Seite:Zerstreute Blaetter V.djvu/80

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Viel und Wenig.


Ein Jüngling von edlem Gemüth wollte zur Königsstadt des Glückes hinauf; und wo er von jemanden hörte, der des Bergansteigenden Weges kundig sei, den glaubte er, darüber fragen zu müssen.

Und allerdings fanden sich viele, die ihm mit großer Zuversicht die Reise vorzeichneten, Philosophen, Politiker, Mönche, Einsiedler, Zauberer sogar, und die einen Vorschmack der Gottheit enthusiastisch träumten.

Von allen Seiten Reisecharten gnug; wie er aber nach ihrer Vorschrift den Weg antrat – Wunder! wie oft stieß er an! wie oft kam er ab vom Wege! an welche Klüfte, an welche Höhen gerieth er! Er fluchte allen den Stuben-Wegweisern, die in ihrem Kopf Wege und Stege im Himmel und auf der Erde wollen ausgemessen haben.

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1793, Seite 64. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_V.djvu/80&oldid=- (Version vom 1.8.2018)