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ihnen Gott doch nicht. Denn diese waren am anderen Morgen früh in alle Winde fortgezogen: die Jungfern aber blieben beschlossen wie zuvor.

Die Sövenbröderen aber, wie sie sich genannt, weil sie ihren eigentlichen Namen nicht gewußt, dienten als ehrliche Kriegsmänner in Reußland, Polen, Welschland, Frankreich, Hispanien und Engelland, und wurden angesehene Hauptleute in verschiedenen Städten und Reichen. Nun traf es sich, daß ein großer Schluß und mächtiges Verbündniß gegen die Räuber gemacht werden sollte, wozu die meisten Länder und Oerter ihre Verordneten nach Brügge geschickt. Wie der Tag nun gehalten wird, treten sämtliche sieben Brüder in ihrer Rüstung und Zier auf; da sich denn befunden, daß sie von ihren Fürsten und Herren gen Brügge verordnet sind, um der Sachen dort auf’s beste wahrzunehmen. Da war die Freude groß, und des Erzählens viel; es trug aber jeglicher von ihnen das Mägdlein heimlich im Herzen, welches ihm daheim zu Lübeck den Goldpfennig verehrt.

Der lübische Rathsherr nun, welcher dem Contor der Hansischen zu Brügge vorgestanden, war jener Mägdlein Vater; und verwundert sich höchlich, wie er seines Geschlechtes Waffen von ihrem Hals hängen sieht, da sie den Goldpfennig an einer güldnen Kette, die sie sich ehrlich erworben, getragen. Er tritt also zu ihnen, fragt sie höflich, thut sich ihnen auch kund, und erfährt, wie sich alles begeben.

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Ernst Deecke: Lübische Geschichten und Sagen. Carl Boldemann, Lübeck 1852, Seite 80. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Luebische_Geschichten_und_Sagen.djvu/86&oldid=- (Version vom 1.8.2018)