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Tafel 2 Das Grüne Gewölbe: eine Auswahl von Meisterwerken in vier Bänden. Band 1 (1925) von Jean Louis Sponsel
Tafel 3
Tafel 4
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TAFEL 3
1. NIEDERES DECKELGEFÄSS
AUS SERPENTIN IN SILBERFASSUNG DER MITTE
DES 15. JAHRHUNDERTS
*
2. DER BERGKRISTALLBECHER
IN SILBERFASSUNG MIT WIDMUNG DER KÖNIGIN
HEDWIG VON POLEN † 1399
*
3. BERGKRISTALLGEFÄSS IN SILBERFASSUNG
MIT EMAIL AUS DER MITTE DES 14. JAHRHUNDERTS
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Sponsel Grünes Gewölbe Band 1 Tafel 03.jpg

[79] In der Mitte: Der Becher der Königin Hedwig von Polen, 1384–1399. Kirchliches Gefäß des 14. Jhdts. Das Gefäß, ein zwölfkantig geschliffener kugelförmiger Bergkristallkörper in silbervergoldeter Fassung, auf geschweiftem und graviertem, im Sechspaß endenden Fuß, mit einem zwölfkantigen Knauf, auf den ein Ring mit Inschrift aufgeschoben ist. Die mit einem Grat geteilten sechs Flächen des Fußes sind mit gravierten aufsteigenden akanthusartigen gotischen Distelranken in symmetrischer Anordnung geschmückt. Auf drei von den halbkreisförmigen Ausladungen des Fußes ist jedesmal der spitz endigende Wappenschild von Ungarn-Anjou aufgelötet. Die Schienen der Fassung sind zopfartig gemustert, die Öffnung des Bergkristallkörpers ist erhöht durch einen ausgekehlten, zwölfkantigen, den Deckel tragenden silbernen Rahmen, der nach unten von einem Lilienband umsäumt ist. An einer Seite des Gefäßes steckt ein vorstehender Zapfen aus Bergkristall in einem silbervergoldeten Angriff mit doppelten Rollköpfen von gleicher gravierter Arbeit wie die des Fußes, darauf ist eine emaillierte Platte eingesetzt mit zwei kreuzweis verflochtenen gotischen Buchstaben m in Minuskeln. Der gewölbte Deckel hat einen Aufsatz mit einem Lilienkranz, in den oben eine Platte mit dem polnischen Adler auf rotem Emailgrund eingelassen ist. Die zwölf Flächen der Wölbung sind mit einem eingravierten Lilienkranz geschmückt. Auch der Rand des Deckels hat einen kleinen aufgelöteten Lilienkranz. Auf der Wölbung [80] des Deckels sind in aufgelöteten Kästen zwei Wappen von Ungarn-Anjou eingeschoben, die Schilde enden aber unten nicht spitz, sondern abgerundet. Ferner sind noch die ineinandergeflochtenen Buchstaben m in ausgesägter Arbeit zweimal auf und einmal in den Deckel aufgelötet. Die gesamte Arbeit des Deckels ist weit flüchtiger und kunstloser als die des Fußes, des Griffes und des Inschriftreifens, sie stammt offenbar aus einer anderen Werkstatt und, nach der Form der Wappen zu schließen, aus etwas späterer Zeit. Das aus zwei m gebildete Monogramm auf dem Griff des Bechers (dem die Monogramme des Deckels nachgebildet sind), kommt in gleicher Form in der Kirche St. Florian in Krakau auf einem dreisprachig geschriebenen Psalter neben dem Wappen von Ungarn-Anjou vor, der wegen seiner altpolnischen Sprachformen, die noch mit tschechischen untermischt sind, etwa um 1340 angesetzt wird. Das emaillierte Monogramm auf dem Angriff unseres Bechers, das mit jenem so genau übereinstimmt, ist in die zweite Hälfte des 14. Jhdts. zu versetzen. Außerdem aber läßt die Gravierung von Fuß und Angriff eine Übereinstimmung mit in Ungarn in der deutschen Stadt Ofen für Ludwig den Großen (r. 1342–1382) entstandenen Werken der Goldschmiedekunst wahrnehmen, die von einem in Süddeutschland geschulten Meister herrühren. Die ebenso sorgfältig hergestellte Inschrift auf dem Ring des Knaufes weicht in der Form von jenem emaillierten Monogramm etwas ab und scheint die Arbeit eines Siegelstechers zu sein, wohl desselben, der das große Siegel für Wladislaw II. Jagiello, Großfürst von Litauen und König von Polen, 1386–1434, den Gemahl der Königin Hedwig, ausgeführt hat, und ist also wohl in Krakau entstanden. Dort ist dann allem Anschein nach auch die Arbeit des Deckels von einem deutschen Meister während der Regierungszeit der Königin Hedwig ausgeführt worden.

Eine Deutung des Monogramms auf Margarete, die Gemahlin Ludwigs des Großen, oder auf Maria, dessen älteste Tochter und Schwester der Hedwig, erscheint unzulässig. Wahrscheinlich ist das Monogramm auf Mater Maria, die Schutzpatronin des Hauses Anjou, zu deuten. – Die Inschrift in lateinischen Minuskeln: – ob mīta • wenceslai s gta digna • polonor • regina • supna • polor • hedwig • cyphu • scãdat • q • c tulit • istup sul • – besagt, daß Königin Hedwig den Becher wegen der Verdienste des hl. Wenzeslaus gestiftet und ein Bischof ihn überbracht oder übernommen hat. Da Hedwig mehrfach Stiftungen für den Dom zu Krakau gemacht hat, und da St. Wenzeslaus der Patron des Domes gewesen ist, so kann wohl angenommen werden, daß dieser Becher im Besitz des Domes zu Krakau gewesen ist. Die Deutung von Sokolowski, daß der Becher auf die Krönung der Königin Hedwig Bezug habe, erscheint unbegründet. – Wie der Becher hierher gelangt ist (er wird in dem Inventar von 1726 zuerst erwähnt), war nicht zu ermitteln. Herzog Georg der Bärtige von Sachsen (r. 1500–1539) war seit 1496 vermählt mit Barbara, einer Schwester des Königs Sigismund I. von Polen. August der Starke ward 1697 in Krakau zum König von Polen gekrönt. In dem einen oder dem anderen Fall kann der Becher als Geschenk übergeben worden sein. (H. 24 – V. 294.)


Links: Gotisches Gefäß mit niedrigem Fuß von runder gedrückter Form aus schwarz, gelb und grün gesprenkeltem Serpentinstein mit Deckel in silbervergoldeter Fassung. Am Rand von Fuß und Deckel ein aufgelöteter gegossener Kranz von naturalistischen Distelblättern. Der Kopf des Deckels hat einen kronenartigen Kranz von stehenden Distelblättern mit Masken, solche sind auch auf der Fassung des Angriffs aufgelötet. Der Kopf hat einen eingesetzten drehbaren Deckel mit beiderseits gravierten Blumen. Deutsch, Mitte des 15. Jhdts. (H. 15,5 – V. 404.)


Rechts: Kleines Gefäß von ähnlicher Form wie das erste, mit kugelförmigem zwölfkantig geschliffenen Gefäß aus Bergkristall in silbervergoldeter Fassung ohne Schienen. Der geschweifte Fuß ist mit zwölf flachen Hohlkehlen versehen, die auch die zwölfeckige Form des Sockels bestimmen, dessen Fries wie die Hohlkehlen sind mit emaillierten Blumen und Rosetten und bemalten Blättern besetzt. Der Mantelring über der Einsatzstelle des Gefäßes fehlt. Die Kanten des Sockels haben aufsteigende Rillen mit Ösen, die bis auf eine leer sind, in der ein Bischofsstab mit aufgelötetem Wappen steckt. Darauf schwarzer gekrönter Löwe in weißem Felde. Der Angriff in durchbrochener Fassung mit gotischem Maßwerk. Die Fassung der Öffnung hat einen ausgestochenen und mit opakem roten, sowie translucidem blauen und grünen Email über Reliefgrund gefüllten Fries. Ähnliche Technik an Werken im Dom zu Aachen. Der halbkugelige zwölfkantige Deckel aus Bergkristall hat oben einen ähnlich emaillierten Kranz wie der Rand der Öffnung und darüber als Krönung einen Ring mit Perlen und gotischen bemalten Kriechblättern an einer Ranke. Deutsch, Mitte des 14. Jhdts. (H. 17 – V. 208.)