nutzen.

§. 1.

NAchdem wir unter den Laub-Holtz diejenigen Bäume / welche Eicheln / Eckern und Nüsse / ingleichen die so wild Obst und Beere tragen / kürtzlich betrachtet / so wollen wir nun in dieser Classe diejengen fürnehmen / die zwar nicht ihrer Früchte halber / sondern entweder wegen ihrer ansehnlichen Größe / anmuthigen und weitschweiffigen Schattens / nutzbaren Holtzes / oder andern Uhrsachen halber sich recommendiren.

Unter diesen machen wir von der Linde / einem bey uns wohlbekandten und beliebten Baum / den Anfang / und zwar was erstlich deren Saamen betrifft so wird derselbe auf allerhand Art gesammlet.

Denn entweder man streiffet die Knospen oder Knöpfflein ab / stecket sie in einen Sack / rüttelt und schüttelt denselben / daß der Saamen darinnen ausfället und unten in Sacke liegen bleibet / welchen man also ausstreuet; oder aber man säet die Knöpfflein wie sie gesammlet werden / ohne den Saamen vorbesagter maßen auszuschütteln. Theils hauen auch die Aeste und Wipffel von diesen Bäumen / daran viel Knospen hangen ab / setzen hengen oder legen sie um und ins Landt / so besäet werden soll / so fällt und fleucht alsdenn der Saame aus / und verbreitet sich hin und wieder.

Er wird in Septembr. oder auch in Augusto zeitig / und wenn die Knöpfflein oder Hülßlein sich aufbürsten / ist es ein Zeichen / daß er reiff ist.

§. 2. Die Linde nun / welche ihren teutschen Nahmen von der Weiche oder Lindigkeit und Glätte herführet / lateinisch Tilia genannt / ist ein schöner Baum / wächset so wohl wegen des Stammes / als der Aeste fein ordentlich / und lässet sich wegen der starcken Wurtzeln so sie führet nicht leicht von grösten Winden werffen / und ist in Spazier-Gängen und andern Lust-Orten wohl zugebrauchen / hat ein schönes Laub / und die Blüthe ist sonderlich angenehm. Sie wird wegen derselben und ihrer Grösse halber gerne bey die Kirchen / ja in Städten und Dörffern an offenen Orten und Plätzen gepflantzet / unter den Schatten Zusammenkünffte gehalten / Zechen angestellet / Spiele getrieben / woselbst auch wohl das Weibes-Volck zu nehen und spinnen pfleget / laut des bekandten verses.

Filia sub Tilia discit subtilia fila.

Es werden auch auf die starcken Linden-Aeste Gänge / Boden / oder Saale gebauet / auf welche man steigen / sich Lust halber daselbst aufhalten und divertiren kan.

§. 3. Es soll sonsten dieser Baum zweyerley Geschlechts / nehmlich / Männlichs und Weiblichs seyn / welcher Unterscheid auch / durch etlicher Meynung am Stamm und an der Gestalt sich zeiget; indem das Männlein härter / knorrichter / gröber und rothgelblich / das Weiblein aber gelinders und weichliches Holtz hat.

Aber daß es gewiß zweyerley Geschlechte seyn / kan doch niemand eine eigendlich Gewehr thun / sondern es läuffet / wie obgedacht / dahin aus / daß das Erdreich darinnen sie stehen, die meiste Veränderung veruhrsacht.

Die Rinde von Männlein läst sich nicht wohl biegen sondern springet / die aber von Weiblein lässet sich zu allerhand gebrauchen.

Das Männlein blüht nicht / und hat auch keine Frucht / aber das Weiblein hat Blüthe und Früchte / oder Saamen.

§. 4. Eine Linde will etwas guten Boden haben / wächset aber auch wohl in den grösten Höltzern und Wäldern.

Wie starck der Stamm wird / ist in Teutschland an vielen Orten / Dörffern und Städten wohl bekannt / und daß kaum ein ander Baum von dergleichen Stärcke zu finden ist.

Wenn auch die Aeste und Gipffel beschwehret und abgehalten werden / daß sie nicht in die Höhe kommen / so breiten sie sich unglaublicher Weise aus / daß viel hundert Menschen Schatten darunter haben mögen.

§. 5. Uber ihre Anmuthigkeit und ansehnliche Gestalt ist die Linde auch sehr nutzbar / und zu vielen Dingen dienlich.

Vor Alters ist das Linden-Bast an statt des Papiers gebraucht / und so wohl Brieffe / als Gedichte und Historien darauf geschrieben worden.

In Griechischer Sprache heist ein solcher zarter Linden-Bast Philyra, daher ist es kommen / daß eine jede Rinde darauf man schreiben möge / oder könne / Philyra genennet worden / maßen auch dieser Nahme dem Egyptischen Papier zugeeignet wird.

Auff dergleichen wurden die Käyserl. Befehle ausgefertiget / und gedencket Svidas, daß Ulpius Marcellus ein sehr wachsamer Kriegs-Obrister täglich habe gegen Abend zwölff solche philyras beschrieben / welche an die Soldaten bald hier bald dort / zu allen Stunden der Nacht herumgeschicket wurden / damit indem sie vermeinet / daß ihr General wache / sie gleichfalls munter seyn möchten.

Auch hat der Tyrannische Käyser Commodus im Brauch gehabt die Nahmen der jenigen / so er wollen hinrichten lassen / auf solche Linden-Täffelein zu notiren / wie Herodianus von Ihm berichtet. Dieser Bast so zwischen der Schale und Holtz lieget / ist zu Seilen / Köbern / Körben / auch auf die Wägen und andern dergleichen Dingen dienlich / aber es wird auch mancher guter Stamm damit verderbet. In Moscau giebt es gantze Wälder von Linden / und die Einwohner haben theils Orten gute Nahrung darvon / dahero man auch sonderlich dahin trachtet / solchen Baum fortzubringen und zu erhalten.

Denn es wird daselbst Bast in großer Menge gemacht und daraus viel Decken die Wahren einzupacken verfertiget / welche nach Engelland Holl- und Teutschland / und in die angränzenden Länder / wo große negotien und Kauff-Handlungen seyn / häuffig versendet werden / wie man denn saget daß ein Kauffmann / so solche bastene Decken in frembde Lande allein versenden darff / dem Groß-Czaar[WS 96] jährlich 20000. Thaler vor das privilegium zahlet.

Es soll sich aber eine große Anzahl armer Unterthanen davon nehren / indem theils das Bast abschelen / theils solches bereiten / theils die Decken / Seile und andere Wahren davon machen / solche verführen und damit handeln und also insgesammt ihr Brod darmit verdienen: also siehet man / was vor Nahrung dergleichen Holtz conservation einem Lande bringen kan.

Aus solcher innern Rinde oder Bast sind vor diesen auch Bändlein gemacht worden / so man an die Kräntze zubinden gepflogen / davon PLINIUS l. 16. cap. 4. schreibet: Sunt inter corticem & lignum tenues tunicae, multiplici membrana, e quibus vincula Tiliae vocantur, tenuissimae earum philyrae, coronarum lemniscis celebres, antiquorumque honore.

D. i. Zwischen der eusersten Rinde und dem Holtze ist noch eine Schale / so aus einer vielfachen Haut bestehet / die zarteste hievon wird Bast / oder Linden-Bande genennet / welche von denen alten sind hoch geschätzet / und an die Kräntze gebunden worden.

§. 6. Nechst dem Bast ist an diesem schönen Baume auch zubetrachten die Blüthe / welche mit ihren angenehmen Geruch die Lufft weit und breit anfüllet / und die Bienlein an sich locket / woraus auch ein sehr nützlicher Spiritus bereitet wird.

In Siberien / allwo die Linden in grosser Menge anzutreffen / geben diese Blüthen den Bienen / welche mehr als in andern Landen wild daselbst in Walde seyn / guten Zugang / die ihren Honig / welcher gantz zuckericht ist / in grosser quantität darvon bereiten und in denen holen Wald-Bäumen eintragen.

Sothane Blüthe des Linden-Baums ist erstlich grün und mit Flügeln bedecket, wenn sie aber aufgeblühet / wird sie gelblicht / und bestehet in fünff Blättern.

Die Frucht ist denen Epheu-Beerlein gleich / träget einen runden schwärtzlichen Saamen, der im Augusto und September reiff wird / auch sehr süsse an Geschmack ist / daß die Kinder darnach lauffen / und solchen essen.

§. 7. Das Holtz so von Würmern nicht leicht angestochen wird, ist / weil es gar leichte zu allerley Haußrath / und andern Dingen / so nicht schwehr seyn sollen / am besten zugebrauchen.

Sonderlich ist es denen Bild-Hauern nützlich, denn es läst sich wohl schnitzen / drein graben und schneiden / dieweil es sehr weich.

Jedoch sagen / die solches arbeiten / daß es das Werckzeug sehr stumpf mache.

Materies Tiliae mollissimma & calidissima, hoc argumento, quod aciem ferri hebetat, & ascias citissime retundit.

Die Kohle davon ist auch sehr gut und subtil, und wird sonderlich von den Mahlern, wenn sie etwas zeichnen wollen, gebrauchet.

Seine Mispel ist sehr nützlich / und giebt einen vortrefflichen Spiritum.

Von Linden-Schwamm soll man bey ansteckenden Seuchen das Vieh trincken lassen.

§. 8. Sonsten dienet die Linde sowohl zu Ober- als auch zu Unter- und Schlag-Holtze / denn sie eben so wohl an Stamm als an der Wurtzel ausschläget / wenn sie abgetrieben / wirfft aber eine starcke Wurtzel / so denen nahstehenden Bäumen schädlich. Sie wird so leicht von Saamen / als von den Schößlingen fortgebracht / theils stecken sie auch wie Weiden / aber sie will auf diese Art wohl gepfleget seyn / und gute Witterung haben / sonst verdirbt sie / und gehet aus.

Bey dem Verpflantzen schneidet man gerne den Wipfel ab / so bekommt sie desto eher / und kan nicht so leicht von Schnee und Wind gedrucket werden / denn es gar ein zart Holtz ist / so viel Kern und Marck hat.

Der Saame von Linden hat noch eine starcke Schale um sich / dahero soll er in Sand geleget werden / daß er aufkäume / oder also bald nach dem er reiff / und eingesamlet / frisch gesäet werden / damit er die Herbst und Winter-Feüchte erlange / und desto eher auffgehe / gestalt dieser und auch der Saame von Ahorn / Aschen und Rüstern nebst den guten Grund auch nothdürfftige Feuchtigkeit haben will.

Denn fället er unter und zwischen andere Bäume / dadurch ihm die Feuchtigkeit und Witterung benommen wird / oder es treten dürre Jahres-Zeiten ein / so gehet er nicht auf / lieget und verbuttet in sich selbsten wird von Würmen / Schnecken / Ameisen / item von Mäußen und dergleichen Ungeziefer gefreßen und beschädiget / also / daß er auch auf künfftige Jahre aufzugehen ruiniret wird / welchem Verderb er auch sonsten unterworffen ist / wenn er nicht bald hervor kommt / ja es geschicht auch meistens in Aufkäumen / daß er von Insectis beschädiget / vergifftet / und verderbet wird.

§. 9. Sonsten nimmt die Linde allerley Obst und Früchte an / welche in dieselbe gepfropffet werden.

Plinius bezeuget / daß er bey Tibur eine Linde mit allerley Obste beladen gesehen / indem sie auf einem Ast Nüße / auf dem andern Beeren / Feigen / Birn und Aepffel getragen / lib. 17. c. 16. Vor Zeiten ist sie dem Saturno gewidmet gewesen / als welcher / da er sich in ein Pferd verwandelt / die Philyram geschwängert / und mit ihr den Chironem ein Pferd-Mann / oder Centaurum erzeiget / davon Ovidius l. 6. Metam.

Ut Saturnus equo geminum Chirona creavit.

Deshalben auch die üppigen und schändlichen Sacra unter den Schattenreichen Linden sind gehalten worden. vid. Ursinus Arbor. Bibl. Sect. 2. cap. 10. p. 170.

§. 10. Daß im übrigen die Bäume, zumahl die wilden 3. 4. 5. und mehr Secula ausdauern können / geben uns lebendige Zeugen ab die vielen alten und großen Linden / so hin und wieder in Teutschland gepflantzet / als zu Basel auch in denen Reichs- und andern Städten / wie auch diejenige berühmte und wohl sehens würdige zu Augustus-Burg in Meißen.

Die Stein-Linden / so in Italien / Franckreich und Portugal wachsen / sollen fast stets grünen / und die Hecken und Zäune damit angeleget werden; wäre dahero zu wündschen / daß diese Art auch in Teutschland[WS 97] / wo müglich fortgepflantzet und anbracht werden möchte.

Sonsten wird auch der gemeinen Linde / der Nahme Graß-Linde zugeleget.

§. 11. Der Ahorn-Baum / welchen man insgemein den schönen Ahorn nennet / und von Homero mit diesem Nahmen beehret wird / heißet in Lateinischen Platanus, entweder von der Breite der Blätter / oder dieweil der Baum selber sich sehr weit ausbreitet; ist ein recht schöner Baum / hat schönes Laub / fast wie die Wein-Rebe oder Weinstock / aber größer und stärcker / wächset schnell / sonderlich in guter luckerer Erden / an Hügeln und Thämmen / da er die Wurtzel wohl einwerffen kan.

Er bekommt einen schönen Schafft / hat eine anmuthigen gelbige und weißliche Rinde / glatt und sauber.

Dieser Baum ist nach Plinii Bericht / wegen seines anmuthigen Schattens erst über das Jonische Meer in der Insul Diomedis, ferner in Sicilien und Italien überbracht worden. Anietzo findet man solchen durch gantz Teutschland / und in hiesigen Landen / auch in ziemlicher Menge in Wäldern und in Höltzern / welcher dahero ebener Gestalt ein wilder oder Wald-Baum zu nennen.

§. 12. Es wollen etliche die Ahorn in zwey Arten abtheilen / nehmlich die große und kleine; aber nachdem sie auf guten Boden stehen / wachsen sie auch wohl / und wird ein geringer Unterscheid darunter seyn; weswegen auch weil sie von ihrem eigenen Saamen wachsen / soll man bey Pflantzung derselben guten Grund erwehlen. Der Saame der kleinen Ahorn hat niedergebogene Flügel / jener aber der größern strecket selbige seitwerts.

In Teutschland findet man gar gute Arten hiervon und besser als in andern Ländern; wiewohl in Virginia ebenfalls wunderschöne Gattungen seyn sollen. Dieser Baum wächset auch gern an dem Wasser / wie Apulejus schreibet lib. 1. Metan. Haud ita longe radices platani lenis fluvius, in speciem placidae paludis, ibat ignavus, argento vel vitro aemulus in colorem.

Und gedencket Plinius einer Ahorn in Lyceo zu Athen, so neben der Wasserleitung her ihre Wurtzel auf drey und dreyßig Ellen lang getrieben / oder wie seine Worte lauten in dodrantes fere centum progressa esse fertur. Es ist auch selbige in den grösten und dickesten Wäldern unter den Tannen / Fichten / Buchen und andern Bäumen vermischt zu befinden und wenn sie dichte unter andern Bäumen stehen wirfft sie nicht viel Aeste aus / sondern wächset gerade in die Höhe / und erlanget einen schöne Schafft.

Wie nun die Natur diesen Baum an besagte Oerter anweißet / also hat der menschliche Fleiß ihm noch vielmehr eingeräumet / denn er nicht allein in Gärten / sondern auch in den Gängen / an den Häusern und auf den Gassen hin und wieder gepflantzet wird.

Ja man hat aus diesen Bäumen gantze Lust-Wäldlein erziehlet / wie Martialis lib. 3. Epigr. 16. eines solchen gedencket und erzehlet / daß er mit allerhand wilder Thiere Abbildung gezieret gewesen / unter welchen auch ein Bär sich befunden / in dessen Rachen / als ein Knabe die Hand gestecket / sey er von einer darinnen verborgen liegenden Otter gestochen worden / und also um das Leben kommen.

§. 13. Es wächset auch dieser Baum sehr hoch / daß von ihm Martialis schreibet:

ramis sidera celsa' petit.

hat sehr starcke Aeste / welche viel härter an Holtze als der Stamm selber seyn.

Nicht weniger ist er auch von einer wunderwürdigen / Dicke und Stärcke / wie denn Plinius von einer Ahorn gedencket lib. 2. c. 1. so inwendig hohl und 71. Schuhe weit gewesen / in welcher der Römische Bürgermeister Licinius Mutianus nebenst 18. Personen Tafel gehalten.

Es sind auch die Ahorn-Bäume mit sonderbahren Fleiß so zugerichtet worden / daß man / gleich wie von Linden gedacht / auf selbigen / wie auf einem Saal speißen können. Daraus denn leicht abzunehmen / daß dieser hohe und weit ausgebreitete Baum einen lieblichen und kühlen Schatten von sich gegeben / darunter man spazieren / auch ruhen und schlaffen können / wie hievon die schönen Verse aus den Griechischen Poëten lauten:

Heu male piscator vivit, cui cymbala tectum
Et labor in pelago est, & pisces praeda fugaces!
Me dulces, Platao sub opaca carpere somnos,
Atque audire juvat vicini murmura fontis:
Cui blando oblectat it repitu, neque terret agrestem.

D. i. O wie übel lebt doch ein Fischer / der sich auf der See muß herum placken und denen flüchtigen Fischen nachsetzen.

Aber ich befinde mich viel besser.

Ich kan unter einem schattigten Ahorn liegen und schlaffen, auch das angenehme Geräusche und Murmeln von den nah gelegenen Brunnen anhören.

§. 14. Um solchen Schattens willen hielten die Alten diesen Baum sehr werth / und wendeten viel darauf / also / daß die Weiber denen Männern vorgeworffen haben sollen / daß die Ausgaben wegen ihrer galanterien und Schmuck / so sie aufwendeten / mit jenen nicht zu vergleichen.

Ja es ist so weit kommen / daß sie diesen Baum mit Wein begoßen / wie Plinius L. cit. schreibet:

Tantum honoris Platanus meruit, ut infuso vino nutriretur, compertumque maxime prodesse radicibus, didicereque Arbores etiam potare vina.

Und bezeuget Macrobius, Saturn. I. 3. c. 15. daß Hortensius dergleichen bey seinen Ahornen zu thun pflegen.

Man hat auch um solches Schattens zu genießen den Eigenthums-Herrn einen gewissen Zinß zu erlegen / sich nicht geweigert / wie aus dem Plinio am angeführten Orte erscheinet.

Merckwürdig ist / was von dem mächtigen König in Persien Herodotus I. 7. und Aelianus var. histor. I. 2. c. 14. erzehlen / daß er bey einem Feld-Zuge / als er einen schönen Ahorn-Baum angetroffen / sich nicht allein über dessen herrlichen Gestalt sehr verwundert / sondern auch alsobald das gantze Lager rings herum aufschlagen lassen / und des Schattens unter solchen Baum einen gantzen Tag über genossen; und als er fortgerücket / zum Gedächtnüß der empfundenen Anmuthigkeit und Ergetzung / an dessen Zweige viel güldene Armgeschmeide / Halß-Bänder / Ketten und dergleichen Kleynoden / nebenst vielen Adelichen Kriegs-Zeichen anhängen lassen / auch zu deren und des Baums Verwahrung eine Wache dahin gestellet.

Käyser Caligula, hat ein dergleichen hohlen Baum gehabt / so er sein Vogel-Nest geheißen / weil er darinnen gespeißet / und sich / und die seinigen gleich denen Vogeln gefretzet.

§. 15. Es ist aber dieser Baum nicht allein des Schattens halben zu aestimiren / denn damit wäre er nur ein Bild / derer betrüglichen und vergänglichen Welt-Güter / dahin man ziehen kan / das Emblema Camerarii:

Umbra tantum.
Umbram non fructum platanus dat; sic quoque multis
Vana alios specie lucdere saepe placet.

Sondern er recommendiret sich auch mit seinen vortrefflichen Holtze.

Denn dieses giebt den allerschönsten Flaser / so schön in einander gekräuselt und gedoppelt damasceniret / daß es mit Verwunderung anzusehen / wie die Natur hiermit spielet / derhalben es auch von etlichen der Pfauschwantz genennet wird.

Und dieser Flaser findet sich nicht nur allein in Stamm hin und wieder / sondern er wirfft auch große Knoten wie Beulen an Stamm aus / welche solches Flaser-Holtz in sich führen / so vorjetzo / sonderlich aber vor Alters sehr hoch gehalten worden.

Wie denn die Gelehrten glauben / daß der schöne Tisch / welchen Cicero gehabt / und auf 10000. Sestertien geschätzet worden / von solchem Holtze gewesen.

Weil auch der Stamm sehr starck wird / und große Klötzer giebet / so werden schöne Bretter daraus geschnitten und zu allerhand Haußrath / vornehmlich aber zu Tischen und Mandeln gebrauchet / welche schön und weis sind / auch sich allezeit glatt und sauber halten / als wenn sie poliret wären. An das Wetter oder an die Lufft zu bauen dienet dieses Holtz gar nicht / denn es faulet gleich / hingegen wenn es in trocknen bleibet / so ists ein unveränderliches und sehr dauerhafftes hartes festes Holtz; die Holtz-Hauer halten es sehr hoch / weil es unter allen die besten / und glättesten Keile zum Holtz spälten giebet.

§. 16. Es hat auch dieser Baum ein schönes und nutzbares Laub zum Vieh füttern / und ist gut zur Düngung / oder vielmehr einzustreuen / weil es leicht faulet und fermentiret / daher man auch glaubet / daß Ungeziefer und Würmer leicht drinne wachsen / gleichwie das Holtz selber thut / wenn es in der Witterung stehet / oder dahin verbauet wird.

Man hat hiernechst in Erfahrung / daß die Ahorn noch ein besser und süsser Wasser zu allerhand Gebrauch gebe / als die Bircke.

Wie dieser Baum auch seinen Nutzen in der Medicin habe / kan man bey dem Ursino in Arboreto Biblico Sect. 2. c. 11. p. 184. und 187. nachsuchen.

§. 17. Sonsten ist er mit unter das schnellwachsende / auch unter das lebendige oder Schlag-Holtz zurechnen. Dann wenn der abgehauene Stamm nicht gar zu alt / schläget er aufn Stock wieder aus / verdemmet den Unterwachs auch nicht sehr / weil des Baums Wurtzel nicht weit ausläuffet.

Durch den Saamen und Ausläuffer lässet er sich leichtlich fortpflantzen / aber er leidet nicht gerne das Eisen / davon er leicht hohl wird / sonderlich wo ein Ast abgeschnitten / daß er hernach allgemach gar abgehet und abstirbet.

§. 18. Seine Blätter hangen an rothen Stiehlen / die Blüth ist grünlicht / und kömmt in Majo hervor / der Saame oder Beer aber / so in Sept. oder später / nach der Landes-Arth reiff werden / hangen zwey und zwey beysammen / haben auch 2. Flügel / so seitwerts abstehen; der Kern ist mit einer Haut umfangen / und fast so groß / als eine platte Wicke.

Wenn der Saame reiff / und fortfleuget / so geben sich die zwey Kerne / so sonsten beysammen gestanden / von einander / und behält jeder Kern seinen Flügel / welcher auf der Erden liegend / sich in die Höhe und oben begiebt / damit der Kern unten bleibe / und desto eher die Erde ergreiffen / und aufgehen kan.

Ob wohl die Ahorn sonsten an sich selbsten unfruchtbar / so ist sie doch allerhand Früchte / so in dieselbe gepfropffet werden / zu tragen fähig / wie aus dem Plinio, Porta und andern zuersehen / also / daß er Aepffel / Kirschen / und ander Obst treibet / wie mit mehrern obgedacht.

§. 19. Es ist auch dieser Baum sehr dauerhafft und kan zu einen sehr hohen Alter kommen.

Denn es schreibet Plinius lib. 16. c. 44. daß zu seiner Zeit eine Ahorn zu Delphis, und eine in Arcadia noch gestanden / welche Agamemnon mit eigenen Händen gepflantzet / und sind von Agamemnone bis auf Plinium verlauffen tausend zweyhundert und sechzig Jahr / das mögen wohl recht alte / Bäume heißen und billig genennet werden.

Ferner findet man in hiesigen Landen einen Baum Masserlen genannt / so der Ahorn gantz an Laub und an Saamen ähnlich / nur daß alles beydes etwas kleiner ist.

Das Holtz ist eben von dergleichen Art / feste und hart / aber der Stamm wächset nicht so hoch / sondern bleibet insgemein etwas höckericht / wimmricht / und krum / so wohl an Schafft als an Aesten.

Aus dem Holtz / kan alles Geräthe / als wie aus den Ahorn gemachet werden / ob gleich dasselbe etwas zärter ist / aber es tauret auch an Wetter nicht / sondern wird gleich morsch / brüchig / und faul.

§. 20. Die Bircke ist ein wohl bekannter Baum / der nicht allein in hiesigen sondern auch in kalten Nord-Ländern angetroffen wird / maßen in Ißland nichts als Bircken und Wacholdern wachsen sollen: denn sie kömmt auf allen Boden fort / er sey gut / mittelmäßig / böse / steinigt / leimicht / morastig / sandig / thonig / Wassergrellisch etc. Er wächset schnell / und so der Grund ein wenig gut / in dreyßig oder vierzig Jahren so starck daß er zu Clafftern geschlagen werden kan / und 3. bis 4. und mehr spaltig wird / wenn man ihn auch in solcher Zeit nicht abgeholtzet / wird er endlich nach 30. 40. bis 50. Jahren wandelbar und bricht gar um.

§. 21. Die Bircke giebt nicht allein Ober- sondern auch gut Unter-Holtz / weil die Sommer-Sproßen weder von Vieh (außer von Ziegen) noch von Wildpret / wegen ihrer Bitterkeit abgebissen werden / und also das beste Aufkommens haben / ja jemehr sie abgetrieben werden / jemehr schlagen sie wieder aus / und vermehren sich; es wäre denn daß der Baum zu alt und hernach abgehauen wird / so schläget er nicht wieder aus / weder an Stock noch an der Wurtzel.

§. 22. Wenn die Bircke noch jung / so ist die Rinde röthlich / wenn sie aber alt wird / ist sie weis.

Das Laub / wenn es zu mahl noch jung / giebt einen angenehmen Geruch von sich / deswegen die Bircken nicht nur in Häusern / sondern auch in Kirchen aufgestecket werden / die Feste damit zu zieren.

Was dieser Baum für Nutzen giebt bey der Kinder-Zucht / ist nicht unbekannt / und kan keine Schule oder Hauß / wo auf gute Zucht der Jugend gehalten wird / ohne dessen Holtz seyn / zum wenigsten giebt es daselbst eine Scheu und Schein.

So dienet es auch sehr wohl zu Kehr-Besen / die Zimmer in den Häusern rein zu halten / ohne welche[WS 98] man viele Verdrießligkeit haben würde.

§. 23. Gleichwie auch vor dessen die Schalen von den Linden zum schreiben gebraucht worden / also hat die Bircke mit ihren Rinden hierzu ebenfalls dienen müssen / wie denn HIERON. Beck gedencket / daß man vor alters / ehe das Papier erfunden worden / diesen Baum deswegen in sehr hohen Werth und Ehren gehalten / weil man seine weisse und harte Rinde, zur Schrifft brauchen / solche als einen Brieff versiegeln und an andere Ort schicken können / gestalt er denn selbst zu Chur in Schweitzer-Land der gleichen Schrifft gesehen / da etliche Verse oder Poëtische Gedichte auf solche Rinde verzeichnet gewesen.

Man hält dafür / daß zweyerley Bircken seyn / nehmlich die rothe und weiße / die rothe hat auch röthlich Holtz / und kleine Blätter / hingegen die weiße / grösser Laub / wächset schnell / das Laub ist fett / und hat einen guten Geruch / davon die besten Mäyen gehauen werden / aber das Vieh / insonderheit Schaff-Vieh und Ziegen verbeisset / und beschädiget diese eher / als die rothe.

Die Letztere hänget auch ihre Aeste niederwärts und zottlicht / bevorab die alten / die weiße aber stehet aufgerichter.

Wie die Lieff-Ländischen Bauren sich der Bircken gebrauchen bezeugen die bekandten Reimen:

Ich bin ein Lieff-Ländischer Baur
Mein Leben wird mir saur /
Ich steig auf den Bircken-Baum /
Davon hau ich mir Sattel und Zaum etc.

Es dienet dieses Holtz auch denen Drechßlern sehr wohl zu allerley Geräthe / ingleichen zu Spähnen / damit zu leuchten / denn es sich wohl schleisset, daß auch Körbe / und anders dergleichen / gar füglich daraus gemachet werden mögen. Es schickt sich auch die Bircke vielerhand Sachen an Zäumen / Schlegstangen und dergleichen abzubinden / eben so gut als die Weiden / weil es sehr zehe.

Hiernechst giebt sie ein sehr gut Feuer-Holtz / so wohl zu Scheiten zu schlagen / als zu Reißig / und weil es hart / so hitzet es auch gut und besser als das weiche Holtz von Fichten / Tannen oder Kieffern; es giebt auch eine gute Kohle / so lange Feuer hält / und dampffet nicht sehr / derhalben sie bequem ist / zu schmeltzen. In Franckreich soll man aus den Bircken-Rinden ein Pech sieden / auch Fackeln daraus machen die so gut brennen sollen / als wenn sie mit Pech überzogen wären.

Hingegen ist dieses Holtz nicht gut zu Mältzen / weil der Rauch widrig / aber das Erlene dienet besser hierzu / dauret auch nicht an dem Wetter / sondern wird anbrüchig und morsch; wenn es aber stets in trocknen bleibet / ist es beständig.

Die schöne weiße birckene Rinde / welche die andere Rinde umgiebet / in Wein geleget / machet Eßig; den Safft in Käse gethan verhütet die Maden.

§. 24. Wie das Bircken-Wasser ausgezapffet wird / ist bekandt.

Es wird nehmlich ein Loch mit einem Böhrer unten in Stamm gebohret / und ein Feder-Kiehl oder dergleichen darein gestecket / daraus denn hernach der Safft laufft.

Das Loch soll gegen die Sonne oder Süden / und nicht gegen Norden gemachet werden.

Hierbey ist sich zuverwundern / daß so viel Wasser aus einer Bircke in etlichen Wochen lauffen kan / ja so schwer / als der Schafft von diesen Baum selber seyn mag; doch wenn zu viel abgelassen wird / ist es selbigem schädlich / und hinderlich an Wachsthum / sonderlich wenn das Loch mit einem Pflock zugestopfft wird / sondern der Safft so lang er kan heraus läuffet.

Dieses Bircken-Wasser soll einen vortrefflichen Meth geben, und die Tartern solches sehr trincken / auch glauben / daß er ein gut praeservativ vor allerley Kranckheit sey.

§. 25. Was den Saamen dieses Baums betrifft / so wird selbiger zum theil um S. Johannis, theils um Bartholomaei, theils auch um Michaelis reiff / darnach nehmlich die jährliche Witterung ist. Auch wird er an einem Orte eher zeitig / als am andern / sonderlich wo der Situs des Baums warm und an der vollen Sonnen gelegen. Bißweilen geschicht es wohl / daß er an Gipffeln und der Sommer-Seite eher reiffet / als an der Nord- oder Winter-Seite / da denn in Obacht zu haben daß man nicht reiffen und unreiffen zugleich abnehme / und der letztere zum Säen untüchtig sey / jedoch ist auch dieses wahr / daß wenn die Knöspgen samt dem Reißlein und Aestlein zugleich abgenommen / und aufgehangen werden / so reiffet der Saamen desto mehr / und ziehet die Krafft hierzu aus denen Reißern / welches auch bey andern Baum-Saamen zu beobachten.

Wenn nun die Knöspgen beginnen schwartz-braun und gelblicht zu werden / oder sich aufthun wollen / soll man sie mit den Reißern und zwar nicht mit den großen / sondern nur mit denen kleinen abbrechen / selbige auf einen Boden oder Cammer / da die Lufft hin gehet / bringen / und einen Tag oder etzliche liegen lassen; wenn die Reiser welck werden / alsdenn mag man die Knöpfgen abbrechen / solche in ein Gefäß thun / oder sonst aufschütten; Man kan auch die Reißer wenn die Knöpfflein noch dran und so treuge sind / daß sie sich zerreiben lassen / auf eine Scheun-Tenne legen / und den Saamen mit Flegeln ausdreschen / und also verwahren / desgleichen pflegen etliche dieselben an Stecken und Bäume zu hangen / daß sie sich selber säen / und den Saamen hin und wieder fallen lassen. Etzliche Hauß-Wirthe brauchen folgenden Hand-Griff, daß wenn sie zweiffeln ob der Saame durch und durch völlig reiff sey / so hauen sie die grossen Aeste ab / woran die Knöpfflein hangen / stecken solche / wo der Ast am stärcksten ist / in die Erde / so ziehet sich der Safft und Nahrung / so wohl aus dieser / als aus dem Ast / und verursachet mehr Zeitigung des Saamens.

Das sicherste aber ist / die völlige Reiffung auf dem Baum zuerwarten.

§. 26. Es ist aber gedachter Saame an sich selbst gar klein / und stecket in seinen Behältnüßen in Fächern.

Wenn nun diese nach einen warmen Regen und darauf folgenden Sonnenschein sich aufthun / und solcher Saamen heraus fleuget / sprossen die jungen Bircken in großer Menge aus / können also von Saamen gesäet / aber nicht wohl mit dem Stamm fortgepflantzet werden. Zum Bircken säen wird zwar geackert / aber der Saamen nicht eingeegt / weil sonsten allzu viel Erde drauf kommt / daß er nicht aufgehen kan.

Im übrigen darff dieses und ander wild Holtz insgemein nicht groß seyn / wenn es versetzet wird / denn es kan bey Bewegung der Winde nicht einwurtzeln / sondern verdirbet / daher nur kleine Stämmlein verpflantzet werden.

Und dieses mag gar wohl zu einer allgemeinen Regul dienen / weil man das wilde Holtz wegen der vielen Unkosten nicht wohl anpfählen kan / daß es jung versetzet werde / und weil es noch klein / so kan es Wind / Regen und Schnee nicht so leicht beschädigen / als die größern Stämmlein.

Die Holtz-Erde / so in alten Bircken gefunden wird / soll sehr gut zu Schirben-Erde seyn und dienen.

§. 27. Die Asche / Esche oder Eschen-Baum / lateinisch Fraxinus, so von Homero sehr gerühmet wird / auch wegen des Achillis Spieß bekant / ist ein ansehnlicher schöner Baum. Das Holtz ist leicht / zehe / und zu vielem Geräthe zu verarbeiten bequem / wegen des vielen Safftes / so er bey sich hat / ist auch sonsten sehr dauerhafftig.

Die Esche will ein gut Land haben / jedoch liebet sie fast allen Boden / außer den gar nassen / oder morastigen / sonderlich aber stehet sie an Ufern der Bäche und klaren Wasser gerne nach Reim:

Der Eschen-Baum
Liebt feuchten Raum

Ob diese Meynung aber nicht vielmehr von der Aspe zu verstehen / stellet man dahin / denn in hiesigen Landen / die Asche meist an trucknen Orten gefunden wird.

§. 28. Es ist aber dieser Baum ein recht nutzbar Holtz / so schnell wächset / und leichtlich aufzubringen ist / und wer die Mühe nehmen will / solches zu pflantzen / wird gewiß sonderlichen Nutzen daraus schöpffen / denn es ein Mann erleben kan / daß so viel Stämme er pflantzet / er auch vor seinen Absterben / solche als ausgewachsen noch verkauffen / und also / wenn viel Stämme sind / einen großen Nutzen davon ziehen und für gehabte Mühe reichlich geniessen kan / geschweige den profit, so es abwirfft / wenn mans zum Schlag- oder lebendigen Holtz ziehet / und nachdem es gesäet oder gepflantzet / in 8. oder 10. Jahren zu Stangen oder zu Feuer-Holtz abhauen mag / wie dann gewiß ist / daß die Esche / wann sie durch guten Saamen erzeuget und 10. Jahr gewachsen / sie gar wohl zu Hopf-Stangen und andern Gebrauch abgeschlagen / und ein Acker auf ein ziemliches / weil er viel träget / genutzet werden mag und können auch dabey so viel Vorständer bleiben als zum Ober-Holtze nöthig.

Nach 9. Jahren taugt solches Gehau schon wieder zum abholtzen / und weil ein Stock 3. 4. 5. oder 6. und mehr Sommer-Latten getrieben / indem der Safft stärcker darinnen ist als zuvor / so ist hernach das Holtz von einem Acker auch desto mehr zu nutzen als sonsten.

§. 29. Gleichwie man vor alters allerhand Holtz zu tafeln gespalten oder geschnitten / und darauf geschrieben / oder Schrifften darein gegraben; also ist auch fürnehmlich das Eschen- und Buchs-Baum-Holtz zur Schrifft angewendet worden.

Wie denn der Mord-Brieff / welchen Tengo an den König in Britannien geschickt / und darinnen begehret / den mit ziehenden Jüngling umzubringen / auf dergleichen geschrieben war.

Es mag dieses Holtz zum Bauen / auch zu allerhand Haußrath / was man fast erdencken kan / gebrauchet werden / und verarbeiten es die Wagner sehr gern; denn es ist mit ihme fast kein ander Holtz wegen seiner Festigkeit und Zachheit zuvergleichen.

Denn es ist zach wie Leder / und soll ein Seculum ausdauern / ob es gleich sehr gebrauchet / aber nur trucken gehalten wird.

Es ist hiernechst flaßricht und lässet sich wohl arbeiten / auch wohl fürnissen. Zum Bauen muß es in Novembr. und Decembr. gefället werden / wenn der Safft ruhet / und nicht würcket / sonsten wird es leicht wurmstichigt. Das Täfelwerck hievon wird hoch gehalten / wegen der schönen wässerichten Adern oder Jahrwachses / auch weil der Wurm ihn in trucknen nicht schadet / soll auch so gar keine Wanzen leiden / und sonsten wider Gifft seyn / so Teller / Becher und dergleichen draus gemacht werden.

Daß es zum Wund-Holtze gebrauchet und um S. Johannis Tag darzu abgeschnitten werde / ist bekannt / nehmlich wenn eine Wunde damit getrucket wird, indem sie noch bluthet, soll das Schweren und Eyter-setzen dadurch verhindert werden / gestalt es denn auch eine sonderbahre Krafft hat / das Blut zu stillen / daher es auch den Nahmen Wund-Holtz bekommen.

§. 30. Es findet sich auch eine sonderbahre innerliche Krafft und Wiederwärtigkeit an denselben wieder die Schlangen / wie Plinius meldet / als welcher Baum ihnen so zu wieder / daß wenn sie mit Eschen-Laub umleget sind / sie eher durchs Feuer / als durch das Laub und Schatten der Eschen springen werden; so ists auch ein Wunder der Natur / daß er nicht eher blühet / als bis die Schlangen zur Frühlings-Zeit aus ihren Löchern herfür kommen / und nicht eher das Laub abwirfft / als bis dies Ungeziefer im Herbste sich wieder verborgen.

Eine gewisse Probe solcher Antipathie zwischen der Eschen und der Schlangen / hat uns unlängst eine Zeitung aus Pommern gegeben / da in der Gegend Stargard eine Schlange einer in Wald liegenden Schneiders-Frauen Barbara Stollin genannt / als sie geschlaffen, in den Halß gekrochen / und in dem Leibe ihr Quartier genommen auch dieser elenden Person wie wohl zu erachten / etliche Jahr Angst und Schmertzen / gnug verursachet / bis sie endlich durch Göttl. Gnade / auch klugen und getreuen Rath Herr D. Dan. Crugers, Churfürstlicher Brandenburgischen wohlbestalten Medici und Physici zu Stargard davon befreyet worden / welcher ihr unterschiedene Artzeneyen appliciret / worunter die von Eschen-Baum das vornehmste gewesen / davon nicht allein die in Leib eingeschlossene / und so lange Zeit da hausirende Schlange / sondern auch viel kleinere / Köpfe / Gräten und Stücke von verweseten Schlangen ausgetrieben worden / wie solches weitläufftiger zu lesen / in den Hamburgischen Remarquen von An. 1700. auch in einer sonderlichen Beschreibung hiervon sammt einen Kupfer / so zu Nürnberg in gedachtem Jahre gedruckt worden / in welchen folgende Worte mit enthalten:

Dabey Herr D. Crügers Schluß bey dieser Cur beyzufügen / daß es nicht müglich sey / Schlangen abzutreiben / sie seyn denn vorher erst ertödet / und daß in dem verordneten Decocto die Eschen-Wurtzel das rechte specificum sey / welches die Schlangen fliehen / und eher in ein Feuer springen / als auf gedachtes Laub: teste Paracelso.

Et paulo post: Man hat fast 3. Jahr mit den Waffen der Artzeneyen (sind Worte ob wohlged. Herr Doctoris) wieder diesen Troupp Schlangen gestritten / und ist endlich durch GOttes Gnade und Hülffe der Sieg davon getragen worden.

Dahero wir uns nicht minder erfreuen / als vor Zeiten der Römische Burger-Meister Attilius Regulus, der zur Zeit des ersten Punischen oder Carthaginensischen Krieges in Africa an den Fluß Bagrad wieder eine Schlange zu Felde gelegen / und eine grosse und scharffe Schlacht mit der gantzen Armee grossen Bemühung wieder sie gehalten / sie mit Steinwerffen / Geschoß und andern Rüstungen bestritten / und endlich umgebracht / deren Haut / so 120. Fuß lang / er darauf nach Rom geschicket. Gellius N. A. l. 6. c. 3. und Valerius Max. lib. 1. c. 8. &c.

§. 31. Das Laub ist sonderlich auch sehr gut zur Fütterung für Rind- und Schaaf-Vieh / und das Holtz giebt in Brennen / einen guten Geruch / brennet sittsam und dampffet nicht sehr / daher es in großer Herren Caminen gebrauchet wird.

So giebt es auch gute Kohlen / darinnen sie fast kein Holtz übertrifft.

Die Blüthe ist weis als härig.

Der Saame steckt in kleinen länglichten zugespitzten Hülsen / darinnen ein kleiner Kern / fast wie ein Haber-Körnlein gestalt / ist sonsten roth / hart / herbe und bitter / in Apothecken lingua Avis genannt / weil es fast so geformet ist.

Wenn der Saame beginnet abzufallen / muß man solchen samlen / und für Winters annoch säen / aber nicht tief unterbringen.

Er lieget fast ein gantz Jahr ehe er aufgehet / bevorab wenn die Witterung nicht sonderlich zwischen Wärme und Feüchte selbiges Jahr temperiret ist / derhalben muß er wohl in acht genommen werden / daß der Ort / wo es hingesäet / nicht mit Unkraut verwachse / und sonsten kein Schade dazu geschehe.

Kan man ein Stück Feld zurichten / und neben diesen Eschen-Saamen zu gleich Korn oder ander Getreyde mit drein säen / so ist es gar gut / denn nachdem das Getreyde abgeschnitten / werden sich nach und nach die jungen Eschen angeben / und hernach kan man von Jahr zu Jahr dieselben ausheben und fortsetzen / oder stehen lassen.

In Niederland werden die Eicheln auf gleiche Art gesäet / das Getreyde hernach hoch abgeschnitten / daß den jungen Eichlingen kein Schade geschehe.

Man soll solche so bald müglich / verpflantzen / sonsten wurtzeln sie allzu tief ein / und können ohne Schaden nicht ausgehoben werden / derhalben ist es auch fast besser wenn sie am ersten Ort stehen bleiben können Den Wipfel soll man nicht verstümlen / die Wurtzel auch nicht / außer die Hertz-Wurtzel / so gerade nieder gehet / dem gemeinen Wahn nach / abgeschneiden.

Das Versetzen aber muß in Herbst geschehen / bey zunehmenden Monden und nicht in Frühling. Dieser Baum nimmt nicht viel Raum ein / und können die Stämme gar nahe / etwa 5. Ellen von einander stehen.

Ubrigens dienet die Esche im Felde und in Wiesen nicht viel / und ist ihr Schatten und das Tröpflen, wie zwar fast alle Bäume thun schädlich.

Das Wildpret schelet sie gerne / aber sie bekommen leichtlich wieder eine Rinde.

Man hält auch dafür / daß zweyerley Geschlecht das Männlein und Weiblein sey.

An dem Orte / wo sie einmahl gepflantzet ist / vermehret sie sich gar leichtlich / dann auch die frischen Aestlein / so abfallen sich zum öfftern einwurtzeln.

§. 32. In andern Ländern auch in Moscau / sollen gantze Wälder voll Aschen / und deren Nutzen fast unendlich seyn / dann sie nicht allein großen profit an Holtze geben / sondern sowohl zum Sommer- als Winter-Futter für das Vieh gebrauchet werden / und ist der Vortheil / so es reichlich bringet / leicht daraus zu schliessen / wenn man einem Wald über seinen ordinairen Nutzen an Holtz / annoch an statt einer fruchtbaren Wiesen und Feldes / zur Fütterung so viel Rind- und Schaaf-Viehes / sonderlich wenn der Stiehl und das Laub zu Heckerling geschnitten wird genießen kan / welches verständige Hauß-Wirthe ohne Zweiffel nicht gnugsam beloben / und den Anbau solcher Höltzer / und Bäume sattsam recommendiren mögen.

§. 33. Die Erle oder Erlen-Baum / wird lateinisch Alnus genennet / nach Isidori Meynung daher / quod amne alatur wird von etlichen unterschieden in die schwartze und weiße / aber es scheinet wohl einerley zu seyn / und daß der Boden / worauf sie stehen / den Unterscheid verursache.

Denn befindet sie sich auf einem trucknen Lande / so träget sie etwas weißliches Laub / stehet sie aber auf einem feuchten / so hat sie dunckelgrünes / fettes / kleberichtes Laub / und ein rothes Holtz / daher diese die schwartze / jene aber die weise Erle genennet wird.

Sie wächset gerne an sumpfigten und morastigen Orten / und kan man theils Gegenden nicht dahin oder nahe dabey kommen / als zu sehr dürren / und frostigen Zeiten; Am allerliebsten aber wächset sie an Flüßen / Bächen / Teichen und Seen / allwo sie die Wurtzel ins Wasser wirfft / und am Stamm hoch / ja am stärckesten wächset; hingegen aber an trucknen Orten kömmt sie wohl auch fort / aber sie treibet keinen sonderlichen Stamm.

§. 34. Sonst giebt sie ein sonderbar gut Schlag-Holtz / so man fast in 4. 5. bis sechs Jahren abholtzen kan / nachdem der Boden gut und feucht ist / und wenn sie abgetrieben / so in zunehmenden Monden zu rechter Jahres-Zeit / entweder in Herbst / wenn das Laub gefallen / oder in Früh-Jahr / da die Knospen wollen anfangen sich zu vergrößern / geschehen soll / so wächset und schläget sie am Stamm in viel Sommerlatten aus / und vermehret sich bey allen Hauungen.

Es wächset auch gute Weide und Graß bey ihr / denn die Wurtzel hebet den morastigen Boden in die Höhe / und machet ihn etwas trucken und tragbar.

In den Niederlanden wird sehr nach ihrer Fortpflantzung getrachtet / weil sie leichtlich aufzubringen / und hernach großen Nutzen schaffet / wie aus nechst folgenden zuersehen.

Denn wenn die Erlen an den Gestaden / Ufern und Rändern der Flüße / Teiche und Seen gepflantzet werden / oder von selbst von ihren dahin angespülten Saamen wachsen / so verwehren sie denen großen Wassern / daß sie nicht so leicht in die Ufer reissen können / und helffen also viel wieder den Schwall der Wellen / und strenglauffenden Ströhme / welche an den Dämmen und Gestaden waschen und die Ufer wegspülen.

Unter denen Wurtzeln halten sich auch die Fische und Krebße gerne auf; Man muß aber solche Erlen bald zu Schlag-Holtz machen / denn wenn man die Stämme allzu groß und starck wachsen lässet / so kan der Wind solche wohl fassen / und weil der Rand an Wasser meist hohl / so sencket / beuget / oder neiget sich der Stamm / gegen das Wasser / bekommt also das Ubergewicht / und bricht mit der Wurtzel und Ufer zugleich um / nimmt viel Erdreich mit sich / und geschicht also zum öfftern großer Schaden an Dämmen und Ufern / denn das Wasser bekommt hinter denen ausgerissenen Wurtzeln lockere Erde / und reisset je mehr und mehr von Ufer weg / welches denn zu repariren manchmahl große Unkosten erfordert.

Wenn aber der Stamm / ehe er so starck und das Ubergewichte hat abgehauen wird so hat man dergleichen nicht zubesorgen / sondern die Wurtzel erstärcket sich / und wiederstehet desto mehr denen Wassern und Fluthen.

§. 35. Das Erlen-Holtz ist vortrefflich gut in Wasser zubauen / nehmlich wo es stets darinnen ist / denn es ist immerwährend / ja wird endlich wie ein Stein oder Kiesel so hart / jedoch sind etliche mineralische Wasser / so daran fressen / es faulet aber nicht; Hingegen wenn es bald naß / bald trucken stehet / so faulet es leichter / als ein ander Holtz / so es aber lange Zeit in Wasser gelegen / wird es schwartz / und lässet sich gleich / wie oben von Eichen-Holtz gedacht wie ein Eben-Holtz arbeiten und zurichten. Die Venetianer sollen aus angeführten Ursachen den Grund-Bau / so sie im Meer daselbst theils Orten haben / von diesem Holtz führen / daher sagt Palladius: Materia fabricae inutilis, sed necessaria, si humidus locus ad accipienda fundamenta palandus est: Nam ut Vitruvius ait: quae non potest extra terram paululum durare tempus, ea in humore obruta permanet ad diuturnitatem, & sustinet immania pondera structurae, ubi omnia opera, & publica & privata sub fundamentis ejus generis palos habent.

D. i. Dieß Holtz taugt gar nicht zu einem Bau es wäre denn daß man in einen morastigen Ort zum Grunde Pfäle einschlagen müste / allwo dergleichen nöthig ist.

Denn wie Vitruvius sagt / so dauert es über der Erden gar nicht / aber wo es im Wasser stehet da trägt es eine sehr große Last / wie denn alle Stadt und privat-Gebäude zu ihrem Grunde solche Pfähle haben. Also kan es wohl zum Grund gebrauchet werden an Brücken / Wehren und Rechen. Es kan auch dienen zu Wasser-Röhren / und ausgehauen werden zu kleinen Kähnen etc. Wenn man durch Anzuchten und Gräben in Wiesen und Feldern die Wasser-Quellen abführen will / so soll man Bunde von Erlen-Holtz eines nach den andern darein werffen / und oben wieder zufüllen / so fället das Wasser durch das Bund hin und weg / weil es das Erdreich immer offen und lucker erhält / auch in Wasser nicht faulet / desgleichen wo nasse und viele Hutweyden und Trifften sind / soll man bitter Holtz / als Erlen und Bircken / aufzubringen trachten.

Bey allen aber was wegen Beständigkeit der Erle in Wasser gemeldet worden / ist zu beobachten / daß sie gleich wie die Eiche unter der Rinde theils ein weises Holtz / oder so genannten Splint hat / so nicht beständig und dauerhafftig ist / sondern bald faulet / oder von Wasser gefressen wird / derohalben muß man solchen weg hauen / oder weg arbeiten / ehe das Holtz verbauet wird.

§. 36. Sonsten ist dieser Baum auch unter das gute Feuer-Holtz zuzehlen / und wärmet weil es hart / bey nahe so gut als Eichen und Buchen, die Kohle ist gleichfalls zu allen gut / bevorab zu Schieß-Pulver. Erlene Rinde nebst alten Eisen in Wasser gelegt, giebt nach 9. Tagen eine schwartze Farbe / ingleichen werden die Knospen an statt der Galläpffel zur Dinte gebraucht.

Denen Schwartz-Färbern dienet die Rinde sehr wohl / und wissen sie in Färben sich derer nützlich zubedienen.

Das Laub ist fett / und soll in Düngung gut seyn; Es wird auch denen Schaafen gegeben / und weil es bitter / so hält man dafür / welches Schaaf es frisset / sey nicht anbrüchig / sondern gesund im Leibe.

Es muß aber ihnen flugs anfänglich vorgelegt werden ehe man das andere Holtz-Laub füttert.

Hingegen hält man dafür / daß / weil es bitter / denen Teichen und Bächen / oder vielmehr denen Fischen / wenn es hinein fället / ingleichen der Saat schade; alleine man hat doch nie erfahren / daß die Fische davon gestorben.

§. 37. Die Vermehrung dieses Holtzes geschiehet von sich selber wenn nehmlich der Saame oder die kleinen Aestlein in die fliessende Wasser oder in die Teiche fallen / so schwimmen sie mit fort / legen sich an die Ufer und an die Dämme / und schlagen hernach aus. Es kan auch der Saame gleich dem andern ausgestreuet werden wie in Niederland mit guten Success geschiehet.

Es wächset aber solcher an langen Stiehlen / daran Zäpflein Traubeln-weise hangen. Wenn nun an selbigen Zäpflein die Schuppen sich aufthun / fleucht ein gelblichter Saamen heraus / welchen die Zeißgen gerne fressen / und deswegen fast den gantzen Winter über hier zu Lande bleiben / auch wo dergleichen große Saam tragende Erlen stehen / sich gerne Haufen weise aufhalten.

Wenn der Saame nur die Erde ergriffen und nicht im Laub / Graß oder Moos ersticken muß / kömmt er gar leicht fort und kan er entweder bloß / oder mit denen Zäpflein gesäet werden / gehet aber auf den letzten Fall schwehr und kaum in einem Jahr auf.

Will man ihn aber von denen Zäpflein sondern / so steckt man dieselbigen im einen Sack / lässet sie an der Sonnen warm werden schüttelt den Sack fleißig / so findet man die Saamen-Körner unten / und kan man die Zäpfflein also darvon thun.

Beym Aussäen ist noch zumercken / daß dieser Saame zuvor eingeweichet werde / ehe man ihn säet.

Hierzu giebt uns Anleitung / daß wenn selbiger an Bächen oder stehenden Wasser ausfället und darinnen fortschwimmet / er immittelst sich selbst erweichet / und Wasser an sich ziehet / auch also wenn er nur Erde ergreiffet / desto eher aufgehet wie man an den Ufern siehet.

Es wird aber sothaner Saame um Martini, zuvor oder hernach reif.

Wenn die Knospen beginnen schwärtzlicht oder gelblicht zu werden / soll man sie abbrechen / auf dichte Böden / oder in warmen Stuben unter die Bäncke schütten / und sonderlich an die Sonne legen.

Wenn sie nun anfangen aufzuborsten nimmt man sie vor, schüttelt den Saamen sachte heraus / und da er zum erstenmahl nicht gar fället / kan man sie wieder weg legen / bis sie denselben gäntzlich fallen lassen / man mag auch in den Flüssen / so durch die Erlen-Höltzer gehen / achtung geben / woselbst der Saame gar röthlicht wie Senf-Körner auf den Wasser fleust / da soll man Stangen quer über den Fluß legen / daß sie halb aussen und halb in Wasser sind / so wird sich solcher Saame gar roth daran legen / und also etwas zusamlen seyn. Es werden hiernechst die Erlen durch Satz-Erlen fortgepflantzet / die man in die morastigen Oerter / und Wasser-Quellen stecket.

Desgleichen so nimmt man die Wurtzeln einer Ellen lang / und als eine Hopf-Stange dick / stecket sie bey rechter Zeit zur Helffte in einen Morast oder nassen Ort / so schläget und wächset sie ebenfalls aus. Es sollen aber die Satz-Erlen zuvor eine zeitlang / auch wohl den Winter über in ein Wasser / so tief / als man sie in die Erde sonst pfleget zu stecken / geleget werden / so setzen sich Knoten daran / welche hernach in Wurtzeln treiben / jedoch müssen diese Setzlinge in Bunde gebunden kurtz auch wohl nur zwey Ellen lang seyn / welche also eher bekommen / als die längern / es kan ihnen auch der Wind nichts thun / weil sie fest in Moder oder Erde stecken / und also nicht nöthig ist / sie anzupfählen und dieses wär also von Vermehr- und Fortpflantzung dieses Holtzes.

§. 38. Wenn aber das Holtz / so wieder heraus gewachsen / zurücke bleiben und vergehen soll / wird solches nicht abgehauen / sonsten schlägt es wieder aufs neue aus; sondern die jungen Sprossen oder Sommer-Latten müssen 1. 2. biß 4. Jahr nacheinander abgeklopffet werden / so sprossen sie alsdenn nicht wieder hervor / und die gantzen Stöcke verderben / wie solches sonderlich in der Marck / wo die Moräste von Holtz geräumet und zu guten Bau-Land gemachet werden / täglich practiciret wird.

An Orten wo es etwan naß / und man die Höltzer oder Gehaue vor das Vieh verwahren will / ist eine Hecke von Erlen das Beste und Sicherste / denn sie wachsen schnelle auf / und sind bitter / daß sie das Vieh nicht so leicht abfrißt / aber sie müssen enge und doppelt hintereinander gesetzet / auch oben her beschnitten werden / so wachsen sie dichte in einander.

Wo es an den Erlen-Bäumen grosse ausgewachsene Klumpen oder Knoten hat / werden aus solchen Pulver-Flaschen gedrehet / welche schön gefladert oder gesprenckelt / auch schön zu poliren seyn.

§. 39. Zum Laub-Holtz so keine Früchte träget / gehöret auch der Ilmen- oder Fliegen-Baum.

Nach etlicher Meynung sollen dessen viererley Arten und noch mehr seyn. Andere aber theilen ihn ab in das Männlein und Weiblein.

Allein gleichwie die unterschiedene Art des guten und geringen Bodens verursachet / daß das Laub sich verändert theils schmäler / theils dünner / theils fetter und dicker wird / auch der Baum selbst an einem Ort behender denn am andern wächset / also scheinet dergleichen Eintheilung ohne gnugsames fundament zu seyn.

Die rechte gute Art hiervon wächset nicht allein sehr schnell / sondern auch glatt / schön und an die achzig bis hundert Schuh hoch / leidet auch das Unter-Holtz von seinem eigenen und andern Geschlechte um und neben sich.

Es liebet aber dieser Baum guten Boden / nicht zu trucken nicht zu naß / sondern mittelmäßig / nicht zu kalt / nicht zu warm; und hat an aufgeworffenen Gräben und Dämmen sehr gutes Fortkommen.

§. 40. So viel die Nutzung desselben betrifft / so dienet es sonderlich zu Schlag-Holtz / und ist unter den so genannten lebendigen Holtze eines von der besten Art / denn so bald es abgeholtzet / so schläget es an Stock und an der Wurtzel hin und wieder aus / welche Sprößlinge denn zur Frühlings-Zeit abgenommen / und versetzet werden.

Hiernechst demmet er auch nicht sehr in Korn / Getreyde / Wiesen und Weiden / gleich andern Bäumen / deren Schatten und Tröpflung großen Schaden thut.

Uberdieß giebt er auch sonderlich ein gut Bau-Holtz / wenn er entweder stets in nassen oder in trucknen lieget / dahero ist er auch zum Schiffen sehr gut / nehmlich unten / so weit dieselben in Wasser gehen / wie denn dieses Holtz / so lange in Wasser und Morast lieget / hart wird wie ein Eben Holtz / und wäre vielleicht an nichts zuerkennen / als an der Gare oder Wuchs / zumahl wenn es in November und December gefället wird / wenn es der Frost zuvor wohl getroffen / und der wenigste Safft darinnen ist alsdenn ist es sehr gut und dauerhafft.

Es dienet auch sonsten neben den Bau-Nutzen zu allerhand Geräthe und Handwergs-Zeug / denn es verwirfft sich nicht leichtlich.

Uberdieß alles ist es auch zur Lust bequem / denn in Spanien sind die schönsten Alleen auf Meilweges lang in zwey Reihen / damit besetzet / und soll solche König Philippus II. aus Engelland haben bringen lassen. Die kleine Art lässet sich auch zu figuren ziehen / dergleichen in Franckreich zu sehen ist.

Die Kohlen von Ilmen-Holtz sind auch sonderlich gut / und nicht zu hart / noch zu weich.

Das Laub / wenn es in Augusto in abnehmenden Monden abgestreiffet / oder die Aeste mit dem Laube abgehauen worden / ist ein sonderlich gut Futter für Rind- und Schaf-Vieh / und wird an theils Orten / besser als Heu oder gar Haber geachtet / ist gekerbt wie das Weiß-Buchen Laub / aber etwas größer.

§. 41. Sonsten wächset dieser Baum sowohl wild / als auch wenn er gepflantzet wird / und werden in Wäldern annoch viel grose Stämme aber gar wenig junge Pflantzen gefunden / weil es alles / wie öffters gedacht / abgefretzet wird.

Hingegen siehet man auf Böhmischer Gräntze dergleichen junge Stämmlein / nachdem die Wild-Bahne in dasiger Gegend nicht so starck / derowegen wäre wohl der Mühe werth / diesen herrlichen Baum / der so schnell wächset / gut Bau- und Brenn-Holtz giebet / für allen andern aufzubringen / sonderlich da sich fast unter allen Holtz keines so sicher als dieses verpflantzen lässet / ob gleich die Stämme ziemlich alt / welches ein herrlicher Vortheil / wo man in Alleen großer Stämme benöthigt ist.

Man muß aber solche mit so viel Erden / als nur daran bleiben will / ausheben und wieder versetzen / und dabey allezeit feucht halten.

Es kan auch solcher Baum von den jungen Sprossen fortgebracht werden / aber am besten durch den Saamen / welcher in der Baum-Schule gesäet / und hernach etwas Erde darauf geschüttet / oder gesiebet wird / und wenn trucken Wetter einfället / müssen solche Bethe gleich andern Garten-Gewächsen wohl begossen werden.

Wenn der Saame aufgegangen / kan man wohl noch mehr luckere Erde darauf thun / und den Wachsthum befördern / und nachdem solcher sich anstellet / kan man in ein oder zwey Jahren schon anfangen die Stämmlein zuverpflantzen.

Dieser Saamen nun vergleicht sich allerdings dem breiten Melden-Saamen / und wenn er gnugsam reiff und zeitig ist flieget er davon.

Die Natur hat ihn gar sorgsam verwahret / denn er steckt unter und zwischen denen Blättern / dahero sie uns zuerinnern scheinet / daß wir solchen mit allen Fleiße sammeln und in obacht nehmen sollen / zumahl er wie gedacht / nach erlangter Reifung davon fleugt. Es lässet sich aber / dieser Baum nicht allein gleich den Weiden, füglich versetzen / sondern auch wie jene in den Gruben einlegen / sonderlich da es etwas feucht / jedoch muß es nicht zu tief / sondern nur seuchte geleget / und fast eingetreten werden / so schläget es überall aus / welches denn hernach zum versetzen wohl zu gebrauchen.

Ja die Aeste und alles Holtz von der Ilme ist zum Ausschlagen genaturet / so gar / daß wenn das Holtz zu starck / kan es gespalten / und in die Erde geleget werden / so schläget es gleichfalls aus / welches Ausgesprösse denn theils zu versetzen / und kan also von einen eintzigen Ilmen-Baum in kurtzer Zeit eine ziemliche Gegend bepflantzet werden.

Etwas gute Erde zum Stamm oder Wurtzel zu Zeiten geschüttet / befördert den Wachsthum / auch kan die Erde ein wenig auffgehacket werden / daß die Feuchtigkeit zur Wurtzel kommen möge.

An Wipfeln soll man solche Bäume beym Versetzen nicht beschädigen / sonsten werden sie wandelbar / und das Wasser dringet oben ein bis in Stamm.

§. 42. Der Lein-Baum hat gar ein hartes zähes / aber doch leichtes klein jährigtes und zärteres Holtz / als die Ahorn / ist denen Tischlern gar dienstlich / wächset neben den Ilmen und Aschen in großen und hohen Wäldern / und ist fast eben zu allen Gebrauch als die Ilme dienlich.

Es ist sonsten eine Art von Ahorn wird aber nicht so groß und hat klein kerbigter Laub / wie auch schöner Holtz- und kleineren Saamen / als die letztere / trägt auch eine etwas glattere und weißlichtere Schale / als diese / wird wegen seiner Zachheit sehr viel zu Piquen gebraucht.

§. 43. Von Rüstern-Baum muß in dieser Classe auch gehandelt werden.

Dieser ist fast gleicher Art mit dem Ilmen oder Fliegen-Baum und sind dessen zweyerley Geschlechte / eines so auf Höhen wächset / hoch und starck wird / zwar wohl Saamen / aber keine Früchte träget / doch mit seinen Laube dem Viehe dienlich ist / maßen Columella lib. 5. c. 6. schreibet Frondem jucundiorem praebet bobus, ut si ea assidue pecus alueris, fastidium aliarum frondium afferat. D. i. Das Laub von diesen Baum ist dem Rind-Vieh sehr angenehm / daß wenn man solches darzu gewehnet / es hernach das andere Laub nicht fressen mag.

Die andere Art wird Campestris oder die auf der Ebene wächset genannt / welche nach eben dieses Columellae Zeugniß auf Gebürgischen und rauhen Orten kein Fortkommens hat.

Denn es wachsen diese Rüstern gern an morastigen Orten / sehr hoch und starck / brechen aber endlich vor Alter ein / und werden wandelbar.

§. 44. Das Rüstern Holtz ziehet sich von gelb auf röthlich / seine Blüthe kömmt aus dem äuserlichen Theil seiner Aestlein herfür / aus vielen schwartz röthlichen Fäserlein bestehend / darauf folgen flache Schöttlein oder Täschlein / welche ablänglicht / und einen kleinen zart und flachen auch weis und süssen Saamen führen, er wächset zwischen denen Blättern / und siehet ebenfalls wie großer Garten Melden-Saamen in der Größe und Gestalt / muß in Herbst / so bald man spühret / daß er reiff ist zum säen gesamlet werden / sonsten verfleuget selbiger.

Die Blätter sind gar rauch und scharff / länglicht ausgekerbt / mit harten Strichlein oder Aederlein / in die Länge und in die Quere / das Laub schlägt im Frühling gar bey zeiten aus. Es liebet dieser Baum sonderlich den Weinstock / der auch denselben umfasset / und an ihn in die Höhe wächset / davon Ovidius lib. 2. Amor. El. 16. schreibet:

Ulmus amat vites: Vitis non deserit Ulmum:
Separor a Domina cur ego saepe mea?

D. i. Der Rüstern-Baum liebt den Weinstock / und dieser verlässet jenen nicht.

Aber warum werde ich denn so offt von meiner schönen Beherscherin getrennet? Die Seiden-Würmer so gewohnet sind von weißen Maulbeer-Blättern gespeißet zu werden / sollen auch die Blätter von Rüst-Baum fressen / weil sie noch zart und weil es rauch / kans der Wurm desto eher anfassen und fressen.

Auf des Rüst-Baums Blättern finden sich Bläßlein oder Knösplein / darinnen eine Feuchtigkeit / aus welcher eine Art Fliegen oder Mücken wächset / so ein Loch in solches Knösplein machet / davon flieget / und das Knösplein sammt den Blat hinter sich lässet / dahero wird die Rüster auch der Fliegen-Baum genennet.

Es hat dieser Baum ein ungestalt flasricht und mosericht Holtz / aber sehr fest / und ineinander verwimmert.

Darum es auch wegen seiner Festigket / zu Stück Lavetten gebraucht wird. Fliegen-Baum / Ilme und Rüstern / wird von denen meisten Holtzverständigen für einerley Geschlecht gehalten / jedoch findet man / daß es in etwas an Laube unterschieden ist / nehmlich des Fliegen-Baums ist breiter / mit tieffern oder längern Kerben als die Ilme und Rüstern ihres; diese aber hat röther / und jene weißer Holtz / und ist deswegen von etzlichen rothe und weise Rüster genennet / sie wird auch durch Ausläuffer und Saamen fortgepflantzet.

§. 45. Der Gerber-Baum ist auch unter dieses Capitel zu zehlen. Dieser wächset wild und zahm auf Gebürgen in Languedoc, Italien / sonderlich in Spanien bey der Stadt Salmantica, allwo er mit sondern Fleiß und nicht geringer als der Weinstock gebauet wird. In Teutschland kömmt er leicht fort / schläget aus / und vermehret sich gar behende von der Wurtzel / so oben an der Erden daher schleichet.

Er hat eine wollichte Rinde und lange ausgekerbete Blätter.

Die Früchte sind rauche Trauben / darinnen ein röthlichter Saame lieget / der Ilmen Saame ist größer / aber doch der Rüster gleich / und stehet solcher trauben Weise auf dem Baum / die Vogel und Mäuße etc. fressen ihn / so bald er fält / sehr begierig weg / dahero muß er zuvor mit Fleiß gesammlet werden. Der Baum hat viel Marck / wie die Hollunder.

Wenn ein Ast davon gehauen / oder abgeschnitten wird / tritt ein weiser Safft hervor / derhalben darf man an den jungen Stämmlein nicht viel schneiden / sonsten entgehet ihn selbiger gantz und gar.

Zum Leder gerben soll die Rinde und Blätter sonderlich dienen / und gut dichte Leder / als Corduan und Juchten davon praepariret werden / wäre also nicht unrathsam / daß man suchte dergleichen Holtz in Menge aufzubringen.


Das Fünffte Capitel /
Von Laub Holtz so keinen kennlichen Saamen
träget.

§. 1. Vielerhand Gattungen der Weiden.

§. 2. Deren Nutzen /

§. 3. Blüthen und etlicher Weiden-Saamen.

§. 4. Von Weidenköpffen. §. 5. Anderweitiger Nutzen der Weiden beym Feuer und Wasser /

§. 6. Beym Flechten und Binden. Nutz des Weiden-Laubs und Erde.

§. 7. Wie starck die Weiden zu pflantzen wie mit den Satz-Weiden zu verfahren.

§. 8. Von der Bruch-Weide und worzu sie diene.

§. 9. Von Krebs- Bach- und Bindweiden.

§. 10. Beschreibung der weissen Pappelweide /

§. 11. Der schwartzen. Unguentum populeum.

§. 12. Ihr Boden / Wachsthum und Nutzung / auch worzu das Holtz dienlich.

§. 13. Wie sie fortzupflantzen.

§. 14. Benennung der Aspen und ihr Boden.

§. 15. Worzu das Holtz dienlich oder nicht.

§. 16. Der Aspen dauerhafftigkeit / ihre Zäpffgen und Fortpflantzung.

§. 1.

NAchdem wir kürtzlich von denen Bäumen / so sich entweder mit ihren mannigfaltigen Früchten / Saamen oder angenehmen Schatten recommendiren / gehandelt / so schreiten wir nun ferner zu einer Classe der Bäume / welche weder Früchte: noch gar kennlichen Saamen tragen, doch aber mit ihren Holtz und Laube dem Menschen dienen / die wir nun auch mit wenigen betrachten wollen. Was nun Anfangs die Weide anlangt / so sind vielerley Arten derselben / als Bind-Weiden / Glaß-Weiden / Busch-Weiden / Rosen-Weiden / welche Blätter tragen / denen Rosen gleich / Bruch-Weiden / Pappel-Weiden / Haar-Weiden / Rein-Weiden / ja es werden deren bis an die 20. gezehlet.

Etliche wachsen auch auf den höchsten Gebürgen / und an dürren Orten / daher sie auch ihre Eigenschafft von der Güte des Bodens erhalten. Ferner giebt es gläntzend weise / rothe und gelbe / welche unter andern die besten und zehen Ruthen oder Weiden treiben / so zum Anbinden den Gärtnern und Landmanne sehr nützlich sind / und lassen sich drehen und wenden wie Leder und Bast / treiben dergestalt ins Holtz / daß starcke Stangen zu allerley Gebrauch davon gehauen / und geköppet werden können.

Am Laube sind sie am meisten zu unterscheiden: theils haben stärcker Laub als die andern / sonderlich sind diejenigen / welche das lange wie die Pfirschen-Bäume tragen / die besten / die aber ein etwas ründliches führen / so gar rauch / sind keine sonderliche gute Art.

Insgemein kan man solche in zwey Arten theilen / als nehmlich in die / welche zu einen rechten Stamm gedeihen und lateinisch perticales genennet werden / weil sie Stangen und Pfähle geben; und die so nur in Busche zu langen Ruthen aufwachsen[WS 99] / Viminales genennt / so theils auf der Erden herkrichen / und sich ausbreiten.

Jene dienen nur einen rechten Weiden-Stamm oder Baum daraus zuziehen / wie dergleichen sich auf denen Angern und andern leeren Plätzen bey den Dörffern befinden; diese aber werden meist zu Zäunen und Wasser Dämmen gebrauchet / auch zu andern Geräthe / davon bald mehr folgen wird.

§. 2. Insgemein ist die Weide ein sehr nutzbar Holtz / und wo ein Hauß-Vater einige Mügligkeit siehet / soll er nicht unterlassen / solche zu pflantzen / zumahl an denen Orten / da es nicht viel Holtz giebt / denn es dienet zu vielerley / und ist fast nicht zu entbehren / wächset auch sehr schnell daher.

Nulla, schreibet Plinius lib. 16. c. 31. aquaticarum utilior, nec in novissimis curanda Arbor.

Nullius quippe tutior est reditus, minoris impendii, aut tempestatum securior.

Itaque Cato in aestimatione ruris, post vineam si vino multo siet, & hortum riguum, tertio loco salictum posuit: salicesque praetulit oliveto, prato, campo frumentario, sylvae caducae, arbustis & glandariae sylvae.

D. i. Unter allen Bäumen die an Wasser wachsen / ist keiner nützlicher / auch auf keinen mehr sich zu befleißigen / als auf die Weide.

Denn bey keinen hat man so sichern Nutzen / so wenig Unkosten und so wenig Wetterschaden als bey diesen.

Dahero sagte Cato, daß ein recht Land-Gut haben solte (1.) gute Weinberge (2.) einen Wasserreichen Garten (3.) gut Geweidicht.

Ja er zog das letztere einem Oel-Garten / Wiesewachs / Feld-Bau / Schlag-Holtz / Baum-Garten und der Eichel-Mast vor.

Es wachsen die Weyden gerne an feuchten Orten und in Plänen / sonderlich auf denen Hutweiden. Die leeren Plätze beym Schlag-Holtz sind auch wohl mit diesen Baum zu vermehren / und großer Nutz dadurch zu schaffen / dienet auch zu Unter-Holtz / denn es aufn abgehauenen Stock balde wieder ausschläget / und weil es durchgehends ein Holtz ist / so schnelle wächset / und an allerersten fortzubringen / so wird an denen Orten wo sonsten Holtz-Mangel ist / es fleißig fortgepflantzet zumahl weil es wenig in Graß und Getreyde demmet / und bloß dabey und daneben wächset.

§. 3. Sonst werden die Weiden auch abgetheilet in Männlein und Weiblein.

Denn der große Weiden-Baum träget insgemein zweyerley Zäpflein / davon einer nur blühet / der andere aber Saamen träget.

Die Blüthtragende Zäpflein sind unfruchtbar / und wenn sie verblühet / fallen sie ab und verdorren. Die Saamen reichen Meinzlein aber haben nur allein Saamen-Gefäßlein / darinnen der Saame mit harigter materie umgeben lieget. Dahero / welche Weiden nur allein Blüth-Zäpflein ohne Saamen tragen / werden Männlein / die aber Saamen allein haben / werden Weiblein genennet. Die so genannten Mäintzlein an Weiden sind erst nur ein Zäpflein / hernach blühen sie auf / theils grünlich / theils gelbe und reichen sehr wohl / hernach werden sie wollicht / fallen ab / und werden von Winde vertrieben.

Auf diesen blühenden Zäpflein finden die Bienen in Früh-Jahr fast die erste gute Nahrung dahero sehr nutzbar / dergleichen Weiden aufzubringen.

Der Saame an theils der kleinen Weiden / ist kleine und schwärtzlicht / alle mit einer weisen Wolle umgeben / damit ihn ohne Zweifel die Natur versehen / daß solcher von Winde hin und her vertrieben werden / auch desto eher Feuchtigkeit erlangen / und an sich ziehen können / wird genennet semen paposum, weil er gleichsam mit Pflaum-Federn bewahret ist und schwartze gantz dünne[WS 100] Strichlein in sich hat / so eigentlich der Saame seyn soll.

Wiewohl viele dafür halten / daß die Weide der einzige Baum sey / so keinen Saamen / oder Früchte trage / derohalben Homerus solche frugiperdas genennet.

§. 4. Der Nutzen von denen Weiden bestehet vornehmlich darinnen daß man die von der größern Art alle 3. Jahr Köppen / und behauen / auch aus den abgehauenen Aesten / Stangen Pfähle und dergleichen machen kan / daß also eine Weide continuirlich zu nutzen / und der Haupt-Stamm doch in seinem esse bleibet / so bey dem andern Holtze nicht dergleichen Art haben will.

Dieses köpffen nun soll wie gedacht alle 3. Jahr geschehen / denn wenn man solches bey gewächsigen länger lässet anstehen / so werden die Aeste allzu starck / daß sie der Wind fasset / die Aeste abreisset / den Stamm dadurch splittert oder gar umwirfft.

Man soll sie aber nicht gantz glatt am Stamm abköppen / sondern Sturtzeln von 2. 3. bis 4. Zoll stehen lassen / an welchen sie denn wieder ausschlagen: und also neue Schößling bekommen können / welches besser ist / als wenn sie aus dem kahlen Weiden-Kopff und harter Rinde wieder ausschlagen und neue Sprößlein treiben sollen.

Es kan auch ihnen solcher Gestalt durch die Kälte / Nässe und Hitze nicht so leicht Schade zugefüget werden / und selbe in den Stamm dringen.

Die rechte Zeit aber das Köpffen zu verrichten ist unterschiedlich.

Denn wenn das Weiden-Holtz gehauen wird / ehe der Safft darein tritt[WS 101] / so springt es nicht auf,

Ingleichen wenn die Weiden in Frühling und neuen Monde geköppet werden / so schlagen sie desto zeitlicher und besser wieder aus / das Holtz dauret auch länger / hingegen ists besser / daß man die so man zum Zäunen brauchen will / gegen dem Herbst / wenn das Laub fallen will / abhaue / so schwelcken sie dem Winter über desto besser, werden zach und zähe / weil der Safft zurück getreten ist / im Frühling aber / sind sie schon wieder voll Saffts / werden dahero nicht leicht wandelbar / faul / wurmstichich / und dauren nicht lange.

§. 5. Zu Verbauung der Wasser-Risse ist auch neben der Erlen kein dienlicher Holtz anzutreffen / denn es verwahret und richtet ein Weidner Stock gegen der Gewalt der grossen und reissenden Ströhmen oder Seen mehr aus / als der gröste Eichen-Baum.

Und ist dieses gewiß ein sonderlicher Vortheil und Nutzen / mit so geringen Kosten das Weg-Waschen der Dämme und Ufer zu verhüten / welches sonsten mit grossen Unkosten geschehen müste / wenn man die Teich-Tämme mit Stein und Holtz aussetzen solte.

Hiernechst so hat der Fisch seine Nahrung von allerley Gewürm so sich bey diesen Sträuchern aufhalten und ins Wasser fallen / kan sich auch für den Wellen darunter verbergen.

In morastigen Orten machen die Weiden den Boden hohl / daß das Wasser unten wegfället / und oben Graß wächset.

Es giebt auch die Weide Holtz zu brennen / und weil es wenig raucht / so ist es in die Camine sehr dienlich.

Die Kohlen darvon sind gut zum Büchsen-Pulver / weil sie leicht Feuer fangen / auch brauchen sie die Mahler zum Abreissen / weil der Staub davon leicht / und sich bald ab- und auswischen lässet.

§. 6. Die kleinen Weiden geben nicht weniger mancherley Nutzen / als: die Weinstöcke damit an die Pfähle zu befestigen / Reissig damit zu binden / item Reiffe daraus zu machen.

Man kan sie auch brauchen zu Zäunen / Wasser-Dämmen und dergleichen / item zu Fisch-Reißern / Flechten / Tauben-Hüner-Häußer / Wagen- und andern Körben etc. Zu solchem Ende sollen in Franckreich und Engelland viel Aecker mit einer kleinen Art Weiden-Saamen besäet werden / welche hernach abgehauen / in Bündlein gebunden / und sonderlich zu allerhand Körben gebraucht werden / daß also ein Acker weit höher / als mit dem besten Getreyde-Bau auf ein Jahr zu nutzen ist.

Man will aber dafür halten / daß es in unsern Landen nicht practicirlich / weil das Unkraut eher als die Weiden hervor kommen und also diese gar verdemmen und unterdrücken würden / dem Unkraute auch nicht gewehret / oder solches getilget werden könte.

Jedennoch stünde es zu versuchen und zu erkundigen / wie der Acker vor der Saat zuzurichten / und dem Unkraut hierdurch zu steuern sey.

Ferner so werden in Persien in der Stadt Serkacche genannt / aus zarten Weiden allerhand Wahren gemachet / und in die umliegende Länder weit und breit verführet / da denn sehr viel Leute sich reichlich davon nehren.

Vor Zeiten hat man auch die Weiden zu Schilden gebrauchet / wie PLINIUS lib. 16. cap. 40. schreibet / und zugleich dessen Uhrsache meldet: Scuta quoque gestatu levissima & usui aptissima, quia ferrum lentissima non facile transmittunt.

Daß sie nemlich sehr leicht und das Eisen ihrer Zachheit halber nicht durchdringen können.

Das Laub von Weiden in Herbst gesammlet / ist denen Ziegen und Lämmern gesund und gut / wenn in Winter damit gefüttert wird.

Die Erde / so in alten Weiden gefunden wird / giebt gute Scherben-Topff-Erde zu allerhand Blumen und Gewächsen.

§. 7. Wenn denn nun die Weide ein sehr nutzbares und in einer Haußhaltung fast unentbehrliches Holtz ist / solches auch gar leichte bekleibet / und keine grosse Mühe erfordert; so soll man billig / ja nothwendig dahin gedencken / wie solches allenthalben wohl angebracht und fortgepflantzet werden möchte / denn wo Holtz-Mangel ist / pflantzet man solches in quantität und an Orten / wo sie nur auf- und anzubringen seynd; wo aber ander Geholtz gnugsam verhanden / nur so viel / als man zu Garten-Zäunen / Weiden-Reiffen und dergleichen vonnöthen hat / auch nur an feuchten Orten, als Teichen / Bächen und in wässerigten Grunde.

Wegen Fortpflantzung der grossen Weiden / so meistens mit stecken beschiehet / wollen wir annoch folgendes beyfügen: Nehmlich / die Satz-Weiden sollen in der Stärcke einer guten Hopf-Stangen seyn / 4. 5. biß 6. Ellen lang / fein glatt und frisch / auch in wachsenden Monden gehauen und darbey in acht genommen werden / daß man die Rinde nicht verletze / sie aller Orten / sonderlich aber / wo die Aeste weg sind / fein glatt beschneide / und also bald darauf in einem Teich oder ander Wasser einer Ellen oder mehr tief das untere Theil lege.

Wenn man in folgenden Monat Gruben darzu bereitet / oder mit einem Stickel Löcher gestossen seyn / werden selbige hinein gestecket / und nachdem der Boden feuchte / oder trocken / eine halbe / drey viertel biß eine gantze Elle und mehr / nemlich je trockner / je tieffer / und denn hernach die Gruben oder Löcher wieder mit guter Erde angefüllet / etliche giessen auch Mist-Lache ins Loch.

Dabey aber ist in acht zu nehmen / daß die Schale an untersten Ende / so weit der Setzling in die Erde kommt / nicht beschädiget werde. An meisten Orten in Meissen machet man mit einem eisernen Stöckel ein Loch so weit / als die Satz-Weide starck ist / stecket und stösset solche hinein / vertritt und stampffet das Loch auf der Seiten zu / damit sie desto fester stehe; aber auf diese Art wird die Schale gar leicht beschädiget, und löset sich in hinein stecken ab.

Oben / wo der Stamm schräg oder glatt beschnitten / leget oder drucket man ein Stück Rasen oder festen Schlamm drauf / welches die Feuchtigkeit nicht ausziehen noch das Regen-Wasser eindringen lässet / der Fäulung dadurch zu wehren.

Nach diesen ist fleißig zu zusehen / daß wenn sie unten ausschlagen / man solche Sprößlinge mit der Hand abstreiffe / weil sie noch jung / und nur diejenigen stehen lasse / so hoch man die künfftige Aeste haben will.

Die rechten Satz-Weiden werden um die Felder / Wasser / Gärten / Auen / und an leere Plätze gesetzet / und wenn sie alle 3. Jahr geköpffet werden / so thun sie auch mit ihren Schatten und fallenden Laub wenig Schaden. Wenn die geringe und niedrige Art Weiden etwas erstarcket / hernach als Sätzlinge abgehauen / verpflantzet oder versetzet werden / so werden sie gleichwohl größer und stärcker.

§. 8. Diese beyden Gattungen derer Weiden sind also die vornehmsten; die übrigen und gewöhnlichsten sind Die Buch-Weide. Die bekommt zwar einen ziemlichen Stamm; allein / es springet stets etwas Holtz und die Enden von Aesten abe / fallen in das dabey stehende Graß oder Getreyde / und ist selbige wegen ihrer Sprödigkeit fast zu nichts mehr / als zu Feuer-Holtz zu gebrauchen.

An statt der Pfähle und Zaunstecken kan man sie endlich in die Zäune schlagen / da sie aussprossen / und dienen solche sonderlich dazu und dauren sehr lange.

§. 9. Nechst dieser sind die Krebsweiden; solche dienen große Wasser damit zuverbauen und den reißenden Strohm zu wehren. Ferner die kleinen Bachweiden / welche besser eingesencket als gestecket wachsen / und geschicht solches in Frühlinge / um welche Zeit sie auch zubeschneiden sind.

Die Bindweiden lässet man nicht stärcker werden / als man sie brauchet / und werden in Frühlinge in abnehmenden Monden abgeschnitten / wachsen darauf etwas zarter / als wenn sie in zunehmenden Monden geschnitten werden.

Chardin schreibet p. 460. daß man in Persien auch in besten Lande viel Weiden-Büsche / Pappelweiden und Linden sehe / welche also pfleglich unterhalten würden / daß man sich derselben mit der Zeit zum Gebäuden bedienen können.

§. 10. Endlich so ist auch der Pappel-Baum zu betrachten. Insgemein saget man / daß zweyerley Sorten oder Arten der Pappeln seyn / nehmlich die weise und die schwartze.

Populus alba oder weiser Pappel-Baum setzet seine Wurtzel nicht tief in die Erde / treibet aber einen geraden Stamm hurtig und geschwind in wenig Jahren über sich / hat eine weißlich grünende Rinde / sein Holtz ist auch weis / und bekommt viel und starcke Aeste: Die Blätter sind eckigt / breit und zerkerbet / fast denen schmahlen Wein-Blättern ähnlich / aber weis und wollig / welche von innen ganz weise Fäßlein haben wie Wolle.

An den Zweigen wachsen länglichte wollichte Zäpfflein / so anfänglich purpur-braun sind.

Der Baum giebt einen feinen Schatten / und bey der Knospen-Zeit in Frühling einen lieblichen Geruch.

Aber weil er die Wurtzel nicht tief in die Erde setzet / wird er leichtlich von Winden umgeworffen / bevorab / wo kein gut / sondern lucker und sandig Erdreich ist.

§. 11. Populus Nigra oder schwartzer Pappel-Baum treibet einen stärckern Stamm / wirfft auch seine Wurtzeln tiefer in die Erde: sein Holtz ist hart und gelblicht / und nicht so weis / als wie bey der weißen.

Die Blätter sind zweyfärbig / auf einer Seiten graulicht / auf der andern schwärtzlich oder rußfarbig / forne spitzig / breit / und umher ein wenig zerkerbet / hangen an langen Stiehlen.

Die Zäpfflein / so an diesen Bäumen wachsen / sind länglicht / darauf folgen Träublein / mit runden Beeren besetzet / welche / wenn sie reiff und zeitig werden / wie eine Wolle verfliegen.

Die Alten haben bey diesem Baum die Veränderung der Zeit abgebildet / weil desselbigen Blätter / so bald die Sommerliche Sonnenwende herbey kommt / sich auch umkehren / und umwenden.

Sie tragen länglichte Knöpfgen / etwas grösser als die Gersten-Körner / an der Farbe gelblicht / aber fett und öhlicht / wie ein Terpentin oder Hartz / daher sie in Angreiffen klebricht / und dem Geruch nach lieblich und anmuthig seyn.

Aus diesen Knospen folgen zwar die Blätter sammt der Baum-Blüthe / aber sie sind die jenigen Schößlinge / so in der Apothecken Gemmae s. oculi populi genennet werden / daraus denn das Unguentum populeum gemachet wird.

Es findet sich auch ein Hartz an diesem Baum / wie an den Pfaumen- und Kirsch-Bäumen / welches sich / wenn die Rinde aufreißet / zeiget.

§. 12. Insgemein stehen die Pappel-Bäume gern an Ufern und Rändern der Wässer und Bäche / und wo es etwas feuchte ist.

Ovid.

Quam Platanus rivo gaudet, quam Populus unda,
Et quam limosa canna palustris humo.

Es ist das jenige Holtz oder Baum / so am allerschnellesten wächset. In wenig Jahren kan man eine gantze Gegend / Dorff / Hauß / Garten damit unkenntlich machen.

Denn wenn man solche dieser Gegend setzet / so sind es in 4. 5. oder 6. Jahren schon ziemlich grosse Bäume, voller Aeste und Laub / so man sich fast nicht einbilden kan.

Es geben auch diese Bäume gleich Schlag-Holtz / so bald es eingewurtzelt / kan man es abhauen / so schläget es wieder aus / und also kan man in kurtzen Jahren ein groß Stück Schlag-Holtz zeugen.

Sie werden sonst wie die Weiden geköpffet / über 3. oder 4. Jahr / aber wenn man sie in die Höhe ziehet / und oben ungestutzet lässet / so wachsen sie hoch / und strecken sich wie eine Eiche oder Buche.

Man kan sie hernach ausschneiden / und die Aeste zu Feuer- und Laub-Holtz brauchen.

Es geben auch die Pappel-Bäume leichte Holtz zu Brettern / fast den Linden-Baum gleich / dauret aber nicht ins Wetter zu bauen / jedoch in Trocknen bestehet es lange Zeit.

Zu Drechßler Arbeit ist das Holtz sehr gut / auch zu Blase-Bälgen, denn es schwindet nicht / man kan es auch zu Sparren und andern Holtze in geringen Gebäuden brauchen.

Im Feuer lodert es jehling weg / und hält die Wärme davon nicht lange nach. Hingegen wächset es geschwinde / und in einem Jahre mehr als ander Holtz in 3. 4. oder 6. Jahren.

§. 13. An den Wurtzeln / wenn sie etwas blos liegen / schlagen gleich junge Sprossen oder Schösserlein aus / so man wieder versetzen kan.

Man setzet auch die Satz-Weiden davon / gleich andern gemeinen Weiden / und kan solche von 4. 6. 8. und mehr Ellen hoch nehmen / und eine halbe oder dreyviertel Ellen tief in ein Loch stecken. Vor Zeiten ist dieser Baum dem Herculi zugeeignet gewesen / v. Ursinum in Arboreto Bibl. c. 10. n. 6. p. 164. Aus Virginien hat man eine Art Pappelweiden in Franckreich und Engelland bracht / so sehr leicht fortzupflantzen und gut Holtz geben soll.

§. 14. Die Aspe wird vor die dritte Art der Pappel-Bäume von etlichen gerechnet / so von den Alten Populus Lybica, von den neuern aber Populus tremula genennet wird / daher das teutsche Sprichwort kommt: Es zittert wie ein Espen-Laub. Denn weil die Blätter an einem dünnen und langen Stiele hangen / so geschicht es daß sie sich stets bewegen / ob sie wohl keine Lufft anwehet.

Und von diesem stetigen Zittern und Geräusch wird der Baum von den Holländern Rateler genannt / von rasseln.

Er wächset an feuchten Orten, auch in grossen Wäldern, und pflantzet sich von sich selbst leicht fort / wo er einmahl seinen Stand genommen; Er hat runde / dicke / fette Blätter / theils etwas gekerbet / träget Zapffen / gleich den Pappelweiden und Haselstauden.

§. 15. Es dienet auch dieser Baum gar wohl zum Schlag- oder Unter-Holtz.

Sonsten hat er gar ein weichliches Holtz / so weg brennet wie Stroh / und giebt daher wenig Hitze / auch wenig oder gar keine Asche; hingegen ist es gut zum Aussticken der Gebäude / die hernach gekleibet werden / denn es schwindet nicht. Ingleichen wird aus dieser Ursach auch allerhand Geräthe an Schüsseln / Mulden und dergleichen davon gemachet / weil es nicht schwindet / auch nicht aufreiset / It. allerley Drechsler-Arbeit / allermaßen das Holtz sich wohl arbeiten lässet / nicht hart / aber leicht ist / und dahero wohl fortzubringen / es arbeitet sich schöne glatt und weiß / giebt auch eine gute leichte Kohle zu allerhand saubern Arbeit dienlich / und sonderlich zum Pulver; das faule Holtz davon giebt guten Zunder / wie es denn gar geschwinde faulet / wenn es nicht in trucknen ist / die Rinden fangen gar leichtlich Feuer / und wenn sie zusammen gebunden können sie an statt der Fackeln dienen.

§. 16. Insgemein wird die Aspe nicht alt / an vielen Orten dauret sie kaum 30. Jahr / dann sie wird in Kern und von innen heraus wandelbar / und bricht endlich gar um / aber wo Boden verhanden / der ihr anständig / gelanget sie zu einem ziemlichen Alter und Stärcke.

Man hält dafür daß der Saame solcher Bäume die langen Zäpffgen / und Mützgen sey / die es in Früh-Jahr mit Hauffen von sich treibet / und hernach auf die Erde wirfft / darinnen gantz dünne und schwärtzlichte Fäßlein seyn.

Dieser Baum vermehret sich leichtlich / wo er einmahl wächset / und aufgebracht ist / schläget auch aufm Stamm und Stock / aus / sonderlich auf der Wurtzel / welche unter der Schwarte des Raßens gantz seuchte herschleichet.


Das Sechste Capitel /
Von Stauden und Gebüschen.

§. 1. Der Hasel-Stauden Boden / Zäpfflein und Blüthen. Wie das Holtz zugebrauchen. Deren verborgene Krafft.

§. 2. Warum selbe in Stein-Kohlen-Bergwerck das Lufft-Feuer vertreiben solle.

§. 3. Wie die Haselstaude fortzupflantzen. Ihr Alter.

§. 4. Wie starck der Stamm am Buchs-Baum zubringen.

§. 5. Worzu er gebraucht werde.

§. 6. Beschreibung des Hartriegels

§. 7. Seine Blüthe und Frucht.

§. 8. Seine Benennung und Nutzen.

§. 9. Des Schlehedornen Frucht und Gattungen.

§. 10