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rasch hinaus; und mehr und mehr versank hinter ihm das stille Gehöft, und vor ihm auf stieg die große weite Welt.



Der Alte.


Der Mond schien nicht mehr in die Fensterscheiben, es war dunkel geworden; der Alte aber saß noch immer mit gefalteten Händen in seinem Lehnstuhl und blickte vor sich hin in den Raum des Zimmers. Allmählig verzog sich vor seinen Augen die schwarze Dämmerung um ihn her zu einem breiten dunklen See; ein schwarzes Gewässer legte sich hinter das andere, immer tiefer und ferner, und auf dem letzten, so fern, daß die Augen des Alten sie kaum erreichten, schwamm einsam zwischen breiten Blättern eine weiße Wasserlilie.

Die Stubenthür ging auf und ein heller Lichtschimmer fiel ins Zimmer. Es ist gut, daß Sie kommen, Brigitte, sagte der Alte. Stellen Sie das Licht nur auf den Tisch.

Dann rückte er auch den Stuhl zum Tische, nahm eins der aufgeschlagenen Bücher, und vertiefte sich in Studien, an denen er einst die Kraft seiner Jugend geübt hatte.

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Theodor Storm: Sommergeschichten und Lieder. Duncker, Berlin 1851, Seite 95. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Theodor_Storm_Sommergeschichten_und_Lieder.djvu/103&oldid=- (Version vom 1.8.2018)