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eine eigene Religion stiften zu wollen. Wie andere Bhagats vor ihm saramelte er zwar Schüler (Sikhs), aber er muthete ihnen nichts zu, was nicht jeder rechtgläubige Hindū ebenso gut hätte thun können; seine Schüler bildeten nur eine der vielerlei Denominationen, in welche die Hindūs gespalten waren, ohne darum aufzuhören, Hindūs zu sein.

Die englischen Schriftsteller (wie Malcolm, Sketch of the Sikhs, Mac Gregor, History of the Sikhs, Cunningham, History of the Sikhs), welche die Lehre Nānaks berührt haben, stellen sie als einen moralisirenden Deismus dar, ohne auf das System näher einzugehen. Auch H. H. Wilson (Sketch of the religions sects of the Hindūs) hat die Sache sehr vorsichtig angefasst und mit einigen kurzen Bemerkungen abgethan, aus denen wenig zu entnehmen ist, doch hat er der Wahrheit tiefer auf den Grund geschaut, als die erwähnten Schriftsteller. Wurm, in seiner Geschichte der indischen Religion (Basel, 1874) hat nur das von Wilson bemerkte wiederholt (p. 289, sqq.). Auf die Quelle selbst ist keiner zurückgegangen, da bisher das Sikh Granth alien (auch Cunningham nicht ausgeschlossen) ein verschlossenes Buch war. Wir wollen daher hier kurz die Hauptmomente seiner Lehre zusammenstellen, wie sie sich aus dem Granth ergeben.

Nānak war kein speculativer Philosoph und hat darum auch kein fest gefügtes System ausgebildet; seine Ideen finden sich hin und her im Granth zerstreut und müssen erst mit Mühe zu einem übersichtlichen Ganzen zusammengetragen werden. Da die Vorgänger Nānak’s, hauptsächlich Kabīr, der Vaishnava Secte angehörten, so hat er auch ihre theologischen Begriffe und Definitionen sich angeeignet, so weit sie fur ein populäres Religionssystem taugten.

Das höchste Wesen, das er mit verschiedenen Namen bezeichnet, wie: Brahm, Paramēsur (der höchste Herr), Gōvind und besonders Hari (= Vishṇu), ist nach ihm Eines. Es ist der Urgrund aller Dinge und allein wirklich existirend (सत), unerschaffen (अजूनीसैभं) und zeitlos (अकालु); es enthält in sich alle Eigenschaften und ist zugleich ohne alle Eigenschaften, formlos, daher

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E. Trumpp: Nanak, der Stifter der Sikh-Religion., München 1876, Seite 18. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Nanak_der_Stifter_der_Sikh-Religion.djvu/22&oldid=- (Version vom 1.8.2018)