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Seite:Proehle Maerchen fuer die Jugend.pdf/19

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älteste Bruder ihn auch von den Thieren befreien. Nachdem dies aber geschehen war, sprach er zu ihm: „Es ist nicht anders, Undank ist der Welt Lohn, Dein Erbtheil aber ist mir jetzt verfallen, ich gebe Dir keinen Aufschub mehr.“ Da rief der jüngste noch einmal: „Nein, Bruder, Dank ist der Welt Lohn, gewiß, es muß sich bald zeigen, schenke mir nur noch eine kurze Frist.“ Allein der ältere Bruder hatte kein Erbarmen mehr, er stach dem jüngeren die Augen aus, und beraubte ihn seines Erbtheils an Gelde, zog ihn aus bis aufs Hemd und ging fort.

Es ist aber dies bei einem Galgen geschehen und da hat sich der jüngere Bruder auf ein paar Holzkloben gesetzt, die da von den Waldarbeitern aufgeschichtet gewesen sind. Dort ist die Nacht über ihn hereingebrochen und weil er die wilden Thiere fürchtete, stieg er in der Angst auf den nächsten Baum. Er hatte noch nicht lange gesessen, als ein Bär, ein Löwe und ein Fuchs unter den Baum kamen und sich mit einander unterhielten. Der Bär fing nämlich an: „Ich weiß ein Geheimniß.“ „Was weißt Du denn?“ fragte der Löwe. Der Bär antwortete. „Morgen früh fällt ein Thau, von dem die Blinden sehend werden, wenn sie sich die Augen dreimal damit bestreichen.“ Da sprach der Löwe: „Ich weiß auch ein Geheimniß. In der und der Stadt liegt ein Reicher krank durch die Schuld seiner Frau; hinter der Kommode liegt eine Brodrinde, davon muß eine Suppe gekocht werden und die Suppe muß der Reiche in drei Malen essen, dann wird er gesund.“ Danach fragte der Löwe den Fuchs: „Nun, Reineke, weiß Er denn nichts?“ „Freilich,“ antwortete der Fuchs. „Auf

Empfohlene Zitierweise:
Heinrich Pröhle: Märchen für die Jugend. Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, Halle 1854, Seite 3. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Proehle_Maerchen_fuer_die_Jugend.pdf/19&oldid=- (Version vom 1.8.2018)