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heraus, daß dieser Name für sie bestimmt war. Im übrigen hatte sie natürlich keine Ahnung von der Bedeutung desselben. Gleichwohl drang er durch ihr Ohr bis in das Hirn und haftete dort unter tausend alltäglichen Ausdrücken, die sie von Kindheit an gehört.

Voller Verwirrung und mit glühenden Wangen hüllte sie sich wieder in ihr Tuch, um sich schleunigst den Blicken dieser Männer zu entziehen, die so heiß auf ihr ruhten und sie in die peinlichste Verlegenheit versetzten, als rissen sie ihr die Kleider herab, um ihren Körper zu zergliedern. Schon dieser Gedanke brachte sie fast zur Verzweiflung. Blickten doch alle Männer nach ihr mit so widerlicher Neugier.

War sie etwa schuld an ihrem üppigen Wuchs und ihren breiten Schultern? Hätte sie doch niemals dieses Tuch abgelegt, sondern beständig sich fest darin eingehüllt! Das wäre das beste gewesen!…


Rosa war wieder in bester Laune, legte die Maske der freundlichen Kellnerin an und lächelte den Gästen zu.

Diese näherten sich jetzt Käthe, in den Hüften sich wiegend, mit Siegermienen und ausgeprägter Verachtung gegen alle Weiber, wie sie sie in Spelunken und im Verkehre mit feilen Dirnen sich angeeignet hatten.

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Gabriela Zapolska: Käthe. Berlin o. J., Seite 42. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zapolska_K%C3%A4the.djvu/042&oldid=- (Version vom 1.8.2018)