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vorüber, noch beschmutzt vom Staub und Schweiß des gestrigen Tages. Mägde mit verschlafenen Augen schleppten Eimer und Kannen, aus denen das Wasser überschwappte. Marktwagen rollten auf dem holprigen Pflaster vorbei. Und nach und nach wurden die Haustüren geöffnet und aus den Hausfluren drang der Lärm der erwachenden Einwohner.

Ab und zu erschallte der matte Klang einer Glocke, der die Ordensbrüder zur Morgenandacht rief.

Durch das graue Gewölk am Horizont lugten bläuliche Streifen und verkündeten der noch schlummernden Stadt einen sonnig heiteren Tag. Nur langsam aber erwachte die Stadt, als sei sie auf all den Zauber eines Sommermorgens nicht neugierig, oder vielmehr, als habe sie sich überlebt, wie ein alter Wüstling, der an den Anblick der noch unberührten Schönheit gewöhnt ist.

Mit Eifer begann Johann zu fegen.

Sein kerngesunder Körper bedurfte der Bewegung und ermüdenden Arbeit. Am liebsten fegte er die Straße am frühen Morgen, wenn die nächtliche Kühle noch zwischen den Häusern wehte und ihn angenehm erfrischte. Sein enges Stübchen bot seiner breiten Brust zu wenig Luft.

Da er früh meist mit schwerem Kopfe aufstand, ging er sofort auf die Straße, um den Besen zu schwingen und, wie er sagte, sich den Dunst aus dem Kopfe zu fegen.

Auch heute stand er schon sehr früh auf dem Posten.

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Gabriela Zapolska: Käthe. Berlin o. J., Seite 166. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zapolska_K%C3%A4the.djvu/166&oldid=- (Version vom 1.8.2018)