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jeder, über den Gott die Liebe zu ihm als Gut ausgegossen hat, zu ihm beten, daß er als Hausbewohner den Weltenherrscher bekomme, der dieses winzige Gebäude, den Geist, von der Erde zur Höhe emporheben und an die Enden des Himmels knüpfen wird. – 65 Und das Bibelwort scheint (mit dieser Deutung) in gutem Einklang zu stehen; denn Sem ist gleichsam wie eine Wurzel sittlicher Vortrefflichkeit in die Erde gelegt; der Edelfrucht tragende Baum, der aus ihr aufschießt, ist der weise Abraham; dessen Frucht war Isaak, die selbst hörende und selbst lernende[1] Art; von ihm werden wieder die durch Mühen (vervollkommneten) Tugenden gesäet, um welche der im Ringen gegen die Leidenschaften geübte Jakob kämpft, welcher zu Lehrmeistern die Engel, die Vernunftkräfte, hat. 66 Dieser ist der Stammvater der zwölf Stämme, welche die hl. Schrift „Königsresidenz[2] und Priestertum Gottes“ (2 Mos. 19, 6) entsprechend diesem Zusammenhänge mit ihrem Ahnherrn Sem[3] nennt, in dessen Häusern, – so stand es im Segen, – Gott Wohnung nehmen sollte; die „Königsresidenz“ ist ja doch wohl das Haus des Königs, das wirklich heilig[4] und allein unverletzlich[5] ist. 67 Vielleicht aber läßt sich der Inhalt des Segenswunsches auch auf Japhet beziehen,[6] daß er nämlich in den Häusern Sems seinen Aufenthalt nehmen soll; wer nämlich körperliche und äußerliche Vorteile für Güter hält,[7] für den ist der Wunsch gut angebracht, er möge im Laufschritt zum Seelischen allein zurückkehren und nicht in alle Ewigkeit die wahre Meinung verfehlen, indem er Gesundheit oder ein großes Vermögen und allerlei ähnliche Dinge, die man ja mit den Verfluchtesten und Schlechtesten gemeinsam hat,

  1. Er wurde nicht von anderen unterwiesen; vielleicht gäbe selbstbelehrt den Sinn genauer wieder.
  2. Nach LXX statt ממלכתKönigreich.
  3. Die Lesart aller Hss. ἀκολουθίαν läßt sich rechtfertigen und macht deshalb Wendlands Änderung εὐλογίαν, die er in den Text setzte, überflüssig.
  4. Durch das Wort ἱερός nimmt Philo Bezug auf ἱεράτευμα im Bibelverse.
  5. Mit dem Begriff des Gotteshauses verbindet sich für Philo so eng das Asylrecht (das im hellenistischen Ägypten auch viele Synagogen besaßen), daß es geradezu zum Merkmal des wahren ἱερόν wird.
  6. Die im § 62 aufgeworfene Frage, wer in den Häusern Sems Wohnung nehmen solle, wurde bis jetzt dahin beantwortet, Gott erkiese sich die vollkommen geläuterte Seele zur Wohnstatt. Nun wird der Versuch von Philo unternommen, Japhet als Subjekt jenes subjektlosen Satzes der Bibel aufzufassen; vgl. § 59 unserer Schrift.
  7. So ist nämlich Japhet § 60 und § 61 gekennzeichnet worden.