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[RE:39] ohne weiteres vornehmlich der Einmischung des Antonius und insbesondere der Kleopatra in die inneren jüdischen Angelegenheiten zuschreiben (auch sonst tritt uns kein überragender Einfluß der Kleopatra auf Antonius, hinsichtlich der Behandlung der Juden entgegen; s. im folgenden). Man kann vielmehr, abgesehen von den anhaltenden Bitten seiner geliebten Gattin für ihren Bruder, auch den eigenen Entschluß des H., jede innere [42] Zwistigkeit, vor allem mit dem alten Herrschergeschlecht zu meiden, das Bestreben, diesem keine andere Stütze als sich selbst zu eröffnen, hierbei in Rechnung stellen. Über die Ernennung des Aristobulos s. bell. Iud. I 437; ant. Iud. XV 23–41.

Allerdings hat das Verhalten des Königs die Einigkeit mit den Hasmonäern nicht wiederhergestellt, da jetzt von Alexandra die Ziele für ihren Sohn wohl noch höher, auf die Gewinnung auch des weltlichen Regiments gesteckt worden sind (ant. Iud. XV 33. 36). Zudem war H.s Mißtrauen durch die Machinationen der Alexandra geweckt, also auch von seiner Seite ein hinderndes Moment vorhanden, s. ant. Iud. XV 42f. (man darf sich dieses jedoch nicht zu groß vorstellen – hier wird wieder in den Quellen übertrieben – da sonst H.s späteres Verhalten gegen Alexandra, vor allem nach dem Tode der Mariamme, ganz unverständlich wäre). Das Verhältnis zwischen H. und Alexandra muß freilich wenig erquicklich gewesen sein, und diese hat daher versucht, mit ihrem Sohne zu Kleopatra nach Ägypten zu flüchten (daß hierbei von Antonius gar nicht die Rede ist, würde gerade für den Sommer 36 v. Chr. – die Zeit seiner Abwesenheit gegen die Parther – passen, s. S. 40). Diesen Fluchtversuch hat H. zu vereiteln verstanden. Gegen die Veranlasserin sei er [RE:40] jedoch nicht eingeschritten; wohl mehr als die Besorgnis vor der königlichen Freundin der Alexandra (so zwar ant. Iud. XV 48, aber trotz der Kleopatra hat er dann den Aristobulos sogar umbringen lassen!) dürfte hierbei das Bestreben jeden Eklat zu vermeiden maßgebend gewesen sein (ant. Iud. XV 44–48). Wie dem nun auch sei, H. war nicht der Mann, ein seine Herrschaft auch nur irgendwie gefährdendes Element gering einzuschätzen. Zum Vorgehen hat er sich entschlossen, als sich am Laubhüttenfest 36 oder 35 v. Chr. die Liebe des Volkes zu dem jungen Hohenpriester demonstrativ deutlich kundgab und er somit erkannte, daß Alexandra und die Ihrigen bei Plänen gegen ihn bei der Menge des Volkes den Rückhalt finden würden, der ihm selbst immer noch fehlte. Die orientalische Staatsraison des Verwandtenmordes hat auch er sich damals ohne jedes Bedenken zu eigen gemacht; jedoch hat er es nicht gewagt offen vorzugehen, vielleicht auch bestimmt durch die Liebe zu seiner Frau, vor allem aber wohl, weil er nach außen der großen Menge gegenüber den Bruch mit den Hasmonäern durchaus nicht hervortreten lassen wollte. So hat er den Jüngling, bald nach der Laubhüttenfeier im Anschluß an ein Fest in Jericho beim Bade ertränken lassen; bei scherzhaften Spielen im Wasser ist Aristobulos von den Helfershelfern des Königs solange untergetaucht worden, bis er erstickt war (bell. Iud. I 437; ant. Iud. XV 49–56. Die ausführliche Erzählung der antiquitates ist der Version des bellum über die Art der Ermordung, die nicht als Abkürzung zu fassen ist, s. z. B. die Angabe ,διὰ νυκτός‘ vorzuziehen).

Vor der Menge hat H., wenigstens zunächst, tiefe Trauer geheuchelt. Alexandra ließ sich allerdings hierdurch nicht täuschen, sondern klagte den König bei Kleopatra an, und diese bestimmte Antonius ihn nach Laodikeia zur Verantwortung vorzuladen (35 oder 34 v. Chr.). H. hat sich ohne weiteres, wenn auch wohl

Empfohlene Zitierweise:
Walter Otto: Herodes. Beiträge zur Geschichte des letzten jüdischen Königshauses. Metzler, Stuttgart 1913, Seite 41. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Otto_Herodes.djvu/041&oldid=- (Version vom 1.8.2018)