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mir der Füsilier, ein intelligenter Landwehrmann aus der Maingegend. „Ein dritter war bis an die Hüfte eingepreßt in das Erdwerk, und ich selbst lag im Graben zugedeckt. Mit übermenschlicher Anstrengung gelang es mir, Hände und Kopf freizubekommen und mich vor dem Erstickungstode zu retten. Dann wurde ich besinnungslos und erwachte erst in der Krankenstube meiner Kompanie wieder. Die Kameraden hatten mich vollends ausgegraben und weggeschafft.“ Wegen eines inneren Schadens, den er sich bei der Überanstrengung im siegreichen Kampf mit dem Erstickungstode zugezogen, ist er nun aus der Front entlassen und geht in Garnisondienst. Sein Truppenteil hat im August in Deutsch-Lothringen, der Gegend von Delme am Seilleabschnitt gefochten und dort viermal im Feuer gestanden. „Das war alles nichts gegen das, was wir in den Stellungen am Rupt de Mad durchgemacht haben. Das Schrecklichste war der Leichengeruch. Die Franzosen feuerten auf unsere Krankenträger, die ihre Verwundeten holen, und auf die Leute, die die Toten beerdigen wollten. Viele Sanitätsmannschaften sind ihrem Feuer zum Opfer gefallen. So mußte man die Leichen unbeerdigt liegen lassen und zusehen, wie sie von umherstreifenden, herrenlosen Schweinen angefressen wurden. Es war grauenhaft. Als Hilfsmittel blieb nur die Bespritzung der Leichen mit Kalkwasser, das wir nachts unter ständiger Lebensgefahr kriechend auf das Vorgelände hinausschleppten. Das war

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Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 49. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/53&oldid=- (Version vom 1.8.2018)