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er ihr mit feierlicher Miene. Sie dagegen teilte mit ihm alles Eßbare, was sie mitbrachte. So unterstützten und halfen sich gegenseitig diese beiden Ärmsten.

Jetzt schlief der kleine Stümper in einem Winkel schon auf der bloßen Erde und legte nur die Faust unter den Kopf.

Beim matten Scheine des auf dem Gestelle noch glimmenden Lichtstumpfes beobachtete er Käthe, bis sie sich zur Ruhe legte.

Nicht wenig beunruhigte ihn ihre Anwesenheit, und lange wälzte er sich an der Erde, bevor er einschlief. Gleichwohl wagte er niemals, sie zu berühren, solch eine Furcht und Achtung flößte sie ihm ein. So oft ihn auch die Lust anwandelte, ihre weiche Haut zu streicheln, wenn sie so rosig schimmerte in den Strahlen der Morgensonne, immer fürchtete er sich vor ihren kräftigen Fäusten.

Sie dagegen schien die Unruhe gar nicht zu bemerken, die sie unbewußt in ihm erregte. Müd und matt schon morgens stand sie auf und fragte, wie jener Dänenkönig täglich seine Höflinge: „Also morgen ist auch noch ein Tag?“…

An einem trüben, naßkalten Vormittage schlug der Regen an die Fensterscheiben im Atelier.

Käthe zitterte vor Frost, als sie fast unbekleidet mitten in diesem großen, hohem Raume stand.

Auch Wodniecki arbeitete nur langsam und in düsterer Stimmung, da er, ohnehin sehr reizbar,

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Gabriela Zapolska: Käthe. Berlin o. J., Seite 394. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zapolska_K%C3%A4the.djvu/394&oldid=- (Version vom 1.8.2018)