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Eine völlig von der Geschichte bewährte Nachricht ist die von der Cour amoureuse, die unter Carl dem Sechsten in Paris gehalten wurde. [1] Sie ist offenbar eine Nachahmung der vorigen Cours d’amours, und von diesem gewiß dem Wesen nach nicht verschieden gewesen: eine gesellschaftliche Einrichtung zur Unterhaltung und Belustigung eines müßigen Hofes! Sie trägt alle Charaktere einer lächerlichen Förmlichkeit, und eines steifen Hofceremoniels an sich, welche alle Belustigungen der damahligen Zeit auszeichneten. [2] Im funfzehnten Jahrhunderte schrieb Martial d’Auvergne, (er starb erst 1508) arrêts d’amour, et l’amant Cordelier à l’observance d’amour. Diese arrêts sollen aus den Werken der Troubadours ausgezogen seyn. Aber diese Meinung würde geradezu beweisen, daß es poetische Fiktionen sind. Denn es ist ausgemacht, und sowohl Millot als Papon [3] kommen darin völlig überein, daß die Troubadours keine Sittengerichte der Liebe anerkannt haben. Allein es ist auch ganz klar, daß sie von neuerer Erfindung, und wahrscheinlich das Machwerk eines müßigen und galanten Prokurators sind.


  1. Villaret hist. de France. T. XII, p. 97. Memoires de l’académie des inscriptions T. VII. p. 287. Melanges tirés d’une grande Bibliotheque. T. IV. p. 244.
  2. Beym Rolland Recherches S. 163 findet man nähere Nachrichten. Er behauptet aber ohne Grund, daß diese Cour amoureuse ihrer Einrichtung nach von den älteren Cours d’amours verschieden gewesen sey, weil jene den Charakter des Ernstes an sich getragen hätten. Dieser Ernst läßt sich nicht erweisen, und wird willkührlich vorausgesetzt.
  3. Hist. de Provence. T. II. Livre 3. p. 216–219.