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vgl. hierzu, vor allem für die Chronologie, S. 191). Da Philippos jedoch schon 34 n. Chr. starb (Joseph. ant. Iud. XVIII 106), die Ehe kinderlos blieb und das Reich des Philippos nach seinem Tode von Rom eingezogen wurde, so hat H. mit dieser Ehe keine für ihre Familie dauernden Erfolge erzielt.

Sie mußte dann die Niederlage ihres Gemahls im Araberkriege miterleben, an der sie die eigentliche Schuldige war, und mußte es schließlich mit ansehen, daß ihr liederlicher Bruder Agrippa I., dem sie einst in der höchsten Not eine Beamtenstellung in ihrer Hauptstadt Tiberias verschafft hatte (Joseph. ant. Iud. XVIII 119), infolge der Gunst des neuen Herrn in Rom, seines Freundes Gaius, einen höheren Rang als ihr Gemahl, nämlich die Königswürde, erlangte. Dieser Glückswechsel hat der ehrgeizigen und stolzen Frau keine Ruhe mehr gelassen. Die bisherige Stellung ihres Mannes, dessen großer Reichtum genügten ihr nicht mehr, und in heftigen Szenen hat sie es schließlich durchgesetzt, daß Herodes Antipas zu dem Entschluß kam, den Kaiser auch für sich um die Verleihung des Königstitels anzugehen.

H. hat dadurch selbst ihren Sturz herbeigeführt. Denn Agrippa verstand es Gaius gegen den Tetrarchen einzunehmen, und diesem ist statt der Königswürde die Absetzung und die Verbannung in eine kleine gallische Provinzstadt zuteil geworden (Joseph. bell. Iud. II 181–183; ant. Iud. XVIII 240–252 und vgl. hierzu S. 195f.).

[206] Im Unglück hat sich H. als die treue Gefährtin ihres Mannes bewährt. Gaius hat ihr nämlich, als er erfuhr, sie sei die Schwester seines Freundes Agrippa, nicht nur ihr Privatvermögen gelassen, sondern er hat auch im übrigen sie nicht das Geschick des Gatten teilen lassen wollen. H. hat jedoch diese Gnade stolz abgelehnt: sie, die Gefährtin der glücklichen Tage ihres Gatten, wollte diesen auch im Unglück nicht verlassen (Joseph. ant. Iud. XVIII 253f.).

Diese Treue der Frau ist geeignet, ihr Bild freundlicher erscheinen zu lassen, das im übrigen, will man nicht ihren maßlosen Ehrgeiz hierfür gelten lassen, lichte Züge kaum aufzuweisen hat. Denn sie war hart und rücksichtslos, herrisch und neidisch, eine Frau, die in ihrer Leidenschaft sich über alle Gebote der Sitte hinweggesetzt hat (man lese das von Johannes Chrysostomos in einer Predigt von ihr gezeichnete Bild, das freilich die Feder eines Feindes entworfen hat; s. Mignes Patrologia im VIII. Band der Werke des Joh. Chrys. Col. 485ff.). Nach der christlichen Überlieferung soll H. sehr alt geworden sein (Nikeph. Kall. hist. eccl. I 20).

Neuere Literatur. Außer den bereits S. 198 angeführten Werken s. Keim s. Herodias in Schenkels Bibellexikon III 46ff. Sieffert Realenzykl. f. protest. Theol. und Kirche VII³ 769f. s. Herodias. Diction. de la bibl. III 652 s. Hérodiade. Prosop. imp. Rom. II 143 nr. 116.

Empfohlene Zitierweise:
Walter Otto: Herodes. Beiträge zur Geschichte des letzten jüdischen Königshauses. Metzler, Stuttgart 1913, Seite 205–206. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Otto_Herodes.djvu/123&oldid=- (Version vom 1.8.2018)