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Ein anderer persischer Dichter spricht ganz im Tone des Petrarka: [1] „Traurig und niedergeworfen fliehe ich zu unbewohnten Plätzen. Ohne dich wird mir die Stadt beschwerlich. Ich suche die Einsamkeit der Wildniß. Seit ich deinen treuen Busen verlassen habe, sind mir alle angenehmen Empfindungen fremd geworden. Umgeben von hundert Freunden fühle ich mich allein, und in der trockensten Einöde nicht einsam. Wo ich gehe, steht mir dein geliebtes Bild zur Seite: ich suche dich an allen Orten. Gefesselt von Liebe ist es mir Elenden gleichgültig, auf Rosen und seidenen Teppichen zu wandeln; sie würden zum dornigen, felsichten Pfade für mich werden, wenn mich der Weg nicht zu dir führte. Ich sagte zu meinem Geiste: verlaß mich! ich will kein längeres Daseyn ohne diejenige, die ich liebe! Er antwortete: Sey ruhig, o Jami! Dein Leben ist am Vorabend seiner Abreise!“

Zuletzt habe ich noch vom Haphyz oder Hafiz zu reden, dem Anakreon der Perser, der um das Jahr 1394 gestorben ist. [2]

Dieser Dichter hat die Liebe weniger ernsthaft als die bisher angeführten betrieben. Seine Ghazelen oder Oden sind von munterer Natur. Er schließt aus der


  1. Persian Miscellanies by William Ousely. Das angezogene Gedicht habe ich im Critical Review. March 1796. gefunden.
  2. Ich habe folgende beyden Uebersetzungen dieses Dichters zu Rathe gezogen: Reviczky specimen Poeseos Persicae, sive Muhammedis Schems – eddini, notioris agnomine Haphyzi Ghazelae, sive Odae sexdecim ex initio Divani depromptae. Vindobonae 1771. und Select Odes from the Persian Poet Hafez, by John Nott. London 1787.