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die Gräfin und Emma höchstens bei der Frühmesse in der Kirche – Gina überhaupt nicht. Es heiße allgemein, sie habe ihre Zustände. Aber welcher Art diese Zustände seien, darüber schwebe ein Geheimnis.

„Was ist dir, Zdenko?“ fragte an diesem Punkt der Auseinandersetzungen Bärenburg den Vetter, dessen Wangen kreidebleich geworden waren, während seine Lippen sich violett färbten.

„Ich habe eine starke Migräne; es ist so schwül in dem engen Raum.“

„Dem Zdenko ist’s nicht nobel genug,“ neckte ihn Bärenburg, „wir werden ihm ein Extrakasino bauen lassen, nach dem Muster des Kursaals in Marienbad.“

„Sei nicht geschmacklos, Tapsch!“ ärgerte sich Swoyschin und sah so wild aus, daß Bärenburg sich veranlaßt fühlte, einzulenken.

„Es war nicht bös gemeint, Zdenko!“ sagte er. Dann, sich den Kameraden zuwendend: „Na, meine Tapferkeitsproben hab’ ich hoffentlich zur Genüge abgelegt. Es hat doch niemand was dagegen, daß ich mich so konziliant zeige?“

„Tschapel!“[WS 1] brummte Swoyschin und trat an das offene Fenster, um die frische Luft zu atmen. Das Fenster blickte auf die von Gartenanlagen umgebene Kirche hinaus.

Es war sehr kalt; seit jener lustig durchschwärmten, schwülen Zaubernacht regnete es mit kurzen Unterbrechungen


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Tschoperl; österr. für Dummerchen
Empfohlene Zitierweise:
Ossip Schubin: Vollmondzauber. Stuttgart: J. Engelhorn, 1899, Band 2, Seite 22. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Vollmondzauber.djvu/180&oldid=- (Version vom 1.8.2018)