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Vor der Unglücklichen kniete der Taubstumme und suchte sie zu trösten und zu beruhigen. Dabei heulte er wie ein treuer Hund, der das Leid seines Herrn mitfühlt und versteht. In die Augen traten ihm Tränen, und das ganze Gesicht drückte ungeheucheltes Mitleid aus.

Obgleich durch die Lumpen ihm Käthes blendendweiße Haut entgegenblinkte, berührte er sie nicht, sondern deckte zartfühlend sie zu und kniete wie zuvor und weinte bitterlich.

Dies war der einzige Mann auf Käthes Lebenswege, der nichts von ihr forderte, der eine Träne des Mitleids für sie übrig hatte, und der nicht mit viehischer Leidenschaft vor ihr erschien.

Dieser Mann aber war – bekennen wir die traurige Wahrheit – eben ein – Blödsinniger.


Tags darauf fühlte Käthe sich so krank, daß sie außer Stande war, Modell zu stehen.

Fortwährende Krämpfe schnürten ihr die Brust zusammen und zwangen sie, sogar das Stöhnen zu unterdrücken, welches sich mit aller Gewalt über die Lippen drängte. Dabei litt sie an heftigen Kopf- und Kreuzschmerzen.

Tiefbekümmert über ihren Zustand, stand sie ein Weilchen schweigend da und hielt die eben ausgezogene Jacke in der Hand.

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Gabriela Zapolska: Käthe. Berlin o. J., Seite 401. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zapolska_K%C3%A4the.djvu/401&oldid=- (Version vom 1.8.2018)