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Seite:Proehle Maerchen fuer die Jugend.pdf/127

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hier dursten.“ Weiterhin stand Jemand, der maß Korn auf und mußte immerfort abstreichen, und wie viel er auch abstrich, sogleich wuchs das liebe Korn wieder über den Scheffel heraus und war ein unermeßlicher Segen und immer wie ein hoher Berg über dem Rande des Scheffels. Da sagte der Teufel zu dem Schwiegersohne des Königs: „Der hat die Armen beim Kornhandel betrogen und nun ist es seine Strafe, daß er immerfort abstreichen muß, bis er einmal ganz genau gemessen hat. Der liebe Kornsegen wächst ihm aber immer wieder darüber, zum Zeichen, daß Gott gar mildthätig und den Wucherern feind ist.“

Als sie Solches mit einander angeschaut hatten, wollte sich aber der Schlosser seine lange Pfeife anstecken, stopfte sie mit Taback und zündete sie am Höllenfeuer an. Da fragte der Teufel, was er da machte? und des Königs Schwiegersohn antwortete, daß das Rauchen unten auf der Erde Sitte sei. Da wollte der Teufel auch rauchen und der andere sprach: „Je nun, hier hab’ ich noch eine kurze Pfeife eingesteckt, diese Art von Pfeifen ist nicht so vornehm als die langen, aber für Dich, Gesell, wird sie wohl gut genug sein.“ Damit zog er die Pistole aus der Tasche, steckte sie dem Teufel wie eine Pfeife in den Hals und schoß sie ab.

„Bu! Bu!“ schrie der Teufel, „Dich sammt deinen Pfeifen können wir hier nicht brauchen!“ Damit bat er ihn abzuziehn und brachte ihn noch auf den Weg. Von dieser Zeit lebte der Schlossergesell mit seiner Familie glücklich und ungestört und von seinem Schwiegervater hat er das Königreich geerbt.

Empfohlene Zitierweise:
Heinrich Pröhle: Märchen für die Jugend. Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, Halle 1854, Seite 111. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Proehle_Maerchen_fuer_die_Jugend.pdf/127&oldid=- (Version vom 1.8.2018)