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hielten sie vor die Augen und warfen sie wütend fort. „Auf jeder Traumblase ist sein Bild!“ schrieen sie. „Nun sollen wir ihn selber träumen!“ Da flog mir ein Splitter ins Auge, das war, als ginge ein neues Licht rings um mich auf, und ich sah zu meinem Entsetzen, daß all die Seifenblasen im ganzen Raum mein eigenes Bildnis trugen, überall sah ich nur mich selbst; ich blies nicht mehr, aber immer aufs neue quollen die Blasen mit meinem Ebenbild hervor, sie häuften sich um mich und drohten mich zu ersticken; nur dumpf noch grollten in der Ferne die zornigen Stimmen und vergebens griff ich mit den Armen umher, um mich an einen Menschen zu klammern außer mir — — so wachte ich auf, in Angstschweiß gebadet. Und da schwor ich mir, ferner nicht mehr — nun, kurz und gut, die Traumpolitik ist mir verleidet.“

Erregt durch die Erinnerung schritt er im Zimmer auf und ab.

„Du hattest,“ sagte Forbach leise zu seiner Braut, „Dein Traumkissen —“

Amalie nickte mit dem Kopf.

„Verrate mich nicht,“ bat sie.

„Nein,“ sagte Dormio; „aber Du siehst die Folgen der künstlichen Traumbeglückung. Wir können nur allgemeine Züge vorzeichnen, über den Erfolg entscheidet stets die Individualität. Denn das Traumbild ersteht aus dem Vorrat der im Bewußtsein angesammelten Vorstellungen nach Maßgabe der gewohnten Associationen. Dadurch sondert sich das Ich vom Ich, und die unendliche

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Kurd Laßwitz: Seifenblasen. Leopold Voß, Hamburg und Leipzig 1890, Seite 157. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Seifenblasen-Kurd_La%C3%9Fwitz-1890.djvu/157&oldid=- (Version vom 20.8.2021)