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werden, ohne daß ihre Geschlechtssympathie dabey mit ins Spiel komme. Wenn aber die Vorstellungen von der Art sind, daß sie den Mann in dem Charakter geschmeidiger Stärke liebenswürdig und glücklich in seinen Verhältnissen als Liebhaber und Hausvater darstellen; dann wirken diese üppig auf ihre Seele, und die Geschlechtssympathie erwacht.

Hieraus folgt, daß nicht jede liebende Aufwallung gegen eine Person von verschiedenem Geschlechte zur Geschlechtsliebe gehöre. Denn da diese sich von der Liebe überhaupt durch die Mitwirkung der Geschlechtssympathie, sie gehöre dem Körper oder der Seele, unterscheidet; so ist es ganz klar, daß der liebende Affekt, den eine Person von verschiedenem Geschlechte einflößt, wobey aber jene nicht mitwirkt, keine Geschlechtsliebe seyn könne.


Viertes Kapitel.
Die zärtliche Anhänglichkeit und die liebende Leidenschaft gegen Personen von verschiedenem Geschlechte, lassen sich ohne Mitwirkung der Geschlechtssympathie, so wohl des Körpers als der Seele, nicht denken.

Die einzelne liebende Aufwallung gegen eine Person von verschiedenem Geschlechte kann folglich zuweilen frey von aller Mitwirkung der Geschlechtssympathie des Körpers und der Seele angenommen werden: ist folglich nicht immer Geschlechtsliebe. Aber die zärtliche Anhänglichkeit, oder die liebende Leidenschaft gegen diese Personen ist allemahl Geschlechtsliebe; denn allgemein und dreist darf man behaupten, daß da, wo unsere liebende Zuneigung zu einer bestimmten Person von verschiedenen Geschlechtsanlagen zur angewöhnten Stimmung