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„Ich kam nur nach meiner Lade und um dir das geborgte Geld wiederzugeben“, fuhr Käthe fort, indem sie mit einer gewissen Schüchternheit ihren Guldenschein hervorzog.

„Wenn du solch’ große Dame bist, daß du Schulden bezahlen kannst, so bezahle sie“, erwiderte Rosa. „Besser aber tust du, wenn du sie nicht bezahlst. Schulden laufen dir nicht fort und an dieser Krankheit hat man ohnehin genug!“

Und als sie sah, daß Käthe schwieg, fügte sie hinzu: „Hol’ dir bei mir zu Hause deine Lade. Dieser Strolch, der Felix, raucht gewiß wieder dort seine „Habanna“. O, das ist eine wahre Strafe Gottes, dieser Nichtsnutz.“

„Warum bleibst du aber bei ihm?“ fragte Käthe etwas lebhafter, aber immer noch nur schüchtern die Freundin anblickend.

„Weiß ich es denn?“ entgegnete diese, die Hand schwenkend. „Manchmal hab’ ich solchen Groll auf ihn, daß ich ihn über alle Berge jagen könnte. Denn er taugt nichts und ist ein Tagedieb. Während ich den ganzen Tag mich abarbeite, vergeudet er mir alles. Ach, möcht’ er sich doch einmal ändern.“

Und unwillkürlich ergriff sie dieselbe Wut, wie allabendlich beim Anblicke seines blassen Gesichtes, wenn er sich behaglich auf dem schmutzigen, lange nicht mehr aufgeschütteten Lager wälzte, während sie ermattet heimkehrte von der tagelangen Arbeit.

Ihre Leidenschaft aber zu ihm hatte sie allmählich ganz erfüllt und daher erwiderte sie auf Käthes

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Gabriela Zapolska: Käthe. Berlin o. J., Seite 36. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zapolska_K%C3%A4the.djvu/036&oldid=- (Version vom 1.8.2018)