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Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 1.pdf/25

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lassen erkennen, daß diese schon früh zur Aufbewahrung nicht nur von wichtigen Urkunden, sondern auch als Schatzkammer verwendet wurde.

Auch läßt sich ein anderes Zeugnis dafür anführen, daß dieses Gewölbe tatsächlich schon im 17. Jhdt. als Schatzkammer diente. Der Augsburger Patrizier Philipp Hainhofer, 1578–1647, ein vielseitiger Gelehrter und Sammler im Sinne seiner Zeit, der selbst eine berühmte Kunstkammer besaß, hielt sich zweimal auf seinen Reisen in Dresden auf und hat über seine Beobachtungen eingehende Berichte hinterlassen. Im Jahr 1617 auf seiner Reise nach Stettin zur Ablieferung des berühmten “Pommerschen Kunstschrankes“, einer Kunstkammer im Kleinen (heute im Schloßmuseum zu Berlin), an Herzog Philipp II. von Pommern, und dann im Jahr 1629 kam er nach Dresden, diesmal um als Mitglied einer Gesandtschaft aus Augsburg den Kurfürsten Johann Georg I. von Sachsen um Vermittlung beim Kaiser zu bitten zur Wahrung freier Religionsübung der Evangelischen in Augsburg. Seine Aufzeichnungen, als die eines typischen Vertreters des damaligen Kunstgeschmacks, insbesondere über die Kunstkammer, sind in vielfacher Hinsicht auch für die Geschichte der Dresdner Sammlungen von Wert und Bedeutung. So erhalten wir auch durch ihn allein einige Kenntnis über den Inhalt der Schatzkammer, denn nur diese kann gemeint sein. Bei einem Besuch der Münze in Dresden erwähnt er 1629, der Kurfürst präge wie seine löblichen Vorfahren „gut Geld und schön braite große neue taler“ und er fährt fort: „Vnd werden vil tausent in das schöne schätz gewelb deponiert, in welchem auch, neben dem silbernen die gantz guldine, vnd die auß edlen stainen vnd Cristallen gemachte geschürre verwahret, vnd etliche million goldes hier innen verborgen werden“. Da Hainhofer an anderer Stelle den Besuch der Silberkammer mit kurzen Worten erwähnt, so ist daraus zu entnehmen, daß nicht diese als „das Schatz-Gewelb“ gemeint ist, sondern die „geheime Verwahrung“, die also damals schon zur Aufbewahrung der kostbarsten Werke der Goldschmiedekunst und der durch ihren materiellen Wert teuersten Stücke verwendet wurde, nicht so sehr zur Schau, als zur größeren Sicherheit ihrer Erhaltung.

Zur gleichen Zeit bestand schon das Bedürfnis, solche kostbaren Gegenstände auch zur Ausschmückung von Prunkräumen zu verwenden. Ein solches Gebäude mit Prunkräumen war da, wo heute das Belvedere steht, in dem Lusthaus auf der Bastei an der Elbe, das 1747 durch eine Pulverexplosion vernichtet wurde, im Jahr 1629, gerade als Hainhofer in Dresden weilte,