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Der heilige Reinold in Köln.

Herr Heymon hatte geschworen, alle Kinder, die er von seiner Gemahlin Aya bekommen würde, umzubringen. Darum verheimlichte sie ihm die Geburt der vier Heymonskinder, bis er ernstlich beklagte, daß er kinderlos sei. Da ließ sie ihn einen Eid thun, daß er der vier Heymonskinder schonen wolle und führte ihn in einen Saal, wo sie bei einander waren wie vier schöne Blumen.

Als Heymon vor das Gemach der Knaben oder Jünglinge kam, blieb er ein wenig an der Thür stehen und hörte wie sein Sohn Reinold sprach: „Ich sage dem Hofmeister keinen Dank, der uns allhier zu essen und zu trinken bringt; denn alle Gerichte, die er uns schafft, sind als Brosamen auf eines andern Herrn Tische übrig geblieben; dazu giebt er uns schlechten Wein; hätte ich den Speisemeister dahier, ihn wollt ich so zurichten, daß er vor meinen Füßen liegen bleiben sollte.“

Heymon sprach voll Freuden: „Das ist gewiß mein Sohn! Aber von den andern weiß ich’s noch nicht. Will sie einmal versuchen.“ Deshalb stieß Heymon mit dem Fuße an die Thür, daß sie zersprang. Da sprach Reinold: „Was lärmst Du denn hier so, Du alter Graukopf? Wärst Du eher gekommen, so hättest Du mit uns essen sollen so gut wir’s selbst nur hatten. Nun haben wir nichts mehr; sei ruhig!“ Damit warf er ihn zu

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Heinrich Pröhle: Rheinlands schönste Sagen und Geschichten. Tonger & Greven, Berlin 1886, Seite 205. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Proehle_Rheinlands_Sagen_und_Geschichten.djvu/217&oldid=- (Version vom 1.8.2018)