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in den Dörfern, und wenn die verklungen waren, hörte man Musik, die Musik, mit der die Menschen dem kommenden Mai entgegenjauchzten.

Jetzt bog der Wagen in den Waldweg ein. Das Gras in den flachen Straßengräben und an den breiten Waldrändern war weiß von Erdbeerblüten, die Fichten hatten grüne Kerzchen aufgesteckt, die Blätter auf den Laubbäumen waren noch wenig entwickelt. Jeder Baum hatte eine andre Farbe, und jeder hatte einen andern Duft. Der rötliche Abglanz der tiefstehenden Sonne schimmerte über der Straße, über dem Moos im Wald, und lange Schattenstreifen streckten sich dazwischen hin.

Zu Ende der langen, geraden Straßenperspektive, zwischen den grünen Waldcoulissen erblickte Zdenko die zwei Türme der wunderthätigen Marienkirche von Breznitz.

Die Schatten wurden blaß, – die Sonne war untergegangen.

Der Wald lag hinter ihm. Wieder blühende Obstbäume, Felder – der ganze Himmel eine blaßblaue Kuppel mit grünlichen, sich ins Topasfarbene verlaufenden Schattierungen am Horizont.

Durch die Luft zog etwas Feuchtes, wundersam Kühlendes – der Tau, der unsichtbar auf die Erde niedersank, und der Duft des Taus, dieser unbeschreiblichste, berauschendste aller Düfte. Es war, als sei

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Ossip Schubin: Vollmondzauber. Stuttgart: J. Engelhorn, 1899, Band 1, Seite 86. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Vollmondzauber.djvu/087&oldid=- (Version vom 1.8.2018)