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auch Johanns Verrat und Rosas Nichtswürdigkeit?

Die nervöse Aufregung des Kommissars erreichte ihren Höhepunkt. Jetzt blieb dies Frauenzimmer stumm wie ein Fisch und reizte ihn durch solchen Trotz!

Und ohne weiteres nannte er Käthe: „Du Landstreicherin, du Schlumpe! Hinaus mit dir!“

Dann befahl er den Polizisten, sie sechsunddreißig Stunden ins Loch zu sperren bei Wasser und Brot.

Diese Strafe war noch ziemlich mild. Doch mußte auf Käthes bisherige gute Führung und die daher fehlenden Vorstrafen Rücksicht genommen werden.

Das „Loch“ war ein langes, schmales Stübchen mit einem kleinen Gitterfenster. Dort wurden nur diejenigen untergebracht, die nicht mit Gefängnis, sondern mit mehrtägiger Haft bestraft waren.

Außer drei mit schadhaften Pferdedecken belegten Pritschen, einem Kruge mit Wasser und einem hölzernen Schemel, befand sich nichts in diesem Raume. Durch das Fenster drang der Lärm der zu neuem Leben erwachten Stadt.

Unter diesem Fenster saß Käthe den ganzen Tag und die darauffolgende Nacht und starrte regungslos mit krampfhaft gefalteten Händen und fieberheißen Lippen hinaus.

Längst hatte sie aufgehört zu denken, zu fühlen und sogar zu leiden, so stumpf wurde sie unter dem Einflusse des Unglücks und der körperlichen Schwäche, die sie so niederdrückten.

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Gabriela Zapolska: Käthe. Berlin o. J., Seite 349. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zapolska_K%C3%A4the.djvu/349&oldid=- (Version vom 1.8.2018)