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mißtönige Accorde, setzte sich dann und begann zu spielen.

Es war kein neues Klavier, über dessen Tasten sie ihre blassen Finger gleiten ließ, sondern ein bereits überspielter Bechstein, den die Gräfin Zell für den Sommer von einer bekannten Klavierniederlage gemietet hatte, aber es war doch ein Bechstein und hatte die singende, verklingende Weichheit und Süßigkeit des Tons, welcher allen Bechsteins eigen ist. Der Anschlag Ginas war übrigens zauberisch. Sie spielte erst ein paar Präludien, dann ein Notturno von Chopin. Es klang wie das Schaudern und Beben des jungen Laubes, das der Frühlingswind streichelt, es klang wie das Lachen der Nixen, die sich an einem Unglück freuen.

Swoyschin hörte auf, die Fragen der Gräfin Ronitz zu beantworten. Von der Musik wie von einem Zauber angezogen, erhob er sich und näherte sich dem Flügel. Gina hielt ein wenig inne in ihrem Spiel, als er ihr gegenüber; die eine Hand auf dem Klavierdeckel, stehen blieb, und ihn aus ihren eigentümlichen Augen voll ansehend, fragte sie: „Haben Sie es für eine Pose gehalten oder für eine Verrücktheit, als Sie mich heute lesend auf dem Kirchhof fanden?“

Er zögerte einen Moment, bis er mit einem langsamen Lächeln, dem Lächeln, mit der er allen

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Ossip Schubin: Vollmondzauber. Stuttgart: J. Engelhorn, 1899, Band 1, Seite 123. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Vollmondzauber.djvu/124&oldid=- (Version vom 1.8.2018)