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Bild erkannt, doch ohne Grund dem Baldassar Estense zugeschrieben. Als Jugendwerk Cossa’s zuerst von. Lerm. S. 129 erkannt. Erneute Studien in Italien, besonders der Vergleich mit Cossa’s Gemälden in der Pinakothek und in der „Madonna del Baracano“ zu Bologna haben uns die Urheberschaft dieses Meisters bestätigt. Die gefälschte Inschrift „Andreas Mantegna Patavianus fecit, A MCCCCL“ ist schon 1840 entfernt worden. – Phot. Braun VII, 1. – Phot. Ges.

Schule des Fr. Cossa.

Die Geburt Christi. 44. (22.) 1 b.

Die Mitte des Bildes nimmt der leicht gebaute Stall ein, in dem Maria anbetend vor dem Neugeborenen niedergesunken ist, während Joseph, von hinten gesehen, vorn an einem Pfeiler kauert. Engel und Engelköpfe schweben über dem Kinde. Etwas nach rechts Ochs und Esel im Stalle, noch weiter rechts der Zug der Könige in der phantastischen braunen Felsenlandschaft. Links tanzende und jubelnde Hirten.

Ital. Pappelholz; h. 0,26½; br. 1,14½. − Inventar 1754 I 302 als „Giotto“; bei H. als „florentinische Schule“; nach Lerm. S. 244 allerdings toscanisch. Allein die undeutliche Inschrift links unten „Antonius (?) Florentinus MCCCXXXIII ist eine offenbare Fälschung; und das Bild ist in den Typen, besonders demjenigen der Madonna, so unverkennbar ferraresisch, dass wir es mit Cr. u. Cav. (V, S. 370) entschieden dieser Schule zuschreiben.

Ercole de’ Roberti Grandi.

Blühte schon 1480 in Ferrara, gest. daselbst 1513. Brachte den Stil Andrea Mantegna’s in Ferrara zur Geltung.

Der Zug nach Golgatha. 45. (163.) 1 b.

Der Zug bewegt sich, lebhaft vorwärts drängend, von rechts nach links. Links in ihm die beiden Schacher. Ein Scherge reicht einem von ihnen zu trinken. In der Mitte wird Christus mit dem Stricke um den Hals von rohen Kriegsknechten weitergezerrt und vorwärts gestossen. Vergebens sucht er sich nach den rechts angeordneten Frauen umzuwenden. Hier bricht Maria in sich zusammen, trägt eine Frau ihr Kind rittlings auf der Schulter, zieht eine andere das ihre eiligst an der Hand mit fort. Neben einer Frau, die, ganz von hinten gesehen, im Vordergrunde steht, ein halbnacktes Kind. Weiter zurück ein reitender Herold in rotem Rock und roter Mütze, die Trompete blasend. Im Hintergrunde eine kahle Berglandschaft.

Ital. Pappelholz; h. 0,35; br. 1,17. – 1750 unter Luigi Crespi ’s Vermittlung durch Guarienti aus der Sacristei der Kirche S. Giovanni in Bologna. Als Predella

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Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 40. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/72&oldid=- (Version vom 1.8.2018)