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VIII.
Der Frauendichter.

Das Bild, das ich von Schewtschenkos literarischer Persönlichkeit geben wollte, wäre nur unvollständig,[1] sollte ich seine erotische Dichtung nicht berücksichtigen. Ja, der echte Kobsar ist vielleicht an den Frauenliedern ebenso leicht erkennbar wie an den kosakischen „Dumen“. Ich möchte sogar behaupten, die künstlerische Stärke Schewtschenkos liegt weit mehr in der konzentrierten Idylle als in der eigentlichen Epik, Seine Dichtung ist mehr weiblich – im besten Sinne des Wortes – als männlich.

Schewtschenkos persönliche Erfahrungen in der Liebe widerspiegeln sich in seiner Dichtung deutlich. Eine wahre, ungetrübte Liebe kannte er fast gar nicht; für seine persönlichen Erlebnisse auf diesem Gebiete gibt es beinahe keinen Platz in seinen Liedern. Das Bild der Oksana, der kleinen Hirtin, folgte allerdings dem Dichter durch das ganze Leben, ist aber eher ein Produkt der idealisierenden Phantasie als die konkrete Erinnerung eines genossenen Liebesglückes. Ja das einzige Mädchen, für welches Schewtschenko „geschwärmt“ hat und mit dem er offiziell verlobt war, war das ukrainische Dienstmädchen Lukerija und sie – die Unwürdige – sie allein hat er im Gesang verewigt. Das geschah im August 1860, als er ihr in Strjelna ein kleines Gedicht widmete, in welchem er in sehr resigniertem Ton der Hoffnung Ausdruck gibt, sie möge ihm dazu verhelfen, die schwere Last des Lebens zu tragen und ihn aus der


  1. Er versuchte sich auch als Dramatiker mit dem volkstümlichen Schauspiel „Nasar Stodolja“.