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sie, ab und zu sich kleine Lebensmittel zu kaufen, die sie mit fast tierischer Gier verschlang.

Nicht sie war daran schuld, sondern in ihr jenes kleine, gierige Wesen, welches die Unzulänglichkeit und den Mangel an Mitteln zur Stillung des Hungers noch nicht kannte, welches sie aber sättigen mußte, unter allen Umständen.

Unerbittlich war es, wenn der Hunger es quälte, und dann verursachte es ihr die größte Pein,

Nur eine Ware noch hatte Käthe zu verkaufen – den eigenen Körper.

Vor diesem Äußersten aber schreckte die ihr angeborene Ehrbarkeit zurück. Schon beim Gedanken an solche Erniedrigung stockte ihr fast das Herz.

Plötzlich wurde das Waschhaus wo sie bisher Verdienst gefunden, geschlossen. Wegen Mangel an Aufsicht oder wegen Eigenwilligkeit war etwas von der Wäsche der Feldwebel und Unteroffiziere verloren gegangen.

Käthe stand also wieder auf offener Straße nach zweiwöchiger Arbeit.

Als die Maurersleute sahen, daß sie wieder ohne Verdienst war, und daß sie selbst keinen Nutzen mehr von solcher Bettlerin ziehen konnten, vermieteten sie deren Schlafstelle anderweitig.

So wälzte sich alles Unheil auf ihr Haupt, als wolle es sie in den Abgrund stürzen.

Trotz aller Not aber kämpfte Käthe erhobenen Hauptes weiter.

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Gabriela Zapolska: Käthe. Berlin o. J., Seite 370. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zapolska_K%C3%A4the.djvu/370&oldid=- (Version vom 1.8.2018)