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Wovon bist du schwarz geworden,
     breites Feld? Vom Blute
ward ich für die freie Freiheit
     also schwarz. – Vier gute
Meilen rings um Berestetschko[1]
     mich mit Leichen haben
überdeckt die Saporoger,
     reich an Ruhm. – Auch Raben
deckten mich, geschwärmt von Norden
     her. Kosakenaugen
schlürfen sie, die besser ihnen
     als die Leichen taugen.
Schwarz ich ward für eure Freiheit,
     werde wieder grünen, –
ihr doch werdet euch zur Freiheit
     nimmermehr erkühnen.
Werdet ackern mich und ruhig
     meinen Boden pflügen
und in euer herbes Schicksal
     fluchend nur euch fügen.[2]

In dem Gedichte „Die Pest“ (Tschuma) gedenkt er am Aralsee des schönen Frühlings am Dnipró. „Frühling; die Gärtchen blühn; wie mit Leinwand bedeckt leuchten sie, vom göttlichen Tau gewaschen. Die Erde prangt in ihrer Blütenpracht, prangt mit dunkeln Gärten, mit bunten Wiesen; die Leute im Dorfe dagegen, gleich verschüchterten Lämmern, haben sich in die Hütten verkrochen und sterben hin. Auf den Straßen brüllen die hungrigen Ochsen. Die Pferde weiden im Garten. Es kommt niemand daher, sie in den Stall zu führen … zu füttern; es ist, als schliefen alle. Seit langem wird kein Glockenklang vernommen; die Schornsteine trauern düster – ohne Rauch. – Und der schwarzen Grabhügel werden immer mehr hinter den Gärten. Tage vergehn, Wochen, – nur Nesseln wachsen im Dorfe; wie eine Oase grünt es auf weitem Feld. – Doch niemand sucht es auf. Nur der Wind haust hier und verstreut die gelben Blätter auf das goldne Feld …“


  1. In Wolhynien, wo Chmelnytzkyj 1651 eine Niederlage erlitt.
  2. Übersetzt von J. G. Obrist; auch von J. Virginia.