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Augen verrieten durch ihr Zittern die verborgene Leidenschaft eines Panthertieres, – diese Eigentümlichkeit blutarmer Frauen, deren Leben allen hygienischen Anforderungen zuwider in der Atmosphäre des an die Küche angrenzenden Schlafzimmers sich abspielt.

„Wie heißt du?“ fragte die Hausfrau das an der Tür stehende Mädchen mit träger, fetter Stimme.

Das Mädchen hob den Kopf und erwiderte: „Käthe Ölschläger!“ Dann senkte sie den Kopf wieder zur Brust herab.

„Hast du noch Eltern?“ verhörte die Hausfrau sie weiter.

Über Käthes Gesicht glitt ein wehmütiger Zug, und sie gab keine Antwort.

Der sie begleitende Bote der Vermittlungsanstalt, ein kleiner, unansehnlicher Mann im grauen Röckchen, hielt es für angemessen, sich in das Gespräch zu mischen: „Mit Verlaub, gnädige Frau: sie ist eine Waise und hat keinen Anhang. Sie kam erst unlängst in die Stadt und war bisher nur in einem Dienst…“

„Da wird sie schon viel können…!“ unterbrach ihn die Hausfrau und verzog verächtlich die Lippen.

Ein Weilchen herrschte tiefes Schweigen.

Der Bote schwieg. Käthe aber versuchte garnicht, sich zu rechtfertigen und senkte den Kopf nur noch tiefer.

Tausend peinliche Gedanken gingen ihr durch den Sinn. Gestern urplötzlich, fast ohne Grund, auf die

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Gabriela Zapolska: Käthe. Berlin o. J., Seite 6. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zapolska_K%C3%A4the.djvu/006&oldid=- (Version vom 1.8.2018)