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Sponsel Grünes Gewölbe Band 1/Tafel 1

Der Inhalt des Grünen Gewölbes – Übersicht über den I. Band des Tafelwerkes Das Grüne Gewölbe: eine Auswahl von Meisterwerken in vier Bänden. Band 1 (1925) von Jean Louis Sponsel
Tafel 1
Tafel 2
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TAFEL 1
1. HOHER BERGKRISTALLPOKAL
IN SILBERFASSUNG DES 13. JAHRHUNDERTS
*
2. u. 3. ZWEI ÄLTERE SYRISCHE GLASBECHER
IN SILBERFASSUNG VOM ANFANG DES
15. JAHRHUNDERTS
[Ξ]
Sponsel Grünes Gewölbe Band 1 Tafel 01.jpg

[76] In der Mitte: Hoher Deckelpokal, das Gefäß aus Bergkristall kelchförmig mit acht Doppelkanten geschliffen, in vergoldeter Silberfassung, im Deckel eine Halbkugelschale an Stelle einer solchen von Bergkristall aus Glas ergänzt. Der runde flache Sockel hat quadratischen Aufsatz mit seitlichen halbkreisförmigen Vorsprüngen, beide sind mit offener romanischer Zwerggalerie errichtet, oben mit Filigranornamenten besetzt und mit Farbsteinen und Perlen verziert. Am hohen runden Schaft ist der Knauf mit acht Farbsteinen in Buckelschliff geschmückt, ebenso auch ein Streifen unter dem Lippenrand, der wie der Sockel mit Filigranranken besetzt ist. An dem Rand des Deckels die gleiche Einfassung, nur fehlen viele Steine. Der Deckel hat eine dem Schaft ähnlich gebildete Spitze mit kugeligem Abschluß, der mit Farbsteinen und drei Schlangenköpfen verziert ist. Sockel und Lippenrand erste Hälfte des 13. Jhdts., Schaft und Spitze Ende 13. Jhdts. Deutsche Arbeit. (H. 49 – V. 231.)


Links davon: Syrischer Glasbecher vom Übergang des 13. zum 14. Jhdt. mit späterer silbervergoldeter Fassung. An dem konisch erweiterten Mundstück des Glases und über dem Fuß je ein Streifen mit emaillierter Schrift, oben der größere blau, unten der kleinere rot auf Goldgrund. Die arabische Inschrift in alter Naskhi-Schrift am oberen Rand ist unten in kursiver Schrift wiederholt und preist den Ruhm eines nicht bezeichneten Sultans. Zwischen beiden Friesen drei zwischen goldenen Ranken hintereinander reitende Polospieler in goldenen und mehrfarbigen Gewändern auf je einem weißen, gelben und roten Pferd in Emailfarben hergestellt. – Während der silbervergoldete Deckel, auf dem ein antiker Krieger steht, mit seinem eingravierten Rollwerk und Köpfen, sowie dem gegossenen Liliensaum die Formen des 16. Jhdts. verrät, stammt die Fassung des Fußes mit ihrer offenen Zwerg-Spitzbogengalerie, den eingravierten um einen knorrigen Ast gewundenen akanthusartigen Distelblättern, sowie dem gegossenen Saum stehender Lilien aus dem Anfang des 15. Jhdts. Deutsche Arbeit. (H. 27 – IV. 193.)


Rechts davon: Syrischer Glasbecher in silberner, teilweise vergoldeter Fassung auf sechspassigem Sockel mit durchbrochenen Fischblasenornamenten. Der ebenso verzierte Knauf hat sechs rautenförmige mit Email ausgefüllte Knorren. Die Schienen der Fassung haben ähnlichen Bogensaum wie der kleine Bergkristall-Deckelbecher V. 208 (Tafel 3) und Bänder mit liegenden Kreuzen, wie an der kleinen Greifenklaue IV. 338 (Tafel 4) und der Greifenklaue IV. 269 (Tafel 4). Der Deckel ist durch ein Scharnier an der Fassung des Mundrands befestigt, er hat eine sechskantige spitze Haube, die mit Schuppen dachartig gemustert ist und am Rand in Buckel übergeht, oben eine von Blättern eingefaßte Erdbeere (?). – Auf dem Glas in farbigem Email aufgemalt eine Landschaft, in der neben einem großen Blatt ein Orientalenpaar auf dem Wasser die Jagd betreibt nach zahlreichen verschiedenfarbigen Reihern, die in zwei Reihen entgegengesetzt darüberfliegen. – Der Glasbecher stammt wohl aus der gleichen Werkstatt wie der vorgenannte; die Fassung aus dem Anfang des 15. Jhdts. ist wohl deutsche Arbeit. (H. 34 – IV. 192.)