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Straße bis zu einem von dunklen Tannenwäldern ringsumsäumten Dorf, das von Granatfeuer stark mitgenommen ist.

Das Gebiet, das wir durchfahren, ist wiederholt der Schauplatz von Kämpfen gewesen, von denen Soldatengräber allenthalben Kunde geben. Es war bald im Besitz der Deutschen, bald in dem der Franzosen gewesen, die aber in den letzten Wochen Schritt für Schritt zurückgedrängt worden sind. Immerhin erreicht ihr Artillerie-Fernfeuer noch mehrere von den Deutschen besetzte Dörfer. Im Sappenangriff hat die deutsche Infanterie einige Anhöhen genommen und ihre Schützengräben vorgetrieben. Beide Parteien nehmen eine abwartende Haltung ein. Die Artillerie wechselt auf beiden Seiten häufig ihre Stellungen, so daß hüben und drüben die Feuerstellung meistens unbekannt bleibt.

Bei der waldumkränzten Ortschaft verlassen wir den Kraftwagen und besichtigen zunächst den vom französischen Granatfeuer zerstörten Bahnhof und den zerschossenen Kirchhof, wo durch einschlagende Granaten Gruben ausgeworfen worden sind, so daß beinahe die Toten in ihrer Ruhe gestört worden wären. Eine Anzahl Steinkreuze und andere Grabmäler liegen zertrümmert am Boden. Im Dorf selbst sieht es übel genug aus, wenn es auch noch lange nicht einen so erschütternden Anblick bietet, wie viele völlig zusammengeschossene Dörfer in Französisch-Lothringen oder in der Woevre. Eine größere Anzahl Häuser

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Karl Müller: Kriegsbriefe eines neutralen Offiziers. Velhagen & Klasing, Bielefeld ; Leipzig 1915, Seite 145. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:M%C3%BCllerKriegsbriefe.pdf/149&oldid=- (Version vom 1.8.2018)