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Seite:Proehle Maerchen fuer die Jugend.pdf/91

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schneidet mir ritsch, ratsch die Nase ab, denn er war früher aufgewacht und hatte sich schon den Morgentrunk gewünscht, wie ich noch schlief.“ Da stach die Fliege den Jüngling, er aber nahm die Wurzel in den Mund und hörte wie sie sagte: „Das wäre eine Stelle für Dich, denn ich würde Dir schon sagen, was der Herr für Gedanken hat.“ Da sprach der Jüngling zu dem Bedienten: „Guter Freund, sag’ mir doch, wo Dein Herr wohnt, mich gelüstet nach dieser Stelle.“ Kopfschüttelnd gab der ihm Bescheid und der Jüngling wurde von dem strengen Herrn als Diener angenommen.

Nachdem sie mit einander eins geworden waren, sprach die Fliege zu dem Jüngling: „Jetzt bohre in alle Thüren, so viele ihrer im Hause sind, Löcher, damit ich jeder Zeit ungehindert aus einem Zimmer in’s andere kommen kann. Unterdeß will ich mit Deinem Herrn fliegen, denn er will ausgehen.“ Kaum waren die Löcher gebohrt, da kam die Fliege auch schon wieder und sprach: „Wie Dein Herr so dahin spazierte, wünschte er sich, daß seine Pantoffeln vor dem Stuhl bereit lägen und eine Flasche Wein auf dem Tische stände, wenn er nach Haus käme.“ Sogleich stellte der Jüngling Alles bereit, wie sein Herr es wünschte und der war nachher sehr zufrieden. Am andern Morgen lag der Jüngling noch und schlief, da kam die Fliege durch das Loch in seiner Kammerthür, er nahm geschwind seine Wurzel in den Mund und hörte wie sie sagte: „Stehe schnell auf, Dein Herr ist schon wach, wünscht den Schimmel gesattelt zu haben und will, daß Du ihm die Stulpenstiefel und die beste Hose bringst.“ Sogleich erfüllte er seines Herrn Wünsche, und so ging es fünf Jahre lang fort.

Empfohlene Zitierweise:
Heinrich Pröhle: Märchen für die Jugend. Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, Halle 1854, Seite 75. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Proehle_Maerchen_fuer_die_Jugend.pdf/91&oldid=- (Version vom 1.8.2018)