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fertig sein“, sagt Isolan von ihm. Er wird uns aber nicht nur als heldenkühn geschildert, die erste That, die man uns von ihm berichtet, ist auch eine That der Liebe und Aufopferung, er befreit seinen Vater aus den Reihen der Feinde. Schon im „Lager“ war uns die Anhänglichkeit der tapfern Reiter an ihn gezeigt worden, die sich ihn selbst zum Führer erwählt, dann der Ruf, in dem er auch bei den übrigen Regimentern steht, dass sie ihn alle erwählen, um ihre Petition zu übergeben. Sie errathen, dass des Lagers wahrem Sohn alles das in dem eigenen Innern widerklingen muss, was von echtem Kriegergeist in jedes einzelnen Soldaten Brust schlägt; er ist der schönste Typus jenes echt nationalen Soldatenthums, dessen Schilderung im „Wallenstein“ seine höchste poetische Weihe erhält. Dass uns der Dichter zeigt, wie so viel tausend Heldenherzen den feurigen Jüngling als ihren Vertreter sich heraussuchen, ist gewiss ein vollkommen richtiger Zug zum Bilde desselben; stellt er ihn dadurch schon auf eine hohe Stufe, so wird er in unsern Augen noch mehr erhöht, wenn wir sehen, wie auch Wallenstein die gerade Heldennatur in ihm ehrt und liebt, die Geistesverwandtschaft in ihm herausfühlt, von dem Strom seiner reinen jugendlichen Empfindung bezaubert wird, der bei jeder Gelegenheit voll und krystallhell hervorbricht. Sagt er doch von ihm:

Denn er stand neben mir, wie meine Jugend,
Er machte mir das Wirkliche zum Traum,
Um die gemeine Deutlichkeit der Dinge
Den goldnen Duft der Morgenröthe webend –
Im Feuer seines liebenden Gefühls
Erhoben sich, mir selber zum Erstaunen,
Des Lebens flach alltägliche Gestalten.

Mit vollendeter Meisterschaft lässt uns der Dichter alle diese Eigenschaften gleich im ersten Auftreten ihn selber am hellsten offenbaren und uns zugleich zeigen, wie er sich mit aller Schwärmerei einer jugendlichen Seele an Wallenstein angeschlossen hat, als er ihn vor Questenberg Zug vor Zug richtig malt, wie es nur ein geistreicher Mensch, eine verwandte Natur kann und doch das ganze Bild idealisirt, weil er nur das sieht, was in ihm selbst ein Echo findet.

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Friedrich Pecht: Schiller-Galerie. F. A. Brockhaus, Leipzig 1859, Seite 170. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Schiller-Galerie.pdf/195&oldid=- (Version vom 1.8.2018)