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sie das Gefühl, daß sie etwas verloren habe und es suchen müsse, das Gefühl, daß sie versprochen hatte, irgendwo pünktlich anzukommen, wo sie nicht mehr ankommen konnte, und dabei eilte etwas Schwarzes, Undeutliches vor ihr hin, und etwas schwül Atmendes, Unheimliches jagte hinter ihr drein, und sie hatte die Glieder wie zerbrochen und konnte nicht vom Fleck.

Plötzlich erwachte sie. Das scharfe Rollen eines Wagens, der in die Durchfahrt des Schlosses einmündete, hatte sie aufgeschreckt.

Sie setzte sich halb auf in ihrem Bett. Ein heller Mondstrahl, der durch die Jalousieen ihres Fensters brach, malte weißliche Striche auf dem dunklen Fußboden. Müde legte sie die Hand auf die Stirn und wollte nachdenken. Was war denn eigentlich geschehen?

Ja, Gina hatte zu dem Tennismatch fahren wollen nach Monbijou, und sie, Emma, hatte mitfahren wollen, und dann, wie die Kopfschmerzen ärger geworden waren, dann hatte ihr Gina versprechen sollen, daß sie das Fest nicht besuchen würde … Hatte Gina versprochen? … Emma konnte sich nicht entsinnen, von Mittag ab erinnerte sie sich an nichts mehr, als an den heftigen Schmerz, der mit einer verworrenen Angst verbunden war.

Was bedeutete der Wagen mitten in der Nacht? War die Tante nach Breznitz gefahren, hatte Gina

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Ossip Schubin: Vollmondzauber. Stuttgart: J. Engelhorn, 1899, Band 2, Seite 5. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Vollmondzauber.djvu/163&oldid=- (Version vom 1.8.2018)