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ihre Leichtigkeit begeistert. Er achtet es in mir, dass ich meine Schwerfälligkeit verachte und ihre Leichtfüssigkeit anbete! Insofern bin ich bereits für ihn die, die ich nicht bin! Wenn ich sie hassen würde, würde er stutzig werden, bedenklich. Aber ich liebe sie um ihrer Leichtfüssigkeit willen. Ich begreife es nicht, dass er nicht zu ihr geht. Er hat zuviel Mitleid mit meiner elenden Schwerfälligkeit. Mein Bewusstsein, dass ich schwerfällig bin, ist meine Leichtfüssigkeit. Er achtet in mir das schreckliche Bewusstsein meiner Unzulänglichkeiten.

Und dennoch wird er eines Tages trotzdem zu ihr gehen, zu der schwebenden Tänzerin, der leichtfüssigen fast-Fliegerin.

Da vergrabe ich dann meinen Kopf unter der Decke, und bleibe so 2 mal 24 Stunden in Angst und Bangen – – –.“


* * *


Ein Dichter ist ein Mensch, der in der Selbst-Hypnose seiner Seele dahinlebt.

Falls man ihn rüttelt, auferweckt, sieht er die Dinge wie die anderen, die Vorgänge des Tages und der Stunde. Aber lasst ihn! Dass er im lichten Traume verkünde, was da kommen wird!


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Richard Wagner hat die in die Welt verteilte, verstreute „göttliche Seele“ eingefangen und in Musik umgesetzt. Daher findet ein jeder, der eine Seele

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Peter Altenberg: Pròdromos. Berlin 1906, Seite 96. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Prodromos_(Altenberg).djvu/096&oldid=- (Version vom 1.8.2018)