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Günther lachte. „Lieber Major, ich bin kein Engländer, der von jeder hübschen Sache ein Stück abbrechen und in die Tasche stecken muß.“

Tettau seufzte. „Da kann ich nur sagen: O! meine Jugend!“

„Na, Major, zerschmelzen Sie nicht,“ höhnte Günther.

Im Kahne saß Mareile an der Spitze. „Die einzige, die dem Monde den Rücken zukehrt,“ dachte Beate gereizt. „Nicht sehen, aber gesehen werden,“ dachte Ida Sterneck. Große Helligkeit lag über dem Wasser, oben das weiße Licht, das Wasser weiß von Licht. „Man kommt sich vor,“ meinte Tettau, „wie eine Fliege, die in den Milchtopf gefallen ist.“

„Bravo, Major!“ rief Günther. „Milch, natürlich, von einer goldenen Kuh, die silberne Milch gibt.“

„Jetzt muß Frau Berkow singen,“ schlug Sterneck vor.

„Natürlich!“ meinte der Major, „für uns Deutsche ist eine Kahnfahrt ohne Gesang Sünde. Aber, gnädige Frau ich bitte um etwas, das ins Blut geht, wie ganz heißer Kaffee, café double mit fine champagne.“

Mareile sang:

„O komm zu mir, wenn durch die Nacht
Wandelt der Sterne Heer,
Dann fährt mit uns, in Mondespracht,
Die Gondel übers Meer.“

Die eine Hand ließ sie leicht über das Wasser hinstreichen. Die Schmelzen ihres Kleides glänzten, als flösse dunkeles Wasser an ihrer Gestalt nieder.

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Eduard von Keyserling: Beate und Mareile. S. Fischer, Berlin [1903], Seite 108. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Keyserling_Beate_und_Mareile.djvu/108&oldid=- (Version vom 1.8.2018)