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eines Mannes, der die Gemeinheit seines Handelns selber einsieht, seine Schuld aber trotzdem nicht eingestehen will.

Wohl hörte er Käthes flehenden Ruf und dieser drang ihm anfangs ins Herz. Schnell aber besann er sich und blinder Haß trat an die Stelle der augenblicklichen Herzensregung.

So stand er mitten auf dem Boden, blind und taub gegen alles, was um ihn her vorging.

Noch auf der Treppe hörte Käthe hinter sich das Zischeln der Weiber, ihrer Todfeindinnen, und deren spöttische, zweideutige Bemerkungen.

In der weitgeöffneten Küchentür stand Frau Julia, bleicher als sonst vor Schreck, wenn auch noch halb im Schlafe.

Als Käthe sie erblickte, schrie sie auf vor Freude. O! Die Herrin wird sie schon schützen vor der Polizei und wird nicht zulassen, daß man sie fortschleppt.

Und voller Vertrauen riß sie sich los von den Polizisten, um schleunigst in die Küche sich zu retten.

Leider aber täuschte sie sich.

Julia wich scheu zurück und verschloß die Küchentür, zitternd vor Angst und Ekel vor Käthes mit Wunden bedecktem Gesicht.

Vergebens rüttelte Käthe unter lautem Stöhnen an der Türklinke. Frau Julia schob den Riegel vor und vernichtete ihre letzte Hoffnung.

Schon packten die Polizisten Käthe an den Armen und zerrissen ihr dabei vorn die Jacke bis zu den

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Gabriela Zapolska: Käthe. Berlin o. J., Seite 345. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zapolska_K%C3%A4the.djvu/345&oldid=- (Version vom 1.8.2018)