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Die Letzen und die Thürme all gerüstet,
Mit Binsen ist die Diele schon bestreut,
Und eingerichtet sind die Kemenaten.
Mundvorrath ist gesammelt auch für Jahre,
Und gestern Abends fällten sie die Eiche,
Ein tüchtig Brautbett Euch daraus zu zimmern.

Albrecht.
Dann eil’ ich, ihrem Vater sie zu rauben,
Der stolz sich unserm Glücke widersetzt.
Daß ich den Vater und den König kränke,
Das gilt mir nichts, der König fraß den Vater;
Sonst würd’ er nicht das Herz dem Kind zerreißen
Und mich verwerfen; ich gewann ihr Herz.
Hast du gehört die schmachvoll bittern Worte,
Die er gesprochen mir zu Eresburg,
Als ich die tapfern Ungarn hingestreckt,
Und durch die Wetterschwärme der Kumanen
Mit meinem Schwerte ihn herausgehauen?
Ich trat vor ihn und bat um seine Tochter,
Er sprach: ich lohne reich mit Land und Leuten,
Nur nicht mit meinem Kinde dich, Vasall!

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Nicolaus Lenau: Nicolaus Lenau’s dichterischer Nachlaß. J. G. Cotta, Stuttgart und Augsburg 1858, Seite 83. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Lenau_-_dichterischer_Nachlass,_1858.djvu/103&oldid=- (Version vom 22.4.2023)