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es nur als Mainzisches Lehen vor. So wurde z. B. Schenk Eberhard im Jahre 1316 gegen Erlegung von vierzig Mark Köllnisch, die er als Burglehen bezahlte, von dem Erzbischof Peter von Mainz zum Schirmherr des Schlosses Fürstenau gemacht. Später erhielt es Schenk Philipp von Erbach von dem Erzbischof Diether zu Mannlehn. Letzterer ertheilte auch die Bewilligung, dass eine Kapelle darin errichtet und mit den Pfründen der zerstörten Kapelle des Schlosses Tannenberg dotirt werden durfte.

So anspruchsvoll der Name dieses Schlosses klingen mag, so stimmt doch das Aeussere desselben damit überein. Gar stattlich erheben sich seine Thürme aus der lieblichen Umgebung. Ueber den Ursprung des Namens schweigen alle Urkunden, und fehlen alle Notizen.

Nahe dabei liegt ein Dorf, welches aber nicht den Namen des Schlosses führt, wie dieses wohl mitunter der Fall ist. Der Name desselben, Steinbach, hiess ehedem Steinbuch, und hat darum wahrscheinlich seinen Ursprung von dem steinigen Boden und den dort befindlichen Buchenwäldern erhalten. Hier bestand schon früher eine Eisenschmelze, auf welcher das bei dem nahen Rehbach gewonnene Erz geschmolzen wurde. Die bei Michelstadt, so wie die unterhalb Fürstenau stehenden grossen Hammerwerke stehen in gutem Betriebe.

Bei diesem Steinbach stand ehemals auch ein Nonnenkloster. Es verdankte seine Entstehung dem Kloster Lorsch, welches nach der Zeit, als Eginhard die Oberherrlichkeit seiner Besitzung an dasselbe abgetreten hatte, die Zelle Michelstadt mit Mönchen besetzte und zu einer Probstey ausbildete. Es ist häufig der Fall, dass der Bestand der Mönchs-Klöster auch die Gründung von Nonnenklöstern in der Nähe derselben veranlasste. So geschah es auch hier. Der Probst von Michelstadt hatte zugleich auch die Aufsicht über die Schwestern in dem Nonnenkloster zu Steinbach. Die urkundlichen Nachrichten von diesem Frauenkloster gehen aber nur bis zu dem Jahre 1525 herab, und es scheint daher mit dem Anfange der Reformation eingegangen zu sein. Man sah bis in die neuere Zeit noch Trümmer dieses Klosters. Seine Existenz, die Nähe der Hammerwerke und des Schlosses Fürstenau haben wahrscheinlich zusammen gewirkt, um die Niederlassungen herbeizuführen, aus welchen dieses Dorf entstanden ist.

Empfohlene Zitierweise:
Albert Ludwig Grimm: Die malerischen und romantischen Stellen des Odenwaldes in ihrer Vorzeit und Gegenwart. Darmstadt: Carl Wilhelm Leske, 1843, Seite 22. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Odenwald_(Grimm)_022.jpg&oldid=- (Version vom 1.8.2018)