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Seite:Proehle Maerchen fuer die Jugend.pdf/57

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er das Mädchen sah, meinte er, es wäre etwan ein Reh, legte an und wollte darauf schießen. Aber die Büchse versagte ihm und das Thierlein kam auf allen Vieren gesprungen, schnupperte an seiner Hand und that so freundlich mit ihm. Da warf er ihm eine Schlinge um den Hals und führte es mit sich nach Haus, da warf er ihm Heu vor und tränkte es aus einer Krippe. Der Jäger meinte aber, daß das Rauhthier von dem Heu fräße und freute sich, wenn er’s auf der Weide vor seinem Hause erblickte, wo so hohes Gras und so schöne Blumen waren. Und das Mädchen war immer als ein Thier, wenn der Jäger zu Haus war; wenn er aber fortgegangen war, half es seiner Mutter in der Wirthschaft, wusch aus und fegte das ganze Haus so freudig und munter, denn es liebte den jungen Jäger und schaffte gern für ihn.

Einstmals ging der Jägersmann zur Hochzeit und als er fort war, was meint ihr wohl, daß das Rauhthier that? Es warf sein Büffelochsenfell ab und lief in dem silbernen Kleid so schnell als ein Vogel fliegt durch Dornen und Gestrüpp nach der Hochzeit. Da tanzte der Jägersmann den ganzen Abend mit ihr, plötzlich aber war die schöne Tänzerin verschwunden. Als er nach Haus kam, wartete ihm das Rauhthier, wie es zu thun pflegte, in seinem Büffelochsenfell schon wieder auf und schlief dann die Nacht unter seinem Bett.

Den andern Abend ging der Jäger noch einmal zur Hochzeit, denn sie dauerte zwei Tage lang. Da kam das Rauhthierchen in seinem goldnen Kleid und der Jäger tanzte wieder den ganzen Abend mit ihr und dann lief’s wieder durch Dornen und Gestrüpp auf dem nächsten

Empfohlene Zitierweise:
Heinrich Pröhle: Märchen für die Jugend. Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, Halle 1854, Seite 41. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Proehle_Maerchen_fuer_die_Jugend.pdf/57&oldid=- (Version vom 1.8.2018)