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anzublicken. Sofort erkannte er eine leichte Beute in dieser Frau, die nach verbotener Frucht lechzte und zu schwach und zu träge war, um ihm ernstlich Widerstand zu leisten.

Die schwächliche Gestalt des Gatten schien ihn nicht abzuschrecken und Julias hellgraue Augen, die unverwandt auf ihn gerichtet waren, ermutigten ihn zu weiteren Schritten.

Obgleich noch jung, war er schon recht gewandt und ein gründlicher Kenner der Weiber. Er nahm sie, wo er sie fand, ohne jede Wahl und verließ sie mit Widerwillen, sobald das Verhältnis ein dauerndes Joch zu werden drohte.

Sein leichtgekräuseltes Haar, sein hoher Wuchs und die breiten Schultern erleichterten ihm die Eroberungen in den niederen Volksschichten. Auf die höheren verstieg er sich niemals.

Er liebte, bewundert zu werden und seinen vermeintlichen Wert unbedingt anerkannt zu sehen. Damen von Bildung oder mit seidenen Strümpfen fürchtete er, im Gefühle, daß er sich ihnen gegenüber nur lächerlich mache.

Mit Kennerblick durchschaute er Julias flachen Sinn, den er schon am zweifelhaften Weiß ihrer Strümpfe erkannte.

Nur kurz war der Kampf… Natürlich siegte der flotte Student und Julia wehrte sich nicht einmal…

Halb im Traume kam sie zum ersten Stelldichein. Erst später wurde sie allmählich lebhafter…

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Gabriela Zapolska: Käthe. Berlin o. J., Seite 179. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zapolska_K%C3%A4the.djvu/179&oldid=- (Version vom 1.8.2018)