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vor Richards Bette. Er schlief noch; sie kniete nieder und küßte seine Hand, die über den Rand des Bettes herabhing; und als er die Augen ausschlug, sagte sie: „Du mußt aufstehen, Richard; der Wagen wird bald da sein!“

„Franzi!“' rief er, die Augen zu ihr aufschlagend, und nach einer Weile, da der Nebel des Schlafs von seiner Stirn gewichen war, setzte er hinzu: „Hast du den Eulenschrei gehört heut’ Nacht? Auf der Uhr drinnen rief es just zu Eins.“

Sie zuckte leise in den Schultern. „Das hören wir ja jede Nacht,“ sagte sie.

„Nein, Franzi; es war nicht der Waldkauz, den wir hier herum haben; es klang ganz anders, seltsam! Ich zweifelte zuerst, ob’s auch nur einer seiner Vettern sei; drunten vom Flur herauf hörte ich, wie Leo sich aufrichtete, und einige Male hin und wieder ging.“

„Ich hab’ es nicht bemerkt,“ sagte sie leise.

„Dann hast du fest geschlafen, Franzi; denn das Thier muß in einem der nächsten Bäume hier gesessen haben.“

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Theodor Storm: Waldwinkel. Braunschweig: Geoge Westermann, 1875, Seite 98. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Pole_Poppensp%C3%A4ler.djvu/98&oldid=- (Version vom 1.8.2018)