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imperatore coronam regalem gestantibus, cum eisdem et eis presentibus corona regia uti possint, non tamen in corona regia debent predicti reges Boemie predictis regi vel imperatori ministrare in officio pincernatus. Quod autem magnificus Wencezlaus rex Boemie, princeps et frater noster karissimus, nobis apud Nurenberh in sollempni nostra curia proximo die dominico post festum beati Martini sedentibus in corona coronatus ad preces nostras ministravit in officio pincernatus, hoc non de iure, sed ex mera dileccione, quam ad nostram gerit personam, eum fecisse dicimus et ad serviendum sive ministrandum in eodem officio sub corona regia nobis vel successoribus nostris regibus vel imperatoribus Romanorum predictum regem et omnes successores suos reges Boemie testamur et volumus de cetero non teneri nec aliquod eis exinde preiudicium generali. Es liegt auf der Hand, daß dem Verfasser der Goldenen Bulle hier das Privileg Albrechts oder dessen Bestätigung durch Karl IV. vorlag.[1]

Während das Privileg zweierlei enthält, einmal das Recht des Böhmenkönigs, auf Reichsversammlungen in Gegenwart des gekrönten römischen Königs oder Kaisers die böhmische Königskrone zu tragen, außerdem aber das Recht, bei Ausübung des Erzschenkenamtes diese Krone nicht zu tragen[2], hebt die Goldene Bulle an dieser Stelle nur das letztere hervor, während sie sonst auch das erstere ausdrücklich anerkennt. In der Tat scheint auf jenem Nürnberger Reichstage die Frage, ob der König von Böhmen das Schenkenamt im Schmuck seiner königlichen Würde auszuüben verpflichtet sei, den Anlaß zur Erteilung jenes Privilegs gegeben zu haben, so daß die Entscheidung dieser Frage als Kern jener Urkunde anzusehen ist. Das bestätigt auch die, wenngleich etwas poetisch ausgeschmückte, anschauliche Darstellung der steirischen Reimchronik. Nach dieser verweigerte

der Böhmenkönig die persönliche Ausübung des Schenkenamtes


  1. Die Bestätigung Karls IV. ist im Urkundenanhange als Nr. 5 gedruckt.
  2. Der Text des Privilegs könnte allenfalls auch so verstanden werden, daß der Böhmenkönig, weil er befugt war, auf Reichstagen die Königskrone zu tragen, überhaupt nicht zur Ausübung des Amtes gezwungen werden könne; doch legt auch die Goldene Bulle das Privileg in der oben angegebenen Weise aus.
Empfohlene Zitierweise:
Karl Zeumer: Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. (Teil 1). Weimar: Hermann Böhlaus Nachfolger, 1908, Seite 32. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeumer_Die_Goldene_Bulle.pdf/50&oldid=3413111 (Version vom 1.8.2018)