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verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 19

Stengelgliedes, die Einrollung der Keimblätter bei einzelnen Pflanzenarten in einen Cylinder während des Herausziehens derselben, die Bergung der Kotyledonen innerhalb der Samenschale und der Stammknospe zwischen den Keimblättern oder innerhalb der Kotyledonarscheide während der Anfangsstadien der Keimung, die Bedeckung des wachsenden Wurzelscheitels durch eine besondere Schutzschicht u. a. zu nennen. Vgl. Klebs, Beiträge zur Morphologie und Biologie der Keimung („Untersuchungen aus dem botanischen Institut zu Tübingen“, Bd. 1); Lubbock, Phytobiological observations on the forms of seedlings etc. (Lond. 1886–87); Kerner v. Marilaun, Pflanzenleben, Bd. 1 (Leipz. 1890); Winkler, Die Keimblätter der deutschen Dikotylen („Abhandlungen des botanischen Vereins der Provinz Brandenburg“, Bd. 26).

Keller, Helene, s. Dreisinnige, S. 199.

Kennedy, 3) William, engl. Polarfahrer, starb 25. Jan. 1890 in Winnipeg im Alter von 76 Jahren.

Kerbela, Sandschakhauptstadt im Wilajet Bagdad, etwa 100 km südwestlich von Bagdad am rechten Euphratufer gelegen, hat infolge der schiitischen Wallfahrt zum Grabe Huseins und der Niederlassung meist wohlhabender Pilger aus Persien und Indien jetzt eine Bevölkerung von über 50,000 Einw. (nach Moritz) und ist die zweite Stadt Mesopotamiens, soll aber die erste, nämlich Bagdad, an Wohlhabenheit bedeutend übertreffen. Um die Altstadt sind jetzt neue Stadtviertel entstanden von fast europäischem Aussehen mit breiten, rechtwinkelig sich schneidenden Straßen, die mit Trottoirs und Petroleumbeleuchtung versehen sind. Wichtig ist auch der Verkehr mit Arabien; denn K. ist der Markt für den ganzen Nordosten dieses Landes, und von hier geht die große, oft aus Tausenden von Kamelen bestehende Pilgerkarawane nach Mekka ab, welche nach altorientalischem Herkommen zugleich Handelskarawane ist.

Kerkápoly, Karl, ungar. Publizist und ehemaliger Finanzminister, starb 31. Dez. 1891 in Budapest.

Kern, Kernspindel, s. Zelle.

Kern, 2) Hermann, Pädagog, starb 4. Juli 1891 in Bruneck in Tirol.

Kervyn de Lettenhove, Joseph Maria Bruno Konstantin, belg. Geschichtschreiber, starb 3. April 1891 in Brüssel. Von ihm ist noch erschienen: „Marie Stuart. L’œuvre puritaine, le procès, le supplice, 1585–1587“ (Par. 1890, 2 Bde.).

Keßler, Alfred von, preuß. General, geb. 13. Jan. 1833 in Luxemburg, wurde im Kadettenkorps erzogen, ward 1851 Sekondleutnant in der 2. Ingenieurinspektion, war 1856–59 Adjutant der 8. Pionierabteilung, wurde 1859 zum Premierleutnant befördert, 1860 Adjutant der 5. Festungsinspektion, 1862 Lehrer am Kadettenkorps in Berlin und Hauptmann, 1866 Adjutant der Generalinspektion des Ingenieurkorps, 1867 in den Generalstab versetzt und Lehrer an der Artillerie- und Ingenieurschule sowie 1868 an der Kriegsakademie, 1869 Generalstabsoffizier der 12. Infanteriedivision, mit welcher er den französischen Krieg 1870/71 mitmachte, 1872 Generalstabschef des 5. Armeekorps, 1873 Oberstleutnant und Abteilungschef im Großen Generalstab, 1873 Chef der Eisenbahnabteilung im Großen Generalstab, 1875 Oberst, 1881 Generalmajor, 1882 geadelt, 1883 Kommandeur der 10. Infanteriebrigade, 1886 Generalleutnant und Kommandeur der 28. Infanteriedivision, 1890 Generalinspekteur des Militär-Erziehungs- und Bildungswesens und General der Infanterie.

Ketonzucker, Ketosen, s. Kohlehydrate.

Kette. Alle Schakenketten, die zur Bewegungsübertragung benutzt werden, wie bei der Kettendampfschiffahrt, erfahren durch den Gebrauch eine Abnutzung, welche ihre Tragkraft vermindert und schließlich zum Ersatz durch neue Ketten von der ursprünglichen Stärke nötigt, was bei größern Ketten mit hohen Kosten verknüpft ist. Deshalb ist alles aufzubieten, was den Zeitpunkt, wo der Ersatz nötig wird, möglichst hinausschiebt. Unnötige Spannungen, Drall etc. müssen verhütet oder doch beizeiten beseitigt werden. Der Materialverlust an den Längsseiten der Ketten kann ziemlich bedeutend sein, bevor dadurch die Haltbarkeit der K. wesentlich beeinträchtigt wird, viel gefährlicher ist die Querschnittsverminderung an den Enden der Schaken, d. h. an den Stellen, wo die Schaken einander berühren. Besonders auffällig ist nun an diesen Stellen, daß jedes Schakenglied an einer Seite wesentlich stärker als an der andern abgenutzt wird, und zwar so, daß an jeder Berührungsstelle ein wenig abgenutztes und ein stark abgenutztes Ende zusammenstoßen. Daraus ist zu schließen, daß das besser erhaltene Ende aus härterm Material bestehen muß als das stärker abgenutzte. Das ist auch wirklich der Fall, da die Herstellung der K. so vor sich geht, daß jedes Kettenglied zunächst in rotwarmem Zustand U-förmig

Fig. 1. Fig. 2.
Estermanns Kettenverbindungsglied.

gebogen und nach dem Einstecken in das vorhergehende Glied zusammengeschweißt wird. Die Biegestelle ist weich, die ihr gegenüberliegende Schweißstelle wird durch das erforderliche starke Hämmern härter. Die Berührung von je einem weichen und einem harten Gliedende kommt dadurch regelmäßig zu stande, daß bei jedem einzelnen Gliede das äußere Ende durch Schweißung gebildet wird. M. Hartung in Heilbronn schlägt nun vor, die Ketten in der Weise anzufertigen, daß die Schaken sich stets mit gleichartigem Material berühren. Hierdurch soll ihre Dauer erhöht werden, weil die Abnutzung nun gleichmäßig auf harte und weiche Stellen verteilt wird und nicht mehr die harten zum Nachteil der weichen geschont werden. Die Herstellung der K. würde dann in der Weise zu geschehen haben, daß jedes zweites Glied gleich nach seiner Fertigstellung durch Schweißen so umgedreht wird, daß sein geschweißtes Ende mit demjenigen des vorhergehenden zum Eingriff kommt, während in sein gebogenes Ende dasjenige des folgenden Gliedes eingesteckt wird. Es ist leicht ersichtlich, daß auf diese Weise immer die Berührungsstellen zweier harter Gliedenden mit denjenigen zweier weicher Enden regelmäßig abwechseln. – Ein neues Kettenverbindungsglied ist von F. Estermann angegeben. Die beiden Teile A und C des Verbindungsgliedes (Fig. 1) sind durch den Bolzen D scharnierartig miteinander verbunden. Sind die Teile A und B zusammengeklappt, so greifen sie zur Hälfte übereinander und schließen so das Verbindungsglied. Ist dieses geöffnet, wie in Fig. 1 gezeigt, so können geschlossene Endglieder

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verschiedene: Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage, Band 19. Bibliographisches Institut, Leipzig 1892, Seite 519. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_b19_s0533.jpg&oldid=- (Version vom 16.12.2023)