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Ergibt sich aus dem Vorstehenden mit voller Gewißheit, daß der Bischof von Straßburg derjenige war, welcher das wesentlichste Interesse hatte an dem Zustandekommen des c. XVI, so ist wohl nicht zweifelhaft, daß er auch die Aufnahme dieses Kapitels in das Gesetz veranlaßt hat. Welche hervorragende Tätigkeit Bischof Johann auf dem Reichstage zu Nürnberg überhaupt ausgeübt hat, dafür zeugen drei Urkunden des Kaisers vom 7., 8. und 9. Januar 1356.

Sie betreffen die Erhöhung der Pfandsumme einer Reichspfandschaft um 5000 Gulden zugunsten des Bischofs von Straßburg, und diese der Zahlung eines gleichen Betrages gleichkommende Vergünstigung begründet der Kaiser mit den Verdiensten, welche sich Bischof Johann, „sein lieber Fürst, Verwandter und Rat“, durch den Besuch des Nürnberger Tages und die von ihm dort im Interesse des Reiches geführten und mit erheblichen Kosten verbundenen Geschäfte erworben habe. So heißt es in der Urkunde vom 7. Januar: pensantes etiam non modica expensarum et sumptuum onera, que ... sufferre non dubitavit, presenciam nostram iuxta preceptum nostre celsitudinis accedendo et nobiscumque (sic!) pro arduis imperii sacri negociis continuando nobisque in imperiali curia nostra in Nuremberg celebrata usque ad finalem eius exitum laboribus multis et sumptibus assistendo. Die vom folgenden Tage datierte kaiserliche Urkunde enthält einen ähnlichen Satz, der wörtlich in dem am 9. Januar von Karl IV. als König von Böhmen hierzu erteilten Willebrief wiederholt wird: habito respectu ad multas expensas, quibus ipse propter visitacionem imperialis curie nostre, quam in Nuremberg celebravimus et ad cuius celebritatem nostra iussione vocatus advenit, et propter multos labores, quos ipse occasione huiusmodi curie non absque notabilium expensarum oneribus subiisse dinoscitur.[1] Diesen Gunstbeweisen fügte der Kaiser schon am 13. Januar einen neuen hinzu.[2] Es ist demnach wohl verständlich, daß er diesem Fürsten zuliebe und auf sein Betreiben jenes c. XVI in das Gesetz aufnahm.


  1. Die Urkunde vom 7. Januar ist vollständig gedruckt in den Urkunden Nr. 23. Über die beiden anderen vgl. die Anmerkung daselbst.
  2. Böhmer-Huber Nr. 2415.
Empfohlene Zitierweise:
Karl Zeumer: Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. (Teil 1). Weimar: Hermann Böhlaus Nachfolger, 1908, Seite 78. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeumer_Die_Goldene_Bulle.pdf/96&oldid=3413160 (Version vom 1.8.2018)