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Achtes Buch.
Critik der Seelenliebe und ihres Anspruchs auf Adel und Schönheit.


Erstes Kapitel.
Einleitung.

Wer kennt sie nicht, die beyden Sekten, unter den Anbetern der Göttin, der dieß Buch gewidmet ist! Die eine nennt edle und schöne Liebe Verfeinerung und Erhöhung des körperlichen Genusses durch seine Verbindung mit Freuden, an denen die Seele Antheil nehmen kann. Die andere, rein geistiges Vergnügen ohne Mitwirkung körperlicher Triebe. Beyde geben den Verhältnissen, die auf diesen Ideen beruhen, die Nahmen der Seelenliebe.

„Wenn wir, – sagen die ersten, – der Befriedigung des unnennbaren Triebes oft willkührlich Schwierigkeiten entgegen setzen; – wenn wir gern Vorurtheile von Schamhaftigkeit, Ehre, Pflicht überwinden mögen, um unsern Sieg für die Eitelkeit kostbarer zu machen; – wenn wir Freuden des geselligen Umgangs körperlichen Freuden anreihen; – Ach! so ist das alles